Skip to main content

Full text of "Die Philosophie der Griechen in ihrer geschichtlichen Entwicklung"

See other formats


Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commercial parties, including placing lechnical restrictions on automated querying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain fivm automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogXt "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct and hclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers rcach ncw audicnccs. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http: //books. google .com/l 



Google 



IJber dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Realen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfugbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 
Das Buch hat das Uiheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nu tzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in Partnerschaft lieber Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nie htsdesto trotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu veihindem. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche Tür Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials fürdieseZwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-MarkenelementenDas "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter |http: //books . google .coiril durchsuchen. 



DIE 



PHILOSOPHIE DER GRIECHEN 



IN IHRER 



f ^f f- 2 



GESCHICHTLICHEN ENTWICKLUNG 



DARGESTELLT 



TOX 



Dr. EDUARD ZELLER. 



DRITTER THEIL, 

zwnn ummunrii. 

I>IS NACHARI8T0TELIBCHE PHILOSOPHIE, 

ZWEITE HÄLFTE. 



ZWEITE AUFLAGE. 



LEIPZIG, 

F U K 4 *S VERLAN O'. W. R E I 8 L A N O). 

i8e$. 



Alle Rechte vorbehalten. 



CI«4nicM bei X»« Fr. |*aei in TttbinRent 



\ifj 



Vorwort 



Mit diesem Bande bescUiesse ich die neue Bearbeilangf eines 
Werkes, dem seit bald fünfundzwanzig Jahren ein grosser Theil 
der Zeit gewidmet war, welche mein akademischer Beruf mir übrig 
Hess. Auch hier fand ich reichliche Gelegenheit, meine frühere 
Darstellung zu TerroUständigen und zu verbessern; die bedeutend- 
ste Erweiterung erfuhren die Abschnitte über den Neupythagoreis- 
mos, PIntarch, die Essener, die Schule Jamblich's und die Plato« 
nilier nach Proklus. Den neueren Untersuchungen über mehrere 
Ton den Erschemungen , mit welchen der vorliegende Theil dieser 
SckriA sich beschiftigt, habe ich vielfache Belehrung und Anregung 
n verdanken; nichtsdestoweniger kann ich den Wunsch nicht 
unterdrücken, dass sich die Einzelforschung dieses weiten und 
nicht unfruchtbaren Feldes in noch ausgedehnterer Weise bemich- 
tigen möchte, als diess bis jetzt geschehen ist; und ich würde es 
ab eine erfreuliche Frucht meiner eigenen Arbeit betrachten, wenn 
iie den einen oder den andern, namentlich von den jüngeren Fach-> 
genossen, veranlasste, einzelne Parthieen aus der Geschichte der 
spiteren griechischen Philosophie monographisch zu bearbeiten, 
nnd dadurch die Hülfsmittel zu vermehren , welche für eine zu- 
munenfiMsende Darstellung, wie die gegenwärtige, so schwer zu 
entbehren sind. Eine Uebergangszeit, wie sie die letzten Jahr- 
kanderte des griechischen Geisteslebens uns zeigen, hat freilich 
nicht den gleichen unmittelbaren Reiz, wie eine Periode des ersteu 



IV V f w )f l. 

hoffnungsvollen Aufsirebens oder der kräftigen Blüthe. Aber ilir 
kulturgeschichtliches Interesse ist kein geringeres, und wer das 
Einzelne im Zusammenhang des Ganzen zu betrachten weiss, der 
wird finden 9 dass auch solche Abschnitte der Geschichte, so müh- 
sam ihre Durchforschung zu sein pflegt, diese Muhe doch nicht 
unbelohnt lassen. 

Heidelberg, den 15. Dezember 1867. 



Der Terfiuser. 



liihaltsyerzeiclmiss. 



Dritte Periode. 
BOekadsmUi aneierte Sepsis, TorliiflNr das lonplatoidsiiiu. 

Seite 
B. Die jüngeren Skeptiker. 

1. Die Entotehnng und die ftnssere Geschichte der Schule; Aencai- 

demns 1 

Wiederaoftreten der pyrrbonieohen Skepsis: Ptolemäos, Hera- 
klidesi Aenetidemns und ihre Nachfolger S. 1; Zeitalter der- 
selben — 6. Urapmng der Skepsis: die empirtsofaen A erste 

— 8; die neuere Akademie — 10. Aenesidemos: seine 
Skepsis — 12; ihre nfthere Begrüodnng — 14; die sehen 
Tropen — 17; Endergebniss «— 20. Aenesidem's Heraklitis- 
mns — 21. 

2. Die skeptisehe Scbnle nach Aenesidemns; Sextus Empiriktis . 27 
Agrippa — 27. Die zwei Tropen — 28. Sextus — 28. Seine 

Widerlegung des Dogmatismus a) nach der formalen Seite: 
das Kriterium — 30; die Wahrheit — 32; das Zeichen — 33; 
der Beweis — 35; b) nach der materialen Seite: die Ur- 
sache — 87; die wirkende Ursache, oder die Oottheit -^ 
39; die materielle Ursache oder der Körper — * 40; die ethi- 
schen Begriffe — 42. VerhUltnies dieser Kritik zu der Alteren 
Skepsis — 48. Ergebniss: die Zurückhaltung des Urtheils 

— 44. Das praktische Verhalten des Skeptikers — 46. Ata- 
raxie und Hetriopathie — 47. Verhftltniss der spftteren 
Skepsis zur neuen Akademie — 48. Aeussere Ausbreitung 
der Schule: Fayorinus — 49. Bedeutung dieser Skepsi« 

— «4. 



W tnhaltsYdrfteictintBl. 



C. Die Vorl&iifer des Nenplatonismas. 

Einleitung ........... &S 

Allgemeine Eigenthümlichkeit dieses Standpunkts — 56. Seine 
Ableitung aus dem Orient — 56. Sein YerbSltniss zum Juden- 
thnm — 62. 

I# Die rein griechische Entwioklangsreihe: die Nenpythagoreer, die 
pythagoraisirenden Platoniker, die sp&teren Stoiker. 

1. Das erste Auftreten des neuen Pythsgoreismus; Zeit und Ort 

seiner Entstehung 65 

Die pythagoreischen Mysterien — 65. Die pythsgoreisehe 
Philosophie: die Bücher Numa*8 — 68; der Pythagoreer 
Alexanders — 74; Nigidius Figulus und Vatinius — 79; 
weitere Spuren dos Pythagoreismns im ersten Jahrhun- 
dert -- 81. Entttehungsort der neupythagoretschen Schule 
— 88. 

2. Die neupythagoreische Schule, ihre Männer und Schriften . 84 
Die Pseudonyme pythagoreische Literatur •— 84. ApoUonius, 

Moderatus, Nikomachus, Phllostratus u. a. — 93. 

8. Die Lehren der neupythagoreischen Schule. Dio letsten OrSnde 95 
Allgemeine Charakteristik der neapytbagoreiseben Lehre — 
96. Die letsten Gründe: Einheit und ZweiheSt — 98. Die 
Gottheit — 98. Ideen und Zahlen — 108; Zahlenmystik — 
106. Die Weltseele — 109. Die Materie — 109. 

4. Fortsetxung. Logische, naturphilosophische und anthropolo- 

gische Lehren 111 

Logische Erörterungen — 112. Naturansicht; Ewigkeit der 
Welt — 114; sonstige physikalische Annahmen — 116. 
Anthropologie ^ 119. Dftmonologie — 132« 

5. Fortsetsung. Die praktische Philosophie. Das pythagoreische 

Ideal: Pythagoras und ApoIIonins 123 

Die Güter- und Tugendlehre — 128. Politik — 125. Roligions- 
ansiebt und Ascese — 126. Das Ideal des pythagoreischen 
Lebens: Pythagoras 129. Apollonius von Tyana: der histo- 
riaohe Apollonius — 181 ; die Schrift des Pbilostratus— 138; 
ihre Schilderung des Apollonius — 187. 

6. PytbagorMsirende Platoniker. Plutarch . . • ' • 141 
Die platonische Schule und ihre Beziehungen aum Neupythago- 

reismus — 141. Plutarch 142. Sein philosophischer Stand- 
punkt — 144; religiöser Charakter 147. Die Gottheit— 148, 



ItilialtsYcrzciüliuiss. Vif 

Suite 
Die Materie und die böse Seele — 150. Ideen nnd Zahlen 

— 153. Die Weltseele — 154. Die Welt als Ganses — 155. 
Die himmlischen Götter tfkid die Dämonen — 156. Die Vor* 
scbaug — 159. Physikalische Annahmen — 161. Anthro- 
pologie — 16ä. Ethik — 165. PIatarch*s religiöse An- 
sichten — 170. Die Weissagung — 174. Die Yolksreligioo 

— 176; MythendeutuDg — 178. Synkretismus; Verhftltniaa 
sor Ascese — 181. 

7. Fortsetanng : Maximus, Apulejus, Numenius u. s. w. . • 182 
Maximns — 182; sein Eklekticismus — 183; religiöse Spe- 

knlation — 186. Apulejas — 188. Theo und Alcinous 

— 191. Celans — 192. Nnmenins — 193; seine drei Götter 

— 195; Anthropologie — 197. Kronius -- 199. Harpokra- 
tion — 200. 

8. Platonisirende Stoiker 201 

Das dualistische Element des Stoioismus — 201. Posidonias 

und Seneca — 202. Epiktet nnd Mark Anrel: religiöser 
Charakter ihrer Philosophie — 202 ; anthropologischer Dua- 
lismna — 205. 
IL Dio jfidiach-grieohische Philosophie. 

1. Die alexandrinisehe Philosophie Yor Philo .... 208 
Die SgypÜachen Juden — 208; ihre Philosophie — 210; Ab- 

■wecknng und Charakter derselben — 211. Erste Spuren 
ihres Daseins: Septuaginta — 215. Aristobul — 219. Die 
alexandrinisehe Wissenschaft nach Aristobul — 224. Ari- 
ateas — 227. Das Tierte Buch der Makkabäer, Sibyllinen 
a. s. w. — 228. Das Buch der Weisheit — 280. 

2. Die Essener und Therapeuten ...... 235 

Die Essener — 284. Ihre ge«ellschaftliehen Einrichtungen — 

286; sittliche Grundsatze ~ 239. Eigen thttmli che Gebrftuche 
und Lebensweise — 241. Dogmatische Eigenthümlicbkeit: 
allegorische Schrifterklärung — 247; Gott und die Welt — 
349; Anthropologie und Ethik — 251; Engellehre undNatur- 
▼erehrung — 252. Weissagung 255. 

Therapeuten — 255* Heimath, Lebensweise, Denkart, Ver- 
hlltniss SU den Essenern — 258. 

Ceber den Ursprung der Essener und Therapeuten: gegen ihren 
reiBjSdischen Ursprung — 268, und im besondern gegen 
die Annahmen Ton l^itschl — 266, und Hilgonfeld — 270. 
Ge|;en Ihre Ahleitung aus dem Parsiomus ^ 275 und Bud- 



VIII Tnbft] is verxeichniss. 



S«>i{a 



clhismas — 278. Ihr Znsammenbang mit der ueupythago- 
reischen Schule — 279. Zeit und Ort der Entstehung des 
EsäälsmuB — 287. 

8. Fhilu 293 

Persönlichkeit, wiäscnschaftlicber Standpunkt — 298. Die 
Jüdisohe Offenbarung und die griechische Weisheit — 295. 
Jfidischcr Ursprung der letztern, allegorische Erklärung der 
erstoren — 800. Pbilo's System: die Gottheit — 806; Eigen- 
schaften Gottes — 811. Die göttlichen Kr&fte — 812; die 
Frage über ihre Persönlichkeit — 815; ihre Entstehung 

— 818; Gate und Macht — 821. Der Logos: sein Begriff 

— 82S; Verhftltniss au Gott — 824, sur Welt 327; Persön- 
lichkeit — 839. Ursprung der Logoslehre — 332. Die Ma- 
terie — 336. Weltbildung — 338. Weltorhaltung , Vor- 
sehung — 339. Naturansicht, ZablensymboUk, die Gestirne 

— 340. Anthropologie: Natur und Abkunft der Seele ~ 343; 
das irdische Leben — 846; Seelenkrftfte — 847; der Loib 
und die Sinnlichkeit — 848; allgemeine Sündhaftigkeit — 
850. Ethik: Stoicismus — 851; theologische Begründung 
der Ethik — 854; die praktische Tbfttigkeit -- 855; die 
theoretische Thfttigkeit, die encykliscben Wissenscbalten 

— 857; die religiöse ThAtigkeit — 859; ascetiscbe, erlernte, 
natflrliche Tugend — 360. Die Anschaunng Gottes — • 863. 
Rückblick — 865. 



]>rl44er Absclinit«« 

Der Henplatonismas. 

rj>.!;inin^: über Wesen, Ursprung und Entwicklung der nenpla- 

(oniachcn l'bilosophic 368 

Untordcbied des Neuplatonismus vom Neupythagorcismus — 
3G8> und von Philo — 370; Verwandtschaft desselben mit 
jenen und der naoharistotelischen Philosophie überhaupt 
372; subjektiver Ausgangspunkt des Systems — 380; objek- 
tive Ausführung desselben — 381. Ueber den Zusammenhang 
des Neuplatonismus mit Alteren Lehren: den Nenpythago- 
reern und Philo — 883; orientalischen Systemen — 885; 
der Gnosis — 886. Sein Verhftitniss zum Christentbam — 
891. Seine griechischen VorgAnger — 894. Seine geaohioht- 
liebe Entwicklung — 396. 



. tnlialtsVcrzeioLnUs. 4X 

S«Ite 
t. Plotinufl nnd seine Schüler. 

1. Die ersten Anftnge des Neaplatonismus. Ammonius Sakkas . 897 
Ammonias — 398; der Beriebt des Hierokles — 400, und 

Nemesius — 402. Die Schüler des Ammonias — 406; Ori- 
genes — 407; Longinns — 410. 

2. Plotinus. Sein Leben, seine Schriften, die Gliedemug seines 

Systems 413 

Plotin*s Leben und Persönlichkeit — 413. Seine Schriften — 418. 

Haupttheile des Systems — 420. 
A. Die äbersinnliche Welt. 

8. Plotin's Lehre über das Urwescn 422 

Die übersinnliche Welt und ihre Theile — 422. Das Urwesen 

422; als das bestimmungslose — 428, das Eine und Gute 

— 436, die absolute Causalität 439. Der Hervorgang des 
Abgeleiteten aus dem Ersten — 441; sein Verhftltniss zu 
demselben — 444. Das emanatistische in Plotinus Lehre 
450; ihr dynamischer Pantheitsmus — 451. Die Stofenreihe 
des abgeleiteten Seins — 453. 

4. Der Nus 454 

Seine Entstehung — 454. Denken und Sein — 456. Der Nus 

ala Denken — 458. Der Nus als Sein — 461; die Katego- 
rieen — 462. Die intelligible Materie — 468. Die Ideen 
und die Zahlen — 469. Die Geister — 471. Die intelligible 
Welt — 473. 

5. Die Seele 476 

Ihre Entstehung — 476. Ihr Wesen — 477. Die Weltaeele 

— 480. Doppelte Woltseelo — 481. Einzelseelon — 483. 
B. Die Erscheinongswelt. 

6. Die Erscheinangswelt ihrem allgemeiiien Wesen, nach be- 
trachtet 486 

Die Materie — 486; das Böse — 489. Entstehung der Materie 

— 490. Herabsteigen der Seele in dieselbe — 491. Die 
sinnliche Welt als Erscheinung der übersinnlichen — 493; 
die Xö^oi 937ep{xaTixot — 496. Beseeltheit der Welt, Sympathie 
ihrer Theile — 497; Schönheit und Vollkommenheit der 
Welt — 499. Vorsehuflg — 500; Theodicee — 502. 

7. Das Weltgeb&ude und seine Theile 505 

Plotin's Verhaltntfls zur Physik — 505. Der Himmel und die 

Gestirne — 506. Die Dämonen -- 510. Die irdische Welt 

— 511. 

MoSi 4. Gr. ZU, Bd, 8. Ab^ A ^ 



X InbaltsTerielcbnxsB. 

fielta 

8. Der Hengoli 61t 

1. Der Menscli im PrftexistenzzastaTid — 512. — 3. Der Mensck 
im Zeitleben: die Seele and ihre Theile — 615; Seele and 
Leib — 519; die Seclenthfttigkeiten — 531; Willensfreibeit 

— 524. — 3. Die Bflokkehr der Seele «os der sinnlicben ia 
die überBinnlicfae Welt: Unsterblichkeit — 527 ; Seelenwan- 
derang and jenseitige Vergeltung — 528. 

9. Die Erhebung des G.eistes ron der Erscheinung in die fiber- 
sinnliche Welt 581 

I. Das Ziel der menschlichen Th&tigkeit — 533. — II. Die sitt- 
liche Thfttigkeit, a) negativ, als Reioigang — 587; b) positir, 

als Eros — 589. Die besondern sittlichen Thfttigkeiten: die 
praktische Tugend — 541 ; das Erkennen : Wahrnehmung 

— 544, Vorstellung und Denken — 545, das unmittelbare 
Wissen — 547. Die Einigung mit der Gottheit — 548. III. Die 
Religion: Ihre Bedeutung fQr Plotin — 555. Vertheidigung 
des Polytheismus — 557; Mythendeutung — 559. Der Koi- 
tus: die Bilder — 562, das Gebet — 563, die Magie ~ 564, 
die Weissagung — 566. 

10. Plotin'a Schule; Porphyrius 669 

Amelius — 568. Porphyrius: Persönlichkeit und philosophi- 
scher Charakter — 572. Logik — 576. Auffassung des Nea- 
platonismus — 579. Aufgabe der Philosophie — 580. Meta- 
physik — 581. Anthropologie — 587; Seelenwanderung, 
PrJtezistens, Zustand nach dem Tode — 590. Ethik — 594; 
Ascese — 596. Die Religion — 598; Kritik des Volks- 
glaubens — 599; Noth wendigkeit der Religion — 602; 
Polytheismus, D&monologie — 603; Verfälschung der Re- 
ligion durch die D&monen — 606; die Wahrheit der Volks- 
religion — 608. Ueber Christenthum, Judenthum u. s. w. 

— 610. 

II. Jamblich und die syrische Schule. 

11. Porphyr's Schüler. Jamblich 611 

Porphyr's Schule — 611. Jamblich — 618. Sein wissenschafl- 

licher Charakter nnd Standpunkt — 617. Die übersinnliche 
Welt — 620. Die erste und aweite Einheit — 621; das In- 
telligible and das Intellektuelle — 622; die Seele und die 
Tfaeilseelen — 625. Innerweltliche Götter, Engel a. s. w. 

— 627. Mythendentung — 628. Bilderrerehrung, Theargie, 
Mantik, Gebet — 629. Zablenlehre — 632. Die Eracbei- 



InbaltSTerseiohnlsi. tt 

Mm 
mug^twelt: Natnr und Bobiokaal; Wunder — 684« Raum 
und Zeit — 688. Der Mensch und die Seele — 689. Ethik 
— 648. Bfiokbliok — 644. 
IS. Jamb]ich*8 Bebnle; die Schrift tou den MTsterien; Theodor 

▼on Aalne • • • • 646 

Charakter der syrischen Schale — 646. Die Schrift ron den 
Mysterien: ihre Theologie und Dämonologie <^ 647; die 
Theurgie und der Kultus — 650; gegen die falsche Magie 
und Mantik ~ 654. Theodor yon Asine — 655. Andere 
Mftnner aus Jamhlich*s Schule: Aedesius, Sopater, Eusebius, 
Maximus, Chrysanthius, Priscus, Eunapius — 658. Julian, 
Sallust, Libanius, Dexippua — 664. 
18. Die Schule Ton Athen: Plutarchus, Hierokles, Syrianus • 668 
Die Lage der griechischen Philosophie seit Julian — 668. The- 
mistins — 669. Hypatia — 672. Olympiodorns — 674. — 
Die Schule Ton Athen — 675. PluUrchus ~ 677. Hierokles 

r 

I — 681. Syrianus — 687. Seine Behandlung der Philosophie ) 

Plato und Aristoteles — 689. Theologie und Metaphysik — 
I 692. Kosmologisohe , psychologische und ethische Sätso 

— 697. Verbftltniss au Proklus — 699. 

14. Proklns 700 

Leben und Schriften — 700. Philosophischer Charakter — 705. 

! System: das Gesetz der triadisoben Entwicklung — 710. — 

i 

, Die fibersinnliche Welt: das Urwesen und die göttlichen 

Einheiten — 714; das Intelligible und seine Stnfen — 719: 
die intelligibeln GOtterreihen — 720; die intellektuell-intel- 

I ligibeln Götter — 724; die intellektuellen Götter — 725. 

Die Seele nnd die seelischen Götter — 726. Die D&monen 

I 

— 728. Die Theilseelen — 780. — Die Erschein ungswelt: 
die Materie, die Natur, der Raum n. s. w. — 780. Die Voll- 
kommenheit der Welt, Theodicee — 788. Anthropologie 

— 784^ die Seelenthfttigkeiten ~ 786; das Göttliche im 
Menschen — 788. Die Erhebung zur fibersinnlichen Welt 

— 789; die ethische Tagend — 740; die Wissenschaft— 740. 
Die göttliche Erleuchtung und der Glaube — 741. Die Bell- 
gion nnd der Kultus — 742; Mythendeutung — 748. Die 
Einigung mit der Gottheit — 745. Rflokblick — 746. 

15. Die nenplatonische Schule nach Prokbis. Das Ende der grie- 
chischen Philosophie 747 

Hermias — 747. Ammonins — 750. Asklepiodotus — 758. 

Mariaas — 755. Isidoms — 756. Hegias ~ 756. Zeno- 



Xlt tnlialtsverseictiDidS. 

fUAkA 
dolus a. A. — 757. D^mascias — 758; seine BestiinmuQgen 
ttber das Urw^sen und die Einheiten ^ 760; über Raum und..^ 
Zeit — 762. Priscianus, Askiopius u. A. — 763. Simplicius 

— 763; Vereimgnng des Aristoteles mit Plato — 765; Kaum 
und Zeit — 767; der Nus — 768. Aufhebung der Schule 
Yon Athen — 769. Die letzten Nenplatoniker: Olympiodorus 

— 771. Die Philosophen des Westreichs — 778; Macrobius 
-* 774;('Bo6thius — 776: seine Logik — 777; seine ethi- 
schen und religiösen Ansichten — 779. Ende der alten 
Philosophie; Sohlussbetrachtung — 783. 



Zweiter Ahuehnltt. 

IklekticisHVS, enieierte Skepsis, Vorl&itfer des 

Nenplatonismas. 



B. Die jangeren Skeptiker. 

I. Die EutBtehung and die ftassere Oeschichte decScliule; 

Aenesideinua. 

Durch den eklektisclien Dogmatismus des Antiuchus und sei- 
ner Nachfolger war die Skepsis gerade aus der Schule verdrängt 
werden^ in welcher sie seit zweihundert Jahren ihren hauptsäch- 
lichsten Silz gehabt hatte. Aber die Ursachen, welche diese Denk- 
weise hervorgemren und ihre Verbreitung begünstigt hatten, waren 
damit nicht gehoben, ihre wissenschaftliche Widerlegung war un- 
genügend ausgefallen^ der herrschende Eklekticismus selbst hatte 
die skeptische Stimmung der Zeit zu seiner Voraussetzung, und 
mnsste ihr durch seine eigene schwankende Haltung immer neue 
Nahrung zufuhren 0- War daher auch der Zweifel in der Aka- 
demie yerstummt, so dauerte es doch nicht lange, bis er anderswo 
aoTs neue auftrat. Aber doch ist diese spötere Skepsis weder an 
finiluss und Ausbreitung, noch an wissenschaftlicher Bedeutung 
mit der des Arcesilaus und Kameades zu vergleichen; und wie- 
wohl sie selbst ihren Stammbaum nicht auf diese ihre nächsten 
Vorganger, sondern auf Pyrrho\ind Timon zurückführte, so ist 
doch zu vermuihen, dass sie ihre stärksten Waffen aus den Rüst- 
kammern der mittleren und neuen Akademie entlehnt hat. 

Die altere pyrrhonische Schule war in der ersten oder zweiten 
Generation nach Timom erloschen. Der erste, welcher aufs neue 
itt ihr zurückkehrte, war nach dem glaubwürdigen Zeugniss eineif 



1) Man Tgl. hierüber die erste Abtheilung diesea Theil« 8 497.. 
nskm. 4. Gr. 111. Bd. i. Abth. ^ 



jl Skeptische Schale. 

seiner Nachfolger Ptolemdus ans Cyrene 0- Indessen ist uns 
weder über ihn selbst, noch über seine Schüler Sarpedon und 
Heraklides, näheres überliefert 0; und so wissen wir denn auch 



1) Dioo. IX, 115: -roÜTou (Timon^a) 8tÄ5oxo(, m{ (ikv Mi)v6dotöc (s. n. 
S. 5,' 1) 91)91, yffoVev o&$e\(, aX>a hUkinvt hotrfto-fy ito^ auTJjv nToXE(AaicK & Kopfj- 
vfluo« avcx-nfvato. co« $' 'l;cn6ßotö< 91)91 xa\ Zcüiiuv, $«i|xou9av o&toO AtocxoupcSiK 
KJ}Cp(oc xa\ Ntx^Xo)(^oc Tö^io^ xcä EC^ppdcvcop SeXeuxev^ üpaÖXouc x* aicoTpcoadoc.... 
EO^p&vopoc S^ dii{xovaEV E&ßouXo« ^AXe^cv^peIk, oS llToXcixtfoc, ol £apiq|$a>v xok 
*IIpaxXE(8T)c, *HpaxXfiiSou 8' A^e9i$t){ao( Kva>9to{, ^c , xa\ nu^^iovfi(tov Xö^i^v 3xt^ 
9w^Ypa<|>fi ßißX{a. Diese (schon 1. Abtb. 441 berfthrte) Stelle ist nmi Tielfaeh, 
und auch Yon Kittbr in seiner verdleDstlichen Untersaohnng über die Zeit- 
verhftltnisse der spftteren Skeptiker (G. d. Ph. IV, 282 f.), so versUnden 
worden, als hfttte|i Hippobotns nqd Sotion in Dioskarides, Nikolocbna, Eh; 
phranor, Praylas und Eal>nlns die aufeinander folgenden Lehrer oder 
Sebolarohen der- skeptischen Schule, ron Titnon bis auf Ptolemftus, angeben 
wollen; wobei man denn freilioh nicht umhin konnte, die offenbare Lficken- 
haftigkeit des Verzeichnisses sn bemerken. Allein diese ist nicht ihre Mei- 
nung. Dioskurides, Nikolochus, Enphranor und Praylas wurden von Hippo> 
botus und Sotion, wie der Augenschein zeigt, alle vier als persönliche Schiller 
Timon*8 bezeichnet, ausserdem hatten sie, wie es scheint, noch Eubnlue den 
Schüler Buphranor*s genannt; dass sie dagegen auch Ptolemtas für den 
Schüler des Eubulus ausgegeben, oder gar (wie Pkbllbe Eist. phil. gr. et 
rom. S. 641 yoraussetst) die Reihenfolge der Skeptiker von Aenesidemns bis 
auf Sextus fortgefQhrt haben sollten, ist einfach desshalb unmöglich, weil 
Sotion um etwa .150 Jahre Alter ist, als Ptolemftus. Ihre Abweichung von 
Menodotns beschrankt sich daher darauf, dass sie noch vier Schüler Timooy 
und von einem derselben wieder einen Schüler nannten, ^Ahrend jener lüng- 
nete, dass Timon überhaupt einen Nachfolger gehabt habe; weiter dagegen 
hatten auch sie die skeptische ^Y(»T^ nicht herabgeführt, und auch sonst 
kann Diogenes in keiner seiner Quellen weitere Pyrrhoneer zwischen Eu- 
bulus und Ptolemaus gefunden haben, da er sonst nicht diesen zum Schüler 
Ton Jenem machen würde. Dass aber diese Behauptung üilsch ist, liegt ftof 
der Hand: der angebliche Schüler wftre um beilftaüg 180 Jahre jünger, ale 
der Lehrer. Auch Abistoklbs (s. u. 7, 1 Schi.) lAugnet die Fortdauer der 
pjrrrhonischen Schule. 

2) In Betreff des Heraklides könnte man zwar Termuthen, wie überhaupt 
die juenen Pyrrhoneer grossentheils zu der Parthei der sog. empirischen Aerzte 
gehörten (s. u. 8, 2), so sei auch er ron dem Heraklides, welchen Galb« 
(Therapeut, meth. H, 7. in Hippocr. aphor. VH, 70. Bd. X, 136. 143 f. XVIII, 
a, 187 K.) als einen Ton den namhaftesten Einpirikern nennt, und Ton dem 
er eine Schrift 9Cfip\ t9|c IfjLTCstptxvj^ alptf9sa>c anführt (De libr. propr. 9. Bd. XIX, 
88), und mit diesem von dem Taren tiner Heraklides, dem Schüler des Hero* 
phileers Mantias, nicht Terschieden, der von Qalen neben Zeuxis als der 
erste Erkiftrer der sümmtlichen bippokratischen Schriften bezeichnet wird 



Aenesidemas. ' 3 

Didit, ob sie die skeptische Ansicht schon in derselben Allgemein- 
hat Tortnigen, und ebenso eingehend begründeten ^>, "wie diess 
▼on dem Schüler des HerBklides, dem Gnosier ^ Aeneside- 
mas •), geschehen ist. Als Nachfolger des Aenesidemus werden 

(iB Hippocr. de hnmor. 1. 24. in Hippocr. de med. off. 1. Bd XVI, 1. 196. 

Sin, b| 681), uod als einer ron den bedeutendsten M&pnern der empirischen 
ole bekannt iat. (Die Nacbrichten Qber ihn sind zusammengestellt bei 
SnumL Oeaoh. der Araneik. bearb. von Rosbnbaum Bd. I, 585 ff.) Allein 
£e Zeitrechnung macht hier nnfiberwindliche Schwierigkeiten. Denn wenn 
ioeb der Taren tiiier Heraklides nicht, wie gewöhnlich geschieht, bis an*s 
Eod« des dritten Jahrhanderts hinanfgerflckt werden kann (Cdi.. Aubbl. de 
■erb. aCQt. 1, 17. 8. 64 nennt ihn ausdrdcklich einen von den jQngeren Rm- 
pirikera, wenn er sagt: eorum posterior atque omnium probainüor apud suoa 
fBvottftir, and Cbi.s. Medie. I, prooem. .S. 3 sagt Ton Serapion, welcher nm 
^**/9i> ta fallen scheint: qtiem ApoUonnu et Olaueias et aliquanto post 
Biraeiides Tar e rUi n iu ... se^uf»), so darf man ihn doch andererseits auch 
njebt so weit berabrficken, dass er noch der Lehrer des Aenesidemus h&tte 
MiB können, da er nach Cblbds a. a. O. dem Asklepiades (vgl. 1. Abth. 
3S3, 2) um ein merkliches Torangegangon sein mnss; denn dieser fAhrt fort: 
■ish den genannten habe keiner einen neuen Weg eingeschlagen, donec A$- 
f^^fpiades medendi raitonem ex magna parte mutavit. — Eher könnte unser 
Heraklides der Zeit nach mit dem gleichnamigen Erythrfter zusammenfallen, 
^ Stbabo XIV, 3, 34. S. 645 seinen Zeitgenossen nennt, und der gleichfalls 
n den Anslegem des Hippokrates gehört (Galbm in Hippocr. de epid. sext. 
h 1* Bd. XVII, a, 793); allein dieser war nicht Empiriker, sondern Hero- 
pbiteer (Stbabo a. a. O. Galbk puls. diff. IV, 10. Bd. VIII, 743. 746). 

1) W«nn nftnflich diese VorgSnger des Aenesidemus auch schon zu den 
^piriichen Aerxten gehörten, könnte es immerhin sein, dass nie die Mög- 
liekkeit einer sichern Erkenntniss zunAohst nur in Beziehung auf Jene Fragen 
ikrsi Fachs Ungueten, fflr die sie (nach Celsus Medio. I, prooem. 8. 5. Sbxt. 
Ifttb. Till, 191. 827. Qalbm De aeotls 2. Bd. I, 66 f. De simpl. medic temp. 
19. Bd. XI, 481. Ps. Galbb El^a^. 8. Bd. XIV, 678 u. a. St. Tgl. Bprünobl 
Oeseb. der Ameik. bearb. von Rosbnbaüm I, 673 f.) ron den Empirikern 
tllgemein bestritten wurde, fiber das Wesen der Krankheiten, die eigent- 
liehea Ursachen der Krankheitserscheinungen, die specifische Wirkung der 
cii^ben Heilmittel n. s. w.; und so bezeichnet auch Aristoki.rs b. Küs. pr. 
^- XIT, 18, 22 Aenesidemus als den ersten Erneuerer des Pyrrhoiiismus. 
Aber der Schritt ron Jener medieinisohen Skepsis zur allgemeinen war aller- 
*igt Bicbt gross. 

2) 8o DioG. a. a. O. Dagegen nennt ihn Prot. Cod. 212. 8. 170, 41 
^y\. Ahpwß. i i? A?yÖv. 

S) lieber seine LebensTerh&Unisse wissen wir ausser dem (nach Droo. 
*• ^ 0.) im Text gesagten nnr, dass er in Alexandrien lehrte (Abistokl. 
»- »^ 0.). 

1 * 



4 Bkep tische Schale. 

von DioeiifBS ^} Zeuxippus, Zeuxis 0^ Antiochus '>, Meao- 



1) IX, 116: .[A{vt9tdi|(jL0u dnjxouot] ZtiSitsnco« h TLtikixti^ (aiu Polii, entweder 
den lokrischen oder wahracheinlicher dem ttgyptiBchen; Cobrt schreibt m- 
XiXfiiy in welchem Fall aber «CtoS dabeiftteben mflsste), o5 ZcC&c i Fewtöicouc, 
o8 *Avttox^o( Aaod(xcu( anb Aüxou* (aus dem phrygischen Lepdicea, das anch 
„Laodicea am Lykus** genannt wurde; Strabo XII, 6, 16. 8. 578) toiStou tt 
M92vö8oxo( h Ntxo(jLT)S€Ü( , {aTpb( ^(jussiptxbc , xot 6eici>8a( Aaodixcuc Miivod^Au 
81 'HptfdoTOf 'Apt/ci>( Taposijf * 'Upo^^Tou Si StifxouaE S^^toc h ^(&;:iip.xb(, o8 xs^ 
TOI d^xa T(5v 9Xiimxa>v xa\ oXXa xÄXXtaxa' £^t«u 8k dnjxouac SaTOpvtyo( 8 Kw- 
Oi)va( (was dieser Beiname bedeutet, ist unklar, aber eine Aenderung, etwa 
in K.u8a6i2vaisuc , darum doch schwerlich gestattet), 2|i.K(tpixb( xo^ o^töc. 

2) Einen Zeuxis kennt auch Qalkm, der ihn als einen Taren tiner, und 
neben den beiden Heraklides als einen von den ersten Auslege'i'n des Hippo- 
krates beEeichoet (in Hippopr. Epid. sext. I, 1. Bd. XVII, a, 79ft. in Hippoor. 
de humor. 1. 24. Bd. XVI, 1. 196. in Uippocr. de med. off. 1. Bd. XVIII, b, 
681 Tgl. 8. 2, 2); und da er ihn einmal (in Hippocr. aphor. VH, 70. Bd. XVIII, 
a, 187) mit Heraklides unter dem gemeinsamen Priidikat: ol ^|&miptxo\ su- 
sammenfasst, so könnte man yermnthen, er sei tou unserem Zeuxis nicht 
verschieden. Um so mehr wird er dann aber von dem Zenxis au auterachei- 
den sein, der nach Stbabo XU, 6, 20. d. 580 bei einem Tempel unweit Lao- 
dicea in Phrygien vor nicht langer Zeit (xaO' ^i(Jiac) eine grosse Schule hero- 
phileXscher Aerate gegründet hatte; nach ihm hatte Alexander Pliilalethes 
dieselbe geleitet, jetat aber, sagt 8trabo, sei sie in Auflösung begriffen. FOr 
die Identitftt beider liesse sich awar anführen, dass der Nachfolger dea.Bkep- 
tikers Zeuxis aus demselben Laodicua stammte, in dessen NAho Strabo's 
Zeuxis seine Bchule hatte. Allein sonst spricht doch alles dagegen. Strabo 
nennt seinen Zenxis ausdrficklich einen Heropbilcer, und ebenso beaeichnct 
Qalbn De puls, differ. IV, 4. 10. Bd. VIII, 725 ff. 746 seinen Schüler Ale- 
xander Philalethes nnd dessen awei Schüler Demosthenes und Ariatoxenus. 
Die Empiriker werden aber sonst immer von den Uerophileern beatimmt nn- 
teraohieden, wenn auch (nach Ps. Galbm Isag. 4. Bd. XIV, 687) ihr Stifter 
Philinus ein Schüler des Herophilus gewesen war, und dieser selbst sn ihrer 
Stiftung den ersten Anstoss gegeben haben sollte, und der Skeptiker Zeuxis 
kann, nach allem was uns sonst über den Charakter dieser Schale bekanet 
ist, nur au des empirischen, nicht lu den herophileSscben Aersten gehört 
haben (vgl. S. 8 f.). Um fernei' den Zeuxis 8trabo*s für Eine Person mit deni 
Skeptiker halten au können, müsste man annehmen, dieser sei sugleioh Nach- 
folger dea Zeuxippus in der Leitung der skeptischen Pbilosopheuschule ua4 
Stifter einer eigenen Aratlicben Schule gewesen, und in jener habe er den Ab* 
tiochus, in dieaer den Alexander Philalethes aum Nachfolger gehabt, wsf 
gewiss gleich unwahrscheinlich ist, ob wir ihn nun von der Leitung der Phi- 
losophenschule lu der der ftratlichen übergehen lassen, oder umgekehrt. Us 
endlich um 16—20 nach Chr. (hierüber vgl. m. unsere 1. Abth. S. 621) uioht 
aliein der vou Strabo erwähnte Zeuxis selbst, sondern auch aein Nachfolger 



^ 



Nachfolger des Aeneiidemai« 9 

dolus Ol Theodas oder Theudas O9 Rerodotns 0) Sexttts 
der Anpiriker und Saturninus ^3 genannt Ausser ihnen sind 
ms nur wenige Mitglieder dieser skeptischen Schule bekannt '0; 



bereite ebgetreten wer, kana seine Wirksemkeit keum Aber den Anfang der 
efaristlieben Zeitreobnang herabreicben. Diese ist aber viel su früh f9r den 
Skeptiker, dessen fSnften Nachfolger, den Empiriker Beztns, wir (s. u.) nicht 
wohl aber die letzten Jahrsehende des zweiten Jahrhunderts heraofriicken 
kÖDMo: fOr die fünf skeptischen Diadoehen naoh Zeoxis, ron denen fiberdiess 
s%ei noch des gleichen Lehrer hatten, wflrde sieh bei dieser Annahme die 
hoispielloe lange durchschnfttlicbe Amtsdaner von etwa 40 Jahren ergeben. 
— Eine Schrift des Zenxis icsp\ Sitruiv Xdycov führt Dioa. IX, 106 an; da er ihn 
hier den ivtüptitoc Aenesidem^s nennt, scheint er noch sein persönlicher Schüler 
gewesen zu sein. 

t) Von Dioo. anoh IX, 106 angeführt. 

1) Naoli Galbb (Therap. raeth. II, 7. Bd. X, 1S6. 149 f.), der ihn öftere 
infBhrt (ygU den Index), nnd Ps« Galen Isag. 4. Bd. XIV, 688 ein^ ton den 
Hloptern der empirischen Bcbnle. De libr. propr. 9. Bd. XIX, 88 nennt 
Gslen Ton ihm eine Schrift an 'Beverns; Sbzt. Pyrrh. I, 22S sagt Über ihn 
«od Aeneaidemus: oStot y^tf (i^ora tsUtvi^ ffpo^onjeflcv t9i< otiocie^, so dasa 
er demnaoh einer der bedeutendsten Skeptiker gewesen sein muss. 

3) OtiMÖo; nennt ihn nach gewöhnlicher Lesart Dioo. IX, 116, 6<o8dK 
Oalm Therap. meth. II, 7. Bd. X, 142 £, wo er ihn sn den empirischen 
Aertten zühlt, nnd De libr. propr. 9, wo er seine E^caycoY^ und seine Ke^- 
Xtts anführt, 6cv8S( Suin. Bt6B6<j. S. 1182 Bemh., der gleichfalls seiner Ke- 
fOüna Erwibonng thnt. 

8) Nach Dioe. a. a. O. Schüler des Menodotus, aber, wie es scheint, 
Xaehrolger des Theudas, der doch kaum aus einem andern Grund, als weil 
er Sebulrorstand war, in dieser Reihe aufgezählt sein wird. Es ist diese 
«ahrsebeinlieh der Ton GAr^mi (s. d. Register) oft erwKhnte Herodot, nnd 
dsM er demselben De comp, slmpl. medic 29. Bd XI, 482 rorrflckt, er rer- 
werfe alle Sekten, ausser der pneumatischeir, kann bei der Principlosigkeit 
dieier Empiriker nlchia dagegen beweisen. Sein Vater scheint ron dem Areios 
■Ol Tarsus, ron welchem Gai.br De comp, medic. sec loc. III. Bd. XII, 686 
d» Recept mittheilt, nicht Terschieden tu sein. 

4) Sextns führt diesen Beinsmen schon bei Dioo. a. a. O. (ohne den- 
niben wird er IX, 87 sngeÄhrt) nnd in den Titeln seiner Schriften; auch 
Pk Oalbk Isag. 4 sagt tou ihm und Menodotus, nachdem er sie als Vor- 
itsber der empirischen Schule bezeichnet hat: ol nA dbcpißcSc ixptovocv oMi^. 
Soait ist uns ron seinen persönlichen Verhftltntssen nichts bekannt. Ueber 
ieiee Sehriften tiefer unten. 

5) Nach Dioo. a. a. O. gleichfalls einer der empirischen Aerzte; sonst 
vird er nicht erwübnt 

6) Ausser Agrippa wird ein Apelias genannt, der Jünger, als dieser, 
Mibmuss, da er von Uiog. IX, 106 mit einer Schrift: ^Agrippa** angeführt 



Q Skoptisohe fiohule. 

eiuer ihrer namhaftesten Lehrer, desaen Zeitatter wir aber nicht 
genauer beaiinimen können, ist Agrippa 0* Auch in Betreff der 
übrigen Skeptiker macht aber die Zeitrechnung SchwiM^iglrat *)• 
Da Galen mehrere derselben '), und unter diesen Herodot, den 
Lehrer des Sextus, als empirische Aerzte ziemlich hfiufig anfuhrt, 
Sextus dagegen, einen der angesehensten unter ihnen ^3» nie 
nennt, so hat die Yermuthung viel für sich, dieser Philosoph sei 
jünger, als Galenus, und frühestens in den letzten Jahrzehendea 
des zweiten Jahrhunderts, gegen das Ende von Galen's Lebens- 
zeit, aufgetreten; wogegen er allerdings dem Diogenes Laertios, 
der ausser ihm selbst auch seinen Schüler Saturninus kennt, Toran- 
geht, und die Stoiker, welche seit dem Anfang des dritten Jahr- 
hunderts in den Hintergrund za treten beginnen, noch als die dog- 
matischen Hauptgegner d^r Skepsis bezeichnerl^) und behandelt 
Rechnet man nun unter der Voraussetzung, dass das Verzeichniss 



wird; feroer TbeodoHiUB, ein MathemAtiker und Philosoph, io dem seine tod 
Bi'iD. ti. d. W. (S. 1132 Bernh.) verzeichneten Bücher: Sxcircixa x c y aXg» 
(auch bei Dioo. IX, 70). und 6n6|j.vi)(Mc di (Commeukar aU| nicbU Abhandlong 
gegen) la 6«u$a xs^aXaca einen der jüngeren Skeptiker erkennen Iamod; Cai- 
II iu«, den Dioo. VU, d2 al» oxsjcitxb^ beaeichnet, dessen Zeitalter uns aber 
ganz unbekanQt ist; Mnaseas und Philomelua, Ton Abistoblbs b. Eos. 
pr. ey. XIV, 6, 4 als 9xe3CTuco\ mit Timon susammen genannt, im ühngan 
aber ans so anbekannt, dass wir nicht einmal wissen, ob sie der Sohnls 
Aenesidem^s oder der Pjrrho's angehören. Aach Ton Namen ins, dem 
angeblichen Pjrrboneer, ist diess nach dem, was I. Ahth. 6, 441 bemerkt 
wurde, unsicher. Dsgegen wird der Dionysius Aegjeus (aus AegiumX 
über dessen Aixxvccx« Phot. Cod. 185. 211 berichtet, auglsioh su den, 8k^- 
tikern and den empirischen Aersten su a&hlen sein; er hatte nlalich in 
dieser 8ohrift (Ünfsig physiologische and mediciuische Fragen in akeptiacbem 
Sinne behandelt, indem er bei Jeder derselben swei einander widersprechende 
Antworten sich antinomisch gegenüberstellte. — Der Arat und Polyhistor 
Cornelius Celsns (1. Ahth* 600, 4; weiteres über ihn bei BsanHaaDT TÖm. 
Literatargesch. 848. 811) ist nur durch eine falsche Lesart bei Qiuktil.2, 
1, 124 (Scopticos statt Seziios) in den Ruf des Skeptikers gekommen. 

1) Von den fGlnf Tropen dieses Skeptikers, durch welche allein uns sein 
Name bekannt ist, wird später gesprochen werden. 

2) M. Tgl. cum folgenden RiTtsR 284 f. 

8) Heraklides, Zeuxis, Menodotus, Theodas, Herodot. 
4) Ps. Galvr Isag. 4 s. o. 6, 4. 

6) Pyrrh. 1, 66: xat^k xovc (Ji^tcra i)fAlv avTiSo^oDvtat vuv 8oY|io(Ti}ioi>( tWK 
oucb T^( ctoof. 



Ihre ZeitreobnoDg. 7 

4er tkeptbchen Diadochen bei Diogenes volbtindig sei, Ton die- 
sen Zeitpankt an rückwirts, so wird man das Auftreten des Aene- 
fideniis, wenn man ihm und seinen Nachfolgern nicht eine nn- 
Y^htitnismissig lange Schnlfttbrung beilegen will, kaum vor den 
AaGug der christlichen Zeitrechnung setzen können 0- Nun 
flehemt aber einiges andere daffir zu sprechen, dass Aenesidemus 
ms nindeslenB f&nfzig Jahre vorher gelebt habe. Auf die Angabe 
Strabo*s Ober Zenxis wird man sich freilich (Br diese Annahme 
sieht mehr berufen dArfen, da auch abgesehen von der Chrono- 
logie entscheidende Grflnde uns verbieten, den Herophileer Stra- 
bo*« ftr Eine Person mit dem Skeptiker dieses Namens zu hal- 
ten *)i und wenn Aenesidemus über den stoisirenden Dogmatismus 
der Akademiker seiner Zeit klagt *>, so muss sich diess nicht 
g€iade auf Atttiocbns, sondern es kann sich ebensogut auf die 
Spitsien besieben, denn die akademische Schule behielt auch in 
<ier Folge seine eklektische Bichtung. Dagegen könnte man ge- 
neigt sein, den Lucius Tubero, dem Aenesidem seine pyrrhonische 
(Mersachnngen gewidmet hatte % in dem gleichnamigen Jugend- 
frevnd Cicero's zu suchen ^> Indessen ist doch diese Vermuthung 



1) Die eeheo Nachfolger Plftto*8 bii auf KUtomeehua eimofalieesHoh ha- 
b« sQniRHeii eine Aatsdaaer ron etwa 840 Jahren, die seohB Zeno*f bis 
mI Paniltaa «inaohL tod lÖO Jahres , die sehen des Aristoteles bis auf An- 
dnaikus toh 270 Jahren; die mittlere Dauer der echnlfilhrung betragt dem- 
■acb bei den ersten 34, bei den «weiten 25, bei den dritten 27 Jahre. Fflr 
fie Sktptiker eine längere ansaDefameo , empfiehlt sich um so weniger , da 
**n dsn seohs Diadoohen, welche Diogenee awischen Aenesidemus und Sex- 
t« OUt, awei (Senxis und Herodot) noch ihren rorletsteu Vorgftnger zum 
'••hier gsbabt hatten. Betet man nun den Tod des Sextus auch nur 10 Jah^e 
••«bdtmOalen*e,.in das Jahr 210, und gibt man ihm und seinen Vorgan- 
1^ durehscbnittlieh 27 Jahre, so kommt man fiir das Auftreten des Aenesi- 

erst in das Jahr 6 Yor Chr. — Minder beweisend, aber doch nicht 
«asrheblioh ist es, dass Asistokles b. £cs. pr. er. XIV, 18, 22 sagt, 
«ntjj^l^xaSt 3cpi^ habe Aenesidemus die I&ngst erloschene Skepsis wieder 
>«f|B«wlnnt. 

2) VgL a 4, 2. 

S) 8. 1. Abth. 542, 2. Weiteres nnten. 

4) Pbot. Cod. 212. S. 169, 81 : ^pit9u Bl xob« Xö^ou« ANee{8i)tioc )cpo<- 
^Mi« 9bMk t6v K 'Ax«Si)|i(ac ttv\ euvaip fiotc&Tr) Asux{c)> Toß^piovt , yi^o^ (Uv 
'Ki|MB(^ Mf}) ai Xfl^ixpdk U ffpoföviov xa> «oXtTUca^ opxo« oO lo« tuxo«{oa< |u- 

^) U Aelitts Tnbero, mit Cicero zusammen erzogen, in der Folge mit 



g flkepti'scbe Schale; 

« 

ZU unsicher, ab dasa wir uns auf jrie verlaaaeii ktanten 0^ WoUiA 
man ihr aber grosseres Gewicht beilegen, so müsste mwi annelh- 
men, das Verzeichniss der skeptischen Diadochen bei Diogenes 
sei unvollständig, da Sextus aus den angegebenen Grdnden nichl 
wohl früher gesetzt werden kann. 

Ihrem geschichtlichen Ursprünge nach lasst sich die Skepsis 
des Aenesidemus und seiner Schule auf zwei Quellen suruckiiUi- 
ren: die Lehren der empürischen Aerzte und den Vorgang Pyr- 
rho*s und der neueren Akademie« Mehrere von den Wortführern 
des neuen Pyrrhonismus waren Aerzle und werden ab solche sbs-» 
drüoklich zu den Hauptern der empirischen Schule gerechnet *); 
und das gleiche wird wohl, wenn es auch nicht von allen gelten 
sollte, doch noch von einigen weiteren anzunehmen sei. Die 
empirbche Schule hatte aber von Hanse aus eine unverkeniibare 
Neigung zur Skepsis. Wenn sie von den Untersuohongea über die 
Ursachen der Krankheiten' und die specifischen Wirkungen jedes 
Heilmitteis desshalb nichts wissen wollte, weil dieselben tbeib niohl 
zum Ziel führen, theib neben dem erfahrungsmassig fesIgeateUlen 



ilini Torsohwägert, war fortwährend in naher Verbindung mit ihm gebliebaa 
(Cic. pro Ligar. 7, 21. Plane. 41, 100); im Jahr 68 vor Chr. tmr er in Klein- 
aaien Legat dos Qo. Cicero (epist. ad Qa. fratr. I, 3), während dee Bfligw* 
kriege sollte er den Befehl aber die Provins Afrika fibemebmen (Ligir.o. TflL). 
Cicero riihmt ihn als praesUms honore ei dignüaU €t aetqU (ad Qu. fr. 1, S), 
als aasgezeiobnet durch honos, nobiUku, iplendor^ mganiwKi (Ligar. tt, 37), 
gans Ähnliche Prädikate, wie sie Aenesidem bei Photius seinem Tobero «r- 
theilt. Nach der Stelle ad Quin tum fr. war er eben damaJs mit der AbfiMSoae 
eines Oescbichtswerks beschäftigt; pro Lig. 7, Sl sagt Cic, Yon ihm: mt^jfwiKm 
etiam mnculunif ^tu)d iUdem ttudiis $em.per un sumu», was allerdinfs aaofa 
nur ttberhanpt auf gelehrte Studien geben kann, aber doch fttr einaa Aii- 
bänger der neueren Akademie» su der sich auch Cicero säblt, gaas beMiadan 
passen würde. 

1) Denn so gut sich der Tubero Cicero^s für den Gftnner das Aenaaidemaa 
eignen w(irde, so steht doch auch der Annahme, dass dieser ein apiterer, 
▼ielleicht ein gleichnamiger Enkel von jenem sei, nichts im Wege; einfiolm dea 
Lncins Tubero, Qnintus, der Mitankläger des Ligarius, ist fds Gesohlehtsohrai- 
ber und Rechtsgelebrter bekannt (Bbrnuakoy Köm^ Litteraturgeaoh. 8. 646 f.), 
und so mag diese Familie überhaupt Sinn für die Wissenschaft gehabt haben. 

2} Vgl. die obigen Nachweis ungen in Betreff des Ueraklidea, Zettjcia, 
Mcnodutus, Hurudntus, Sextus, Saturninus, Dionysius Aegaus, Aoob Maa* 
iteas (s. vor). Anm.) war vielleicht ein Arst, wenn er iiämlicb der Ton Pa^ 
Galkü Isag. 4. Bd: XIV, 684 genannte Methodiker ist. 



tJrsproitg. *!9 

ITitoen der Arsneien f&r dmt prakttsche* Zweck der HeiHUfiMle eiit«>' 
hekriieh fleien '> so spricht sich hterin dasselbe Misstraneti gegen 
dts menschlicbe Erkenntnissvermdgen und dieselbe Beschriitkimg^ 
auf das praktisch nntabare mit Be£iehiing anf diese besümnrte Wi^ 
sefeschafi a(B0, welche zum allgemeiiieii Gnnidstfts erhöbe» daf 
amerscheidende Merkmal der Skepsis ausroacheh *). Noch i^er 



1) M. Tgl. die 9. Sf I Angefahrten Stellen I nametitlich Galbii simpl. medfe. 
teap. 19, w^elMT ab Behanptaug der Empiriker eafahrls p^v 4){ifv tjtsüäa^' 
ik n^wc xt itok dpcornuK duvi4uic (»^«tov twv ^p0f|iix«Wy ^tflEVfttbqft tlic ip^/ 

e^iKftc xoctoxtuT« Tott |jL^ti)v (i^ToSoi Toc ffp<üxa< $uv^i;. Wenn man über die 
Wirkung der Mittel einig sei, nicht aber Über ihre Gründe, »o liege am Tage, 
deis diese Mittel nur durch die Erfähning, nicht dnrch Theorieeli (X^O 
Über 4iB rtp&uit Sowsfteic |refttoden w<vrden ■«tien, welche -doek nie ai»e^ lüoei»^ 
WakMabciaH^keit hiiiMikoiDaieB. Vgl. a«ob Gia Aead. lU.a», laS: ]dMi 
«a»pirieck«ii Aarste laagpen, daee vir 4>e inneren Theile de» l^eibee dvLXf;}^ 
Leichen off Hangen kennen lernen, ^[uia po$nt ßeri, ut patefaeta et detfcta mu- 
fentur. 

») IIkxtcb Pyrrb. I, 2S6 ff. Miitb. VÜI, Bit ancbt «war «rf beweisen, dksa' 
die Skepsis nioht, wie behauptet werde^ mit der empirischen, sondern mit 
der sog. methodisefaen Heilkunde übereinstimme. Aber seine Gründe haben 
wicht Tiel anf sieb. Die Empiriker, sagt er, Iftngnen die Erkennbarkeit der 
ürtaeben, die Skeptiker lassen sie dahingestellt sein; was nnr die gleiche, 
M^lieh gaoa unerheblicbe, Verschiedenheft der Ansdmckswelse ist, mittelst 
deren die spateren Skeptiker auch 8wi«chen sieb und dei* neuen Akademie' 
einen prineipfellen Unterscbied beraussukÜiMteln Hieh bemflbten (s. n.). Wei- 
ter Ündet en wie die Skeptiker im Lebten den natürlichen Bedürfbiesea nack 
Speise, Geirlnk n. s. f. (der M-pai rb>v icocÜiuv) folgen, so lasse vich auch der 
Methodiker bei seiner Behandlung ron diBm BedÜrftaiss des Organismus nach 
adjtrittgire&deii oder Auflüsendett Mitteln leiten. (tJeber dio Grundsatte der 
Methodiker in dieser Besiehnng s. m. Gat.ea De sectis 6. Bd. 1, 71^ ff. Ptt. 
OiLta Ing. 8. Bd. XIV, 680 f. Cetsus Medic. I, prooem.) Allein dieees bei- 
des ist nicht gleichartig: mn seinen Hunger oder Durst su stillen, braucbi' 
«sn allerdings keine Theorie über die Ursachen desselben und die Mittel 
dagegen, weil msn In dlefeem Fall einer unmittelbaren ^mpflndung und eineni 
Bstüriichen Trieb folgt; um dagegen mit der methodischen Medicin sn be- 
hivpten, dieser Körper bedürfe der Entleerung, jener der Verstoplhng, muss 
msB seittaD inneren Zustaad und sein Bedürftiiss an gewissen Zeiekea sn 
erkennen Tenii9gen, eben dieee MÜglicbkeit hat aber die Bkepsis stets ge- 
lliignet Sollte taderersefts che Theorie der Methodiker nur bedenfen: df^' 
bisherige BMibrang lasse Tcrmutben , dais gewisse Mittel ' unter gewissen 
Dastaadwuleai vorhandenen B ed ü r ltai ss, worattf^iees immer bemhen möge, 
wtsprecliOB, so wire diese allerdings mit den skeptischen GrundsStseu wokl 



f^ Skoptitob« Sohnle. 

der empurisBbeii Schule uid gleichseitig mit ihr wtr eher Mieh 
die pUloflOfüiische Skepsis durch Pyrrhe und die neuere Akadenie 
ajisfebildet worden; und wenn die sjiitereii Skeptiker nur io deai 
elfteren ihren achten Vorgänger enerkeniien wollen, »wischen 
4eR GnnuMtzen des Kerueades dagegen und ihren eigenen aina 
durchgreifende Verschiedenheit nachaoweisen suchten % ao li«bea 
wir doch allen Grund, über ihr Verhaltqiss zu demselben aadm 
zu urtheilen* ihre Skepsis selbst trifft, wie wir finden werden, 
in aileo weseitfUchen Zügen mit der akademischen zusammen, uad 
wenn sie auch von jener gejnaueren Ausführung der WahrscheiB- 
lichkeitslehre absehen, welche Karneades unternommen hafte, so 
s'ind sie doch der Sache nach mit ihm darüber einverstanden, im 
Wahrscheinlichen die Richtschnur für das praktische Verhalten 
zu suchen. Ihre Einwärfe gegen die dogmatiscben PhiloaoplieB, 
und insbesondere gegen den Steicismus, haben sie guten Theila 
ihm entnommen *). Da femer nach ihrem eigenen Zugestandniss 
Cs. o. 2, 1) die ältere skeptische Schule nach Timon erloschen, 
^nd mithin die Forlpflanzung ihrer Lehre ausschliesslich an die 



Teroinbar, aber ei würde lioh auch vou denen der empirischen Schale der 
8ache nach nicht unterscheiden. Wenn von der Medicin aus ein Anstoas sur 
Skepsis gegeben wurde, so konnte dieser nur darin bestehen, dsss fBr diese 
Wisseascbaft behauptet wurde, was die Skepsis aUgemein behauptete: das 
Weaea der Dinge und die Ghründe der Erscheinungen seien uns unerkennbar, 
wis mflssen uns dahei^ den UmCsng unseres Wissens betreffend, auf die J&r- 
fsAirungy seine Zuverllssigkeit betreffend, auf eine grossere oder gerin^re 
Wahrscheinlichkeit beschrllnken. Eben dieses hat aber unter den ftratlichen 
Schalen der Griechen suerst die empirische behauptet Nur sie ist auch 
der Zeit nach dem neuen Pyrrhonismus yerangegangen, wogegen der Stifter 
der sog. methodischen Schule, Tbemison aus Laodiceib ein Schüler des As* 
klepiades (1. Afaih. 862), dem Lehrer Aenesidem's, UeraUides, ungefähr 
gleiohaeitig war; nur von ihr wissen wir, dass ein grosser Theil der Skep- 
tiker, und darunter eben unser Sextus, ihr angehörte; and dieser selbst fasst 
Math. Vni, 191, im Widerspruch mit dem sngehliehen principiellen Unter- 
schied ^der Skeptiker und Empiriker, beide in der Aussage msammeo: ^«o^v 

1) Es wird davon später noch xu sprechen sein. 

2) In vielen FftUen- können wir noch, wie aus unserer Untersuchung über 
Karneades hervorgehen wird, in diesem Philosophen die Qnelle des Seztus 
Empirikus nachweisen, aooh wo er ron diesem nicht als solaha genannt 
wird,, und es ist. an vecmutken, dass er es auch noeh.in manahea aadoicn 
gewosei) sei. 



Ursprung. |f 

iMiere Akademie ibergegmgeü war, weloke aiA ^Keser Aa%ato 
hu in's erste vorehriniliclie Jakrhandept gewidnel, jmd die Br^ 
imermg daran auch nach dem Auftreten des Aaliookaa nicht .^er^ 
leren kalte, ac ist schon an sich au vermulhen^ die ersten Erneu- 
erer der pyrrhoniachen Skepsis haben yoa ihr den entseheidenden 
Ansloas erlialten. £s wird aher auch ausdrücklich hericbtet» Aene- 
sidesios habe seine «pyrrhonischen Untersuchungen^ einem seiner, 
akadeflusdien Partheig enossen gewidmet % so d^ss er seUMit deaiH, 
nach ursprüngtich gleichfaUs 2«r akademiscben Sehele gehört 
haben misste; «id dieser Angabe dient es anr Beatitigung, dass 
er seine Hanptschrift gleich in ihrem eiaten Buche mit einer aufr^ 
üihrlicben Erörterung Aber den Unterschied d^r pyrr)M)nischea 
and akademischen Lehre eröffnet hattc^i worin er den Akademikern 
Torwarf, dass sie dmi skeptischen Standpunkt theüs Aberhanpk 
nicht rein dnrdiführen, thetls namentlich in der neueren Zeit aiqh. 
gans dem stoischen Dogmatismus in die Arme gewinrfe« haben '>* 
kl demselben Zusammenhang war ea vielleicht auch, dass er die^^ 
jen^n, wdcbe Pbito für einen Skepttker ausgaben (/die lieuajka-*« 
demiker vor Antiochus), bestritten hatte 0« Hernach scheint es^ 
die dogmatisch -eklektische Riohtung, welche die Akademie ^seit 
Antiochus einschlug, habe Aenesidemua den Anlass gegeben, yon, 
derselbe auf die dltere pyrrhoniscbo Skßfw aurnckaiigeben, in-;, 
dem er nur in dieser eine sichere Sobutswehr gegen den Dog«? 
Biatianus au finden glaubte, welchem die des Karneades schMe^** 
lieh doch wieder erlegen war. Nur müsste man in diesem Fall, 
annehmen, die Vorginger Aenesidem'S| Ptolepn&us yind Heraklides,. 



1) PflOT. Cod. 212, B. o. 7, 4. Man kSonte faitr eioweadene am 4er dem 
Toriiegeaden Schrift Aeaeeidem'e habe sieb rielleMit aaeh mir -daf- 

•gehen, dai« Tabero Ahademiker war, aus avyatpeatt&xijc Aeneeideni^s war4a> 
« d^^egeD nar ^00 PhoUna eelbM beseiobnet» weU er ab ▲kadaauker abeaM# 
vie dieser, der Skepsis haldigte. Diese ist jedooh theäs an aioh aeibei »iobt- 
eWn wahreobeinUeh, da eich Pbotioe gaaa ao aandrSekt, ab ob er mit dem 
flbrign auch dieaee bei Aea. selbst geftiaden hatte, theils eprieht daa im Taxt 
wsiter bemerkte dagegan. 

2) PooT« a. a. O. B. 169, 36 ff. NSbecee hieraber segleioli. ?gL aaoh 
1. abth. 642, 3. 

S) Dam er dieaa^gethan hatte, ilebt maa aas Skktüi Pyrrb. 1,^2 22^« 
«ibhsr seine Bemerkangen hieifiber, wie er aeibst eagt, a«a Meaodetaa mid 
Asnesidemua entnoaENnen hatte. 



^i Aeiie8'id«tiiil8'. 

h«ben '^ich enttireder mit ifnem Zweifel noch auf die Natur- und 
HHlkuiide' b«^obrtnkt, oder sich wenigstem noeh' nicht ausdrCIck- 
lieh Von der Akademie losgesagt. 

'' * Aenesidemus sdlbst hatte nun ewar f&r seine Skepsis nueh 
noch eiheh weiteren eigeifthömTichen Beweggrund. Der Zweifel 
sollte ihtti dazu dienen, die heraktttische Weltansicht su begrün- 
den; denn am sich su Aberzeugen, dass einem und demselben 
eiilgegengesetzte Bestimmungen zukommen, mösse man sich ztiyor 
fiberzeugt haben, dass an demselben entgegengesetzte Bestimmun- 
gen ^rscheitien 0- U^d so werden wir denn auch in seinem Mande 
Behauptungen begegnen, die man eher bei eihem heraklitisirenden 
Stoiker, als bei einem Skeptiker suchfen sollte. Da er jedoch damit 
iil seinler Schule ganz allein steht , so wird man auch fftr ihre 
Knf^tehung dieser RAckslebt keine zu grosse Bedeutung beilegen 
dftrfen : gesetzt auch, für ihn selbst sei sie maassgebend gewesen, 
s^ würde elr doch nicht der Begrönder einer skeptischen Schide 
geworden sein; weM sein Skepticismus nicht die Kraft gehabt 
hftt!^; jene 'Widerspruchsvolle Verbindung mit der herahUtischen 
Lehre zu sprengen und' sich selbständig zu entwickeln. ' 

' Er VeHlKrt auch wirklieh als Skeptiker' so radikal, dass man 
diil-fchaus keine positive Ueberzeugung hinter seinen Zweifeln 
Silöheti ^oHte; Wenn andere ihre Skepsis nach dieser oder jener 
Seite wieder be^hrlnkt und abgeschwächt hatten, so bekennt er 
rieh ztkm unbeschränktesten Zweifbi; es ist in dieser Beziehung 
bezeichnend genug, däss er die bedeutendste von seinen skep- 
tischen Schriften ^ mit einer Auseinandersetieung Aber den Unter- 



1) Bbxt« Pynk. I, SiO: iidt 8k o( xip\ tbv A)vco{8i)(Aov IXs^ov, 68ov tlvw 

tte m^\ xb ttM ^in^ywN tb xiivonrria f6if>\ t» «dtb f a(vt«Oat, xA ot |iW XKticTDM^. 
f «rfvt«6ct X^YoMt T&vavt{« iap\ t^ oedtb, «l dk 'HpaxXiCxctot M> -roiftou x«\ hA xb 

2) Die «dbt Baober d«r ilu^vnoi (oäer —tot) X^yot, (auch b. Dioa. IX, 
106b 116) mufl «Ionen Pbot. Cod. 212 einen, mit Aasnahme des ersten Buoha 
allerdings änsserst kurzen. Aussog gibt. Ausser diesem Werke nennt Dioo. 
IX, 106 noobswei Scbriflen: xonk 96fUi^ and avtf^ C^nfoio)«^ derselbe QC, 78 
nnd AaiSTovr.. b. Eus. pr. ev. XIV, 18, 8 die 6)coTÜindatc cU xk llu^^vtt«. Bei 
dar letAeran kSnata man (mit Rnrna IV, 292) an das erste Bueb der pyrrbo- 
iitebsB liad«n:dettkon, da^r In 'diesem (naeb Paor. a. a. O. 8. 170, b, 1) die 
5Xr, %ywy^i iäv nu^cuvü^v X^ycov ,w< TÜitcp xa\ xifotXatcsMc* dargestellt hatte; 



dtandpunkt, 4p 

ickied «einer eigenen Skepsis von der akademisckeii, w6t(fkü\^ 
wekbe darthun sollte, dass er allein seinen Standpunkt gwa T«iUi 
und folgerichtig durchführe. Die Akademiker, bi^^ ^r ^>| ver- 
kalten sich in doppelter 3eaiehung dogmatisch^ aofera sie. vjfles 
lait Bestimmtheit lAugnen, anderes ebenso bestimmt behaHp)|eiVL; 
sie reden von Tujj^nd nnd Verkehrtheit, Gutem und ScUe^hlMV 
Wthrem und Unwahrem, Wahrscheinlichem und Unwahrscheiiir 
lickem. Seiendem und Nicjitseieodem; die Akademiker der dmur 
1^ Zeit vollends seien mehr Stoiker, als Akademiker. Per 
pyrrfconische Skeptiker dagegen behaupte nie etwaig er ^e wklk 
dssg alles erkennbar oder unerkennbar, wahr oder falsch, ifrabr^ 
icbeialich oder unwahrscheinlich, wirklich eder unwirklich f»^ 
Mmdem immer nur, dass es das eine um nichts mehr sei, ali| 4m 
andere, oder dass es bald das eine sei, bald dw fordere, o4o|* 
dass es für den einen dieses sei, für den anderen jenes. Aene* 
ridemus will also nicht allein von dem Dogmatismus der spilteren 
Akademiker, sondern auch voki der Wahrscheinlichkeitslehre des 
Aicesilaus uiid Kameades nichts wissen, indem er in dieser schoa 
einen AbEall von der reinen Skepsis sieht *y; und diese Wahr«» 
fcbeinllchkeitslehre hatte allerdings einerseits jenem eklektischen 
Dogmatismus ebenso unverkennbar vorgearbeitet, wie sie anderer- 
teits schon von dem Haupturheber des letztern der Akademie als 
hicoosequenz vorgerückt worden war *> Wenn jedoch d^n aka- 
deaischen Skeptikern vorgeworfen wird, dass sie die UnmdglidH 
keit des Wissens iselbst wieder zu wissen behaupten und als 
Dogma vortragen, und wenn sie sich dadurch von den pyrrho- 



doeli in 68 mir wahrHcTicinlicher, dass es eine eigene Schrift war, derüii Titel 
^xtQs in aeinen Hypotyposen nachgeahmt hat, da Diogenes sonst woti] sagen 
würde: im erstf*n Bnch der Ao^ot, und da ancb das letstere, nach Photius' 
(^breibang, die 10 Tropen, welche sich io der 69Cotuicci>at( fanden, kaum 
^thalten haben kann. Dagegen besieht sich auf diese vielleicht der Aus- 
druek de« Abistoki.es b. Eirs. pr. cv. XIV, 18, 18: at xaxa\ areixsuMOm 
Atvijoi^ixou ^ und möglichertTeise Ttnch* die npwTV} tlcaYWj^ b. 8bxi. Math. 
X, 216. 

1} B. PHOT.'a. a. O. 8. 169, b f. 

2) In ihr findet anoh Skxtus Pyrrh. i, 226 ff. den üauptttnteraobi«4 
KWiseheu Akademikern und l'yrrhoneeni. 

3) M. vgl. ttbttr diese Punictd 1. Abdi. B. 4S4. 6S1. 



*|% Aeoeiiidemns. 

niiciien unterscheiden soll^ Oi so ist diess, wie schon fruker 
gefelgt wunte *3, nicht richtig. 

' Zur Begründung seines Standpunkts hatte Aencsidemus ans- 
geRhrt, dass weder die Binne, noch das Denken uns eine ge- 
«ielierle, sum wirklichen Begreifen der Gegenstände ausreichende 
Ifeberzeuguttg zu vcrschaflfen yermögen ^). Im besonderen wies 
er diess so nach *). Er besprach zuvörderst im zweiten Buche 
seiner Schrift die Begriffe des Wahren, der Ursache, des Lei- 
dens % der Bewegung, des Entstehens und Vergehens und iha- 
fiehe, und suchte in eingehender Erörterung Widersprüche dariii 
nachzuweisen *); er bemerkte z. B., dass es kein Wahres gehen 
könne, denn dasselbe mQsste entweder ein wahrnehmbares sein, 
oder ein gedachtes, oder beides zusammen, oder keines von bei-- 
den, wihrend doch keiner von allen diesen Fällen denkbar sei O; 



1) Qru«. N. A. XI, 5, 8. Sbzt. Pyrrb. I, 1 ff. 226. 233 n. 5. Diese Be- 
bauptung auf Aenesidemas carÜckznflihreii , berechtigt uns nicht allein die 
Bemerkung dos OelHai, bsw. Farorinns, a. a. 0. 5, 6, die Frage aber den 
Untericbied der Akademiker nnd Pyrrhoneer sei eine veha fua$MHo et a muUU 
$eriptoribM gra9cU traetaia, sondern anch sein eigener Yorwnrf gegen die 
Akademiker (Prot. a. a. O.): t3i \ih TfOevrai dlStai^Tcoc, Ta h\ a!pouoiv ava|i^ 

3) 1. Abtb. 8. 461, S. 468 f. 

8) Pttor. a. a. O. Anf. : Ij {jiv BXv) itp66s«< Tot) ßipX(ou, ßsßotcoaat, Stt oddiv 
ß^patov ttc xocr£li)4'cv (der alte Streit fiber dfe Möglichkeit einer xercaXipetad) 
^aytOKTidt, vgl. 1. Abtb. 8. 449, 2. 467 ff. 626), ottti di' «Mi((JCio{, «XX* ouit 

4) Phot. 8. 170, a, 89: Nachdem Aen. den Unterschied der pyrilionischen 
nnd akademischen Skepsis auseinandergesetst hatte, gab er in seinem ersten 
Buch eine übersichtliche Darstellang der letsteren, sodann erörterte er den 
Inhalt derselben in den folgenden Btlchern im einzelnen. 

6) IT&Ov] d. b. jede durch irgend eine Ursache bewirkte Veränderung; m. 
vgl. Aber diefte Bedeutung des niSo^ Bd. II, b, 817 f. nnd Sbxt. Math. IX, 
196 ff. ()C€p\ edxioii xa\ itaa^oyxoi)^ wo gleichfalls unmittelbar an die Unter- 
Buchung Qber das alttov § 239 die fiber das isa<r)Kßvt sich anscbliesst 

6) PuoT. 170, b, 8: In seinem sweiteu Bnch Ktpl xt oXi^Ocav xa\ a^Tituv 
8iaXa(jip^vii, xa\ icaBoSv, xa\ xivi|otfiac ycv^osok ts xa\ ^Oopoc xa> Tcav touioic ^vav» 
t{6)v, xat^ 9c&VTtüv oCxtüV xb aicopöv t« xa\ &xaT^i)XTov icuxv(^(, &i oTrrac, im- 
Xo^tafAdtc 69ro8(txv;{c* 

7) Sbxt. Math. Vlll, 40 (in der Erörterung der Frage: tl Int xt akifid^-y 
duv&|U( t\ (dem Sinne nach) xa\ & A?vv)a{Si){jLO^ Tote h\LQtoxp6itoMi xaia tbv xöxov 
(= in Besiebung auf diesen Gegenstand) &nop(ac ttOijatv* e^ fop hrt ti &Xi)OI{ 



Begrfinduiig seiner Skepiis. t3 

er Magiiele, daM man rieb aiii EntstelMii denken könne, da ireder 
körperliches dnrck körperliches, neeh un körperliches darch «m- 
kdrp4n4iehe8, noch das eine ton beiden durch das andere hervor- 
fsferaeiM werden könne ^). In demsdben Sinne behandelt!»' er 
w n üti in Minen drillen Bnche die Bewegug nnd 4ie siitntiehe 
Wahraeknimf 0; er foestiätt sodann Im vierten theib in tilge- 



{toc oIoibiT^v i<rzvi ü) voi)TÖv iaxvi u. «. w. o6x ap« £m xt iXifii^. Die Bewein- 
fftbning, wodurch jene yerRchiedenen möglichen Annahmen widerlegt werden, 
trigt Scxins im folgenden in eigenem Namen vor, sie stammt aber wohrtTs 
§ S47 einschl. im wesentlioben gleichfalls yon Aenes. her. 

1) Sbst. Math. IX, 218, naohdem er »kepiisehe Bin Wendungen .gegen 
den Begriff der Unaehe angeführt bat: 6 ^ A2vi)ai^(M( dia^opt&tspov i^^ «toov 
(ae. 'xw oMuv) i^Kjfijivo xm^ ]csp\ t^c yvtiwtm^ aicopiac^. Hierauf der obige Beweis, 
weleher niber (bia § S26, so weit reicht nfimlieb der Auszug aus Aenes. wobl 
jedeafalls, ob noob weiterea in diesem ZusaBoiBenhaiig ihm entnommen ist, 
liaat aieh aiobt aoamaeben) so ansgeÜUirt wird: A) Ein Kdrper kann k«»iu6n 
Kllrper herrorbringen, mag er nun geworden oder nngewordenf wahmebmbar 
oder siebt wahrnehmbar sein« Dann er milsste ihn entweder fSr sich allein, 
oder in Verbindung mit einem andern hervorbringen, a) Aber so lange er 
Hb aieh allein bleibt, kann er seine eigene Snbstans nicht yermebren, bIho 
eneh kein zweites, Ton ihm selbst ▼ersehiedenes Ding eraengen. h) Verbindet 
er sieh mit einam andern, so mSaaten, damit ans dieaer Verbindung ein drittes 
«ntatehe, entweder aus einem Ton den beiden verbundenen twei werden, oder 
ea mSsste aus beiden susammen ein drittea entstehen, a) Aber jenes ist nn- 
aögiiah, denn so gut ans Einem awei werden k5nntea, könnten auch aus 
dteaea vier Verden, nnd so fort, bis am Ende ans Einem unendlich ?iele 
geworden wSran, was doch undenkbar ist. ß) Ebenso unmöglich ist aber 
ausib dieaaa, aaa damaalben Ornnde: wenn aus aweien ein drittes entstehen 
könnte, könnte auch ein Tiortes und fflnfies nnd schliesslich anendlich Tiele 
entstehen. B) Aus den gleichen GrOnden kann auch kein unkörperliehes 
anderes nnkörperliobe hervor bringen; davon nicht su reden, dass das, was 
weder berflbrem nodi berilbrt werden kann, unfähig ist, su wirken und su 
leiden (ein aristotelieeber fiats — v^. Bd. II,* b, 368 f. -- dessen sich Sextna 
Öfters, s. B. IX, 216, bedient), c) Noch weniger kann körperliches aus un- 
körperlicbem werden, nnd umgekehrt, da weder dieses in jenem noch jenes 
in diesem entbaltea ist. WUre es aber darin enthalten, so könnte es auch 
nlebt daraus entstehen, denn was schon vorhanden ist, kann nicht erst ent- 
■tebsn. — Dass diese ganae Auseinandersetanng an der von Photius mit Kcp^ 
ehCMv nnd ki^ yiWetuK beseiohneten Stelle des ersten Bachs stand , ist wohl 
•iehsr« 

8) Er handelte darin ks^ xtvi)ecttK xou oZoi^efeK vflti iwv xaV «Ct^ I8ici>- 
^ksm. TnoT. 170, b, 9. 



m^wien die IfiigUcblieiiy 4a« verborgene an äiuweren Zeißhflii s« 
erkeanen ^),.theilfi im besoadern -- vielleichl unter skeptwolMr 
PrAfong dw bisberigen, aanentlicb der sleisoben, Pbyiik cud 
Tbeologie ^ die MögUehkeil^ Ober die NaUur der Diage, die Well 
und die Goilbeii irgend elwaa oül wisaeiifchafUicber Sicheiteii 
«Ufdumachen 0* An dieae Erörterungen scUosa sieb im Anttm 
Buch eine ausfuhrlichere Auseinandersetzung über den Bchon 
früher besprochenen Begriff der Ursache an, worin er die Z11UI0- 
sigkeit dieses Begriffes bestritt und acht Fehler aufzählte, die bei 
den Schlüssen auf die Ursachen der Dinge begangen werdeo *>• 



1; Puoi. 170, b, 13: ht di t£i V 9v)|Aita {jlK, uoicep ik f«vtp4t fttfov xw¥ 
«f«¥«Sv, (fuh' SX(o( sTvai fiktiv, :^A«i^Oa( d^ xcvg 9p6^ffadita («in« anberooktas^to 
Nttignng: , ein eitler Wunsch) toi»; o^of&^ou^. Es besieht sich dieM anf -dU 
Frage nach dem sog. oi)|xt1ov IvSctxtixbv, welche uns bei Sextaa oooh begegnen 
wird. • In. ditsem Zns M nme n ba n g faisd eioh der BohlniM, welchen 8est. Matb. 
Vin, 216. 234 nasdrfleklich «im dem vierten Buch der pyrrhonisehen Beden 
anfahrt: tlxa ^p«tv^(Mvot [s= alcOijta, wieSeztas sei bat bemerkt] ivioi ttfCc i|io£MC 
diaxii|jL^of( xapaicXi}OMiK falvexott xo^ ta oi)(itö iaxi fatvö(iiva, xa ciijaü« xmm 
ToT; i|M'!üK S(«xfi|i.^oic iMpotitXi]9Uüc ^oivtiau ci^\ hi y% ta m^^Ma. icnci vik 
^ueiroc $iaxst(jL^otc napanXv^^tttt cpatvtxftt* t« Si faivö|uva »Set d^ 5|iottaic dn- 
xsifft^tc 9cotpaicXi}o(nH f«tvfT«t. oOx opa ^atvöpwv^ iott xa ovjfAiia. M. Tgl. hiexn, 
nud n»roemliok aber die chrjrsippisohe Form dieses Syllogismiis , weleker 
aas dem eweiten und dritten mraieöSsixTOC (1. Abth. 101, 8, II, b, 652, ß) sn- 
•ammengesetst sei, Öext. a. d. a. O. 

2) Prot, fllhrt fort: ifti^t tk ta( if I6oik ^fc^^ic ostopioc icc|»( is IXt^ i^ 
f liotf»; y.«> %6aiL09 xa\ Oiuiv, o^^ tuv (1. aCxfiSv) th 6ffdXi]^cv ictoiTv ^vt«ivö{i«vo(. 
Da Phot. sagt, er habe hier die herkömmlichen Einwürfe Yoigebraofat, so ist 
ta verma.then, das« er sich in diesem Ab^bhnitt haaptsaehlieh an Kameades' 
Kritik der stetechen Physikotheologie hidt. 

S) Pbot. 170, b, 17 : nfoßaXXsxat hl aOxii^ xa\ i i X6'xo^ xa( xaxa xwv Mm 
«3eopi)Xixa« Xoßac, ^ifih ^hr |ii)Ssvb( ahiov ^^ou$ tlvai, i^scortiloOm fi^ xoa^ oltio* 
Xe^oörco« f&ax«ov, xa\ xp^ou« aptOfMjv, xad^ od^ ottxai adtoi«« «IxteXcT^fv iitajr- 
l^xac ilc TJ^v xoia(Sii]v itepuvixO^vot :tXdnni|v. Nach SbIt. Pyrrh. I» ISO ff. warea 
Uieiis folgimde acht: 1) Die Annahmen Aber die Ursaoben der Dinge bewegen 
sieh aof einem Gebiete, das uns ttncagttnglich sei, und lassen Mob durok 
die Beobaehtnng nicht sicherstellen. 2) Wahrend die Erschetnungen Tielerlei 
Ursaehcn hab«jn kdnneit, nehmen die meisten nur eine einaige an. 3) Ffir 
solches, was regelmässig geschieht, setse man nicht seilen regellose Ur- 
sachen voraus. 4) Man denke sich unbekannte Vorginge nneilanbter Weise 
den uns bekannten gleichartig. 6) Fast alle ohne Ausnahme bilden sich ihrs 
Vorstellungen Über die Ursachen nach ihrer besonderen Ansiolit von den 
Eleinenien der Dinge, nicht nach allgemein anerkannten Qranden. 6) Man 



Begrfindang leiner Skepiif. IT 

Ke drei letsten Bdoher wtren etbtechen Inhalts; auch sie waren 
aker Forzngsweise gegen die Stoiker gerichtet Das erste der- 
lelben Cdas seehste des Ganzen) behandelte die Begriffe der Güter 
nd Uebel, des Begehrens- und Verabschenenswerthen, des Wfln- 
ichenswertlien und Verwerflichen; das zweite CB. T) richtete seine 
Angriffe gegen die. Cstoische} Tugendlebre, und suchte zu zeigen, 
dass es eine leere SelbstTerherrlichung sei, wenn sich die Philo* 
so|»hen der Erkenntniss und Uebung der Tugenden rühmen; das 
leiste endlich führte gegen die Annahmen der verschiedenen Sehn-' 
ien über das höchste Gut aus, dass dasselbe weder in der Glück- 
seligkeit, noch in der Lust, noch in der Einsicht, noch in sonst 
einer ron den Bestimmungen gesucht werden könne, welche Ton 
den enen oder den andern aufgestellt seien, und dass es überhaupt 
kein letztes und allgemein anerkanntes Ziel unseres Strebens 
febe *)• 

Die Hauptbeweisgründe seiner Skepsis fasste Aenesidemus in 
den se.hen Tropen zusammen ^),. durch welche er dem Dogmatis- 



ritbe hloüg aar dt« in Betraobt, wa» man ans seinen Hypothesen erklären 
ktese, die entgegeniteb enden Fälle dagegen übergehe man, wenn sie auch 
u steh nicbt minder glaubwürdig seien. 7) Man gebe oA ErklArnngen, welche 
Hiebt blos mit den Erscheinungen, sondern auch mit den eigenen Vorausse- 
tiungen streiten. 8) Das vermeintlich bekannte, aus dem man das unbekannte 
nUire, sei oft in der Wirklichkeit so nnbegreifliob , wie dieses. 

1) Fbot. 170, 1h as f. Die Scblussworte desselben: oXX' areXcS« oöx %hfm 
iAo( xb xoocv 6(JLVoU|Atvov, glaube ieb um so mehr in dem oben angedeuteten 
iHane Tersteben zu dürfen, da Aenesidem auch naob Sbzt. Mattb. VIII, 8 
IS. n. S2, 2) bebaupiete: wahr sei, w;is allen gleich, falsch, was verscbiedenen 
▼erscbteden erscbeine, und da der Streit der Philosophen über das böcbste 
Out anob tos den späteren Skeptikern als ein Hanpteinwnrf geltend gemaobt 
wird. 

9) Diese zehen Tropen finden sieb, wie schon 1. Abtb. 448, 2 bemerkt 
ist, bei 9kzt. Pyrrb.I, 36 ff., der allerdings eigene Erlftnternngen eingemiscbt 
Hbea mag, kfirser und mit nnerbeblieben Abweichungen bei Dioo. IX, 78 IT. 
Aaeh Farorinn« hatte sie, wie man ans Gbll. N. A. XI, 6, 6. Dioo. IX, 87 
■isbt, in seinen 10 Büchern üu^^vifeiv tpÖTccov behandelt. Dem Aenesidenoa 
werden sie ron Bbxt. Mattb. VII, 845 und Abistokl. bei Ecs. pr. ev. XIV» 
18,8 beigelegt; ans dem letstern und Dioo. 78 erhellt, dass sie in der ino^ 
Tfowoff (si 0. 12, 2) standen. Wenn Aristokles a. a. O. von nenn Tropen 
vedet, so ist diess wohl nur ein Verseben. In der obigen DarsteÜnng folga 
ieh Sextns. — Statt , Tropen ** sagten die Skeptiker auch Xö^oi und töxot 
(Sm. P. I, 86). 

FUke. d. 0r. in. B4. S. Abth. ^ 



Ig Aenesidemiis. 

tnus alle seine Sifitsen zu entziehen hoffte 0* I^^r erste von diesei 
Tropen ■) beweist die Unsicherheit unserer Wahrnehmungen wk 
der Thatsache, welche von den Skeptikern durch viele Belege ni4 
Vermuthungen erhärtet wurde, dass sich der gleidie Gegenstand 
verschiedenen Thieren in der Wahrnehmung verschieden damtelte: 
wobei die Einwendung, dass diess eben unvernünftige Thiere seieu, 
wenigstens von den späteren Skeptikern mit der Behauptung abge- 
schnitten wird, die Erfahrung berechtige uns durchaus nicht, deu 
Thieren weniger Vernunft beizulegen, als dem Menschen ^. Der 
zweite Tropus weist das gleiche an den körperlichen und geislH 
gen Verschiedenheiten der Menschen nach. Der dritte ') zeigt, 
dass nicht einmal der einzelne Mensch in seiner Ansicht von deo 
Dingen mit sich einig sei, indem die verschiedenen Si&ne ver- 
schiedenes und nicht selten entgegengesetztes über sie aussagen; 
wozu noch kommt, dass wir gar nicht wissen, ob wir nicht mit 
weiteren Sinnen noch manche uns verborgene Eigenschaft an ihnen 
entdecken wurden. In dem vierten wird dargethan, dass die 
körperlichen und geistigen Zustände, wie Gesundheit und Krank- 
heit, Schlaf und Wachen, Jugend und Alter, Nüchternheit und 
Trunkenheit, Ruhe und Bewegung, Neigung und Abneigung, hei- 
tere und traurige Stimmung, auf unsere Ansicht von den Dingen 
bestimmend einwirken; an was sollen wir nun erkennen, fragt der 
Skeptiker, ob wir in einem Zustande sind, der eine richtige Auf- 
fassung der Dinge möglich macht? Welches Kennzeichen wir auch 
aufstellen möchten, so bedürfte dieses eines Beweises, aber ob 
unser Beweis richtig ist, können wir nicht wissen, wenn wir 
kein Kennzeichen der Wahrheit haben, wir bewegen uns also 
in einem unvermeidlichen Zirkel. Zu diesen vier Gründen aus der 



1) Dioo. IX, 78 (ohne Zweifel ans Aenes.): Tcpbf Bk ta^ ^v touc qxHwv/ ontM- 
ocfiC 3cpoaTroS6(xvüvt6( xaO^ oO( ipöitouC iu{6c( Ta icpa^piaTaf ,xorca to^( ohjtoüc av|ipouv 
t9jv 9csp\ aÖTuv fffffiiv. ntiOstv yocp t& ti xotx* aToOi)9iv a)>(i^(i&v«i>( ^ovta xa\ ta {U)^ 
Tsoxt fi a7cav{ci>( y^^^ (MTaicCnTovTa x6t, xf ouwiOi} x«i xa v6|M>t( B(C9i«X|a^ x« n 
x^pjcovra xa\ xa Oaupta^öfiLeva. 6^{xvuoav oSv anö xcav ^avxicüv xot( mi^ouaiv htti 
x&( ]ri6avöxv)xa{. 

2) 8bxt. P. 1, 40 -ai. I>toü. 79 t 

3) SiBXT. 62—78. . ^ 

4) ÖBXT. 79—89. D. 80 f. 

5) 8. 90—99. D. 81. 

6) d. 100 — 117. D. 82. 



Die zdben Tropen. |9 

BesdiafeAbeit des erkennenden Subjekts ffigl. der siebente nnd der 
lehente Tropns, wie Sbxtus bemerkt O9 zwei^ welche von der 
des Objekts bergoBomnien sind. Jener führt aus, dass das gleiche 
bei verindertem Haassverhaltniss anders erscheine, dass z. B. der-* 
selbe Gegfenstend zerkleinert weiss, als feste Masse schwarz oder 
gelb aussehen könne, dass ein einzelnes Sandkorn sich hart, ein 
Sandhaufen weich anfühle, dass derselbe Stoff in grösserer Menge 
genossen anders anf den Körper wirke, «Is in kleinerer '1; .dieser 
zeigt, dass durch die Verschiedenheit der Lebensweise, der Ge«- 
setze, der Gewohnheiten und Meinungen die Entscheidung übei^ 
das wahre, gute und naturgemässe schwankend werde ')• Von 
den übrigen, nach der Bintheilung des Sextus auf das Verhältniss 
des Subjekts zum Objekt besAgUchen Tropen, erörtert der fünfte ^) 
die Verschiedenheiten, welche sich für die Beobachtung durch die 
Umstinde ergeben, unter denen sie erfolgt CEntfemung, Beleuch- 
tung, Lage eines Dings u. dglO* T)er sechste verweist auf den 
Iteatand, dass wir alles durch irgend ein Medium CLuft, Flüssig*- 
keit u. s. wO wahrnehmen, dessen Einfluss auf unsere Wahrnehmung 
wir nicht berechnen können; der achte folgert mit theil weiser 
Wiederholung des früheren aus der Relativität aller Erscheinungen, 
Wahrnehmungen und Begriffe die Unmöglichkeit, die Dinge rein zu 
erkennen; der neunte endlich schliesst aus der Erfahrung, dass 
das ungewohnte einen weit stärkeren Eindruck auf uns macht, als 
das gewohnte, auf die Subjektivität der Eindrücke, von deuen 
unsere Vorstellungen ausgehen. 

Der durchgehende Grundgedanke aller dieser Beweise ist, 
nach Sextus' richtiger Bemerkung ^), die Relativität aller unserer 



1) Pjrrh. I, 38, was übrigem in Betreff des ssebetiten Tropus nicbt paast. 
2} 8. 129«-- 134. Bei Dioo. 86 iet dieser Tropus der acbte. 

3) & 145-- 168. Bei Dioo. 83 uimmt dieser Tropus die fflnfte Stelle ein. 

4) Bei Änxv. 1 18-^ 123; bei Dioa. 85 der siebente. 

5) 8. 124—128. D. 84 f. 

6) 8. 135^-140, bei Dioa. 87 der sebente, bei Fairorinns der neunte. 

7) 8. 141 — 144. DiOG. 87. Wenn der letztere sagt, dieser sein neunter 
TropQs sei bei Favorin der achte, bei Seztua und A^nesidemus der sehente, so 
istdiess in Betreff des Sextus, wie der Angenechein seigt, nnricbtig. 

8) Pyrrb. I, 39 (nach der Gintheilong der 10 Tropen in die obenange- 
(sbeiHsn drei Klassen) : ic«Xtv Bl o\ tpilc oSxoi (sc. tp6icoi) dlv&yovTat tU Vo Tcpöc 
'R* M{ cTvci fcvcxaixaTov piv tov itp6i it, e?Scxou{ tk tou$ xpiT«, 6ieoßsßy)xöta( $i 

2* 



so Aenesidemus. 

Yorstellnngen. Ihr Ziel und Ergf^bniss können naturlich, zuniehst 
wenigstens, nur die alten skeptischen Sätze sein: dass schlechthin 
kein sicheres, begfreifendes Wissen möglich sei, dass sich von 
keinem Gegenstand das eine mit mehr Recht aussagen lasse, als 
das andere, dass alles ebensogut falsch, wie wahr, unwahrschein- 
lich, wie wahrscheinlich, unwirklich, wie wirklich sei; dass man 
daher gar nichts behaupten, keiner Annahme zustimmen, in allen 
Fällen sein Urtheil nur zurückhalten dürfe , und dass auch dieser 
Satz selbst nicht al^ eine Behauptung des Skeptikers, sondern nur 
als Kundgebung seines inneren Zustandes aufzufassen sei '); eben- 
so wollen die skeptischen Einwürfe nach Aenesidemus nur den 
Widerstreit und die Verwirrung aussprechen, in welche sich der 
Philosoph durch die ErscI^einungen und durch seine eigenen Be* 
griffe versetzt findet 0; denn auf den Werth von Bewdsen im 
strengen Sinn konnten sie allerdings im Munde derer, welche 
jede Möglichkeit der Beweisführung bestritten, keinen Ansprach 
machen 0- Von diesem ihrem Verhalten sind die mancherlei Namen 
hergenommen, mit denen d|e jüngeren Skeptiker, vielleicht schon 



tob( fi^xou Vgl. Obll. N. A. XI, 5, 7: (die Akademiker und Pyrrhoneer) omiMt 
wnmfno ret, quae tennu Jiominum mavenij xcov n^6% ti esse dicunt. 

1) Pbot. 169, b f. (b. 0. 8. 13), wo u. a.: xaOöXou yap o^th h Ilu^^vto^ 
hpKUf oXX* oö8i TOüTO Zxi o08lv SiopifeTai- olW oOx Ij^ovte;, 97)a\v, 8ffw< to vooii- 
{jiivov ^xXaXil9U)|JUv , otStb) cppi^ofiEv. ~ Ans Aenesidemus stammt aber, mittelbar 
oder aomittelbar, aasser Dioo. IX, 106 (1. Abtb. 444, 2), wahrseheiDlich aucb 
Obll. XI, 5. Dioo. IX, 74: die Skeptiker haben alle Behauptungen anderer 
Schulen beatritten , al^er selbst nichts behauptet; auch das o^$^v 5pt|^o{iEy solle 
keine Behauptung sein , sondern nur eine [jii(vu9(c t^( aicpoTTrcüoiac. hik t^{ o3y 
OuSlv 6p{(ofjLev fcüvij; xb TiJ( a^pt^ia^ 9C&0o( SrjXoutai* 6fjLo(a)( tl xo^ 8ia Tij^ Od3K 
jjLoXXov xa\ t^( IlavT^ Xöyco Xöyo^ ivrixsttai. Auch diese bezeichnen nur das 
' arpO(0(T^ (nicht sustimmen), die ^o^^, die ir^taoia t^( dlX9]0({a( u. a. f. xoä 
a^x& hl toUto) t(o Xö^ci) Xö^oc ivTfxetrat , &( xa\ aM^ (uxa xb aveX^fv xob« aXXouc 
5f * ion)xou 9ceptxpoc9C£\( &nöXXuxoci , xax^ Tvov xol; xaOapxtxol^ , & x9|v CiXf)v icpoexxpi- 
vavxa xa\ adxa 6)cexxp{vExai xa\ l^anöXXuxat. (Diese Vergleiohung ffibrt auch 
Abistokl. bei Eos. pr. er. XIV, 18, 16 als skeptisch an.) 

2) Dioo. IX, 78 : Ivxiv o^ 6 Ilü^j^c&vetoc Xöyoc (jli{vu9i« xi« X(5v facvojjivcav ]| 
xöSv iffb>coOv vooopi^vtüv , xa6* ijv TC&vxa nSai oupiß&XXsxai x«\ ouyxpivö|ieva xoXXijv 
d^vcojjLoXiav xa\ xapox^v ^ovxa t6p{axfxatj xa6& ^i)9iv AIvsddijpioc Jv xfj s 2c xs 
Üu^^veta 6ffoxu3C(i^tfei. , 

8) Dass sie die Unmöglichkeit des Beweises beweisen wollen ; hatte ja 
namentlich Antiochus den Akademikern als Widerspruch Torgerflokt^ vgl. 
1. Abth. 688^7. 



Bnd«vg6bnlsf, 9i 

Pynho's Vorgang, siob kesefchneten 0; ms dem gleichen 
Grande wallten sie ihre Philosophie nicht eine Lehre und Schule 
(fldjps^iO, sondern nur eine Richtung Qt(itrfrd genannt wissen 0« 
Den praktischen Gewinn dieses Standpunkts aber und das höchste 
Ziel des menschlichen Strebens fand auch Aenesidemus, wie schon 
Pyrrho und Tiroon, in der unerschütterlichen Gemüthsruhe % 
oder wie er auch sagte, in der Lust ^3) welche für ihn eben mit 
der Gemüthsruhe zusammenfiel; dabei liugnete er aber so wenig, 
als die früheren und spateren Skeptiker , dass man in praktischen 
Dingen theils dem Herkommen, tbeils der jeweiligen Empfindung 
und dem Bcdurfniss folgen müsse ^}. 

DasB nun von einem so unbedingten Zweifel kein gangbarer 
Weg zmr heraklitischen Physik führte, liegt am Tage; wenn daher 
Aenesidemus diesen Uebwgang dennoch machte, so kann es sich 
fiir uns nur um die Frage handeln, wie er selbst sich den Wider- 
spruch verdeckte, in den er sich damit verwwkelte. Darüber giebt 



1) Dioe. IX, 69: oStot ic^tK üii^ioviioi (»kv oicb toS Scdoox^ou, aico^xtxo\ 
Hk luk oxfiXTcxo\ TLcik hl itptxxvioi x«t Ci^nj-cixo^ iaio xoS oTov $öy(mctoc TcpocT^yopcJov- 
10. |^iiti]Ttxo\ |Uv o3v asKO Tou Tc^Totf ^TixCi^ T^v d^Xi{Os(av a. 8. w. Dioa. fol^t 
hier ohne Zweifel einem der jüngeren Skeptiker, yielleieht Aenesidemuf. 
Aehnlieh Gell. XI, 5, 6, wie es scheint nach Farorintts, und Sbxt. P. I, 7. 

2) *A'y(dY^ ist der stehende Name für die skeptische Denkweise i. B. bei 
I>ioe. IX, 115. 8bxt. P. I, 16 f. (wenn man unter dar «dlpeai« die ZoBtimmonf 
ra dnem Dogma Terttehe, habe der Skeptiker keine atpcai^ , wohl aber, wenn 
auB darunter t^jV Xöycf» xivi xaxa t6 ^aivöfievov axoXouOoOaav i^uY^v verstehe) 
Qsd sehr oft. Axibtokl. b. Eus. pr. ev. XIV, 18, 22. Dass schon Aenesidemus 
lieh dieses Namens bediente, «eigt die 6. 12,1 angeführte Stelle. 

8) Dioe. IX, 107: xiXo^ bl o\ axiimxoi foai t^v ^tco^^^jV, fj axio; tpöicov 
lxaxoXov(kT ^ driof a((ot , S« fMw o! it ffep\ xbv T{(jLCDva xa\ A{v6a{8i)|jiov * oSxc y^ 
«6' IXoi{{uOa i) xaSxa 9eu(ö|u6a, 8ott icif\ ^(licc im. Vgl. 1. Abth. S. 446 f. 

4} Abistokl. a. a. O. §. 2 : xol^ (jl^vxoi $taxei(&^oic oiixci) nepi^ocaOai T{{Xft>v 
fi^ «pwxov |j1v a^aoiav licetx« 8^ axapaS{av, A{v7]9{8t)plo{ 8k ^8ov7(v. 

5) Dioe. a. a. O. f&brt fort: xd S* Sva 7csp\ fi\tMi oOx £jx(v, äXX« xax* av^ijv, 
o6 (uv^Oa ^ed^ctv , «o; xb icsivfjv xa^ SttjiTiv xal dlX']ftf(v * oOx loxt Y^cp X^y«)) ictptcXcfv 
tsSre, and dann wieder: ^oxs xo^ a(poü(A£Odi xt xaxdt x^v ouvi{6ci«v xa^^tpct^yofuv 
Kaivd|ioi( )^p<&{u6a. Abistokl. §. 15: &icöxav (jivxoi 9<i>9i xb aofbv 8jj xoGxo, Sxt 
Uot xstoxoXouOoOvxa ^ üoti xa\ xot; e6cot Cfjv n. s. w. Dass diese Aussagen auch 
Mif Aenesidemus annendbar sind, Iftsst sioh um so weniger bezweifeln, da 
«ioerseits fllr Diogenes^ Beiicht ü\>er Pyrrho (auch nach IX, 63) Aenesidemus 
«ine Hauptquelle gewesen su sein -scheint, andererseits die gleichen Grund- 
linie in seiner Schule, bei Seztus, uns begegnen werden. 



jf^ AeneflidomaB. 

nun eine schon firüher an^föhrte Stelle des Sextus AnftchliML 
Alle skeptischen Erwägungen fassen sich ihm in dem Sitze sasan* 
men, dass demselben entgegengesetzte Bestinunvngen ziizakoaunen 
scheinen ; denn alle die Schwierigkeiten , in die wir bei der Be^ 
trachtung der Dinge gerathen, lassen sich darauf znrückfulireB, 
dass entgegengesetzte Aussagen über dieselben anscheinend gleich- 
viel für sich haben. Dieser für uns unvermeidliche und an aliem 
hervortretende Schein kann nach Aenesidemiis nicht filr eine blosse 
Täuschung gehalten werden, denn er entsteht nicht blos dem einen 
oder dem andern, sondern allen ohne Ausnahme; was aber allen 
erscheint, muss für wahr gelten 0* Er lisst sich daher nur durch 
die Voraussetzung erklären, es finden sich wirklich an allem en^ 
gegengesetzte Bestimmungen; und dass dem so sei, diess hatte, 
wie er glaubte, kein anderer Philosoph so klar erkannt nnd so gut 
begründet, wie Heraklit. Wenn alle Dinge nur die Erscheinung 
eines und desselben Urwesens sind, das auf allen Punkten in an- 
fiufhorlicher Veränderung, in einem rastlosen (Jebergang aus einer 
Form in die andere begriffen ist, so muss freilich alles, wie diess 
Heraklit so nachdrücklich hervorgehoben hatte 0« die Gegensätze, 
zwischen denen es steht, in sich vereinigen, es werden an jedem 
Ding entgegengesetzte Eigenschaften hervortreten, über jedes sich 
widersprechende Aussagen ergeben. Wie daher früher durch Kra- 
tylus und Protagoras aus der heraklitischen Physik skeptische An- 
sichten hervorgegangen waren ^)^ so machte umgekehrt Aenesi- 
demus den Versuch, die Skepsis zum Heraklitismus zurückzubilden, 
indem er den Grund des widerspruchsvollen Scheins in den realen 
Widersprüchen des Seins suchte. 

Das Urwesen selbst, das in alle Formen übergeht, den ur- 
sprünglichen Trager aller Gegensatze in der Welt, bezeichnete 
Aenesidemus als Luft ^). Diese nimmt demnach bei ihm dieselbe 



1) S. 12, 1. 

2) Sbzt. Math. VIII, 8: o( (Uv yap fctp'k tbv Alvr^otdiipov Xi^ouci xiv« tu» 
faivofÄivcDV Sta^opav, xa{ ^oai toUtuiv ta (&kv xocv«JC faivto6at, xoc dk {$tb>c itv\, 
(üv aXY)0^ (iW eTvai t« xoevc5( icaoi ^aivöpicva, ^sud^ Sk xa (lij T<>(avxft. SQcv xott 

3) Man vgl. nnaeni 1. Th. H. 468 ff. 

4) Ebd. 498, 1. 757 ff. 

5) Sbxt. Math. X, 283: xö n $v xax« xbv 'Hp&xXeixov «lip coxtv, &^ ^aiv 






Auicblnss ftu Heraklit. SU \ 



Stele eia, wie bei Heraklit das Feuer 0; ^ne Abwetcbunf von 
der heraklilischen Lehre, zu welcher er wohl zuBichat durch dia 
RoOe Terankisfll wurde, die dem Pnemna bei den Stoikern zöge- 
thcit ist 0) für welche aber «Uerdinga auch in jener aelbat An^ 
knapftingspunkte gegeben waren '}. Seiner Natur nach scheint er 



1) Lamali.k*8 Behauptung (Herakleitos II, 78 ff.)« daM es nioht das Feuer 
idbst, soDdem rielmehr der Aetlier sei, an dessen Btelle bei Aenesidemos 
die Laft trete, kann hier nioht naher geprflft werden; es wird sich daaa wohl 
oeeb aa einem anderen Orte Gelegenheit finden. 

2) Vgl. 1. Abth. 129. 89, 2. 108. Dieses Pnenma wurde ja Ton den 
Stoikefji aoch aasdrfioklich ^p genannt, and von den Laftstr&mnngen wurden 
alle Bfgeaeehaften der Dinge hergeleitet. Als Pnenma beaeicbnet das Fenet 
•ehen Tbeophraat Fr. 8 Ue igne e. 4: xo^ yop xb icvp obv icvtU|i«T6( tk <pueic* 
Bei den dtoikera Dlllt das Fnenma einerseits, wiefern es Ursache dee Lebens 
ist, out der Lcbenswftnne oder dem nOp ts^yixbv zusammen, andererseits wird 
•• luft- nud dnnstartig ▼orgestelU; um so leichter konnte Aenesidemus das 
Urfeaer Heraklit*s , indem er es dem stoischen Pneuma gleichsetate, in Laft 
venrandefai. 

t) Der bedenf endete derselben liegt wohl in dem Begriff des heraklitisohen 

Utfeaert seibat, unter welchem nicht sowohl die Flamme, als das Warme 

fiberbaapt an rersteben ist, und welches daher anoh wohl durch ^vaOvpikeK 

erkllrt wird (vgl. Bd. I, 460 und Pi.4to Krat 413, C); denn dass die avaOufii«- 

siC nicht die warme Ausdflnstnng, sondern „nur den allgemeinen Weltproccse 

idbst, die heetandige Vermittlung des allgemeinen Werdens**, «die sich 

•ioeade Bewegong der Weeenbeit des Beins" u. dgl. beseichne (Labsau.« 

t. a. <X I, 147 ff.), wird niemand glauben, welcher sich die realistische Natur 

i«r beraklitischen Anschauungen klar gemacht bat, und welcher es mit den 

Zeagnissen der Alten etwaa genauer nimmt, als Lassalle. Unter allen den 

^Ueo, auf welche iiich dieser beruft, von denen übrigens keine Heraklit 

togebart oder Ton ihm handelt, ist auch nicht eine einsige, in der man unter 

»«i^&taeic etwas anderee als die Ausdünstung Terstehen könnte, und die Art, 

«ie Ussalle sie ausdeutet, und selbst in das gerade Gegentheil ihren wirk- 

fieh«n Sinns umdeutet, stellt jede gesunde Exegese auf den Kopf. — Ale 

^'foktjfiam^ eraeheint nun das Feuer namentlich in der öeele (s. Bd. 1, 479 f,); 

lad wenu Heraklit allerdings auch hier nioht von der Luft gesprochen haben 

^uia, die bei ihm überhaupt noch nicht unter den elementaren Umwand- 

l«ig«ferm«u dos Urstoils vorkommt« so liese sich doch diese avo(Ov|Aiaoi« von 

^« «plU«ren Vorattssetaung der vier Element^aus ebensogut unter deu Begriff 

^Uft Sielleu, als unter den des Feuers (vgl. Bd. 1, 471, 2., 471», ö), um so 

■•br, da auch Heraklit die Beele durch Einathmung aus der Luft sich n&hren 

^ (ebd. 481, 5); ond so wird ja die Seele von den Stoikern ganz allgemein 

aiebt bles als Fener, sondern auch als nvcufta, als avaOupLiooic, als warme 

^^ali ittsammengeaetst aus Luft und Feuer beschrieben (s. 1. AbCh« 180, 3, 



H Aeneftitfemuf. 

iioh den Untoff als einfache Substanz gedacht lu haben, denn er 
aagte, die Binheit und das Jetzt seien nichts anderes, als die Sab- 
stanz, nnd nur ans der VervielfUtigung derselben entstehe die 
Zahl ond die Zeit 0- Andererseits sollte aber doch dieses ein^» 



anob Plut. c. not. 47, 1). Wer sich daher Heraklit vooder Stoa deuten liest, 
der kooiite auch dadaroh in der Meinang bestärkt werden, dass sein Feuer 
etwas luftartiges sei, and 6oiii.bibrmacrbb*s Vermnthang (Herakleitos. W.W. 
s. Philos. II, 116 f.), dass Aenesidemns gerade yon der Seelenlehre aus s« 
seiner Ansicht über die Luftnatur des heraklitischen Urstoffs gekommen sei, 
trifft ohne Zweifel wenigstens einen yon den Gründen dieser Annahme. £ine 
weitere Veranlassung bu derselben konnte 4n dem Ausdruck a26i)p liegen, wenn 
Heraklit sein Urfener wirklich so beseichnet hat, denn bei dem Aether, den 
a. B. Empedokles geradesu für das Element der Luft setst, dachte man naoh 
dem gewöhnlichen Sprachgebrauch eher an Luft, als an Feuer; ebenso ia 
dem 9cpi}0TJjp (worüber Bd. I, 470, 2), sofern dieses Wort eigentlich den Qluth- 
wind, also eine Lufterscheinung, bedeutet (vgl. AaisT. Meteorol. HI, 1. S71, 
% 16 u. a. St. Lassallb a. a. 0. 11, 87 f.). 

1) Sbxt. Matth. X, 316: 9ü>{ia \th o3v IXs^ clWc rbv xp^vov A2vt9(Si||M« 
ntnk t)»v *Hp^Xc(tov' (a^ Stao^tv yop «ötov toÜ ovtoc xoik toIi xp«^Tou OKofurcot. 
S6fv x«\ d(3t T^j« ffpc&tv)« ilca-fcixY«!« (ygl. 8. 12,2, Sohl.) xor« Sf npaY|jL^ii>v xrc«x^ 
yjywt Ta< «ncXoc f&i(, oAt(vi( \Upri tou Xöyou xuT^^ouai, x^ (üv XP^^^ icposiiY^ 
p(av %A TJjv (Äov^tc if^ '^i o&oCa« tiToxBai fv)af^v, iitic iazi 9ti>(iaTtxiJ. tot dl (iTf^ 
tfikv xp^vcov xeä xk x«^ &X«ia tc5v '4pid[A«5v ^\ 7eoXuffXaoiao|AoC (A^iota fe^coOot' 
Tb |Uv Y^ vüv, ^h^ )(jp&HM (i,i|vupi& Itftcv, ^t $k tjjv (xovtöa oOx «XXo n sKiau i) d^v 
eCeiov. tjjv dl 4(ji^p«v xeä tov (ifjva xoi tov ivuwxbv icoXuicXa«ao|&bv Mtpy(UM toG 
vOv , fr^ dl ToO xp^vou. x^ Bl d((o xo^ Tp{a xa\ d&a xgti Ixaxbv 9coXiHcXa9ion|Mv 
sKoi xS|« ptov&do«. (Auf diese Ansicht Ton der Zeit kommt Sbxt. §. 280 ft noch 
einmal aurück; vgl. Pyrrh.III, 188: o{ (ilv 9«o(JLa atSxbv [xbv XP^^^^l ^f«aav c^oi, 
«ü« o{ ieep\ xbv A{vc9idf)fjL0V' (jLi)dkv y^ a&xbv dta^^piiv xoS ovxo« xok xou xpwxott 
0i&|Mtxo«.) Auch diese Stelle hat Lassallb (Herakl. I, 368 f. U, 180. 211) 
gründlich missrerstanden , und gans unstatthafte Folgemagen darana abge- 
leitet. Er fasst sie nftmlieh so auf, als ob ihre Anfangsworte au übeiaelaea 
wären: «Aenesidem sagte, nach Heraklit sei die Zeit ein Körper** u. s. w., als 
ob mithin die ganse Stelle einen Bericht Aenesidem's über Heraklit's Lehre 
Ton der Zeit enthielte, und aus diesem „trefflichen Bericht" schliesst er, dass 
^der Begriff der Zeit bei Heraklit kein anderer sei, als der der realen |iCT»- 
PoXJ)" n. s. w. Jene Worte besagen aber vielmehr: „Aenesidemus behaoptets^ 
dem Heraklit folgend, die Zeit sei ein Körper«, und was darauffolgt, ist nicht 
ein Bericht des Aenesidemus über Heraklit*s, sondern ein Bericht des Sextos 
über Aenesidem*|i Lehre tou der Zeit; su der Votaussetsung aber, daas jene 
in dieser treu wiedergegeben werde, shid wir um so weniger berechtigt, da 
sich uns bereits geseigt hat, dass Aenesidemus mit Heraklit's Ansichten in 
wichtigen Punkten, wie gleich in Betreff seines Urstoffs, theils seibat die 



Ansobltttt an Herakllt 

hehB Wefen vichl Um «m all ein Tielfaehei ersoheteen, sottdern 
lieh «B sich felbsi in die Vielheit auseinandergehen imd entgegfen* 
gosetsteBealiiDmuigen annehmen 0; und Aeneeidemos unterschied 
denhalb xwisohen der Art, wie die Suhstans im WeUgansen, und 
wie sie in den einseinen Dingen ist, wenn er mit den Stoikern 
isgte, das Ganze sei mit dem Theil sowohl identisch, als Ton ihm 
▼eraehieden: identisch, weil eine und dieselbe Substanz Games 
lad Theil sei, verschieden, weil sie Ganzes in der Writ sei, Theil 
ia den Binzeiwesen 0* D^n Uebergang des Binen in das Viele 
dachte er sich ohne Zweifel durch die Bewegung vermittelt, von 
der er, gleichfaHs mit den Stoikern O9 swei Hauptgattungen unter- 



•■Hfwilmdrtqn Aendanuigeii Toirfwommen, theila die Ton don Sloikern TOf« 
g«MamMi«ii «ob angeeignet hat^ und da aooJi in unaerer Stelle aelbat Ave- 
drücke, wie oMa (als ob Heraklit, der jedes bebarrlicbe Sein läagnete, Toa 
äB«T o&oia bitte sprechen können!), icp<i>Tov acofjLa, |iova«, to vCv u. s. w. den 
Bprtebgebranob and die Begriffe der aristotelisoben nnd stoiscben Pbilosopbie 
«it Hladen greifen lassen. Niebt enuBal das kann man mit 8ieberbeit ans 
•Bienr Stelle abnehmen, dass Ueraklit die Zeit fOr etwas kdrperliohea er- 
kürt, oder flberbaapt von ihr gesprooben bat, denn wir haben durobans keine 
SfagMhaft dafür, daaa Beztus eine so genaue Kenntniss der beraklitisobett 
Ubre besasB, am nicht das, waa er bei Aenesidem fand, ohne weiteres für 
borakUtiseh sa halten, mochte es diese anob noch so wenig sein; sagt er dcoh 
ueh (t. 0. 22, 5), Aenesidem erklSre xar^ 'Hp^Xttiov das 8v fflr Lnft. •* Ein 
IkaUebes MiaaYentlndniss ist Lassallb (11, 121), nm diese beilluag an be* 
asrksn, auch bei einer sweiten Stelle begegnet, aof die er groaaea Oewicbt 
^t SaxT. Mattfa. X, 282, wenn er hier in den Worten: ol X^ovii« ^ M^u* 
m xpjkoy eu>(&a xaxk Tov 'Up^Xtitov den Sinn findet: „daes naob rieler Mei- 
niing das Allererste bei Heraklit kein Körper sei** , wlbrend schon das an- 
■ittslbar folgende ausser Zweifel stellt, dass sn fiberaetsen war: ^dU, 
wsiske bebaopten,' dass es den ron Heraklit angenommenen Untoff nicht 
gebe." 

1) S. 0. B. 12, 1. 

1) SaxT. Mattb. IX, »87: h ^ A{n)d8i)(«x, xota 'fip^bOiCTov, *A fcipdv 
n^ te |Upo( to5 SXou 3ca\ toMv- ^ ydip o^a xo^ SXy) mä xa\ fi^poi, 8Xi| |ikv 
**^ x«t x^fccv y ' iftrfpo« 8b x«to( T^v To68i xoS Qi^ f tSccv. Aach diese Stelle darf 
BtD aber natflrlaob nicht (mit Lassallb II, 79; so verstehen, ale ob Heraklit 
mIWi in dieeer Weise Tom VerbJÜtniss des Oanaen nnd der Tbeile gesprooben 
^^^1 sondern dieee ist ein Sata der stoiscben Logik (vgl. 1. Abtb. 68,^, wo 
>b« jßtn, ep. 118, 4 f.* stehen aoUte), fttr den erst Ton Aeneaidemaa, oder 
•«oh lehoo den Stoikern, Heraklit's Lehre von der Einheit des Urstoffs be- 
■«tit wurde. 

<) Vgl. 1. Abtb. 8. 165 f. 



Aeneiidemiis. 

schied, die rtamlidie Bewegung und dieqvaliUitiTe Verinderang' ^). 
Mit den Stoikern berührte er sich auch in seiner Ansicht von dev' 
Seete. Er hielt dieselbe nimlieh fAr einen Lnftstrom, welcher nfch 
durch den ganzen Körper verbreite, und bis in die Oeffhungen der 
Sinnesorgane herausdringe *); um so leichter Itonnte er daas 
Heraküt's Annahme wiederholen, dass sich die Seele mittelst deb 
Athems aus der äusseren Xuft nfihre 0; und ebendamit mag es 
audi zusammenhingen, dass er, wie die Stoiker O9 Am Kind emi 
naeh der Geburt durch den Einfluss der kälteren Luft ausser dem. 
mutterUehen Leibe die Lebenskraft gewinnen Hess ^). Indessen 
steht Aenesidemus mit diesen Ansichten in seiner Schule gau 
allein ; die späteren Skeptiker zeigten ohne Mühe den Widerspruch 
auf, in den er sich durch einen solchen Rückfall in den Dognatis-' 
mus verwickelte O, und auf die weitere Entwicklung dieser Denk* 
weise hatte sein Heraklitismus nicht den geringsten Einfluss, wo- 



1) 8j»t. M«ih. X, 88: o( $k 9cXi{ouc, ^v oT( ibt x«\ ot ffep\ tov AWrfii^^LW^ 
dimjv xtva xoT^ tb ovraTorctA (in letzter Besieh ting) x{vY)aiv «TCoXeticouot, fiiecv fkt 
'Hjv (ASTftßXi)tcxJjv, StuT^pflev Sk T^v (U'caßttTucijv. Die weiiero, gani «toisehe, Br- 
Iftaterung dieseci UnteriiohiedB lUsst sich nicht mit Sicherheit auf AeDesidemus 
Burtiokffihren. Seine Bemerkungen äbor denselben kOnnen sich allerdingB 
auch im Zusammenhang seiner skeptisohon {Erörterungen fiber die Bewegnng 
(s. o. 14, 6) gefunden haben; aber die Rolle, welche ich der Bewegung bei 
ihm sosohreibe, war mit seinem sonstigen Heraklitismus gegeben. 

2) Thrtull. De an. 9i «um uiaer tu ipsa wb9taniia ejus [amimasjy etd 
Jkoc Aen/$ndemo vieum est el Anaximeni, puto $eeundum quosdam et NeradUo», 
Ebd. 14. Sext. Math. VII, 850. (Beide Btellen sind Bd. II, b, 744, 3 abge- 
druckt) 

3) Nur dieses wird nHmlicb das thatMAchliohe an Skxtijs' Angabe, Math* 
Vll, 349, sein (an der Bd. I, 481, & e. rgh): ot (Uv htxo^ xoD o<b^ai<K l^^v (Jmx^^ 
fiTvai IXe^av] , «[>{ A{vi]9{di}[i.o< xsTa 'HpibcXstTOV. 

4) Vgl. 1. Abth. 181, 4. 

5) Tbrt. c. 25: tsft*, qui prasiumunif tum in ic/ero condpi animatn, ... 

s$d efu9o pctrtu tumdutn vivo it^and exirinseeut imprimi [carnemj eeiiteoi, 

et de tUeri famaeejwfumtßm et eahre eoiutam , ut/errwn ignitum et ibidem fri- 
gidoe immernmif ita aürie rigore pereuisam et vim animalem rapere et vooalem 
tonum reddere» Hoe.Steiei cum Aeneaid&mo. Diese DaratelHing ist freilich, 
was dft Stoiker betrifft, jedenfalls ungenau, denn sie liessen die Seele nicht 
nach der Geburt erst in das Kind komme», sondern nur jetat erst sur animali- 
schen Seele sich verdichten, und so mag es sich mit Acaesidemiu. Ähnlich 
vorhalten, wenn wir auch das genauere bei ihm nicht angeben können. 

6) Vgl. SexT. P. 1,210 ff. 



Agrippa. 9f 

fegen 8e»e skeptischen Erdrtenmgen , tiaok SexMs su seliUesseii,' 
bd den Aiiiii«grern derselben des höchsten Ansehens genossen 
■i4 die Grottdlage sUer späteren Ausfiihrongen blieben. 

2. Die skeptische Schale nach Aenesidemus; Sextas 

Empiriküs. 

Unter den Nachfolgern des Aenesidemus ist der enite, über 
defliei wissenschaftliche Thdtigkeit nns etwas bekannt ist, Agrip-^ 
pt. Von ihm hören wir nimlich, dass er die skeptischen Tropen 
iif fbif sarückl&hrte, welche mit den asehen des Aenesidemus nur 
(heiiweise susanunenfallen. Die Ordnvng und der Inhalt derselben' 
wird vonSsxTus und Dioubnbs afoertnnstimmend so angegeben. 
Der erste fiUirt ans, dass bei dem endlosen Widerstreit der Mei» 
Dangen keine feste Ueberzeugvng möglich sei; der zweite aeigt, 
dass jeder Beweisgrund selbst eines Beweises bedürfte, und «o fort 
ms oaendlidile, dass man mithin niemals zu einer wirklich ge«- 
sichertea Annahpie kommen könne; der dritte behauptet die Rela- 
Mlät aller Vorstellungen, weil «ich die Dinge je nach der Be» 
scktffenheit des Wahrnehmenden und den Umständen, unter denen 
ne wahrgenommen werden, verschieden darstellen *); derTierte, 
eigentlich nur eine Ergänzung des zweiten, verbietet einer Unter- 
sochang unbewiesene Voraussetzungen zu Grunde zu legen; der 
fttnite eadlioh sacht darzuthun, dass dasjenige, was einer Annahme 
UB Beweis dienen soll, seinerseits erst mit Hälfe dieser Annahme 
bliesen werden musste, und dass namentlich die Wahrheit des 
Deokeos nur aus der sinnlichen Wahrnehmung, und die Wahrheit 
der letzteren nur aus jenem bewiesen werden könnte, im Vergleich 
nit den Zehen Wendungen des Aenesidemus verrathen diese fünf 
Qflverkeanbar das Bestreben, die skeptische Methode auf allge- 

1) Pyrrh. I, 164 ff. 

2) IX, 88 f. 

)) Hiünx Tropus, 6 axb tou 3cp6^ xt,. fahrte nach Hextn« aus, du« xpo< 
H<* n Xfilvov xoK xa auv8€Cüpoü(ieva tc^ ?| xolov ^aivcxai.xb 69coxat)uvov. Er fUlU 
^*^f vi« Hextos selbst bemerkt, mit dem aohteu Aene«id6m*0 (m. o. 8. 19« 6) 
'VMnuiieo, weiobsr gleichfaUa geseigt hatte, dass alles als ein icpö< xt er« 
*^n«i und Bwar in do|»pelter Hinsiobt: einmal mc 9cpb« ^d xptvov, sofern es 
^^^ ovr diaaem Snbjskt, diesem Sinne n. a. w. «o oder no efsobeine, und so- 
^^Kpo(Taauy8f«iipoü(ava, Sxi xpd( vfyt^ x^v ^»((ic^v (Umgebung) xa\ x^v^ 
M ip^v uk x^v euvOeaiv xijv8€ xa\ xf^v neoöxi)X« xai xtjv Bmw fxecsxov ^ottvtxst. 



Agrippa und tefae Nüohfolger. 

meinere 6eflichtq»mikle snrflcksaflihreii und dadurch ma 
fiichen, sugleich zeigen sie sich auch dfirin gründlicher, als jeae, 
daaa sie nicht nur einseitig die Frage nach der Wahrhat der Wahr« 
nehmungen und der unwissenschaftlichen Meinungen, sondern 
namentlich auch die nach der Sicherheit des wissenschafUicfaen 
Beweisverfahrens in's Auge fassen. 

Noch einfacher lautet die skeptische Theorie bei denen, 
welche nur zwei Tropen annahmen 0* Wenn nämlich etwas er- 
kannt werden könnte, sagten sie, so mnsste es entweder aus sich 
selbst oder aus einem andern erkannt werden. Dass aber 
ans sich selbst su erkennen sei , lasse sich aus dem durclfgreift 
den Widerstreit der Meinungen abnehmen, und dieser Widerstreit 
sei auch gar nicht zu schlichten, da die Wahrheit der Sinne Antch 
denselben ebenso in Frage gestellt sei, wie die des Denkens. Bben- 
damit sei aber auch die Möglichkeit einer Brkenntniss aus anderem 
angehoben, da wir doch am Ende auf ein aus sich selbst erkenn* 
bares zur&ckkommen müssen, wenn wir nicht entweder dem Fort- 
gang in*s unendliche oder dem Zirkelschluss anheimfallen wollen. 
För eine Verbesserung kann aber diese Vereinfachung nicht ange- 
sehen werden, denn der Grund, auf den sie in letzter Beziehnng 
alles zurückführt, derWiderstreit in den Vorstellungen der Menschen, 
ist gerade ebenso unwissenschaftlich, als andererseits die populär- 
philosophische Berufung auf die allgemeine Uebereinstimmung. 

Die ganze Errungenschaft der skeptischen Schule, wie sie 
sich in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts herausstellte, -ist 
uns allem Anschein nach vollständig in den Schriften des Empiri- 
kers Sextus erhalten 0. Der Zweck dieser Schriften ist eine 



1) SszT. Pyrrli. 1, 178 f. Rittbb IV, 297 deokt dabei «n Manodotat and 
•eine Nachfolger. Wir werden finden , dass auch bei Sextns Empirikas diese 
•wei Gründe eine groue Aolle spielen. 

3) Von den 8ehriften des Sextns besitsen wir noch die pyrrhonisoben 
Hypotyposen in drei Bfichern, und die swei Werke, welche in neuerer Zeit, 
in eilfBfloher Tertbeilt, anter der BeseichnuDg: »gegen die Mathematiker* 
saaammengefasBt werden. Das älteste Ton diesen Werken sind die Hypotypo- 
sen; an sie sohliesst sich die Bohrift Math. B. VII — XI darcb ihren Anfang 
(Tgl. Vll, 29) unmittelbar an : wenn jene den skeptischen Standpunkt im all- 
gemeinen dargeatcllt und begründet hatten , will ihn diese an den eineelnen 
Fragen dnrobffthreii) wobei das frühere oft fast wörtlich wiederholt wird. Von 
den drei Abschnitten, in die sie serfailt, den Erörterungen über die Logik, die 



Sezint Bmpirikna. 

■BÜMsende Widerlefiing d^ Degnatiflimis ; diese Widerlegniif 
toU Dicht in der Art geführt werden, dass auf die einxelnen Syateme 
eingegangen , und jedes derselben von seinen eigenen Vorans«> 
Setzungen ans bestritten würde 0; doch ist diess in der Wrrklich* 
keil in so bedeutendem Umfang geschehen , dass Sextus hinter den 
Akademikern, welchen er dieses Verfahren zum Vorwurf machti 
an Breite der Darstellung wohl schwerlich zurückstand. Auch die 
skeptische Schule hatte ja in jenpr Zeit ihre Lebendigkeit Ungsl 
Terloren, und sich ebenso gut, wie die andern, gewöhnt, statt der 
selbstthatigen Fortbildung der Wissenschaft auf eine möglichsl 
vollstindige Sammlung und eine übersichtliche Zusammenstellung 
der Schnltraditionen den gressten Werth zu legen. 

Unter den Gründen gegen den Dogmatismus, welche Sextus 
in grossen Massen, aber nicht immer in der besten Orvbiung zu- 



Pliysik und die Ethik, bat der erste anch den Titel: 7ccp\ ^tXoao^ia^. Das ans 

den teelis ersten Baohem bestelieiide Werk, welches sieh mit der Grammatik, 

Rhetorik, Geometrie, Arithmetik, Astronomie Qod Musik beaohaftlgt, nanat 

BextQs I, 1. VI, €8: d^ nph^ tou« Micb toW (i.a6i2|fcdixii>v irtiffmfiWy TJjv icpb( Ta 

^a^w8xa ^ts^ofiov. Beide Werke aasammen, nur mit etwas anderer Eintheilung 

der Bücher, möchte man in den ta 8^xa toiv axcicxixtov sehen, welche Dioa. 

IX, 116 Sextas beilegt, am so mehr, da anch in den Handschriften unser 

fiMtt»! Bneh die üeberschHft hat: S^ou ^fjLXEtptxoS 6?copT)(xiiTrt)v (oder: t£Si^ th 

Um Sxofiviiiamiv) xh S^otov, wogegen diese BeBeiohnvng nur den fUnf letaton 

Bäebem ertbeilt wird, wenn^wei Handaehriften das achte Buch twv xocta 

£^ov oxe:rruco>v xo dst^iEpov nennen (m. s. hierüber Fabrjc. a. B. VIII ttD4 

XI Anf.). An dieselben fflnf Biicher könnte man anch bei den 9xcictixi( 6ivo- 

|Lvi({iata (Math. I, 26. 29. II, 106. VI, 52) nnd den nach VI, 58 damit identi- 

•eben Du^^vci« oder Ilu^^vcta 6)C0(ivi{fjLaTa (I, 282. VI, 58. 61) denken, auf 

, die sich Sextos in dem spStesten Ton den drei Werken besieht; hier entatebt 

j^doeb das Bedenken, di2M sieh für die AnfOhrnng VI, 52. 58 (anch mit Math. 

VIU, 130 ff. ▼ergiiohen) keine recht pasaende, und fflr die I, 282 gar kein« 

Parallele in Math. VII— XI zeigen will. Wenn daher nicht etwa Sextua bei 

diesen Citateu ein Versehen begegnet, oder andererseits aus dem Text von 

Math. VII — XI etwas ausgefallen ist, so müssten die oxtitcm^ ^na^vil^xa 

doch eine eigene, >on den nock erhaltenen ▼erschiedene Sohrift gewesen seis. 

Zwei weitere rerlorene Sohriftea: mfü <|ruxf!c (Math. VI, 52. X, 284) und 

btipaa frftotfcviS(AaTa (Math. VII, 202. IX, 28), Jetttere wohl von den d|AXtifac3i 

6sQ|ivi(|iLaTa Math. I, 61 nicht Tersohieden, leme^ wir dnrofa ihn seibat kennen} 

dsgogen ist mit dem «vn^ttxb« Xdye« Pjrrrh. I, 21 die spStere Anafttbrnog 

P. II, 8 ff. gemeint 

1) Sbzt. Math. IX, 1. • 



^30 Hext 11« Brnpirikn». 

-sammeiigpetragfen liat, k'dnnen wir selche unterscheiden, welche 
die formalen Bedingungen des Wissens, und solche, die den um- 
teriellen Inhalt der metaphysischen, natarphilosophischen und ethi- 
schen Lehren betreffen. Ich stelle in beiden Beziebongen das we- 
sentlichste ans den Beweisführungen unseres Skeptikers zusam- 
men, ohne dass ich ihpn doch in alle einzelnen Wendungen 
folgen, oder neben dem philosophischen auch das Gebiet der 
*cyklischen Wissenschaften zu berühren die Absicht hätte, denen 
eines von den drei noch vorhandenen Werken des Sexfus ge- 
widmet ist. 

Was nun zuerst die formalen Bedingungen des Wissens be- 
trifft, so giebt zunächst schon die yielbesprochene Frage über des 
4[r1terium dem Skeptiker, wie sich diess nicht anders erwarten 
Hess, zu den yielfadisten Einwendungen Anlass. Denn da des 
Kriterium selbst in Frage steht, so müsste man für die Erkenntniss 
desselben wieder ein anderes Kriterium haben, ebenso aber für 
dieses und so fort in's unendliche 0* Wenn femer unter dem Kri- 
terium dreierlei verstanden werden kann, das urtheilende Subjekt, 
die Thatigkeit, vermittelst welcher, und die Norm, nach welcher 
geurtheilt wird '), so lasst sich in keiner von diesen drei Bezie- 
hungen ein Kriterium finden. Das urtheilende Subjekt müsste der 
Mensch sein. Aber die Philosophen streiten sich ja darüber, was 
der Mensch ist, ihre Definitionen desselben geben keinen deut- 
lichen Begriff, weder das Wesen des Leibes, noch das der Seele 
ist uns bekannt *); der Satz selbst, dass die Entscheidung über die 
Wahrheit dem Menschen zustehe, ist eine unbewiesene Annahme, 
es fragt sich endlich, welchem Menschen sie zusteht, ob einem 
einzelnen oder der Mehrheit, und wie in dem ersteren Fall jener 
einzelne gefunden, wie in dem andern eine übereinstimmende Aus- 



1) Pyrrh. II, 18 ff. S4. 85. 92. Math. VII, 814 ff. ^40 ff. 

S) Sflxtns bezeichnet diese drei Bodetitnngen darob die Anedrücke xpra(- 
ptov 6^' o3, $t' oS, xa6* 8. 

S) DasH Sextus selbat Hieb, die Seele betreffend, dem Materialismut so- 
neige, geht aus den Stellen, welche Rittrs IV, 817 f. anfahrt, durcbaus niobt 
mit Bestimmtbeit hervor, einige dieser Stellen, wie Math. VIII, 161. 206, 
Jiaben mit dieser Frage gar nichts an thun, in den ttbrigen (P. II, 70. 81. 
III, 188. M. IX, 71 f.) spricht Sextns ausdrücklich von der gegnerisehen Vor- 
anssetzung ans. 



Das Kritf^i-inm. ^' 

tage der vielen eriieli werden soll ^> Gesetzt aber wneh^ dte 

Berechtigung des Menschen zur Beurtheilung der Wahrheit wire 

anerkannt: mit welchem Geistesvemögen sollte er sie benrthei- 

len? Die Sinne könnten es nicht sein: denn einmal wird ober 

ihre Wahrheit selbst gestritten, wir brauohten also wieder ein 

weüeres Kriterium; sodann sagen die Sinne zu verschiedenen 

Zeiten und bei verschiedenen Personen, ond die verschiedmien 

fiinne im Vergleich mit einander, verschiedenes über denselb^i 

G^enstand aus; endlich kann die Behauptung, dass etwas so oder 

so beschaffen sei, überhaupt nicht den Sinnen zustehen, da diese 

iamaer nur von einem subjektiven Bindruck Kunde geben. Ebenso«- 

wenig kann es aber der Verstand sein, da dieser sowohl über aeni 

eigenes Wesen als über die Beschaffenheit der Knge durchaus 

nicht mit sich im reinen ist, und da man nicht einsieht, wie der 

Verstand im Innern des Menschen das äussere beurtheilen sollte; 

womit dann von selbst gegeben ist, was aber Sextus natürlich in 

seiner Weise auch noch durch besondere Argumente bestätigt, 

dasB auch nicht beide zusammen das Mittel der Beurtheilung sein 

können *)• Wenn endlich die Norm für die Unterscheidung des 

wahren vom falschen Cden Stoikern zufolge) die Vorstellung (fav^ 

xaaiaL] sein soll, so ist för's erste das Wesen der Vorstellung, aaoh 

nach den vermeintlichen Erklärungen der Philosophen, unbekannt; 

sodann hangt die Vorstellung von der Wahrnehmung ab, die 

Wahrnehmung aber belehrt uns nicht über das Objekt, sondern 

nur über den subjektiven Bindruck; da endlich unmöglich alle 

Vorstellnagen wahr sein können, so wäre wieder ein Kriterium 

SHT Unterscheidung der wahren Vorstellung von der falschen nö- 

thig, ebenso für dieses wieder eines und so in's unendliehe ^). 

Diese Untersuchungen über das Kriterium konnten im Grunde 
fenügen, um die forumle Möglichkeit des Wissens zu läugnen; 
abw das Streben nach logischer Voltetändigkeit ond nach allsei- 



1) Pjrrh. II, 22^47. Math. VII, 863—842, wo namentlich der 8aU, dasa 
^M Wesen des Meaacben nnerkennbar sei^ in eingehender Kritik der Ter« 
•ebiedenen anthropologischen Beiitinimungen ausgeführt wird. 

2) P. II, 48*-69. M. VII, 343-869. 

8) P. II, 70—84, ausfahrlicher M. VII, 370—445, wo namentlich die 
stoUcber« Definitionen der Vorstellung und die Lehre von der begrifflichen 
Vorstellnng krittsirt werden. 



Beztut Empirikna. 

tiger Widerlegung der Gegner ist bei Sextus und seiner Schule 
viel zu stark, als dass er nicht noch mancherlei weitere Beweise 
beibringen sollte, in denen sich freilich die Hauptgrdnde in ver- 
schiedenen Wendungen auf ermüdende Weise wiederholen, wäh- 
rend zugleich die Oberflächlichkeit des philosophischen Streiterm, 
der auch schlechte und sophistische Gründe nicht verschmäht, noch 
stärker hervortritt, als diess bisher schon der Fall war. Gtte es 
liuch ein Kriterium der Wahrheit, sagt Sextus, so würde uns dieps 
doch nicht das mindeste nützen, wenn wir nicht behaupten kön- 
nen, dass es eine Wahrheit gebe. Wie sollen wir aber erken- 
nen, ob es eine Wahrheit gibt, da jeder Beweis für^ ihr Dasein 
wieder eines Beweises bedürftig wäre? CUeser Grund filllt offioft^ 
bar mit der Untersuchung über das Kriterium zusammen.) Wenn 
es ferner eine gäbe, so müsste sie entweder in der Erscheinung 
(fatvipisvov) gesucht werden, oder in dem verborgenen (ÜviXov), 
oder theils in jener, theils in diesem. Aber das erste ist unmög- 
lich, da weder alle Erscheinungen für wahr gelten können, noch 
ein Theil derselben: jenes nicht, denn die Erscheinungen wider* 
sprechen sich, dieses nicht, denn es fehlt an einem unterscheiden- 
den Kennzeichen der wahren Erscheinungen; das andere ist un* 
möglich, weH sich ebenso die Wahrheit alles verborgenen nicht 
ohne Widerspruch annehmen lässt, für die Wahrheit eines Theils 
kein Kennzeichen zu finden ist; die Unmöglichk^t des dritten «r- 
giebt sich hieraus von selbst 0. Weiter, wenn etwas wahr sein 
soll, so fragt sich — Sextus wiederholt hier ein Sophisma seiner 
Schule ^ — : ist das Etwas wahr, oder falsch, oder beides, oder 
keines von beiden? Was man auch antworten möge, so müsste 
das, was von dem Etwas gilt, auch von allen Dingen gelten, denn 
jedes Ding ist etwas, es müsste also entweder alles wahr, oder 
alles falsch, oder alles wahr und falsch zugleich, oder alles weder 
wahr noch falsch sein. Dass keiner dieser Fälle möglich ist, war 



1) Oder eigentlioh: eis Wahres; Sezine nimmt hier auf die stoitofae Un- 
tertcheidntig der iXifJOtia vom iikrfiU (>• !• Abth. 78| 8) Rttokttoht, die wir bei 
Beite laiten können. 

S) Dasselbe, nur in abstrakterer und Tervrickelterer Form, wird Math. 
VIU, 40 ff. nach Aenesidem so ausgeführt, dass gezeigt wird, die Wahrheit 
kSnne weder ein «{oOijtov noch ein vOT)t)»v sein; Tgl. S. 14, 7. 

8) Vgl. Math. VIII, 82. 



Die Wahrheit. SS 

Mekt ZV zeigen. Die Wahrheit Icanh endlich worfer etwas anand- 
ftnickseiendes und von anderem unabhängiges sein, noch auch 
etwas Mos relatiyes O9 denn im ersteren Fall müsste sie allen 
gleich erscheinen, im andern wSre sie nur Sache der subjektiven 
YcmteDiing, nichts objektives ^. 

Ich unterlasse es, auf die Einwendungen näher einzugehen, 
wriehe Sextus aus Anlass der ebenbesprochenen Frage den An- 
nahmen Yerschiedener Philosophen, dem platonischen Satz, dass 
nur die Vemunfterkenntniss Wahrheit habe, der epikureischen 
Behauptung, dass alle Sinnesempfindungen wahr seien, namentlich 
aber der stoischen Lehre von der Wahrheit und Unwahrheit, von 
dem -Gedachten Cdem Xsxtov) und von den Sätzen, mit gewohnter 
AusiShrliehkeit entgegenhält ')• Ich kann diess um so eher, da 
ans das wesentliche dieser Beweisffihrungen theils schon vorge- 
kommen ist, tteils sogleich in der Unteriiuchung über die Erkenn- 
barkeit des Wahren mittelst äusserer Zeichen C^^epl <n)[/x(oo) be- 
gegnen wird. Wollten wir nämlich auch annehmen, dass es eine 
Wahrheit gebe, so wäre es doch, wie unser Skeptiker meint, ganz 
■Bmdglich, das verborgene Wahre aus irgend einem Zeichen zu 
erschUessen. Das Zeichen soll uns nicht blos an solches erinnern, 
wu wir schon in Verbindung mit demselben wahrgenommen haben 
" ein Zeichen in diesem Sinn giebt auch der Skeptiker in der- 
sdben Weise zu, wie er überhaupt das thatsächliche, als solches, 
sagidit — , sondern es soll uns auch über dasjenige unterrichten, 
was entweder vermöge seiner Natur, oder in Folge besonderer 
Umstände unserer unmittelbaren Beobachtung entgeht 0* Diess 



f) Die KuniUraedrficke der Schule sind: fBr das Anundftirsichseietide td 
Uta {cofopav, fSr daa Relfttire tb npö^ tt oder np6^ xi ica>{ fyow. Vgl. Math. 
YIU, 161: T«Sy o2v ovtidv, ^ocfcv o( axb x^if o^i^ia^y xa {a^v iaxi xaxa Sia^popav, x« 
^ xpö( XI xtt>( rj^ovxa* xo^ x«xa Sia^opdtv (jlIv his69a xax* lUoci 67CÖ9xaatv xa\ ano- 
^Jk^ vo^ai . . . 3cpö( XI 5^ loxi xa xaxa x^v o>{ npö^ Ixspov o^tfotv vooi>{i.Eva u. s. w. 
Es ist diese stoiaoh; Tgl. 1. Abth. 92, 1. 

S) P. 11,80^96. Math. YIIT, 2^39. Ich fflhre absiohtlich hier und sonst 
>oeh sophtstiaohe nnd nichtssagende Beweise an, denn gerade sie sind für 
diese Skepsis heseichnend. 

S) Math. VIII, 56—140. 

4) P. IT, 97—103. Math.VlII, 141 — 158 nach den Stoikern. Das Zeichen 
in der ersteren Bedeutung heisst 9i}fjL^ov 6}co(AVT)9X(xbv , in der andern oi^(i^ov 
Mixtixöv. Nur das letstere wird ron Sextus bestritten. 

PUlos. d. Gr. III. B. 2. Abfb. 3 



il4 Seztus Empirikus. 

lUs% sich aber aus vielen Gründen nicht denken. Denn da d<sr 
Begriff des Zeichens ein Verhaltnissbegriff ist, und als solcher den 
des Bezeichneten yoraussetzt, so kann das Zeichen ebensowenig 
vor dem bezeichneten erkannt werden, als dieses vor jenem; wer- 
den sie aber gleichzeitig erkannt, so gelangen wir nicht eM 
vermittelst des Zeichens zur Kenntniss des bezeichneten, was doch 
eben der Begriff des Zeichens ist 0- Wenn ferner das Zeichen 
entweder durch die Sinne oder durch den Verstand au%efa8St 
werden müsste, so sind für*s erste die Philosophen selbst nicht 
einig darüber, wie es sich hiemit verhalt, and dieser Zwiespalt 
lässt sich so wenig, als irgend ein anderer, schlichten, aus dem 
vielgebrauchten Grunde, dass jeder Beweis selbst eines Beweiees 
für seine Wahrheit bedürfen würde ; und ebenso verhalt es sich, 
"um diess gleich hier zu bemerken, überhaupt mit der Frage nach 
der Existenz eines beweisenden Zeichens 0; sodann verwickelt 
aber auch jede von jenen beiden Annahmen in unauflösliche Schwie» 
rigkeiten. Soll das Zeichen etwas sinnliches sein, so müsste das- 
selbe, abgesehen von dem unlösbaren Streit über die Realität des 
Sinnlichen, jedenfalls von allen, deren Sinne gleich beschaffen 
sind, gleich aufgefasst werden, wahrend es doch Thatsache ist, 
dass dieselben Zeichen von verschiedenen sehr verschiedea ge- 
deutet werden ^); soll es etwas unsinnliches und blos gedachtes 
sein, so wird bekanntlich die Existenz des Gedachten OsxTäv) Ton 
manchen Seiten bestritten, und wer vermöchte sie zu beweisen, 
da jeder Beweis Cwiä zum Ueberdruss wiederhplt wird) selbst um 
durch ein Zeichen und ein gedachtes geführt werden könnte 0« ^ 
lasst sich femer nicht denken, wie das Gedachte ein körperliches 
sein sollte, oder wie es andererseits als das unkörperliche, wof&r 
es die Stoiker ausgeben, wirken und etwas beweisen kann, es 
lasst sich nicht einsehen, wie wir uns von der Richtigkeit der Yer* 
bindung zwischen dem Zeichen und dem bezeichneten überzeugen 



1) Math. VUl, 168-175. 272 f. (P. U, 117-.120) in verscbMenen Wen- 
dangen. 

2) Math. VIU, 176--182. P. II, 121 f. 

8) Dieser sophiatisohe Einwarf wird Math. VIU, 188—248 HnMamt weit- 
•oh weifig, mit iJUtigen Ahsohweifungen, aasgefÜhrt. 

4) Math. Via, 244-261, 7gl. Aber dae XexTÖv ebd. 76—78. P.II, 107^115 
ttud die unten aosaftlhrende Untenuchung Aber den Beweia. 



Dfti Zeichen; der Beweis. 35 

floHtett, es lässt sich endlich nicht erislären, dass auch solche ans 
Zaicben Schlüsse ziehen, welchen die logischen Operationen ganz 
fremd sind, a«f die jene Schlässe von den Stoikern zurückgeführt 
werden 0- Können daher auch die Dogmatiker ihrerseits für die 
Annahme beweisender Zeichen manches geltend machen, so ISsst 
rieh doch theils die Beweiskraft ihrer Gründe auch wieder be* 
fireilen, theils folgt aus dem Vorhandensein entgegenstehender 
Gründe jedenfalls so viel, dass sich die ganze Frage zu keiner 
bestimmten Entscheidung bringen lässt 0* 

Giebl es kein beweisendes Zeichen , so versteht es sich von 
mlbst , dass es auch keinen Beweis giebt, denn der Beweis fällt, 
wie Sextus sagt *), unter den allgemeinen Begriff des. Zeiqhens. 
Natürlich wird uns aber die umständliche Erörterung dieser spe- 
delleren Frage darum nicht erspart: Sextus zeigt, um nur seine 
Hanptsülse herauszuheben, auPs breiteste, was wir schon so oft 
gehört haben, dass die Wahrheit des Beweisverfahrens und der 
Prifflisseii selbst erst bewiesen werden müsste, dass diess aber 
wieder nur durch Beweise geschehen könnte *); er fragt, ob der 
Beweis nur aus den Prämissen bestehe, oder ob der Schlussatz 
nii dazQ gehöre, und er findet beides undenkbar ^); er bezwei- 
feh die Möglichkeit eines Schlusses, denn der Schluss wäre aus 
Silzea sosammengesetzt , diese Zusammensetzung sei aber un- 
nöglkh, d« der erste Satz nicht mehr vorhanden sei, wenn wir 
den zweitoa aussprechen ^); er wiederholt, was er schon über 
ths beareisende Zeichen gesagt hatte, dass der Beweis etwas rela- 
tives sei, dass er mithin nur zugleich mit dem zu beweisenden 
gedacht werden könnte, während er ihm doch als seine Begrün- 
dung vorangehen soll, dass sich aber freilich die Existenz des 



1) M. Vin, 262^-979. 

2) M. Vra, 273—298. P. H, 180— 18S. 
8) F. II, 184. M. VIU, 277. 299. 

4) M. VHI, 340—881. 411—428. P. II, 162—170. 177 — 184. 

6) M. VUI, 385—890. P. II, 173—176: die Prftmissen allein wfijrdon 
keiiMO Seblou bilden, der Schlassats seinerseits ist der Zweck des Beweiset), 
tr kann also nicht sein 7*beil sein, und ist fBr sieb genommen etwas unbe- 
kanntet, ein aolehes darf aber in einem bflndigen Beweis nicht Torkommou 
Die SohwSche dieser Grflnde liegt am Tage. 

6) P. II, 144. 

3* 



36' Seztus Empirikns. 

relativen überhaupt nicht denken lasse 0; <^r sucht insbesondeve 
die Stoiker zu widerlegen, indem er behauptet, sie selbst wisseii 
nicht blos nicht, was der Beweis, sondern nicht einmal, was die 
Vorstellung sei Cweil Chrysippus und Kleanthes sie verschiedea 
definiren), jedenfalls könnten sie Cwie oben beim ^f««Tov]) nicht 
erklären, wie der Beweis als etwas unkörperliehes auf die Seele 
wirken könne ^); er h&It endlich den Gegnern den Fangachleas 
entgegen, dass sich die richtigen Schlüsse nicht als solche er- 
kennen lassen, wenn man sie nicht von den falschen, und die 
falschen nicht, wenn man sie nicht von den richtigen %n unter- 
scheiden wisse, dass mithin der Kenntniss der richtigen die der 
falschen, und der Kenntniss der falschen die der richtigen voran- 
gehen müsste 0- Der Schluss aber, welcher aus allem di^mn 
gezogen wird, ist der, den wir bereits kennen: dass zwar auch 
die Dogmatiker ihrerseits manches für sich anzuführen haben, dass 
es insofern übereilt wäre, die Möglichkeit des Beweises positiv 
zu laugnen, dass wir aber noch viel weniger berechtigt seien, sie 
zu behaupten, dass uns daher auch hier nur die skeptische Zurück- 
haltung des Urtheils übrig bleibe ^3* 

Das angeführte wird die Richtung, welche diese Kritik der 
Logik nimmt, hinreichend bezeichnen. Ich übergehe daher die 
Erörterungen des Sextus über andere Theile dieser Wissenschaft, 
über die Lehre von den Schlüssen und von der Induktion % über 
die Begriffsbestimmung, die Eintheilung, die Gattungen und die 
Arten, die Sophismen, -die Amphibolieen und anderes *), um mich 



1) M. VIII, 891— S96. 468—462. 

2) M. VIIl» 896—410. 

3) M. VIU, 429—462. 

4) M. VIII, 468 ff. P. II, 186 ff. 

ö) Nur beil&ufig mag in Betreff dieser beiden angefahrt werden, was 
auch RiTTBB lY, 328 als eine von öextas bedeutenderen BemerknngeD herror- 
hebt, dass seiner Ansicht nach der aUgemeine Sats, weloher den Obenatt 
des Schlosses bildet, immer nur mittelst einer vollständigen Indaktion be- 
wiesen werden könnte, welche den Scblussats selbst schon enthalten mOaste 
(dass alle Menschen sterblich sind, kann ich nur behaupten, wenn ich es 
von allen einzelnen weiss, in diesem Fall weiss ich es aber auch von Cajas); 
eine solche vollständige Induktion ist aber freilich nicht möglich. Pyrrb. II, 
194 — 204. 

6) Pynb, II, 198-269. 



Ursache und Wirknng. 37 

lejnen Erörterangen ober die materiellen Theile der Philosophie 
anwenden. 

Beginnen wir m\X der Metaphysik, so ist es im allgemeinen 
der Begriff der Ursache, im besondern sowohl der der wirkenden, 
tb der materiellen Ursache , gegen den- sich die Angriffe unseres 
Skeptikers Torzugsweise richten. Ist überhaupt eine Wirkung des 
eiaea auf das andere denkbar? Es ist wahr, sagt Sextus, die Er« 
bliniiig scheint dafür zu sprechen. Wir können uns die Erschein 
aaagen und die Ordnung der Erscheinpngen nicht wohl ohne eine 
ümche denken, und selbst wenn wir keine annehmen wollten, 
wirden wir geneigt sein, zu fragen, warum keine möglich sei 0- 
Aber andererseits können wir uns das Verhaltniss von Ursache 

. ud Wirkung auch nicht denken. Die Ursache ist etwas relatives, 
sie isl das, was sie ist, nur in ihrer Beziehung auf diese bestimmte 
Wirkung; wie problematisch aber die Existenz des relativen über- 
iitnpt ist, und wie gleich schwierig es ist, sich den Grund ohne das 
iKgründete und ihn gleichzeitig mit demselben vorzustellen, ist 
tach schon bei der Lehre vom Beweis gezeigt worden *). Wie 
floUen wir uns femer die Ursache und die Wirkung vorstellen, 
köqteriich oder unkörperlich? Das körperliche kann nicht durch 
nkorperliches bewirkt werden, noch dieses durch jenes, weil 
Mde ungleichartig sind, ebensowenig aber auch körperliches 
dvdi körperliches und unkörperUches durch un körperliches, denn 
WI8 ans den wirkenden Substanzen werden soll, muss immer schon 
mihhen sein, dann ist es aber nicht erst geworden 0« Aehnlich 

, Itet sieb zeigen , dass weder ein ruhendes Ursache des bewegten 
Kinktnn, noch umgekehrt, ebensowenig aber ruhendes Ursache 
ciBes ruhenden oder bewegtes eines bewegten ^). Weiter, wenn 
die Ursache ESf steh allein wirkt, so müsste sie auf alles die gleiche 
Wirkung hervorbringen, wenn andererseits ihre Wirkung durch 
die Beschaffenheit dessen bedingt ist, auf welches gewirkt wird, so 
^Te das leidende ebensogut Ursache zu nennen, als das wirkende^). 

^) M. IX, .196—206. P. III, 17—19. 
») M. IX, 207 f. 282—286. P. III, 20—28. 26—28. 
^) M. IX, 218—226, nach Aenesidemns (0. 0. 16, 1). Eine andere Wen- 
^efcd.214ff. 

*) M. IX, 227—281. 

&) A.a.O. 287—246, womit §. 246—261 im weaentlichen aueammenfint. 



418 Bextns Empirikn«. . 

Aber wie soll äberhanpt ein Ding auf das andere einwirken ? enW 
fernt oder gegenwärtig, allein oder mit dem andern a naam M W , 
mittelst blosser Berfthrung ader mittelst allgeneiier DurdiAring- 
'ung? Das entfernte kann nicht wirken; das, was miA ehieiB an- 
dern SQsammenwirkt, ist ebensogut ein leidendes, als ein wirken- 
des, und umgekehrt; eine Wirkung durch blosse Beruhraiii; ist 
nicht möglich, denn was sich berührt, sind nur die ankörperlidmi 
Oberflächen, das unkdrperliche aber kann (nach dem stoisehen 
Satz) weder wirken noch leiden; eine Durchdringung mehreffer 
Körper, die nicht am Ende doch wieder auf ein blosses Nebenein- 
ander ihrer Theile, eine blosse Berührung, zurückkäme, ist un- 
denkbar , und au6i verwandten Gründen bietet aueh der Begriff der 
Berührung selbst grosse Schwierigkeiten , ob man nun das Ganze 
von dem Ganzen berührt werden lasse, oder nur den Theil von 
dem Theile , oder den Theil von dem Ganzen , oder umgekehrt '> 
Nicht minder schwierig ist der Begriff des Leidens oder des Ver- 
ündertwerdens, denn leiden kann nur das, was ist, aber gerade 
sofern etwas ist, wird es nicht verändert, da die Veninderung 
eben darin besteht, dass ein Ding das wird, was es niohi int: man 
kann nicht sagen, das weisse sei schwarz geworden, denn sofern es 
schwarz wird, ist es kein weisses mehr, aber das schwarze kann 
auch nicht schwarz werden 0- Dasselbe ist auch im besondern an 
den Begriffen der Vermehrung, "Verminderung und Verwandlung 
nachzuweisen. Etwas vermindern heisst, einen Theil vom Garnen 
wegnehmen; aber wenn diess geschieht, so hat dieses Ganze auf- 
gehört zu existiren, es ist also nicht blos vermindert, das übrig- 
bleibende umgekehrt ist so geblieben, wie es war '). Ebenso ver- 
halt es sich andererseits mit der Vermehrung, Mit der Ve^minde- 
rung und Vermehrung fällt aber auch die Versetzung der Theile, 
und mit dieser alle und jede Veränderung, Wir können uns das 
Leiden sio wenig vorsteilen, als das Wirken ^). ^ 

Es ist merkwürdig, dass in dieser Kritik des Causalitits- 
begriffs , welche doch alle Gründe gegen denselben so emsig zu- 



1) Mftth. IX, 252--S66. 

2) A. A. O. 267—276. 

3) Diesa isi wenigtiteub dor Hauptgedanke der unnöthig TerivioMt aad 
spicsfliidig auagespoonoaen Erörterung Math. IX, 280—320. 

4) A. «. O. 821— 529. 



. Ursache nnd Wirknng. Die Gottheit. 

leiwaclil, gende der Punkt gm nicht berfihrt wird, auf den 
äek m der neoeren PkÜMophie dat Naekdenkeii vorzugsweke ge** 
richtet iuit, die Frage, wie vns jenw Begriff entsteht, und wie wir 
dam luAmneB, an die Stdle des erfahrungsmiasigen Nebeneinander 
ind Naeheinainder der Bracheinungen einen umaohlichen Zusam- 
■Mriung %m aetaen. Ware diese Frage von einem seiner Vor- 
gänger erörtert worden , so würde sie Sextus nicht übergangen 
haben , da aie gerade dem Skeptiker die schärfsten Wafien bieten 
ainsate. Dasa dieas selbst in der nadiarislotelisoben Philosophie 
Rieht geschah, ist beaeichnend. So sehr sich auch das philo^ 
sqihiache latorease der subjektiven Seite zugewendet hat, so 
richtet aioh doch das Denken ungleich mehr auf den Inhalt der 
Begriffe, als a«f ihre psychologische Entstehung; die Beobachtung 
and Aaalyae der geistigen Thflttgkeiten , welche für die neuere 
Phileaophie ao wichtig geworden ist, hat für das gegenatandliohe 
Benkea der Griechen selbst in dieser seiner leisten Entwicklung»- 
psfiode nicht die gleiche fiedentung gewinnen können. 

Bietal der Begriff der Ursache überhaupt bedeutende Schwie- 
rigkeiten , so bietet der Begriff der wirkenden Ursache , oder der 
fiotlhait, keine geringeren. Wollen wir auch davon absehen, dass 
fe Philoaophen ibet die Entstehung- des Clötterglaubens nichts 
weniger als einig sind , und dass sieh jeder von den aufjgestellten 
Anaifihleii anuicheriei Bedeni(en entgegensteUen ^J, müssen wir 
lach den Beweisen der Dogmatiker für das Dasein Gottes*) das 
einranmen, daas sie scheinbar genug lauten, so treten doch diesen- 
Beweisen andere Gründe aoü nidit geringerer Ueberzeugungskraft 
ia den Weg. Da die VorstoHungen über die Gottheit so wider- 
sprechend sind, so wissen wir nicht, was wir uns überhaupt unter 
derselben denken sollen'^), und da streng genommen überhaupt 
kein Beweis möglich ist, so lasst sich auch das Dasein Gottes nicht 
beweisen O* Die Hauptsache ist jedoch, dass der Begriff Gottes 
selbst nicht ohne die vielfachsten Widersprüche zu vollziehen ist 
Sezios eignet sich in dieser Beziehung jene ganze Kritik des Kar- 



1) llatli. O; 14-47. 
^ 2) Ebd. 60—186 nach den Stoikeni dargwiellt. 
8) Pyrrh. III, 3—6, wg\. iüib. IX, 60*-59. 

4) P. III, 6— 9 ~ die speeielle WiderIcgiiDg der ttoiechon Beweise, die 
«räooh M. IX, 60 ff. ao aasflihrlioh berichtet, hat sich Sextns erapart. 



49 Beztas Empirikus. 

neades an , über welche schon firQher berichtet wvrde 0* Da ieh 
hier nvr wiederholen könnte , was dort beigebracht wurde, nad da 
auch der Einwarf gegen das Walten einer Vorsehung, welchen das 
Uebel in der Welt an die Hand gab ')) nichts weniger als neu ist *), 
so werde ich mich ohne längeren Aufenthalt der Unteranchnng 
über die materielle Ursache, oder den Begriff des Körpers, zuwen- 
den dürfen. 

Dass es auch mit diesem nicht besser bestellt ist, ergiebt sich, 
wie Sextus selbst bemerkt *), sdion aus seinen Beweisen gegen 
die Begriffe des Thuns und des Leidens , denn ein Körper ist ja, 
nach der stoischen Definition, was des Thuns oder des Leidens 
Ahig ist. Aber auch der mathematische Begriff des Körpers ist 
seiner Meinung nach durchaus unhaltbar. Ein Körper soll sein, 
was in die Länge , Breite und Tiefe ausgedehnt ist , diese drei m- 
sammen müsst^n also den Körper bilden. Aber wenn weder die 
Länge, noch die Breite, noch die Tiefe ftlr sich genommen ein 
Körper ist, wie kann aus ihrem Zusammentreten ein Körper ent- 
stehen?'^) Wie sollen wir uns femer die Länge u. s. w. an sich 
selbst und in ihrem Verhältniss zum Körper vorstellen ? Die Aus- 
dehnung in die Länge, oder die Linie, soll dadurch entstehen, dass 
sich ein Punkt fortbewegt. Da jedoch der Punkt keine Ausdeh- 
nung haben soll, so könnte auch nichts ausgedehntes aus ihm ent- 
stehen, und auch die Wiederholung desselben würde höchttens 
eine Vielheit von einzelnen Punkten erzeugen, al^r keine Linie*)- 
Das gleiche gilt von der Entstehung der Fläche aus der Linie: 
wenn man der Linie keine Breite beilegen will , kann durch die 
Bewegung oder die Wiederholung derselben unmöglich eine Fläche 



A) M. IX, 137--194; Tgl. 1. Abth. 8. 468 ff. 

2) P. III, 9—12. 

3) SohoD Plato liat diesen Einwurf berücksichtigt, die Epikureer haben 
ihn mit grossem Nachdruck geltend gemacht, und die stoische Theodioee ist 
eifrig mit seiner Widerlegung beschäftigt. Rittkr (IV, 888) legt daher diesem 
Punkt eine un verbal tnissmässige Bedeutung bei. 

4) P. in, 38. II. IX, 866. 

5) M. III, 88-90. IX, 868— 875. P. III, 41. 

6) M. III, 22—86. IX, 876—889. loh brauche Übrigens wobl kaum au 
bemerken, dass ich dem Sextus auch hier nicht in alle Wendungen seiner 
Dialektik folgen kann. 



D»» KOrperllehe. tt 

tä Sliiiide konmeii ; wir kAtinen uns aber freilieh eine Linge 
obiie BreHa öberliaapl nicht denken, da eine solche weder iii an-» 
serer Brrahmng Torkomml, noch durch irgend eine Analogie er- 
ichloasen werden kann^; wozu noch komnii, das« bekn AneiiM 
•nderlegen nweier Fliehen aus den sie begrenzenden Linien- Eine 
Linie, millrin auch aus den Flachen selbst Eine; und aus den toh 
ihnen begrenzten Korpern dn einziger werden müsste , wenn die 
Linien keine Breite haben ')• Ebenso müaslen beim Aneinander^ 
legen zweier Körper die Berubmngsflächen entweder au Einer 
niche werden , dann wären aber die Körper nicht blos an einan-« 
der gelegt, oder sie nussten mit anderen Theilen einander be^ 
rühren, mit anderen die Körper, welche von ihnen begrenzt wer- 
den, dann wiren es aber keine blosse Flächen, ohne Tiefet; es 
■Assten femer •— der Einwurf erscheint uns lächerlich, aber Sex^ 
tos trftgl ihn mit siditbarem Wohlgefallen wiederholt vor ^) — 
entweder die Körper selbst einander berühren , oder die Fliehen, 
ton denen die Körper begrenzt werden, oder beide ; aber im erste- 
rea Fall wiren die Körper ausserhalb ihrer Begrenzungsfliehen, 
im zweiten finde keine Berührung der Körper statt, im dritten 
wiren beide Schwierigkeiten Tereinigt. Wie können aber über-^ 
Ittapt die Flachen , die doch keine Körper sind, berflhren ? ^ Dass 
lach die Undnrchdringlichkeit der Körper undenkbar sein soll, 
weit sie nur dnrch BerAbrung wahrgenommen werden könnte, die 
Berfthmng aber weder als Berührung der Theile, noch als Beröh-» 
rang der ganzen Körper sich begreifen lasse 0; dass der Körper 
weder etwas wahrgenommenes, noch etwas gedachtes soll sein 
können, weil die Zusammenfassung der Bestimmungen, welche den 
Begriff des Körpers bilden , nicht Sache der Wahrnehmung sei, das 
gedachte andererseits nur aus einem wahrgenommenen abgeleitet 
werden könnte^); dass mit der Denkbarkeit des Körperlichen anch 



1) M. m, 65— 76. IX, 419-429. 
3) M« III, 37—59. IX, 890—413. 

3) M. lU, 60—64. iX, 414—418. 

4) P. in, 42 f. 

5) M. ni, 77—80. IX, 480—436. 

6) M. III, 81 f. IX, 484—486. 

7) P. III, 45 f. 

8) P. m, 47 t M. IX, 487 fL 



8«zta« Emplrikoft. 

,6 dei UnkdrperlichM ▼enichw wird^, will ieh hier imr 
j^ amlettten. 

Neben diefen and einifen anderen melefrtiyiieohen Benti»* 
■MUigen') werden «leb die speoielleren physikalfeelien Begrifs 
der BUflchnng, der Bewefimg, der Rube^ der verflchiedenen Ver^ 
indermgen, des Werdens und Vergehens, des Raumes and der 
Zeit ?ett Sexltts ansfiihrlich untersuchl *>. kh werde diese Erörte- 
rnngenhier übergehen dürfen, da nicht blos dasBrgebniss bei allen 
ein niid dasselbe ist, die UnvoUaieiihafkeit der Begriffe, um die es 
sieh handelt, sondern anoh das Verfahren des Skeptikers, wetehes 
wür bisher schon hinrejebend kennen gelernt haben, bei allen 
gleiehmissig wiederkehrt. Dagegen sind seine Einwürfe gegen 
die ethischen Bestimmnngen dec degautisdien Systeme neeh knn 
«I berühren. 

A«cli hier muss Sextus natürlich seinem skeptisdien Stand- 
punkt getreu bleiben , doch aseigl er anf diesem Gebiet im ganaen 
weniger Sehirfe, als auf d^m der theoretischen Philosophie. Den 
Haoplaiigrifi^nkt bilden für ihe, wie sich erwarten lieas, die Be^ 
stimmnngen über das Gate und die Glüekseligkeit. Diese Bestim- 
mungen scheinen ihm, auch abgesehen von einigen formalen Aus- 
steUungen , mit welek^n die Gegner mehr geneckt, als widerlegt 
werden O , schon desshalb höchst unsicher , weil sie bei den ver* 
schiedenen Philosophen so verschieden laiUen. Wenn nicht blos 
die Masse der Menschen , sondern selbst die weiseren über diese 
Dinge die widersprecbeadsien Ansichten haben, so können Gut 
nnd Uebel keine natürUi^n Begrifle sein, es kann mitbin nichts 
To« Natnr gut oder schlecht sein % Wenn ferner daa Gute als 
der Gegenstand unseres Strebena beaeichnet wird, so entsteht die 
Frage, ob es »nmr Streben als solches, oder das von uns esato-ebte 
ist» worin wir das Gute an suchen haben, ^nes ist nicht ana««* 
nehmen, denn das Streben bat ein Ziel ausser sich, in dem erstreb- 
ten; dieses nicht, denn äussere Gegenstande erstreben wir nur 



1) p. III, 49 ff. 

3) Z. B. das Game and die Theüe P. fl, 815 ff. M. IX, SSI ff., dia Zahl 
P. ni, 151 ff. M. lY. X, 248 ff. 

3) P. m, 56--150. Math. X. 

4) M. XI, 7 ff. 81 ff. 

5; F. 111, 179—182. M. XI, 42 ff. bes. $. 74—78. 



Die «Ittlieheii Begriffe. 411 

mfBB 6m BnflasBes, den m «nf dm ZiuAind «luerer Seele am- 
ÜN», was aber dieseft belrüfl, «o friMen wir theite nicht, was die 
Seile ist , tiieile müeste das tinie Memacb auf der YorsteUiinf be- 
raken, aber gerade die VersteHimfen der Mensohen TOm GateA 
find dnrchaos Tersehieden 0- Dm gleiehe |^lt aalörlieh auch ven 
4oiB Uebel *>. Wir können daher dnschaus niobt behanpten , dass 
elvas TOn Natiir ein 6ul oder ei« Uebel sei. Könnten wir et aber 
ndi, se wurde doeb dieses Wissen wisere €iiucb^%beit niobt 
kegrtodan, sondern zerstören; denn was wnr (Qr ein Gnt halten, 
darnach müssen wir streben , was wir für ein Uebel ansehe», das 
■wen wir Sehen nod fürchten, die Aanahnie von Gütern und 
Cebebi Temtzl uns daher in den Zastaad einer bestfadigen Vn* 
rahe und eines unbefriedigten Strebens , ans dem wir nur dnrcb 
die ZaruekbalUing jeder Entscheidung über diese Dinge befreit 
werden <> Dass bieMit alle praktische Philosophie, alle knnst^ 
Billige AftleitMg aum glüekiiohea Leben (ytfjp-h «^ ßiov) yciw 
worfea iwd^D, versteht sidi, und wenn Sextus dieses Vrtheil auf 
die Wissenschali überhaupt ausdehnt, und gann im aUgenwineo au 
beweisen sucht, es könne nichts geiehrl werden''), so ist auch 
toes nach seinen Prämissen gana in der Ordnung. 

Wir sind über die altere Shepsis lu unvellslündig unterci^Atet, 
ab daii wir im einaelnen sicher bfurlheüen könnten, wie viel von 
des Einwürfen des Sextos gegen die dogmatischen Philosophen der 
Schale des Aenesidemus eigenthümUeh angehört , wie- viel sie da«- 
gegen von ihren Vorgangern , ■amentUch von Kameades und nei-^. 
•en Schülern , entlehnt hat Dass sich ihre Thatigkeit nicht auf 
kloise Wiederholung der akademisohe» Beweisführungen be* 
aehrinkle, ist anzunehmen, und dass audi zu des Lehre den 
Aeneiidemus wahrend der zweihundert Jahre, die zwischen 
ÜUB und Sextus in der Mitte Uegen, im de» foiliwahrenden 
^ Streit mit den Dogmatikern manches neue hinzukam , Usst sich 
gleich&illi nicht bezweiüelu. Schon die Geschichte der skeptischen 
l^opea würde dieses beweisen. Aber die wesentliche Riefaiung 

1) K m, 183—187. M. XI, 79-89. 

3) M. XI, 90 C 

3) M.Xi, 110 ff. F. 1,37. 

4; P. lU, 188—279. M. XI, 168—256. 

5) P. in,26ö— 279. M. r, ^— 19. XI, 2 16 ff. 



44 6eztQB Empirikus. 

ihrer Kritfk war nicht blos den spftleren durch Aeneridemos , son- 
dern anch* diesem dnreh die Akademiker an die Hand g^ebtm, 
und auch von den einnelnen Beweisen stammt vielleicht die Mehr- 
aabl aus derselben Quelle^ wenn sie auch von unsern Skeptikern 
formell verarbeitet, und bald specieller ausgeführt, bald der be- 
stiniffiten Beziehung gegen einnelne Gegner entkleidet, und unter 
allgemeinere Gesichtspunkte gestellt worden sein mögen 0* Wir 
haben von Sextus selbst gehört, dass er in wichtigen Abschnitten 
seines Werkes, wie namentlich in seiner Kritik des Götterghmbetts, 
dem Kameades folgt; wir erfahren durch denselben 9 daaa die 
Akademiker seit Klitomachus die dogmatischen Theorieen mit 
grosser Ausführlichkeit widerlegt haben ; es hat alle Wahrschein- 
lichkeit, dass sie hiebei die Gründe, welche wir bei Sextus, offen- 
bar mehr einem gelehrten Sammler, als einem selbständigen Denker, 
vorfinden, grossentheils schon gebraucht haben. Das eigenthüm- 
liebste in den Beweisen der spiteren Skeptiker mögen die formell 
logischen Einwendungen gegen die Möglidikeit des Wissens sein, 
welche zuerst in den fünf Tropen des Agrippa hervortreten. Am 
sehwachsten erscheint ihre Kritik der Bthik , für die ihnen doch 
Karneades so tüchtig vorgearbeitet hatte ; gerade seine sonstigen 
Qaupigegner, die Stoiker, berücksichtigt Sextus hier gar nicht be- 
sonders. Der Grund davon liegt wohl darin, dass die skeptische 
Schule so wenig, als eine andere in jener Zeit, von rein wissen- 
schaftlichen Gesichtspunkten ausgieng, und dass sie in ihrer prakti- 
schen Richtung den Stoikern zu nahe verwandt war, um durch eine 
rücksichtslose Bezweiflung der ethischen Grundsatze überhaupt 
und der stoischen Ethik im besondern sich selbst den Boden zu 
zerstören, auf weichen sie sich aus der Unruhe ihrer theoretischen 
Zweifel zurückzog. 

Das allgemeine Ergebniss aller skeptischen Untersuchungen 
liegt in dem Satze,, dass sich jeder Behauptung eine andere, und 
jedem Grund gl^h starke Gründe entgegensetzen lassen , in der 
IfooMvi» x&rt X^YCAv. Der Skeptiker wird daher nie etwas dog- 
matisch behaupten, d.h. er wird nie die Ueberzeugung aussprechen, 
dass sich eine Sache so oder so verhalte ; er wird auch" nichts po- 



1) Man Tgl. in dieser Besiehong Sbxt. Math. IX, 1. 

2) A. *. O. ' 



BrgebnisB. 4ft 

ntiTlingnen, er wird nicht einmal das beslimmt behaupten, das« 
die Dinge unerkennbar sind , sondern er wird alles dahingestellt 
sein lassen, aber alle Fragen sein Urtheil znräekhalten 0* Oder 
wie dasselbe auch ausgedrAckt wird : das, worauf alle skeptischen 
Beweise zurückkommen, ist die Helativitit aller unserer Vorstet* 
Inngen 0, wir können nie wissen, wie die Dinge an sieh besehaffeii 
md, sondern immer nur , wie sie uns erscheinen , das Kriterium 
des Skeptikers ist die Erscheinung*). Auch seine eigenen Be<^ 
weisfilhningen können insofern nicht aufWabrheit und Allgemein-«» 
Ifütigkeit Anspruch machen; er behauptet nicht, sondern er will 
aar berichten , wie steh ihm eine Sache in dem vorliegenden Mo* 
nente darstellt, und auch wenn er seine Zweifel in der Form alU 
gooeiner Behauptungen ausspj'icht, haben wir sie selbst in die 
Uasicheriieit des Wissens mit einzusehliessen ; wenn er sagt , ich 
will nichts entscheiden, so müssen wir hinzudenken: auch dieses 
leihst niehty dass ich nichts entscheide 0- In der Wirklichkeit liesS 
nch freilich dieser Standpunkt, der auch die skeptischen Annah-^ 
nea und Beweise unmöglich gemacht haben würde, nicht durch-» 
tas festhalten, und eben bei Sextus tritt diess so unverhfillt henror, 
diss er wohl auch geradezu sagt, wenn man sage, es gebe keinen 
Beweis , so nehme man dabei natürlich den Beweis dieses Satzes 
lelbst aus^). Auch sonst lauten seine Ausdrücke nicht selten un- 
gleich bestimmter, als seine Grundsätze eigentlich zuliessen ^). 
Nar wird durch diese mehr oder weniger unvermeidlichen Inkon- 
leqaenzen der skeptische Standpunkt selbst nicht aufgehoben. 



1) Pyrrh. I, 8. 8. 10. 12. 26. 187 ff. a. o. ygl. P. 11, 180. M. Vm, 159 
n. a. 8t. 

8) P. I^ 221, vgl. II, 10. M. VIT, 99. 

4) P. I, 4. 18 f. 187 ff. 198. 199 f. 206. 11,108. 188. K. VIII, 47 8l 480 1^.0, 
Vgl 8. 20, 1. 

5) M. VIII, 479. M. XI, 208 gehSrl nioht hieber. 

6) Z.B. M. XI, 140: x6 td fi 8t$&oxiiv to toioutov Tdiov t^c oni^u^. 
V.VQI, 191: tüSv oSv ovtfov, ^aalv of dhcb tfi( axi^ua^^ t3( pirv ioxi xaroi 8cafopAV 
T&tt xp^ti Kto^ Ij^ovra. Naobden ■keptteeben Grandsltsen Über die fiiathei- 
loog wlre weder diese noch eine andere von den sablloaen Unteracheidongea 
nöglioh, die Seztns seinen Beweisen sn Gründe %n legen gewohnt ist. Math. 
^H, 58: wir können ans nichts denken, wovon nni die Wshrnehmnng 
^Ut Wober weiss das der Skeptiker? 



46 Sexta» Empirikas. 

So weaig aber diese Skeptiker ein Wiesen irgfend einer Art 
sageben , und so beslioimt sie in dieser Besiehung sn der sk^i* 
lischen sTcg^]^ fesUtiüilen, so sUmtnen sie doch mit ihren Voi^ngem 
dairin gaiut ubereiB ^ dass das praktische Handeln und das (iir*8 
Qandeln nöUiigoMaass derUeberseugung auch ohne ein wirktiehes 
Wissen möglich sei. Auch der Skeptiker giebi sn, dass ihm etvras 
so oder anders erscheine, dass er sich so oder so afficirt finde, wie 
denn dieses eine Theteache ist, welche gar nicht von unserer Re~ 
flexien abhängt, auch er handelt, je nachdem ihm die Dinge er- 
splieiaen ; nar als Beweis für das Sein und die Beschaffenheit der 
Dinge will er die Erscheinung nidit gelten lassen 0* «(• avdi des 
hmt Saxttts für möglich , durch fortgesetzte Beobachtung der Br- 
sobeiauQgen gewisse Regeln für 's praktische V^halten zn gewin- 
nen. Denn soll auch der Sohluss von der Erschminng anf das 
Wesen nicht zuUssig sein , so geht es doch , wie er meint, recht 
V^ohl an , die erfahrungsmfissige Verknüpfung oder AufUnender- 
folge gewisitor Erscheinungen zu beobachlen , es muss midmi auch 
möglich sein , ans dem Dasein der einen das Dasein oder das Bin* 
treten der andern zu vermuthen, es giebt, wie Sexins dieas ave- 
drückt, zwar kein beweisendes oder offenbarendes, wohl aber ein 
erinnerndes Zeichen *). Es muss mitbin attch möglidi sein, durch 
forlgesetzte Beobachtung den gewöhnlichen Gang der Dinge ken- 
nen zu lernen, und sich in Beziehung auf die Erscheinungen ge- 
wisse sllgemeine Lehrsitse zu bilden ^). Demgemass wollten denn 
auch diese Skeptiker die praktisch nützlichen Ktaste überhaupt 
so wenig , als ihre eigene Kunst, die Heilkunde , in Frage stellen; 
nur den dogmatischen Theorieen als solchen, dem Wissen, das 
über die Erscheinung hinausgreifen will, gelten ihre Angriffe, und 
nur wenn sie über das Gebiet des unmittelbar nützlichen hinaus- 
gehend in wissenschaftliche Spitzfindigkeiten sich verlieren, wer- 
den auch die praktischen Künste von ihnen verworfen ^). Keine 
geringere Beachtung scheint ihnen aber auch die Gewohnheit und 



1) P. I, la. 28. 287 f. iL VU, 29. 

2) M. VIII, 151 ff. 288 f. P. 11, 99 ff. s. o. 38, 4. 
8) M. VIII, 291 Tgl. V, 108 t 

4) Man ygl. P. I, 287. U, 246. M. I, 60 f. 64. 172. U, 69. P. lU, 151 

[. V, I ff. und dasQ Bittkb IV, 310 f. 



im üerkommen zu verdienen, wekhes in solchen FiUe», Ober ili» 
kein kunstmimgc« Urtheil möglich sei, die Stelle der Kunst ver» 
Ireten S4>11 ; wollen sie doch sogar den Götlergbiiben nad die 
hergela^chte Gotterverehrung nm der Gewohnheit willen sich ge^ 
fallen lassen ^3- Noch weniger können sie besireiten, dass die nar 
tärliahen Triebe gewisse Thäiigkeiten von uns fordern^ und so cr^ 
gdiea sich ihnen im ganzen vier Normen für unser Handeln : die 
snaUlelbare Wahrnejimung und Refleixioa, das natürliche Bfidirf«> 
njss, das Gesetz und Herkonmen^ die Kunst und £rfahnuig.'> 
fiextas kommt so für*s praktische Leben auf denselben Emfiirismiis 
der Wahrnehmung und des gesunden Meoschenverstandes sarück« 
welcher bei den dogmatischen Philosophen seiner Zeit herrachend 
war; dass alle nnsere Begriffe. aus der Wahrnehmiing eulspriageni 
sagt er ansdräcklich, und zwar mit grosserer BeatimaMheit, als dem 
Skeptiker eigentlich erlaubt ist^). 

Nor als eine praktische Kunst wollen die Skeptiker auch* ihre 
Philosopliie betrachtet wissen. Der Zweek der Skepsb ist jene 
pfrrbonische Atarame, zu welcher der Mensch gelangt, wenn er 
sich von der Uamtgiichkttt des Wissens Ibeneeugi -hat So lange 
wir irgend etwas ßr ein Gut oder fisr ein Uebel halten, werden 
wir von der Unruhe des Entrebens und Fliehens, von der Angst 
vor VerLnst und der Sehnsucht nach Besitz nicht frei werdea; so 
lange wir im Suchen der Wahrheit begrüBen sind, könaen wir 
nicht zur Ruhe kommen; nur dem wird diese jw Theil werden, der 
aur jede Meinung verzichtet hat ^). Diese Efaisicbt erwuchs den 
Menschen anntcbat ans der Erfahrung* Ueber die Ungleichheit 



1) li. 1, 188. 

2) P. Uly 2: x^ |Uv.ß((|> N«T«xoXQu$oiMrt»( diSo(^fi>c ißh i^Mhattd« Usfil«! 
des Sextuf) fo^h cTvai Seoü^ xai o^ßo^av Oeou« xoi Tcpovoelv aOtoi^ f fl(|jiv. A^hn* 
lieb M. IX, 49. 

3) P. I, 2S7: 6 ß{o( h xoivb^, & xa\ 5 9xeffTixb( XF^xai, Tttpafi6pY{( ^vtiv, iH 
jt/v n fywf Iv 6fi]Yi(9Sc ^iSofbi« [xat6* ^v fuotxcoc al96i]TixoVxa\ voi)Tcxo{ fo{Mv, wie 
der Aasdrnek P. I, 24 erklZrt wird], to 8* 2v ictic^nxi ««<)«!>«, xä f h xopffdöotc 
vöfMiy n-xtä ^uv, TO 8' Iv ZitoaxaXUt tixvwv. EtwM sapHlbrliobcr P.' I, 2S f. 
Bit der Eisleitiiiig: vidi fatvo|A^i( oSv Kfo^ovtK xsta t^v ßiwTix^v nfpiaiv 
ofioEteoiK ßioS|uv, lm\ (ijj Suv^Oa avtv^p-p^Toi navT^aocv cTvat. Vgl. §«. 17, 
DioQb DC, 108, 

4) M . YIII, 68. 

6Jt P. I, 12. 25—29, Tgl. M. Xi, 110 ff. (a. o. 48, 8). 



Sexttt» Emj^irikns. 

i» BMcheteungen bt^troffen sachten sie das wahre vom falscltoii 
zu aiitersch^iden ; sttleUt ihrer UnfÜhigiceit inne gewordeo, Ter- 
sichteten sie a«f die weitere Un4ersuchung; da gieng es ihnen aber 
wie dem Maler, den es nicht gelang, den Schaom eines Pferdes 
darzvsteilen , bis er am Ende ermüdet den Schwanuii auf sein KM 
warf und ihn dadurch hervorbrachte: als sie den Besiti derWalir^ 
heit aufgegeben hatten, machten sie die Erfahrung, dass ihnen dte 
Gemflthsruhe als eine natärliche Folge der skeptischen Stimmnnf 
von selber zufiel. Nachdem man aber einmal diese Erfahrüngr ge- 
macht hat, so wird nun die Alaraxie auch ausdrücklich vermittelst 
d^r Skepsis angestrebt: die Ursache des Zweifels ist der Wunsch 
nach Gemflthsruhe , und die Skepsis selbst, welche ebendesshirUi 
besser eine Richtung, als eine Lehre genannt wird O9 ist nichte 
anderes als die Kunst, zunächst zur Zurückhaltung des Urtheils, 
weiter zur Ataraxie zu gelangen ')• Ganz frei von Störungen 
kann der Mensch freilich nie sein, aber doch wird er selbst das 
unvermeidliche weit leichter ertragen, wenn ihn neben seiiieni 
thataftchlichen Zustand nicht auch noch die Mekiung beunruhig 
dass dieser Zustand ein Uebel sei. Auch in solchen Fällen wird 
daher der Skeptiker wenigstens vor heftiger Gemüthsbewegung 
gefchütst sein : die Frucht seiner Philosophie ist für das, was nur 
Sache der Einbildung ist, die Ateraxie, fSr das unvermeidliche 
die Metriopathie ^). Eine weitere Ausführung dieses Grundsatzes 
zu einem System besonderer Vorschriften war seiner Natur nach 
nicht zu erwarten O- 

Dass sich die späteren Skeptiker in ihren ethischen Ansichteii, 
wie in ihrer ganzen Lehre, an die pyrrhonische Schule anschlössen, 
wird von ihnen selbst bereitwillig zugestenden; aber auch von den 
Neuakademikertf unterscheiden sie sich nur durch ihr ethisches 
Princip, die übrigen Unterschiede dagegen, welche man hervor- 
gesucht hat, sind bei näherer Betrachtung entweder ganz uner- 



1) Vgl.8.Sl, s. 
3) P. Ij 8. li. 25 ff. 

3) P. I, 29 f. Ffir Atarax!« wnrde auob wobl Apathie oder fcp^ti]c gesetst 
DioQ. IX» 108. 

4) Auf welche Grflnde hin Rittbb IV, 812 behauptet, die Aueicht des 
Beztus vom aittliohen Leben «ei sehr uiedrig gebalten, ireiaa leb nicht; er 
■clbtt bat sich darSher nicht auigeeproofaen. 



VerbftltiiiB« snr neneren Akademie. 49 

hAlicb, oder gar nicht irirkKdi vorhanden. Sextus gieirt sich 
fiele Mfthe, die Differenz beider Sehnten zu einem grundsätzlichen 
Gflgewati zu erweitem. Die Akademiker, sagt er mit Aeneside- 
mos, behaupten die Unmöglichkeit des Wissens, die Skeptiker 
iasaen nur seine Möglichkeit dahin gestellt sein, jene geben vor, 
ZB wtezen, dass sie nichts wissen, diese bekennen, dass sie auch 
sieht einoMil diess wissen 0- Wir haben jedoch schon früher ') 
geidien, dass diess, die Akademiker betreffend, positiv unrichtig 
ist. Bin andermal polemisirt Sextus gegen die akademische Lehre 
von der Wahrscheinlichkeit '). Aber was anders, als das Wahr- 
acheinliche, ist jenes f aiv6(jLevov, dem er in allen praktischen Fallen 
za folgen rath, und welche andere Ueberzeugung, als die durch 
Wahrscheinlichkeit, nimmt er selbst fiir seine wissenschaftlichen 
Beweise in Anspruch, wenn er sagt ^3, diese Beweise wollen nicht 
unumstösslich sein, sondern nur wahrscheinlich? Nach dieser 
Seite bin lasst sich daher durchaus kein bestimmter Unterschied 
der beiden Schulen festeteilen, und je wahrscheinlicher es uns nun 
schon friher geworden ist, dass die Skeptiker aneh das einzelne 
ihrer Beweise grossentheils von den Akademikern entlehnt haben, 
«m so deutlicher erhellt auch, dass sie es an wissenschaftlicher 
Selbständigkeit ihren philosophischen Zeitgenossen nicht wesent- 
lich zuvorthaten. Das wissenschaftliche Leben des griechischen 
Yolkz war ermattet, wir treffen fiberall nur Epigonen, und erst 
im Neuplatonismus raffte sich der griechische Geist noch einmal zu 
einer letzten bedeutenden Anstrengung zusammen. 

In ihrer äusseren Ausbreitung war die Schule des Aeneside- 
müs allem Anscheine nach beschränkt. Sbmega , der doch jeden- 
falls jänger war, als ihr Stifter, kennt sie noch nicht ^>, und auch 
von den übrigen gleichzeitigen Schriftstellern wird sie so selten 
erwähnt, dass una ohne das Excerpt bei Photius, die Schriften des 
Sextus und die Mittheilungen des Galen und Diogenes kaum eine 
Spur von ihrem Dasein übrig wäre. Dass ihre Ansichten aber 
doch auch ausserhalb ihres engten Kreises Anklang fanden, zeigt 



1) p. I, 8. «6. «BS. 

2) 1. Abth. 451. 468. 

t) M. vn, 435(r. 

4) M. Vin, 47S. 

6) Nat. qu. VH, 82, 2: f[uU ut qui (rad€tt praecepta PyrThoni$1 

Philo*, d. Or. III. Bd. %. Abth. ^ 



M FftTorinat. . 

das Beispiel desFavorinusO; dcnm war dieser Maaa aack nelir 
Granukiatiker and AlterthuinaforaclMr, übarhaopl mehr Gelehrter 
und Riietor, al« Philosoph '>, so hal er sich doch hinreietoid aul 



1) FAToriuus (über dtfti Pidbic. Bibl. gr. III, ift f. Barr fd Panly*« 
Realenoyklop. III, 440. Müi.lb» Fragm. Hisf. gr. Ilf» 577) Uihit mtUfi lYrnj» 
und Hadrias;. seine Gkbtirt jedoeh fMIk jedenfatt» frflber^ als Tsi^aB, mid 
auoh das ^rf^v«^ iK\ TpoucveO bei Acii>. o. d. W. ist wabrsckeinlioh nicbt aaf 
sie so beaiehen. Dagegen scbeint er Hadrian nicbt oder nar um weniges 
überlebt zn baben; Suin. sagt: Tcapaitiv«^ i'^^' "^^^ ^ASptovoC x^^vtuv, and 
LuoiAH Banucb. 7 nennt ibn ^Xtfov ;cpb f||A<5v i6$oxi(ji>(9ac- Sein Geburtsort war 
Arelate in QaUien (PHn.osYa. v. sopik. f, 8, 1. Gkll. N. A. 11, 28, 20 ti. A.); 
dass er als Banuobe oder Hermapfarodtt geboren sei, wird ran Fbilostb« 
a. a. O., naob seiner eigenen Anseage, Loci am a. a. 0. nnd D^mob. IE f«, 
SoiD. bezeugt. Zum Lebrer hatte er den Dio Cbrysostomus (Phii^ostr. 1, 8, 8. 7); 
ob auoh Epiktet, geht aus Gkix. N. A. XVII, 19, 1.6. Gilkk De opu doctr. 1. 
libr. propr. 2 (Bd. I, 41. XIX, 44) nicbt hervor; nach dem letzteren hatte er 
▼ielmehr den Epiktet, wie es scheint noch bei dessen Lebzeiten, Tom ska- 
demiioben Standpunkt aus angegriffen. Bpftter lebte er in Athen, wo er mit 
Demonax zasammeatraf (Lcc. Demen. 12 f.), und mit Herodea Attikna eise 
enge Freundscliaft schloss (Pbilostr. I, 8, 4); naehher, wie «s« aoboint, in 
Rom (Pbilostr. I, 8, 8 f. 7), wo Gellius seiu begeisterter Verehrer war (Gbi^.. 

11, 26. III, 19. IV, 1. Xin, 25, 2. XIV, 2, 11. XV, 8, 1. XVII, 10, 1. XVlII, 
1, 1. 16. XVIIl, 7. XX, 1, 2 u. 8.). Auch mit Plutarch w*ar er befreundet: 
dieser liest ihn qu. oonviv. Vlfl, 10 auftreten, witeet ihm die Schrift De 
primo frigide, und soll, dem ai^gebKoheii Lampbias (ic. t^ «vflrfp«^ xwv 
IIXouTÄpX<^u ß(pX(c.iv Nr. (29, Fabr. Bibl. V, 164) zufolge, einen Brief (nach 
einer Lesart den über die Freundschaft, von dem Stobttus im Florileginm Brach- 
Bittoke giebt) an ihn gerichtet haben; er seinerseits betitelte seine Sobrift über 
die Gemüthsstimmung'deB Akademikers: ÜXoütapxoc (Galen De opt doctr. 1). 
Von seinen Zeitgenossen iHMsb gefeierC (Pbilobtr. I, 8, 8. 6. 7. Gäll. XVI, 8, 1. 
XIV, 1, 88), stand er namentlich liei Hadrian in Gonst, und die kaiserHclie 
Ungnade, ron der Philostratna 1,8, 1—8 berichtet, Bobeint naob seiner eigenen 
Angabe nicht sehr ernstlich gemeint' gewesen zu sein. Ueber seinen leiden- 
schaftlichen Streit mit dem Rhetor Polemo s. m. Philostb. I, 8, 5. 

2) Sowohl FaTorin*s, nach Suidas Hehr zahlreiche, Schriften, so weit wir 
davon wissen (Ihr Veraeichniss bei Pabric. a. a. O.), als anch die sonstigen 
Nnohrichtan, lassen in ihm gass iberwlegend einen Rbeter nnd Polyhistor 
erkennen; Sotn. nennt ihn ivjjp 3CoXu(ia9jj< xorr^ xobotv ffai8c{ay, ftküooflg^ 
|U9rbc, ^Toptxfi 8^ {AoXXov ixt^fyjptoi. Als Sobnlredner im Gesobmaofc Jener 
Zeit seigt er sich namentlich durch jene Lobreden auf sehleehte und Teriloht- 
liehe Gegenst&nde, wie sie seit der Zeit der Sophisten im Schwange waren 
(vgl. Bd. I, 786, 2), auf Thersites und auf das Wecfaselfieber (Gslu XVII, 

12, 2), und in\ Twv Xijpcov (Philostb. I, 8, 6); anoh die Reden 6xlf Tdv |jlovo- 



FaTorinns. 51 

Philosophie beschäftigt, um nicht btos den stehenden Beinamen 
des Phflosopben kq führen 0» sondern anch eine Erwähnung in 
der Geschichte der Philosophie zu verdienen. Und da ist denn 
allerdings, neben den Sittensprüchen und den rednerischen Aus- 
fthraBgen Aber moralische Gemeinplfitze, die von ihm überliefert 
sind *}, und neben einigen naturwisilenschaftUchen Erörterungen 
und Annahmen , die an peripatetisches oder stoisches erinnern 'X 



(ilg^wv «f>i Mp Twv paXocvt{ü»v ^elrd.) geh&ren hiel»er. Von seinen g«Uhrt«n 
Arhditen sind zu erwftboen: die novroBan^ loxopia tind die ixo\kv^LO}n6\tMZQL 
(ktitare sind ans nnr ans Diogenes Laftrtins bekannt, ob sie sich aber anf 
Geadiiohfio der Philosophie beschrankten, wissen wir nieht; die BmokstHeke 
heider Bchriften hat llüLLna a. a. O. gesammelt; in Betreff der navredaic^ 
Impfa jedoch folgert derselbe ans Prot. Cod. 161 S. 108, b, 1 mit Unrecht, 
daas sie in alphabettscber Ordnung abgefasst gewesen sei, da Mer Tielmehr 
n«r ve» einer alphabetisehen Beaeiehnnng ihr Bttoher die Rede ist, d«ren es 
xcvl wscxiCov gesAhlt A>-Q, also 24 waren); ferner die ^ititofjij'j (Stsph. Btz. 
Toatfc), wenn sie nicht ein blosser Ansang ans der TtOEVrodaidj f9Top(a war; 
eine ScbriA ictfi i^c 'Ofufpou fp%ko9o^{m^ (8iid.); die &upY}va'6c^ (Stkpb. *AXs(av- 
ftscia), weiin sie eine eigene 8ebrift waren. Auch was GvLMr» Ton ilnn anf- 
gesciefanet hat (s. d. Index), ist grÖHStentbeils grammatisch, antiquarisch und 
rbetorisah. Vgl. XX, 1, 20, anch Pldt. qn. rom. 28, 8. 271. 

I) 8o hei Prilobteatus und ganz regelmässig bei Gbm.ios. Auch er 
selbst wollte aber, wie sein Lehrer Die, in erster Linie fKr einen Philosophen 
gelten« Seire^ sagt er bei Obll. IV, 1, 14 an einem Ghrammatiker, qwd „ jwntw'* 
«tf, non est noiira magu e§t pküotophiaf quam eoe fframmatiea ftca, und nach- 
dem er denn doch seine Gelehrsamkeit darfiber geseigt hat, fSgt er hei: haee 
tyoy ««NU pkäoiopkiae me dtdinem, tum iiMuptr tarnen haXnit diseere. 

1) Di« meiaten derselben finden sich bei 8tobXu0 im Plorileginm,di6 ftbrfgen 
bei OnLMO«. Soidas nennt anter seinen Bchrüten TVupiovoXoYixA. Zu diesen 
populär uorallachen Schriften , welche an der Orense der Philosophie stehen, 
geborte wohl auch die von demselben angefBhrte Abhandlung icip\ Zwxp&Tou« 
xA T^ xfltf oedtov ipeiT(x9j( t^vi)( (gegen dieselhe schrieb Galen, wie er selbst 
De libr. propr. 18. Bd. XIX, 46* sagt), ob auch die nt^ ITX&tiovo; und mp\ lij; 
2{afc3}c x&f fcXooö^eiv (8uii>.), Iftsst sich nicht ausmachen. 

8) 9o theilt Gbll. TT, 22 tod ihm eine Erörterung Ober die Namen der 
Winde, II, 26 eine solche Aber die Farben mit, welche an Aristoteles und 
Posidonine erinnert. Bei demselben XII, 1, 18 finden wir in einer Deklamation 
g^gen den Gehrauch von Ammen die Aeusserung: patiemume igituTj iitfanUm 
hme mmtrwm pemieioto eontagio infieij tpiritwn ducere in animum atque in 
torpuM SBUiit 0» corpore et ttnimo delerrimo^ Daher komme ea, dass die Klnder 
le oft den Eltern an Leih und Seele unithnlich werden. Wie sich hierin der 
Bisfinss der materialistischen stoischen Psychologie und ihrer Lehre vom 
Pseuma nicht verkennen llsst, so weist das erstangefOhrte anf peripatetische 

4* 



der hervorlreiendste und beachtenswerthesie Zug sein Skepticis- 
mus. Er selbst scheint sich zur akademischen Schule gerechnet za 
haben 0; zugleich wollte er aber, wie schon der Titel seines 
philosophischen Hauptwerks zeigt ^), auch für einen pyrrhonischen 
Philosophen gelten, und wenn er mit den Skeptikern seiner Zeit 
in der Annahme übereinstimmte, dass die Akademiker im Unter-- 
schied von den Pyrrhoneern ihr Nichtwissen zu wissen glauben '3, 
so hätte er sich eher zu den letzteren , mithin zu der Schule des 
Aenesidemus, zahlen müssen. Indessen hat dieser Unterschied ja 



oder fltoiseh-peripatetiBche Quolleo, und «o mag es hAuptsftohKch dieses naittr- 
wUeeiiBohafUiobe, überhaupt das gelehrte loteresse sein, was den FaToriiius 
sa Aristoteles hinsog. Wir sind daher nicht gonöthigt, es aaf einen anderen 
.Favoriniis, als den unttrigen, sn besiehen, wenn Plct. qu. couv. VIII, 10, 2. 
8. 784 sagt: o ^l «l^aßidplvot autb( Ta {a^v aXKa d«((jioviiüTaTo< 'ApcorodXoiK 
Ipoonjc i^xi xa\ tco U%piKin<ü v^(ut |apf8a toO niOavou ;cX»ioii)v. Schon diese Be- 
scbrAnkang auf das mOavov Jässt ans vielmehr den Akademiker erkennen, und 
an sich ist es nicht wahrscheinlich, dass Plutarch neben dem berflhmten 
Favorinus einen sweicen ohne jede nAbere Beseichnung eingeführt bttUe. 

1) Geli«. XX, 1, 9. 20 sagt Favorinus zu Cttcilius: »eis enim, »oiitum esse 
ine pro diacipUna $eetae, quam colo, inquirere potitiSj quam deeemere, and 
dieser su ihm: degrediare paulisper eurriculis ittU dUpuUUionum vettrarum 
academicia u. s. w. Ualkm De opt. doctr. Auf. Bd. I, 40: tf^v itcfix^iapa ^isi)^ti- 
pv}9iv opiffXYjv cTvai SidaoxoXCav b <^aß(optvo( 9T)aiv. 8vo(4.a|^ouoi l * oCtcuc o( "AxoSi)- 
p.anio\, xaO^ ^v Tf|V avtuiti(JL^vi}v Tcpocayopeüouai ('? vielleicht ist zu lesen: tuiv 
aviix«i(jivb>v 7[pOT)Yopou9( oder TcpoaYopouoi). 

2) pHiLOHxa. I, 8, 6: tou« ^iXoeofoufiivou; auTcu t£>v X^yiuv,- fa>v «pcoroi oi 
üv^uivitoi. Qkll. XI, 6, 6, nachdem er die Qrundstttse der pyrrhonischen 
t>ohule dargestellt bat: iuper qua re Favoriniu quoque »ubtUtisme wrguHmmi^ 
que decem libro» coinposuUf Ilu^^cavtuiiv xpön«üv imeribit, £r hielt sich biebei 
ohne Zweifel an die Tropeu Aenesidem^s (s o. S. 17 f. 19, 6. 7). Weiter nennt 
G^LUN a. a. 0. c. 1, Schi. S. 42 von ihm drei Bücher 7;ip\ x^( xataXiitraxfi( ^ocv- 
•(OLoia^y da« ernte Adrian, das zweite Drjson, das dritte Aristarch gewidmet; 
den nXoJTapx,o( y) nep'i i)); 'Axa8i](Ji9iix^c $(a6^ae<a(, eine dchrift gegen Bpiktet, 
worin er Ouesimus, einen Sklaven Plutarch's, mit Epiktot sich unterreden 
Hess, und einen ^A'Xxißi^i); (a. a. O. Ö. 41); Galen trat ihm. mit einer ^brifk 
6ickp 'ERixTvixou entgegen (De libr. propr. 12. Bd. XIX, 44). Endlich sagt 
Galrn noch (De opt. doctr. o. 5, Schi. 8.52 vgl. c. 1, ^.40): er habe ein ganzes 
Buch geschrieben, um zu zeigen, [ufil tbv fJXtov ghai xaToXv^acrdv. Vielleicht 
war diess aber auch eines der drei Bücher Über die xataXi)imxJj ^avtacta. 

3) Dass Favorin diese Unterscheidung gut biess, ist anzunehmen, da sie 
sein Schüler Gellius XI, 5, 8 gerade da, wo er von Favorin's pyrrboniscben 
Tropen gesprochen hat, vorträgt. 



FAYorina«. 53 

Überhaupt nicht yiel aaf sich, und ist mehr ein Streit um die Worte. 
Der Sache nach gtfmmte Favorinus in die gemeinsame Behauptung 
aller Skeptiker ein, dass es kein sicheres, begriffliches Erkennen 
gebe, dass man gleich starke Gründe für und gegen alles aafl>rin- 
gen könne, dass daher das richtige wissenschaftliche Verfahren 
■ll^n in der dialektischen Rede und Gegenrede, das Ergebniss 
jeder Untersuchung in der Zurückhaltung des Urtheils bestehe 0; 
und der Widerspruch, den ihm Galen Torrückt, dass er eine 
wiflsenschafUiche Ueberzeugung in Einem Athem f&r unmöglich 
erkläre und es seinen Schülern anheimgebe, sich eine solche zu 
bilden O9 trifft ihn schwerlich in höherem Grade, als alle andern 
Skeptiker auch 0: seine Meinung war ja wohl nicht die, dass 
seine Zuhörer darüber entscheiden sollen, welche von den ent* 
gegengesetzten Annahmen wahr, sondern welche ihnen wahr- 



1) GüLBM a. a. O. c. l, 8. 40 (s. 0. 52, 1). Ebd. S. 41 : in seinem Aloibia- 
de« xa\ Tou< öXXou; tou; *Axad7](jLtaxol>^ ^naiv^, npo^afopst^ovra; [icpofjYopoCv- 
Toc?] (jiv htaxd^ [ — ouj t(5v ovTtxtifx^uv aXXijXoic Xö^wv, iKtipinovrot^ 8^ 
-nie |iaOi|T4K( a^«i(i6ai tou< ÄXr|OeoWpou(., Er »age bi«r, m6ayev iavr^ f«iveo6ou, 
pfihf clvat xaioXiisxöv. Ebeoao in den drei BQcbem gegen die begriffliebe 
Vorstellung ^ewaicü^ aY(ov{(eta( neipcopievoc £;ct$S(xvJvai t^v xataXvjTCTix^v ^avxa- 
TjTt ovT^^iapxTov. Vgl. folg. Änm. Als sein eigenes Qlanbensbekenntniss wer- 
den wir auch das anzusehen baben, was Obli.. XI, 5| oiobtbar ans ihm, Aber 
die Skeptiker sagt: nihU decemunij nikU eonstihmnif sed in tputoerendo §emper 
eonmderandoque wwnt, pndnamjii omnhini rerunif de pto deeemi comtUwigme 
jMSfftl. Sie sagen nicht, dass sie etwas s<;ben oder hören, ted üapaii adjlciquef 
quati videani vel audiarU; die Merkmale der Wahrheit und des Irrthuros seien 
nach ihnen so vermiecht, dass die wahre Beschaffenheit der Dinge unbegreif- 
lich sei, und nur das pyrrhoniscbe Wort übrig bleibe: oO {iöiXXov oIStiüc c^ii 
xUt 4 cxscvoH ^ o^fktipt}^. Vgl. S. 30, 1. M. s. auch Plut. De prtmo frig. 33, 
S. 955. 

3) Es ist diese das immer wiederkebnrnde Thema der mehrerwAhnten 
kleinen Abbandlang 0«1en*s. 80 gleich c 1, B. 40: die älteren Skeptiker 
haben sieh einfach mit der Zurflokhaltung des Urtheils begnügt; ol v6«^poi 
Zk^ o^ Y^ip (a6voc h <l>apiop1vo< , jvtors (Ji^v c?; toooOtov npodeyouot djv ^itoxVt ^^ 
{ij)tt xbv fJXtov SfioXofttv «Ivai xataXTjJtröv- ^v{ote hl ik toüourov TJjv yvoSviv, o>( 
xok tOii ^^iXoSti imtp^itv adiifv, sofern sie nftmliob (vgl. vor. Anm.) ihren 
IJchlllem anheimgeben , nachdem sie das Für und Wider gehört , sich au cot- 
sobeiden. 

E) Oftlen selbst sagt ja aasdrftcklicb', die andern Skeptiker seiner Zeil 
maehen ea ebenso , nicht anders wollte aber, nach Cic. Acad. II, 18, 60* 
DiTtn. 11, 73y 150, auch Karoeades oud seine Schale verfahren. 



54 Bediaatang der Jüngeren Skepfis« 

soheitiiich sei. Auch was ihm weiter ▼orgeworfen wird^ dus er 
die Möglichkeit einer sichere« EriKenntniss doch aaoh wieder »a* 
zugebea scheine O9 gründet sich allen OAch nicht auf |>estiinBate 
BrkMiungen in diesem Sinne. Das aber mag wsehl sein, dnw 
Favorinus, ähnlich wie Cicero, durch die Skepsis, su der er fich 
bekannte, sich nicht abhalten Hess, sich oft viel bestimmter aus* 
xuspredien, als seine GruAdsStEe eigentlich erlaubten; die aka- 
demische Wahrschainltchkeitslehne bot kiefur einen Anhalte- 
punkt, den auch andere nicht selten in der gleichen Weise benütsl 
haben *> 

Tavorinus ist allerdings der einzige, bei dem wir einen über 
die engeren Grenzen der Schule hinausreichenden BinAuss der 
ftnesidemischen Skepsis mit Sicherheit nachwemen können 0* 
Doch dürfen wir die Bedeutung dieser Skepsis trotz ihrer verhalte 
nissmftssig geringeren Ausbreitung nicht zu niedrig anschlagen. 
Hat sie auch , wissenschaftlich angesehen , nur einen untergeord- 
neten Werth , und erstreckte sich auch ihr unmittelbarer Einfluss 
nur auf einen beschrankteren Kreis, so ist sie uns doch ein Zeichen 
des Zustatides, in welchem sich die Philosophie jener Zeit überhaupt 
befand. Es kommt in ihr das Misstrauen des Denkens gegen sich 
selbst, die Unsicherheit des wissenschaftlichen Bewusstseins, die 
dem herrschenden Eklekticismus zu Grunde lag, nur zu ihrem be- 
stimmteren Ausdruck; sie ist ein Symptom der Altersschwache, die 
sich des wissenschaftlichen Geistes bemächtigt hat, und eben weil 
sie diess ist, zeigt sie auch an sich selbst wenig Frische und 
Eigenthümlichkeit, und bewegt sich ebenso, wie der gleichzeitige 



1) QA.Lisii a.*. O. 8. 41 : im Alcibiades bestreite er, daat es ein »«ticXv^XTev 
gebe, (V 5« t^ nXoutapx,^ Tv^typih Ibixev, sTvai Tt ßeßaicoc yvcüoröv. 

2) Diese haben wir ja auob schon 8. 51, 8. 63, 1 getroffen. 

8) Sonst mag ron Pavortnos hier nooh die gute Kritik der Astfologie bei 
Qbll. XIV, 1 angeführt werden , mit der er sieh an die akademitohe Polemik 
gegen den Weissagungsglanben (1. Abth. 466) atiaehlieest. 

4) Neben ihm ist yielleicht jener Lioinius 8ura au nennen, an den Vil- 
nius swei Briefe (IV, 80. VII, 27) geriohtet hat. Wir sehen nAmliok ans diesen 
Briefen nicht aliein, daas er ein Gelehrter war, and sich, wie es soheut, 
namentlich auch mit uaturwissenschaftlichen Fragen abgab, sondern VII, 27, 16 
wird ihm auch in den Worten: licet etiam tUrampie in pairtem^ ut «oias, di^putu 
ein Verfahren lugeschrieben , welches sonst als Eigenthümlichkeit der um- 
demikor betrachtet wird. Vgl. 1. Abth. 468, 2. 577, 2. 



Bedevtaa^ der jflngeren 8kepft1f. Aft 

Dogfmatisino«, in der Haopteache nur in einer Wiederholung der 
Gedanken, weiche die Frflheren an*8 Ucht gebracht hatten. 

Je weniger aber die Winenschaft festen Grund in sich selbst 
hatte, um so eher nrasste dem Denken das Bedörftiiss entstehen, 
die Wahrheit, in deren Besitz es sich nicht sicher fühlte, ausser 
sich, in einer höheren Offenbarung, zo suchen, und dieses Be- 
strdbeB arasste anch aaf 4ie ganze Wellansiebt zardckwirkeii. Ans 
fcser QneHe ist im Lauf des dritten Jahrhunderts der Neupiatonis- 
Biiis entsprungen, die Vorgänger dieser Richtung linden sich aber 
Mhon weit Mber. Sie «iiid es, die uns nmiriist fcesohiftfgen. 



I 
/ 



M Vorlftafer d«i HeapUtonlarnnt. 



C. Die Vorläufer des Neaplalonismus. 

Einleitung. 



Die Qnterschei^tende Bigenthümliehkeit der Brscheiiiuiigeii, 
welche wir unter dem obigen Namen zusammenfassen, liegt in dem 
Versuche, durch göttliche Offenbarung zu einer Erkenntniss und 
Glflckseligkeit zu gelangen, die dem wissenschaftlichen Denken ah 
solchem versagt ist. Diese Offenbarung konnte zunächst in den 
überlieferten Religionen und in philosophischen Systemen Ton 
religiöser Färbung gesucht werden; nur dass man in diesem Fall^ 
von dem allgemein angenommenen und gewöhnlichen nicht befrie- 
digt, theils dem bekannten einen verborgenen Sinn unterlegte, 
theils auf minder bekanntes, auf die Religionen femer Länder, 
auf die Mysterien der Vorzeit, auf verschollene Philosopheme zu- 
rückgriff. Um aber den tieferen Gehalt solcher Offenbarungen sa 
verstehen, wird der Einzelne auch seinerseits in ein ähnliches 
Verhältniss zur Gottheit treten mfissen , wie diejenigen , welchen 
sie ursprunglich ertheilt wurden, der Philosoph wird als Diener 
der Gottheit betrachtet, und der Besitz des wahren Wissens durch 
die Frömmigkeit bedingt werden. Sofern nun hiebei vorausgesetzt 
wird, dass die Wahrheit, und namentlich die Erkenntniss der 
göttlichen Dinge, durch den wissenschaftlichen Vernunftgebrauch 
als solchen nicht zu erreichen sei, wird die Gottheit aus dem Ge- 
biete des gewöhnlichen Bewusstseins, aus der mit den Sinnen und 
dem Verstand erkennbaren Welt, entrückt werden, sie wird ihrem 
Wesen nach als unbegreiflich und als schlechthin erhaben über 
jede Berührung mit der Welt erscheinen; sofern es aber anderer- 
seits gerade die Offenbarung dieser verborgenen Gottheit, der 
Besitz der jenseitig gesetzten Wahrheit ist, worauf der Philosoph 
ausgeht, wird man sich nach einer Vermittlung umsehen mdssen, 
durch welche eine Hittheilung der überweltlichen Gottheit an das 
menschliche Bewusstsein und an die Welt überhaupt möglich wird. 



ADgablieh orlentaliieber Urtprttng. iK 



Mei6 Yenrntttmig liegt nach der objektiven Seile in den Millel- 
weeen, welche in der Vonteilung von gdttlichen Kräften, von der 
Wdtieele, von Dimonen, iirischen die obertte Gottheit and die 
SniBeowelt eingeschoben werden, nach der subjektiven in ilen 
anacherlei inneren und Ausaeren R^in^ungsmitleln, durch die sieh 
der finselne filhig macht, die höhere Weisheit zu empfangen. Zu 
amfcssenderen System können sich «ber diese Lehren in 
Zeitabschnitt auf griechischem Boden noch nicht iras^ 
bilden. 

Diese Denkweise steht nun mit der ursprünglichen Rlchlnig 
des griechischen Geistes so vielfach im Widersprach, dass man Us^ 
her fast ausnahmslos darüber einig war, sie sei nicht aus der inne- 
rem Bstwicklung der griechischen Philosophie, soadem aus fremv 
den, orientalischen Einflüssen zu erklären. Selbst ein so unsitdi*- 
tiger F<wscher, wie Rittbr O9 bezeichnet sie sdilechtweg als 
yVwbreitang orientalischer Denkart unter den Griechen.^ 80 
aligemein aber diese Annahme auch sein mag, so schwierig ist die 
gcnavere Angabe der Lehren , welche die Vorgänger des Neupl»* 
lonisBus Cnm sie kurz zu bezeichnen) von den Orientalen enttehnt 
hüten, and der Quellen, aus denen sie ihnen zugeflossen sein müsa^ 
len. Man hat in dieser Beziehung, zunächst aus Anlass der 
•fejEandrinischen Religionsphilosophie, daran erinnert, dass sich 
in mncedonischen und römischen Weltreich durch die Vereinigung 
der Griechen mit den Orientalen das Bestreben erzeugen musste, 
die beiderseitigen Bildungsformen zu verschmelzen, ihren Gegen* 
§atz ZB überwinden, und fnr alle Völker Eine wahre Religion und 
Philosophie zu verwirklichen. Zu dieser universellen Bildungs«- 
form habe das griechische Volk seine Philosophie, der Orient seine 
ReligioB beigesteuert; aus jener stiraniie die reine und abstrakte 
Fassung der Goilesidee, aus dieser der Trieb, des Göttlichen als 
einer unmittelbar gegenwärtigen Macht sich bewusst zu werden^ 
das Bedürfniss fortgehender Offenbarung ; beide Elemente scUies* 
sen ihren Frieden in dem Glauben an göttliche Hittelwesan. 
Die.Systeaw dieser Richtung sind insofern als die Philosophie des 
Weltreichs bezeichnet, und einestheils durch die Jenseitigkeit des 
Göttlichen, andererseits durch die Forderung des ascetischen oder 



1) GeBeb. d. I'hil. IV, 522. 



Vorlttnfer dei NeaplfttoBiimua. 

beieliaiilidieH Lebens ehamUerifirl wordea '>. So Tiel IrtBmicm 
aber diese UeaiBrkmmgm auch eathaUeii , so kdaaea aie dodi wmr 
Lasnag der viaaliegenden Aufgabe lebwerliüb fMz f enügMi. 0er 
Begriff cnar «Pbilosapbie des Weilreichs^, so, irie er toh CSaaaaai 
bestinanft wird , ersoheiAft 4hails als zu eag, Iheila auch wieder ate 
JEU weil» Zar Philosophie des Weltraiehs mussten alle aacharMo«* 
teliscbea Systeme ferechnet w«rdefi, detm sie alle inbea die dar eh 
Alaxandar bawirkle Verschmelauag der Hetfeaen nad Barbanai 
zur Voraussetzung, und sie alle tragen demgemäss das Gisprige 
jeaes Kesmopolitismiis, fod wekham auofa der reUgiöae Synkretis- 
mus der Alezandbrjaer nur eimt besondere Form isl; aber Toa 
orieatalbohan Binflässeo liest sich bei den meisten, von ihaea 
nicfals oder nur ein kleinstes wahrnehmen. Wenn andereraeits 
GMuau drei Hauptfermim jener Philesophie aufiBahlt, auf desa Bo- 
den des jftdisdien Monotheismus die Religionsphilo0O|ihie Phtla*s, 
das Cbristentbam und die Kafobala, auf dem der orientaUschcsi An- 
sohauusg den finoslieiemus, auf dem des GriechenliMims die Sloa 
«nd den NeuplalowsaMis, so stellt er hiebei auch solche Erachei- 
aanfen unter den Begriff der PhiloeopUe , welche wesentlich reli- 
giAsar Art «nd, and durch deren Aufhahme die Grenzen, inn« halb 
deren aick <ye Geschichte der Philosophie zu bewegen hat, in*s 
unbestimmte ▼erruekt wdrden. Aber auch das kann iah nur theil- 
woiae zugeben, dass das Bewusstsein von der unmittelbaren Gegen- 
wart des GdtUiehen in der Welt die unterscheidende Bigenthte- 
lickkeit dar orientalischen Denkweise ausmache. Dieses Bewusst- 
sein feUt auch der griechischen Philosophie nicht, es hat nameni- 
lioh in dem stoischen Pantheismus einen Ausdruck gefunden, 
welehar gerade für die halb orientalische Spekulation eines PfaUo 
«nd seiner Nachfolger zu stark ww : die Stoiker lehren mm we- 
sentliche, die jadischea Alexandriner und die Neuplatoniker nur 
eine dynamische Immanenz Gottes in der Welt Nur das muss ich 
einrinmen, dass die Annahme Abernaturlicher Offenbarungen und 
die Forderung einer Aber das selbstbewusste Denken hinausgehea- 
dea , enthusiastischen Berührung mit dem Gdttliehen der griechi- 



1) Qboroii in der geUtvoUen Abhaodlaug „Über die neu(Mten (Hgeneitie 
in AuffiKMong der alezftndrinisoheD Religionsphilosophle** in Illobr^s ZeiUehr. 
f. hietor. Theol. 1889, 8, 88 ff. AI ff. 



Angeblioli orientAlitelier Urapmng. 



tdMB Vtiäomfhie kte nw Anftarelen i%$ NeupTthtgiorotiniu llwiiii 

gus fkemä mmr^ theib weaifsieM ohne tMere BedevtMg^.f&r «ie 

fMUbmk ist O9 wmI hierin mng Bau iiiiin«p|iia , «eben äam «lig^ 

■ainoi Gogensets dai reMgiMen und des pUloMfkMktn 8li9d<- 

panklB, anah 4kfi Unterflcyed des klaren lieU«iU8ck«n 'Gsiattfl von 

dea mnCroicB Weaen 4er orienlaiisohen Sfiekiiteljon tuerkennei^ 

Was dafcif en die Uieoretiiobe Fafsing der Goitaaidse betrifft^ aa 

iiraa aieh eher das langek/ohrte, die Tranaeendenz dea GMKcbM, 

ak üe eifenUmmlioh ofientaliache Anacbavttng behauen» Pie 

griaehiadie Wiaaaiiachafl fand aUeridinga aelbal in der jödiaehan 

Kaiifion Stoff gmug aor Polemik gegen An(br<H>oia9rpbia«9n, ufid 

der abalraklere Gellasbagriff der jAdiaeben Alexa«driQer beruht 

uaickat auf iriataaiacben und aristoleliachen Bealiropuuga« ; aber 

dir Graad hievou liegt in Wesen dar ReUgion und in ibreui Ver- 

hlllnsa aar HulosiHPthie ddHorhanpi« und die grieehisobe Retigiof 

tei ia dieaar feaiebnug var dau orientalischen so wanig voraus« 

tei sie gnTttde mt Kritik der aulhraiNanorphiaUseheii Vo^ilaUan«' 

gen von der Gottheit den reichsteo Alilass bot; aeheo wir dagageu 

tat die GruodhestininMiiig di^a reiigidaeu Verbittuiss^ ao ist nicht 

bfes dam Jsulealhuui , aondem selbst den orienlaltfcbev Naturreli« 

giaaea jeue VorstaUuag von der Erbabauheit das QöttUcbea über 

die Walt, jene Yoriiabe fiir reiligiöse UebersohwingUcbkeit 

eigea, uielche in der |Mk>aischen nud neuplaiooiacben TrsMceu-' 

<ieBx ihren adiroibteA wJsaeuschaAlishen Ausdruck arhilt. Dia 

leliiere war aber freilich audi Ton philosopbjs^ber Seite durch 

Kalo uud Aristoteles wrbereitet, und «0 fragt ^ mh iovier, in^ 

wieweit wir fSr die weitere AusbiUwg diaser Neiguag oriwtt-' 

bebe BinMsae äamnehmen geaotbigt sind. Nicht einmal die 

ftnamitianalehre , so w^ sie m uaserem Zeitahschuitt dberhaupt 

▼wkaaunt 0> Umü mi Sicherheit auf einea Zusammenhang mit dem 



1) Wie problemAtisch ist b. tt. bei Plato die dogmatische Bedestmg der 
Vuni«Uugeii von MnoMii «nd h&herer OSTeBbttrcuig, aad wie tief etsht ibm 
■"^If« der £iiikaeia»«wi| weleher einem Pbüo und Plotin de« b5oheU iet» 
QBter dem wieaentohaftliobtin Denken 1 

2) Strenggenommen paset dieser Name, wie wir finden werden, nicht 
<>mial filr den Nenplatonismas; denkt man aber bei deauelben aaoh nnr 
Abcrbaopt an die Annahme göttlicher Krftfte« welche in geordneter Stnfon- 
Idter TOD der Gottheit siir Sinnenwelt herabfQbren, so findet sich selbst diese 



^OH TorlAnfer das NeaplAtoolsmas, 

OfiMt ichUeMen. Denn ab ein Anrtn^s der Gotthrit in BtrengsUn 
Sinn werden die Kräfte der Natnr und des mensohUcben Geistei 
zoerft von den Stoikern betrachtet , denen Philo und Plotin gerade 
fBr ihre Vorstellnng von den göttlichen Kräften so viel verdanken; 
die Beatimmung, dasa die Vollkommenheit der abgeleiteten Weaea 
mit ihrer Entfernung vom Urwesen abnehme, spielt in der ariato- 
leliaohen Weltansicht eine wichtige Rolle; und wie nahe man bei 
dem Versuche, stoische Immanenz und aristotelisch -platonische 
Transcendenz zu verknüpfen , dem Bmanationssystem konunea 
musate , kann ausser anderem das Buch von der Welt zeigen '> 
Auch abgesehen von jenen Vorgängern war aber dieses System 
bei der Ableitung des Endlichen aus dem Absoluten, wenn man 
das letztere weder pantheistisch mit der Weltsubstanz identtficiren, 
noch dualistisch durch sie beschränken wollte, so schwer zu um* 
gehen, dass wir durchaus nicht berechtigt sind, aus dem gemein- 
samen Gebrauch dieser Vorstellungsweise auf einen geschichtlichen 
Zusammenbang zweier Systeme zu schliessen, wofern nicht speciel- 
lera Anzeichen davon vorliegen. 

Ist es nun schon un allgemeinen sehr zweifelhaft, ob die Ab- 
hängigkeit der späteren griechischen Philosophie vom Orient wirk- 
lich so weit gieng, wie man gewöhnlich annimmt, so ist -es auch 
nicht ganz leicht, zu bestimmen, von wem jener "maas<^<Aende 
orienlalische Einfluss ausgegangen sein sollte. Halten wir uns zu- 
nächst au den heidnischen Orient, so kann an eine Binwiritung der 
ägyptischen Volksreligion, von der sowohl Philo als die Neupytha- 
goreer mit der grössten Geringschätzung reden, nicht wohl ge- 
dacht werdea, da keine ihrer eigenthömlichen Vorstellungen in die 
Philosophie, mit der wir es hier zu thun haben, tiefer eingreift, 
mögen auch die Mythen von Isis und Osiris gelegentlich zu phiio- 
iiophischer Ausdeutung benätzt werden ; die priesterliche Geheim- 
weisheit aber, an die man wohl gedacht hat, ist selbst mehr als 
{NTobiematisch, und in den Lehren, um deren Erklärung es sich für 
uns handelt, ist nklits, was uns zur Voraussetzung einer, so unbe- 
kannten und unwahrscheinlichen Qui^ile ein Recht gäbe. Von den 



vor Plotiii mit einiger Beiitimmtheit nur bei Philo, und »ach bei ihm ist rie 
eret nnTollkommea ausgebildet« 
t) Vgl. i. Abth. S. 566 f. 



VerlilltiiiBt ■am beidnisobeli Orient. %t 

Chtldieni hatte höchstens der nslrologisohe Aberglflvbe eAtlebul 
werden können , welchen die Philosophen der neupyihagoreisoheii 
Riehtnng thefls ausdrücklich bekämpfen, theils nur nebenher «nd 
io jener onbesünunten Allgemeinheit sich aneignen, tn der. er iolion 
langst in die Yolkavorstellungen und auch in den steiscbes Weis- 
sagangsglauben übergegangen war. Der persische DuaUamas M 
allerdings dem nenpythagoreischen und phiionischen verwand! ge-» 
nag, um von Männern dieser Richtung als Zeuge für ihre Anäch^ 
ten gebraucht au werden; aber gerade die unteneheidendett Higen- 
thanlichkeiten des ersleren sind bei dem leteteren au vermiasen : 
dort ruht der Dualismus wesentlich auf dem Gegensaixe dea Uchta 
ond der Finaterniss, als allgemeiner Naturroächte, hier thela auf 
der ethiachen Unterscheidung von Vernunft und Sinnlichkeit, tkeüs 
auf der metaphysischen von Geist und Materie, und die weitere 
Aotlnhrung desselben hat dort ihren Mitlelpunkt hn dem Kampfe 
der guten Geister mit den bdsen, hier in dem Kampfe 4lea Geiües 
mit den materiellen Elementen der Welt und dea Menschen , neben 
wdcbem die Annahme böser Dämonen theils nur in untergeord* 
neter Bedeutung herspielt, theils auch ganz aufgegeben wird. Wenn« 
endlich auf die Aehnlichkeit mancher alexandriniaehen Lehren und 
Barichtungen nit indischen, namenllieh buddhistischen, grosses 
Gewicht geleg't wurde, so hält dem Gaoaaii O9 zunächst in Betreff 
Philo*8, mit Recht entgegen: die Produktivität des menschlichen 
Geistes könne sich unter gleichen Bedingungen auch in gleichen 
Formen äussern; so gross diese Gleichheit aber im vorliegeaden' 
Fall auch beim ersten Anblick erscheinen möge , so verschwinde 
iie doch so gut wie ganz , wenn wir daa indiache und das philo- 
aische System in ihr Princip verfolgen ; dort sei reiner Banthais-* 
mos, hier dualistischer Emanatisttus; dort entstehe alles aus der 
Gottheit allein, hier aus Gott und dw gleich uraprüfugUchen Materie^ 
dM erscheine alles Gewordene als behaftet mit der MaterüaMtit, 
Uer seien immaterielle Mitlelwesen, dort sei das höchste ZM Selbst-* 
Vernichtung, hier Vertiefung in die Gottheit, als das absolut Wirk«^ 
liehe. Noch weit geringer ist die Aehnlichkeit der neupythagom-» 



1) A. a. O. 60 ff., wo aucb di« Litteratur Ober dieae Fl'age. Denaelben 
& 66 ff. Tgl. man in Betreflf des atigeblicb peraischen, EgyptlaeliefB find efaiil-' 
^tiwhen bei PbUo. 



0j^ Vorlauf«? d«8 NeapUtoBitmo». 

sehen Voraiellangfsweise mit den indischen Systemen. Nehmen wir 
daso , dws von einer nachhaltigen geschichtlichen Berfthrmig der 
Griechen mit indiseher Weisheit nichts bekannt ist^ und dws die 
eigenen Aussagen der Alexandriner und Neupytbagoreer, mit Aus- 
nalmi^ 4es spiten und uniuverMssigen Philostraius, weder eine 
Abhingigliett ihrer Lehre von der indischen behaupten , noch eise 
nihefe Bekamilechaft mit dem indischen Wesen beweisen, so niiar 
uns ilieaer gunse Zusammenbang sehr zweifelhaft erscheineB. 

Weit mehr liesse sich Ar die Behauptaiig geltend machen, 
dass^das Judentbum nicht blos zur Entstehung der judisch-alexan- 
drinisahen , sondern aach der neupythagoreiscben PhilosopUe mit- 
gewiilrt habe. Für*s erste nemlicb ist auch diese, wie wir Cnden 
wefden, aller WahrsebeinliicMreit nach ebenso, wie jene, in 
Alexamdrien , also in demi Ort entstaadeu, in welchem das Juden- 
thumhi; die tiefcte und folgenreichste Berührong mit der grieehi- 
sehen Pbilesoptaie trat; und dass sich in diesem Veritehr die Juden 
nur aufnehaftend verhielten, und nicht auch ihrerseits durch ihre 
relfgidsen Anschauungen mit der Zeit einigieai Einfluss «nf die 
Örieohen gewannen, lisst sieh kaum anmehaiett. Im Judenthull sind 
femer jene BigenUidmHeiiiBeften, m denen wir die wesentiich^len 
BerAhrungspunkle des sptteven Pythagoreismus und Ptotenismus 
mit der orientalischen Denkweise anerkaimt haben, ^ einestheib 
die Ueberweltlichkeit des (Sittlichen , andernibefls der Glaube an 
unmitletbare Offenbarungen, und die prophetisch ^ekstatische 
Pofui dieser Offenhemngen^ -^ am schirfsteu ausgeprägt; auf 
jadische» Boden, bei den Seiten der Therapeuten und Essener, 
finden wir^ wie diess spater gweigt werden wird, einige der frflfae- 
sten Spuren vom Dasein des Neopythagoretsmus, in der jtdischett 
Spekalatien Philo's hat sieh die Riehtuaf , welche beiden Theifon 
gemein ist, scbnsiler und kriftiiger, als in der gesammten helleni- 
scben Wissenschafl vor Pletiii, entwiekett. E» wird keine ztgt kühne 
Vermuthmg sei», wenn wir annehmen, der jtdische und der 
grieehisehe AJexandrinisms Uingeii schon in ihrer Wunel zmnm- 
men, und #ese ganze Denkweise habe sich örsi au» der Reibung 
i und Mischung der beiden Bildungsformen , der jüdischen und der 
griechischen , erzeugt. Nur werden wir uns auch in diesem Fall 
vor der Meinung zu hüten haben, als ob das eigentbümliche derselben 
nur ein der griechischen Wissenschaft äusserlich eingeimpftes fifemd- 



Verhältnis» som Jnde'ntbam. 99^ 

uüge^BlemeBt sei, den grösseren BeUrag muss viidiaehr jedenfalls, 
die kriftigere griechisctie Bildung geliefert haben. Nicht blosilie 
wissenschafttiche Form und Methode des philosophischen Syslems« 
ist eigenthömlich hellenisch, nicht blos die einaekieii Begrifle und 
Satse desselben sind zum weitaus grösseren Tbeil^ selbst bei Fhilo, 
von Phrto, von Aristoteles, von den Stoikern, von den Pythagoreera 
entlehnt, sondern die ganze Richtung der alexandrinischen Spekn- 
hitioB hat die Entwicklung der griechischen Philosophie zu ihrer 
wesentlichen Voraussetzung, und ist durch sie von den versehie- 
densten Seiten her vorbereitet. Wenn die neuen Platoniker und. 
Pylhagoreer die logischen und naturwissenschaftlichen Unter- 
nchungen Yernachlasaigen, und sich dafür fast ausschliesslich den 
theologiflclien religiösen und ethischen Fragen zuwenden, so folgen 
»e nur einer Neigiing, von welcher die gesammte Pbilos^hie. 
ihrer Zeil beh«^rschl wird, und welche namentlich für Philosophen, 
wie Antiocbus Cicero und ihre Nachfolger, so bezeichnend ist 
Wie ferner bei diesen mit jenem Uebeffgewieht des praktischen 
Interesse*s nber das wissensehafUiebe die eklektische Verbindung 
von ursprQnglich verschiedenen und ungleichartigen Lehrbestim-'* 
mnagen Hand in Hand geht, so wird uns der gleiche Zag auch bei. 
den Mftnnern der alexandrinischen Schule begegnen. Fugen end«* 
lieh die letzteren zu den philosophischen Aukioritäten die religiösen, 
wollen sie 4ie Philosophie selbst als eine Offenbarung und einen 
Gottesdiennt, die Philosc^ben als Werkzeuge der GoUheU beirack- 
tet wissen, und lehnen ne sich im Znsamoienhang damit theils an 
die positive Religion^ theils an eine duaUatische Metaphysik an, so 
ist dock auch diese Wendung durch die bisherige philosophische 
Batwickluig angebahnt. Denn einerseits falzte sich der Stoicis- 
ans schon in ein ahnliches Verhiltniss zur Religion gesetzt, und 
namentlicb durch den ausserordentlichen Wertb, den er der Weis- 
Mgung beilegte, das Bedörfhiss einer höheren Offenbarung eni-. 
Khieden ausgesprochen Of andererseits musste dieses BedAifdisn 
durch die Skepris, and überhaupt durch jenes weitverbreitete Ge- 
AU wissenschaftlicher Ermattung, dessen seharfsler theoretischer 
Aasdrudi die Skepsis ist, erzeagt und genährt werden. Wenn das 
Denken daran verzweifelt, die Wahrheit ^i sieh zu finden, 'S« iü 



1) Mftfi Tgl hierüber 1. Abtb. 288 ff., imraentUoli 1^. 816. 8S«. 



ttf VorIftof«r det NettpUtonismui. 

e0 oatflrlich , dass es ste aiuser sich sucht; wenn man das Ver* 
tränen aur Wissenschaft verloren hat, wirft man sich dem Glanben 
in die Arme. Während aber nüchterneren Naturen in dieser Be- 
ziehung der Glaube an die angeborenen allgemeinen VemunfW 
* Wahrheiten genügte, wie wir ihn In dem griechisch -römischen 
Eklekticismus gefunden haben, so giengen erregtere und reügiöaer 
gestimmte dasu fort, die Wahrheit nicht blos aus dem wissenschaft- 
lichen Denken, sondern aus dem menschlkshen Bewusstsein über- 
haupt hinaus2uverlegen, ihre Mittheilung von einer göttlichen 
Offenbarung zu erwarten, und ihren Besitz an alle die religiöten 
Vemittlungen zu knüpfen, durch welche man sich mit der Gottheit 
in Verbindung zu setzen hoffte. Die Neigung dazu musste nun 
natürlich durch eine Atmosphäre, wie die alexandrinische, in 
hohem Grade begünstigt werden. Wo alles von Wunder- and 
Offenbarungsgiauben erfüllt^ für Aberglauben und religiöse Schwir- 
merei empfinglich war, konnten auch die Philosophen um so leichter 
von der gleichen Stimmung angesteckt werden, auch ihrerseits 
auf 4lie Auktoritit gottgesandter Männer, wie Pythagoras, zarüek- 
gehen, und den Versuch machen, durch mystische Spekulation und 
aseetisohes Leben in Verbindung mit der Gottheit zu kommen und 
in den Besitz der Wahrheit zu gelangen, die dem wissenschaftticben 
Bewusstsein entschwunden war. Aber so nachhaltig der Anstoss 
auch gewesen sein mag, den die -alexandrinische Philosophie von 
dieser Seile her erhielt: ihrem Inhalt nach gehört sie doch ganz 
überwiegend dem Griechenthum an, und wenn sich in ihr orienta- 
lische Einflüsse mit griechischen Bildnngselementen vermischen, 
sind doch diese als die stärkeren und beherrschenden zu betraohten. 
In ihrer weiteren Entwicklung spaltet sich aber diese Schule 
allardings in zwei Aeste, einen rein griechischen und einen grie- 
chisch-jüdischen. Beide sind sich vermöge ihres gemeinsamen 
Ursprungs nahe verwandt, und haben auf einander und auf den 
weiteren Gang der griechischen Philosophie eingewirkt; die gegen-- 
wfirtige Darstellung hat sich daher mit beiden zu beschäftigen. Der 
christliche Alexandrinismus dagegen, den man als eine dritte Form 
dieser Spekulation anfuhren könnte, liegt ausserhalb ihrer Grenzen: 
thdls weil er sich erst später von dem jüdischen abgezweigt und 
in die griechische Wissenschaft allem nach nie tiefer eingegriffen 
hat, theils weil in ihm das christliche Element über das hellenische 



Neupythagoreer. ßf^ 

SO enischieden im Uebergewicht ist, dass wir seine Darstellang der 
Gesckiehte der christlichen Wissenschaft überlassen müssen« 

I. Die rein griechische Entwicklungsreihe: die Neu- 
pythagoreer, die pythagoraisirenden Platoniker, die 

späteren Stoiker. 

1. Dat erste Auftreten des neuoD Pythagoreismus; Zeit und Ort 

seiner Entstehung. 

Die pythagoreische Schule verliert sich , wie früher bemerkt 
wurde, als philosophische Schule im Laufe des vierten Jahrhun- 
derts ans der Geschichte. Dagegen finden sich gerade um diese 
Zeit zahlreiche Spuren von der Verbreitung der orphisch-pythago- 
reischen Mysterien; und als die unterscheidende Eigenthümlichkeit 
fieses Mysterien Wesens werden die gleichen Enthaltungen bezeich- 
net, die uns auch schon früher in der orphischen Ascese begeg- 
nen 0. Bei den Dichtem der mittleren attischen Komödie , in den 
letzten Jahrzehenden des vierten Jahrhunderts, scheint dieser 
orphische Pythagoreismus ein sehr beliebter Gegenstand ihrer 
Scherze gewesen zu sein ,^ was doch immer beweist, dass er eben 
danuds in Athen Anhang und Bedeutung gewonnen hdtte; und 
einige Bruchstücke jener Dichter sind es, durch die wir zunächst 
etwas näheres von ihm erfahren. So bezeugt Antiphanes, die Anhan- 
ger des Py thagoras essen nichts lebendiges O9 und um einen Geizhals 
za schildern, sagt er, er habe keinerlei Speisen, ausser den Zwiebeln, 
in sein Haus gelassen , nicht einmal von denen , welche der preis- 
wnrdige Py thagoras genoss. Von Alexis erfahren wir, dass die 
Freunde des pythagoreischen Lebens kein Fleisch assen und keinen 
Wein tranken , um sich statt dessen mit Wasser und Brod, mit ge- 
trockneten Feigen, Oliventrabem und Käse zu begnügen, dass 
•och ihre Opfer nur hierin bestanden, dass sie sich nicht zu baden 
plegten, und sich eines schweigsamen Ernstes befleissigten *). 

1) M. s. hierflber Bd. II, a, 24. 26, aa<}h Pla^o Gees. VI, 782, C. — Das 
niebttfolgende ist meiner Abbaodlung „über den Zusammenbang des EssAifl- 

mit dem Oriecbentbum^ Tbeol. Jahrbb. XV, 407 f. entnommen. 

2) BeiATBBH.IV, 161 a (dae weitere ebd. III, 10$, f): 

ffpeixov (t^ &9Ju^ icuOaYoptCcov MUk 
fy^vi^o^ oCd^ t7)< hl ;cXfl{ati}< ToOßoXow 
C^Y)^ H^^^TXP^ (Asp{8a Xotfiß^cov X^tcsl 

•) Athsv. IV, 161, b: ot Jw9«Yop{CovTe< ^ip, w« ixoüojuv, 

oSt' o^ov 2o6(ou9tv, o2t* oXX' oCik tv 

nskm, 4. Or. Ul. Bd. 2. Abth. ^ 



06 Nenpythagoreer. 

Aehnlich äussern sich Aristophon und Mnesimachns *), und Ter- 
wandte Schilderungen muss die Pythagoristin des jüngeren Krati- 
nus^ enthalten haben. Zu diesen pythagoreischen Asceten ge- 
hörte jener Diodor von Aspendus ^) , welcher um den Anfang des 
dritten Jahrhunderts durch seine cynisdie Lebensweise Aufsehen 
erregte , wenn auch die Angabe , dass er dieselbe bei den Pydia- 
goreern zuerst aufgebracht habe, nach dem eben angeführten nicht 
richt% sein kann. Auf die Fortdauer einer pythagoreischen 
Schule weisen ferner die Erweiterungen, welche die Sagen über 
Pythagoras während der alexandrinischen Periode erfahren O; und 



Ebd. icu9aYop(q|jLo\ %(ä. X6fot 

Xa9CTo\ / duo(MXtu(jiMH TS fpovrCfie« («nsgetehnitieltt Orflbeleien) 
xpifo\ip* Im{vo(k* t« $k x«0' 4|A^av t^* 
oproc xaOapbc sie bLtfxfytf iconjptov 

SSCCTOC. 

Ebd. ^ V lazioLoi^ hyi&Ui xa\ ox^pL^uXa 
xa\ tupb{ Ibroet * tauta ydip 0(5siv vö(io< 
ToT( IluOorfopeCoic. 
Ebd. 2^1 0' &jco(iiivat |itxpoatT(av, ^($9cov, 

PY^C) oudnj^v, aTUYVÖii2T*, ÄXouatav. Bei der atw^d^ schon an die 
Ecbemythie der spftteren Pythagorassage (Bd. I» 226, 3) su denken, aind wir 
nicht gendthigt. 

1) Bei Dioo. Vni, 38: IMow/l te 

X^e(v& tt xa\ ictvouocv hti ToJtoic 5^p. 
f Oitpac dl xa\ tpfßcava ti[v t' &Xouor{av 
otiSe\( Sv 67co|A6(v(t6 Tojv vccDi^piov. Vorher Uut der- 
selbe ersählen, nur die Pythagoristen dürfen im Hades mit Pinto an Einem 
Tisch speisen (rgl. hiesu Bd. I, 48, 2), worauf ein anderer erwiedert: Su^x^^ 
Oebv X^Y*i(, e? tote ^üxou pLeatdTaiv 9fiexoa, ^vcov. Eine Ähnliche Schildemng 7on 
ihm findet sich bei Atrbh. VI, 288, c und ebd. IV, 101, e aagt er: die Pythago- 
risten haben ja den Sohmata (^icSv) und die rauhen Kleider (tp(ßciiv6()nQr dess- 
halb sum Qrundsati genuMsht, weil sie nichts beaserea haben, wenn man ihnen 
Fische und Fleisch vorsetste, würden sie alle Finger darnach lecken. 

2) Bei Dioo. VIII, 87 : «oc TcuOaYoptail 6i(o{ji8V t^ Ao^£f 

8) Dioe. a. a. O. 

4) M. 8. über ihn Bd. 1 , 243, 2 , wo aber Dioo. VI, 1 8 stehe», nnd für die 
Zeitbestimmung Athb«. VIII, 860, e. 848, a beigefBgt sein sollte. Da nach 
Athbv. IV, 168, e f. Timon der Phliaster, Timftns ans Tauromenium und Sosi- 
krates Diodor*s erwfthnt hatten, muss er eine in seiner 2eit sehr bekannte Per- 
sönlichkeit gewesen sein. 

5) Es ist freilich in den meisten FUlen lumöglich, im einselnen mit Bi- 



Ursprung: pythagoreisohe Mysterien. 67 

ans denselben Kreise mögen jene mythischen Schriften hervor- 
gegangen sein, welche schon um den Anfang des zweiten vor- 
christlichen Jahrhunderts unter Pythagoras' Namen im Umlauf 
waren 0- Da ouif ferner die Verbreitung derorphisch-dionyisischen 
Geheimdienste, mit welchen die pythagoreischen von Anfang an so 
eng zosammenhiengen ^ , f&r die Jahrhunderte nach Alexander 
ausser Zweifel steht, und da dieselben, wie die Geschichte der rö- 
mischen Bachanalien beweist, in der ursprünglichen Heimath des 
Pythagofeismus , und namentlich in Tarent, dem Schauplatz seiner 
letzten glänzenden Nachblfithe , einen Hauptsitz hatten ^) , da es 
endlich die pythagoreischen Mysterien sind, aus deren Verbindung 

cfaerheit sa bestimmen, wann die verschiedenen Bestandtheile der Pythagoras- 
Mge entstanden sind, und wie vieles von dem, was uns aus Stbrifliitellern des 
dritten und sweiten Jahrhunderts mitgetheilt wird, erst nach Aristoxenus su 
den Uteren Ueberlieferungen der Schule hinzukam. Doch wird man die An- 
gabtm des Neanthes, Hermippus, Alexander Polyhistor über den Untorricht, 
den I^ihagoras bei Chaldäem, Persern, Brahmanen, Thraciern und Galliern 
genossen habe (s. Bd. I, 219. 221, 1 vgl. 220, 1), tboils an sich selbst, theils 
wegen des Stillachweigens, das noob Arietoxonus hierüber beobachtet au htL- 
bca scheint, anbedenklich der Tradition des alozandrinisohen Zeitalters su- 
weisea dürfen; and wenn die Uadeefahrt des Pythagoras unter den uns be- 
kannten Zeugen zuerst bei Hieronymus und HermippuSi die Gütergemeinschuft 
der Pythagoreer bei Epikur und Tim&us, die dage von den Pythagoreerii, 
welche sich lieber tödten Hessen, als dass sie ein Bohnenfeld betreten h&tten, 
nnd die abenteuerlichen Vorstellungen Über das OrdensgeheimniHs der Pytha- 
goreer bei Hermippus, Hippobotus und Neanthes vorkommen (m. s. a. a. O. 
234,' 4. 227, 3. 7. 232, 2), so lässt diess immerhin vermuthen, dass in der Zeit, 
der diese Schriftsteller angehören, die Pythagorassage in fortdauernder Ent- 
wicktoDg begriffen war. 

l) Vgl. Bd. I, 209, 3. 

^) Ebd. B. 47 ff. 232 ff. 381. 

8) Ueber die bacchischen Geheimdienste, welche sich um den Anfang des 
zweiten Jahrhonderts in Born verbreitet hatten, und welche i. J. 186 v. Chr. 
dorch die Ausschweifungen und Verbrechen, deren Deckmantel sie geworden 
**ren, sn einer über ganz Italien ausgedehnten Untersuchung, zur Hinrich- 
^og ond Einkerkerung von Tausenden und zu einem Verbot dieses ganzen 
KuUiu Ohrte, s. m. Liv. XXXIX, 8->19. XL, 19. PaELLna Rom. Alythol.714 ff. 
AQ8LiviQs(XXXIX,9. 13. 18. 41. XL, 19) ergiebt sich, dass diese Mysterien theils 
^onEtrarien, theils von Campanien aus nach Rom verpflanzt worden waron, 
^ sie in allen Theilen Italiens zahlreiche Anhänger ztthlten, und dasd dier 
UnterBQcfanngen in Tarent bis zum Jahr 184, in dem benacbbarten Apulien 
*0S» bis 181 V. Chr. fortdauerten. 

. ö* 



0g Neupythagoreer. 

mit dem Jndenthum im zweiten Jahrhundert yor Christos der 
Essäismus hervargieng O9 so lasst sich nicht bezweifeln^ dass sich 
dieser Pythagoreismus als eine religiöse Lebens- und Kultusfonn 
auch wahrend der alex«ndrinischen Periode erhielt. 

Weit zweifelhafter ist es, ob auch die pythagoreische Philo- 
sophie sich während dieses Zeitraums irgendwo in derLehrüber- 
lieferung einer wissenschaftlichen Schule fortpflanzte. Nach 
Aristoxbnus wär^ die pythagoreische Schule zu seiner Zeit, um 
320 vor Christus, ausgestorben gewesen ^, und wir begegnen ihr 
wirklich in dem eigentlichen Griechenland von da an nicht mehr, 
wenn auch ihre Lehren, mit den platonischen vermischt, sich in 
der alten Akademie noch längere Zeit erhielten. In Grossgriechen- 
land mag sie allerdings länger fortgedauert haben, und so wird von 
einem Dichter der mittleren Komödie über die Spitzfindigkeiten ge- 
klagt, durch welche die „Tarentiner^ den Laien in Verwirrung 
bringen 0; <loch in Ausdrucken, die mehr für eine Schule der 
Rhetorik , als der Philosophie, passen würden. Gegen das Ende 
des dritten Jahrhunderts soll Cato in Tarent von Nearchus einen 
pythagoreischen Vortrag gehört haben 0; indessen ist diese An- 
gabe viel zu wenig verbürgt, als dass sich aus derselben auch nur 
mit einiger Sicherheit auf den Fortbestand einer pythagoreischen 



1) Hierflber tiefer unten. . 

2) Vgl. Bd. I| 242, 4.5. Damit stimmt Diodor XV, 76 überein, wenn er la 
Ol. 103, 8 (866 ▼. Chr.) bemerkt, es baben damals neben Plato und Aristoteles 
aucb die letsten Pjthagoreer noch gelebt. *" 

8) Aus des jüngeren Kratinus, „Tarentinern" fQhrt Dioo. VIIl, 37 die 
Verse an : 

*E6o5 IotIv aöxtfi«, av tiv* fSKoTrjv ::o6^v 

Xaßdoacv ettsXBövTa, 5iaicstp(ij(A£vov 

T^C Tbjv Xöycüv ^(i^|jL72C tapdcTTEiv xa\ xuxav 

Tolc avTiO^otc , Totc n^pavt, x<Si^ :cap'.aa>|jLaaiv, 

TdT( aTcoTcX&votc, xot( p^Y^EViv voußuaTtxa>(. 
4) Cxc. Cato 12, 89: accipiie enm, opiimi culoleaeerUetf veierem oratitmem 
Archytae Tarentini . . . quac mihi tradita est, cum essem adoleseens Te^renli cum 
Q. Maximo (209 ▼. Chr.). Nachdem dann der Inhalt dieses Vortrags, eine red- 
nerische AnsfQhrung gegen die Lust, angegeben ist, fügt Cato bei, sein Gast- 
freund Nearchus in Tarent habe ihm nach Alterer Ueberliefernng ersählt, dass 
bei demselben Plato und der Samniter C. Pontius anwesend gewesen sei. Das- 
selbe bei Pr«uT. Cato maj. 2, der aber schwerlich eine andere Quelle gehabt 
bat, «Is unsere Stelle. 



Pythagoreifohe Philosophie in Italien. 60 

Schale in Tarent schliessen Hesse 0* Da^s aUerdings die Erinne- 
rang an Pythagoras um jene Zeit in Italien noch fortlebte, erhellt 
schon aus der Sage von seiner. Verbindung mit Numä, die uns in 
Rom bald nach dem Anfang des zweiten Jahrhunderts begegnet '}) 
und aus dem Gebrauch , welchen Ennius im Eingang seiner Anna- 
len Yon der Liebiingslehre der Py thagoreer machte , wenn er sich 
▼on Homer im Traum erzählen liess, die Seele dieses Dichters sei 
erst in den Leib eines Pfaues , dann in den seinigen gewandert '). 
Aber für die Fortdauer der pythagoreischen Schule folgt auch dar- 
aus nichts. Denn jener Pythagoreismus des Numa ist jedenfalls 



1) Das0 n&mlich Cato jenen Vortrag damals wirklich gehört hat, diedf 
steht natürlich am nichts fester, als dass er die Reden gebalten hat, welche 
ihm Cicero in den M und legt, oder als irgend eine Ton den Erdiohtnngen, durch 
welche Pinto seinen Bokrates in den Stand setst, übereleatische, pythagoreische, 
herakütische Philosophie als Saohkenuer sn sprechen ; erwl|gt man Tielmehr-, 
dass Cäto nach Plutarch's eigenem Qestftndniss, so viel man sonst wnsstCi erst 
spAt mit griechischer Bildung bekannt wurde , nnd dass der angebliche Vor- 
trag des Arch3rta8 (vgl. Bd. I, 244, 3) wahrscheinlich dem Aristoxenns ent- 
nommen ist, so wird man nicht umhin können, seine Ueberlieferung durch 
Nearohns ebensogut, als die angeblich mündliche Ueberlieferung eines arohy- 
tHschm Ausspruchs im Lftlius 23, 88, für eine Erfindung Gicero*s m halteb. 
Dann hat man aber auch fllr die Existenz des Nearohns keinerlei Bürgschaft 
mehr, und noch viel weniger dafSr, dass er entweder selbst Pythagoreer war (was 
ohnedem erst Plutarch sagt), oder doch mit einer noch bestehenden pythago- 
reiachen Schule in Verbindung stand. — Der angebliche Verkehr des Samniters 
Ponütts mit Archytas hfttte, selbst wenn ihm eine geschichtliche Erinnerung 
SU Grunde Iftge, mit unserer Frage nichts zu thun, und ebensowenig die Bild- 
säule, welche Pythagoras (vgl. Bd. I, 225, 4) zur Zeit der Samniterkriege in 
Rom gesetzt wurde. 

2) Die erste Spur derselben liegt in den 181 v. Chr. unterschobenen Bü- 
chern Numa^s (s. 8. 71 ff.): wenn diese die Philosopheme, welche sie Numa in 
den Mund legten, f^r^pythagoreisch ausgaben, oder wenn sie auch nur von an- 
deren dafür gehalten wurden, so setzt diess voraus, dass Numa ein Schüler des 
Pythagoras gewesen sei, mag nun der Verfasser Jener Bücher diese Annahme 
schon vorgefunden oder selbst erst erdichtet und dadurch die Sage veranlasst 
haben. Sonst kennen wir dieselbe fast nur durch solche Schriftsteller, die 
nieht mehr an sie glauben, wie Cic. Rep. II, 15, 28. Tuso. IV, 1, 8. Liv. XL, 
29. Plut. Numa 1. 8. 22 vgl. Kastor (um 50 v. Chr.) bei Dems. qu. rom. 10; 
nur Klbmehs Strom. I, 304, D sagt unbedenklich : Nou(jiac . . . IIuOsY^pioc ^v. 

3) Die betreffenden Bruchstücke des Ennius und die erlftutemHen Stellen 
aus den Scholiasten des Horaz und Persius, Pbrs. Sat. VI, 9 ff. Tbatdll. De 
aa. 33 t, bei VABLESi Enuian. po6s. rel. 6. 



70 Neapjthftgoreer« 

von Gelehrten Cwelche iti diesem Fall allerdings keine grosse Ge* 
lehrte waren) ersonnen worden, und erst von ihnen ans in ü» 
VolkssagOf wenn er ihr überhaupt je angehört hat, übergegangen ; eine 
solche Vermuthung w^r aber gleich gut möglich, ob es nun damals, 
als sie zuerst aufgestellt wurde, noch Pythagoreer gab, oder nicbl 
Ebenso kann Ennius i^eine Kenntniss des pythagoreischen Dogma's 
aus gelehrter Ueber lieferung geschöpft haben, selbst wenn dieses 
Dogma schon langst keine Anhanger mehr hatte; in diesem Fall 
handelt es sich ja aber überdiess um eine Lehre, welche weniger 
der pythagoreischen Philosophie, als den pythagoreischen Myste- 
rien angehört. Auch was Ennius' Epicharm pythagoreisches ent- 
halten haben mag, kann ihm füglich auf schriftlichem Wege be- 
kannt geworden sein ; indessen lässt sich aus den dürftigen Ueber- 
bleibseln dieses Gedichts nicht beurtheilen, wie viel dessen war 0« 



1) Die wenigen Bruobstfioke deB Epioharmas, die aiob erbalten haben, 
bat Vahlbm a.a. O. 168 f. zusammengestellt; es findet sioh jedocb in denselben 
nicbts eigentbümlicb pythagoreiscbes; auch di^e Bfttse, dass der Leib Erde, der 
QeistFener (oder wie es aucb beisst: de sole nmptu4)f und dass Japitei: nicbts 
anderes sei, als der Aetber (4iess aucb in dem bekannten Fr. 9 des ennianischen« 
Thyestes bei Gic. N. D. II, 2, 4 u. A.), entbalten nur solobe Annabmen, wie sie 
im Altertbuip ausser jedem Zusammenbang mit pbilosopbiscben Lebren ror- 
kommen, und gerade Ton den Pytbagoreern nicbt überliefert werden. Unter 
den spllteren Sobulen geboren sie bekanntlicb der stoiscben an, aber Ennius 
bat sie eunäcbst von dengiiecbisobenDiobtem, die er nacbbildet Möchte sich 
aber auch noch weit mehr pythagoreisches bei Ennius gefunden haben, als wir 
bei ihm nachweisen können, so dürfte man doch aus dieser Benützung einsel- 
ner pythagoreischer Lehren noch nicbt scbliessen, wasVAHLSM a.a.O.& XCUl 
schon aus dem Anfang der Annalen schliesst, dass dieser Dichter der pythago- 
reischen Philosophie voraugsweise ergeben gewesen seL Worauf sich voUends 
die Angabo (a. a. O.) gründet, dass die Römer im allgemeinen dieselbe anü^uir 
tu» receptam Btudioiiu» eokbofniy wüsste ich nicht zu si^en. Auch Cicbbo (Tnac. 
IV, 1, 3) weiss für seine Vermuthung, dass die pythagoreische Lehre schon in 
alten Zeiten nach Rom gekommen sei, wenig beizubringen. Er meint, es sei 
doch sehr unwahrscheinlich, dass während der Blüthe der pythagoreischen 
Schule in Unteritalien die Römer nichts von ihr gehört haben sollten; was 
sich natürlich nur dann sagen Hesse, wenn die Römer des sechsten und fünften 
Jahrhunderts schon das gleiche Interesse für griechische Wissenschaft gehabt 
hütten, wie die des ersten. Er beruft sich auf die Sage vom Pythagoreiamus 
Nulba's, die so eben besprochen wurde. Er behauptet endlich , es finden siioh 
manche Spuren von einem Zusammenbang der alten Römer mit den Pythago- 
reern; womit es aber doch schlecht bestellt gewesen sein moss, wenn dieübri- 



Pythagoreische Piiilosophie in Italien. 71 

Wickliger wäre es, wenn sieb nachweisen Hesse, dass pythago- 
reische Philosopheme in jenen Büchern niedergelegt waren, welche 
181 vor Christus dem König Noma unterschoben wurden 0; denn 
eine solche Einschwarzung pythagoreischer Lehren in die römische 
Religion würde den Fortbestand der pythagoreischen Philosophie 
yoraossetsen, oder mindestens als eia Versuch zu ihrer Erneuerung 



g«ii nicht mehr auf sieh hatten, als die einsige, die er anitthrt: dass nämlich 
die einen wie die andern eine Vorliebe für Lieder und Musik gehabt haben. 
(Weiter TgL m. Bd. I, 354 ff.) 

1) Näheres Aber diesen merkwfirdigen Vorgang bei Lr^. XL, 29. Valbb. 
Max. 1, 1, 12. Pus. H. nat XIII, 18, 84 t Vauo b. Auodstir. 0. D. VII, 84. 
Pldt. Numa 22; vgl. Schwbglxr Böm. Gesch. J, 664 ff. Pbblleb Rom. Mythol. 
719 f. Das wesentliche desselben ist, dass in dem genannten Jahr ein Schrei- 
ber, Namens L. Petillins (nach Varro : Terentins) swei steinerne Kisten ausge- 
graben haben wollte, von denen, der Au£Bchrift sufolge, die eine die Oebeine, 
die andere die Schriften Numa*s enthalten sollte. Die letsteren bestanden aus 
14 (oder 24) Bfichem: sur H&lfte lateinische Aber das Pontlficalrecht, snr 
HiUfte griechische C^ber welche die nächstfolgende Anm. an yergleichen ist). 
Bald erfahr Jedoch der Prfttor Q. Petillins yon dem Funde, und nachdem er 
Ton jenen Bfichem Einsicht genommen hatte, Hess der Senat, auf seinen An- 
trags entweder die sämmtlichen Schriften oder wenigstens die griechischen als 
religionsgef&hrlich rerbrennen. Dsss nun diese angeblichen Bflcher Nnma*s 
unterschoben waren, yersteht sich Yon selbst, und ist anm Ueberfluss, da auch 
einselnc neuere Gelehrte noch anderer Meinung waren, von ScBwaoLsa er- 
schöpfend dargethan worden. Dabei ist es gleichgültig , ob sie wirklich auf 
dem Gate des L. Petillins ausgegraben worden sind, oder nicht, denn auch in 
dem erateren Falle waren sie jedenfalls erst unmittelbar vor ihrer Entdeckung 
eingegraben worden, wie sie denn auch nach Lirius r^ömtiMima ipede waren; 
indeesen iat ea bei der Sorglosigkeit, mit der man im Alterthnm literariaohttn 
Unterschiebungen gegenüber au yerfahren pflegte, auch nicht undenkbar, und 
gerade die Angaben, durch welche Petillius (nach Cassius Hbmima b. Plih. 
a. a. O.) den guten Zustand der Sohjriften au erklftren suchte, sprechen eher 
dafür, daas schon ihre |mgebliche Ausgrabung eine Lüge war. Irgend eine 
Uniersachang scheint Aber diesen Umstaiid nicht angestellt, und die Aechtheit 
der Schriften nicht blos snr Zeit ihrer Auffindung , sondern auch noch lange 
nachher nicht beaweifelt worden au sein. Dagegen geht Habtumo (Bei. d. K. 
I, 213 ff.) yiel an weit, wenn er unsere ganze ErzAhlung ffir einen der Sage 
Tom etrurischen Tages nachgebildeten Mythus hAlt. Dafür ist sie theils denn 
doch SM gut besengt (Cassius Hemina und Piso Censorinus schrieben etwa 50 
Jahre nach dem Vorfall, und Varro muss ausser ihnen noch weitere Quellen ge- 
habt haben); theils sieht man auch nicht, wie die Sage ohne eine bestimmte 
Veranlassung h&ttc dasu kommen sollen, dem Stifter des römischen Bacralwe- 
■ens ausdrücklich die Abfassung religionsgefthrlicher Schriften ^»eisulegen. 



78 Nenpythagoreer. 

betrachtet werden müssen. Allein so wahrscheinlich es auch isi, 
dass es bei jener Unterschiebung aaf eine philosophische Aasdeu- 
tung der Volksreligion abgesehen warO» so unsicher ist doch die 
weitere Annahme , dass es gerade die pythagoreische Philosophie 
gewesen sei, welche auf diesem Wege in Rom eingeführt werden 
sollte. Diese Angabe findet sich allerdings schon bei einigen von 
den ältesten Zeugen ; aber keiner derselben sagt uns, worauf sie 
sich gründet, und sollte sie auch, wie diess nicht unwahrscheinlich 
ist, aus den Büchern des falschen Numa selbst herstammen *), so 



1) Der Inhalt der Bfloher Numa^B (oder genauer, der griechisch geschrie- 
benen, am die es sich hier allein handelt) ist uns allerdings nur sehr unvoH- 
kommen bekannt, und schon die alten Schriftsteller scheinen darüber nichts 
bestimmtes gewuBst zu haben: sie waren eben su schnell wieder Temiohtet, und 
eine Abschrift war von ihnen allem nach nicht genommen worden. So Tiel aber, 
als unser Text gieht, l&sst sich doch aus denverscbiedenen Angaben abnehmen. 
Nach Liyins (den Valerius hier, wie sonst, aussieht) handelten sie de diseipima 
tapienHoßf Plutarch nennt sie ^tXöoo^oi; dass sie aber wesAitlich theologlaoben 
Inhalts waren, sieht man aus den Zus&tsen : der Prätor habe gefunden, plerciqwi 
di»solv«ndarum reUgionum e««e, er habe erklärt: {i^ $ox«tv oc6tü> 6e(itTbv ilv« 
^rfi\ Sotov, exTcuora toT( noXXotc Tot fCf pa{jL(x^va Y£v^a6at. Auf das glisiche fQhrt 
die Aussage des Cassius Hemina bei Plinius : eo8 combustoe, qttia philosophiae 
Mcripta esamL Den meisten Aufscbluss giebt aber Varro*s Bemerkung bei Au- 
gnstin : es seien darin siierorum instiiutorum Ca/Mae^ die catt84i9j cur quidque tu 
»acrisfiierit tfwfttti^tati, auseinandergesetst worden. Bei'diesenoatwaesaorortiM, 
welche vom Standpunkt griechischer Philosophie aus besprochen wurden, kann 
man kaum an etwas anderes denken, als an den puoixbt X6yo^ (s. 1. Abth. 301) 
des Götterglaubons, die darin niedergelegten Ideen: gerade Varro sucht (a.a.O. 
VII, 18 f.) in solchen Ideen den Grund der Mythen und des Kultus aufza- 
seigen. 

2) LiT. a. a. O.e adjicit ÄrUiat Vahrku (100—80 ▼. Chr.), Pythagwico$ 
/uu$e [ic. Ubroajy vtUgaiae opintonif g[ua creditur, Pyihagorae audUorem ßuae 
Numaiay mendacio probabiU adcommodata flds. Noch früher hatte (nach Plix. 
a. a. O.) L. Calpumius Piso Censorinus, der 184 v. Chr. Consul war, in seiner 
mit Cassius Hemina übereinstimmenden Erz&hlung angegeben : Ubrö9 §ept6m 
juris pontifieü toHdtmqut Pythagoricos fwsae, 

3)' Dass diese selbst ihren Inhalt yon Pythagoras, als dem angeblichen 
Lehrer Nnma^s, herleiteten, wird theils durch die eben angeführte Stelle des 
Livius wahrscheinlich, der mXXditmmendacitian probabiU doch nicht wohl etwas 
anderes, als die eigene Aussage jener Bücher meinen kann; theils erklärt es 
sich unter dieser Vorausseteung am leichtesten, dass sich jene Angabe so frühe 
und bei einem Schriftsteller wie Piso findet, von dem sich kaum annehmen 
lässt, dass er durch eigene Combination darauf gekommen sei 



Pythagoreisohe Philosophie in Italien. 78 

wörde doch daraus noch lange nicht folgen, dass diese Bücher 
wirklich pythagoreische Ansichten vortrugen ; sondern wenn nur 
überhaupt philosophische Lehreh in ihnen vorkamen, können diese, 
welches Ursprungs sie auch an sich selbst waren, doch desshalb 
von Pythagoras hergeleitet worden sein, weil dieser Philosoph nun 
emmal für den Lehrer Nuina's galt, oder weil er wenigstens der 
einiige war, den man nach dem damaligen Stande des Wissens 
mit einigem Schein dafür ausgeben konnte. Auf einen pythago- 
reischen Ursprung der unterschobenen Bücher Numä*s könnten wir 
nur dann schliessen, wenn von einem glaubwürdigen und zugleich 
sachverständigen Manne bezeugt würde , er habe diese Bücher ge- 
lesen and ihren Inhalt mit der pythagoreischen Lehre übereinstim- 
mend gefunden. An einem solchen Zeugniss fehlt es aber durch- 
aus; denn der'Prätor Q.Petillius würde für jenen Sachverständigen 
auch dann schwerlich gelten können, wenn sich die Meinung, dass 
die Bücher Numa's pythagoreische Philosophie enthalten haben, 
auf seine Aussage zurückführen liesse 0* An sich selbst aber lässt 
das, was wir über Inhalt und Abzweckung dieser Schriften muth- 
nussen können, ihren Verfasser weit eher in einem Stoiker , als in 
einem Pythagoreer, vermuthen; denn die Stoiker sind es, welche 
mehr, als irgend eine andere Schule jener Zeit, darauf ausgiengen, 
die Mythologie und den Kultus durch philosophische Umdeutung 
wissenschaftlich zu rechtfertigen. Die angeblichen Schriften Nu- 
ma*s liefern daher keinen Beweis für das Dasein einer pythago- 
reischen Schule im zweiten Jahrhundert; und so fehlt es überhaupt 
bis über das Ende dieses Jahrhunderts herab an jeder sicheren 
Spur von dem Portleben oder Wiederaufleben der pythagoreischen 
Phflosophie. Selbst diejenigen, welche sich in der Folge wieder zu 
ihr bekannten , und denen jeder Beweis ihrer Fortdauer äusserst 



1) In der Wirkliohkeit ist dieM nicht der Fall, aber wenn et «ndh der Fall 
wire, so könnte man darana nnr aohlievsen, dass Petillias in den Bficbem Nu- 
iDa*i die eben besprocbene Angabe gefänden nnd sie geglaabt babe; dagegen 
ist es mehr als nnwabrsobeinliob, dass dieser Mann, den Livius swar ttudioiu§ 
kgmäi nennt, ron dessen Pbilosopbie aber nicbts bekannt ist, ein balbes Jahr- 
haoderty ehe es den sonstigen Nachriobten infolge einen römischen Philoso- 
phen gab, eine so genaue Kenntniss der grieobiscben Philosophie besessen 
haben sollte, um beortheilen an können, welcher Sobnle die Ansichten ange- 
böit«D, die er bei dem angebliehen Mama fand. 



7^- Nenpytbftgoreer. 

erwfinscht sein musste, können doch von derselben nichts gewosst 
haben, da sie ihr zeitweiliges Erlöschen unbedenklich voraus- 
seisen 0- 

Dagegen taucht sie bald nach dem Anfang des ersten Jahr- 
hunderts wieder auf. Aus dieser Zeit scheint jene Darstellung der 
pythagoreischen Lehre zu stanunen, welche Alexander Polyhistor 
in angeblich pythagoreischen Schriften gefunden hatte, und deren 
Hauptzuge Dioqbnes VIII, 24 ff. aus ihm mittheilt. Ihr zufolge ist 
der Grund und Anfang von allem die Einheit. Aus der Einheit 
gieng die unbestinunte Zweiheit hervor : diese ist der Stoff, jene 
die wirkende Kraft *); aus beiden zusammen entstanden die Zahlen, 
aus ihnen die Punkte, aus den Punkten die Linien, aus den Linien 
die Flächen , aus den Flachen die körperlichen Figuren , aus den 
letzteren Cwie bei Philolaus und Plato) die vier Elemente der 
i;rahrnehmbaren Körper. Die Elemente gehen vollständig in ein- 
ander über ; ihre Grundbestimmungen sind , wie bei Aristoteles 
und den Stoikern , Wärme , Kälte , Feuchtigkeit und Trockenheit; 
jedem Element kommt eine derselben als seine hervortretendste 
Eigenthfimlichkeit zu, und es wird in dieser Beziehung mit den 
Stoikern , und in Abweichung von Aristoteles , der Luft die Kälte, 
dem Wasser die Feuchtigkeit als Haupteigenschaft zugewiesen ^). 
Licht und Finsterniss, Warmes und Kaltes, Trockenes und Feuch- 
tes sind in der Welt zu gleichen Theilen; durch das Vorherrschen 
der Wärme, Kälte, Trockenheit oder Feuchtigkeit unterscheiden 



1) PospR. T. P. 68', wahrsoheinlioh uooh nach Moderatas, dem er tob 
§ 48 «n folgt: xA bik Ta;{Ti)v K^tLroff oBoocv [?TieUeicbt Mwt] xJ^ ftXooof^ 
x«iixi|v ouv^ «ßioO^vaiy^pMTOv i&kv 8ia t*o a2vtY(MiTw3c« a. «. w. Dm gleiche Hgt 
aber aaoh Cjckbo Tim. 1 s. u. 79, S. 

^) ^X4^ H^ asc^vtcov {jLov&Sa* ix 8^ Ti)( (jlov^oc aöpiotov Su&da J>c av 6Xi]v 
Tfj (i,ov&Si aMtf Svxi 69co9t4vat. Dass mit dem altcov innlohst die wirkende Ur- 
sache gemeint ist, seigt schon die Vergieiohang der stoischen Lehre; s. 1. Ab- 
theilong 120 f. 

8) fiCToßoXXeiv $t (sc. ta axoixfia) xa\ Tp^icsoOat Si' 8X<üv. Genau so, und 
aach mit den gleichen Ausdrücken, die Stoikor; vgl. 1. Abth. 169, r. 165, 3. 

4) A. a. 0. § 26 £ Das Feuer wurde nach dieser Stolle Ton dem Pythi- 
goreer Alezander*s dcpinb« a!0^p, die Luft «fuxP^^C a^p, das Wasser ico^^ ^^ 
genannt, lieber die entsprechenden stoischen Bestimmungen s. m. 1. AbtL 
B. 169, 2. 



Die PjthAgoreer AlexAnder's. 7A 

sich die Tier 'Jahresseiten 0* Die Welt ist ein lebendiges, vernünf- 
tiges Wesen, ihrer Gestalt nach eine Kugel, in ihrer Mitte die Brde, 
welche gleichfalls eine Kugel und ringsum bewohnt ist. Das Gött^' 
liehe in der Welt und die beseelende Kraft in allen lebendigen 
Wesen ist die Warme: weil das warme Element in ihnen vor- 
herrscht, sind Sonne, Mond und Gestirne Götter; durch dieWirme, 
& er in sich hat, ist der Mensch mit der Gottheit verwandt und 
Gegenstand ihrer Fürsorge 0* Alles in der Welt, in den Theilen 
wie im Gänsen, ist durch das Verhangniss gewirkt O» das natAr«- 
lieh autoh hier von der göttlichen Ursächlichkeit nicht verschieden 
seia kann; von der Sonne aus Cwelche demnach hier, wie bei 
KleanthesO» nis Sits der welterhaltenden Krafk gedacht ist}, dringt 
eia^belebender Strahl durch Luft und Wasser; daher das Leben, 
welches anch den Pflanzen, wenn gleich ohne Seele, iawohnt Die 
Seele ist ein Ableger des ewigen Wesens und dessbalb unsterhUeh; 
sie besteht ans warmem und kaltem Aether, mit anderen Worten: 
aas Feuer und Luft ^); sie entsteht aus dem warmen Dunst, welcher 
im Semen enthalten ist^); ebenso warden auch die Sinne auf 
wurme Dunste zurückgeführt 0« Die Reife des Kindes ist durch 
die harmonischen Zahlen bestimmt; diesen gemäss entwickeln sich 
die verschiedenen Lebensthätigkeiten, die es alle von Anfang an 



1) Anoh d«sa bietet die stoische Lehre (1. Abtb. 111, 2) eine tbeil weite 
Anelogie. 

S) I t7; die etoieohen Parallelen das« 1. Abtb. ISS, 1. 176 f. ISO, S. 
184, S IL ö. 

8) § 27: tt|uip|ji^v ts t£>v SXmv xa^ xota pipoc ahla:* fUai xi^t 8io(xiSoim( 
(vgl 1. Abtb. 145, 1. 2). Hierauf, was im Text folgt. 

4) Ueber ihn 1. Abtb. 125, 1. 

5) § 28: clvai 8k -djv {»uxV oLK69itafS{iJ0L aM^po< xa\ to9 8tp^o5 xoc Töu {'UXP^O, 
'^ 90)kfitii^tcv <^uxP^^ aZO^o«. Sta^^pecv ts «I^uxV C<<»^( (wie die Blollcer swiseben 
^^ OBd fihii aDterschelden)' aOavacöv x' e^ai ocdij^v, irsti^inp xa\ xh af' oS 
«^nccioTai aOecvotöv iatu Vgl. hiesa a. a. O. 180, 8. 184, 2. Die Atheriscbe Na- 
tttr der Seele Ist aber anob alte orphisoh-pythsgoreisebe Ueberlieferang, und 
wird frühe mit ihrer Unsterblichkeit in VerbindoDg gebracht; rgl.Bd. II, a, 18. 

6) 1 28 Tgl. a. a. O. 181, 8. Der Samen selbst soll nach unserer Darstel- 
Iimg ein AnsSoss (vrotYiuv) aas dem Gehirn sein. 

7) § 29: Tilv T* aTa6i)9tv xoivuk xok xat* efeo« -rijv 5p«aiv on[i6v tiv* tNoi v^w 
t^PI&tfv* indem diesen Wasser und Lnft durch ihreKAlte hemmen, entstehen die 
^■MlMuongen; ähnlich bei den flbrigen Binnen. 



TO Neapyttiagoreer. 

im Keime in sich halO- Die Seele des Menschen besteht ans drei 
Theilen: dem Verstand CvoOO, dem Mulh Cdupid^) und derVernanfk 
Cfpi'^tO; mit dem ersten von diesen Stucken scheint alle Tor— 
stellangsthfitigkeit, mit dem zweiten alles Begehren und Wolleii 
gemeint su sein, aber beide nur, so weit sie sich aufs Sinnliche 
beziehen; denn beide sollen sterblich und dem Menschen mit den 
Thieren gemein sein, wogegen die Vernunft unsterblich und dem 
Menschen eigenthümlich ist. Der Sitz der Seele soll sich vom 
Herzen bis zum Gehirn erstrecken : in jenem hat der Muth, in die- 
sem haben Verstand und Vernunft ihren Ort. für diese Bestim- 
mungen sind nun zunächst platonische Lehren, doch in eigenthüm- 
lieber Umbildung, benutzt; dagegen lautet es wieder ganz stoisch, 
wenn der angebliche Pythagoreer beifügt, die Seele nähre sich 
▼om Blute, die Kräfte derselben seien Luftströmungen, sie sei un- 
sichtbar, weil auch der Aether unsichtbar sei, die Sinne seien Aus- 
flüsse aus den Seelentheilen , die im Gehirn ihren Sitz habend* 
An diese philosophischen Sätze schliesst sich dann aber der 
•rphisch-pythagoreische Mysterienglaube an. Die Seelen, heisst 
es, schweben nach dem Austritt aus ihrem Leibe in einer demselben 
ähnlichen Gestalt in der Luft umher; der Seelenvogt Hermes führe 
die reinen unter ihnen zum höchsten Gotte^, die unreinen da- 
gegen werden von den Erinnyen in unzerreissbare Bande gelegt. 
Die Seelen, welche den Luftkreis erfüllen, seien es auch, die Dä- 
monen und Heroen genannt werden ; sie schicken Menschen und 
Thieren Träume und Vorzeichen, auf sie beziehe sich alle Sühnung 



i) § 29, wo namentlich die Worte: ^x^tv $' h a6i({> ithxoi '^o^ Xö^ou; liic 
(onjc an die stoischen Xöyoi anepjiaTixot (a. a. O. 129, 1. 146} eriunern. 

2) I 80: fp^6( und voöc seien im Qehirn, oroiföva^ B' e?va( ano tourtov to; 
oM^mi^ . . . xpifio^cd xt tJjv «j'^xV ^^^ "^^ a!(JLaTO( * iou{ hl Xöyouc ^ux*!^ «v^u; 
thoa. aöpoTÖv t' sl^ai aOxJjv xa\ toI»{ Xöyou^ iizti xa\ h aZOJjp aöpaxoc. Vgl. hiesu 
I. Abth. 180 f. 

8) § 80 (die BteUe ist fid.I, 328 abgedruckt). Etwas auffallendes haben hier 
die Worte: iK\zw ^{»toTov. Denn S^ioioc ist zwar bekanntlich ein uralter Beiname 
des Zeos; dagegen ist es für sich allein sonst im rein griechischen Bpracbge- 
branch zur Bezeichnung der Gottheit nicht ttblich, wohl aber im jildisch-helle- 
nisiisohen (so in den Septnaginta und im neuen Testament als Uebersetzung den 
ebräisohen ^h'^by), wie es denn unrerkennbar einen monotheistischen Klang 
hat. Vielleicht gieng der Ausdruck erst tou hier aus zu den griechischen Pj« 
thagoreexn Aber. 



Die Pythagoreer Alexander*!. 77 

und Weissagmig 0* Weiter wird Cum einiges andere zu über- 
gehen) die Tugend, die Gesundheit, das Gute, die Gottheit als Har- 
monie bezeichnet, die Freundschaft als harmonische Gleichheil 
definirL Es wird vorgeschrieben, die Götter aUezeit in weissen 6e- 
wlodeR] und mit Heiligkeit des Lebens zu verehren , den Heroen 
die zweite Hälfte des Tages zu weihen. Zu jener Heiligkeit aber 
geiiören Reinigungen, Waschungen, Besprengungen; sodann, daas 
man jede Berührung eines Todten , einer Wöchnerin , oder sonst 
eines unreinen vermeide, und dass man sich des Fleisches gefalle- 
ner oder zerrissene Thiere, einiger Fische, der Eier und der eier- 
legenden Thiere, der Bohnen und überhaupt alles dessen enthalte, 
was auch beim Empfang der Weihen im Tempel verboten war. 

In dieser Darstellung liegt nun einerseits der Versuch vor, 
den Pythagoreismus nicht blos als eine Form des religiösen und 
sittlichen Lebens zur Geltung zu bringen, sondern ihn auch auf 
eine philosophische Theorie^ zuräckzuführen; andarerseits aber 
steht diese Theorie von der altpythagoreischen Lehre so weit ab, 
sie hat aus den spateren Systemen, und vor allem aus dem stoischen, 
so viele und eingreifende Bestinunungen aufgenommen, dass wir 
sie nur der nacharistotelischen Zeit und naher demjenigen Ab- 
schnitt derselben zuweisen können, in welchem der Gegensatz der 
philosophischen Schulen sich abzustumpfen, ihre Lehren sich eklek- 
tisch SU vermischen begannen ^. Nur um so bemerkeoswerther 
ist es aber, dass wir den Zügen , welche den Neupythagoreismus 
der Folgezeit bezeichnen , hier doch erst theilweise, begegnen. In 
den philosophischen Ansichten unseres Verfassers tritt weder die 
"Hleberweltlichkeit und Unbegreiflichkeit Gottes, noch der schroffe 
Gegensatz des Leiblichen und des Geistigen im Menschen hervor, 
was doch beides bei den späteren Neupythagoreern eine so grosse 
Rolle spielt; statt des spiritualistischen Dualismus, in dem sie Plato 
folgen und noch über ihn hinausgehen, hält er sich ganz überwie- 
gend an den materialistischen Pantheismus der Stoiker, den er 
änsserlicfa genug mit der pythagoreischen Zahlenlehre verknüpft. 
Aus der pythagoreischen Mysterienlehre hat er zwar die Seelen- 

1) § 32; eine Stelle» welche an die yielbenfitste des pUtonifloheii QMtmahk 
»02, E, erinnert. 

2) Der Beweis dieses Satzes liegt in der ganaen bisherigen Erftrierangi 
itnd in dem, was Bd. 1, 264, 4. 305. 807, 3. 324, 6. 325, 2 bemerkt ist. 



78 Neupytlisgoreer. 

wanderang und den Ddmonenglauben in yoUem Maass aufgenom- 
men, dagegen ist seine Ascese weniger streng, als die orphische 
vor ihm, die neupythagoreische und essaische nach ihm, da er 
weder die Ehe noch die Fleischkost und das Tödten der Thiere 
verbietet. Alle diese Züge weisen darauf hin, dass die Schrift, der 



Alexander seine Hittheilung entnommen hat, der Zeit des 
ginnenden Neupythagoreismus angehörte. Nun können wir frei- 
lich ihre Abfassungszeit nicht mit Sicherheit bestimmen; da aber 
der erste und einsige Zettge, der ihrer erwähnt, u m 60—50 vor 
Christus in Rom lebte > so sind wir nicht gehöthigt, für dieselbe 
fiber den Anfting des ersten oder auch das letzte Viertheil des 
zweiten Jahrhunderts hinaufzugehen ; ein höheres Alter dieser Dar- 
stellung macht auch schon ihr eklektischer Ckarakter unwahr- 
scheinlich. Ueber den Ort , aus dem sie hetstammt, Ifisst sich vor- 
erst wenigstens so viel sagen, dass sie nicht in Rom, sondern in 
einem von den östlichen Lindern verfhsst zu sein scheint Diess 
müssen wir nSmIich schon desshalb annehmen, weil aus Cicero 
deutlich hervorgeht, dass noch um die Mitte des ersten Jabriittn- 
derts nur sehr wenige von seinen Landsleuten der pythagoreischen 
Philosophie ihre Aufinerksamkeit zugewandt hatten. Denn so sehr 
er sieh bemüht, einen Zusammenhang zwischen^ Rom und der 
altpythagoreischen Schule herzustellen % und so erwünscht es iUn 
in dem nationalen Interesse, an das er so gerne anknüpft, bütte 
sein müssen, in seinen philosophischen Gesprächen rönudcbe Ver- 
treter jener „italtoohen Philosophie^^ einführen zu können, so 
wenig begegnen wir doch bei ihm einem solchen; vielmehr bezeugt 
er ausdrücklich , der Fythagoreismus sei zu seiner Zeit erloschen 
gewesen, und der Versuch seiner Erneuerung eben erst gemacht 
worden ^. Es wird daher für sieher gelten dürfen , dass in Rom 



1) Wm wir von Alezander^s Leben wiasen, besohr&nkt sich ftuf die Ani^ben 
des SuiOAS tt. d. W., naob dem er cur Zeit Salla*B and später (jlnlia^g = herwftrts 
von diesem Zeitpunkt) als Freigelassener in Rom lebte, und die swei Notiaen 
bei Ssity. in Aen. X, 888| dass ihm Bulla das Bfirgerreeht goschenkt habe, 
und bei Sditoh. illastr. gramm. 20, dass Hyginas, der Freigelassene des An- 
gnstiis, ibn gehört habe. Hierans ergiebt sieh annähernd die obige Bestim- 
mnng. Im übrigen Tgl. m. M1}l.lrr Fragm. Hist. gr. III, 206. 

9) 8. o. 68, 4. 70, 1. 

8) 8. 8. 79, 8. 



Nigidias Fignlns. 79 

Iris aber die ersten Jahrzehende des ersten Jahrhunderts herab von 
pythagoreischen Philosophen nichts bekannt war. 

Der erste Römer und überhaupt der erste uns mit Namen be- 
kannte Mann , welcher der neuen pythagoreischen Schule zuge- 
zählt wird, ist P. Nigidius PigulusO, ein Freund Cicero's, 
der wenige Jahre vor ihm gestorben ist *). Cickro nennt ihn im 
Eingang seines Timaus den Erneuerer der pythagoreischen Philo- 
sophie^, und aus einer andern Aeusserung desselben gehther- 
Yor, dass sich Figulus nicht blos f&r seine Person zu derselben be- 
kannte, sondern auch andere in sie einführte ^); wie er donn 
iberhaupt einer von den ersten Gelehrten seines Volkes und seiner 
Zeit war, mit besonderer Vorliebe jedoch die abgelegeneren Oe- 
biete des Wissens aufsuchte, und mit der Mathematik undNatur- 



1) M. Hkbts De P. Nigidii Fig. fltudiia atqne operibn«. Berl. 1845. 
Bnnia D« Nig. Fignli fragmentis ap. Sohol. Genn. sery. Berl. 1854. (Dien.) 
fiigliisiiagen dasu yodBOchslbr Rhein. Mns. Jltl, 177 ff. Klsih Quaestt. Ni- 
gidianae. Bonn 1861 (Dias., bia jetzt aaf daa biographiiobe beachränkt). Bsbn-» 
HASDT B5m. Litt 8. 885. 857. 

1) Er begegnet nna snerat 68 v. Cbr., wo er den ihm nahe befrenndeten 
Cicero bei der Beklmpfting der catilinariacben Veraohwörnng nnterBtfitst(Cir. 
pro Sulla 14p 42.adFainil. lY, 18» 3. Plitt. Cic. 20. an. aeni a. ger. reap. 27, 8. 
8. 797), dann wieder 59 t. Chr. (Cic. ad Att. II, 2, 8); 58 t. Chr. war er Prä- 
tor (Cic ad Qn. fratr. 1, 2, 16), 52 Legat oder Geaandter (Cic. De Unir. 1). WRh- 
reod dea Bürgerkriegs anf der pompejaniachen Partbei (Cic. ad Att. VIT, 24), 
lebte er naob Claar'a Sieg in der Verbannung, in der ihn Cicero (ad Famil. 
1^1 IS) trSatet, und starb in deraelben 45 t. Chr. (Hikbom. an £iiaeb*a Chronik 
Ol. 188, 4 nach Baeton, Tgl. Cio. Tim. 1). Seine Qebart acheint in die ersten 
Jahre vor oder nach dem Anfang des 1. Jahrb. au fallen. 

8) Tim. 1 : Denique nejudico, post illo$ fwinUi IS/thagarwi, quorum dis- 
«^pfina exgtineia e»t quodammodo^ cum aUgwt uutcvia tn luäia SieHiaque rij/u- 
^Met, hme «ßsUHuef qui iXlam revoeareL Ana 'dem nichatfolgenden aieht man, 
^ dem Nigidins selbst in der dialogisch abgefaasten Schrift eine Rolle zuge- 
daeht war. 

4) Nach dem Schol. Bob. en Cio. in Vatin. Bd. V, 2, 817 Or. hatte Cicero 
io der Bede fBr Vatinios, welche er swei Jahre nach der noch vorhandenen An- 
^^H^ gegen ihn hielt, den Vatinins gegen die Vorwurfe, in denen ihm seibat 
denen Pytbagoreismns früher Anlaas gegeben hatte, yertheidigt, indem er aoB- ' 
Ahrte : fuittt iOis temporibus Nigidium quendanif virum doetrina e< erudUiane 
fifuUcrum praettanUstimum , ad quem plurimi cohvenirent, hamc ab ohtreetaiO' 
fibut vduii aetionun mimu probabüem jaetiUUam ei9e, quamvis ipii Pjfthagorae 
^teüaoru eoeisfimari veUent. 



80 Neapythagoreer. 

forschung auch Astrologie und Wahrsagerei verband 0- Wie er 
jedoch die pythagoreische Philosophie aufTasste, und welche An- 
sichten er als pythagoreisch vortrug, wird nicht überliefert. Einer 
von denen, welche sich an ihn anschlössen, ist jener P. Vatinius, 
dem Cicero vorwirft, dass er unter dem Namen eines Pythagoreers 
allerlei Grauel begehe ^; so wenig jedoch auFdiese Anschuldigung 
zu geben ist % so wenig erfahren wir andererseits über die PhOo- 
sofdiie, zu der sich Vatinius bekannte. Dass aber der Pythagoreia- 
mus damals die Aufmerksamkeit der römischen Gelehrten 



1) Vgl. vor. Anm. und Cic. sd Famil. IV, 18: P. Ifxgidio, tMit 
doetinimo et sandissiino. Tim. 1 : fout enim vir iÜ9 cum ceterU artUmBj qust 
quidem dignae libero e$«entf ,ornatu8 omnihutj htm aeer invuiigaior ei düigmu 
earum rerhm^ quae a natura invokUae videniur, Grll. nennt ihn IV, 9, 1 
(▼^1. 16, f;. XVII, 7, 4. 8rrv. Aen. X, 175) homojuxta M, Varromem dodkn- 
mus, Deneibe sagt XIX, 14, 1: aetas M, Cioerontt et C. Caewru praettanH 
faeundia paueoa habuitf doctrinarum autem muliiformium variarumque artium, 
quibus humanitaa erudita e«<, eolumitia habuit M, Varronem et P. Nuyidium; 
Me Schriften des letzteren jedoch haben wegen ihrer obtcuritas nnd suhiiKi«u 
(worüber auch ebd.XVII,7,4) weit geringere Beachtung gefunden, als Vkrro's. 
Die uns bekannten, worüber bei Hbrts a. a. O. die näheren Naubweisangoa 
au finden sind, umfassen ein grammatisches Werk in 80 Büchern, t*ine Ab- 
handlung über den rednerischen Vortrag, 20 oder mehr Bücher über die Göt- 
ter^ Schriften Über die Thiere und de hominum naturalibua y ^in grösseres 
astronomisches Werk (worüber B(}chrlbr nnd Bribtsio a. d. a. 0.)> Buch«' 
über Vorbedeutungen durch Donner und BHtz, de auguric priwtto und über 
weissagende Träume. Als Magier wird Nigid. von Hieron. Eus. Chron. z. Ol. 
188, 4 bezeichnet, alf bekannter und unübertroffener Astrolog von Lccam. 
Pharsal. I, 689 f. aufgeführt; seiner Vertheldigung der Astrologie erwühnt 
AuousTiM. CiT. D. V, 8, einer angeblichen astrologischen Weissagung Scetov. 
Aug. 94 und Dio Gass. XLV, 1, einer anderen, durch Inoantstion, Arvt^ De 
magia 42, nach Varro; einige abergläubische Meinungen ^pon ihm beriohtet 
Plin. nat h. XXIX, 188. XXX, 24, 84. 

2) Cix;. in Vatin. 6, 14: <u, qui te Pyihagoricum solee dieere et hominU 
doetiseimi nomen tuU immaruinu ei harharU moribue praetendere . . .. cum in- 
audita ae nefaria aacra nuceperie, cum w^erorum antmae dieere^ cum puerorum 

^extis Deo$ manee mactare aoleas, 

8) Cicero selbst sagt uns (ad Famil. I, 9), dass er, durch Pomp^na and 
Cäsar mit Vatinius ausgesöhnt, Öffentlich als sein Freund und Lobredner auf- 
getreten war, wie sie denn auch in späteren Briefen (ad Farn. V, 9 — 11) aich 
gegenseitig die Hände drücken; nach dem S. 79, 4 angeführten ßcholium 
hatte er die früheren Anttchuldigungen in der späteren Rede Tollständig au- 
rOokgenommen (plenUiime purgavit ei defenditj. 



Ooellai. -91 

anf sich sog, sieht ouin aaoh ans Varro, weloher aeioe AngalMn 
ober die Lehre des Pythagoras bereits jüngeren pythagoreisoben 
Schriften za verdanken scheint, mit denen er vielleicht durch Ni- 
gidius oder Alexander Polyhistor bekannt geworden war % 

Zahlreicher und bestimmter werden die Spuren der nenpylha^ 
goreischen Philosophie in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhun- 
derts vor Christus. Dass um diese Zeit jene Unterschiebung pytha- 
goreischer Schriften, deren schon früher gedacht wurdet , bereits 
begonnen hatte, und mithin auch die Schule, deren Lehren |ittf 
diese Weise verbreitet und empfohlen werden sollten, schon be- 
stand , beweist der angebliche Lukaner Oceilus , dessen Schriften 
nicht später verfasst sein können '). Dasselbe wird durch die An- 



X) Hbbts h«|.ft» «. O. 8. 24 Dachgewieseo 1^ dMi Varro des PytbagorM 
öft«n Erwllhnanir thut (,L. 1. VIl, S. 303 Speng. De re r. 11, 1. 3; bei Aueu- 
STix CiT. U. TU, 35. De ord. II, 54. T« I, 351 Mtnr.; bei Syumacuus epp. 
l, 4; b. Crksorin di. nat. c. 9 und II vgl. Qki.i,. N. A. III, 10 — ob auch die 
Angaben bei Cens. o. 10, f. 12, 4. c. 18 ron Varro heratammen, ist ansicber, 
e.*4, 8, wo Pythagoraa, Ocellns nnd Archytas als Zeugen fBr die EwigkMt 
^K Welt angefahrt werden, gewiss nicht). Wober Varro seine Kenntniss der 
^■nagureiacben Philosophie schöpfte, wissen wir nicht; die obigen Ver* 
Vfhttngen grAndeu sich darauf, dass er einerseits mit Nigidius und dessen 
SchriA^n wohl bekannt war (Tgl. Hebtc S. 16 f.), nnd dass andererseits das, 
was Cansortn a. d. a. O. ans Varro über die angebliche Lehre des Pythagoras 
Yon de^%it Wicklung des Fötus mitihetlt, mit dem Ansaug ans Alezander's 
{ebener Schrift hei Dtoo. Vill, 29 gana* fibereinstimmt. Der lets- 
Siü ^enir dann .wieder der Vermuthung (Bd. I, 305, Ij cur Stfitia, 
ro bekpeiner^Darsielliing der pythagoreischen Lehre Alezander odar 
Me fllforgt^eei. 

)i6%eä4gkßnÜBt&^d^n9\h^^ die noch erhaltene 9cep\ i$j^ toO jtavtec. 

rwähnt Fhki.0 qu. m. s. incormptib. 940, D Hösch. 489 M. Nun wird 
freilieh^iese Abhandlung Philo ohne Zweifel mit Unrecht beigelegt, wenn 
•ie anel^ nicht allaaweit Ton seiner Zeit entfernt sein mag. Indessen 6ndet 
lieb eincLioch etwas ftltere Spur des angeblichen Oceilus in dem Briefe des 
Arehytas aRPlato und dem darauf zurückweisenden des Plato an Archytas 
(unserem 12ten platonischen) bei Dioe. VIII, 80 f., wo ausser dem Buche 
▼OB der Natur dea All noch drei weitere Schriften des Oceilus namhaft 
gemacht werden. Denn wenn auch an eine Aechtheit dieser Briefchen selbst- 
Tsrstlndlich nicht au denken ist, sehen wir doch aus Dioo. III, 61, dass schon 
Thrasyllna; gerade so, wie wir, 13 platonische Briefe, und darunter swei 
sa Arohyfaa, in seiner Sammlung hatte; wir mflssen daher annehmen, es habe 
steh auch unser 12ter Brief in derselben befunden, und da dieser den archy- 

PMlM. d. Qr. ni. Bd. t. Ahth. 6 




6S Nenpythagoreer, 

^be bestftligt, der libysche König Jobates habe die Schriften des 
Pythagoras gesammelt, sei aber dabei vielfach von BetrOgem miss- 
braucht worden; mit diesem Jobates ist nilmlich ohne Zweifel der ge- 
lehrte mauretanischeHerrscher Juba II. >gemeint, der unter Angustvs 
lebte ^. Um die gleiche Zeit war es, dass der Alexandriner Sotion 
die Enthaltung von der Fleischkost, welche sein Lehrer Sextivs 
▼erlangt hatte , mit dem Dogma von der Seelenwanderung begrfin- 
dete^; auch Se:rtius selbst war aber wohl durch den Vorgang der 



teiacben yoraossetii, miiM Mich der Utatere, «nd somit anoh die in beiden 
angefahrten Schriften des Ooellat, aar Zeit des Thresyllns, eise in den ersten 
Jabrzehenden unserer Zeitrechnung (Tgl. 1, Abtb. 542, 3), schon Torhanden 
nnd anerkannt gewesen sein. Ihre Abfassnngsseit wird daher sp&testens in die 
Bweite Hftifte des ersten yorohristlichen Jahrhunderts gesetzt werden mdssen 
Dess sie noch frfiher falle, ist möglich, aber ans den obigen Thatsachen 
kann man es um so weniger schliessen, da die Briefe b. pioo. VllI, 80 f. 
ganz so aussehen, als ob sie gerade zur Beglaubigung des falscfaen Ocellus, 
also von dem gleichen Verfasser, wie dieser, yerfertigt worden wiren, so 
dass demnach die Erwähnung der ocellischen Schriften in denselben iHr ein 
früheres Vorhandensein dieser Schriften nichts beweist. Noch weniger kann 
man mit Rose De Arist. libr. ord. 1 1 f. behaupten, schon Aristophanee^as 
Bjzans habe den 12ten platonischen Brief gekannt, die Schriften des Oce^B 
seien mithin um den Anfang des zweiten Jahrhunderts bereite im Umimnf 
gewesen. Denn aus Dioo. III, 62 ergiebt sich nur, dass Aristoph. eine Samm- 
lung platonischer Briefe seinen Trilogieen eingereiht hatte, aber nicht, dass 
diese Sammlung alle Beetandtheile unserer jetzigen umfasste. Vielmehr spricht 
schon die Stellung unseres 12ten und tSten Briefs für die Änn|khme, dass 
diese zwei Stücke erst später zu den übrigen hinzugekommen seien; denn 
während sonst die an die gleichen Personen gerichteten Schreiben (1 — 3; 7 
und 8) zusammengestellt sind, ist der 12te vom 9ten und l3er 18te von den 
drei ersten getrennt — (Jeher die sonstigen Anführungen des Ocellus Tgl. m. 
MüLLACH Fragm. philos. gr. 884 f. (S. zz f. seiner Ausgabe von Aristo!. De 
Melisse u. s. w.), über die Schreibung des NameoM ebd. 888 (177). Dass das 
Buch über das All ursprünglich dorisch geschrieben war, und erst im Mittel^ 
alter in die xotvjj übertragen wurde, erhellt ans den Anführungen bei Sto- 
bans; Tgl. Mullach 384 f. 

1) David in Categ., Bchol. in Arist. 28, a, 18. 

2) Nach der treffenden Wahrnehmung RrrrEB*s IV, 523. Wenn jedoch 
R. geneigt ist, die Entstehung des Neupythagoreismus selbst erst von solchen 
Unterschiebungen herzuleiten, so ist das richtigere sicher nur die umgekehrte 
Annahme. Jnba*s Vorliebe für pythagoreische Schriften setzt das Dasein einer 
pythagoreischen Schule schon vo'rans, und nur von einer solchen konnten 
die Verfasser den eigenthünilichen Lehrgehalt derselben entlehnen. 

3) l. Ablh. S. 605. 



Zeit und Ort ikrvr Eatstebung. -83 

SU jeacnr Vorschrift ywaniasst worden. Möebte wun 
endlich dem letsterea UmstaBd vielleicht desshalb geringere Be- 
voiakrafl beilegen , weil der Glanbe an Seelen wandermig oad das 
Verbot der thieriachen Nahrung Kunachat den pythagoreiacben 
Mysterien angehören, ao erhellt doch aoa der Schrift des ArivT''^ 
Didynne über die pythagoreische Philosophie 9 ond nach be- 
atiHiBter ans einem Bruchatüek des Endorus ') , dasa schon buld 
■ach der Milte dea ^sten vorchriattichen Jahrhunderts^) jene.Ver- - 
bindnng platonischer und pythagoreischer Pbilosopheme , in wal- 
eher derNeupythagoreiamttS besieht, sich ToUzogen, und die meta- 
physische Theorie des letzteren sich in ihren Grundzügen festge- 
stellt hatte. Für das Ende dieses Jahrhunderts ohnedem lässt steh 
diese Thatsacbe, auch abgeaehen von denSssiem und Therapeuten, 
schon %93 Philo vollständig erweisen. 

Wo diese nettpythagoreische Philosophie eslstand, ist luoht 
ftberUeferL Ihre ersten Spuren finden sich theils in Rom, theils in 
Alexandria. Aber dass Rom nicht ihr Geburtsort sein liann^ er- ' 
hellt schon aus dem , was S« 78 bemerkt wurde. Wirklich waren 
Uer wieh in der ersten Hälfte des ersten vorchristlichen Jahrhon- 
^derts die wissenschaftlichen Zustande nicht von der Art, daas die 
Bedingmoigen für die Entatehung einer Schule , wie die neupythe- 
goreiscbe , gegeben gewesen wären. Noch viel später hatte sie ki 
Rom 80 wenig Boden, dass Seneca die pythagoreische Schule als 
ausgestorben behandeln kann 0. In Alexandria dagegen waren nicht 
allein die Verhaltniase der Bildungderselben gdnatiger, als in jedem 
anderen Orte; sondern auch die Nachrichten Aber sie lassen uns 
in dies^ Stadt ihre älteste Heiautth vennuthen. Aiis Alexandria 
stammen Eodorus und Arius, awei unserer ältesten Zeugen für das 
Dasein des nenen Pythagoreismus; ebendaher Sgy^n, welcher die 
Lebe der Sextier mit dem DogsM von der Seelenwanderung be- 
reicherte ^} ; in derselben Stadt bildete sich um den Anfang unserer 

1) Ebd. 546, 1. 

f ) Worfiber Bd. I, 260, 2 b. rgl. 

8) In diesen Zeitpunkt nlUnlicfa mfisBen Endorns und Arius gesetzt wer- 
den, dn Aeeer derXebror des Aognfttus, Endoras aber noch ft]ter, als er, war, 
?gt 1. Abtb. 648, 8. 545, 8. 

4) Nat qu. VII, 32, 2: Pythag&rica iüa invidiosa turbae $chola praerep- 
toTctn fUMt tmocnntm 

5) Vffl. 1. Abtb. 544, 2. 545, 8. 605i 2. 

6* 



84 Neapjthagoreer. 

Zeitreelmung Philo sein ^System, und in der N&he dendtieii battim 
die Therapeaten ihren Hauplsita, bei denen flieh, wie wir findmi 
werden, so wenig, als bei jenen, der Binflius des neuen Pydiago- 
reismuB vericennen lasst.* Aach von Alej^a nder Po lihlgtor erhellt 
schon aus seiner umfassenden BekaantschaiTinit jüdisch-*ale9aindri- 
nischen Schriften 9 dass er seinen Bericbi aus alexandriniscben 
Quellen geschöpft haben kann. Es hat daher eine äberwiegwide 
Wahrscheinlichkeit für sich, dass in diesem Knotenpunkt des Ver- 
kehrs von Hellenen und Orientalen mit andern yerwandtea Bt- 
scheinungen auch diese in's Dasein getreten ist 

S. Die neupythagoreisohe Bohnle, ihre Mttnner und 8ehriften« 

Ueber die Manner, von welchen diese Denkweise ausgieag 
und fortgepflanzt wurde, sind wir so mangelhaft unterrichtet, daas 
uns die wenigsten derselben auch nur dem Namen nach bekannt 
sind. Es rührt diess ohne Zweifel hauptsächlich von der Art her, 
wie«die neupythagoreischen Lehren von Anfang an vorgetragen 
und verbreitet wurden. Der Auktoritatsglaube dieses Standpunkts 
brachte es mit sich , dass auch seine neuen und eigenthumlicben 
Bestimmungen sich nickt aijä etwas neues gaben, und in der Regef 
auch wohl von ihren Urhebern selbst nicht als solches auigefasst 
wurden : seine Vertreter nennen sich nicht Neupythagoreer, son- 
dern schlechtweg Pythagoreer, d. h. sie wollen den ursprunglichen 
Pythagoreismus wieder in^s Leben rufen; sie sind sich ihres Hittaas- 
gehens über denselben so wenig bewusst, als ein Philo seines 
Hinausgehens über den Mosaismus , oder ein Chrysippus der Witl- 
kflhr seiner Mythendeutungen; sie setzen ohne Umstände voraas, 
wie diess alle offenbarungsglaubigen voraussehen, was ihnen wahr 
scheint, müsse auch die Lehre ihrer dogmatischen Auktoritäten, in 
diesem Falle des Pythagoras und der alten Pyttiagoreer, sein^. 



1) In den Bniohstfioken seines Werkes 9ccp\ louiaUav (bei Müllbb Fragm. 
Uist gr. 111, 211 ff. Tgl. 207 f.) findet sieb eine Menge solober SdiriiHwi an- 
gefdbrt; aus ibm stammen wabrsoheinliob alle derartigen Anssttge bei Eits. 
pr. e?. iXf 17—89 (mit Ausnahme von c. 22. S8), nicht blos die, lUr welobe 
er auidrfioklich als Qaelle genannt wird; vgl. Hbbwblo Qesch. d. V. Jisr. 
in, 670 f. 

2) M. vgl. in dieser Beziehung unter anderem, was 1. Bd. S. 208 an- 
geführt ist. 



Pseiidonjme fiobriften. 85^ 

DM uro jeden Zweifel daran zum voraus niederzuschlagen , legen 
sie ef diesen Männern selbst in den Mund : statt ihre Ansichten in 
e^nem Namen vorzutragen , lassen sie dieselben von ihnen vor- 
tnfen; theils in Lebensbeschreibungen des Pythagoras und in Dar« 
ileihiiigen der pythagoreiscHeh fhiiosophie, wie sie von Eudorus, 
Aqss, Apollonius, Moderatus, Nikomachus verfasst wurden^), 
theils noch unmittelbareir^in jenen SS^iriftwerken, welche seit 
dem Anfang des ersten Jahrhunderts v. Chr. unter altpythago- 
rdschen Namen so ungemein zahreich auftauchten , dass selbst uns 
noch mehr als siebzig Stücke, wenn auoh meistens nur den 
Titeln nach oder durch einzelne Bruchstöcke, bekannt sind*)- 



1) Dm Eadoms and Arins iit in dieser Besiehung sobon oben erwAhnt 
Verden; von don <lbrig«ii wird spttter sa sprechen sein. Ans solohen Dar- 
ttsHiuigen sind wohl die meisten tob den pytbegoriscben ond pythagorei- 
Mbei SprMMn geflossen, die sieh da nad dort finden. Sammlnngen derselben 
b« MvLL&ca Fragm. pfiilos. gr. B, 488—61 1. 

S) Vm Yon dem Umfang dieser gansen, grösstentbeils Pseudonymen, 

Litsrator eine VontelliiBg su geben, lasse iob hier, im Anseblnss an Baos- 

iun*i flslsslge OisserUtion De Pytbagoreornm Beliquiis (Berl. 1844), ein 

▼sfieiebniM der sftmmtUchen unter altpythagoreisehen Namen (Iberlieferten 

Mi rift sn folge», welche uns bekannt sind, ijkdem ich snglelch angebe, wo 

ditadben in den QueUen und den Sammlungen ron Mui^laor (Fragmenta 

pbilos. gr.) uud Obblli (Opuscula Graec. ret. sententjosa II) sn finden aind* 

— Ausser den sogleich näher zu besprechenden Schriften des Philolaus und 

Arabytas gehdren hieher: 1) Bine Reihe von Büchern, welche Pythagoras 

Nlbit beigelegt wurden. Den Bd. I, 309, 3 nachgewiesenen fflge ich noch 

te U^ xpd« "Aßopiv (PbokI'. in Tim. 141, D), und die icpoYVcoottxdi ßi^Xi« 

(Twnu Chil. II, 888 f. rgl. Haslbss su Fahrte. Biblioth. gr. I, 786) beL Ob 

fo Angabe, dass er suerst eine Arithmetik geschrieben habe (Jos. Maljll« 

^1, &. CsDanii. 138, D. 156, B. Isinoa. Orig. III, 3) sich auf eine bestimmto 

Bsbnft besieht, ist fraglich. Dagegen wissen Spätere (Malal. 66, D. Csdb. 

ISS, C) von einer Oesohichte des Krieges der Samier mit Cyrus und Pobph. 

▼• P. 16 von einer Inschrift auf dem Grab Apollo^ in Dolos, die er rerfaset 

^ibe. Wir kennen so abgesehen yon dem vielen, was ihm Aston und Hip* 

fasas nntersebob^n haben sollen (Dioo. VIII, 7), und von dem goldenen Ge- 

^btt d|| Titel von 15—16 Schriften, die Pythagoras* Namen trugen. Bruoh- 

*tMcs selcher Schriften finden sich hei Jostim. Cobort. c. 19 (Klxmbss Protr. 

^f* C. u. A. vgl. Otto su d. St. Justin's). Pokpr. De abstin. IV, 18. Theol. 

Ailkbm. 19. Stbiah b. Metapfa. XIII, 8 (Arist. et Tb. Metaph. ed. Brand. II. 

M,$i C), Verse ans einem jrahrscheinlich von jüdischer Hand unterscho- 

^M^n oder mterpolirten Gedicht bei Justin De Monarch, c. 2. (Was StobIos 

in Fiorilegium unter Pythagoras* Namen giebt, scheint keiner Ihm nnter- 



8S^ NenpytTiagoreer. 



schobeuen Schrift entnommen zu sein.) — 2) Das goldene Gedicht (II. 
199 ff. 408 ff., wo auch Über die fHlheren Ausgaben; Bd. I, 215). — d}Tima«iB 
über die Weltseeie (Ed. I, 812, 1 ; weitere« tiefer unten), Beerst aDgefQbrt tos 
NisoMAOBUB Harm. 1, 24L Klbubiib Strom. V, 604, B, von dlesam tailiek 
mit Worten, die «ich in anaerem Text nicht finden. — 4) Die Sohriften de» 
Ocellus; auBHor der noch vorhandenen über das All (s. o. 81, 8) werden 
deren von dem angeblichen Archytas b. Dioo. VllI, 80 noch drei genannt: 
icep\ v6(xou xat ßaartXY)fa( xa> om6xa'zo^. Von der ersten derselben, giebt 8tob. 
EkL I, 888 eine Probe (M. 407). -^ ö) ArchJlnetns, detsen Bd. I, 969, I 
aagefflhrto angebliche Aeasaerung doch wohl einer Bohrift entBonmen ist. ~* 
6) Areaas fc. «yOpck>icou 91^0« Stob. I, 846 vgl. JaMBU v. Pyth« 266« 7) Ari- 
Btfton n. ap(xov{ac Stob. I, 428; ebendaher wohl, was Theol. Arithm. 42 and 
Claudian. Mam. De statu an. II, 7 von dem „Pythagoreer Aristlus* (Ober den 
JauHL. y. P. 265) anfahren. 7) Athamas Klbvbns Strom. VI, €94, D; der 
Titel der Schrift, welche eine Kosmologie enthalten haben mtMs, wird aiekt 
genannt 8) Brontinus ic. vo9 xa\ 8tave(a{; ein Braefasttlok daraoa b. Jah- 
LiCB in ViLLoitOM Aneod. II, 198; aaf dieselbe Schrift beaieben sieh Fs. Alb- 
xANnna und Stbian (s. Bd. I, 262, 1) und Sohol. in Fiat. ed. Bbsb. 8. 411. 

9) Bryso; Fragment seines o^xovojjitxöc , ans Stob. Floril. 86, 15, O. 834. 

10) Bntherns 9C. ^iO(itt)V Stob. Ekl. I, 12. 11) Gharondas (angebli^er 
Pythagoreer; s. Bd. 1, 22ß, 6) icpoo{(ua vd(Mi>v Stob. Ploril. 44, 40. M» MO f. 
]9> Di otogen es ic. ßowtXtioBc und %. 6o(^ti)toc Stob. Floril. 48,61 f. 6, 6#. 
48, 95. 48, 180. M. 682 ff. 18) Diu s it. x&Uoik Stob. Floril. 6*, 16 f. O. 889. 
14) idkphantas k. ßaoiXiioc Stob. Flor. 47, 92« 48, 64—66. M. 586 fll (Bin 
anderer Bkpfa. oder Enphantns ist b. Pobpb. De abstin. IV, 10 gemeint; Aber 
den gesobicihtlichen Bkphantns, den Thbodobbt enr. gr. äff. IV, S. 796 Dio- 
phantus nennt, Bd. I, 861 t) 16) Eromenes; ein Bniohstiok ans einer 
Sohrtft desselben, wie es sohelnt fiber die Seele, b. CLaimiAH« !€• a. a. O. 
16) ifi^nrypfaamvB n. ßfoo Stob. Flor. 108, 27. O. 800, Tieileieki von den- 
selben Verfasser, wie die Schrift des KalUkratidas (s. n.), da beide in dea 
Stellen Flor. 108, 27, S. 11 m. und 85, 16, 8. 140 f. aum Theil wörtlich Aber- 
einstimmen. Sehr verwandt ist aber auch die Stelle des Hippodamni Flor. 
48, 98, S. 100. 17) Enrysua ic. tiS^oc Stob. Ekl. I, 210. Klchbmi Stfom. V, 
669, D. 18) Euxithens; s. Bd. I, 897, 8. 898, 1. 19) Hipparchn« ic tdliK 
idttfi Stob. Flor. 108, 81. 20) Hippaaus; s. Bd. I, 860 t 248, 4, aaek BoinB. 
De Mus. II, 18. Ein (luvnxbc Xö^o^ unter dem Namen des Fythagoraa wnida 
naoh Dioo. VIII, 7 von manchen ihm angeschrieben, gehörte aber w^hraokeia* 
lieb keinem ron beiden. 21)Hippndamusic. 6ä8at(Aov{«c Stob. Flor. ^8, 96; 
IC. xaktnia^ ebd. 48, 92—94. 98, 71. O. 282 ff. 22) Kallikratidas icxSk jAf 
oZki^ittiv ei8ct|i.ov{a( Stob. a. a. O. 86, 16--18. O. 886. 28) Klinias i& ioi^t|TQ€ 
xdi tdafßtic« Stob. ebd. 1, 66 (auch das ▼orangehende, ihm gleiebfalla a«ge* 
sehriebene Bmchstflek gehört wohl derselben Schrift an). O. 894. Ans eiaer 
nnthematisohen Schrift scheint das Bmchstftok Theo]. Arithm. 19 en stnan 
men. 24) ifcriton ic. ^poviietcoc Siob. Ekl. II, 860. Flor. 8, 74 t (hier a. d« T. 



Pseudonyme Scbrifien. ^7 



fifitHV0(4 Aa(&a9uncou ic. ^powioeco^ xa\ e^yj^)- ^' ®^^ ^- ^^) Lysis; auf 
dne Sehrift Ton ihm weist die Bd. I, 262, 1 angeführte Angabe dea Athena" 
goraa, Pobph. ▼. Pyth. 57 f., Hi£bon. o. Kaf. III, 89. Bd. II, 565 Vallaro; ob 
•ieb diese Stellen auf dasselbe Buoh beziehen, und ob dieses das gleiche ist, 
welches nach Diou. VIII, 7 (vgl. Bd. I, 215) auch Pythagoras' Namen trug, 
Usstsich Dicht aasmachen. Mit ihm wird sein Genosse Archippus (s. Bd. I, 
237, 1.239, 2) von Porphyr ond Hieronymus zusammen genannt; denselben 
(ohne Lyaia) führt auch Claudiamds Mambbtub a. a. O. unter denen auf, 
welche die Verschiedenheit der Seele vom Leibe ingenommen and in Schrif- 
ten behauptet haben. 26} Metopus ff. apei^c Stob. Flor. 1, 64. O. 322. 
27} OnatBB «. 0eou xab, Oeiou Stob. Ekl. I, 92 f. vgl. ebd. 50. 28) Pempelua 
s,7oWuv Stob. Flor. 79, 52 (aus Plato Gess. XI, 930, £. 931, D f.) O. 844. 
29) Periktione tc. 90f(a( Stob. a. a. O. 1, 62 f. n. yuvaixb^ ap^iovia^ ebd. 
79, 60. 85, 19. O. 346 ff. 30) Phintys (die angebliche Tochter des Kalli- 
kratidas, deren Schrift demnach wohl den gleichen Verfasser hat, wie die 
Miaige) k. f^ytatxo^ acacppooxSva« Stob. Flor. 74, 61 f. O. 356. 31) Polus tc. 
fiQuoQoiSvii« Stob. Fl. 9, 54. O.330. 32) Prorus n. x^« ißöofjL&8o; Theol. Arithm. 
44 (ans Nikomachus) vgl. Jambl. v. Pyth. 127. 239. 33) Sthenidas it. ßaat- 
Xiisc Stob. Flor. 48, 63. M. 536. 84) Theages tc. apsT^( Stob. ebd. 1, 67—69. 
0. 308 ff. 35) Theauo n. euotßeio« Stob. Ekl. I, 302; auch Gedichte anter 
ibreiB Namen scheinen vorhanden gewesen zu sein, da Arius Didymus b. 
KiBMBBs Strom. I, 309, C sagt, sie sei die erste Pythagoreerin, welche Phi- 
losophie getrieben und Gedichte verfasst habe; dagegen gehören ihre Apoph- 
thsgmen (fiber die Bd. I, 225, 5) nicht hieher. 36) Thearidas (wohl der von 
Jambl. v. P. 266 als Metapontiner Theorides aafgeführte; Thearidas bicss 
tber, Bach Plut. Dio 6, auch ein Bruder des &lteren Dionysius) 9t. füaeco^ 
KuM. Strom. V, 611, C. 37) Zaleukus (vgl. Bd. 1, 225, 6) Tcpooifxiov y6[uoy 
Stob, Flor. 44, 20. 21. M. 542. — Unter diese aQgeblich altpythagoreischen 
SokiifUteller haben wir wohl auch Eubulides und Megillus zu rechnen, 
▼OB denen jener Theol. Arithm. 41 und BoicTH. De Mus. II, 18, wie es scheint 
mit einer Schrift über Pythagoras, dieser Theol. Arithm. 28 mit einer k. 
«fd^v angeführt wird; ebenso Zaratas, oder Zoroaster, den angeblichen 
l^ehrer des Pythagoras, fiber den Ki.kmbks Strom. V, 599, A. Plut. an. proer. 
2,2.8. 1012. Nikomachus in den Theol. Aritbm. 43. Hippolyt. Refut. Haer. 
If2. VI, 23. S. 12. 260 Dunck., auch Pobph. v. Plot. 16 zu vergleichen ist; 
Dich Claitd. Mav. a. a. 0. mflsste es ausser Archippus und Aristäus ( — on) 
•Boh anter dem Namen des Epaminondas (als Schüler des Lysis), Gor- 
giades, Dio dorne (dem Bd. I, 243 besprochenen) Schriften gegeben haben, 
^ von diesen allen behauptet wird : cum hoc idem ienMcrint »cripto^ue pro- 
^kMu; doch mag es dahingestellt bleiben, wie es sich damit verhielt. Da- 
KCD wird in dem *04«i, von dem Syrian etwas anführt (Bd. I, 262, 1) doch 
wohl der von Jamblicb v. P. 267 im Verzeichniss der Pythagoreer aufgef&lirte 
^6giBer Opsimns stecken; zu den erdichteten Verfassern unterschobener 
Triften wird ferner der Empedotimus zu zählen sein, welchen Kljsmbns 



88 Nenpjthagoreer. 

Ein betrftchtlicher Theil derselben trftg^t den Namen des Archytes *). 



Strom. 1, 884, A anter den Anhftngern des WeissAgungugUnbens anfftthrt, Jdliak 
b. Soin. *E(j.m8ÖT. (nnd iouXiavb() neben Pythagoras als Vorgftnger des Pontikera 
HeraUides bezeicbnet, und der nach Soid. a. a. O. eine ^uacx^ axpÖoatc aobriab 
*(erwllhnt wird er anob von Olympiodor in MeteoroL I, 318 Id. Gbbg. Nak. 
Carm. VI, 286. Bd. II, 1086 Paris.); ebenso Panaces, von dem Avistid. 
QüEHT. Mus. I, S. 3 einen AuBsprncb Gber die Musik bringt, und den Pnor. 
Cod. 167, 8. 114, 18 unter d^n Quellen des StobAus nennt (TgLClsAB Grands, 
d. grieob. Rbytbmik S. 5, 4); und das gleiche gilt von Androoydes, dessen 
Buob IC. IluOaYOpixaSv 9U(jißöX(ov Nikom. Arithm. 8. 5. Jambi.. ▼. Pyth. 145. 
Tbeol. Aritbm. 8. 41. Ki.bmbns Strom. V, 568, A. Trtpho tc. Tpisctov 4 (Rhet. 
gr. ad. Speng. in, 198). Apostol. prov. Vllf. 34, o. Mant. Proverb. n, 81 
(Lrdtscb Paroemiogr. II, 487. 770) anfQhren, wie man diess namentlich ans 
dem Fragment bei Mai Spicil. Rom. II, XX siebt. Ein Brucbstfiok aus einem 
angeblichen Brief desselben an Alezander findet sich bei Plim. b. nat XIV, 
6, 58; ebendaher stammt wohl das Wort bei Rlkmevs Strom. VII, 718, C 
Tgl. Pldt. tranqu. an. 18, 8. 472. Auch die anonymen AiaX^Ectc 48txac\ (O. 
210 ff. M. 544 ff.), welche bald nach dem Ende des peloponnesiscben Rriega, 
also sur Zeit des Archytas, Terfasst sein wollen (vgl. Diss. 1), sind wohl 
nur dessbalb in einem, freilich schlechten, Dorisch geschrieben , um für py- 
thagoreisch SU gelten; es f^agt sich aber allerdings, ob dieses stümperhafte 
Machwerk noch der Zeit der neu pythagoreischen Schule und nicht einer spi- 
teren angebSrt. Ein Vers eines pythagoreischen Gedichts , dessen Verfasser 
nicht genannt wird, findet sich bei Simpi.. Phys. 104, b, o., einige andere giebt 
Müll ACH 6. 200. Ob den Sprfioben des „Pythagoreers Seztus** die Schrift 
eines Nenpythagoreers su Grunde liegt, ist unsicher (vgl. 1. Abth. 601, 2. 
605, 4); einen Philosophen Seztus nennt auch Synobll. 849, B. Hikbor. 
Chron. Eus. zu Ol. 224, 8 (119 n. Chr.) als Zeitgenossen Hadrian^s, einen 
Pythagoreer Seztus Jamblich b. Simpl. Categ. 49, a. Phys. 18, b, m (Schol. 
in Arist. 64, b, 10. 827, b, 10), welcher bei ihm die Quadratur des Kreises gefunden 
hatte; dieser muss aber ein wirklicher nenpythagoreisober Schriftsteller ge> 
Wesen sein. Wenn wir ihn aus dem Spiele lassen, dagegen den Phtlolans und 
Archytas und die ron Alezander Polyhistor benützte Schrift mits&hlen, so 
erhalten wir zwischen Tierzig uad fflnfiiig angeblich altpythagoreische Sobriit- 
steller mit 70 — 80 Schriften. Zu diesen kommen dann noch die 18 Briefe, 
▼on Pythagoras, Lysis, Theano u. s. w., welche tbeilweise schon Diogenes 
nnd Jamblich bekannt, Ton Okblli (Socratis et Socratie. Pythagorae et 
Pythagoreer. epistolae 51 ff.) herausgegeben sind, nebst dem anonymen ebd. 
8. 45. Nr. 87. 

1) Die uns bekannten (beiOaBLLi 8. 284 ff. Mollacb 558 ff., Tollst&ndiger 
bei Habtbbstbir De Arch. fragm. philosoph. Lps. 1688 Tgl. Gruppb fiber d> 
Fragm. d. Areb. u. d. Alteren Pythagoreer, Berl. 1840. BscKMAiiRa. a. 0.81 f.^ 
sind folgende: 1) icep> ApX^^ Stob. Ekl. I, 710. — DaTon Tersohieden sebelnt 
2} X. &px«< «bd. 722, — 8) 9C. toO Svto« ebd. 11, 22. — 4) Die Kategorioen, oder 



Piettdonyme Schrift en. ^ 

Am dieser ganzen Masse toh Büchern gehörten allen' Anzeichen 



vie rie eelbst (nach Simpl. Cat. 1, ß bavil. Phyu. 186, a, a. sich naDfiten: ir. 
Tou xavr^C. BimpliciuB giebt uns durch seine sahlreiobcn ADffihrangen ein 
. siemlieh ToUstandiges Bild von dieser Schrift; m. s. a. a. O. S. 3, C* 10, t. 15, 
P. »6,^ 19, i f. 20, a (vgl.8iiiPL. Phy». 61, b, o.). 23, f— «• 29, P- 31, ß. 82, i f. 
37, ;. 88, Y. 40, t f. 41, $. 45, i. 46, y- 6- 48, ß f. 50, 8. 53, t. 61, (. 66, i. 68, (. 
71, 0. 78,, €. 75, t. 76, t. 80 o. c ff. 83, c. 84, ß. ^. 85, o. c. 86, 8 f.^87, a. 88, a. 8. 
88, C. 89, Y f. (Das Brachetück Aber die Zeit, weiche« Simpl. auch PBys. 188, 
a, 0. Tgl. 165, a, a. giebt; Mullaob 8. 570 hat nur eiDige Zeilen daroh, eammt 
den fiüechen Citat nSImpI. in Phyu. 187^, aUt Oiiblli 372 entlehnt, wiewohl 
du grase nebat der richtigen Quellenangabe bei Habt&vstbik S. 86 su Ündea 
war). 90, s. 91, a. 92, ol 8. 93, a f. 94, e. 95, 8 f. Sie war aber aach ron «fantb- 
lieb fleiaaig gebraucht worden (Simpl. Categ. 28, c82, T^ n.O.); ebenso wird sie 
▼oaDBXjppUB (in Categ. 20, 13. 79, 14 Speng.) Bouthios (ad Arist. Praed. 114. 
Arithm. II, 41. 8. 1352) u. Andern (vgl. Bbckmajik 8. 32, c) angeffihrt, aach 
HirroLTT. Refut. Haeres. VI, 24 besieht sich ohne Zweifel mittelbar oder tin- 
mitielbar anf sie; Themistins Jedoch hatte (nach Bo8th. Categ. a. 4. O.) ihren 
Verfasser in einem Peri^atetiker Archytas vermuthet. Aus SiIipl. Cat. 87, a. 
88, s sieht naan, dass sie Jflnger war, als Andronikns, und diesen bentttst hatte 
(ttnnpLfreUich meint: nnigekehrt); nach aenaselbeta 82, e. 53 e scheint sie aach 
ans Athenodoma and Eadorns (1. Abth. 520 f. 548, 6) geschöpft ao haben. 
l)iese lltere pneudo-archyteische Schrift Aber die Kategorieen gab dann An- 
läse sn dem gans spftten and elenden Machwerk, welches als Schrift des Arohy- 
tss Aber die Kategorieen (0. 278 if. M. 570 f.) adf ans gekommen ist. Habtb«- 
«nii 71 f. bah die Schrift iv. xoO itavrb« fBr dieselbe mit der it. toO imo^ aiir 
seheinen beide Terschieden sä sein. — Gleichfalls Verschieden Tun jener, aber 
uiTerkennbar das Werk des gleichen Verfassers, war 5) die Abhandlung «. 
Tfiv avtcxsc|j.^vcov, welche den aristotelischen sog. Postprädikamenten eat- 
■precfaend ron Simpi.. Categ. 97, ß-e. 99, ß f. 100, y f- 104, ß. 105, ß--*8. 110, 
)• 111 asgeführt wird. Jamblich jedoch unbekannt war (Simpl. 108, y> Sohol. 
i« Ar. b8, a, 24). — 6) H. (&a6T)|A&r(DV. Ein Bruchstttok davon b. Stob. Plor. 
48, 185; da« gleiche führt Javbl. it. kocv. {Aoe6. (Villoisoh Aneod. 11, 202 T]^. 
dens. In Nleom. S. 6 Tennul. ▼. Pyth. 160) aus der Schrift it. |jLaOi){Mmx6v, 
PospHTa. in Ptol. Harm. 236, der es am ▼olistltndigsten mittheilt, ans der 
Mrüt X. (iA8i2(AaToc^C au; der Anfang dieses Stücks findet sich aber aach in 
NsoM. Inat. Arithm. I, 3. S. 5 f. aus dem apj^ovtxov des Archytas, so dass dem- 
Bieh alle diese Beseiohnungen auf das gleiche Werk sn gehen scheinen; Tlel'> 
Ideht ist af}(Aov(xov der richtige Titel; Vgl. ChamXlbo b. Athiss. XIII, 800 f. 
Kbendaber stammt wohl, was sonst musikalisches tou A. angeführt wird; m. 
B- darllber BaoaMANM 8. 82, b. Habtcnsteih S. 45. 7) Nach Tbko Math. II, 49, 
8. 166 hatte A. ^v t^ ntp\ 8<xä8oc Aber die Bigenschai^en der Zefansahl ge- 
bändelt — 8) 0. voS xb\ a{<y8i|9sci>( Sron. Ekl. I, 784 f. Jambl. in Villoisov 
Aneod. II, 199. Auf dieee Schrift scheint sich auch Schol. in Plat. B.411 Bekk. 
fts bestehen. — 9) fl. av8pö( aY«i6ei xa\ id8a{piovo« Sros. Flor. 1, 7li<— 81. 



^Qj Neapythagoreer. 

nack ni|r «inige wenige, nur eine oder 9wei von den Schriften das 



8^ 76, 116, 27. ~ 10) n. 90f la« Jambl. Protr« KV, 89 ff. PoRPB.in Ptol. Utriii. 
3J6; ein Theil des gleichen Braohstüoki wird aber von Stobäns einer gleioh- 
namigen Sohrift der Periktione (vor. Anm. Nr. 29) »agetheilt; dieselbe mnas 
dennaoh unter beiden Namen im Umlauf gewesen sein. — 11) D. nfti$e<{ac«i( 
^Otitiic ^Tos. Flor. 1, 70 f. Exo. e Jo. Damaso. II, 18, 120. Die gleiche Schrift 
isft es vielleicht, welche Pbilostb. t. ApolL VI, 81 a.d. T. 6)c^ ica{&a>v a^wy^ 
anf&hrL — 12) U. vöjjiou xa\ dtxatoauvijc Stob. a. a. O. 48, 182—134. 46, 
61. ~ 18) n. «öXcüv Yon Atbbn. IV, 184, e ausdrücklich dem F jthagoreer 
Arch. beigelegt — 14) Die awei Briefe b. Dioo. III, 22. VIII, 80. — Aus 
der AnfQhrang b. Stob. Ekl. 1, 12: ^i% x^v 'Apx^'^^^ Siorcpißöjv'' kann man 
auf eine arcbyteische Schrift u. d. T. Ai«Tp(ßa\ nicht mit Sicherheit aohliessen» 
djpnn dieses Wott könnte auch nur n Abhandlungen** bedeuten, oder es könnten 
die diatpc^ dos Archytas, ähnlich wie die 7cu6aYopixa\ aicof d(9>t( des Aristoxe- 
mis, eine von einem Dritten rerfasste Sammlung archyteisoher Beden sein ; 
noch weniger beweist Abist. Metaph. VIII, 2 g. G. fflr eine eigene Zassmmen- 
stellnng yon Definitionen« Allerdings scheinen aber die Mitbeiinngen bei 
AmsT^ a. a» O, De sensu c. 6. 445, a, 16. ProhL XVI, 9. Tbkofbe. MeUph« 813. 
1^. JCunsMUs bei Simfu Phys. 98, b, m. 108, a, o. (Bd. I, 325, I, Schi. 255, S. 
317, Ijarchyteische Schriften voransausetsen. Auch was CjcCato 12, 89. LftL 
28, 86 angeblich aus mündlicher Ueberlieferung von A. anführt, ist ihm ohne 
Zweifel auf schriftlichem Wege angekommen; aber dass ihm eioe Sobrifi des 
Arobytas selbst Torlag, folgt daraus um so weniger, dadie^rste, ausfährlicbere, 
Ton diesen Angilben aus Aristoxenus geflossen su sein scheint (Tgl. Bd. I, 
244| 3). Bestimmter weisen die CiUte bei Tb£o Math. S. 27. 80 nnd Stuak ia 
Metaph. (b. Beakois De perd. Arist. libr. 36. Arist. et Theophr. Met. ed. Brand. 
II, 825, wenn hier 'Apx,i{Ta( und nicht 'Ap)^GUvtTO( au lesen sein sollte) , flber 
welche man Bd. I, 250, 2. 262, 1. 268, 1 vergleiche, auf (pseudo-) archyteisobe 
Sehriften ; ob aber diese unter den ans bekannten oder ausserhalb ders«lbea 
Bu suchen sind, Ulast sich nicht sagen. Wenn endlich Gijludiak. Man. 
De ftata an. II, 7 von Archytas sagt: in eo opere^ quo^ magw^am^ de rermm 
natura prodidU^ poft muUam de numeriä utUiseiwwuique (oL eubtUUe») die j i ul q 
tion^m, ffOnima'^, inquiif ^ad exemjphtm utwue annpotiia eUf quae $ic iUoealUer 
domiwUur in corpore^ iieut unu# in numeris'*, so werden wir dieses Werk nicht 
mit HARTBBSTBur S. 98 in dem Buche n. toO icovTb^ suchen dürfen, welches 
nach dem obigen vielmeh r. eine Kategorioenlehre enthielt, sondern es mnss eine 
eigene. Schrift gewesen sein; derselben Schrift ist vielleicht die Definition der 
Seele bei Job. Lrnus De mens. u. 6 (6; S. 21 und die Angabe des Stobäus SkL 
I^ 878 über die Tbeile der ^cule entnommen. In welchem archytcitfcheja Buche 
sicli das ff^&XTov ad>|ia (Pobfh. Sohol. in Plat. 8. 488 Bekk.) und die Ewigkeit 
der Welt (Cbbsorib. di. nat 4, 8) gelehrt fand, erfahren wir nicht: ein lohte« 
kjuin es keinenfaUs gewesen sein« Die Mechanik (Vnauv. VII, praef. S, 165) 
und die Achrift über den Landbau (VAaac R. &. I, 1, 8. Coi,uiijili.a B. B. I, 
1» 7) werden voi^ Dioa. VUl, 82 awei andern gleichnamigen MUnnem beige- 



Mtkt fMt alle entnomoieii sind '), ibi;eB angeblicheii Verluiam; 
alte lUNrigeii dagegen, vieN^olii mit «jner eMsige« AuMaftoie ^))* 



^|l^wlkm4 Varro nad (ans ihm) GolnmeU» die letztere «nsdrflckUcli dem, 
Pythagoreer sawei«en; ob die Notix bei Atbbm. XIII, 600, t anserem oder ei- 
Bern «ödem Arcbytae (etwa dem von Dioo. a. a. O. genannten Musiker) ange- 
biit, iat aiemliofa gleiobgüUig. Die 'O^^oprottx^ schreibt aiiob Anum. Xtf; 916, d 
Didbt den taretitniieoben PIHloMpheo an. 

1) VgL Bd. 1, tili ¥o» den «obriAea, dar^ Titel uaa gaaünai wc^daa»^ 

katm aar dia Hannoaik (n, |iafii)|MnR3(iic) oad Tielleiebt anob dia ScbriO ^* ^^ 

uSo(, di« Maahanik aod die Scbrift ttber den Landbau, von den erh^lteqen 

BmehstAcken können ausser den wenigen Angaben des Aristoteles und Ende- 

BDI, nur die aas der Harmonik stammenden flir ftcbt gebalten werden. DI«- 

IMtMeit der flliflgea aoi«i0t üAr ämtch AU biAerigea VarbaodlmigeD Mb»- 

ntoband fbrtgaaMH wa mimi daaa anofa die •neaerea Bettm^gsireratoba tm dia«, 

•im BrgeboiM »icbta ladem, iat ^ a. 0. geaeigt wordea« Kber möjDbte man, 

frigen, ob aveh nur die Fragmente der Harmonik (von der Sclurift Aber die 

Zebnsahl ist keines erbalten) Aobt seien. Indessen entbalten sie, wie mir scheint, 

aiehts, was der Annahme Ihrer Aeobtheic ini Wege 8tllnd% ate QnfersoAolden- 

neb Tielmehr in dieser Besiehnng sehr an ihrem Vortbeil ron den flbrigea ar* 

ebyiriMkeia Bniohstfiokao, wAbread .aadttreiMeita amab darcb ttaMfta gairgwie 

wabrsebeinlich wird, dasa scboa nm das Ende des Tlertaa Jabrhwpderu miah, 

teens Eine Sabrift dieses Inhalts Ton Arobytaa bekaani war» denn auf eine 

nlehewirdeaaielidoehirahlbaBiebeii, wenaQnAiauMa (Abenden Bd. 11, b, 727, 

t)b. Atnca; XIII, 600 f. vaa 'Apxt^iQC i «pfMvixec redeu Dass 2«iiaoifM;nua 

laii. Aritina. 1, 6 daa Anüuig der von Poara. in. Ptok Harm« 2a6 mitgetkeilUa 

Stile ia einer abweioheadeiiRaoeiiaion giabt (Tgl. HAaTaasTAia 8. 40 f.), kaa% 

P9m die AaolMlMU des Bmahatfloka.niobte bewaiaen, da Porphyr jedenüall«, 

4as aipi€ngliakare bat; aad waao ISvaa. FIok. 4S, 186 mit dam Fragment bei 

JftasL. in Vii«LoiaoB*s Aneod. II, 202'eiae weitere, niejit damit aueaipmea-. . 

Uageade Aoaeiuandersetaung verbindet, so bat er wahrfcbeinlicb awei or- 

ifiiaglieb niahi sosaiaBa^geiiöriga Anaaflge versobmolaen , Toa deaen sich 

■Mt ansmaobeD lAaat, ob beide aaob nur deraelbev Schrift eatnamwen siodr- 

2) Daaa aiMh diene aanmt aad aandsm antarsohohea saiea, bat neaerdii^ 
taiAAasGBim>T (die angebliche Sobriftatellerei des Philolaua, 1864) in eia* 
fftbeBdar Woiae sa aeigen Teraacbt« Ich muaa es jedoch mem anderea Orte 
vübsbakaa, die Qrflnde «oaeinaadersnaetaen, welche miob abbaltea, aeineia 
(fitbflil fiber dieselben belsiitreteB. Dem Bruchstfick bei droa. Ekl. I, 480 
^ibe iah ealbat aUeidiaga seiae DnAohtbek aaabgewieaen (Bd. 1, 260, 2. 80&, 1); 
■caat aber sobeinen mir Ton den uns natar Pbilolaas* lifaaien flbcrliafartei^ 

ekl paM klaiaara gea<ganden (jliwid aar ^aawai^FUV ■v 



6) Die Aeaaaemng dea Bazitben^ welche ATnaa. IV, 167, c aoa Klearqk 
(«1 800 ▼. Chr.) miMhaiU, gehOrt allerdiaga wohl, einer ftcbtcn Schrift an, 



fMI' Nevpytbagorear. 

•dieiiMi ■ttleradidbeii gewesen n «ein; rom denM wcniffsttfof, 
welch« aicb'gM» oder theilnreise erkdlen biibeii,itehi iliefi'eviser 
Zweifel ^). Die Urbebersokaft dieeer Untersohiebuig wird mm 
aber nicht mit Gruppe ') Mos ganz wenigen Personen Enfichreiben, 
und ebensowenig jene Schriften, ihrer grossen Mehrzahl nach, nfl 
demselben Gelehrten, statt des hellenischen aus dem jädisch-helleni- 
seilen Bildongskreis herleiten dürfen. Denn für einen oder zwei Vor- 
taMser ist nicht allein die Hasse dieser Schriften doch wohl sn 
gross, sondern andi ihr Inhalt und ihr« Perm zu ungleich f); und 
weit entfernt, einen jüdischen Urspmhg zn verrathen, enthalten sie 
vielmehr zahlreiche Aeusserungen , welche mit dem jüdischen Mo- 
notheismus unvertraglich sind , und von keinem Juden niederge- 
sohrieben sein können^). Wir werden deoHiacb in dieser pien- 
donymen Literatur das Werk verscMedener Schriftsteller ms 
der neupythagorefscben Schule zu sehen haben, welche wohl 
meistens dem letzten Jahrhundert vor Christus und dem ersten 
nach Christus aYigehörten ^); etwas genaueres lässt sich aber selbst 



wemi sie tberhaiipt einer Otthrllt unter Bnxltliea»' Namen entnommen tot; nbor 
eben dleeee ist nnsicher. 

1) Vgl. Bd. I, 800 ff. 

3) Pragm. d. ^roh. 188 ff. Die Sobriften «ber die Kete^orieen und die 
je. ävTtxec|Atfvtt>v, eder ▼ielmehr eine dem Andrenikvfl untersefaobene Sohrift, der 
Simplieins eHe seine Aolttbrangen an« den arobyteleeben Kategorieen entnom- 
men habe, soll nmob Gvüp^b Ton einem Phttoniker/ alle ftbrlgen »ollen «on 
rfnem aiezandriniacben Juden nm dae Jnfar SO tL Chr. Terteeet sein. BHmi 
jfidlicben Uriprong der meieten peettdopytbagoipeieallen Bfleber TennatlMl 
aaeb LuTTEamics, Nenteat. Lebrbegr. I, 871, indem er wie Tomebmlicb von 
Etoenem Yerfaast glanbt. 

8) Beiaplele von Abweiobnngen in dem Lebtinbalt der TeraohiedeBeB 
nenpytbagoreiaeben Sohriften werden nna tiefer nnten nfiebt gana wenige vor- 
kommen; anob in ibrem Ton nnd ihrer Bpraobe «nteratdietden eie eicb aber 
merklieb von einander. 

' 4) Aneh bieiPttr werden, aneaer dem entaobeidenden S. 08, 1 angefübiten, 
a)^ter noch weitere Belege gegeben werden. Bbendabin gebort die mit dam 
Jftdiacben SobSpfangsbegriff so nnvertrftgliobe Lebre Ton der Ewigkeit der 
Welt, die in mehreren der pwendonymen Sobriften, wie wir finden werden, mit 
grossem Hachdmek rorgetragen wird. 

6) fn diese Kelt scheinen wenigstens die erbahenen psendop^agoraiaolMn 
Brucbstfioke fast darobaoa au gehören; dasa ea allerdinga ancb aohon Mber 
nntersohobene pythagoretsehe Sobriften gab, beweisen die des Pjptbagoras, 
welehe sohon Hernklides Lembns (b. Dto«. Vtfl, 6) «nfitbrt. 



Apolloniuff liaderatu»; tVikomaohiit. ;M 

im Betreff ihrer AbfaMUttgazeil nur bei wenigen , in Beireff ihrer 
Terftoer hei keiner etnsigenvon dKesen Sehriften puflnaitteliL Da- 
gegen ifl zn yennulhen , dase die meisten derselben in Alexandria^ 
•b der wehreoheiniiohen ursprAnglichen Beünath des nenen Fytiui- 
goramnis, verfiisal worden, «ifed ebendaher werden wir nne neben 
ioderem anch die Anklänge an die hellenistische Denk- und Aus* 
dnicksweise, welche in ihnen vorkommen, zu erklären haben '). 
Weit kleiner als die Reihe der angeblichen Altpythagoreer^^ 
Mater denen sich llfinner der nenpyth«gt)reischea Sohnie versteckl 
htben, ist (fie Zahl derer, welche uns unter ihrem eigenen Namen 
als Pythagoreer dieser spateren Zeit bekannt sind. Neben den firu'- 
lier besprochenen ro mischen Pythago reern sind ApoUonius von 
Tyana*} nnd Hoderatus^) aus dem ersten, Nikomachna*) 



1) Wie die Polemik dos «ngebUohen Onatas bei Stob^ EkL 1, 96 geg«n 
die >/|ovtEc Iva Ofbv eI^ aXXa (a^ R6>.XtiK) welche sieb bei einem Alexendrinar 
woiigsteiM d«Dii leicbter, als bei andern, begreift, wenn die Schrift det 
Onata« niebt erst in der Zeit Terfasst wurde, in dei daa Christentbnm scboa 
die Aafimerkaamkeit auf Hieb geaogen hatte. 

2) GauppK a.a.O. 129 ff. saobt seiae Bypotbese von einer jfldleoben Her* 
kiaft der meisten pythagoreifchen Pragmente aaeb dnrob den Naobwefs in 
■tfitseo, dass sie in Spraehgebrauch und Gedanken mit Pbilo, den LXX und 
dea N. T. Tsnrandt seien. Für diesen Zweck reioben nnn allerdings seitia 
Msge «m so weniger aus, da bei Philo, und auch schon in der Weisheit 
äahMBo's, vielmehr umgekehrt einClinfluiäidesNeupytbag^reismns anminebmen 
iM(t.B.); aber der aleaLaadriuisob-beUenistiscbe Charakter Jener Bruchstücke 
g«bt allerdings au» dem, was er betgebracht hat und noch weiter beibringen 
lianate, hervor. 

5) Auch von ihm wird später, bei Gelegenheit der Sehrilt des Pbikistratus 
tber iha, su sprrt^hen sein. 

4) liodervtos aus Gades (PoRrn. v. P. 48. Svnrfl. Btb. de nrb. Fdidcipa) 
Boaa aar Zeit Nero*s oder Vespasian's gelebt heben , da Plut. qu. conv. VIII, 
7} I einen seiner Bebttler redend eiafttliTt. Seiner 11 (oder nach ^tepli. 6) 
Bfleher Ou^oxopouliv ^fok&'i erwähnen Pobtr. und Stbpb. a.d. a«0. vgl. Perph. 
b> Boa. pr. ev. VI, 19, 8. BmobBtüeke daraus b. Ponra. v. P. 48 f. Bihfl. 
PV 50, b» u. 0TOB. Bkl. I, 18. 889 f. 

6) Nikomaobns (aber den Pabbic. Bibl. gr. V, 429 ff. s« vgl.) stammte aus 
^tviaaiB Arabien: rcp«o«|v<K Ut ««in stehender Beiname in den Titeln aeiiier 
<)ehrif^ (vgl. Ast s. Nikom. Arithm. 206), TheoL Arithm. 88. 48. Pbot. 
tlibL Cod. 187 q. 5. Als angeaehener pytbagoreisoher Bchriftsteller wiril er 
▼OB PoHFB. b. Bus. pr. ev. VI, 19, 8 neben lloderatns genannt. Da Apal^fns 
Min« ArtAmetik fibersetste (CassionoB. Arithm. T. II, 566 u. Gatet; naoh 
Ulm lainoB Orig. III, 2), mus« er vor der Zeit der Amonine gelebt haben; die 



90 N«apyth«gor«er. 

wohl m dem , was er aus dem ällern Pythagoreismna entlehnte, als 
in den Bestimmungen , durch die er über die ganze bisherige Phi- 
losophie hinausgieng, in jenem Offenbaningsgiauben und jener 
religlfis^ft-lMystik, deren eigenthümlicher Charakter schon oben be- 
sprochen wurde. 

Die Neupythagoreer selbst freilich wollten für treue Schüler des 
alten samischen Philosophen gehalten sein : eben um ihre Lehren 
als altpythagoreisch darzuthun, wurden jene zahllosen Unter- 
scjiiebungen von Schriften vorgenommen, welche alles beliebige, 
mochte es auch noch so jung, und mochte sein platonischer oder 
aristotelischer Ursprung noch so bekannt sein, unbedenklich^inem 
.Pythagoras und einem Archytas in den Mund legten. Aber doch 
konnten auch sie das Bekenntniss, dass sie über die pythagoreische 
Ueberlieferung hinausgehen, nicht ganz zurückhalten. Porphyr 
und Jamblich berichten übereinstimmend ^ beide ohne Zweifel 
nach NikomachusO) durch die ky Ionische Verfolgung sei die 
Wissenschaft der Pythagoreer, zugleich mit den Trägern derselben, 
bis auf die vereinzelten und schwer verstandlichen Ueberbleibsel*) 
untergegangen, welche sich in der Erinnerung der wenigen ge- 
retteten erhalten hatten , da sie bis dahin nicht schriftlich darge- 
stellt, sondern als Schulgeheimniss im Gedächtniss bewahrt worden 
sei. Erst jetzt haben jene , um sie nicht ganz der Vergessenheit 
anheimfallen zu lassen, ihre eigenen Erinnerungen in Schriften 
niedergelegt, und auch die Bücher der älteren Lehrer gesammelt; 
sie haben aber dieselben nur ihren eigenen Nachkommen hinter- 
lassen, und diesen anbefohlen, sie keinem Fremden mitzutheilen, 
was auch wirklich lange Zeit nicht geschehen sei. Hiemit ist ein- 
geräumt, dass das, was jetzt für pythagoreisch ausgegeben wurde, 
früher nicht als solches bekannt war, und dass auch die angeblich 
pythagoreischen Schriften erst neuerdings in Umlauf gekommen 
waren. Das gleiche Zugeständniss liegt in der Wendung, deren 
sich Moderatus bedient, um den neuen Pythagoreismus mit dem 



1) PoEPH. V. P. 57 f. Jaubu ▼. P. 262 f. vgl. Bd. I, 210» 3. 

2) Vgl. Jambl. 231. PoRPH. 59. 

8) SfcaTcupa arca iz^m £|xu8pa xa\ 8u(0i{paTa, wie Jamblloh, und fMt wort- 
gleioh Porphyr aAgt 

-4) Die nun doeh Jtuf einmal anllreteii, wiewo(il unmittelbar Torher be- 
hauptet war» ee habe kein« solohe gegeben. 



Verhältnis» Eom anprfingliohen Pythagoreismas. tt7 

älteren inUebereinstimmung'ZU bringen. Da die alten Philosophen, 
sagt erO) die höchsten Begriffe und die letzten Grande mit Wor- 
ten nicht deutlich darzustellen wussten, so machten ae es wie die 
Lehrer der Grammatijt, wenn sie die Laute mit den Schriftzeichen 
tosdrficken, und wie die der Geometrie, wenn sie die allgemeinen 
Eigenschaften des Dreiecks an irgend einem einzelnen- Dreieck zur 
Aaschauung bringen : sie wählten sich an den Zahlen Zeichen für 
die allgemeinsten Begriffe. Den Begriff der Einheit und der Gleich- 
heit, die Ursache der Harmonie, des Bestandes und der Gesetz- 
missigkeit aller Dinge drückten sie durch die Zahl Eins aus, den 
Begriff des Andersseins und der Ungleichheit, der Theilung und 
Veränderung dureh dieZi^zahl, den des Vollkommenen, was An- 
fang, Mitte und Ende hat, durch die Dreizahl u. s. w. Auch diess 
ist eine anfreiwillige Bestätigung der Thatsache, dass man die alte 
pythagoreische Zahlenlehre erst umdeuten musste, um die abstrak- 
tere und tiefergehende Metaphysik in ihr zu finden, welcha die 
Jüngeren an ihre Stelle setzten. Wenn endlich von der gleichen 
Seite her geklagt wird , die spateren Philosophen hatten aus dem 
pythagoreischen System seine fruchtbarsten Gedanken entwendet, 
und für ihre eigenen Entdeckungen ausgegeben, ihre Darstellungen 
des Pythagoreismus dagegen aus solchem zusammengesetzt, was 
nur zu den Aussenwerken desselben gehörte, oder was ihm gar 
(ilschlich unterschoben worden sei ^, so tritt uns aus dieser 
bodenlosen Behauptung als der wirkliche Sachverhalt gleichfalls 
nor dieses entgegen , dass die altpythagoreischen Lehren unseren 
Neapythagoreern im ganzen genonmien zu etwas nebensachlichem 
oder gar völlig unhaltbarem geworden waren , und dafür solche 
Bestimmungen die höchste Wichtigkeit für sie gewonnen hatten. 



1} B. PoRPH. ▼. P. 48—52. 

2) PoRPB. «. a. O. 58. Porphyr erörtert hier, ohne Zweifel nooh nach 
tfoderatiii, die Frftge, wie man sich das Erlöschen der pythagoreischeu Schule 
»1 erklären habe, and nachdem er einige anderweitige Gründe dafür angeführt 
hst, fAbrt er fort: ;cpbf hl toiSto(( tov IlXarccova xai ^AptatoxA?) llffsüoi^ncdv te xat 
'Api9tö^ov xa\ Scvoxpa-n), cü( ^aotv o! ITuOaf^pfiot, xa [a^v xdipm^Aa o^ETepCaacoOfti 
iui ^aE)(^itac ^Tcioxeuijt, la d^ Ini^cöXaia xa\ iXafpa xa\ Zqol npb{ Staoxiu^v x«^ 
X^cvao|tbv Tou StSoioxaXsiou uiio X(5v ßaax^vtov Ootepov auxo^avToviVtuiv «poßaXXc- 
toi, ouvoTfa'fttv xa\ o)( Tdia x^; alpeoecj^ xaxax.(*>pt9ai- 

Pkaet. d. Or. lU. Bd. 8. AM>. '^ 



98 Neapythftgoreer. 

welche sich nicht bei den alten Py thagoreern , sondern nnr in der 
nachsokratischen Philosophie fanden. 

Es zeigt sich diess gleich bei der Frage nach den letzten 
Gründen. Den alten Pythagoreern hatten in dieser Beziehung die 
Zahlen und die Elemente der Zahlen genagt; die neuen fähren sie 
selbst auf höhere Ursachen zurück. Auch sie zwar setzen als die 
allgemeinsten Principien die Einheit und die ,Zweilieit, welche 
letztere, niatch dem Vorgang der alten Akademie 0, die unbe- 
stimmte Zweiheit genannt wird. Aber ist schon dieses, wie Mode^ 
ratus selbst anerkennt 9 streng genommen ein Hinausgehen über 
die ursprünglich pythagoreische Lehre, so erweitern sich ihnen 
überdiess jene beiden Begriffe zu metaphysischen Kategorieen von 
der allgemeinsten Bedeutung. Mit dem Namen der Einheit soll der 
Grund alles Guten, aller Vollkommenheit und Ordnung, alles 
dauernden und ^inverönder liehen Seins bezeichnet werden, mit dem 
der Zweiheit der Grund aller Unvollkommenheit und Schlechtigkeit, 
aller Unordnung und alles Wechsels: jene wird der Gottheit, dem 
Geiste, der Form, diese der Materie, als der Wurzel alles Uebels, 
gleichgesetzt ^). Die Eigenschaften des Eins sollen sich in den un- 
geraden, die der Zweiheit in den geraden Zahlen, wiederholen^}. 
Von diesen entgegengesetzten Urgründen gehen sie dann weiter zu 
der Gottheit, als der einheitlichen Ursache alles Seins fort; ihr 
Verhaltniss zu derselben wird aber verschieden bestimmt. Mach 
der einen Darstellung ist das Eins oder die Monas selbst das Ur- 
wesen, welches sich verdoppelnd die Zweiheit hervorbringt, die 



1) Vgl. Bd. II, a, 476, 1. 667, 4. 

2) Bei Stob. Ekl. I, 80 sagt er (denn nach den Sc^lussworten 8. 24 gebdrt 
ihm auch diese noch): die vccocepot (Plato und die Platoniker) hfttten die 
Monas und Dyas als Principien der Zahlen aufgestellt, die Pyth'agoreer da- 
gegen n^aof icopa xb £^( Tat tcov Spcov IxOeaei;, BC tSv otpTto{ ts xtä ne^ivztk 
vooCvTou. 

8) Man TgL hierüber, was S. 74. 97 and Bd. I, 259—268, vgl. 864, 4 
AUS Alezander Polyhistor, 8eztus, Moderatus, Eudorus, den platarohiscben 
Placita, dem angeblichen Arohytas u. A. angeffihrt ist; ferner Hipfoltt. 
Refut. Haer. I, 2. S. 10 Dunck. ebd. VI, 28. S. 260 (angeblich nach Pythagoras 
und Zaratas; In beiden Stellen wird die Einheit die mttnnliche, die Zweiheit 
die weibliche Zahl genannt, wie diess schon von Xenokrates geschehen war, 
s. Bd. II, a, 667, 4). Ps. Pllt. v. Uom. 146. 

4} Ps. Plut. a. a. O. Modbbatüs b. vorl. Anm. 



Die letsteu Grtinde; die Gottheit. ' 99 

wirkende Kraft, welche sich an ihr ihren StoflTgieblO; und diese 
ursprüngliche Einheit ist von der abgeleiteten , welche selbst Glied 
des Gegensatzes ist, zu unterscheiden*). Andere dagegen stellen 
die Gottheit, nach dem Vorgang des Aristoteles und des platoni- 
schen Tüngus , als die bewegende Ursache dar, welche die Form 
und den Stoff zusammenführe ^), den Weltbildner, welcher die Idee 
mit der Erscheinung verknüpfte *") ; oder sie unterscheiden auch, 
mit den Stoikern, Gott und die Materie einfach als das Wirkende 
und das Leidende ^). Die Einheit der höchsten Ursache ist allge- 



1) 80 der Pytbagoreer des Alexander und des Sextas, Eudorus, die Pia- 
ciu, Hippoljtiis (Orig. Philos.), Brontinus u. A.; vgl. S. 74, 2. Bd. I, 259 f. 
261, 3. 262, 1. Ebenso Justin cohort. 19 (Pjtb. nenne die Monas 0LpyJ^^ 
»cxvTcov). Nikora.ichas b. Phot. Cod. 187, S. 143, a, 24 (die Monas sei der 
vo5(, cTt« xei\ apO€VÖ67)Xu< xa\ Oeb^ xa\ C»Xv) ^i tccoc). Ders. Tbeol. Aritbm. 8. 6. ^ 
Diese Qleicbstellang des Einen mit der Gottbeit findet sich zuerst bei Plato 

und seinen Sohfllem; ygl. Bd. II, a, 458, 1. 2. 667, 1. 

2) Auch hierflber Wurden söbon Bd. I, 260, 2. 263, 1 die näheren Nacb- 
weisungen gegeben, es ist dort aber aucb gezeigt, dass die Neupy tbagoreer iu 
dieser Beaiehung nicht einig waren, indem bei den einen die Monas, boi den 
andern das Iv der böhere Begriff war. Anf eine Ähnliche Unterscheidung 
fShrt es, wenn nach Nikomachus in den Tbeol. Arithm. B. 44 das TcpoTÖYovov ^ 
h als Yolikommenes Abbild der höchsten Schönheit Ton dem Weltschöpfer 
zuerst hervorgebracht wurde.. 

3) 80 der angebliche Archytas k. ap)^(üiv b. Stob. Ekl. 1, 710 f.; vgl. Bd. I, 
K)l f. Nachdem hiervon den zwei »pX^^^v ^^^ i'^a^onoCo^ und xaxo7cocb(, der 
Ferm ((lop^a») und Materie (tf>.a, a>a{a, ^aTa>) gesprochen ist, führt der Ver- 
fasser fort: da weder die Materie von sich aus an der Form theilhaben, noch 
diese sich jener mittbeilen könne, so müsse es eine dritte Ursache geben, 
welche den Stoff gegen die Form bewege, TAütav tk Tav 7cpa>Toiv tS fiuvap.'. x«t 
xaBuxEpT^tov €l|uv Txy diXXov* ^vofxoJ^eaOai $' aCidiv no6ax6i Osöv* (Scrre Tp^^ ^9'/M 
ifyiVf ^8ij, TÖv TS 8sdv xot Tav iorti} twv npay\jL&xu^ xa\ Tav (xop^&v. 

4) TiM. LocB. De an. m. Anf., wo zuerst die Idee, Materie und s^iiinliche 
Eneheinnng unterschieden werden, und dann S. 94, B geschlossen wird: 7cp\v 
UV wpovbv Y^v^Bai Xöycj) {^rr^v Itia te xa\ ZXa xa\ 6 Oeo; 8a(i.ioupYb( Ta> ßeXTiovo^. 
Vgl. ebd. 97, £. 

5) Diese geschiebt bei Ocellus De Univ. 2, 1, wenn er die f^eat; und 

die Mol ysy^osco^ unterscheidet, jener die Veränderung, dieser das unver- 

InderKche Beharren als Merkmal zuweist, und daraus schliesst: Sti rsp\ pilv 

^ o^Ttav -^i f ^v^9eco( to tsoieiv xa\ to xiveIv laTt , nt^ h\ xo Se^6|A£vov t^v y^ve^iv 

t^ Q K&ayjtfv xa\ to xiv^orOai. Aehnlicb in dt»r Stelle der arcfayteischen Schrift 

fiber die Kategorieen, welche Siupl. Catcg. 84, ß anffihrt: to (jl^ isii ttoicov, 

*6 Ä 1C&9X0V • oTov ht TdU ^uaixtft; «otÄ)v jxiv Oeo« , n&ajo^ 8e a öX« , xa\ Ttoi^ov 

17 ♦ 



100 Neapythagoreer. 

meine selbstrerstandliche Voraussetzung 0; doch hindert diess un* 
sere Pythagoreer so wenig, als andere, zugleich auch Yon den 
Gdttern als einer Mehrzahl zu sprechen 9 und der strengere Mo- 
^-"^-vnotheismus, welcher sich weigert, neben dem höchsten Gott weitere 
Gotterwesen anzuerkennen, wird sogar ausdrucklich zurück- 
gewiesen, indem neben dem Einen unsichtbaren Gott in den Ge- 
stirnen sichtbare Götter anerkannt werden, die in seinem Dienst 
stehen')- Ihrer Natur nach ist die Gottheit ein rein geistiges, 



ttk xat n^ioxov xa oiotx,^- (Die stoische Pftrallele daso 1. Abth. 3 19, 5.) Doch 
treffen wir hier neben dem Wirkenden and Leidenden anch die Form und den 
Stoff; Gateg. 28, f f. führt Simpl. ans derselben SohHft an: toc te yop oioioc 
ivxi 8ia90pa\ Tp6i(* a piv yap Iv CXa, a $i H'Op^oc, a 8i ouvaii^öiepov ^x toütwv 
(▼gl. 81MPL. Phys. 61, b, o.: Arohytas theile die Substanz in die fSXi], das 6%oc 
und das oüvOstov). Beides wird dann, wie in der Schrift iz. i^X&^ (vorJ. Anm.) in 
der Art verbanden, dass an Form and Stoff, den zwei natürlichen Ursachen, die 
Gottheit als bewegende hinzutritt; Biupl. Gat. 20, a: ^Ap-jKjJxa^ i^v noaav ou9iotv 
ou9ixi(v TE xa\ a^oOijTix^v [ — T^v] xa\ xtVTixix^v dcTcoxaX^' ^uaix^v [jl^v t^v xaxa t^v SXr^v 
xa\ xo ttBo^ X^Y^^Y alodTji^v ZI ijjv oOvOeiov, x(vi]tixjjv t\ t^v voEpav xa\ aocofiaxov, 
fe>C ahicsi oSaav xivifaccoc, x^( xaidc C<*>^v e^^oivotoufjivY)^. Auch bt;i Alezander 
Peljhistor (Dioo. VIll, 24), SifiZT. Math. X, 277. Plut. plac. 1, 3, 15 (Bd. I, 
269, 1. 260, 1. 261, 8) wird die Monas als die wirkende Ursache, die Djas 
als der leidende Stoff dargestellt; nur dass hier die Zweiheit ebenso ans der 
uranfftnglichen Einheit hergeleitet wird, wie in der stoischen Lehre der 
Gegensatz des Wirkenden und Leidenden aus dem göttlichen Urweaen sich 
erst entwickelt. 

1) Z. B. bei Stob. Ekl. I, 840 (aas Ooellus). Ebd. 420 f. (der angebliche 
Philolaus). Ebd. 428 f. FloriL 1, 76. S. 83 Mein. 48, 61 g. £. 68, Anf. (der 
König ein Ebenbild des icp<uTO( Oeöc). 64, S. 266 m. 268 o. 66, S. 269 m. 103, 
27, Anf. n. A. Vgl. auch folg. Anm. und S. 102, 2. Dsgegen sind die Verse 
bei JusTia De Monarch, o. 2, 8. 106, G sicher jüdischen Ursprungs; eher kann 
das Fragment bei Ki^iMsas Strom. V, 611, G und das philolaischo bei Philo 
m. opif. 28, A,. falls das letztere nicht Acht ist, von einem griechischen Nen- 
pythagoreer herrühren. 

2) So in den Brachstficken bei Stob. Floril. 1, 67. S. 24 o. Mein. 48, 184 
(wo S. 138 m. die 6fo\ and 8a{|i.ovE( S. 189 a. der Zsu« vöjuoc). 48, 61 g. E. 
74, 61 g. E. 108, 26. S. 7 u. Ebd. 27. S. 10 f. 

8) Stob. Ekl. 1, 94 sagt der angebliche Onatas: seiner Ansicht nach gebe 
es nicht blos Einen Gott, aXX* el; piv h pi^tTro^ xoi xaOun^tspoc xa\ 6 xpaitfbiv 
tou Kwx6i .... o3-nK Zd xa tlfi Osb; h nept^cov tov ai^pmavta xöopbov, to^ 8* oXXof 
8io\ o( MovTSc ivT( xat* oOpavöv u. s. w. Die aber, welche behanpten, daas es 
nur Einen Gott gebe, nicht viele, verkennen den höchsten Vorzug der gött- 
lichen Erhabenheit, welcher in der Herrschaft über Wesen gleicher Art be- 
stehe. Aehnlich redet Apollonius von Tyana, in dem allem Anscheine nach 



Die Gottheit |0| 

dnrcbaas gutes und seliges Wesen 0; was ihr Verhaltniss zam 
Endlichen betriflft, so kreuzen sich in den neupythagoreischen 
Aeusserongen darüber die zwei Principien, welche überhaupt in 
der damaligen Philosophie miteinander im Streit lagen, das plato- 
nisch-aristotelische der Transcendenz , und das stoische der Imma- 
nenz. Einerseits wird Gott als getrennt von der Welt beschrieben, 
als ein Wesen, welches durch die Berührung mit dem Körperlichen 
beBeckt würde*); er wird die Ursache vor der Ursache genannt, 
es wird von ihm gesagt , dass er seiner Würde und seiner Natur 
nach über alles Denken und Sein erhaben , dass er nicht Vernunft, 
sondern höher als die Vernunft sei '). Andererseits aber identifi- 
cirt nichl Mos der Pythagoreer AjsxMißg's die Gottheit in stoi- 
scher Weise mit der Warme, welche von der Sonne aus die Welt 
durchströmt ^), sondern auch bei Sextus^} wird sie stoisch als all- 
durchdruigendes Pneuma gefasst, und ein Fragment, welches Pytha- 
goras beigelegt wird, bezeichnet sie , unter ausdrücklichem Wider- 



lehtea Brachetflek bei Edb. pr. ev. IV, 18, 1 (Demonstr. er. III, S) ron dem 
6ii^, ^ djj 3cp<5Tov l(pa(jLcv, £v{ ts ovtc xa\ xsx«^pi9{A^C|> jc^tcüv, [jieO* %v ^fitüpO^to^ai 
iot»C Xoocou^ ova^xalov, Ocbllcs De univ. 2, 2 sagt, die Welt anf ond Aber 
dem Monde dfwv xai^ei f^o«, and Tim. Lock. 96, C nennt die Welt and die 
Qestirne sichtbare Götter. Die Gestirne sind ans als Götter anob schon 8. 76 
bei dem Pythagoreer Alexander'« vorgekommen , wie Ja diese Ansicht der da- 
maligen and der früheren Philosophie gelftnüg war. 

1) Mit besonderem Nachdrack wird diese von Onatas a. a. O. herrorge- 
boben : odrb^ (iK yop h Oeö« Ivrt v6o( xfl& <|>u7^oi xa\ tb &Y6(i.ovtxbv teS 9U(AicavT0< 
xtfe|u}' xtU $uv%u( 6' oÖTtu cda^xtti x& t' IpY^) ^^ bedarf (B. 98) keines andern, 
er besteht daher nicht ans Seele and Leib, sondern ist gana Beele, wie Ja aaoh 
die Seinjbeit seines Beelenwesens dnrch die Verbindung mit einem Leibe nar 
leiden könnte. Von demselben Gesicbtspankt geht Apollonias aus, wenn er 
■« a. O. (seine Worte werden epAter mitgetheilt werden) sagt, die beste Gottee- 
▼erebrong sei die geistige; dem höchsten Gott solle man weder opfern, noch 
tbn flberhaopt mit etwas sinnlichem in Verbindung bringen, denn es gebe kein 
Natarenengniss, d'em nicht irgend eine Befleckung anhafte. Weiter Tgl. m. Ps.- 
Arebytas b. Stob. EkL I, 716: die Gottheit mfisse nicht blos voSc «ein, «XXa 
xtt^v6ftj Ti xp^ooov. Ebd. II, 66 (ans Didymns; s. 1. Abth. 546, 1). Flor. 85, 17. 
8. 143. Ebd. 108, 26. 8. 7. 108, 27, Anf. Tm. Loca. 96, C. Pldt. Nnma c.8. 

2) Apollonins; rgl. die awei letzten Anmm. 

8) M. Tgl. was Bd. I, 262, 1 aus Archänetas und Brontinus, rorL Anm. 
sas dem falschen Archytas angeführt ist. 

4) 8. o. 8. 75. 

5) Math. IX, 127; s. Bd. I, 804 o. 



iOff Neapjthagoreer. 

Spruch gegen ihre AusserweltUchkeit, als die alles darchdringende 
and beseelende Kraft 0- Auch das klingt an den Stoicismns an, 
wenn Nikomachus sagt , Gott trage alle Dinge im ^<^ime in sich 'X 
und wenn eine angebliche Schrift des Pythagoras die Zahlen durch 
die Entwicklung der in der Einheit enthaltenen Keimfonnen ent- 
stehen liess '). Denen, welche die Gottheit von der Welt trennten, 
bot sich die platonische Weltseele als Vermittlerin zwischen bei- 
den^). Der angebliche Philolaus jedoch beschreibt die Gottheit 
sj I selbst als die Seele , welche das Weltganze durchdringe und um- 
fasse, und es durch ihre Drehung mit sich herij^mführe^); cjneDar- 



H 



1) Bei Justin. Cobort. c. 19. DtL» Brnohstüok lautet hier: h (aW 660« ^ 
oiOib« tk o&X) ^ "^^^ 6]covoo09tv, ixzo^ to« SiaxooiAijoioc , aXX' iv kaoix^ 8Xoc hf 
9X<^ Tto x;>xX(f> lni9xoic6Sv itkaoL^ Tac "^vtidt&i ivxi , xpaat^ ^cov toSv SXcuv oi^cüvcüv xa\ 
ipYorcfl^ Ttüv aOxou 8uv&(ji((üv xa\ ep^wv, ap)^a icävtwv, ^v o6pav<{> ^loot^p xa\ Tcaevtiuv 
nax^p, voD< xa\ ^li^coai« töjv SXcov, xüxXeov aTr&vTcov xtvaat^. Eine wenig ab- 
weichende Fassung desselben wurde ans Ki.bubns Cobort. 47, C Bd. 1, 806 v. 
mitgetheilt. 

2) Nach Theol. Arithm. S. 6 sagte er, Gott entspreche der Mona«, «iccp- 
|i.aTixu>( 6n^^ovTa nocvxa xk sv lij ^lioei ovxa, wie die Einheit alle Zablen po- 
tentiell in sieb sohliesse. AU den Samen oder den 9fftp(AaTixdc Xö^o^ der Welt 
hatten die Stoiker die Gottheit beschrieben; Tgl. 1. Abth. 186, 4. 189, 2. 

8) Bei Sybia5 zu Metaph. XIII, 6. Arist. et Theophr. M etaph. ed. Brand. 
11,812, 81; H. u. iOö, 8. 

4) Ausser dem Msohen Timttus (De an. m. 95, E ff.), hatten auch andere 
von der Weltseele gehandelt; nach Jambu b. Stob. Ekl. I, 862 beseichneten 
sie pythagoreische Schriftsteller als eine Zahl, Moderatus als Xöyou^ icspt- 
i^OMom (die s&mmtliohen Zahlenverhftltnisse umfassend), der angebliche Hip- 
paaus hatte sie das xpiTtxbv xoa|i.oupYoD Osou opYavov genannt. Von der ^^xh 
toS navToc ist auch bei Plut. plao. I.V, 7, 1 die Rede. Dass Nikomachus in 
der nXatcovixT) 9uvav^vo>aic , auf die er seine Leser Aritbm. S. 69 u. yerweist, 
die arithmetische Stelle des Timttus über die Bildung der Seele nicht über- 
gieng, Ittsst sich gleichfalls annehmen. 

5) Bei Stob. Ekl. I, 420: die Wett ist ohne Anfang und Ende, el( 69cb 
ivb( tq5v ouyysv^cüv xa\ xpaTioiu) xa\ ovuTcepO^tcü xußspv(ü{i.Evo(. I)(^et $k xa\ tacv 
apX"^ Tof xiv^t^c t£ xa\ {UTaßoXoc 6 xÖ9|jloc eI( iü>v x«\ auve/^)}^ xa\ f^m. Sis^ 
9Cvcö(JL€vo( xa\ TcepittYCÖpicvoc i^ ap^iSico. (Dafür setzt MBJMfKK ai3{a>, besser Boss 
Arist. libr. ord. 86 $ ^X^^ ai8{ü), ein Ausdruck, der sich in der Bedeutung: 
„von aller Ewigkeit her'' auch bei Njkom. Arithro. S.S. Anatol. in den Theol. 
Aritbm. S. 84 findet.) Es wird sodann (in den Worten, welche Bd. 1, 304, 2 
abgedruckt find) weiter auseinandergesetzt, dass der unveränderliche Theil 
der Welt sich von der das Ganze umfassenden Seele bis zum Monde erstrecke« 
und dass die Seele durch ihren ununterbrochenen Umlauf die Verttnderungen 



Die Gottheit. Die Ideen. 1(KI 

stellttiig, welche tlieils an die platonischen Bestimmangen aber die 
Wtitaeele, theils an die aristotelischen über das erste Beweifende 
anknüpft, aber von beiden doch wesentlich abweicht and sich 
gleiehblte deni stoischen Gottesbegriff annähert. Einzelne combi- 
Diren aneh die Weltseele mit dem Centralfeuer 0^ «n dessen Stelle 
iQch wohl die Sonne tritt 0- 

Für die Fassung des zweiten Princips, der Formen oder^ Ideen, 
ist neben dem platonisch^aristotelischen Vorgang die pythagorei- 
sche ZaUenlehre maassgebend , die ja schon Plato und die' alte 
Akademie mit der Ideenlehre verschmolzen hatte. Mit Plato wird 
das Sinnliche und das Uebersinnliche unterschieden, das, was durch 
die Wahrnehmung, und das, was durch den Verstand erkannt 
wird: jenes körperlich und veränderlich, dieses unkörperlich, 
ewig und nnveränderlieh; und dieses unveränderliche und wahr- 
haft wirkUciie wird in den Ideen, den allgemeinen Eigenschaften, 
den Formen, den immateriellen Ursachen gefunden, welche sich 
den Dingen mittheilen, und durch welche sie allein zu dem wer- 
den, was sie sind 0. Hatte aber schon Plato in seinen späteren 



in der Welt bewirke;* und die Welt wird, als das ErseugnisB beider, to> [th 
s^. 6^ovTO( 6i((k>, Tb) 81 ae\ (xetaßiXXovTo; -^vf^cnSt^^ die hip^^iok- af8io( 96(5 te xa\ 
ftv^no^ xoT« 9uvaxoXouO{av -zS/i {ArraßXaaxixa^ ^üaio^ genannt. Schon das letztere 
beweist, dass die ewigbewegte weit umgebende Seele dem Vcrfaeaer mit der 
Qottheit zttaammeufölU. Ala die Weltaeele bezeichnet diese auch Onatas b. 
Stob. Ekl. I, 94 in den Worten, die ganz stoisch lauten: aäi^f [th y^p ^ ®<^( 
^i vöof xoc^ {'^X^ ^ "^"^ ocysti'Ovixov T(o aüp,7cavT0( %6a\t.io. 

\) M. Tgl. was Bd. I, 804, 2 g. R. 303, 2 aus Simpl. De ooelo, Schol. in 
Ar. 505, a, 32. (229, a, 37 Karst.) Stob. I, 453 angeführt ist. 

2) So ausser dem Pytbagoreer Alexander*s (s. o.) auch der Schriftsteller, 
tos dem Hippoi^tt. Refat. Haer. VI, 28 als fluOcrföpeio« Xöfoc anfUirt: Sy)(juoup- 
Yov eW t(5v Ycvojiiviov navTtov tov yjiyw^ '^ito[U'z^^f xai ap(6|iif)T^v fiXcov (so heisst 
£e Sonne, weil sie, wie im folgenden ausgeführt ist, die Eintbeilung der 
Zelt in Jahre, Monate, Tage u. s. w. hervorbringt), xa> iarripix^ai toStov iy 
^ x& x6o|up xaOffffCf iv Totc atiL>(i.aa( 4'U)(^i(v. nup y&p (fügt Hipp, in direkter 
Rede, aber doch wohl noch nach seiner Quelle bei) ^«rtv fiXio(, m^ ^Wx4* 

3) NiKOM. Arithm. I, 1 £. S. 3 f. mit Beziehung auf Plato Tim. 27, D. 
^ angebliche Archytas und Brontinus b. Stob. Ekl. I, 722. Jambl. n. xoiv. 
H. isiot. in Vji.u>i80Jf*B Anecd. II, 198 f. (nach Plato Rep. VI, 509, D S.) 
SuiPL. Categ. 95, fi und oben 8. 99, 3. 5. Stob. Ekl. I, 386. Uippol. Raftit. 
Wres. VI, 24. Tim. Locr. 93, A ff. 97, D. 



104 Neapythagoreer. 

Jahren die Ideen zu Zahlen gemacht Of so sind diese bei nnseni 
Pytbagoreern begreiflicherweise gegen jene vollends im lieber- 
gewicht. Die Zahlen und Zahlenverhdltnisse sind es, wie sie ver- 
sichern, durch welche allein die Gegensätze in der Welt verban- 
den, die Form mit dem Stoffe verknüpft, die Materie geordnet und 
geformt wurde *), Die Zahl ist das Urbild der Welt, der ursprüng- 
liche Gedanke der Gottheit, der Beherrscher der Formen und Ideen, 
das Werkzeug der Weltbildung, der Grund aller Dinge 0- Die 
KraK" und Bedeutung ^er Zahlen zu preisen , werden sie nicht 
müdeO* Aber doch können die Zahlen hier nicht in derselben 
Weise, wie die platonischen Ideen und die aristotelischen Formen, 
als etwas fursichbestehendes, substantielles behandelt werden, wei- 
ches der weltbildenden göttlichen. Thätigkeit vorangieng, so daas 
diese nur die Verbindung des Stoffs mit den Formen i>ewirkte, oder 
die Dinge jenen ewigen Mustern nachbildete, wie derWeltscböpfer 
des platonischen Timäus. Wiewohl vielmehr diese Lehrweise in 
der neupythagoreischen Schule auch vorkommt 0, so war doch im 
ganzen der vom Stoicismus so nachdrücklich vertretene Grundsatz, 
dass die letzte Ursache nur Eine sein könne, in ihr zu machtig, als 
dass sie sich bei diesem Nebeneinander der Gottheit und der nr- 
bildlichen Formen beruhigen konnte; und wenn einmal diese den 
Zahlen, die Gottheit aber dem Eins oder der Monas gleichgesetzt 
wurde, so lag es auch zu nahe, die Ideen ebenso aus der Gottheit 
abzuleiten , wie alle Zahlen aus der Einheit als ihrer gemeinsamen 
Wurzel abgeleitet wurden 0* So werden sie denn jetzt aus den 



t) Vgl. Bd. II, a, 480 ff.; fiber die pUtonische Schale ebd. 667 f. 667 f. 
688. 

2) ArobytM Stob. Ekl. I, 714. Anatolms in den Theol. Aritbm. 8. 84 f. 
unter Berufung anf Pytbagoreer. 

8) M' ft. bierflber, was Bd. I, 248, 4 angefEihrt ist, and sogleiob noch 
weiter angeführt werden wird; neupytfaagoreiBch ist wohl aach der Vers bei 
SiMPL. Phys. 104, b, o: xcxXu6i xüdifx* api6(U, nmp (lotx&pcov, ic&Tip av8p«äv. 
Vgl. Syriam, unten S. 106, 3. 

4) Proben daron werden sofort gegeben werden. 

6) S. o. 09, 8.^4. 

6) M. Tgl. die Angaben des Eudorus b. Simpl. Phys. 89, a (Bd. 1, 260, 2) 
über die Lehre der Pytbagoreer von dem Einen oder dem fticcp^Vd) 6tb( ala dem 
letsten Grand aller Dinge, und die weiteren Nachweisungen a. a. O. nnd oben 
S. 98 f.; auch die Verse b. Pbokl. in Tim. 269, B (S. 657 Sohn.; Müllach 



Ideen und Zehlen. i9& 

•elb0li«d%en Wesenheiten, wofür sie Plalo gegolten hatten, zv 
Gedanken der Gottheit. Alle Dinge in der Welt, sagtNikomachaa^), 
sind von der Voraehung und der weltbildenden Vemonfl nach 
Zahlen geordnet ; denn das Princip und das Vorbild der Dinge ist 
die Zahl, welche ihnen im Denken des Weltschdpfers 'vorangeht, 
durchaus immateriell und nur durch's Denken su erfassen, aber 
doch das wahrhafte und ewige Wesen, dem alles als seinem kdnst- 
lerischen Muster nachgebildet ist. Auch Pythagoras selbst sollte 
▼OD dem Torweltlichen Sein der Zahlen im göttlichen Denken ge- 
sprochen haben f) ; und die gleiche Annahme theilten ohne Zweifel 
alle die, welche entweder Gott allein, oder Gott und die Materie 
firdie einsigen ursprünglichen Principien hielten ^3, wie sie uns 
dena auch bei Piatonikern jener Zeit^) begegnet. Sind aber die 
Zahlen oder Ideen Gedanken der Gottheit, so können sie nicht lu- 
gMeh das Wesen der sinnlichen Dinge selbst sein, und es wird 
denbalb der M«nung ausdrücklich widersprochen, als ob Pytha- 
goras alles aus Zahlen bestehen lasse, da diese doch vielmehr 
nur die Musterbilder der Dinge seien *). An diese Auffassung der 
Zahlen- und Ideenlehre schloss sich dann in der Folge Plotin an, 
wean er unter dem Widerspruch anderer Platoniker die Ideenwelt 



l^ngm. tt. 200) Aber den Henrorgeng der Zahlen au der Einheit, und nnten 
105, 8. 

1) Arithm. Introd. I, 6. 8. 8. Aehnlich c. 4, 8. 7 : Ton den Tier mathema- 
titeheB Wiieensohaflen lei die Arithmetik die erete, od |&dvov Sti IfoiMv acdd(v 
^ ^ toC u^vJTou 6fo8 dioEvo{q^ icpeÜxooTfJvat x&v «XXiov &9wii X6yw itv« xoa(u- 
<«v ^ xapaSccy(AaTcxbv o. ■• w. 

}) npo]^d^«Y|Mi oder (c. 4) icpox^ti)(jLa , icap^iY|Mt i^yiivtnoy^. 

8) Btbias s. Metaph. XIII, 6, Arist. et Theophr. Metaph. ed. Brand. 11^ 
'l>>ii.: Pythagoraa eelbet rede In sweierlei Weise von den Zahlen; ototv (ikv 
T>f hnact xA hipyttüc^ xwv h |&ov^t 9ff6p|AaTixc5v Xd^cov tfvac f f| xh^ apcO|L)»v, 
TW »eb t^f ohaiabi «f x^< adtOY^vco^ xA dbuvuiTCD« icpocXiiXuOÖT« xA tov ht UoiX^ 
^ufi^vxd ^v clBcat 9cavTo{oif a^coptaii/vov icopaStSto^cv* Sxav Sl tb «epb ic&v- 
Tuv öxoaxdiv iv OfCq» v(|), o^' o5 xA ii oZ niena ouvx^axxou xcä ^ini xo^iv 
'^i'iov ^9p«d|A^«, xbv napoBeifl&axixbv xa\ icoii)Xiiv xe xA svax^ Octtiv xt xo^ 
^^vwv tlA xwv Ovi)xä>v Kkrstoyt ap(6|ibv avu(i.vtL Vgl. Uena. ebd. 808. Jamsl. 
in Nioom. Arithm. 1 1 (Bd. I, 248, 4). 

i) Vgl. 8. 98 f. 

6) Wie Aldnoiu; •. 1. Abth. 726. 

«) 8. Bd. I, 248, 4. 



/ 



IMI NeapythAgoreer, 

in dea gittlichen Verstand selbst verlegte, während sie Plata 
ab den Gegenstand seiner Anschauung dargestellt hatte ')• 

Indem nun so die Zahlen als das Mittelglied zwischen CSott und 
der Welt, der schöpferischen Ursache und ihren Wirkungen , süs 
das Urbild und sugleich ala das Werkzeug der Weltbildung be- 
trachtet wurden , gewann die Zahlenlehre für unsere Philosophen 
den höchsten Werth; nur handelt es sich für sie bei derselben weil 
weniger um ihre mathematischen Eigenschaften, als um ihre höhere, 
theologische, metaphysische und naturphiiosophische Bedeutung. 
Auch die ersteren wollten sie zwar nicht ausser Acht lassen: sie 
betrachten das mathematische Wissen als eine so unerlassliche Vor- 
bedingung der Philosophie, dass Aussenstehende sich beschweren, 
man finde keinen Zutritt zu ihrer Weisheit, wenn man nicht ia 
Arithmetik und Geometrie , Astronomie und Musik zu Hauae sei O« 
Wie eingehend und erfolgreich sie sich damit beschäftigten, sehen wir 
namentlich aus den zwei noch vorhandenen, in ihrer Art ganctucti- 
tigen Werken desNikomachus, der Arithmetik und der Harmonik O« 
Aber andere Ausführungen desselben Philosophen zeigen uns, und 
zahlreiche sonstige Nachrichten bestätigen es , wie viel wichtiger 
doch ihn und seiner Schuie jene mystische Zahlenspielerei war, 
welche von diesen Mannern mit dem feierlichsten Ernste, aber 
auch mit der äussersten Willkuhr getrieben wurde. In seiner arith- 
metischen Theologie hatte Nikomachus die Zahlen von Eins bis 
Zehen besprochen, um ihre tiefere Bedeutung und göttliche Natur 
nachzuweisen, um sie, wie Photids sagt, als Götter und Göttinnen 
darzustellen , und er hatte hiebei von allen den Gewaltsamkeiten 



1) PoKPBYB erzählt im Lehen Plotio^s o. 18 , er selbst habe noch als 
Schüler des Piaton ikers Longinus gegen Plotin geschrieben, um za beweisen 
5x1 ^to) ToO vou fi^^oTv^xe xoL voTjT«, er habe sich aber nach einigem Pohriften- 
wechsel mit Araelius für t*lotin*s Lehre gewinnen lassen, worüber er Ton 
Longin angegriffen wurde. Näheres später. 

2) 8o Jlstih Dial. c. Tryph. c. 2, 8. 219, B, dessen Pythagoreer aller- 
dings, wie die damaligen Pythagoreor überhaupt, mehr noch Platoniker ist, 
wenn er fragt: ?1 8ox^ xaT4<[»fia6a{ tt itov ilq 6u8aijJtov(«v ouvTeXoüvxwv , zl ji»j 
TaÖT« iipÖTov 8i8a)^6€i?j5, %, t^v ^u^V ^^"^ "^«^v «?(jÖ7)twv KtpiQKcuni xai xoii VOIJTOI? 
«dtjjv «apaoxloaatt xp^ia^pwjv, ätc* aOtb xattS^v tb xaXbv xa\ ayib 8 ioriv «yaOöv; 
Aehnliche Klagen später, mit Beziehung auf Nikomachus BcoXoYOt^luva *Ap(0|jL3}- 
Ttxa, bei Pbot. Cod. 187, S. 148, a. 

8) VgL über sie S. 98, 5. 



Zfthlenlehre. Mft 

Kftnf teleien , an welche mui in dieser wunderiichen Spekula- 
tie« liiigat gewöhnt war , den reiebiichslen Gebrauch genMcbt 0* 
Die Biatahl iai dieser und den verwandieu DarsteUuugeu sufolge 
die Gottheit, die VemuafI, die Form der Formen, das Gute, der 
l^gyo; «mpfiATixo^, das Maaes, die Harmonie, die Gluofcseligkeit ii,a. w. ; 
sie heisst Apollo Ot Helios, Attas u. s. f. ; sie kann aber auch in 
gewisse» Siatt, sofern altes aus der Binheiti wird, als die Materie, 
die Fiusterniss, das Chaos, der Tartarus, die Styx u. dgL bezieh- 
net werden, and wegen dieser Doppelbedeutung, wird sie g9rad-> 
«agerade und mMaweiblich genannt 0. Die Zweiheit iat.das Prin- j 
dp der Uof^eicUieit, des Gegensalzes, des Wechsels, de» Zuviel | 
ud Zuwenig , andererseits freilich auch wieder , wie gesagt wird, | 
die Gleiche, weil zweimal zwei so viel istt, als zwei und zwei; sie \ 
ist die Materie, die Natur, der Grund aller Vielheit und Theilung; 
sie fuhrt den Namen der Gdttermutter, der Isi&, der Ajrtemis, der , 
Demeter, der Aphrodite; sie ist die Quelle alles Einklangs der . 
Tone 9 und insofern die Harmonie und unter den Musen die. 
Ertto; sie wird unter den vier Grundtugenden der Tapferkeit ver- 
glichen, die Kühnheit und der Trieb genannt, weil sie ein Aussich- 
herausgehen und Fortstreben bezeichne; sie heisst die Meinung, 
weil in der Meinung dem Wahren ein zweites und entgegengesetz- 
tes, das Falsche, zur Seite trete '). Die Drei ist die erste wirkliche 

1) Wir sind Aber diefte Schrift, wie Bcbon S. 98,5 bemerkt ist, theils 
durch Prot. Cod. 187, theils darcb UDsere 8eoXoYoU(uva aft0[AT)Tix?i( näher 
onterrichtet. Nach dem erstercD (8. 142) handelte Nik. darin von den tO ersten 
ZabIfQ, aber nicht, wie in »einer Arithmetik, taa toI; a{3i6(iot( ^uaei Kp6^9Zi 
xflä Ouoptac ex'Tat gicouSaiac, SiE^tcuv, iXXa xk nlXiTza. Stoevoia^ oO xa0apeuoi$on}( 

^Jvod9i](, tot 8k T:pir([Loc:a rcpoc t«; Ma^ fwrcaoia^ (i^TOfjiefßsiv ^iXovsixotitfY}^ ... 
»paöicTwv 3ccp(ti0c\( a{xs{p(üy Staoictav itoxk {ikv xa np&Yjiaxa zoxk B\ tou( ^{Xoo^ 
uifipiou{ xflt^ Oso;^ u. 8. w. 

2) Vom privativen a und :coXi>(, vgl. 1. Abth. 306, 6 und Plut. De Is. 75, 
8.381. 

3) PnoT. a. a. O. 143, a, 22 ff. TbBoI. Anthm. c. 1, 6. 6'f. Theo Math. 
n,40. Moderatus b. Btob. Bkl. I, 20 f. Butberus ebd. 12 f. (xb Sv Mol %di 
?^ xflu voi>( x«\ JcXvIpco(ia). Weiteres oben 8. 74. 97 f. Bd. I, 259 ff. 
285 ff. 

4) Zunftohst ohne Zweifel , weil der SmX&vio« Xö^o; 1 : 2 das Vorh&ltniss . 
der Oktave (ap|iov{a) ist 

5) Phot. 148, a, 89 ff. Theol. Arithm.'c. 2, 6. 9 ff. Theo c. 41 und die 
weiteren ao eben angegebenen Stellen. 



108 Nenp^thAgoreor. 

Zahl, die erste, welche Anfang, Mitte und Ende hat, daher die ZmM 
der Yollkomnienheit und Vollendung 0; sie zeichnet sich vor aUen 
andern Zahlen dadurch aus, dass sie allein der Summe der ihr vor— 
angehenden gleich ist; von ihrer Anwendung bei Gebelen und 
Opfern, von ihrer Bedeutung f&r die Raumlehre, die Musik, die 
Astronomie, selbst die Ethik, weiss Nikomachus^viel zu sagen; 
auch sie wird mit allen möglichen Göttemamen in der buntesten 
Zusammenstellung geschmäckt ';). Die Vierzahl war, als die po- 
tentielle Dekas, schon von den alten Pythagoreem aufs höchste 
gefeiert worden; die späteren ixkhren diese Lobpreisung noch 
weiter aus, indem sie natürlich auch hier Analogieen aus allen 
Gebieten der Wirklichkeit und der Mythologie herbeiziehen ^ 
und das gleiche gilt von der Dekas ^). Wer nach weiteren Proben 
dieser seltsamen Weisheit begierig ist, findet solche reichlich in 
den Schriften und Ueberlieferungen aus der neupythagoreischeQ 
Schule ^). 



1) xA ^ opct^ hl icaooe tai5tY)( l^ircat xa\ Ix lavSti)« icpöctotv, lieisst et bei 
rhotius. 

3) Pbot. 148, b, 19 ff. Nikomaebng in den Tbeol. Aritfam. 8. 16 f. 

3) Prot. 144, «, 4: 4} tk TSTpo^ ic^iv aCrotc 6au(i.a |iiY(9Tov, oXXi] Oeo« inkii- 
^0«, (laXXov Sk 9C^6iO( a. s. f. Weiter vgl. m. Tbeol. Aritbm. o. 4, 8. 18 ff., 
die siob 8. 19 aaeb auadrücklicb auf ein Bracbetück des Pjthagorad und ein 
möglicberweise ftcbtes des Kliniae berufen. Tbeo II, 88." 43. Bd. I».291. 
Aeobt pytbagoreiBoh ist aucb, was Tbeol. Aritbm. 8. 24 aus Anatolius ange- 
führt ist: die Tetras beisse 8(xatooUvY}, weil im Quadrat einer Linie Ton Tier 
B^aasseinheitendie Zabl der FlAcbe der des Umfangs gleicb sei. lieber jeno 
Benennung s. m. Bd. I, 286, 8. ^ 

4) Photius, der sie 8. 144, 5 ff. bespricbt, sagt Ton ibr gleicbfalls: ^ 
(uvToi 8cx3t( oStv) hii'v oCtoI^ t3 icov, 6eo{ M^^io^ xa\ Bebe Oco>v, ott $^a X*>f^^ 
x«\ $^xa JtoScüv fi^xuXoi, aa\ $^a xatv^yopfai u. s. w. Weiteres Tbeol. Aritbm. 
c. 10, 8. 59 f. ThroIT, 89. 49. 8impl. Categ. 16, C (a«« Ps.-Arobytas). 

5) M. Tgl. ausser Photins und den Tbeol. Aritbm. Tnito II, 44 ff. nnd die 
übrigen Bd. I, 286 ff. angeführten 8cbriftsteller (denen ich bier nur noeh 
AsKLBP. 8ohol. in Arist. 559, b, 9 ff. beifügen will). Besondera ausfübrlich 
batte Nikomacbus von der Sieben- und der Fünfsabl gebandelt (Pbot. 146, 
24 ff.); über die erstere theilen die Tbeol. Aritbm. S. 48 ff. eine Ausfübrung 
aus seiner gleiobnamigen Bobrift mit, welobe siob vielleicbt bis 8. 51, Anf. 
erstreokt. Wie weit der pytbagoreiaobe Tiefsinn in seinen kindischen 8piele- 
reien gieng, seigt n. A. die Bemerkung (Phot. 144, 14. Theol. Ar. 8. 44), 
welche sich Nikomaohua Ton dem angeblioben Prorus angeeignet bat: lircoc 
bedeute eigentlich otictdic, Ton o^a6ai, und das Terlorene £ komme aaoh 



Zahlen; Weltseele; Materie, 109 

Ab eine Zahl, oder ab den Inbegriff aller ZahlenYerhaltnisie 
halten pylhagorebche Sclirifteteller auch die Weltseele bezeichnet; 
uad in der Schrift des Lokrers Timäns machte ein solcher den Ver- 
geh, mit andern platonbchen Lehren die mathematische Con- 
stroction der Weltseele als ursprüngliches Eigentbum seiner eigenen 
Schale darzustellen ^). Diese Darstellung hSlt sich aber durchaus 
an Plato, und zeigt kaum irgend etwas eigenthümliche^ 0« Andere 
nachten, wie schon früher bemerkt wurde, die Gottheit selbst 
ammttelbar znr Weltseele. 

Von Plato haben unsere Pythagoreer auch ihren Begriff der 
Materie entlehnt; Plato's eigentliche Absicht allerdings, die Er- 
scheinung des Körperlichen ohne die Voraussetzung eines körper- 
fichen Urstoffs zu erklären, wird von ihnen so wenig, als von 
seinen übrigen Erklarern in der damaligen Zeit, verstanden, und 
die aristotelische und stoische Auffassung der Materie mit der pla- 
Umischen verknüpft. Alles Werden setzt, wie Ocbllus ausfuhrt '), 
an greifbares körperliches Substrat voraus, welches von den ver- 
schiedenen Eigenschaften der Dinge, die aus ihm werden sollen, 
noch keine besitzt, ebendesshalb aber alle in sich aufzunehmen 
fihig bt, alles der Möglichkeit nach in sich trägt; and in dem- 
selben Sinn sprechen auch andere Schriftsteller der Schule von 
der Materie. Ihrer Natur nach einem unablässigen Wechsel unter- 
worfen und in's unendliche theilbar, war sie, wie gesagt wird, 
Ton aller Ewigkeit her in bestandiger ungeordneter Bewegung 
und Veränderung, bis durch die göttliche Schöpferthitigkeit die 
tn sich selbst unbewegten und unveränderlichen Formen mit ihr 
Terbonden und dadurch Dinge mit bestimmten Eigenschaften her- 
vorgebracht wurden. Nur diese Formen sind ein wahrhaft wirk- 
liches; die Dinge dagegen, welche ihnen nachgebildet sind und 



*ioder sam Vonoheiii, wenn man raaeh zähle: U (nt^* Auch die Zahl 85, 
^M Produkt Ton 6 nnd 7, hat eine besondere Bedeutung, die Pldt. an. proor. 
^ IS. 8. 1017. Theol. Ar. S. 48 aoseinanderaetaen. 

1) Vgl. ß. 102, 4. 

3) Doch mag ihre Erklärung der Elemente der Weltseele (worüber Bd. II, 
^ 494 f.) angeführt werden. Unter der oMa dl^A^ptoro« yersteht sie nämlich 
(8. 95, E) die Form , unter der (Aepiodj den Stoff, unter dem tafirbv und 6&tfpov 
ivei bewegende Kräfte. 

%) De Univ. 2, 3. 



IfO Neupythagoreer«. 

Mch ihnen genannt werden ^ sind diess nicht, weil sie keinen 
Augenblick nnyerandert bleiben, vielmehr ihrem Stoffe nach in 
einem fortwährenden Fluase begriffefi sind ). Es sind die», wie 
man sieht, gans und' gar Plato's Bestimmungen, so wie diese da- 
mals allgemein aufgeftisst wurden. 

Alles tasammengenommen finden wir in der nenpythagorei- 
schen Schule vier Principien : Die Gottheit^ die Ideen oder Zahlen, 
die Weltseele und die MateH^. Diese selbst lehren die meMeil 
auf zwei zurück : Die Einheit, welche Gott, und die Zweiheit, welche 
der Materie gleichgesetzt wird; und indem sie nuTi wieder die^wei- 
heit aus der Einheit hervorgehe« lassen, gelangen sie allerdings 
schliesslich zu Einem letzten GruiTd alles Seins. Dass aie jedoch 
nicht Mos die Entstehung der Einheit ma der Zweiheit, sondern 
auch die Entstehung der Materie aus dem Geiste schon flaiier zu 
erklären versuchten, und schon in ähnlicher Weise, wie später 
Pletin, eine vMn höchsten zum tiefsten hertibsteigende stetige Enl- 
wiklung der scl^ip(ferischen ^öltüdken Thäügkeit annahmen, ist 
ebenso unerweislich als unwahrscheinlich *). 



1) NiKOM. Arithtn. Ihirod. c. 1 f. S. 8 f. Ti«. LcTriU 98, A — 94, C. ?uvt. 
plao. I, 9, 2. 16, 1. (Stob. Ekl. I, 318. 848). Theo!. Arithm. 84 f. 

2) Vaqibbot Hifltoire do V 4eo\e d* Alexandrie 1,809 gUabt diese Ansicht 
bei Moderatas su finden. Ce phüosophe^ sagt er, compiaii avee la matiht imu 
prindpei des tliosea^ la prtfrinkre uniti supirieure h T Stre et h taute esseneef la 
teconde ktn^4 qni eei U vMMle Hre, V vnitÜigihU, les idSen, la troUihne nniti gut 
eH V äme^ et, comme lefe) participt de T uniii et den idüs. Optant h la » oI i Vk , 
Mod4ratus essayait de la ratkicker au principe divin. JHeu, eelau lui, auraii 
94par4 la quantiU, en »* en retirant et en la privant des formee et det idiee dont 
il e$t type niprhne. Cette quantit4 . . difirente dela quantit^ ideale et primitive 
^1 mbnete en Dieu^ 4tait la matih'e proprement düe. F(ir diese Darstellung 
beruft sich V. auf die Stella des Sisipljcics Pbys. f. 50, b, n. : TaütiQv ^ mfi^ 
-t9j( 6Xy)c -rijv 63CÖvoiav (die Bestimmung der Materie als eigenschaftsloser &nb- 
stans) ^o(xa9tv i^riiUvat TcpcoTot (ilv xcov 'EXXiJvdov of fluOttY^psioi, (tsTa ^\ ^eCvou^ 
6 nX^oiv, <»>( X0& MoSsp^o^ fTPopH* oSTOcy^pxttTa xoufnuOayoptCouctb 
{jilv npcoTOv Iv ^iclp tb eTvat xa\ nSaav oC9(av otKo^aiytxai- re 8k 8it(- 
Tcpov Iv, Intp iQx\ To ovT«i)( 8v xa\ vovjtbv, tot cTSi) 9V)9\v iTvat. tb 81 
Tp{tov, 87C£p laT\ <|>ux.(xbv, (jiET^x^^^ "^^^ ^^^; xa\ tcüv e?d6>V' 'djv 8k 
hcQ totStw TtXcuTa{av ^ümv, x^v xwv ataOij^v o3«av, (jLi)8k (itx^etv, ^QJla xotx* 
l|jL9aotv ^tvbiv xexo9|ASja6ac, x9]c ^v auxo1( QXf)( xou pi^ ovto( 9tp<oTcdC h x& icoofi 
ovtoc (der intelligibeln Materie) oSon]« ox{acpLa, xa\ ^t piaXXov Gicoßeßiixu^c xoä 
ano xoi^Tou. xa\ xauxa8k 6 üop^üpioc ev xco 8cux^pb> 7:ep\ QXvjc Tot xou Mo8tp^u Ttop«- 
Otf(uvo( Y^pa^ev* 2xi ßouXijOsVc 6 iviato( Xö-fo;, tue icoU f i^aiv 6 IIXAtcdv, 



Die letiten Grfinde. 111 

4. Fortietznng. Logiaohe, natarphilosophisehe nnd nptbropo- 

logische Lehren. 

In der weiteren Ausfahrang des neilpythagoreischen Stmd-- 
Punkts können wir die theoretische und die praktische Seite ihrer 



TTj» Y^vsaiv a^* SauTou twv ovtcov 9uaTi{9aa6at, xaTa axipr^Qi^ auTov 

^X«»p^9c t^v iroaÖTV)Ta, ic&vtcüv «Ot^v atepljaa^ ttjv diCtou >^')f<^^ ^^'^ 

illwv. Vaoherot besiefat aftinliofa in dem ertten Yon den zwei S&uen, welche 

Uer gesperrt gedruckt sind, und welche er als Belege ftlr sich anführt , das 

o'itoc auf MoScp^of, nnd in dem zweiten derselben sieht er Worte eben dieses 

Bchriftstellers. Allein jenes oSto^ kann nur auf ÜX^cuv gehen. Denn die mit 

ooTo; ^ap beginuende und bis zu den Worten anb töütou (nicht blos bis tcSv 

i^Mf :cich erstreckende AuseinandernerKung roII doch eilte TorangübendeAiK- 

■tge begrfinden, und diese Aueeage mflsste, wenn wir das oStoc auf Modtp^g; 

Iwzieben, in dem Mo$. Ivropä Hegen; dass aber Moderatns von Pkto and den 

Pythagoreem das vorher berichtete erzählt habe, würde durch die Worte 

ovtD( yop — hcQ toUtou auch dann nicht bewiesen, wenn mit diesem outo( Mo- 

deratus gemeint wäre; geht es dagegen auf Plato, so wird durch dieselben 

dieBdiaoptung, dass Plato die angegebene Ansicht von der Materie gehabt 

hsbe, näher begrfindet. Ebensowenig können die Worte: 8tt ßoeXi|<Wk u. e. w. 

Voderatns, sie können vielmehr nur Porphyr angehören. Denn um sie jenem 

>Qioweisen, mtlsste man den Satz: xa\ laura — y^Yps^sv erklären : ^und auch 

diese Worte des Moderatus beifQgend, schreibt Porphyrius." Was wäre das 

sber fBr eine unnatürliche Ausdrucks weise, statt des einfachen napaTtOTjai eu 

>^en : xapaO^{uvo( (wofitr ohnedem in diesem Fall das Präsens ndepoeteO^pLevo^ 

stehen mflsste) yi^pat^^yl Er wird daher vielmehr zu übersetaen sein: „Und 

tticb dieses schreibt Porphyr im zweiten Buch von der Materie, nachdem er 

die Aussage des Moderatns beigefügt hat/ Nun weist allerdings der letztere 

^Mts darauf hin, dass Porphyr im vorhergehenden etwas aus Modaratus an- 

S^Ahn hatte, und wenn wir die Worte: a>( xoi Mo8. bropii hinzunehmen, so 

*vil M wahrsoheinliob, dass Bimplicius voraussetzte, Porphyr habe das, wa» 

tt Über Plato sägt, (oSxo« ^op •— aico Toikou) aus Moderatus entlehnt. Aber 

diese Vorauasetzong ist theiis fHr uns nicht bindend, da Simpl. die Schrift des 

Moderatas offenbar nur aus Porphyr kennt, und daher soh verlieh in der Lage 

**rt sieh ein sicheres Urtheil darüber zu bilden, ob Porphyrs Darstellung 

der platonitchen Lehre wirklich aus Moderatns geflossen i^t; theiis kann auch 

Porphyr das, was er bei Moderatus gefunden hatte, gerade ebensogut im Sirni 

dei neaplatonisohen Systems verstanden und wiedergegeben haben, wie er 

^1^ seine Sehnle diese in ihren Berichten über die platonische und aristote- 

'■•ebe Lehre zu thnn pflegen. Was hier über Plato gesagt wird, lautet durch- 

>Q« BeopliitoniHch: daas die übersinnliche Welt sich in das überseiende We- 

*«Q, die oMa und die Seele abstufe, dass das Erste über das Sein erhaben, 

^ die körperliche Materie nur eine Abschattung der intelligibeln sei, das« 

die tinnlichen Dinge an den Ideen nicht theilhaben, sondern diese in jene nur 



1 1!£ Neapy thAgoreer. 

Lehre unterscheiden. In der ersteren tritt der aristotelische Ein- 
fluss noch starker hervor, als der platonische ; wie ja überhaupt 
alle späteren Philosophen ihre specielleren logischen und natar- 
wissenschafUicben Bestimmungen vorzugsweise aus Aristoteles ra 
schöpfen pflegten. Ein durchgreifendes Interesse für die Logik 
und Physik werden wir aber bei unsern Philosophen überhaupt 
nicht suchen dürfen; was wenigstens in dieser Beziehung von 
ihnen überliefert ist, beschrankt sich auf einzelne Punkte, die 
theilweise allerdings von allgemeinerer Bedeutung sind. Nach 
platonischem Vorgang werden vier Arten des Erkennens unter- 
schieden, welche unter sich eine Stufenreihe bilden: die Ter- 
nunfterkenntniss CvoOO» welche das Uebersinnliche unmittelbar er- 
greift, die VerstandeserkenntnissC^idcvoia, im<rni|i.7)), oder Abs ver- 
mittelte Denken über dasselbe, die Vorstellung C^6^o(), welche sich 
mittelbar, die Wahrnehmung C^f^OiodiO) welche sich unmittelbar 
auf das Sinnliche bezieht, und es wird desshalb die Wahrnehmung 
als das Kriterium des Sinnlichen, die Vernunft als das des Ueber- 
sinnlichen Cvoiqtöv) bezeichnet 0* In den archyteischen Katego- 
rieen hatte femer einer von den neuen Pythagoreern die aristote- 
Z^ische Kategorieenlehre nicht blos in die Literatur seiner Schule 
übertragen, sondern er hatte auch, unter Benützung ihrer spateren 
Bearbeitungen, im einzelnen manche Veränderungen mit derselben 
vorgenommen 0« Auch sonst finden sich von der logischen Tha- 



hereinsobeinen, sind ßfttse , welche sioli in der griechischen Philonophie nicht 
vor Plotin finden. Eher könnte man sich die Worte: 2t( ßouXi)OÄ( & ivtoSoc 
Xöyoc n. s. f. im Munde des Moderatns gefallen lassen; denn wenn auch in 
keinem der neupTthagorelsohen Bruohstficke etwas ähnliches yorkommt, so 
bietet doch die Ableitang der Zweiheit aus der Einheit (d. o.' 99, 1) eine Ana- 
logie dafür; aber gerade diese Worte legt ßimplicias, wie bemerkt, gar nicht 
Moderatns, sondern Porphyr bei. 

1) Arohjt. b. StoB. Ekl. I, 728. Ders. ebd. 784 f. und bei Jambi«. in Vn.- 
LOisoa's Aneod. II, 199, (Habtbnstbjk Arch. Fragm. 22 ff.); Bronttnos bei 
JiMBL. a. a. O. 198. Vgl. Schol. Bekker. in Plat. 8. 41 1. Plut. plac. I, 3, 19. 
Alle diese Stellen sind der bekannten platonischen, Rep. VI, 509, D ff., nacfa> 
gebildet, welche namentlich in der zweiten von den archyteischen Zug fflrZug 
paraphrasirt wird; nur dass, besonders bei Stob. I, 722, die Untersobetdnng 
des mittelbaren nnd .unmittelbaren Erkennens und die Bemerkung Aber das 
Kriterium beigelegt ist. 

2) Es ist bicTon schon 8. 88, 1 f. gesprochen worden. Aus dem Inhalt der 
archyteischen Schrift (fiber denPKASTL Gesch. d. Log. I, 615 f.) mag folgendes 



LoglBohei. 113 

aigtAbn werden: In seine Btnleitung hatte der Verfasser die stoiseben Us- 
teneheidangen der versobiedenen Arten der Rede, der X^n und Stdcvota u. s. w. 
«afgenommen (8. 10, i). Bei der Aufsäblong der Kategorieeii fügte -er deo 
Arittoteliscben VDrlftnfigeD Erläuteraugen (die ouaia sei oTov avOptoTcos u. s. w. 
Ctteg. 4. 8. 1, b, 27) gleich allgemeine Begriffsbestimmungen bei (sie sei cfxXfa^ 
x^nta, Sea xa6* lauxa 6f^9ti]X€v and ftbnlich in Betreff der übrigen Kategorieen 
& 16, P). Br machte femer natürlich bei dieser Gelegenheit aaf die Bedeatang 
dsrZebnsahl anfmerkeam (16, 0, welche (nach Hippoltt. Reftit. Her. VI, 34, 
besten leute Quelle, wie bemerkt, auch unser Archytas au sein scheint) sieb 
AUS der Substanz, als dem einheitlichen Wesen, durch das Hinzutreten der 
Seen aocident<*1Ien (vgl. Simpl. 40, e) Kategorieen entwickle; wobei ^ es be- 
iOBclers bedeutsam fand, dass die Zehnzahl durch das (, also mit einem ein- 
Ngen Strich, beseiobnet werde. Er besprach weiter die verschiedenen Arten 
▼OD Substanzen (s. o. 99, 6). Auf die Substanz Hess er nicht die QuantitAt, 
loodsrn die Qualität, zunächst folgen (8impl.'dl, ß. 40, (• 63i 0- ^^^ ^"^^^ 
Art der Quantltftt nannte er neben der Grösse und Zahl das Gewicht (82, t. C* 
38, Y;* Den Unterschied der f^i( und SdOeai^ Hess er fallen (61, C)- D<^> ^^ 
•teilte er bald vor bald hinter das Wirken nnd Leiden, und diese selbst be> 
uichnete er als Bewegungen (75,6. 86, e. 90. e. 91, c); auch die Deünition 
der Bewegung bei Stob. Ekl. 1, 394. Plut. pl. I, 2S, 1 stammt Tielleicht aus 
ihm. Dem icotiiv fügte er das itpdcTXEcv und Sewpeiv als Arten der jv^^yeia bei 
(60, ( f. vgl. Bd. II, b, 124). Auf das Wirken und Leiden Hess er nicht die 
Uge folgen, sondern das Haben (84, ( f; nach 75, e. 92, 8. 110, 8 jedoch 
•taod dieses noch früher). Das 7Coi> und :cot^ behandelte er mit Andronikus als 
Bestimmungen des Raumes und der Zeit (88, o. 8. 15, ß); den Raum definirte 
«r im allgemeinen als die Grenze des Körperlichen (85, e. 92, a), er verstand 
j«docb darunter (Simpl. 37, ^^ wo bei den „Pythagoreern" zunächst an Arch. 
SS denken ist) nicht die Grenze des umschliessenden Körpers gegen den um- 
»chloBseoen, sondern die Begrenzung der Gestalt jedes Dinges^ die Zeit be- 
zcicbnete er zwar mit Aristoteles als Zahl der Bewegung, aber zugleich als 
^t&TO^ tij^ Tou ffavTOf füosu)^ (88, C; die letztere Definition auch bei Simpl. 
Phys. 165, a, n., andere pythagoreische Bestimmungen bei Plut. plat. qn. 8, 
i, 3. 8. 1007. plac. I, 21. Stob. EkL I, 250; einige weitere, Aristoteles ent- 
nommene Bemerkungen in dem Bruchstück bei Sihpl. Categ. 89, y f. Phys. 
186, a, M.) Zum Schluss seiner Darstellung endlich wies er darauf hin, dass 
die almmtlichen Kategorieen, mit Ausnahme der Substanz, nur auf die Eiozel- 
Wesen, nicht auf das begriffliche Wesen odei- das Anslch der Dinge Anwen- 
dung finden (95, «). Simplicius' Anführungen aus der Schrift n. ^vxixcifjivwv 
(i. 0. 8. 89), in der gleichfalls manche Ergänzung der aristotelischen Bestim- 
ffloagen versucht war, übergehe ich, wiewohl sie verhftltuissmässig ausführ- 
lich sind. Von grossem Werth waren diese archyteischen Kategorieen übei- 
bsQpt nicht, und wo sie die aristotelischen wirklich verbessert haben, folgten 
^ wohl meistens peripatetischen Vorgängern, wie Andronikus; aber doch 
•eheinen sie die bedeutendste logische Leistung der neuythagoreisohen Schule 
feweaen zu sein. 

Pbfks. d. ar. m. B. t. Abth. ^ 



114 Neupyihagoreer. 

tigkeit der Schule einzelne Spuren 0. In ihrer Naluransicht halten 
sieh die Neupythagoreer gleichfalls fast durchaus an Plato und 
Aristoteles. Ihrem ganzen Standpunkt gemäss können sie die 
Welt und alles, was darin ist, nur als das Abbild der ewigen 
Formen, der Ideen oder Zahlen betrachten 0; die Welt wird dess- 
halb mit Plato als das beste unter dem Gewordeoeii, als der sicht- 
bare Gott gepriesen ^), es wird namentlich die Harmonie aller 
ihrer Theile hervorgehoben *), und es wird im Geist der stoisch- 
platonischen Theodicee auch das Uebel als ein wohlthätiges Werk 
der Vorsehung aufgefasst ^3. Dieses Abbild der Idee hatte nuu 
Plato, nach dem Wortlaut seines Timdus, in einem bestimmten Zeit- 
punkt entstehen lassen. Bei seinen neupythagoreischen Nachfol- 
gern finden sich von dieser Annahme nur unsichere Spuren ^3; um 



1) Das fa<?e Gerede des falschen Arohytas über den 8atz des Wider* 
spraohs, Stob. Ekl. 11, 22, kann in dieser Beziehung allerdings nicht in Be- 
tracht kommen. Dagegen findet sich bei Sext. Math. X, 262 ff. eine pytha- 
goreische Auseinandersetzung, welche Ähnlich, wie die archyttiischen Kate- 
gorieen, die allgemeinsten Gattungsbegriffe betrifft, welche sich aber hicröber 
snders erklärt, als jene. Alles, was ist, wird hier bemerkt, werde entweder 
als ein selbständiges (xstoc Sta^opav) gedacht, oder im Verhältniss des Gegen- 
satzes (^ai' IvavT^üxytv), oder in dem der Relation (np6^ ti); und nachdem diese 
Eintheilnng näher erläytert ist, wird als der höchste GattungsbegriflF in der 
Reihe des selbständig Gedachten das Sv bezeichnet,- in der des Entgegenge- 
setzten das (faov und das ovtaov, in der des Relativen die fi^fpoxf, und IXXEnjrt«. 

2) 8. 0. 99, 8. 4. 104. Bd. I, 248, 4. Tim. Locr. 97, D: m« y»? «of «fttov 
TcapÄSsiyfia xbv ?8avixbv xödjxov (die ideale Welt, die Idee der Welt) SSe 6 (opocvöc 
ffewdcOT] u. 8. w. Ebd. 94, E f. 105. 

3) Tim. Loch. 94, D ff. 105. 

4) Stob. Flor. 103, 26. S. 9 u. 

5) NiKOMACHus in den Theol. Arithm. 8. 38: Wenn die Menschen unrecht 
leiden, wollen sie, dass es Götter gebe; das Unrecht dient daher zu ihrem 
Besten, tot xaxa ap« tdt; av6ptü7:oi? xaTa ;rp(5voiav yivovxai. 

6) ZwÄr sagt Pi.üt. pl. IT, 4, 1 : FIuGaYÖpa« [xa\ lIXaTwv] xai o\ ixwtxo'i -ys- 
vijibv ßrb Oeoü tov xöajxov und 6, 2 : TIuO. a7:b rupb; xa\ toC ni^tsnou orotxstou 
[apfaa6at t^v Y^veaiv toü xöafxou]. Stob. Ekl. I, 450 jedoch steht: IluO. ^ii ^e- 
vijfov xat' iTcfvoiav ibv xöufxov oO xaTax.P<5vov, und diess ist ohne Zweifel 
das genauere: die Placita haben die unterstrichenen Worte weggelaasen^ weil 
sie Pythagoras mit solchen, auf die sie nicht passten, zusammenfassen. Daas 
aber auch Stob, beifügt: ap?aa6ai Sk •rijv y^veoiv toC xöajioü ino jcupb« u. a. w. 
beweist nichts, denn nach dem vorhergehenden wird diess nicht von «eit- 
Hoher, sondern nur von begrifflicher Priorität zu verstehen sein, und ebenso 



Ewigkeit der Weit. |td 

•0 hiafigrer und entschiedener wird dagegen yon den Sclirifistel- 
lem diefiper Schule die aristotelische Lehre von der Ewigkeit der 
WsH Tofgetraifen. Allen andern gfehi der falsche Ocellus voran, 
dessen SekriA unter den uns erhaltenen Urkunden des späteren 
^yttNlgoreiu^l1l8 nielH Mos eine der dlteslen und einflussreichsten 
ist, sondeni auch durch [Schärfe der BegrWe und des logischen 
TerfUbrens sich ausseiebnet. Wie viel ihm gerade an dieser Be- 
stimmung gelegen ist, zeigt der Verfasser schon dadurch, dass er 
seitt Buch gleich mit der Erklärung beginnt : ihm sdieine das All 
ainrerginglicb und nngeworden vot sein; er hat aber diesen Sats 
aich sehr sorgfaltig in eingehender dialektischer Erörterung be- 
grfiodet 0- Hit OceUus stimmen viele andere neupythagoreische 



kum es tioli mit WNlem DarfttoUaogeD TerlulteB, die einen WeltMifang Tor- 
aoMuetien selieiDen, wie Nikom. Aritbm. o. 1, B. 8. Theol. Arithm. 8. 84 f. 
V5I. 8. 116, 1. 2. 

Ii Die Hauptgedanken dieser Begründung sind ihm uatürlicEi durch Ari- 
•to(elea nmf tfaeilweise schcftr d&rcb Parmoaides au die Hand gegeben, aber 
doch xeagt seine ganze Ausführung von logischer Hebung und eigenem Nach- 
denken. Wenn das All geworden wä^e, sagt er 1, 2 ff., so müsste es aus et- 
was geworden sein, wenn es anfbörte, sich in etwas auflösen ; es mfisste also 
▼or and nach dem AU etwas sein, was ein Widerapmofa ist. Alles, was ent- 
steht and vergeht, ist in allmählicher Zu- und Abnahme begriffen, und diese 
macht sich in der VerSndemng seiner Znstttnde und Verhftltnisse bemerkiioh; 
•n dem Weltganzen ist aber keine solche Veränderung zu bemerken. Alles 
fihrige ist durch das Weltganze bedingt, dieses d&gegen durch nichts anderes, 
Msdem dorcli sieb selbst: ee ist in sich vollendet (oe^orsX^c) und besteht 
durch sieh, alles andere dagegen bat sein Bestehen und seine Vollendung ihm 
BS verdanken , es ist daher ewig. Wtlrde es sich auflösen, so mfisste es sich 
sotweder in ein seiendes oder in ein nichtSeiendes auflösen; aber der zweite 
Ftll ist nnmöglicb, in dem ersten wäre das All nicht untergegangen. Sollte 
es Temichtet werden, so mflsste es entweder von etwas ausser ihm vernichtet 
werden, oder von etwas in ihm; aber jenes ist unmöglich, weil nichts ausser 
ihm ist, dieses, weil das, was in ihm ist, sein Theil ist, und der Theil nicht 
ttirker sein kann, als das Qanse. Auch die Unveränderliehkeit des Himm- 
lisoheo, wenn wir sie mit der VerttnderKohkeit und Vergänglichkeit der irdi- 
ichen Wesen vergleichen, kann uns beweisen, dass das alitimfassende Ganze 
bleibt and sieb erhält, nur seine Tbeile untergehen. Da endlich die Qestalt 
der Welt als die kreisförmige unendlich ist, ebenso, aus demselbeh Gfuud, 
ihre Bewegung, femer auch die Zeit, in der sie sich bewegt, und ihr Stoff 
(0^), so rouss auch sie selbst unendlich, uugeworden und unvergänglich 
Min. Vgl. auch e. 8, 1. 2, 22. 

8* 



116 Meap7thftgore«r. 

Scbriflen und Angaben überein 0^ und schon um die Mitte des 
ersten Jahrhunderts v. Chr. galt die Ewigkeit der Welt als allge- 
meine Lehre der pythagoreischen Schule und wurde als solche 
dem Stifter derselben beigelegt '). Im Zusammenhang damit wird 
auch die Ewigkeit des Menschengeschlechts behauptet, dabei werden 
aber verheerende Revolutionen in einzelnen Landern zugegeben *). 
Wir werden finden, dass der Neuplatonismus auch hier den Nea- 
pythagoreern und mit ihnen Aristoteles folgt. 

Wollen wir etwas genauer in die neupythagoreische Phj^Ur 
eingehen, so begegnet uns zunächst bei einzelnen Schriftstellern 
der Schule die gleiche Ableitung der Raumgrdssen aus den Zahlen, 
wie sie nach pythagoreischem Vorgang schon Plato und seine 
nächsten Nachfolger versucht hatten *") : der Punkt sollte der Ein- 
heit entsprechen, die Linie der Zweiheit, die Flache der Drei-, der 
Körper der Vierzahl, denn die Linie entstehe, wenn sich ein Punkt 
zu einem zweiten bewege, die Flache, wenn sich die Linie seit- 
wärts zu einem dritten, der Körper, wenn sich die Fläche aufwärts 
zu einem vierten Punkt bewege ^>; oder nach einer anderen Wen- 



1) So der angebliclje Pbilolans n. ^\ty(Tfi bei Sjob. Ekl. I, 420, «-elcber 
die Ewigkeit der Welt genau so, wie Ocellns 1, 11, und wahrecbeinlicb mit 
ausdrücklicher Erinnerung an diese Stelle beweist: out6 f^p rvToo6sv akXa Tic 
■ ahioL Suva^ixcüT^pa aCTöic [t^( ^'^X^C "^^ xöajAOu] e^peGiffvETai out' cxTooOev ^öeipai 
auTov SuvafJiiva. Ferner Arcbytas bei Censorin. di. nat. 4, 3 und ArtatAon bei 
Stob. Ekl. I, 428 f. ; der letztere gebt zum Erweis unserer Lehre vom Begriff 
dur apx^^ aus, die ai}ioTsX^( und daher a-^iv^xoi sei (was tbeils an Ocellni», 
thcils an Plato Pbädr. 245, C f. erinnert). Als eine solche ap)^jj mfisse nun 
Gott immer bewegen, die Welt mitbin ewig sein ; denn wenn er nicht immer 
bewegte, wäre er einem Wechsel von Anstrengung und Erholung unterwor- 
fen, dann aber könnte er selbst nicht ewig, nicht apx4 ^^i»- Auch der falsche 
'i'juÄus deutet aber an, dass ihm die Welten tstehung, von der er 94, C t re- 
det, keinen zeitlichen Anfang bedeute, wenn er 94, B ssgt: np\v &v «upocvby 
YCVcaOai, Xö^o) ^anjv IMa. te xa\ OXa xa\ 6 666(. 

2)'Varbo R. R. II, 1, 8 und Cknsobik a. a. O. vgl. Bd. I, 299, wo weitere 
Belege aus Tertnllian und Theophilus beigebTacfat sind, und oben 114, 6. 

8) OcBLL. c. 8. Varro a. a. O. 

4) Vgl. Bd. I, 296. 11, a, 616, 6. 481, 8. 669, 2. 684, 5, Xenokrates be 
ueffend auch Thbmist. Du an. 66, b, u., welcher aus seiner Schrift ic. fvotw^ 
eine mit der platonischen (a. a. O. 481, 8) übereinstimmende Ableitung der 
LKnge u. s. f. aus der Zwei-, Drei- und Vierzabl anfährt. 

5) Pythagoreer bei Sext. Math. X, 278 ff. VII, 99. Pyrrb. III, 1&8 f. 



PhyiikAÜtohe Annahmen. t17 

dmi;: ron den Zahlen sollten die Punkte erzengt werden, von 
diesen die Linien, von den Linien die Flachen, von den Flächen 
die körperlichen Figuren 0- In den regelmässigen Körpern 
werden von einzelnen neupythagoreischen Schriftstellern mit Phi- 
lohms und Plato die Grundformen der Elemente gefunden '), nnd 
sogleich wird den vier empedokleischen Elementen, nach dem 
Vorgang des Aristoteles und der alten Akademie, der Aether als 
fünfter Körper beigefügt '). Ans dem Gegensatz beider hatte Ari- 
stoteles den des Diesseits und des Jenseits, der Welt aber und 
anter dem Monde hergeleitet; ähnlich unterscheidet Ocellus^), und 
indore mit ihm ^3? zwei Theile der Welt, denjenigen, in welchem 



i) DioG. VIII, 25, B. 0. S. 74. 

2). Dioe. a. a. O. Stob. Ekl. I, 450 f. Aof dieselbe Constiuotion weist 
«b«r tmeh Oocllfs 1, 18 in den Worten, welche sich nnr ans der platoaiBchen 
Lehre (Tim. 56, D ff. Tgl. Bd. II, a, 514, 2) erklttren: nOp (Uv Yotp tU Sv «u- 
ipX.^K>(vov a^pa aTcoyew^, a^p hl fSSojp, t)$ü>p hl y^^* ^^^ T^( hl ^ aOr^ nepio- 
8«{ Tr,s iircaßoXYJf H-^^ xvpb(, S6sv ^p^ato pLeTaßoXXstv. Nur wird hier mit Ari- 
«toteles Q. A., tod Plato abweichend, ein Cebergang der BUmmtlicfaen Ele- 
oente (nicht bloB der drei obvn) in einander angenommen. 

8) Stob. a. a. O. , der allordings sunftohst eine bekannte philolaiscbe 
SteOe (Bd. I, 297, 5) ajif Pythagoraa fibertrftgt; PoBPif. bei dem Sefiol. Bekker. 
io Plat. S. 438: xh ic^{i9rcov awpia... xb 6n' 'ApiorotAouf xa\ 'Apx^i'cou tt^ayö- 
iuvov. Philostb. t. Apoll. III, 84, 2, welcher diese Lehre den indischen Wei- 
MB in den Mund legt Ocki«l. 2, 22 f. : Es mässe in der Welt zweierlei ge- 
^i, tb icotouv Iv it^pb» t^v Y^eotv xa\ to ycvvuv (v iaux^, ein wirkendes und 
ein leidendes. Jenes sei alles über dem Monde, die^^es das unter ihm. xa hk 
t sftfot^fdv a^oiv, xoO (ikv iii O^ovxo« 6Btou (der Aether; vgl. Bd. II, b, 382, 
4. 5) x^ 8k üt (jiexaß^iXXovxof yevyjxoO xöojjlo« apa itrdv: Das gleiche wiederholt 
der sngebliche Pbilolaus Stob. Ekl. I, 422; s. Bd. 1,269, 2, auch Tim. Lock. 
H, C beseichnet die himmlischen Theile der Welt als atOepca. Andere reden 
«Herdings nur Ton Tier Elementen, wie Plut. pl. 1, 14, 2 (wo aber der Text 
naeb Stob. I, 856 %n berichtigen ist); Athamas bei Klkmrnb Strom. VI, 624, D. 
Niiov. Arithm. B. 89; Dioo. VIII, 25. 

4) C. 2, 1 : inii hk ht xf^ nayii xb piiv xoi y^em^, xb hl alxia ^ev^vccof, xflt\ 
7Mo^ (jikv Sisou fUXaßoX^ xa\ exßaoi< xtiSv 6AoxEi{jivb>v, a{x{a hl •^g^iatüi^ Stcou xoO- 
T^iTit xo5 ^oxE'.{ievou - f avepbv oxi ntpi [ih xjjv atxiav xfj( ^ev^aeco^ xb Tcot^v iok xb 
»wiiv wii, 3!£p\ hl xb Sc^öpiEvov x^)v Y^veatv xö xe «iox^eiv xa\ xb x(v^a6ai. a\ hl 
plpat o^xoD StopiT^ouat xa\ x^pouat xö xs osi^aO^^ (A^poc xoO xöa{AOu xa'k xb oeixCvT}- 
tev. Ie0fj.b( y&p ioxtv aOovaa^oic xo^ Ysveoeco^ & 7cep\ x^v aeXYJvr^v 8p6pLO{. xb ^iv av<i>- 
^ Aftip xaR(xi)( x«v xa't xb ^it ' oi<>X7J< Occov xax^tt y^vo< * xb 8 ' CTCoxaxco 9(Xtjvy|«, 
^GU( xa\ 9Ücf «K- 

5) Pa. Philolaus Stob. Ekl. I, 420 (s. Bd. I, 804, 2). Kritp Stob. FlorU. 



IIS Nenpythagoreer. 

ewige Bewegung ohne Verinderung, und den, in welchem beftfn- 
dige Veränderung herrscht, und beide werden, gleichfalb aristo* 
telisch, in das Verhältniss des Wirkenden u«d de^ Leidenden ge- 
setzt: die Welt unter dem Monde ist von der himmUaclMa ab- 
hingig, welche namentlich durch die Sonne die Verandemgen 
in ihr bewirkt ^). Ein stetiger Zusammenhang verbindet alle 
Tbeile des Weltganzen von den höchstes bis zn den niedrigaien; 
in dem gegenseitigen Verhfiltniss derselben zeigt sich eine stnfen- 
weise Abnahme der VoUkomknenheit und eine Zunahme der Ver- 
inderüchkeit und Verginglichkeii '). Damit aber meb das Sterb- 
liche in seiner Art an der Unsterblichkeit tbeitnehme, hat ihm die 
Gottheit mittelst der Portpflanzung statt der Pnvergänglichkeit der 
Einzelwesen die der Gattung verliehen ^]). Dass die Gestirne von 
unsem Philosophen, mit andern, als die sichtbaren Götter be- 
trachtet werden, ist schon früher bemerkt worden ^); in. ihrer An- 
sicht vom Himmeisgebäude folgen sie natürlich, soweit sie Ober- 
haupt darauf eingiengen ^^, nicht dem altpythagoreischen System, 
sondern den späteren Annahmen 0- Von den irdischen Dingen 



8, 76. lletopoB ebd. 1, 64. 8. 21 tn. Aach dioee Stellen beBeiehoDO die tw«i 
Tbeile der Welt, ohoe Zweifel nacb Ooelliui, tkU dM ic(xi>ni|Tav und «ocetOd;. 

X) O0BI.L. 2, 22 £ (a. c. il7, 8), wo die Sonne, AAob 4ein Vor^mag «ri- 
fttotelis€lifir Stellen {Bd. U,8dl), «I5 Haupturaaobe der Vertoderungea auf der 
£rde beneichnet wii-d. Pi.-Pfail. a. «. 0. Hippodannifl, broa, FlorÜ. JIOS, 26, S. 
7 «., wo aber sn lesen jat: j^ttpii) tat 8^ tot |j^ 6y«T^ ««e tdv 8ii£iy Ktk rät lA 
yfji inh tuv o^ovCuv. Ygl. Ariatoteles Bd. II, b, 276, 7. 

2) OcBLL. 1, 12—14, welcher so aeigen sucht, daae unter dco ifdiaolieB 
Dingen den Elementen die geringste, den Pflanaen eine miUlere, den leben- 
den Weaen die gr68Ste VergftnglicbkeU zukomme. Aristoteles, «n den sioh 
der Verfasser a««h hier sunftebst hAlt, hatte von der Fizsternsphftra anr Brda 
eine stetige Abnahme, innerhalb der irdischen Natmr eine etnf^weise Zn- 
nähme der Vollkoramenheit angenommen; vgl. Bd. 11, b, 866 ff. 82S f. 886 ff. 

8) OcxLL. 4, 2. Ps. Philol. bei Stob. Bkl. I, 422. Der Qedanke aelbst ist 
bekanatiich aristotelisch und schon platonisch; vgl. Bd. II, t>, 862, 8. 896, 4. 
II, a, 886. Aus der Stelle de» OceHns hört man selbst die Werte d«r aristo- 
telisch^ivgea« an. II, 10 heraos. 

4) 6. 100, 8. 

6) Denn Überliefert ist darüber sehr wenig. 

6) Ihrer GesUlt nach bildet die Welt eine Kugel (T«m. Loch. ]A6, C t, 
oder wie Stob. Ekl. I, 866 sagt, eine a^oftp« xor^ ^%^ v<i>^ Tiaqjtpedv «raq^iiwv, 
d. h. eine Kagel, welche aus den schichtenfdrmig Aber einander gelagerten 
Wer Elementen besteht ; nnr das oberste Feuer sei kegelförmig (Ähnlich Kle- 



Physik. Anthropologie. 119. 

bespricht Ocellus sehr eingehend die Elemente, indem er die ari*- 
stotelischen Ansichten weiter, ausfahrt O9 wogegen der Lokrer 
Timaiis C98, A ff.) ^n der platonischen Theorie nur die Gnind- 
süge wiedergiebt. Sonst scheinen sich aber diese jüngeren Pytha- 
goreef mit naturwissenschaftliüben Unterstrchongen, i^oweit diese 
bles theoretischer All waren, wenig befasst zn haben '). 

Wichtiger sind für sie, wegen ihres Zusammenhangs mit der 
Ethik, die anthropologischen Fragen. Doch bes^chränkl sich auch 
hier alles, was uns von ihnen bekannt ist, anf einige allgemeine, 
tfieik Ton Plato und der alten Akademie, Uteils von Aristoteles 
entlehnte Bestimmungen, mit denen dann weiter die orphisch-p^ 
thsgoieiadw^ysterienlehre in Verbindung gebracht wird, 'uer 
Mensch wird als Mikrokosmus bezeichnet, weil er alle kosmischen 
Krilfte, die höheren wie die niedrigeren, in sich vereinigt *); die 



uthes, 8. 1. Ahth. 171, 6; rielleicht stammt dieae Angabe ans einer etoisi- 
Tciiden Oantellimg , vorauf aneh tiae Fehltm Ats Aethera hinweist). Was das 
istroBomisclra System hetrifft^ mo wiederholt Tih. Lock. 96, C ff. natürlich die 
piatonischeii Abnahmen; der spAtor ge wohnlichen Ansicht folgt auch Pi.in. 
h. n. II, 82 (s. Bd. I, 81 S) and der Ungenannte bei Pbot. Cod. S49, 8. 489, h. 
17 (s. a, O. 303, 1, 8eh!.). 

1) Dm gemeinsame Bnbstrat aller Körper bildet nach dieser Darstellnng 
(e. 2, 8->tl) der eigenschaftslose Stoff (s. 0. 8. 109); dazu kommen dann 
swQtens die entgegengesetzten Eigenschaften (Ivamötv^tsc) , deren aber Oo. 
Hoben den Tier Grandelgenschaften der Witrme, KAlte, Trockenheit and 
Fwehttgkeit noch zwölf weitere aufzählt : ßaf)u, X069OV, &patbv, Ttuxvbv, XiCfov, 
^p«X^ oxXripov, {xaXoxdv, Xcirrbv, nayy^ e^, «{ißXü. Jene Tertheflt er in der- 
idben Weise, wie Aristoteles (Bd. II, b, 885 f.), an die Tier Elemente; diese 
betreffend, bezeichnet er das Feuer als dünn und spitz, das Wasser als dicht 
und stumpf, die Luft als weich, glatt, leicht und dflnn, die firde als hart, 
'ftub, schwer und dicht; was aber doch entfernt keind so erschöpfende Com- 
Wnation ist, wie die der vier aristotelischen Grund eigen Schäften. Hinsioht- 
Ueb des Üebergangs der Elemente in einander wird die aristotelische Lehre 
mit einigen nnerheMichen ZnsAtzen wiederholt. Dass Pytbagoras eine solche 
l'mwaDdlnng der Elemente in einander angenommen habe, versichert auch 
»TOB. Ekl. I, 414. 

2) Was etwa noch derartiges angef%ihrt werden könnte, wie die Angaben 
Aber die Lehre der Pythagoreer von den Farben (Plct. plac. I, 15, 6. Stob. 
KU. I, 862) und flher ibre Ansicht vom thierischen Samen l[plac. V, 8, 2. 4, 2. 
^ \\ ist sehr unerbcblich. Neu-, nicht altp3rtbagoreisch wird es allerdings 
lein. 

3] Der angebliche Pythagoras bei Phot. Cod. 249, 8. 440, a, u. 



1)10 Neopythagorfter. 

Seele wirä ebenso, wie die Weltseele Oi itls Zahl, niid niher als 
eine sich selbst bewegende Zahl definirt ') ; es wird bemerkt, dass 
sie alle harmonischen Verhältnisse in sich trage *>; es wird von 
Pyihagoras behauptet, dass er sie als Quadrat, von Archytas, das» 
er sie als das sich selbst bewegende, und daher als Kreis oder 
Kugel bezeichnet habe 0; es wird endlich nicht allein ihre Gott- 
Verwandtschaft ^3) sondern auch Jhre Unkörperlichkeit mehrfach 
mit aller Bestimmtheit ausgesprochen ^), wahrend sich beim Beginn 
der neupythagoreischen Schule, in dem Bericht des Alexander 
Polyhistor, allerdings auch der Einfluss des stoischen Materialis- 
mus nicht Terlaugnet ^). Von Plato wird ferner die Unterschei- 
dung des unsterblichen und der zwei sterblichen Seelentheile, dea 
Vernünftigen und Vemunfllosen entlehnt, welche auch wohl mit 
der aristotelischen Lehre vom Nus verknüpft wird ^. Ebenso 



1) & 103, ö. 109. 

S) Plut* plao. IV, 8, S. Btob. Ekl. I, 794. Nbmu. naU hom. S. 44. Two- 
DOiKT oar. gr. äff. V, 72. Pbilop. De an. C, 5, o. Tgl. Bd. I, 528. llJt Ana- 
nähme des Stobäot legen alle diese Stellen Jene Definition Pythagoras seibat 
bei, Stbihhabt PL WW IV, 877. ßbl hftlt sie wenigstens fQr altpytbagoreisoli, 
wosn wir aber, wie a. a. O. gexeigt ist, kein Recht haben. 

8) Bei Sbxt. Math. IV, 6 f.: Wie die ganse Welt von der HarmoDie be- 
berrsobt werde, so beruhe darauf auoh die Beseelung der lebenden Wesen. 
Die Harmonie bestehe aber aus den drei VerhAltnissen der Oktare, Quinta 
und Quarte (1:2, 2:8, 8: 4). Da sich nun diese in den vier ersten Zahlen 
finden, so sei in ihnen auoh die Idee der Seele nach dem harmonischen Ver* 
hftltniss enthalten. Aus demselben Qrund rfihmt Ps.-Aristftus Tbeol. Arithm. 
8. 42 Tgl. S. 86 f. der Sechssahl nach, dass sie alle VerbAltnisse der Harmo- 
nie der Seele enthalte. 

4) JCb. Ltd. De mens. o. 8. S. 21. 

5) Vgl. Bd. I, 804, 2 (Diog. Cic Sezt. Plut.) Stob. Flor. 48, 180. 

6) Ps.-Arohytas bei Gi.AaDiA.v. Mam. De statu an. II, 7; s. o. S. 90. 
Eromenes ebd.: lange aliud anima aUud corpus e«< u. s. w.; und damit stim- 
men, wie Claudian yersiohertf alle Pythagoreer fibcrein : er selbst nennt deren 
noch Anf; rgl. S. 87 u. 

7) Vgl. S. 76. 

8) Stob. Ekl. I, 848 f. (Aresas) I, 878. 790 f. 11, 860 f. (Krito). Flor. 1, 
64. S. 19 f. (Metopus). 1, 67 (Theages). 48, 62. S. 262 (Diotogenes). Plot. 
plao. IV, 4, 1. 7, 4. TiM. Loca. 99, D ff. Auch hier geht der P7thagor«er 
Alezander's seinen eigenen Weg. — Den Sita der Vernunft bAtte Pythagoras 
nach Pi.DT. pl. IV, 6,. 18 in den Kopf, den der LebenskrsA in's Hera verlegt; 
genauer hAlt sich Tam. Loca. 99, E f . an Plato. 



▲ ntbropologie« ,191 

rimi ODS die plalonischea Sitze aber die verschiedenen Formen 
des Erkennen« beiNenpythagoreern schon früher vorgekommen 0- . 
hn übrigen sind, abgesehen von dem nenpythagoreischen Auszog vx^ 
BUS dem Timaus O9 einige Bemerkungen fiber die Sinne und die 
Stimme *) das einzige, was uns von der philosophischen Anthro- 
pologie der neuen Pythagoreer berichtet wird. Hatte abe; schon 
Hato seine Annahmen über die Theile der Seele mit den pythago- 
reischen Mythen über ihre Praexistenz und ihre Wanderung durch 
Menschen- und Thierleiber begründet, so mussten sich eben diese 
Mythen seinen nenpythagoreischen Nachfolgern auch noch durch 
des allbekannten Vorgang des Philosophen, dessen Schüler sie 
heissen wollten, empfehlen. Indessen treten sie in den Ueber- 
Meibseln der Schale doch nur selten hervor^]), und der angebliche 
Timlus giebt sogar nicht undeutlich zu verstehen, dass er in 4er 
Seelenwanderung eine blosse Dichtung sehe, welche aus dem prak- 
tischen Gesichtspunkt ganz zweckmässig sei, hinsichtlich ihrer 
tkeoretischen Wahrheit jedoch mit den Mythen über den Hades 
laf Einer Linie stehe ^). 



1) 8. 113. 

5) Tm. LocB. 99, D ff. 

8) Phot. Cod. 249. 8. 4B9, a, n. legt dem Pythagorat die arittotelieobe 
l^e von den Binnen and SinnesempSnduDgen bei; Stob. Ekl. I, 1104 UU»t 
HiD jene Zu8«oimen«tel]aDg der fünf Sinne mit den Elementen , welche Ari- 
stoteles nicht recht gelingen wollte (». Bd« IJ» b, 618, 4), in etwas anderer 
Weit« Tornehmeu, indem das ätherartige Gegenstand des Gesiobta sein aoll, 
das Inftartige des Gehörs , da« feurige dei* Geruchs , das feuchte des Ge- 
Khmaeks, das erdige des Tastsinns. P7thaj;oreisohe Annahmen Aber Spiegel* 
bilder and Stimme bei Pi.ut. plac. IV, 14, 3. 20, 1. Apdlbj. De magia Ift, 
l'^(ans Archytas oder Ps.-Arch.). 

4) Neben dem, was S. 76 aus Alezander angeführt wurde, worin aber 
iie Seelenwanderung auch nur flüchtig berührt wird, gehört hieber Hippolvt. 
^'^ Bnr. VI, 25 g. E., welcher den Pythagoras (offenbar nach PkATo Tim. 
41, D) lehren llast , die Seelen der lebenden Wesen kommen von den Qestir- 
B«D< Eine PrSexiatenz des unsterblichen Seelentheils wird auch Stob. Ekl. 

1* 790 Torausgesetst, auf das höhere Leben nach dem Tode weist Carm. aur. 

70 f. 

6) Sehen 8. 99, D f., bei der Schöpfung dea Menschen, wird hier die 
HiBweisimg auf die Seelen Wanderung, Tim. 41, £ f., beseitigt, wie denn auch 
*A die i5telle der Götter, die bei Plato mit der Bildung dea Leibes beauftragt 
^«Tden, hier die f^ht^ iXXouDXtx^ tritt; und am Schluss seiner Schrift, S. 104, 



* «I 



) 



fiM Neapythagoreer. 

H&uflger begegnen wir in den nevpythftgoreischen Schriften 
dem Dimonenglaaben , welcher mit <ien Vorstellungen aber das 
«nsserletbliche Leben der Seele in so nahem Zusammenhaag steht 
Der allen orphisch-iyfthagoreischen üeberlieferung gemäss denken 
sie sich unler den Dimonen Seelen, welche den Lnftratmi zwischen 
der Erde und dem Monde erfOtlen, und welche durch ihre Nator 
ebenso, wie durch ihren Wohnort, eine MittekteHnng zwischen den 
Göttern «nd den Menschen einnehmen ^). Sie treten fiir die fy- 
thagoreer, wie für andere Philosophen jener Zeit, in allen den 
Wen an die Stelle 4er Voifcsgdtfter, wo von den letzteren solches 
aasgesagt wurde, was man mit dem reineren Gottesbegriff unver- 
trfiglich ftind, ohne es doch darum geradezu Ifiugnen zu wollen. 
Von ihnen soll alle Weissagung heri^ihren, auf sie alle Sähnnngen 
sich beziehen *)) vd der Lokrer Timius sagt geradezu, die Gott- 
heit habe ihnen die Verwattang der Welt übergeben '). Zu flirem 
6aschift gehört insbesondere, dem allen Glauben gemUss, die Be* 
iatrafang desifnrechls.*), <d^h giebt es auch b6se Dämonen, die 
zum Unrecht verleiten ^). Daneben wird aber auch wohl, wie bei 
den Stoikern, die Seele selbst als Dämon bezeichnet ^). Nikuma- 
chus bringt diesen Dämonenglauben bereits auch mit der jüdischen 
Lehre von den Engeln in Verbindung ^]). 



1), sagt dt3r Wi'ftMseT, iiacbdtm or diu homerischen SchilUeiaDgen der Stra- 
ff« im HftdeH belobt bat, weil man die, welche sieb /Inrcb wahre Reden nicbt 
vom Unrecht abbaiten laAsen, durch nnwabre davon abhalten mflüse: X^yoivro 
2* Sv ^apcatcof xa\ Ti^uopiat ^at, (o( {xsT6v8uo(JL^av tSv <|>u)^av tcov p.kv $ctXü>v i^ 
Yweux^a axAvea . . . T(ov 9k {itai^övtov i^ Oi]p{(t>v 7(i>(jLaTa n. s. w. Dann werden 
aber freilich eben diese Vorstellongon doch wieder als richtig bebandelt, wenn 
es hexest: Sbcavra Bl tauta Iv SeuWps nspiöScj} i fid[U9i^ ouvSi^xpive u. a. w. 

1) Dioo. VIII, 32 (a. o. S. 7<)f.). Ocrll. 3, 8. Ekphantus in Stob. Florit. 
48, 64. S. 266; vgl. auch Pmt. Is. et O«. 26, 8. 860. Carm. anr. V. 3. Stob, 
Flor. 48, 184. 6. 188 ra. 

2) Dioo. a. a. O. 

8) 6. 165: obv 6ae((jL09t 9caXa{jLva{oi( ^0ov{ot( ts, Tdtc ^nÖTrcaif tuv &v6p«»c{vtt>v, 
olg i 9c^t(i>v «Y^i^^v ^s^C iKivp%^ dtoixT)9tv xÖ9{jLto. Die Sa{(jLove( )^Oövtoc aach bei 
Charondlas, Stob. Floril. 44, 40. S. 183 m. 

4) Si vor. Anm. nod Stob. a. a. O. S. 184. 

6) Stob. Floril. 44, 20. S. 164. 

6) Stob. Ekl. I, 100: <oc b^oiti^ B\ xa\ 6ai[jL(uv Ivt\ a '^uyijk. 

7) In dem Brncbatfiok Theol. Arithm. S. 48 f. sagt er: Die 'Babylonier, 
Oatanea und Zoroaater nennen die himmlischen SphKren iyAttc, &( iYA.ou( 



DftmoBol^gie. Ethik. 

5. FoTtMeimnnß. Die prAlitinoh« FbilniopJiir. D»f pjrtkaf «rcMBoii« 

Ideal: Pjtbagom« nad Apolloninft. 

Da die neapytkagoreische PbibMopkic «us dm pythafordsdMn | 

ReligioBsübviigen hervoritegiuipeM rrwr, imd in kteter fisiiehmig | 

weniger auf visaensehafittblie Erkenaintai, ab aaf Heligiieft und 1 

GottgelUtigkejt des Lebens, abeidte, se hatte sie «ine beaoriderj / 

dringende AulTorderttiig, sich mit den eüftlichen Anfgahen an 

schäMgen. Und wirklich besteht ein g rosaer Tkeil nnaarer 

pythagereiacben BracbaiAcke ans ^hiaehan md pobtispfaeii Ba^ 

tracbtnngen. Aber dieae sind fast durebaus so farbbs, m» ao 

matte Wiedei'hotiing bekannter Sitae ans der akademiaohm iwi 

peripaleliacben, in geringerem liaaas anob was der atDisohenClhii^ 

dasa die Eigenthtadii^fceil der pytingoreisokea Sofanle nur in den 

wenigsten bestimmta' anm Vorscbein fconanL Die akadeauaeh«- 

peripaletiacbe Ansicbt, in ibrer weitesten Bnttamuttg Ton der 

steiscben, isl aa, wefin der atigebiiohe Arobytaa 0) nntM* Ma- 

drücklichem Widerspruch gegen die Lehre von der Apathie des 

Weiseui ansfiihrt, zur Glückseligkeit gehöre nicht blorTugend, 

sondern ancb GlOck, der Sehlechte sei ewar inmer «nglüebaeiig, 

aber der Tagendhefle ais solcher noch nidit glfickselig ^), da der 

Mensch nun einmal nicht blos ein rein geistiges, sondern zugleich 

such ein sinnliches Wesen sei; und in demselben Sinn äussern 

sich auch andere neupythagoreiscke Bmchslucke ')• Vielfach wird 

ferner in denselben die Tngend und ihre einseinen Zweige, theita 



Mta TS dnka xaXouaiy iv tote Upot« Xöfot^, xmii mp^f&xtwoiv Sk loS ^^ipfMi u 

1) Stob. Flor. 1, 70—72. 76—79. vgl. ebd. 68. 

3) Nr. 76 beifBt es sogar: der Tii|peiidlLilte sei h atv^^^ ^ xiaioS«{|M»v, 
cv V e&xu^if fuda/p*>v, ^ 21 if (lio^ ntnaax&su {tmnohm GlSek und UwjglSok) 
0^ t^SaffUüv. Dagegen Nr. 70: die Tugend eei an«r«iobeiid «ottd {X^ x«mo» 

3) UippodamuB 8tob. Floril. 108, 26, welcher die fiMUbnoni« gteiolifiille 
ftui ^iprcjj and vijr^ sosammeiiseUt ; Euryphamus ebd. S7, vrelolttr aar Aue- 
rtUtang des meBeobtioben iiabeps diaiaKIter das Leibas, BasHs, Ebre <S6Ea) and 
Freondr Terlaogt ; bei4a mk starker Ratonang des Untersefaiada awiaabea dar 
ünbedingtbeit der götUiohao «nd der Badsngtbeit dar maaaohlicben Natvr, 
dem o^ToiiX^ and odx oötotiX^. Aresas Stob. Bkl. I, 866: daa beste sei Ar 
den Mensehen die Yerbindang der iprr^ «nd ifiov^. 



nach platoniflchem, theib nach aristotelischem Hnster, besproeben. 
Die Tugend ist, wie bemerkt wird, durch Naturanlage, Uebrnig 
mid Wissen bedingt, sie beruht auf dem Vermögen, dem Walen 
und der Erkeantniss 0) die Bildung zur Tugend erfordert daher 
nicht blos Unterricht, sondern auch Gewöhnung und gute Gesetze '3- 
rAus der Dreitheilung der Seele werdey mit Plato vier Grundtugen- 
den *), und ihnen entsprechend auch vier Grundfehler O abge- 
leitet; noch wichtiger erscheint jedoch die aristotelische Unter- 
sebeidnng des Wissens und Handelns, der dianoetischen und der 
•ethischen Tugend Oi D^&g nun mit Aristoteles das Erkennen ab 
idches für das höchste erklärt % oder d&r Verbindung des wissen- 
iohäfttiohen und des praktischen Lebens der Vorzug gegeben wer- 
den ^). Die Tugenden des Erkennens fassen sich in der Weisheit 
zusammen, welche in den herkömmlichen Formeln "gepriesen 
wird ^); das praktische Verhalten hat die Einsicht zu bestimmen, 
wdche sich eben durch diese Beziehung aufs Handeln ron der 



1) Arofaytas Gsc. e FlorlL Joann. Damasc. II» 18, 120 (Stob. Floril. IT, 
SOe Mein.) Stob. Floril. 1, 64, 8. 18. ebd. 65. 67. Ueber dön freien Willmi 
aaoh EU. II, 850. Die entspreobenden ariatotelisoban Bettimmaiigeii Bd. II, 
b, 484 f. 

2) Stob. Floril. 43, 94. ebd. 98 S. 100 f. Tgl. 1, 66, wo auch ntther aus- 
' geführt ist, was jedes von diesen drei StttoI(,en eur Tagend beitrage. 

3) Metopns ^ob. Flor. 1,64, welcher nur sfatt der oo^fa, uacb stoiscbem 
0|»raohgebranob (1. Abtb. 880, 2), die fp^tft« setst; Theagee ebd. 67, S. 88 
n.; Arcbytafl ebd. 76; etwas abweichend Aresas Stob. Ekl. I, 846 f., bei 
welchem der Nus die fvci^v) und 9p6vv)oi( bewirkt, der Oufid; die aXx^ und 8ü- 
vsifuc, die iici8u(i{a statt der ota^pooiivT) den lpco{ und die ^iXo^povUvr). 

4) Metopne Stob. Flor. 1, 64, S. 20. Diotogenes t;l)d. 48, 62, 8. 862; 
beide ziehen aber cngleioh anob die Bestiuimnngon aus Abist. Etb. N. VII, 1, 
Anf. berbei. 

6) Klinias Stob. Flor. 1, 65. Alrcbytas ebd. 77 (wo die ethische Tagend 
ftobleebtweg aprri| gesannt nnd als solche von der ^m9Ti((jLY) nntersehieden 
wird.) Dera. Exo. e Floril. Joann. Damaso. II, 13, 120. 8. 207. 

6) Metopus Stob. Floril. 1, 64, Scbl. Arohytas b. Jaxbi.. Protr. c. 4, 
8. 48. 02. (Tgl. Stob. Flor. 1, 62). 

7) Arehftas Exe. e Jo. Dam. a. a. O. 

8) Der bekannten stoischen Definition (1. Abth 220, 2) entspricht es, 
wenn Arohyta« Stob. Flor. 1, 77 die ooqpta als int9r^[i.r^ tcuv OcCcov xa\ Sacfio- 
v(wv^ die fpdvf}9tc dagegen als tsctanJIiiY) tuiv ivBp«i>ff{v<üv xa\ tüjv fcsp\ tov ßtov 
deflnirt; aristotelische and platonische Bestimmongen giebt dse Bruchstfick 
b. Jambl. a. a. O. S. 54 ff. (Stob. Flor, t, 68). 



Ethik and Politik. IM 

unterscheidet 0- Di® Eigenthümlichkeit der ethisehen 
Tugend wird in mehreren unserer Bruchstücke ganz ariftotelisch 
darin gefunden, dass es 'sich in ihr um die Beherrschung der nie« 
deren Seelenkrifte durch die Vernunft handle, und es wird desshalb 
gesagt, die Affekte O^iArO seien der Stoff der ethischen Tugend *); 
diese bestehe daher nicht in der Ausrottung derselben, sondern 
darin, dass die Affekte, und namentlich die zwei Grundaffefcte der 
Lost und der Unlust, zu einander und zu der Vernunft in das 
richtige Verhältniss gesetzt werden, jedes Zuviel oder Zuwenig 
Dtch der einen oder der anderen S^ite hin vermieden werde '). 
In allen diesen Bestimmungen liegt nichts eigenthümliches und 
nichts, was die angeblichen Pythagoreer von den Peripatetikem 
und Piatonikern ihrer Zeit unterschiede, die ja gleichfalls in ihrer 
Ethik nicht allein platonisches und aristotelisches längst verknüpft, 
sondern auch> stoisches oft in viel weiterem Umfang, als unsere 
nenpythagoreischen Bruchstücke, aufgenommen hatten. Audi die 
AusTühningen über besondere Lebensverhaltnisse und Pflichten, 
welche in den letzteren vorliegen, gehen grossentheiis über die 
Ansichten und Anforderungen, welche in jener Zeit allgemein an* 
erkannt waren, nicht hinaus 0* 

Nicht anders verhalt es sich mit den politischen Erörte- 
rungen, welche uns unter den pythagore^chen Fragmenten weit 
zahlreicher begegnen, als man diess von einer in ihrer Grundrich* 
tnng der Wirklichkeit so entfremdeten Schule erwarten sollte. 
Auch sie sind ihrem Inhalte nach blos eine Wiederholung und An- 
wendung dessen, was Plato, Aristoteles und ihre Nachfolger langst 
gesagt hatten. In dieser Weise war nach aristotelischem Vorgang 
tnnichst schon das Hauswesen in eigenen Schriften besprochen 



1) 8. Tor. Anm., und Aber die bebernohendd SteUung der 9pövi}at( Btok. 
Flor. 1, 64, 8. 21. 8, 76 g. £. 

2) Metopus Stob. Flor. 1, 64, 8. 21. Arohytas ebd. 1, 77. Theages ebd. 
W. 69. 

8) 8tob. ^"lor. 1, 68. 69. 1, 64. S. 21. 48, 93, B. 100 a. 1, 71, wo sutt 
der Apathie Metriopatbie verlangt wird; vgl. hieaii Bd. II, b, 486. 489 f. 

4) So s. B. was b. Stob. Flor. 5, 69 über das Verhalten in Rachtistreitig- 
leiten, 48, 96 Tiber den Werth dar Erziehung und die sittliobe Bedeutang der 
M^sik and des Tanses, 79, 60. 62 (hier ans Plato Gess. 980, EL 981, D f.) 
Aber die Pfliehten gegen die Eltern, 108, 81 aber die Mittel aar ZofriedeaheH 
OBd Oemfltbsrnbe bemerkt iat 



Neilpyth «goreer. 

wtfdeii 0; weiter stoaien wir in den AuscAgen de» SlobiiM auf 
Mimrdisebe und poUtifcli« Bnn»hnu«gen, welche nacii Inhalt «nd 
Binkitiduiif dea Prodmien der plaloiiiadiefi Gesrel0e Q|iehgebildet 
lind 7 >ttf EmpfaUungvn^ der gesetzKeben. Ordnung*^ niipd Vor— 
achrifibao Rir die Gesetagafeinig' '); wir finden dfe ariatotetiaehe 
Bindieiking der VeriaaBaafe», unter denevr von den einen einer 
Miackveriaaamg, wi« die apartaniaeke, der Voraug gegebe« wird ^3, 
wihrand andere menaaahiaeiie Zvaünde voratiaBusetaen acheinen, 
und nicM bloa die Pflrcbtoii des Hdirigs anseinand^rsetaen, sondern 
auch, von seiner Wfirde und Erhabenheit die höchsten Vorstdltangen 
auaaprechen ^); daneben treten aber auch die platottiscben drei 
Sünde aof ^y^ wogegen sieb von den bekannten Binrichtangen des 
platonischen Staates keine Spor findet. In allem diesem ist nichts, 
was nicht jedkir Bklektiker jener Zeit ebensogut hMte sagen 
können. 

Bestimmter spricht sich dieEigenthfömlichkeitdeaNeiipytiiago- 
reisnma erst in seinem VerMiltniss zur Religion und seinen darauf 
gegründeten sitlliebeii Anfbrdemn^en- aus. Seine Tbeolg^ ist, 
wie wir gesehen haben, ein Henvfheibaiua, we!cfter after fn dem 
Glauben an die göttliche Natur der Gestirne, und nocfr mehr in 
dem für die Fytbagereer ao wichtigenr Ddmonenglauben, ein reich- 
liches polytheisüsahes Eienent ki sieh aul^enemmeh hat, nnd 



1111 1 »^- 



1) Man TgL MerSiftcv dh Sraohrtackki bus Bryion's abovofiwöf oad JttA- 
likrfttidas n dixfoy löfiocfiovUc fi^0B».Pi.0R. 86, 1>-~t9» weloho dm Hwuweteu 
nnd seine VerlittUniMO, insbesondere die Che und die Sklaverei, in ariatote- 
lisohem Sinn, aber ohne Eigenthfimlichkeit, behandeln; aaofa die Scbrifteu 
aber die Pfliobten der Frau (Periktione, Phintys; s. 8. 87) gehören bisher. 

3> Ataokifs and Cbarftn^hm FloHl. 44, 20, 46. 

3) Flor. 48, 182 f. 108, 26 S. 8 rgl. 8. 124, 2. 

4) Vgl. Archytas Flor. 48, 188. 184. Hippodamm ebd. 94, 8. 108. Die 
letstere 8ehrift scheint auch eine Aaseinandersetsang Aber die VefUnderang 
dar Verfassungen enthalten an haben, welober das Stflok PloHK 98, 71 aur 

Einleitung diente. 

6) Diotogenes, Stbenidas, Ekphantns in Schriften iccp\ ßaviXiCoc FloriU 
48, 61—64. Doch bemerkt Fs.-Arohytaa ebd. 48, 182, das Geset« stehe Aber 
dea König, da dieser anm König, sum vö(jio( I{m|^o«, nur diireb das Gesets 
werde, im Fall seiner (Tebersoh reitung dagegen Tyrann sei. 

6) Hippodamas Flor. 48, 92^94, welcher in Jedem der drei Btinde iioob 
eia«al drei Klassen unters^obeidet, aber daan (Nr. 94 g. B.) wieder, inoonse- 
qiient genug, -eine gemischte VerfasHung verlangt 



Religio DSABii eh t. fM 

wdcber zu feindseligem oder refonnatorischeiD Auftreten gegea 
die VolksreUgion keinen Zog hat 0» Sofern nun die Gottkeit $h 
ein rein geistiges Wesen gedacht ist, wird auch ihre Verekrnng in 
dem geistigen und sittlichen Verhalten des Menschen gesucht: dem 
ersten, über alles erhabenen Gott, sagt Apollonius von Tyana,jL^ 
solle man keine Opfer darbringen, und keinen sinnlichen Gc^gen- 
sland weihen, theils weil er keines Dinges bedürfe, theib weil es 
auch nichts gebe, das nicht ihm gegenüber ata unrein erscheinen 
BQsste; ihn solle man nur mit wortlosem Gebet verehren, von 
dem Besten nur mit dem besten, Was in nns ist, mit dem Geist, 
der keiner Werkzeuge bedftrfe , das Gute erflehen '> Die Gott^ 
heit, sagen andere, werde nieht durch aussereu Aufwand, swb- 
dem nur durch Tugend und rechtscbafTene Gesinnung verehrt; 
der Schlechte könne ihr keine Ehre erweisen ^; man solle sie an- 
rafen, nichl als ob üe dessen bedfirfte, sondern um durch den 
Gedanken an sie sein Gemfith au veredeln, wie es einem Wesen 
gezieme, das von ihr herstamme und mit ihr verwandt sei ^. Aber 
diese geistige Verehrung des höchsten Gottes scUiesst die iuaser* 
liehe der untergeordneten Götter so wenig aua^ dasi dieselbe vieU 



1) Vgl. 8. 100. 138. Fflr du Vei'liartnisB d^r Pythngoreer cur VolkH- 
Teligion kommt woniger das in Betrftoht» dftsi sie die heriömmlicho GU^tter^ 
▼erehrang TarAusseUfln (s. B. Carm. ant. Auf. Broa. Flot« 4S, 1S4, B« ISS m. 
44, 20. 40), häer bei Gelegenheit von Zens and andero Göttern reden (s. B. 
Flor. 48, 184. 8. 189, n. 44, 40. S. 181. 74, 61 g. E.), als die Abwesenheit aller 
Polemik gegen den Tolksthftmliohen Kultus und der Charakter ihrer eigenen, 
den dionysischen so nahe verwandten Mysterien. 

2) In dem Bruohstfick ans der Bohrift n. Ou^itSv, deren auch Pbu^stb. r. 
ApoU. III, 41. IV, 19 erwähnt, bei Eus. pr. ev. IV, 13. Dem, oy. UI, 8. (Iah 
gebe den Text nach der Bcoension ron Bittbb and Pbrllbb Bist. phil. gr.- 
Tom. §.519): oQxciH toivw (McXiora av tk, oT(jiat, t^v npopjxouatfv incfiiXfcav icoi- 
äto Tou 6e{ou vjrfyiieifoi te aOtöOsv Xkstii te xa\ e3(asvoS( aOxou xop* SvTcva o3v (xövoc 
^cvOpiujcwv, ({ 6e(J> (liv iv $^ K^&Wi tpofuy, hi te ovti xa\ My^w^usiUvt^ xovtiüv^ 
[u6* h fvcopC^eaOac tou^ Xoinou« avaYxalov, (t^ Otiot ti Tf}v dfx^^ H'^'^ av^bcxoi nSp 
Kts mOöXou ti icov a?aOiiTo>y cVovofiiaCoi - dilxai yoif o^S<vb< ouSk napk tcuv xpcit- 

'EöVbM TiJSCp ^(1^, 0U8' C9TIV t7}V OfXV Y^ aVl7)9l f UTOV )^ X^ifK C^OV i| tt^p, ^ 

^ tu {xf^ $(« TT'ipLaToc MvTC ffapa S^ toC xoXXiaiou tcuv ovtcuv 8(a tou xoXXioTOw 
^ ^ 4|uv a^ToCi) toYaOo, vou« 8^ iaxiv o5to( ^ydcvcDV (AJj Ssöfavoi« 

8) Zalenkus Btob. Flor. 44, 20 vgl. Charondas ebd. 40. 

4) Arehytas a. a. O. 48, 180. 



iS8 NenpjtliAgoreer. 

meiir gerade desshalb nothwendig ist, weil wir einer VemiiUlnng 
milder Gottheit nicht enli>ehren können; und schon der Pythagoreer 
Alexander's belehrt uns O9 dass man die Götter anders zu verehren 
habe, als die Heroön, dass die Reinigungen und Sdhnungen sich 
auf die Dämonen beziehen, und die Weissagungen von diesen Wesen 
herrühren. Je weiter ferner die Gottheit über die Welt hinaus- 
gerückt wird, um so dringender ist das Bedürfniss, dass sie selbst 
ihren Willen dem Menschen offenbare, ihm über alles, was zu 
seinem Heil dient, Aufschluss gebe; und das Mittel dazu ist die 
Mantik, die ja von altersher in der pythagoreischen Schule eifrig 
gepflegt wurde '). Aus der gleichen Anschauung ergab sich end- 
lich die Porderuhg, durch Rdinbeit des Lebens und Abkehr von 
der Sinnenwelt sich der Gemeinschaft mit der Gottheit würdig zu 
machen; und so scbliessen sich hier jene Enthaltungen und Reini- 
gungen an, welche aus den älteren pythagoreischen Mysterien zu 
den Neupythagoreem übergiengen. Doch werden dieselben in 
unsern Fragmenten weder so häufig berührt, noch gehen diese in 
ihren Anforderungen so weit, als man erwarten möchte. Der 
Pythagoreer Alexander's schreibt zwar neben Waschungen und 
anderen Reinigungen auch die Enthaltung von gewissen Nahrungs- 
mitteln vor '), aber den Fleischgenuss als solchen verbietet er so 
wenig als den Wein, wiewohl iSchon die Pythagoristen des vierten 
Jahrhunderts sich beider enthalten hatten *); wogegen allerdings 



1) Vgl. 8. 76 und Aber den Dftmonengltuben S. 123. 

2) Man yg). in dieser Bexiehang, ausser dem, was so eben au» Alexander 
und 8. 80, 1 Aber Figulus augefÜbrt wurde, und ausser den unten au be* 
rflbrenden Angaben Aber Pjthagoras und Apollonius yon Tyana, Plct. pl. V, 
1, 8: Ton Pjtbagoras werden alle Arten der Weissagung, ausser der Opfer- 
•ebau (welche mit dem Verbot der blatigen Opfer streiten wflrde), gutgebeia- 
sen ; Jambl. t. P. 98, wo Pythagoras den Abaris statt der Hieroskopie in der 
Weissagung aus Zablen onterricbtet ; ebd. 187 f.: nach Pythagoras und sei- 
nen Schülern sei der Zweck aller Lebeusvorschrifteu , die Aufgabe dea ge- 
sammten Lebens und das Ziel der Philosophie, die Gemeinschaft (6|jLcX{a) mit 
der Qottheit; man mfisse daher thun, was Gott woblgefftUig sei. laOra M oC 
^cov t!Mv«, Sv [jLij tt( 9| OtoO axv]xo^toc ^ Oeou axotSoi), l) di« T^vi)c OsCo/C ffopi- 
Ci]TBr 810 xa\ }ctp> t9)v (jtovttxjjv o7cou8a^ouai* (aövt) y«P «^tv) ip(jLY)vc{a tfjc iccp\ twv 
Otftiv 8tavo(a{ ird. 

8) 8. 0. 8. 77. 
4) Vgl. 8. 66 f. 



Ascete. Pytfaagorasideal. 199 

in einer angeblichen Schrift des Pythagoras die Fleischkost allge- 
mein untersagt gewesen zu sein scheint 0- Auch der Ehelosigkeit 
wird in keine/n Ton unsern Bruchstücken gedacht, wie ja auch die 
Sage dem Stifter der Schule selbst eine Frau und Kinder beilegte*); 
sondern neben der ehelichen Treue ') begegnen wir nur der For- 
derung, dass die Beiwohnung nicht der Lust, sondern ausschliess- 
lich der Fortpflanzung des Geschlechts dienen dürfe *> Dagegen 
soll allerdings schon Pythagoras. den Eid verboten haben, weil man 
dem Redlichen auch ohne Eid müsse trauen können ^]). 

Vollständiger hat der Neupy thagoreismus sein Ideal des philo- 
sophischen Lebens in den Schilderungen niedergelegt, welche er 
von seinen zwei j0;|M^n^ Heilijj^e^^ Pythagoras und Apollonius, 
entworfen hat. ^^ " 

Der erste von diesen ist allerdings nicht erst durch die Neu- 
pythagoreer in dieser Weise idealisirt worden , sondern schon seit 
Jahrhunderten hatte die Sage daran gearbeitet, seine Erscheinung 
in's ausserordentliche und wunderbare auszumalen; aber doch 
werden wir annehmen dürfen, dass in den Darstellungen aus dieser 
Schule, wie sie ein Apollonius, Moderatus, Nikomachus lieferten, 
vorzugsweise die Züge Aufnahme' gefunden hatten, welche dem 
Geschmack und der Denkweise derselben zusagten , und dass die- 
selben in der gleichen Richtung weiter ausgeführt und mit neuen 
Zothaten bereichert worden waren. Aus jenen Darstellungen 
sind aber die späteren, und namentlich auch die noch erhaltenen 
des Porphyr und Jamblich, wohl grösslentheils geflossen; und so 
werden uns diese jüngeren Berichte über Pythagoras und die alten 



1) Darauf aoheint Bioh nAmlich zn bezieheo, was Pobph. De abstin. IV, 
18 anfahrt: auf die Frage, wie es gehen sollte, wenn sich alle des Fleisches 
enUialten würden, ^t^ov Tb tou TFoSaYÖpou * xa\ yap ßaoiX^cov icovtcüv Su^St^axToc 
i ßioc, fi2<fiv, iaxaa. u. s. w. 

2) Doch zeigt sich auch eine Spur der entgegengesetzten, ohne Zweifel 
späteren Ueberliefemng, bei Dioo. Vlil, 19: odd^ox' l^vd^aOi]... a^poStoi&l^cov. 

3) Worüber Stob. Floril. 74, 61 f. 85, 19. Dass das letztere Bruchstflck 
▼oader Frau verlangt, Untreue ihres Manns zu ertragen, wird doch nur mit 
dem bestehenden vö(io{ begründet , dem^man sich fügen müsse. 

4) OcsLL. De uniy. 4, 1—4. 13. Charondas Stob. Flor. 44, 40 g. E. Tgl. 
tneb KtSMBHs Stron:^. III, 435, C. Jambl. ▼. P. 210. 

5) Dioa. Vin, 22: \Lrß' 3(ivtJvai Oeo^J^- aox^v y«P «'^tov 8^v aftöicwtov 

nOot. d. Or. lU. Bd. S. Abtli. ^ 



180 Nenpythagoreer. 

Pythagoreer ein treues Bild vob den neupythagoreiflchen V^urrtel- 
luDgen über das Wesen und die Aufgabe der Philosophie geben ^> 
Diese Aufgabe wird aber hier wesentlich als eine religiöse, die 
Philosophie als Gottesdienst gefasst; und wenn dieser Gottesdienst 
allerdings nach der einen Seite in der Gotteserkenntniss und d^ 
Tugend bestehen soll, so wird doch zugleich nicht minder nach- 
dr&cklich verlangt, dass das menschliche Denken durch wunder- 
bare göttliche Offenbarungen ergänzt werde, das sittliche Leben 
durch die Heiligkeit des Asceten seine höhere Weihe erhalte. Der 
Pythagoras dieser späteren Sage ist nicht allein der sittlich-religiöse 
Reformator, welchen wir in dem geschichtlichen Pythagoras er- 
, kannt haben; nicht allein der Philosoph sonder gleichen, dem alles, 
jwas den späteren Jahrhunderten für Wahrheit galt, unbedenklich 
ibeigelegt wird : sondern er ist auch ein Li eblin g , selbst ein Ab- 
«kömmling der Götter, welcher von denselben mit den ausserordenl- 
lichsten Gnadenbeweisen geehrt wird, ein Gott oder ein Dämon, 
der unter den Menschen erschienen ist^, ein Wunderthater, von 
dem die merkwürdigsten Dinge erzahlt werden; einP^2^e^ dessen 
Voraussicht alle Grenzen der Möglichkeit weit überschreitet. Ebenso 
ist seine Schule in erster Linift ftjn rpligosfir, Yerf^y;», und diese 
FrömmigMIl irfl^liTurcliaits den Charakter der spateren Ascese: 
das Verbot der Fleischnahrung und einiger anderen Speisen, die 
weisse Tracht 0, eine genau vorgeschriebene Lebensordnung, eine 
vollständige Gütergemeinschaft, eine strenge Unterordnung unter 
die Auktorität ihres Vorstehers, eine Gliederung in mehrere, schürf 
geschiedene Klassen, dn Ordensgeheimniss, dessen Unverbrfich- 
lichkeit sich bis auf mathematische Lehrsätze erstreckt, und von 
den Göttern selbst in der augenscheinlichsten Weise gescbtls^ 

1) Die näheren Nachweisungen sa der naohfolgenden Daratellang finden 
■ioh Bd. I, 228 ff. Vgl. aaoh Philobtb. t. Apoll. I, 1. I, 82, 2. VI, 11, 8 ff. 
VIU, 7, 16. 

2) M. 8. hieräber «• a. 0. 228, 8. 4. B. Jam9L. y. P. 91 f. erkennt Aba- 
rle sogar in Pyth. nicht blot einen dem Apollo ähnlichen Menschen, oXX* aOTOv 
ovTOK tliv *AnöXXb), und er selbst giebt ihm Recht Aehnlich ebd. 80. 

8) M. ygl. über diese, ausser Bd. I, 227, 5, aach Dioa. VIII, 19. Dieser 
Bericht giebt dem Pythagoras weisse wollene Kleider und Decken, findet es 
aber bereits nöthig, den Gebrauch der Wolle damit zu entschuldigen, dass 
die Leinwand damals in Italien noch unbekannt gewesen sei. Bei Jambl. t. 
Pyth. 100. 149. werden dann die wollenen Gewftnder und Decken in leineaeiL 



PytliagoraBideal. 181 

wird — diM» sind die aufbllendsten Züge in dem Bilde des pyiha- 
gorettchen Lebens, so wie es sich in der späteren Sage gestaltet 
hat; allerdings fehlt aber daneben auch das sittliche Element nicht, 
wekhes in den Erzählungen von der Gewissenhaftigkeit und der 
aifopfemden Freundestreue der Pythagoreer, von der Sittenrein- 
heit and der bürgerlichen Ordnung hervortritt, die dujpch Pytha- 
goras in den unteritalischen Städten zur Herrschaft gekommen sein 
soDen. Je ungeschichtlicher diese Schilderung aller Wahrschein- 
üehkeit nach grossentheils ist, um so unverkennbarer spricht sich 
ii derselben der eigene Standpunkt der späteren Zeit aus. 

Man begnügte sich aber nicht damit, dieses Ideal in der 
graaen Vorzeit durch den Stifter der Schule verwirklicht zu 
wissen: auch in seiner erneuerten Gestalt sollte der Pythagoreis- 
aas einen Wunderthäter und Propheten hervorgebracht haben, 
welciiw hinter dem Pythagoras der Sage in nichts zurückstand. 
Einen solchen innerhalb ihres Kreises zu suchen und sein Bild 
mit den glänzendsten Farben auszumalen, wurden die späteren 
Pythagoreer ganz besonders durch die gefahrdrohende Ausbrei- 
UiQg des Christenthums veranlasst. Wenn die Christen in dem 
Urheber ihrer Religion ein übermenschliches Wesen verehrten, 
wenn sie sich zur Vertheidigung derselben auf die Wunder seiner 
Aoferstehang und seiner vaterlosen Erzeugung, auf sein überna- 
tärliches Wissen, seihe Heilungen und Todtenerweckungen berie- 
fea, 80 galt es, ihnen in allen diesen Beziehungen den Rang abzu- 
Itnfen, den Nachweis zu führen, dass auch die' alte Religion ihre 
Beiligen habe, dass die Wunderkraft und die prophetische Voraus- 
richt des vollendeten Philosophen der des christlichen Propheten 
nicht allein gleichkomme, sondern sie wohl noch überbiete. Einen 
foIcbeD glaubte man nun in dem Kappadocier Apollonius von 
Tyana zu besitzen, einem Pythagoreer des ersten Jahrhunderts, 
der seine Schule in seinen Schriften nicht unwürdig vertreten zu 
haben scheint O9 <Iein aber weit mehr noch die magische Kunst 



1) Aniser der Sobrift über die Opfer (s. o. 127, 2) scheint aaoh du Le- 
btt dei Pythaa^oraa ibm su geboren, welcbes Poepb. v. P. 2 Anf&brt» und ans 
wdehem Jambu t. F. 254—264 die Erzählung über die Vertreibung der Py- 
thagoreer tue Kroton mittbeilt; denn wiewobl es nur 8iixi>. *AnoXX. auadrfiok- 
Ueh dem Ty^nenser beilegt, Porpbyr und Jamblicb dagegen den Verfueer 
Mir ApoUoniu» nennen^ so ist doob du webrsobeinlicbBte, dus euob sie bie- 

9* 



y 



15V Nonpythagoreer. 

and die Weigsagungsgabe^ welche man ihm zuschrieb, einen 
kannten, von den Gläubigen bochgefeierten Namen gemacht hatte ^>. 



bei an den weltbekannten ApoUoniuf, den einijgen Pythagoreer dieaei Na- 
mens, von dein wir wissen, (ein Pythagoreer moss aber ihr Apollonina gleicb- 
falls sein) gedacht haben. Auch Philobtb. y. Apoll. VIII, 19, 3 besieht sieh 
vielleicht darauf. (Vgl. auch S. 187, 6.) Eine Schrift des ApoUonias über die 
astrologische Weissagiing nennt Philobtb. III, 41, 1. Femer soll «r nadi 
Demselben I, 2, 3 eine Menge Briefe an die Tenchiedenaten Personen ge- 
schrieben haben, welche Philostr. (in dem seinen eigenen Briefen angebBngteB 
Bruchstück 1. 8. 387 West. 364 Kays.) als Master des Brieüityls rfibmt und 
oft anführt (vgl. d. Register). Eb fragt sich jedoch, wie viel davon Acht war, 
und ob nicht Philostr. manche von den angeblichen Citaten selbst erdichtet 
hat Die Sammlung von Briefen des Apoll., welche wir noch besitsen, (in den 
Aasgaben der beiden Pbilostratus von Olearias und Kayser) sind jedenfalla 
unttcht; vgl. Katsbr Prooem. S. V. Was Philostb. I, U, 1. I, 8, S. VH, 86 
n. SuiD. sonst noch von ihm anführen, ist unsicher, die Bede bei PafLotra. 
VIU, 7 wohl dessen eigenes Werk. 

1) Apdl. De magia 90, Sohl. (Apul. war angeklagt, seine Frau dnrcb 
magische Künste sn ihrer Heirath bewogen zu haben) : n guamUbet m odi atm 
emolumerUttm probaveriUs (das ihm durch diese Heirath sagegangen sei), egQ 
tue nm Carirumdas vel Damigeron vel is Mo9U vtl JannB$ vd ApoOomu$ vei 
ipse Vardantu vd ^icunque alitu pott Zoroagtren et HotUtmen initt mmgoe 
cekbrcUus est. Luciah Alex. 6: der Lehrer Alexander^s sei ein Tyanaer ge- 
wesen Td)V *A7CoXXb>v{(ü T(J) Tuav^ ouyyevoijl^vcov xa\ i^v icöcvocv otOiou TpocycodCoy 
eI86t(ov. Nach Die Cass. LXVII, 18 soll er die Ermordong Domitian*s in dem 
Angenblicke derThat in Ephesus verkündet haben; Derselbe enfthlt LXXVIf, 
18, dass Garacalla (vielleicht schon anter dem Einfluss des Philoatratoa) deai 
Apoll, ein Horoon gebaut habe. Oaio. c Gels. VI, 41 nennt Apoll« einea Ma- 
gier und Philosophen, welcher durch seine Magie selbst angesehene Philoso- 
phen, wie den bekannten Euphrates (den Stoiker; s. a. and 1. Abth, 8, 618), 
gewonnen habe; er beruft sich hiefür aaf die von M9ragenes verfasstea Denk- 
würdigkeiten desselben. Nach Vopiscus (Aarel. 84), welcher aas Philoatratas 
die übertriebensten Vorstellangen über Apollonias geschöpft hat, aoU eine 
nächtliche Erscheinung dieses Wundermanns Aurelian von der ZeratAiwig 
Tyana*s abgehalten haben; wobei ausdrücklich bemerkt wird, der letatere 
habe ihn sogleich erkannt, da er schon in vielen Tempeln sein Bild gesehen 
habe. Weitere Aussagen über Apoll, von SohrifUtellern, die jünger aind, als 
Philostr., aber einselne von ihm Übergangene Wunder emJlhlen, bei Katskb 
Prooem. zur vita Apoll. IIL Die Lebensseit des Apoll, entspricht nach Pbilo- 
stratus ziemlich genau dem ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung; denn 
er soll bald nach Nerva's Begierungsantritt (96 v. Chr.) gestorben, lud hun- 
dert Jahre alt geworden sein (v. Apoll. VIII, 87. 29. 1, 1 4, 1 ; ebenso Snin., 
der seine Blfithe unter Caligula, Claudius, Nero und ihre Nachfolger, seinen 
Tod unter Domitian setzt; doch bemerkt Philostr. VIII, 89, sein Alter weide 



Philosoph. Ideal: Apollonlnf. 133 

Seiner sagenhaflen Gestalt bemflcbtigfte sich Qnm 220 n. Chr.) 
PhilostralosO? dem aber schon andere hierin yorangegrangen- 
waren *), um an derselben in einem, abenteuerlichen Roman das 
Wesen der pythagoreischen Philosophie, so wie er es sich dachte, 
zur Anschauung zu brii^gen, in der angeblichen Biographie des 
Tyanensers eine Apotheose des Pythagoreismus zu schreiben '). 



Meh anf 80 und 90 Jahre aogogeben). Dass er Domitian überlebte, sagt auch 
Dio(f.o.V. Daa Ohrooicnxn Alexandrinum s. J. 123 Iftsst ihn sogar erst in dle< 
MB Jahr, dem 7teD Hadrian*s, sterben, and Agresphon bei Soro. nennt, yiel- 
leiclit nur am eine derartige Notiz znrechtznlegen, noch einen zweiten Philo- 
foplien Apollonins aas Tyana, der unter Hadrian gelebt habe. 

1) Von den rier ans bekannten Sophisten (d, h. Rhetoren) dieses Na- 
iWis, welche eammtlioh ans Lemnos gebürtig waren, der zweitftlteste , der 
Sohl des ersten und der Grossrater des vierten. Er lebte in Athen, spftter in 
Rom-, hier beaallragte ihn Jalia Domna, die Matter Caracalla*s, mit der Bio- 
graphie des ApoUonias (v. Apoll. I, 8, 1), welche er aber erst nach ihrem 
Tode (217) Tollendet za haben scheint, da er sie ihr sonst wohl gewidmet 
liltte. Er soll erst unter Philippus Arahs (244—249) gestorben sein. Vgl. 
Son^ u. d. W. und Kayser 8. II ff, seiner Ausgabe des Philostr. 

2) Dareh Origenes (s. Torl. Anm.) wissen wir, dass MOragenes a}co(AVi]- 
IMW^lucTa des Apoll, rerfasst hatten wir erfahren aber nicht, wer dieser MO- 
rsfsnes war, und oh wir bei seinen Denkwürdigkeiten, wie bei denen Xeno- 
pheB*s nnd Arrian*8, an Aufzeichnungen eines persönlichen Schülers zu den- 
kfn haben; wir hahen daher auch kein Recht, ihn etwa in dem Athener MÖ- 
rigenes zu suchen, der hei Plut. qu. conv. IV, 6 die Meinung verficht, dass 
^ Qott der Jaden kein anderer sei, als Dionysos. Philostratus ist übrigens 
siit ihm unzufrieden, weil ihm vieles von den Thaten des Apoll, unbekannt 
geblieben sei (v. Ap. I, 3, 2 : od ^olo MoipaY^ei ys npo^ext^ov ßtßXCa (ikv ^vO^vti 
k ^AxoXXuyvtov T^opa, noXXit tk tcov ?cEp\ tbv «vdpa ayvoTt^avTc), sei es weil seine 
^ehnderuog noch einfacher und nüchterner war, als die spftteren, oder weil 
■ie den Apoll, als Zauberer dargestellt hatte, was Philostr. (I, 2, 1 und durch- 
weg) als grundlose Verleumdung behandelt. Er selbst nennt ausser der gleich 
ra besprechenden des Darais noch eine Schrift über Apoll, von Maximus 
vu Aegft. 

3) üeber den Inhalt, den Zweck und Charakter dieser Darstellung vgl. 
m. Baus Apollonius von Tyana u. Christus (Tüh. Zeitsohr. f. Theol. 1882, 4, 
nnd anch in besonderem Abdruck), Denselben Kirchongesch. T, 415 f.; auch 
RiicKRSR Btud« der evang. Oeistl. Wflrt. XIX, 2, 1 ff.; dagegen ist Wrll^er 
.Apollonios V. T.*' in Jahn*s Jahrb. Supplementb. X. (1844) S. 418 ff. unbe- 
dcQtend. Die Literatur, namentlich übef das Verhältniss der philostratischen 
Dtfitellung znm Christenthuro, bei Baur S. 102 f. 104 f. K&tsbr Prooem. in 
^t Apoll. IV. — Dass nun die Darstellung des Philostratus auf geschicht- 
Kebe Treue keinen Anspruch* machen kann, liegt am Tage ; und wenn ihr 



Neup'ythagoreer. 

Ab Geschiohtoquelle ist diese Darstellung selbst da, wo sie Hiebt 
gerade unmögliches berichtet, so gat wie gar nicht zu gebraochea; 



freiliob die allgemeineii UmrlBse von Apollonioa* Leben ohne Zweifel als Uato- 
risohe Grundlage gegeben waren, 90 kann man pich doch im einselneaD^ wie 
Baue S. 112 ff. seigt, fast auf keinem Punkte auf ihre Angaben Terlauem. 
Eb mag sein, dass Apoll, in Tarsus von dem Rhetor Eutbydemus, in AegA 
Ton ihm und dem Pythagoreer Enxenus unterrichtet wurde, dass er sieh frOhe 
der strengsten pythagoreischen Asoese gewidmet hat, dass ihn seine Betsen 
bis nach Indien geführt haben, vielleieht auch, dass er bei Domitiao in poli- 
tischen Verdacht gerieth. Aber sicher ist selbsf diese nicht, nnd in ihrer gen- 
sen weiteren Ausfdhrung ist die ErsAhlung des Philostratos mit so Tiele» 
abenteuerlichen . nnd fabelhaften Zügen, so vielen offenbaren BrdichtiiiigeD 
angefüllt, dass auch das, was an sich nicht undenkbar wlre, doch jede 
Bürgschaft seiner Wahrheit verliert. Um so unwahrscheinlicher ist ea, daaa 
diese Darstellung wirklich ihrem Hauptinhalt nach auf dem Bericht einea 
Schülers und Begleiters von ApoUonius, des Damis von Ninive, beruht, anf 
welche sie selbst sich (I, 3 u. ö.) zurückführt; denn mag man sich auoh den 
Damis (mit Rittbb IV, 526) noch so beschrankt denken, so beschrankt konnle 
er doch unmöglich sein, nm ganze Massen voq Dingen, die er hSchstens im 
Traum gesehen haben könnte, für wirklich erlebte zu halten. Von der j^onab* 
sichtlichen Täuschung**, welche noch Rittbb annimmt, kann .daher hier nicht 
die Rede sein. Andererseits ist doch auch das nicht wahrscheinlieh , daas 
Philostratus selbst den Roman ganz frei oomponirt hat, and dass die Bchcift 
des angeblichen Damis gar nicht existirte, wIcBattb S. 115 f. vermoihet» denn 
Philostr. sagt a» a. O. ausdrücklich, ein Verwandter des Damis habe die 
Biographie des Philosophen der Kaiserin Julia Domna, der Qattin des Ale- 
zander Severus, überreicht, und in ihrem Auftrag habe er selbst sie über- 
arbeitet*, diese Angabe konnte er sich aber doch kaum ohne allen Gmad er- 
lauben. Das wahrscheinlichste ist daher, dass sich die Schrift des Philostra- 
tus aUerdings auf eine altere Darstellung stützt, welche den Namen des Damis 
an der 8time trug, dass aber diese selbst erst von einem Späteren, wohl dem- 
selben, der sie der Kaiserin übergeben hat, verfasst, und dem Damis, einer 
allem Anschein nach völlig erdichteten Person, beigelegt wurde. Bei der 
Ueberarbeitung dieser Darstellung bediente sich Philostratus, wie er I, 8 nnd 
YIII, 29 sagt, noch weiterer Quellen, und dass er auch mit eigenen Zuthaten, 
namentlich in der L&nderbeschreibung und den Reden, nicht karg war, ist an 
vermuthen \ was aber im einzelnen ihm selbst, was seinen Quellen angehdrt, 
lässt sich nicht mehr ausmachen. Der angebliche Damis scheint neben den 
Sagen, welche über Apo lonius im Umlauf waren, namentlich auoh die eigenen 
Scliriften dieses Philosophen, mochten diese nun acht oder «nacht sein, be- 
nutzt zu haben ^ nicht blos das Thema für die Reden des ApoUonius mag 
öfters diesen Schriften entnommen sein, sondern auoh einige Er zahlnn gen 
scheinen aus Stellen derselben herausgesponnen zu sein: so vielleicht IKI, 
iS ff. aus der Aenssernng, welche III, 16, 1. VI, 11, II, die abenteaerliche 



Philofoph. Ideal: ApoIIonlai« IS5 

aber indem sie uns den Philosophen Torftthren will, welcher selbst 



Ctoiohiolite VI, 87 aus der, welche ebd. g. E. angeführt ist (wenn nicht erst 
Phfloitratiu dem Apoll, diese Worte in den Mond gelegt hat). Auf die Briefe 
des ApoIL beruft sich Ph., wie bemerkt, oft. Neben diesen Hfilfsmitteln lehnte 
steh die Phaataaie des Pseudo'Damis and seines Bearbeiters onTerkennbar an 
die Enthlongen an, welche schon ron früherer Zeit her, und namentlich seit 
der Verbreitaog des Nenpjthagoreismns, über Pythagoras im Umlauf waren, 
and welQhe Apollonius selbst in seinem Leben des Pjthagoras gesammelt 
listte. & Bads a. a. O. 8. 177 ff., besonders aber 8. 202 ff. Was aber auf 
dissem Wege aa Stande kam, das ist nicht blos eine einfache unterhaltende 
Diehtang, sondern wesentlich ein Tendensroman. In Apollonios und seiner 
gottgeOlIigen reformatorischen Thfttigkeit soll das philosophisch - religiöse 
Ideal des Neopythagoreismus dargestellt werden, die Lebensbesohreibang 
dtiselbea hat den Zweck , die pythagoreische Lehre und Lebensweise, so wie 
disse am den Axilang des dritten Jahrhunderts aufgefasst wurde, als das allein 
wirksame Mittel aur sittlichen und religiösen Hebung der Menschen, sur 
HsTstellnag des Yerkehre mit den Göttern, ja sur wirklichen Vergöttlichung 
dfli meascUichen Lebens au empfehlen. Diese Absicht liegt in dem gansen 
BoBiaB so deutlieh su Tage, dsss besondere Naohweisungen entbehrlich sind. 
Hiro nihere Bestimmung erhttit sie durch eine doppelte Beaiehung auf gleich- 
Mitise Erscheinungen. Das eine ist die Parallele des Pythagoreismus mit 
deuGbristenthum, und des Apollonius mit Christus, welche Baub 8. 104— 166 
Mhier Schrift als MotiT der Torliegenden Biographie wahrscheinlich gemacht 
kat; denn enth&lt sie auch keine ausdrückliche Polemik gegen das Christen- 
tkoa, so ist doch die Schilderung des Apollonius im gansen und in vielen 
eiBMlaen Zügen ein so merkwürdiges Qegenbild au der Darstellung Christi in 
den EraogelieD, dase wir au der Annahme allen Grund haben, der Verfasser 
MislQhtige wirklich, dem wnnderthfttigen Propheten der neuen Beligion 
«uo ebenso ansgeBeichneten Vertreter der alten gegenüberzustellen. £ine 
■weite, bisher nur theilweise beachtete, Besiehung kommt in der überlegenen 
SteUang snm Vorschein, welche Apollonius gegen verwand te Breoheiaaiigen 
dffheidaischen Welt einnimmt, fiineraetts ist Philostratns sorgfUtig bemüht, 
Helden und dessen Weisheit von den gewöhnliohen orientalischen Ge- 
iern uud- ihrem Treiben an unterscheiden, er verwahrt sich sehr be- 
itimiit gegen den Verdacht, als wttre Apollonius mit magischen Künsten um- 
g«g»«(ai (V, 13. VII, 89. VIII, 7, 3. 9 vgl. Bau« 8. 44 ff.), ja er beaeiobnet 
1> ) die Widerlegung dieses Vorwurfs als einen Hauptaweck seiner Darstel- 
Ing, «ad gaaa allgemein hebt er vielfach (UI, 82, 1. V, 26, 1. VI, H, 8. VI, 
19) den entschiedenen Vorsng der indisch-hellenischen Weisheit, welche ein 
'^«gorss und Apollonius vortrug, vor der gemeinen orientalischen der 
^<iypüer hervor, die ans diesem Grunde iu der Ers&blung III, 30 zu narei- 
^ w^gsa eines Mords vertriebenen Abkömmlingen der Inder gemacht wer- 
^ Aadsrers^ts polemisirt er nicht minder stark gegen swei philosophische 
^*^b«Uer des Neopythagoreismus, den Cynismus und die Stoa, und wenn die 



186 Neapytbagoreer, 

den Pytbagoras noch überrag % den goitbegeisterten Weisen, der 
den Menschen in übermenschlicher Hoheit gegenübersteht ^^ sagt 



Cyniker ^welche sich in den ftthiopisohen Gymneten VI, 6. 10 — 22 nicht rer- 
k«nnen lassen) im Vergleich mit Apollonins «war auf einer niedrigen und ba- 
Bohrftnkten 8tnfe des Wissens erscheinen, am Ende aber doch seine Ueber- 
legenheit anerkennen, so ist dagegen der bekannte Stoiker Euphrates (l.Abth. 
8. 613) der stehende unTersöbnliche Gegner des ApoUonias, der Afterphilo- 
Boph, welcher dem ftchten Philosophen ApoUonias als Feind und Zerrbild in 
Ähnlicher Weise beigegeben ist , wie der Magier Simon der pseudodementini- 
sehen Homilieen dem Apostel Petrus. Dass diese Schilderung dem Stoieiamiia 
im ganzen gilt, liegt am Tage; unter den Zfigen, welche den Buphratea als 
Stoiker charakterisiren, sind namentlich awei su bemerken: der Repablika- 
nismus, den er in der Rede an Vespasian V, 83 sur Schau trügt, und die mit 
diesem so stark contrastirende Gewinnsucht, welche den angeblichen Bepub- 
likaner su niedrigem Fürstendienet und Schlechtigkeiten jeder Art Terleitet 
(V, 88, 3. VI, 18, 1. VIII, 7, 12. 89). Der erste Ton diesen Zfigen besieht sich auf 
den bekannten Zusammenhang der stoischen Philosophie mit den republikani- 
schen Bestrebungen der Kaiserseit, der zweite auf den Satz (1. Abth. 244, 1), dass 
es dem Weisen anstAndig sei, sich durch Ffirstendienst zu bereichern« Die 
Gehässigkeit dieser Insinuationen, und die ganze Bolle, welche Enphrates bei 
Philostratus spielt, zeigt deutlich, welchen Grad die Eifersucht der beiden 
Schulen erreicht hatte. — Als Geschichtsquelle ist die Schrift des Pbilostr. 
nach allem diesem schlechterdings nicht zu gebrauchen, sie stellt sich riel- 
mehr in die Reihe Jener absicbtsTollen Dichtungen, an denen die ersten Jahr- 
hunderte nach Christus so reich sind; hinsichtlich ihrer schriftstellerisoheii 
Anlage steht ihr kaum ein anderes Werk näher, als die obengenannten ole- ^ 
mentinischen Homilien, welche gleichfalls ältere Quellen frei ilberarbeitei 
haben. 

1) V« Apoll. I, 2 nennt ihn Pbilostr. ausdrfickltoh 0ti6xspov 3) 6 üvOayöpac 
T^ eof tot ;cpo(sXOövTa. 

2) Als ein übermenschliches Wesen schildert Pbilostr. selbst seinen 
Apollonins. Nach I, 4 f. wurde tu ihm, dem Tollendeten Propheten, Proteus^ 
der weissagende Dämon, als Mensch geboren, seine Geburt war eine wunder- 
bare, man hielt ihn für einen Sohn des Zeus. Ebenso wunderbar und geheim- 
ntssToU ist sein Austritt aus dem irdischen Leben, und die Art, wie er später 
einem Jüngling erscheint, um ihn rom Zweifel an der Unsterblichkeit zu hei- 
len (VIII, 30 f) ; letzteres offenbar das Gegenbild der Christusersoheinongen, 
namentlich der vor Damaskus. Im Gefängniss überzeugt er (VII, 88, 2) durch 
ein Wunder sein^ Begleiter von seiner cpi^oi« Ocia xa\ xpetiriuv «vOpwKou, bei 
Domitian wird er angeklagt, dass er sich einen Gott nennen lasse, und weist 
diess nicht zurück (VIII, 6, 1), nach seinem Tode wird ihm in Tyana ein Tem- 
pel errichtet (I, 5. VIU, 29). Es ist daher ganz Fm Sinn seines Biographen, 
wenn Eukap, y. soph. prooem. S. 8 von ihm sagt: oi^x^i 71X^090«- ^iXX* ^v tc 



Philof op4i« Idoal: Apolloniaf, 187 

sie Hilf, was sich der Verforner und seine Schule unter der Aditen 
Philosophie vorsteilt Als die eigentliche Aufgabe derselben wird * 
Uer die Verbreitung der wahren Gotteserkenntniss und Gottes** 
?erehmng beseichnetO; doch erhalten wir nur gelegenheiftlich 
Äsdeutungen über das Wesen der Gottheit, in denen ihre Bin-* 
sickt, Gute und VoUkonunenheit gepriesen '), und den unwürdigen 
Vorstellungen der griechischen Mythologie, noch entschiedener 
Diturlich dem ägyptischen Thierdienst widersfNrochen wird *). IKe 
Uoterscheidung des höchsten Gottes von den Untergattern, welche 
wir schon bei ApoUonius selbst getroffen haben, wird auch von 
seinem Biographen wiederholt^); die Weitherzigkeit, mit der 
Apolionins alle bestehenden Götterdienste anerkennt, von eineoi 
Tenpel zum andern wandert und von allen Göttern nur gutes sa* 
gen will ^), weist auf die Ansicht, welche schon durch den Stoi* 
cismus verbreitet war, dass sich das allerfüllende göttliche Wesen 
unler den verschiedensten Formen offenbare. Doch haben niohl 
die diese Formen den gleichen Werlh; die reinste sichtbare Offen-» 
barong des Gottlichen ist die Sonne, die von unserem Philosophen ^ 
in indischer Weise verehrt wird O9 und aus diesem Grunde haben 
diejenigen, welche dem reinen Sonnenlicht des Ostens näher sind, 
(fie wahrsten Vorstellungen von Gott und der Welt 0* Die Lehre 
TOB der Wehschöpfung und Weltregierunff wird im Gef sV deg Fla« 



tefiv u mti avipf^ou \Uaw. Ein solohes Mittelweaen sollte ja aaoh PytbagorM 
gewesen sein;, s. Bd. I, 223, 4. 

1) Z. B. IV, 40 ff. 

2) I, 11. IV, 28, 1. 

3) V, 14 tf wo dis Mj^hen der Dichter tief nnter die aesopischea Fabeln 
gesteOt werden ; VI, 19, wo Apoll, die idealen Götterbilder der heUeDischen 
Kimtt mit der Igyptischen Tbiersymbolik yeigleicht. 

4) lU, 34, 2. 85, 3. 

5) IV, 24, 1. 40, 3 f. VI, 3, 5. 

6) 11, 88. VI, 10, 1. 32, 1. VII, 31, 1. VIII, 13, 3 ygl. III, 14, 8cM. 17, 2. 
S3, 1. V, 30, 21. £s rerdient Beachtnng, nnd dient sugleich dem, was 8. 181,1 
^wkt wurde, aar Bestätigung, dass anoh in Apolionins* Leben des Pjrtha- 
goras (b. Jambu ▼. P. 256) die Anbetung der aufgehenden 8onne sn den un- 
verhrflohliehen Geboten der pythagoreischen Lebensordnang gerechnet wird. 
Ab pythagoreische Vorschrift lllhri auch M. Aobml. XI, 27 an: Iwdcv tk t^ 

7) VI, 11, 9. 



y^oiiiinMi0 und des popalire» SteMsimii avflfefUirl^), die AbUn- 
gfigkeit aller Dingfe Ton der f öttlichen VorherbesUmmoBg oder 
dem YerbUngfnMB behauptet 0, die Lebendi^eit der Welt in ber- 
kAtnmlieker Weise voravsgegetzt, ihre Selbstgenüg samkeit in der 
Verstellung, dass. sie mannweiblich sei, ansgedröckt, ihre Vernunft 
tigkelt unter anderem «ndi darin nachgewiesen, dass die Verderb- 
Itchen Naturereignisse nur Strafen der menschlichen Ungereohtig- 
keü seien *)« Die FOnfteahl der Elemente begegnet uns bei Philo- 
stratus'wie bei andern Pythagoreern^); anf eingehendere physisdie 
Untersnohungen lasst er sich jedoch nicht ein, sein ganzes Interesse 
dreht sieh am den Menschen und das Verhältniss desselben sur 
OoHheit. Dass der Mensch göttlichen Wesens sei, und durek Ta- 
gend und Weisheit selbst zum Gott werde, steht ihm fest^); tou 
besonderer Wichtigkeit ist ihm aber der Glaube an die Ewigkeit 
und IHisterMiehkeit der Seele *) und die Lehre von der Seelen- 
wandermg, welche hier niclit blos aufs nachdrücklichste vorge- 
' trageki, sondern aUeh durch Beispiele der abenteuerlichslen Art 
bestätigt wird 0- Hiemit steht dann weiter der alte Satz iu Ver- 
Mndung, dass der Leib ein Gefangniss der Seele sei, in dem sie 
an "die Sinnlichkeit gefesselt mit ungeordneten Trieben jeder Art 
n kimpfen habe^;). Sie aus diesem Kerker zu befreien und za 
einem geordneten Zustand znrdokzufl&hren, ist die Au%abe der 
gottgesandten Männer, wie Apollonius 0, und das Mittel dazu ist 
die Achte Philosophie, diejenige, welche Pythagoras gelehrt hat, 
deren letzte Quelle aber und deren reinste Darstellung nur im 
fernen Osten, bei den indischen Weisen zu suchen ist ^^3. Es han- 



1) in, 86. IV, so, 8. Vin, 7, 24 f. 

8) Vm, 7, 62 vgl. VII, 9. 

8) m, 84. 86, 8. 

4) Uly 84, 3 Tgl. oben S. 117, 3. 

6) vm, 7, 128 f. ni, 18. VII, 83, 3. 

6) VI, 11, 7. VI, 22. VIII, 81. 

7) Aasier der Hauptstelle III, 19--38 vgl. III, 84. VI, 21, I. VUI, 7, 
16. 20. V, 42. 

8) Vni, 26, 4. 
0) Vni, 7, 26 £. 

10) lieber die Vorsilge der liidleoh*pythagoreiaehen Philoeopbie Tor jeder 
andern, nnd namentlich Tor derjenigen der äthiopischen GymnosophUten, 
verbreitet sich Apollonins VI, 11 Tgl. I, 83. Er selbst reist ebeodesshalb nach 




Pliilotopli. Idtftli Apollonivf* 

ä . 

delt sich jedoch bei derselben nicht sowohl na/ wissensöhafttiohe 
Erkenntniffs; -- selbst die specifisch pythagoreische WisBewchaft 
den Zahlen wird recht absichtlich gerinfschitsif' hehaadeli^)^ 
und nnr ein praktisch religiöses Wissen ist das, welches unsere 
Schrift fordert; — dis Wesen der wahren Weisheit Kegi ifieU 
mehr in der Reinheit des Lebens und in der richtigen Ckitleffer-. 
ehning. In beiden Beziehungen begnügt sich aber der Pythage^ 
reer keineswegs mit der einfachen Frömmigkeit und SMlicbkeit 
als solcher; sondern einestheils wird swar auf diese Seite der 
grösste Werth gelegt, es wird die sittlidie Selbstkenntniss für die 
Grundlage aller Tugend und Weisheit erklärt '*% es wird eini» Ge<- 
rechtigkeit verlangt, welche über die gewöhnliche, Mos negative 
Rechtschaffenheit hinausgehe'), es wird atisgesprochen, dass ohne 
die rechte Gesinnung kein Opfer etwas nutie^), es werden scAone 
* und einfache Gebete vorgeschrieben % es wird uns in Apollonius 
das Musterbild eines Mannes vor Augen gestellt, der sein ganzes 
Leben dem Dienste der Gottheit und dem Wohl seiner Mitmenschen 
widmet, und der in seinem Berufe auch der augenscheinlichsten 
Todesgefahr ungebeugten Muthes entgegengeht. Zugieioh wird 
aber die unerlassliche Aeusserung und Bedingung der hAeren 
Weisheit in dem pythagoreischen Leben, in der Enthaltung von 
Fleisch- und Weingenuss % in der Ehelosigkeit ^), in der leinenen 



Indien, an hier bei den ToUkommenen Philosophen die letste Weihe sv er- 
hellen, wie diese III, 10—51 aasfahrlioh erzilblt ist 

1) III, 80 : Apoll, fragt hier den Oberbrahminen Jarchas, das Ideal eines 
Beapjthsgoreisohen Philosophen, wie es komme, dass er und seine Freunde 
guade la achtsehen seien, da diess doch durchaus keine von den bedeut- 
•anen Zahlen sei, und er erhalt Ton diesem die Belehrung: ouit ^(ut« optOfi,^ 
SoMXii{o|icv ouxe b apc6(i^ ^(uv diXX' &Kp 0091a« is xo^ apitvj« 9cpox(|Mp(u0a. Die 
polemische Beaiebung dieser Ers&hlung liegt auf der Hand. 

2) III, 18. VII, 14, 8. . 

8) m, 24 f. VI, 21 Tgl. VI, 2. 

4) I, 10 f. 

5) I, U, 2. 84, 1. IV, 40, 2. 

6) I, 8. I, 82. III, 26, 2. VI, 11, 3. VIII, 7, 14 f.: Der Pkiscbgenuss 
Mi unrein, weil er auf Mord beruhe, und schädlich, der Wein swar rein, 
sber der Helle des Geistes binderlich. Gegen das Tödten der Thiere auch 
1,88. 

7) 1, 15 f. wird wenigstens dem Apollon. Virginitftt nachgerülunt 



M9 Neiip7^1^*S0'®^'* Apolloniai. 



% in der Verweriiingf aller blutigen Opfer *), in 
dem melirjdlirigen Stilbchweigen des angehenden Schfilers g^ 
ancht; die cyniache Einfachheit nnd Ranhigkeit dagegen ist nicht 
nach dem GeacBmack unseres Philosophen , welcher yielmehr den 
Schmuck und selbst die Genüsse des Lebens gegen dieselbe in 
Sdiuts nimmt 0. Wer sich jener Weisheit ganz hingiebt, der über* 
schreitet das Maass der menschlichen Natur ^), und zum Zeichen 
seiner höheren Begabung wird ihm jene Wunderkraft ^) und jene 
an Allwissenheit grenzende Kenntniss des verborgenen und zu- 
künftigen Terliehen, von deren Beweisen die Darstellung des 
Philostratns erfüllt ist h* 



1) I, 8. 8t, 3. VT, 11, 5. VTII, 7, 17. Neben der leinenen Kleidung nen- 
nen diese Stellen anoh die angesohoranen Haare (Tgl. VIII, 7, 19) als Beetand- 
tbeil das pyihagoraisoben Lebens; die erstore ist naeh VIII, 7, 17 nokbwaii- 
dig, weil die Kleidung aus Wolle und Fellen ron Tbieren berrfihrt. 

2) I, 81. V, 26. VUI, 7, 38. 

8) I, 14 f. 16, 8. 1, 2. VI, 11, 3. 

4) Diese der Zweck der ansfftbrlioben Verhandlung mit den Itbiopisebon 
Gymneten VI, 11 nnd der ErtfAbhing III, 27. Die erste von diesen Stellen 
llsst vematheo, dass Pbilostr. die Vorliebe für das oynisohe Leben anob in 
dam Kreise seiner eigenen Gesinnungsgenossen su bekftoipfen hat. 

5} VII, 82 und oben 188, 6. 136, 2. 

6) Beispiele dieser Wunderkraft finden sieh viele und höchst aulTallende, 
wie IV, 25 die Entlarvung einer Lamie; IV, 45 eine Todtenerweckung, welche 
den beiden bei Lukas erzählten nachgebildet %vl sein scheint; IV, 44, 2. VIT, 
88 die Wunder bei Apollonina* Vertbeidigung und im Gefllngniss; III, 18 — 15. 
17, 2. 27, 2 die Abenteuerlichkeiten der indischen Welsen u. A. 

7} III, 18, 1 sagen die Brahmanen geradesu von sich: ^{Utc Tzkna ytTfUMio- 
xo{iev, ebenso VII, 14, 2 Apollonius: S tc e?$u>< jcivtoc, n. VI, 11, 6 verspricht 
die (pythagoreische) Philosophie ihrem Jfinger: xaOap({> 8k ovit aoi xa\ 9;po- 
yi^vc^axetv 8(&9f» u. s. w. Proben dieser Allwissenheit finden sich allenthalben 
in unserer Schrift. VIII, 7, 80 f. wird dieselbe mit der pythagoreischen Nah- 
rung, welche die Sinne rein und frei erbalte, III, 18 mit der philosophischen 
Selbsterkenntniss in Verbindung gebracht Auch die Opferschau, wiewohl 
sie dem Pythagoreer selbst fremd ist, wird VIll, 7, 50 nach dem Vorgang des 
platonischen Timäus (71, Af.) physiologisch erklärt. Man bemerke, dass auch 
die pythagoraisirenden Giemen tinischen Homilieen ihren „Propheten der Wahr- 
heit" wesentlich durch die Eigenschaft der Allwissenheit charakterisiren III, 
11 — 15. 

8) Ausführlicheres flber die Lehre, welche Philostiatus dem Apollonins 
bailegt, b. Baüb a. a. O. S. 54—74, dem auch die obige Darstellung grössten- 
thells gefolgt ist. 



PythagorAtBirende PUtoniker. 141 

X 

Wie sehr diese Darstellviif dem Geschmack ihrer Zeit ansagte, 
rieht man ans der vergöUernden Bewunderung, die ihrem Helden 
seitdem von den Freunden der hellenischen ReligiiHi und Philo- 
sophie gezollt wurde ^). Die Schrift des Philostratus ist nun frei- 
licli das jüngste Erzeugniss der neupythagoreischen Schule, das 
wir besitzen. Aber mit den gleichen ZOgen wurde ja das Ideal des 
Philosophen schon längst in den Schilderungen des Pythagoras und 
seiner Schüler ausgemalt, und mit dem. ganzen Standpunkt der 
■eaen Pythagoreer waren rie so verwachsen, dass wir den Apol- 
loDios des Philostratus, so ungeschichtlich auch seine Gestalt an 
sich selbst ist, doch unbedenklich als einen vollgültigen Zeugen 
finr den Charakter dieser Philosophie betrachten dürfen. Auch bei 
anderen Schalen fand aber diese Denkweise, durch die religiösen, 
die sittUdien und die wissenschaftlichen Zustünde begünstigt, mit 
der Zeit Eingang: zunächst und am meisten bei der platonischen, 
spater und in geringerem Maass bei der stokchen. 

6. Pythagoraisironde Platoniker, Plutarob« 

Yen allen Philosophenschulen jener Zeit stand keine deniü 
Neopythagoreismus von Hause aus näher, als die platonische.} 
Schon der ursprüngliche Piatonismus hatte sich vielfach an alt- 
pythagoreische Darstellungen angeschlossen, während andererseits 
der neupythagoreische Dualismus zu einem guten Theil auf nlaio- 
nische Lehren begründet war. Noch stärker hatte sich die Ver- 
mischung platonischer und pythagoreischer Vorstellungen, die 
Zahlensymbolik und die religiöse Mystik , in der älteren Akademie 
entwickelt. Die Skepsis des Arcesilaus und seiner Nachfolger 
▼erdrängte diesen Dogmatismus, aber sie selbst musste dem Dualis- 
■ras der späteren Zeit und der Sehnsucht nach höherer Offenbarung 
nittelbar vorarbeiten, indem sie das Vertrauen des Denkens zu 
sich selbst untergrub. Wenn endlich Antiochus von der neuen 
Akademie zu Plato zurückkehren wollte, so hatten denselben Philo- 
sophen auch die Neupythagoreer zu ihrem hauptsächlichsten Führer 



I) Beweise derselben sind schon 8. 182, 1. 136, 2 aus Dio Cassitts, Yo- 
plicas und Bonspias beigebracht worden. Um den Anfang des vierten Jahr- 
banderts rerglioh Hierokles in seiner Schrift gegen die Christen Apollonius 
Büt Christus, am seine Ueberlegenbeit über diesen sn beweisen. Vgl. Baüb 
i s. 0. 8. 3 if. K.-Oesoh. I, 426. 



i|49 PUUrob. 

f««iUt; wtjm jenw mil den pUloiiiBdMli peripateliidre und 
«toiflehe. Lehren ekleklieeli verbaiidi 8p haben wir auch bei dieien 
ilen gleiehea Eklekticismu« getroffen; und dieser EklekticiflBiiis 
war durch dieselbe skeptische Stimmung beding!» aas welcher der 
Offenbarungfglaube der Pydiagoreer hervorgieng. Wirklich kaai 
audi Antiochas und seine Schule dieser Denkweise bereits auf 
halbeflü Weg entgegen, wenn es ihnen vor allem um die sittlich- 
religiöien Ergebnisse der Philosophie zu thnn war, und wenn sie 
sich hiebei auf angeborene Ideen, als eine unmittelbare Offe»r 
barung der Natur und der Gottheit beriefen, wie diess Cicero tbat, 
und wie es wohl auch schon seine akademischen Lehrer gethan 
hatlen 0» Wird die Wahrheit allen Menschen vermöge ihrer Gotl- 
Yerwandtochafl von der Gatlheit mitgetheilt, warum sollte sie nicht 
denen, welche durch fromme Gesinnung und Heiligkeit des Ld)eas 
Y^ anderen hervorragen, in höherem Ilaasse und auf ausser- 
ordentliche Weise mitgetheilt werden ? 

Wie frühe der erneuerte Pythagoreismus die Aufmerksamkeit 
der Akademiker auf sich sog, und wie leicht sie sich mit seiner 
plalonisirenden Deutung der pythagoreischen Lehre befreundeten, 
sehen wir schon an Eudorus % Indessen sind wir über ihn und 
über die ganze akademische Schule jener Zeit zu unvollständig 
unterrichtet, iim.beurtheilen zu können, wie weit sie sich in ihren 
eigenen Ansichten von diesem Einfluss bestimmen Hessen. Erst 
bei Pill tarchns aus Charonea '3 finden wir die Verschmelzung 



1) Vgl. 1. Abtb. 684. 

Sf) Bd. T, 260. 

8) Alt teindn Qeborttort besolofanet Plotaroli «elbit ChSrone* in BOotien 
(Otatti' 1 t BnHk 16. fort Bob. 4, SeliL 8. 818. De oarietit. 1, & 815 Tgl. 
DMioilb. %), 6^in Qeborta* nad Todotjahr ist unbekttmit; Jeaet wifd aliMr 
«nnähecnd nm 48, diese« am 180 s. Cbr. gesetst werden kennen: Öuid. ea^, 
er bebe unter Trajan und früher gelebt, nach Demielben erhielt er yon Tn^an 
die Würde eines Proconsuls nnd eine Art Oberaufsicht Über lllyrien, nach 
(Btttebini bei) Btrcbll. S. 849, B wnrde er, schon betagt, von Hadrian tum 
Proamrator (wtna Ixtrpoxdecv hier dieee bedeotet) tob Hellas ernannt. Lata- 
tere Angabe reranlasst dann Hibrok. Chron. Eas. au OL 224, 8 (118 n. Chr.), 
s#in Leben^ttisi^ne« habtbaniurj in diese Zeit an setaen; Derselbe sagt aber 
aaoh in Ol. 211, 4 (68 n. Chr.), er und Mosonius seien damals berühmt ge- 
wesen (das gleiobe Cbron. pasch. S. 240, d), und &hnUoh Pbot. Cod. 846, 
Sohl. : ii£i N^pwvo« ^v. Letsterer rerweist dafür auf Plutarch^s eigene Aoasage; 
dieser aber nennt allerdings Flamin, c. 12, g. E. Ner« seinen Zaitganossen, 



Seine PerfOalichkeit. 

de« PktonkoNis mit der Dettkweiae, welche sMr^t in der nea- 
pjlbagoreischea Schule henrortral) so weit. gediehen « dim die 
gftitfe Weltanschanung des Philosophen von ihr beherrscht «i 0* 

genauer jedoeh bemerkt er De Ei 1, Sohl- B. 385, als Nero in Orieohetiland 

war (66 n. Chr.)t 9ei er selbst Schtiler des Ammonius gewesen. Als Zeitge- 

soBten Trajan*B beaeicbnet ihn seine Freundsobaft mit Favorinns (vgT. 8. 60, 1) 

mä mit SoMiuB Seneoio; dem letateren, der unter Trajaa wie^erikolt Coueiil 

war, hat er die Biograpbieen und andere Sobvifton g«Widi»et.(vfLdcii in^Mi 

in Pkt. ed. Dflbner). De primo frig. 12, 5. 8. 949 wird von Tri^^s 4«4i- 

•iben Kriegen (101 — 106} mit v9v gesprochen. In seiner Jagend beschäftigte 

er sieh eifrig mit M athematik» (Beweise seines mathematischen Wissens giebt er 

5(ters, so namentlich De an. proer. in Tim.) and demn&chst unter Leitung des 

AuHionina, den er ohne Zweifel ib Athen anfsnchte, mit Philosophie (De Bl 1. 

Themiat S9, Schi. n. G. rgL^l. Abtb. 7 1 7, 4). In Angele^enbeltan ««teer Diäter« 

Stadt soheint er noch in Jüngeren Jahren jiaoh Bom gekoi^meii au aefa&; ai}- 

gleiob benfltate er diesen Aufenthalt, um als Lehrer aufsutreten ; mit der rtt- 

mlaehen Literatur wnrde er aber erst spftter bekannt, and fflr einen feineren 

Kenner der lateinischen Sprache will er sich nicht ausgeben (Demosth. 2. 

firti an. 4, 8. 479. De cnriosit 16, JS.639)*, amf einen späteren Besuch in Bern 

scheint sich qu. oonv. VIII, 7, 1, 1 au besiehen. Auch einer alexandrinischen 

^•e (qu. conT. Y, 6, 1, 1) und eines Besuchs in Sparta (Agesil. 19) geschieht 

Srvlhnnng. Von aeiner Vaterstadt achon frühe in Gesch&ften verwendet 

(i.'o. und prKC ger. reip. 16, 4. 20» 6. 8. 811. 816. Demosth. 2), war er in 

^ Folge Arohpn Eponymos (qu. cony. II, 10, 1, 1. VI, 8, 1, 2), Priester (ebd. 

Vn, 2, 2, 1) und einer Ton den Aufsehern der pythiscben Spiele (an. seni s. 

gir. resp. 17, 3. 8. 792) ; Trajan und Hadrian sollen ihm angesehene Aemter 

flbertragen haben (s. o.) ; es ist aber allerdings aehr auffallend, dasa sich in 

dea Schriften des Mannes, welcher weit unbedeutendere Ausaeichnungen in 

•eioer Vaterstadt nicht unerwähnt lAsat, davon keine Spur findet; vgl. QailABn 

d« la Horale de Plut. (Par. 1866) & 18 ff. Ueber PluUrch*s Leben n. Sohriften 

•> m, Blaa in Pault's RealenoyklopAdie V, 1772 ff., über aeine Philosophie, 

aoner den urnfMcenderen Daratalinngen der grieohisoben Philosophie: ScnaBi- 

ni DoetrinaPlnt et theol. et mor. in Ili^sh*s ZeiUobrift f, hiatör. Theol. VI, l 

(18S6) B. 1 — 144; Sbibsrt De apologetica Plut. Cbnrou. Theologia. Marb. 

1S54; auch NfTsaoH De Plut. theologo et philos. populari. Ind. Sohol« Kil. 

1849; über beides Gr^ard in dem ebengenannten Werke. 

1) Möglich allerdings, dass ihm schon sein Lehrer Ammoniua hierin yor- 
ttgieng^ der ala Aegypter (Eukap, y. Soph. prooem.) dem Hauptsitz der neu- 
fTtbagoreisohen Schule nahe war, und dem Plut öfters seine eigenen An- 
iiehten in den Mond legt Auf seine Vorliebe für die pythagoreische Mathe- 
attik besteht aioh yielleicht De Ei 17, B. 891 : h 8s 'A|i|ji(&v(0<, Sit d^ xa\ aOrb« 
^ x^ f awXdittrcv Iv )ta6i)[jLaTix7j f tXooof («c ti8^(uvo(. Von Plutarch*s Kenntnias 
der pytbagoreiaoben (baw. neupythagoreischen) Lehre finden sich aahlreiche 
^eiae in seinen Sohriften. 



144 PUtarcli. 

Dieser angesehene, und ohne Zweifel anoh sehr einflussrriche 
Schriftsteller ^hlt nicht blos sichselbst unter die Akademiker^, 
sondern er knüpft anch die Darstellung seiner Ansichten mit Tor- 
liebe an die Erklärung platonischer Stellen '3, er weiss selbst 
solches, was offenbar späteren Ursprungs ist, bei dem Vorganger 
zu Gnden, dessen Ausleger er sein will ^}, und nicht einmal bei 
untergeordneten Punkten wagt er einen ausdrücklichen Wider- 
spruch gegen den bewunderten Meister^); er glaubt sich vielmebr 
verpflichtet, seine Satze auch dann in Schutz zu nehmen, wenn er 
auf einen genügenden Erweis ihrer Wahrheit verzichten muss ^. 
Er giebt sich also zu ihm die gleiche Stellung, wie sie überhaupt 
die Platoniker dieser Zeit zu Plato, die Peripatetiker zu Aristoteles 
einnehmen wollten. Unter den übrigen Philosophenschulen tritt 
er nicht allein der epikureischen, deren sittliche und religiöse 
Ansichten ihm zum höchsten Anstoss gereichen , sondern auch der 
stoischen, vom Standpunkt des Platonikers aus sehr entschieden 
entgegen 0« Doch bemerkt man bald, dass auch sein Piatonismus 



1) Ennapias v. soph. prooem. 2 nennt ihn OeiötaTOf, ^iXooo^taic ojccorjc 
«fpodlti) xa{ XtSpa, minder enthiiBiAStisoh sagt sein Schiller Taums bei Gbll^. 
N. A. I, 26, 4 : PhU. notter vir docHssimui ac prudentUnmui, 

2) Qa. conv. IX, 12, 2. De fac lana 6, 1. S. 922. 

8) Z. B. in den Qatdstionea Platonicn; De anim» procreatioue in Ti- 
miBo; Consol. ad Apoll. 86, S. 120. Uebor die ftasserst zahlreichen Anf^h- 
mngen platonischer Stellen bei Plut. vgl. m. d. Register. 

4) So sollen die sehen aristotelischen Kategorieen Tim. 87, A angedentet 
sein (an. proor. 28, 8. S. 1028) ; weitere Beispiele werden sich ans sogleich 
ergeben. 

6) Seine Bewnndernng Plato*s drückt Fiat, bei jedem Anlass aas; statt 
aUer anderen Stellen genügt es hier anf qa. conv. VIII, 1, 2 la Yerweisen. 
Weiteres bei GadABD a. a. 0. 70. 

6) Z. B. qa. conTir. VII, 1, 8,24, wo eine Vertheidigung der platonischen 
Annahme (über die aach Sto. rep. 29, S. 1047), dass das Getrftnke nicht in 
den Magen, sondern in die Lange komme, mit den bezeichnenden Worten 
ftchliesst: x6 V akrfil^ Xota^ aXTjntov £v fs TouTotc xa\ oCx e^i npb; ^tXöoo^ov 
d^^ Tt xa\ 8uv&|A6t icpoiTov oQibic a^cauOaSfaaaOai ntpi npic^it-aio^ aSiJXou xa\ Toa- 
aÖTijv ahioXoyCov l^orzoi, 

7) Den Epikareem gelten bekanntlich die drei Abhandlaugen: Sxt o^t!k 
l^jiv JoTtv ^8/(0{ xaT^ 'E?c(xoupov, icpbc KoXcüiyjv, and il xaXa>< ETpT]Tat xb X&Oc 
ßuuaoK{ ; den Stoikern die icsp\ oruuoxv lvavtuo(idiTtüv, die 7ccp\ xcov xoivcov lvvot«Sv 
and die karze oitvo^^i^ tou Sti icapaSo^ötepa o\ 2tcüVxo\ xcov tcou^xcüv XeyouatVj 



PlatODismiis; Eklektioismus. 146 

Ton jenem Eklekticismus nicht frei ist, welcher seit Antiochus in 
der akademischen Schule so tiefe Wurzeln geschlagen hatte. So 
lebhaft er die Stoiker und Epikureer bestreitet, so freundlich ist 
seinTerhaltniss zur peripatetischen und pythagoreischen Schule O9 
und er selbst zeigt seine Verwandtschaft mit den gleichzeitigen 
Eklektikern, auch abgesehen von den einzelnen Lehrbestimmun- 
gen, welche uns später noch vorkommen werden, schon durch 
seine ganze Auffassung der Philosophie. Denn darin trifft er mit 
Philosophen, wie Cicero und die spateren Stoiker, ganz zusam- 
men, dass ihre Hauptaufgabe seiner Ansicht nach in ihrer sittlichen 
Wirkung zu suchen ist. Die Anfanger in der Philosophie, sagt er, 
wenden sich den Spitzflndigkeiten der Dialektik oder den prunken- 
den Untersuchungen der Physiker zu, oder sie machen sich auch 
Sammlungen von Erzählungen und Aussprüchen; wer es dagegen 
za einer gesunden Beurtheilung der Dinge gebracht habe, der 
suche Belehrungen, welche auf Grösse des Charakters hinwirken, 
deren Richtung nicht nach aussen gehe, sondern nach innen '). 
So wenig er daher auch' den Werth verkennen will, welchen die 
Erkennlniss an und für sich habe ^, so findet er sich doch vor- 
zugsweise von solchen Untersuchungen angezogen, welche sich 
auf das sittliche Leben beziehen; und wie er selbst in seinen Ge- 
scMchtswerken den praktischen Nutzen der Geschichte gerne her- 



wtlineheiiilioli ein Auszug ans einem grösseren verloren gegangenen Aufsats. 
Nile Polemik gegen die beiden Systeme zieht sich durch alle seine Schriften \ 
Beiipiele derselben werden nns noch reichlich begegnen, zugleich aber wer- 
d«D wir sehen, dass er sich stoischen Einflüssen doch nicht durchaus ent- 
legen hat 

1) 80 oft auch Plntarch des Aristoteles erw&hnt, so bestreitet er ihn doch 
immer nur in untergeordneten Punkten, während er andererseits, wie wir fin- 
deo werden, nicht wenige wichtige Bestimmungen, namentlich in der Psycho- 
logie und der Ethik, von ihm aufnimmt. Vom Pythagoreismus ohnedem hat 
er Tiele seiner eingreifendsten Annahmen entlehnt, und er selbst verweist 
Uoilg auf diese Quelle, s. B. De Is. 25, 8. 860. Ebd. c. 80. c. 48. 7^^. De 
tt. pror. 13, 3. 8. 1017. Ebd. 14, 1. 17; 1. Sto. rep. 82, S. 1049. 

3) De prof. in yirt 7, 8. 78 f. Aehnlich die unftchte Schrift De educ. 
P««. 10, 8. 7. Vgl. adv. Col. 3, 6. S. 1108. 

8) N. p. snar. Tiyi 10, 1. S. 1093: aOTTjt 81 t^« aXrfliloL^ ^ (jKxOi^ai« of^xco^ 
k^9^(ii iaxi xdt )ro6c(vbv , «o« to ?7)V xa\ to gTvai 8ta xb Yiv<fc>ax€iv. 

PUlo«. a. Gr. III. Bd. 3. Abth. 10 



146 PUtarch. 

Yorhebt O9 und die Darstellung der Charaktere mit Vorliebe in's 
Auge fasst, so hat er sich auch als philosophischer Schrifteteller 
ganz überwiegend mit moralischen Gegenstanden beschäfligt, ik 
Dialektik dagegen berührt er immer nur im Vorbeigehen, und was 
er naturwissenschaftliches geschrieben hat, das betrifft nur einzelne 
Punkte, und beweist mehr für seine Gelehrsamkeit, als für ein 
wirkliches tieferes Interesse an der Naturforschung. Nur einigen 
metaphysischen und anthropologischen Fragen widmet er, eben 
wegen ihrer ethischen und religiösen Bedeutung, grössere Auf- 
merksamkeit. Wie aber mit diesem Zurücktreten der reinen Theorie 
gegen die Praxis überhaupt nicht selten eine skeptische Stimmung 
verbunden ist, so lassen sich Anwandlungen dieser Stimmung auch 
bei Plutarch wahrnehmen 0. Schon in den Naturerscheinmigen 
findet er manches so unbegreiflich, dass der Philosoph am besten 
thue, sein Urtheil zurückzuhalten 0; noch weit nöthiger ist aber, 
wie er ausführt, diese Vorsicht in unseren Aussagen über die 
göttlichen Dinge. Wissen wir doch selbst das, was Tor unseren 
Augen liegt, so oft nicht zu erklaren: wie könnten wir von dem 
mehr zu verstehen meinen, was über uns ist? wie als Menschen 
über die Götter zuversichtlicher reden, als Laien über die Musik 
oder über die Heilkunde sprechen werden? Plutarch nimmt 
daher Arcesilaus und seine Grundsätze ausdrücklich in Schutz, er 
sieht in der Zurückhaltung des Urtheils nichts anderes, als eine 
lobenswerthe Vorsicht, er erklart, die Widerlegung der akademi- 
schen Skepsis sei ihren Gegnern nicht gelungen, und es sei 

1) Z. B. Nie. 1, Schi. Aemil. R c. 1. 

2) Auch hierin war ihm Ammonius durch seine akademische Behutsam- 
keit (qu. conv. IX, 14, 7, 1) Torangegangen. 

3) So sohliesst er seine Erörterung de primo frig. o. 28, 8. 955 mit den 
Worten: TauTa, & 4>aßa>piVE| Tot^ c!f7}(i^voi( 6^^ IWpov Tcap&ßaXXs. xav {iifrt Xti' 
TwjTai Tg 7ci8avÖT>jTi [iiJTE ^Tcsp^)^?) ÄoXu, j^aipiiv ea ta? Söfo^ tb cTC^eiv ^v xol? i^- 
Xot( Tou ou-pcataTlOeaGat 91X0909 (oicpov ^yo^i^ivoi. Vgl. auch Def. orao. 37, Schi. 
S. 430 und oben S. 144, 6. 

4) De Sera nnm. yind. 4, S. 549: Tcpcoiov o3v uoTcep «9* lorfaf op^ö^uvoi 
Tzax^OL^j trli 7cpb( xb Oetov cCXaße^ac tcov ^v ^Axa$7)(i(a ^iXoaö^tov, to (Jikv wc s?$ö- 
TEC Ti X^yetv ffep\ toutcjv Ä^ooicöaöiJLeOa. icX^ov -^kp ioxi tou icEp\ (Aouvexcov ofioJaout 
xa\ noX6|i.ixcijv «oxpateÜTovc ^loX^YEoOai , xb xa Oeta xa\ xa BaijAÖvta np^jjLaxa (ta- 
axoTc^v av6p(i^nou( ovxa^ u. s. w. Wenn der Laie ({8i(uxi]c) (Iber die Operationen 
des Arztes kein Urtheil habe, so habe noch viel weniger der Mengch eines 
fiber die Rathachlüsse der Gottheit Aehnlioh e. 14. 



Eklektioi8mQfr6kap0ife; Beligiositltt ftT 

naneiitlidi der Beweis ffir die BebauptuQ;, dass sie dha Handeln 
VBMglieli Diacke, nicht geführt worden 0- Einer krfifligeren 
BntwieUiing dieses Zweifels nrasste indessen bei Plutarch theils 
seine Abhinpgrkeit Ton Plato, theils sein praktisches Interesse in 
den Weg treten 0* 

Un so mehr wurde aber durch eben dieses Interesse der Ein- 
Hu des religiösen Elements begünstigt, dnrch dessen Uebergewicht 
sidi Hntarch ror allen seinen Vorgängern aus der platonisehen 
Schale ausKeichnet Wenn die Philosophie überhaupt dem sittlichen 
Leben dienen soll, so vollendet sich dieses selbst in Plutarch's 
Sim durch Frmnmigkeit und Gotteserkenntniss; und wie nur der- 
jenifo ein wahrer Priester der Gottheit ist, der eine tiefere Einsicht 
ii ihr Wesen besitzt *), so erreicht andererseits die Philosophie 
ihr hödistes Ziel in der Theologie O; eine Philosophie dagegen, 
welche die Menschen zur Gleichgültigkeit gegen die Götter an- 
leitet, wie die epikureische, raubt ihnen eben das, was die Quelle 
der höchsten Beruhigung und Seligkeit für sie ist ^'). Plutarch 
seinerseits yerliert in seinem Philosophiren die Religion nie aus 
den Auge; die wichtigsten Fragen sind ihm die, welche die Gott- 
Mt und das Verhahniss des Menschen zur Gottheit betreffen; fSr 
ihre Behandlung folgt er aber durchaus der Richtung, die ihm 

1) AdT. Colot 86, 8. 1181 f. ebd. 89, 1. 

8) Et sttgt tiofa diess ausser allem andern aaeh in der Stelle der Schrift 
gCRw Koloiea. Naobdem licb Plat. bier eb«n erst in der angegebenen Weise 
8«l«isert hat, heisst es 87, 5: oXX* „aSüvatov to \i^ ou'piataTCOcoeat töte ^«p- 
T^** ... t{c oliv xiv£ ta }coctortfU(A^a xa\ (jL^siai toU ifdp^dvv*] o{ iMtvttxV ^at- 

i)iiroEXi|vi)v, ok ic^tvt«( ovOpttiROc Oi^ouoi n. s. w. Wo das Glaabensbedflr&isa 
ttd di« AnktoritÜt so stark sind, dass für die Beseeltheit der Gestirne und 
^ Weissagungsaberglanben die unmittelbare Gewissheit des angensohein* 
liehen gefordert wird, da haben wir es natürlich mit einer Denkweise in 
tei, welche Ton der eines Arcesilaus und Kameades weit, abliegt. 

8) De Is. 8, 8. 868: Die Isis sei die Weisheit, welche das Göttliche den 
*tlim bfttföpot und ttf öotoXot seige« oSrot d^ zhvt uli xbv X^^ov ffep\ Oswv n&aifi 
tah^riofxa Ssmdstfiovia« tlA mpupfia/i <v ifj ^'^XÜ f^^^^C* ^^" wahrer 'loiaxb« 
»«i i xa 8iixviS(tfva xcä. 8p(£»{A<va mp\ toU Oeou« xothoiK • • • X^yco |^i)t«Sv ntä f iXp- 
'•^wv iap\ -rije Iv oÖToTe aXrfitia^. Vgl. ebd. c. 68. 

4} Det (M-. 8, 8. 410: fiXooofioK OsoXoyCav ... xikxn ^eiioiQC» 
5) Wie diass Plnt. n. p. suaT. v. o. 80—88, 8. 1 100 f. nachdrttdklicli 
"•ftkit. 

10* 



148 PlntAroh. 

theik durch Plato, theils durch den Neupyfhagoreisnitts rorge- 
aeichnet war. Bin reiner und wfirdig^er Gottesbegriff, eine duali- 
stische Weltansicht, und im Zusammenhang damit der Glaube an 
Offenbarungen der Gottheit und an Wesen, die sie vermitldn, dien 
sind die hervorstechendsten Züge der plutarchischen Theologie. 

lieber die Gottheit hat, wie Plutarch ausfahrt, kein anderer 
Philosoph so gesunde Ansichten, \^ie Plato 0; und so halt auch 
er selbst sich in dieser Beziehung ganz an die platonischen Be- 
stimmungen, nur dass er diese im wesentlichen ebenso- aufSust, 
wie sie damals in der neupythagoreischen Schule aufgefaast wur-> 
den. Gott ist das wahrhaft seiende, und darum das ewige Wesen, 
ton dem wir nichts aussagen können, als dass es sei; das einheiW 
liehe Wesen, dem jede Vielheit und Zusammensetzung fremd ist O; 
das Gute, dessen Wille und Gedanke alles aufs schönste und heil- 
samste ordnet '), die Vernunft, deren versorgendes Walten sidi 
auf alles erstreckt ^). Vermöge dieses seines rein geistigen Wesens 



1) Def. orac. 47 f. S. 435 f.: gewöhnlich rernaohliBsige man entwederp 
wie die Physiker, aber den natürlichen Ursachen der Dinge die Gottheit, od«r 
nnigekehrty wie die Dichter, jene über dieser; adtb^ & scpuTo; 9) (t&Xiora xwß 
^iXoa(5.ip<ov «fi^oWpa; ^TCs^XOe, T9 [ih Oefi) x^ «FXV ^o$($ob( twv Jtaxk Xö^ov 
^X^vTwv, oüx Äwoorepöv tk -rijv ßXijv xwv avorpcafcov jcpb« xb Ytvö|AEvov acxccSv. 

2) De Ei 19, 8. 392: Das ovxco« Sv sei nnr das oif^tov xa^ ixi^xo^ xoä 
a^Oapxov, ^ y(S>6wo^ (JiexaßoX^v oöSk eU ^s&fsi. Ein solches nan (04 20) sei Qott: 
sTc il^v Iv^ Xb) vuv xb iii nticXvIpcoxc , xa\ (lövov lo^ xb xaxa xoCxov ovxuk 9v, od 
ye^ovo« oCd* ^vöpievov n. s. w. o&x«ik o3v (als ovxok Sv) cc^b hü a6pO|A^oiK itvxk- 
Ceo6ai xtt\ npocayopeütcv, 9) xoe\ v9) A(a^ cu« Ivtoc xSv icaXaccüv !v. o& y^p iroXXa 
xb 6^öy l9t(v, (u( ^qSv Ixavxoc ... diXX' h sTvett d<t xb 3v, Soffep 3v xb fv. Mit 
Recht werde er daher *A — nöXXwv genannt (Vgl. S. 107, 3 and 1. Abth. 806» 
6.) xb Zk h clXtxpiv^c xa\ xa6ap6v* ixtfpou yop pit^t icpbc hepov h i&taepLÖ«. Ebd. 
0. 17: tty 9C(i^v, CO« itkrfiVi xtCi a<|fCuS9| xa\ |jl6vi)V {lövc^ icpocijxouoocv TJjv ToC tlvca 
TcpocoTföptuotv aicodt$övx«(. De Is. 77, S. 882: ebcpoxov yStp ^ opx^i '^^ %<T^ "(^ 

TCpoiXOV XOt^ VOVjXÖV. 

8) De Is. 68, 8. 872: Isis sei xb xi|( ^toco« 69jXu ... ^k 8^ ovSpi^xov lp««t« 
xou Tcpcüxou xa\ xuptwx&xou ff^xcDv, ^ xaY*^9 xotiSx^v ioxi, wesshalb es anok c« 64 
xb 8v xa\ voi)xbv xa\ iyaOby genannt wird. Def. orao. 24, 8. 428: erfaOdf fop 
2^v TcX^cDi, o08t(AtS( ^prrtjc ivBcij« ^oxtv. De fato 9, 8. 672: luxcv olSv xpövot«, ^ 
|A^ av(ox5(xiii> xa\ npt&xv), xo9 xp<i&xou Ocou vöi^atc lixt xa\ ßoiiXiiot« oSa«, töefftfric 
kn&rctay n. s. w. 

4) De Is. 67 : Die Gottheit sei kein ovouv und a\^u)^ov, und die Q6tt«r der 
rerschiedenen YOlker seien nnr rerschiedene Namen ivb« Xtfyou taüx« xoo)mmSv- 
xo{ xaV (Atoc ?cpovo(a( iTCixpoffeuoUov]« xa\ 8uv^u>v ikoupY«Sy ii^ ?c&vxa( xtxorfpMtv. 



Die Ootilielt. 149 

ift Gott jedem Wedisel und jeder unmittelbaren Berährung mit 
dem Irdischen nnd Vergänglichen entrückt 0- Nichts kann daher 
aoem richtigen €k)tte8begriff greller widersprechen , als die Ver- 
wedidang der Gottheit mit den sinnliehen Bildern, unter denen 
sie dargestellt wird , die Meinung , dass leblose Gegenstande, Werke 
voQ Holzschnitzern und Steinmetzen, Götter seien, die Anbetung 
heäiger Thiere, die unwördigen Mythen der Dichter, welche den 
Göttern alle menschlichen Schwachen, Leidenschaften und Schlecht 
tigkeiten beilegen ^.' Aber auch die physikalische Deutung dieser 
Mythen, wie sie die Stoiker versucht hatten , die Uebertragung der 
Gdttemamen auf Elemente und Naturerzeugnisse, überhaupt auf 
körperiidie, beschränkte, veränderliche und vergängliche Dinge, 
streitet sosehr mit der Natur des Göttlichen, dass sie sich, wie 
Plotarch glaubt, von der oBenen Gottesläugnung kaum unter- 
ttheidet^. Die Gottheit kann ja nicht in die Materie verschlungen 
«mi Körpern beigemischt sein, welche entstehen und vergehen, 
tsoienderlei Einwirkungen und Veränderungen unterliegen; son- 
dern sie muss erhaben über die Welt des Wechsels in ihrem ewigen 
Wesen verharren ^X So weit allerdings darf man ihre Jenseitigkeit 

1) De If. 54: Otiri» (der höchste Qott) ist X&^o^ aizoi xa6* lauxbv «[iiy^c 
utt «sa(h{{. c. 62, Schi.: xaO* lautbv h toO Oeou vopc xa\ Xö^o^ Iv t(^ aop^xc}) xa\' 
^9^ ßEß7}xas tU y^veoiv 67cb xiVTjascof Tcpo^XOev. c 75: der TcptoTo^ 6eb< sehe 
ohoe gesehen su werden, c. 78 : er sei antox&xta x9i( yfj^ axpaVTo; xa\ apiiavto; 
«& xoOapb^ oiaiai «K&mi^ fOopav ^ijo^Uvr^i. Def. orac. 9, Sohl. S. 414: [b yap 
tiey ff] xaxa|UYvl»( ÄvOpcontvat« xpefai^ o5 ^eCSexai -c^( a8(JLVÖTY]T0( odSk irjpet xo 
>&a|ia xcü tb yJ-p^o^ oe^(5 t9|c opCT^c. 

2) De superstit. 6. 10. S. 167. 170. De Is. 71. 76, Schi. Def. orac. 15, 
S. 418. PerikL 39. Wir werden aher allerdings finden, dass PI. alles dieses, 
ud so namentlich auch den ägyptischen Thierdienst, doch auch wieder zu 
▼ertbeidigen weiss. 

3) Man rgl. hierfiber: Stoic. repngn. 88—40, 8.'l051 f. c. notit. 31, 8. 
1074 {. De Is. 66. Def. orac. 19, S. 420 Tgl. De Ei 21, S. 398. 

4) Det orac. 29, 8. 426: man dürfe die Götter nicht zn Lnftströmangen 
tnd ElementarkrAflen machen, und sie an das Körperliche anheften, xoivto- 
voSnof aOxijl \^/JP^ ^Oopoc xa\ StaX;Saeü>c a7cajT)< xa\ (lEtaßoX^C. Ad princ. 
inemd. 5, 1. S. 781 : oO ^Ap dxoi oö$^ npiizoy^ Sonep Ivioi 91XÖ90901 X^youai, xbv 
^0v h SXi) nic/za icaa^oiioY) xa\ scp^fiaai [Aup{a< B6)(^o(i^voi( avÄ^xa; xa\ viy^ci^ xa\ 
l^s?oXa( 6ic^)^etv ava(xepLiY[xivov' dcXX* h \ih otvco tcou 7C8p\ t9)v aii xaxa xaCta oZito 
fkn ^ouaocv ISpujiiyoc Iv ß^Opoi^ «y^oi^, { ^y)oi ÜX^tcov, eöOefa nepafvet xaxa ^üdtv 
'fi'opcu^yo«. Die gleiche Polemik gegen den stoischen Pantheismus wird 
Qfli bei Philo begegnen, der sich überhaupt mit Plut. vielfach berührt. Aber 



IM Pltttarok. 

nicht treibeR, Amb jede Bin Wirkung der Gottheit M( die Welt 
gehoben, dass mit Epikur die Vomehung gelftugnet wfirde; Ober 
die Trostlosigkeit und Verkehrtheit dieses Atheismiis weifls sidi 
unser Philosoph nicht stark genug zu äussern ^>. Auch sur neu- 
platonischen Transcendenz geht er noch nicht fort: Gott wird hier 
noch durchaus als persönliches Wesen beschrieben 0» und die 
reinere Gottesidee bethätigt jsich nicht in einer vollständigen Ver- 
werfung, sondern nur in einer Läuterung der gewöhnliche« Vor- 
stellungen von der Gottheit: alle Vielheit, Endlichkeit und Be- 
schränktheit wird dem höchsten Gott abgesprochen, die böcbsle 
sittliche und geistige Vollkommenheit wird ihm zugeschrieben ^X 
aber die persönliche Besonderheit seines Daseins wird ni<Al ge- 
läugnet. 

Je reiner aber der BegriflP Gottes von Plutarch gefasst^ and je 
vollständiger namentlich alle Körperlichkeit aus demselben entfiemt 
wird, um sOvweniger hält er es für möglich, die Erscheinungen 
vollständig und ausschliesslich aus der göttlichen UrsäobUchkeit 
zu erklären. Alles Endliche schwebt ja in der Mitte zwiaohen Sein 
und Nichtsein; in dem Strome des Entstehens und Vergebens hat 
nichts einen festen Bestand; ein Sein im wahren Sinn kommt nur 
dem Ewigen zu, welches von der Zeit und dem Wechsel nicht be- 
rührt wird '^). Dieses theilweise Nichtsein der 'endlichen Dinge 
kann seinen Grund nicht in dem göttlichen Sein haben. Die Un- 



dass ihn der letztere nicht gekannt hat, sieht man ans seinen sp&ter sa be- 
rührenden seltsamen Aeasserungeu über das Judenthum. Beide sprechen dem- 
nach auabhftngig von einander Ansichten aas, welche in letster Besiebung 
ans einer gemeinsamen Quelle herstammen. 

1) aOsÖTT)« n. p. saay. y. 20, 6. S. 1101. 

2) M. Tgl. ausser der Hauptstelle a. a. O. c. 20 — 28 : comm. not. 32, 1. 
B. 1Q76. 8to. rep. 28, 8. 8. 1052 (Epikur entziehe den Göttern das eunon|Tuibv, 
Chrysippus das afOofiov). Def. orao. 19, 8. 420, wo sich PI. über Epikur'« 
filSfuXa xco^a xa\ Tu^Xa xa\ ««('U^a lustig macht 

8) Z. B. De fato c 9, Anf. 8. 572. Def. orao. 8, 8. 413. 

4} Man s. hierüber, ausser den bisher besprochenen 8tellen, noch 8to. 
rep. 40, 8. 1052. Ad princ. inerud. 3, 7 f. 8. 780, wo u. A.: oO yof /P^vcp l^ta^^ 
b Oib( 60dou(jLi<>v, aXXa ii}C opeT^c xifi apyo^xf.. Aehnlich De Is. 1: die 8eligkeit 
und Macht der Gottheit bestehe in der ej»9iii[jiy) und f {>ÖW)9i(. Ebd. 20. Def. 
orao, 29, 8. 426 u. a. 8t 

5} De Ei 18 f. 8. 892. 



Die Materie aod die böte Seele. tfli 

Toflkmmbenheilen and Mflngel, auf welche wir fiberall stossen, 
litten sich nicht von dem vollkommenen Wesen herleiten, ßo 
wenig vielmehr etwas gutes in der Welt sein könnte , wenn nichts 
von Gott hervorgebracht wäre, ebensowenig wäre ein schlechtes 
denkbar, wenn alles von ihm stammte; denn Gott selbst zum Ur- 
heber des Bösen zu machen, wie diess die Stoiker allerdings thun, 
iieiast die Idee Gottes aufheben 0- Wir müssen daher zwei ent- 
gfegengesetzte oberste Grande annehmen, ein Princip des Guten 
and ein Princip des Bösen, denn nur aus dieser ursprünglichen 
Zweiheit lassen sich die Ungleichheiten und Gegensätze begreifen, 
von denen wenigstens die Welt unter dem Monde zerrissen ist ^; 
zu der Einheit musste die unbegrenzte Zweiheit, zu der Form das 
formlose hinzukommen, wenn ein getheiltes Sein entstehen sollte. 
Wir erhalten mithin , wie schon die Pythagoreer gelehrt hatten, 
iwei Urgrfinde, von denen der eine ebenso Ursache alles guten 
ist, wie der andere Ursache aller Vielheit, UnvoUkömmenheit und 
Schleoktigkeit 0- Der letztere kann aber nicht blos in der eigen- 
Bchaftslosen Materie gesucht werden, wie diess von den Stoikern 
geschieht; denn theils lässt sich etwas positives, wie das Böse und 
das Uebel, nicht aus dem eigenschaftslosen herleiten 0» theils 
dürfen wir ans die Materie in keinem gegebenen Zeitpunkt wirklich 
eigenschaftslos denken; wie vielmehr jeder Stoff, der gestaltet 
wird, vorher schon irgend eine Bestimmtheit hat, so muss auch 
bei der Weltbildung die gestaltende Thatigkeit Gottes schon einen 
bestnnmten für ihre Einwirkung empfänglichen Stoff vorgefunden 
haben ^3; Gott konnte weder aus dem unkörperlichen ein körper- 
liches machen, noch aus dem unbeseelten eine Seele, sondern er 



1) De li. 45. Bto. rep. 83 flf. B. 1049 f. c. not. 18—20. 8. 1065 f. 

2) De l8. 46. 

2) D«C orao. S6y S. 428 (wo Plot. Boinem Bruder Ijaraprias doch wohl 
Mine eigene Ansicht in den Mund legt): t^v wto-^ixta «px^v, Xifw dl tou £vb< 
^ Tij^ iop^ou Sui8o{, 4j (xlv oi\köpfla^ 7caoi)( oroi^^ov oZva. xa\ axa^ioi^, aiceipia 
xaXi|Tai* ^ $1 TOU §vb< 9<iai< opi^ouaa xa\ xaToXajißovouaa t){( ansipioif xd xevbv 
xtt\ oXorfov xa\ «dpiatov , cpipiop^oy jcap^exai , xa\ t^v l7CO(iiv9)v Kt^ toc a!a69]Ta 
^t (?) icpocaY^peu9tv a(Au>(Y6}c<^< ^nopi^vov xa\ $sxö{i€vov. Wie genau sich PI. 
hier eo die Pjthagoreer anechliesst, erhellt ans den Nachwoisnngen, welche 
8. 98 und Bd. I, 269 t gegeben eind. 

4) De an. proor. 6, 4 f. 8. 1014 f. 

5) De la. 68. 



|{|9 Platftrob, 

konnte nur den ungeordneten und regellos bewegten Stoff ordnen 0- 
Nöthigt uns nun der letztere Grund , der Materie von Anfang an ' 
gewisse Eigenschaften beizulegen, und die ursprünglichen fünf 
Körper CPlutarch zählt mit Aristoteles den Aether als fünften) 
wenigstens im Keime schon in den Urstoff zu verlegen O9 so führt 
uns der erste zu der Annahme einer Ursache, die sowohl von Gott 
als von der Materie verschieden den Grund des Bösen enthalt 
Dieses böse Princip wird mit den verschiedensten Namen bezeich- 
net, von den Persern als Ahriman, von den Aegyptiern als Typho, 
von der griechischen Mythologie als Had?s und Ares, von Empe- 
dokles als der Streit, von den Pythagoreern als die Zweiheit, das 
Unbegrenzte u. s. w,, von Aristoteles als die Beraubung, von Plato 
als das Andere CO(icTepov), das Unbegrenzte, das Theilbare, das 
Werden, am deutlichsten aber von eben diesem als die böse 
Weltseele ^. Seine Wirkungen zeigen sich in der ganzen Welt; 
von ihm rührt in der Natur alles verderbliche her, in der mensch- 
lichen Seele alle ungeordneten Triebe, alles vernunftwidrige and 
schlechte ^), Die Materie als solche dagegen ist zwar der Ort des 
Bösen, wie des Guten, und die untersten Theile derselben werden 
überwiegend von der verderblichen Macht beherrscht, aber ihrem 
wahren Wesen nach sehnt sie sich nach dem Guten und Göttlichen, 
sie liebt es, sie lässt sich von ihm erfüllen und befruchten, das 
Böse dagegen flieht sie; sie gehört daher noch zu der besseren 
und göttlichen Wesenheit; sie ist das Weibliche in der Natur, die 
Isis des ägyptischen, diePeniades platonischen Mythus; nur unsere 
irdischen Stoffe mag man mit der Nephthys vergleichen, die dem 
Verderber Typho vermählt blos heimlich und schwach von dem 
heilbringenden Naturgeist befruchtet wird ^). 

So hat sich also das zweite Princip unserem Philosophen selbst 
wieder in zwei Bestandtheile gespalten, und wir können bei ihm, 
alles zusammengenommen, drei ursprüngliche Gründe der Dinge 
unterscheiden : die Gottheit oder das Gute, die ungeordnete Welt- 



1) An. proer. 5, 8 ff. vgl qu. Plat. 2, 2. 4, 2. 8. 1001. 1008. De «era 
nanu rind. 5, S. 550. De U. 48, Sohl. Def. orac. 37 m. 8. 430. 

2) Def. orao. 37 vgl. de Ib. 54, öchl. Plato Tim. 52, D ff. 

3) De la. 46-49. De an. proer. 5, 4. c. 6 f. e. 9, 1. 7. 24, 2^ 

4) De l8. 49. 55. De virt mor.' 3, m. S. 441. 

5) De Is. 53. 56—59. 



Idceii nnd Zahlen« IM 

Mele, TOB der «Des whlechte und Terderbliche bentamml, and «b 
driltef die Materie, das Substrat, welches an sich eigenschaflslos, 
ebendessbalb aber ffir die entgegengesetztesten Eigenschaflten em* 
pfilBgücb, durch itie wirkenden Kräfte bewegt and bestnnnt wird. 
Wie nan die Welt ans diesen Urgründen heryorgieng, sucht sich 
Phitarch zunächst an der Hand PIato*s zur Anschauang zu bringen. 
Dock fillt seine Ansicht mit der platonischen nicht unbediRgt zu- 
saunen. Die letztere sieht das Wesen der Dinge in den Ideen ; 
sie sind nicht blos die Urbilder, nach denen die Wdt geschaffen 
ist, 80Bd«m ihnen kommt auch allein ursprüngliche und wahrhafte 
Wirklichkeit zu, und tou ihnen trägt alles andere zu Lehen, was 
es Ton Wirklichkeit besitzt; sie sind nach der späteren, von Ari- 
stoteles übwlieferten Lehrform, vor allem andern aus den Urgrün- 
den henrorgegangen 0- Bei Plutarch hat die Ideenlehre lange 
nicht diese Bedeutung. Er sagt wohl mit Plato, die sinnliche Er- 
schefarang sei getheilt zwischen Sein und Nichtsein, ein wabres 
Sein koüime nur dem Ewigen und Unveränderlichen zu 0> er be- 
zeichnet die Ideci als das unsinnliche und unbewegte Wesen, das 
Mnsler, welchem Gott die Sinnenwelt nachgebildet habe '). Aber 
doch treten die Ideen im ganzen genommen bei ihm sehr zurück, 
und die Nachbildung der Ideen im Stoffe wird auch wieder, nach 
der Analogie der stoischen ^öyoi <i7cep(jucTixol , als Befiruchtung des 
Stoffes durch Ausflüsse der Gottheit dargestellt 0* Weiter hebt 
Platarch, mit den Pythagoreem, die Bedeutung der Zahlen herror, 
die ja auch schon Plato in seinen späteren Jahren den Ideen gleich- 
gestellt hatte. Sie sind nach ihm das erste Erzeugniss der Urgründe, 
welches entsteht, indem ein grösserer oder kleinerer Theil des 
Unendlichen von der Einheit begrenzt wird 0. Die Kraft und Be» 

1) Vgl. Bd., II, tt, 476, 1. 482, 1. 

2) De Ei 18 •. o. 160, 5. 

3) An. proor. 3, 3. 22, 3. S. 1013. 1023. De Is. 54 (der Mhf^ x^o|m< 
Bild des w»}t<k). Ebd. 56, Anf. qa. oonTir. VIII, 2, 4, 5 (Gott, die Materie, 
die Idee eli Urbild). De eera nmn. Yind. 5, S. 550. 

4) De li. 58: Die Isis ist die Materie, icop^ou^a Y^vvdEv ^xeJvq» (dem icpo>- 
tw und drfaObv) Tuä xoeTaaicf{pe(v th SctuT^v ebco^j^to« xa\ &(jL0c6TV)Xtt(. Diese 
^i^t^tic beissen dann o. 54 sowohl Xö^oc als f^. 

5) DtL orac 85 (s. o. 161, 3): Die obersten Grttnde sind das Eins nnd 
die unbestimmte Zweibeit. oeSt« tk icpwTov «{ ii^x^ ^' '^^^ ^t^ov imf «ivovxat 
*• •> w« De an. proer. 2, 8. 1012. 



I5A PloUroh. 

dwlmg dar tenchiedenen Zahlen und KlMien yoü ZtUen wkd 
¥Mi ihm dfters in der Weise der pythagoreischen Zahlenspektrintm 
besprochen '> Indessen greifen auch diese BelrachUingen in seine 
Wekanndil nicht tiefer ein, da er doch immer am liebsten einbcb 
anf die Wirkung der €k)tthdt suräckgeht, welche die Materie ge- 
ordnet nnd gestaltet habe* 

Der ersle und wichtigste Schritt hiefür war die Bildung der 
Wellseele. Plntarch beschreibt diese naoh Anleitung des plato- 
nischen Timtas, so wie er diesen auffassl. Gott schuf die Welt- 
seele, indem er die ywnnnfUose Seele zur Ordnung brachte, mil 
Vernunft und Harmonie erAllte; er fasste ihr unbegrenntes, form- 
loses, unruhiges und theilbares Wesen in die einheitliche Fenn, 
seilte an die Stelle der ungeordneten eine gesetamassige Bewe- 
gung, an Ae Stelle des unsteten sinnlichen Vorstellens das tot- 
ntnflige Erkennen 0- Dns Mittel, wodurch er diess bewirkte, 
war ihre Binlheilnng nach den harmonischen Zahlen '3. MH der 
Seele und durch äe wurde dann auch der Stoff der Welt aus 
Hiaunelsgebfiude geslaltel ^). Ihre geordnete Bewegung ist die 
Zeit} ehe die Bewegung der Seele in Ordnung gebraohl wirde, 
war noch keine Zeit ^), und ebensowenig eine Welt; die Welt 
hat daher einen bestimmten Anfang, nur ihre Urbeslandtheile, 



1) M. Tgl. Ober die fiinheit and Zweiheii, du Ungeimde asd Qtndt, 
ausser dsn ao eb«n and 8. 161, 8 AxigaiTIhrteo SteUen: qu« rom. 36, S. 270. De 
Ei 8, 8. 888; über .eioselne Zahlen, neben der ausführlichen Besprechung der 
harmonischen Zahlen im TimAus (Do an. proer. 11 flf., 8. 1017 f.): De Ei 
& 18, 8. 890 (die Vierzahl, die vier ersten Zahlen nnd die Fanf; £ins die 
Zahl des Punktes, swei der FIftofae, drei der Linie, vier des Körpers, fünf der 
Seolf ; Tgl. Bd. I, 296. 321 f. und oben 8. 116). Ebd. o. 8. Def. otwo. 86, 
8. 429 (die Fflnf). De Ei 17 (die heilige 8ieben, deren Krifte aufsuahleB eis 
Tag nicht reichen würde), qu. coutit. IX, 8, 2, 4. & 788. (8, 6, 24) ebd. IX, 
14, 2, 4 f. (die Nenn). 

2) An. procc. 6, 1 f. o. 21. 28, 4 £ o. 24-26. c. 38. 

8) Flut, bespricht diese a. a. 0. o. 11—80. 29—82. Vgl. c. 88, 1: Die 
8eele fBhre den Himmel durch ihre barinonische Bewegung umher ffovtfAtttcn} 
luä dtxaioTdhv) fs^evula- ^iy^n 81 Toiaiixi) lot« xa6' «p(iev(av Xd^ot«.. .. icopaXoßwv 
Y«p i 8i)(fc(ovpYA( «TftÖav xa\ xXi2|ji|jiXc(av £v toI« xtv^9t<Jt «rtj« ava(>(Adotou Ktä sv«- 
ijtou <f ux^c Sio^pipopivi)« ffpoc ioui^v, t« (Uv $cwp(9£ xcä Sttfetv)<if , xk 81 rnrnffayc 
3cpe« oXXiiXa a«^ oi»Wc«iEtv, ap|Mv{«(« xa\ &ptO(A«;ic /pija&fuvoi. 

4) Vor. Aam. o. .88» 9. 9, 7 u. d. 

6) Qu, Fiat. 8, 4, 4 f. 8. 1007. 



WeltsoeMf Otfit «nd Welt. t|M 

de eig«ii0DiMftolo80 Materie md Ale vemmfitose Seele, fiMKÄ der 
WeMrikhier tehoii vor; der Bvrigkeil der Well, weloke nieM Hoe 
in der neupytbafiforeisehen , sondern avck in der phlOiffiBclien 
Schale so Tieien Beiflül fimd , widerspricht Plntaroh schon dess- 
hilb aifs eniBchiedensle, weil er damit den Vorrang der Seele 
vor dem Leibe nnd die Erhabenheit Gelles Aber die Well in 
beeuMclitifeii glaubte 0« 

Durch die Seele tteilt sich die Gottheit an die Well mit, so 
diss diese in ihrem ITasem von ihr nicht getrennt ist: die goHlidle 
Temunfl seibot ist es, die in's Werden heraustritt, nnd in der 
geordneten Bewegung der Welt sich offenbart 0; 60II Terbilt 
ridi SU der Welt nicht blos wie der^ Künstler n seinem Werke, 
mndem die gdttliche Kraft ist der Welt eingepOanat, und hAlt 
lie svsammen, die Seele der Welt, wie diess auch ausgedrftckt 
wird, ist nicht bfos ein Werk, sondern auch ein Theil Gottes, sie 
ist nicht allein durch ihn , sondern auch aus ihm geworden O* 
Neben dem höheren Element ist aber in ihr auch das geringere, 
sie ist zusammengesetzt aus der göttlichen Vemunft, welche sid» 
in üe Materie ergosaen hat, und aus jener ungeordneten Kraft, 
wriche wir als die böse Seele bereits kennen, aus dem Prmdp der 
nnd dem des Anderssetna % md ebendesshalb ist in alkn 



1) Aa. proer* e. 4-— 10, wo et nsobstiweisen sacht, das» nur dnrcb ieiae 
Anahnsn Äe sdieiBbar«! Widenprfieba in Plato'k AMisferangoa fib«r die 
Welt «nd die Soele gelSat werden. 

2) De I0. 62. s. o. 149, 1 TgL ebd. c. 60. an. proer. 34, 8. 

8) Qu. P]at. 2, 1, 6. 8. 1001: noir^xoH [liv, oTo< o?xo8Ö(j.oc u. 8. t, cbcijX- 
InxwL z6 Ipyov* ^ 3* &k6 tou Yswtjdftvtoc a^yj^ xa\ ftUvajiitc ^Yx^xpoetoit t(5 
'oxvmO^ xo^ euv^ei x^f f ü«fcv ix^eic«9|La xa\ pL<Sptoy e9e<Rv to9 T8xv«b9ano9>. 
Qott ist daher der Vater der Welt an nennen, denn diese gleicht nicht einem 
meehanischen Kunstwerk, ^iXX* IveoTtv a^<5 (lotpa noXXJj C«>>ö'n2T0( xa\ bn6xr^xo^ 
«• s. w. Bbd« c 2 : die Materie der Welt hat Gott Tovgtttonden, ^ 9!k 4^ • . . 
0^ Ipyov iaii toO 9eoO (lövov iXXa x«\ (i^po^, o08' i/K* oöM^ M^ x«\ in* 
B^ luX E^ tßMi Y^^'v^v* ^' Einfluss des fitoicismus auf diese Darstellung 
▼errith sich anch im Ausdmok gans deutlich; .der Sata, das» die Bcele ein 
Thsü and Ansfloss 4er Gottheit sei, ist ursprünglich stoisdi. Dagegen ist 
▼tM einer Einwirkung orientalischer Emanationslehre bei Plotarch niobta au 
bonerken, ein Umstand, der uns auch für die AufÜMiuag Tcrwaadtar Aa- 
liehten bei Philo u. A« einen Fingerxeig giebt. 

, 4) Vgl. S. 151 f. Von den zwei Bestandtheilen der Weltaeale sifht Plat 
4flB höheren in Osiris angedeutet; derselbe wird aber auch der absdutcft Ver- 



Theilm der. Welt nehea dem Guten das BAse» neben der Ordnug 
die Unordnung, neben dem regebnlMigen Bestand der Weebrnd. 
Dior . Himmel gelbst ist getheilt in die Spbire der Gleichheit und 
die des Andersseins, d/h. in die Fixstern- und die Planetensphire, 
doch is4 auch in jener eine Bewegung, auch in dieser eine Ord^ 
nung; die Zustande der Welt im grossen ändern sich besttedig; 
die Seele hat aus dem besseren Theil der Weltseele die TernuMll 
und den freien Willen, ans dem schlechteren die unvemfinftigen 
Triebe und die Sinnlichkeit; aber wie wenig beide Bestandtheile 
Bu brennen sind, seigt sich darin, dass die Vernunft Qm^') in der 
wirklichen Denkthatigkeit C^^vicn;) aus der Ruhe in die Bewegung 
Übergeht, die Sinnlichkeit in der Vorstellung Oü^ol) die wechsetai- 
den Eindrücke f(^sthält: jene ist Anderssein in der Gleichheit, 
diese GleieUieit im Anderssein 0* So walten also im Wettganzen 
swei entgegengesetste Kräfte, und mag auch die bessere ron die- 
sen die überwiegende Macht haben, so kann doch auch die schlecht 
tere niemals weder aus der Seele noch aus dem Leibe der Welt 
yerschwinden O* 

Die reinste Erscheinung des Göttlichen in der Welt hatten 
nun schon die alten Philosophen in den Gestirnen gefunden. Die- 
sen sichtbaren Göttern hatten die Neupythagoreer, nach dem Vor- 
gang des alteren Pythagoreismus und der alten Akademie, die 
Dämonen beigefügt, welche Phito nur als poetische Zierrath aus 
dem Volksglauben herübergenommen, und seihst die Stoiker auf 
den Dämon im Innern umgedeutet hatten. Für Plutarch gewinnen, 
diese Mittelwesen um so grössere Bedeutung, je reiner er den 
Begriff der Gottheit selbst gefasst, je weiter er sie in ihrer Geistig- 
keit über jede unmittelbare Berührung mit der Materie binaus- 



nanflt selbst gleicbgesetst, welche ja in der Welteeele sieb an die Welt mit- 
theilt; De U. 49 Tgl. m. c. 64. 56. 68. 64. 77 f. 

1) An. proer. 24, 6—9. c. 36—38. o. 7, 4: ^^u^^ yhtp tdila. xtvi{oibK ntä 
apX^> vo9« ftk xifßKüi nA au(Af(iiv(ot< 9Cfp\ xCvijviv. De Ttrt mor. 8, 8. 441 f. 

3) De Is« 49: yj^kVf^J^ yhdp ^ toO^s tou x^9(xou yi^tmq xA aiivzami ^ 
Iv«vt{iov, oO |ji^v {eea6fVQ5v, Suv&|uci>v, dlXXdt -c9|< ßeXT^ovo; to xpino^ i^xti- oxo- 
XMat 8k 'djv. fflnjXi)v ncvt^aacv oStlvatov, tcoXX^v (ilv ^ictfuxütev t^ 9t&(Aaii 
xoXXJ^ 8k tfl ^»xÜ '^o^ Tcovt^ xa\ ivpbc i^v ßcXi^ov« &\ 8(a(jLacxo69«v. Def. orao. 9, 
8» 414: ^ 8Xi) 9Tipi)9t< olva Ävafcüyft noXX^xic x«\ dlv«Xüei xd Ytvdjuvov &xb t^ 
«ptCtrovec Mai. 



Sichtbare Glatter; Dämonen. |5t 

gerflokt kat. Wir können von der Torsehung, wie er «usfMirty 
in dreifickem Sinn gprecken : in der ersten Bedeninng^ veMeken 
wir damnter den Willen und das Denken des höckaten Oottes, 
wodvrek das Weltganse erkalten wird, in einer zweiten die Pür- 
lorge der kiimnliscken Götter Ür die sterblichen Wesen nnd'fQr 
die Brhahang der Gattungen, in einer dritten die Beanfkicktigung 
der nenscUichen Handlangen darek die Dämonen 0* Die kimm- 
Kfdlen Götter sind die Gestirne, unter denen die Sohne die erste 
Stelle einnimmt; diese wird von Plutarck yielfack, nach Piaio's 
Toiyang, als das sichtbare Abbild des höchsten Gottes gepriesen, 
ngleick wird aber vor einer Yerwechslang des Abbilds mit dem 
Drinid, des Helios mit Apollo, angelegentlich gewarnt ^. Tief 
tnter diesen stehen die Dämonen, Mittelwesen, welche den Hen'«« 
sehen zwar an Wissen nnd Macht weit überragen, welche aber 
dock durch die Beschaffenheit ihrer Seele und ihres Leibes bereits 
in die Sinnlichkeit verwickelt sind. Ffir Lust und Unlust empfing- 
fick, veränderlicker , und in gewissem Sinne selbst sterblicher 
Katar, sind sie zwar ausserordentlick langlebig, aber dodi nicht 
idilechtkin frei vom Tode oder einer dem Tod entspreckenden 
Veränderung. Sie sind femer auch in sittlicher Beziehung sehr 
▼ersckieden: während von bösen Göttern nirgends die Rede ist, 
lieht es dagegen böse Dämonen, d. h, es ist möglich, dass sich 
da Dämon mit freiem Willen dem Schlechten zuwende; und wenn 
nicht blos Menschen zu Heroön^ und sdbst zu Dämonen, sondern 
anck Dämonen zu Göttern werden können, so kommt andererseits 
tiick der Fall vor, dass Dämonen durck die Neigung zum Sinn- 
lichen in menschliche Leiber herabgezogen werden 0* Ikr eigent- 
lüiker Wohnsitz ist an der Grenze der veränderlicken irdiscken 
ond der unveränderlicken kimmliscken Welt , auf und unter dem 



1) De fato 9, 8. 672, womit c. 2 derselben Schrift und die dunkle Stelle 
^ HytliQe De gen. Soor. o. 22, 8. 591, B bq rergleichen Ist. 

S) De Ei 21, 8. 898. Pyth. orao. 12, Schi. 8. 400. Def. oreo. 7. 49. 
^ «S. 488. 

8) De Je. 26 f. 8. 860 f., vgl. o. 80. Def. orac. 10, Schi. 12 f. 16 f. 20 ft 
^' Gen. Socr. 16. 22, 8. 691, B ff. Romnl. 2^, Sohl. Wegen dieeer ihrer 
^^^ttebteOnng YergMoht Plai Def. orao. 18 dieDamonen dem Monde, wogegen 
^ (i^er der Sonne nnd den Geatimen , die eterblichen Wesen Stemeefannp- 
ptt und Ihnlichen Encheinangen Yerglichen werden. 



}ß(m4^ 0* Wdcben Werth Plutarch den DimonenglaiAeii beüafi^ 
^fiki man daraas, data er den Dfimonen, wie schon geieigl wsrile, 
die Farsoiye für das einselne in der Welt flbertri^ 0- So ward 
nanieaiUcli die Weissagung, auf iie er so viel hält, von den 
Dimoaen heifeleitet^ welche bald unsichtbar, bald mittelst fe* 
wiaser kdrpeirlicher Dinge auf die Seele einwirken 0; die DiBao- 
nen überwachen die gottesdienstlichen Handlungen, sie bestrafen 
Freyel und Verbrechen, der Guten und Tugendhaften dagegen 
nekoMn sie, sich an 0« Die Götter selbst stehen der irdiseheii 
Welt au ferne, nnr durch ihre Diener, die Dimonen, pfl^en sie 
in den Weltlauf «inzugreifen; man kann daher diese nicht liugnen, 
ohiie allen Verkehr der Götter mit den Menschen au&oheben ')• 
Audi Ton guten und bösen Dämonen der Einaeken, von Erscbei- 
uungen derselben, vom Neid des Dfimon spricht Plutarch unver- 
keanblur nicht blos ans Anbequrainng % Ja wir finden bei ihm 
die Behauptung, die Vernunft des Menschen sei nur der Thai 
d^r Seele,, welcher bei ihrem Herabsinken in den Körper nicht 
von der Materie versohlungen wurde, sie sei daher in Wahrheü 
nicht in dem Menschen, sondern ausser ihm, und e» wfire rich- 



1) Qen. Soor. 29, Tgl. Def. orac. 18. -De fac. luiiae 28 f. 8. 948 f. 

2) M. Tgl. in dieser Besiehang ausser der Stelle de fato 9 auch Def. orao. 
ta, wo nnt. einen der UaCerredner aaslQhre& liest: man dflrfe weder aUes 
|M^ AlegfttUiobeUrsaeliliehlieitaiurttokfaiureD, noehaUesTon ihr anasohHeMens 
HIB die riobtigeAiisiolit hierüber habe Plato durch seine Lehre Ton der Materie 
sich ein grosses Verdienst erworben, fydi ^l doxouat 9cXe{ova< Xuaau xa\ |u{(ova( 
(inoptaf ot Tb t£>v dat|iöv(ii>v ^^voc Iv [Uota Occov ts xa\ Jiv6p(u9Cfa)v xcii Tp^xoy tiv& 

5) EUf. oraa la. 16. 86 f. 48. €kn. Soor. 80. Weitstes hisKOber tiefsr 
flirten. 

4) Def. orac. 18. Qen. Soor. 24. Fac lun. 80, 1. S. 944. 

6) Def. oiltcu 10, s. Anm. 2. Ebd. 16: to {Uv l^or^m töte -jKj^r^raipiw^ {&j^ 
Mfit ^ &m)XJJKx6«c Tcsv nsp\ -pjv npo^ijxtfv ^onv, oXXa da(|Aov«c Gioip^oc Oiöv, 
od 8ox^ (A0( xooictfc ^loMw. Ebd. 18: ol 6ai{Adv<av y^of (i^ dbcoXdnovTic «vExt- 
IMST« T^ xt&v Ot«5v %A Mpii^cov icoio^ xa\ aouvdtXXaxTa. Vgl. Is. 26. 

6) M. s. hierfiber namentlich Dio 2. 64. Brut 86. C»s. 69; ferner Gato 
mhs. 64. Alex. 50. Phoe. 80. Galba 19. Fabius 17. Periel. 84. fort Bon. 11, 
U* 894, De fac Innae 80, 2 wird gesagt, wenn die Dftmonen ans Zorn , Gunst 
e4er Neid Ihre GeschVIte unter den Menschen sohleoht Tersehen, werden sie 
aar Stf aus wieder auf die Erde herabgestoesen. 



DImoao* VortebiiDg. $§ll^ 

liger^ sie dtn Dioioii tu oeiiAeii, ab die VemMlfl Oou^) ^. Br 
Mdhit wOrde diese BdMinplang «Uerding« wohl, nm seine ,mgm^ 
liehe Meiming befragt, auf die platosische oder die aristoieliaehe 
Lehre vom vo«^ Biirilchgeföhii haben 0; flher doeh sieht nun aus 
denelbett, wie imsieher ihm die Grenze awiscben der eif eaen 
Tenmift «od der Binwirkneg höherer lUcfale geworden wer; 
te stoische Satas, dass rar die Yernimft der Dämon des Menschen 
fei, sehligt ifam in den entgegengesetsten um: nur der Dämon 
dm Nenscheii ist seine Yemonft; der Mensch fingt an, das AbhiM 
miner sethsi, welches ihm die Phantasie als ein anderes Wesen 
gegennbergestellt hat, Kr die Ursache seines eigenen höheren 
Bewnssiseins zu halten, an die Stelle des verstindigen Brkennens 
Wtt fir gewisse Gebiete der Ghiube an eine göttliche Ofenbarung. 
Wie nun die Dämonen unserem Philosophen bauptsdchüch 
demhalb Ton Wichtigkeit sind, weil diese Annahme ihn in den 
Stand setzt, die göttliche Försorge für die Welt mit der Erhaben- 
heit Gottes ober die Welt zu yereinigen , so ist überhaupt die i 
Betinng des Vorsehungsglaubens der hervorstechendste Gesichts^ \ 
yankl seiner Weltbetrachtung. Plularch hat es hier mit zwei Geg- 
nern zu thun, von welchen der eine jenen Glauben ginzlioh zer'- 
sldrt, der andere ihn 'zum Fatalismus überspannt, den gleichen, 
'ie er auch sonst so hfinfig bestreitet, mit dem Spikureismus und 
den Stoicismus. Dass er sich nun von dem ersten nur mit dem 
tiebten Abscheu abwenden kann, versteht sich für ihn von selbst ^; 
tack der andere führt aber, wie er glaubt, zu den wideripre- 
elendsten und schädlichsten Folgerungen: er hebt den Begriff 
des Möglichen auf, welchen doch die Stoiker selbst anerkennen, 
^ lerstört die Willensfreiheit, er mUcht Irrthum und Schlechtig- 
Iteit za etwas nothwendigem , und ebendamit die Gottheit zum 
Urheber des Bösen und des Uebels O. Nach Hutarch selbst ist 



1) Qm. Soor. 22, 8. 691, B. 

2) Vfl. de &c. Ihqm 38. 

3) IL t. biarübor 8. 160, 1. 2. 

4) 8to. rep. 46 f. 82 ff. com. not. 18-^20. 84. 8. 1066 f. 1066 £ 10.76^. 
^l«i. bttpricbi hier wuneotliob Cbryeipp'e BebavpUiog, dase d«B B6fe tn der 
VBitoidnaog ■ema no^hwendige Stelle habe. Eine «Bsfabriiehe BeetreltiMlf 
de« ttoiioben FetalisioaB wer in der Sobrift De ÜRto, welebe gerade aa dieaer 
^e, 0. U, abbriobt, entbalten oder beabsicbtigt. 



IM Platarolk 

die Torsehang ihrem letKten Grande und ihrem nrspränglidien 
Wesen nach nichts anderes, als der Wille und Gedanke des hod^ 
sIen Gottes, der f&r alles sorgt Dieser Wille Tollxidit sich anf 
eine dreifache Art Die Einrichtang des Weltganzen nnd die 
altgemeinen Weltgesetze gehen von dem Weltschöpfer selbst an- 
mittelbar ans; die Entstehung und Erhaltung der sterUiehen Weaen 
wird zunächst ^on den sichtbaren Gditem, den Gestirnen, in der 
durch jene Gesetze bestinmiten Weise bewirkt; die Thaten und 
Schicksale der Menschen endlich stehen unter der Obhut und 
Leitung der Dämonen ^3. Ein Ausfluss der Vorsehung ist das 
Verbfingniss Cti{Aap[jivY)), das von der Gottheit gegebene Welt- 
gesetz, dessen Träger die Weltseele ist 0« Dieses Gesetz ist ein 
un verbrAchlicbes , aber den yemfinfägen Wesen gegenfib^ kein 
unbedingtes: das Verhingniss bestimmt, dass mit gewissen Hand- 
lungen gewisse Polgen verknöpft sind , aber über diese Handlungen 
selbst verfugt es nicht ^; es geschieht daher zwar allen dar V^^- 
sehung^ aber nicht alles dem Yerhan|piiss gemäss ^) , und es wird der 
Unterschied des Möglichen und Nothwendigen, die Wiilensfireiheil, 
der Zufall , die sittliche Zurechnung , die Wirksamkeit des Gebeis 
und der Gottesverehrung durch das Verhingniss nicht aufgehoben^). 
Da endlich dem göttlichen Grunde der Welt noch ein anderes, 
vemunftloses Princip gegenübersteht, so müssen wir zwischen der 



1) D« fato 9 f. 8. 672 f.; 8. o. 8« 157. 

2) A. a. O. 0. 1 f. Tgl. 0. 10. Plot. antenoheidet hier die et(&aptfc^ als 
cv^pyita und als o^ala. In Jener Bodeatnng bezeichne das Wort den Xö^o« 8^ 
iicap&ßaioc ZC hxiw ^e|i.n^Si9T0v, den w6\K0i axöXouOoc tf| xöZ icavxdc f tSott, xoO* 
9v hx^ScftxoA T^ Yiv^{i«va, in dieser die Weltseele, deren dreifache Vertheihing, 
dardh den Flzstemliimniel, den Planetenhimmel und die Erdregion, dnroli 
die drei Moirea beaeiohaet werde. 

8) A. a. O. e. 4. 

4) Ebd. 0. 6.0. 9: nicrsa \ih xora npövoiav oO (&^v xa^ x«0' et{A.ap|&^v xoti 
xoT^ f i{9tv [so glaube loh wegen des unmittelbar folgenden lesen su müssen ; 
unser Text hat: nhixa \ih iaO' tlft. xa\ x. icpöv., o6 (a^v xa\ x. fiJoiv], ^tXX* ^ta 
pi^ xat^ TCpövoMcv xok oXXa ^ xor* oXXiiiv, Im« BI x«6' eljAoppL^v* x«^ i) |iiv ilptap- 
pivi] 9c&VTtt>c xorr^i icpövoiov, ^ 3i xpövota od(a(i«>^ xa6* s{p«ppiyi)V. 

5) Ebd. c. 6 — 8. 0. II. Plut ffihrt hier und o. 6 aus, dass swar alles rom 
▼erfaingniss umfasst, aber nicht alles Ihm gemlss sei, ibniloh wie die Ge- 
setae sich aueh auf die Verbrechen beslehen , diese aber darum doch nicht 
den Gesetsen gemftss seien. 



VoTBelitiiig. demente. i6l 

ymtukMg mid der Natur unterscheidet!: wir dürfen weder die 
Nttnraothwen^keit nocb die Vemnnft, weder die physikalischen 
noch die Bndiirsachen vernachlässigen 0? die Welt muss als ein 
Werk der Vorsehung begriflbn werden, welche die gegebenen 
SMfe nnd Kräfte bewältigte und im Widerspruch mit ihrer natür- 
Kdmi Riebtang zu einem wohlgeordneten Ganzen verknüpfte; 
nar von diesem Standpunkt , nur aus ihrer Zweckbestimmung, 
iasKD die Dinge sich erUfiren, und nur bei dieser Ansicht er- 
icheiiil die göttliche Weltschöpfang und Weltregierung nicht ent- 

kahrtichO. 

Gegen diese theologische Weltbetrachtung tritt die Aufgabe 

der physikalischen Naturerklfirung bei Plutarch fast ganz zurück, 
nd es ist in dieser Beziehung kaum etwas weiteres von ihm anzu- 
Uhren, als seine Aeusserungen über die Elemente, über die Mehr- 
heil der Welten und über die wechselnden Weltzustande. In Betreff 
der Elemente wiederholt er die Lehre Plato's von der Bildung 
derselben aus den fünf regelmässigen Körpern , indem er sie zu- 
gleich, erzwungen genug, mit den fünf Kategorieen des platoni- 
schen Sophisten in Verbindung bringt, und er nennt demgemiss 
mit Aristoteles und der alten Akademie neben den vier'empedoklei- 
ichen Grundstoffen den Aether als fünften ^); anderswo wird aber 
rach wieder, der stoischen Lehre entsprechend, der Aether dem 
feurigen Blement gleichgesetzt 0- Ob die Eigenschaft der Kälte 
Bit den Stoikern der Luft, oder mit Aristoteles dem Wasser, oder 
ob sie der Erde ursprünglich beizulegen sei, wird ohne festes Ergeb- 
oiss mit oberflächlichem Scharfsinn erörtert ^). Auf die Fünfzahl der 
uspröngUchen Stoffe gründet dann Plutarch weiter den Satz, wel- 
ckea er auch mit der Auk'torität Plato's glaubt stützen zu können 0» 



1) Def. orAO. 47 f. 8. 435 f., wo PUto gelobt wird , dass er taertt die 
richtige Mitte swiechen der blos theologtsohen and der blos phTvikalisehen 
Mlmng der Dinge eingehalten babe. Vgl. oben B. 148, 1. 

)) De fae. luntB 12->15, B. 926 f. 

3) Det orac. 81 — 84. 87 Tgl. ebd. 21 f. De Ei 11, S. 889 und dain 
W. n, a, 518. 447. 

4) De primo frigido 16, 8. f. S. 951. 
() In der ebengenannten Abhandlang. 

^) Wegen Tim. 55| C, wo Plato, nachdem er von den fünf Körpern ge- 
"V^^oi hat, fortfährt: dass es non nicht anbegrenzt Tiele Welten» geben 
^^Be, lei klar; eher könnte man zweifeln, rcöttpov tvoi 9) ip/vts antobe a(Xif]6<{a 

'Mlot* 4. Or. m. Bd. f. Abth. ^^ 



1^ PtaUtoh. 

dass eg nioht Uos Eine Wdt gebe^ sondctini mehrare, w4 nrar 
wahrscheinlich fiinf ; es nüwe« iiäi^ob als GfiUMilaf» d» flsf 
Bleipenle unprSnglieh TerscUedMr md daher enah riaariich ge> 
frennte Stoflinasaen angenemiDBen werden, von denen jede ntnt 
in eine Ton jenen elementarischen Formen und era4 «bgreldlaicr» 
weise in die übrigen übergegiangen sei, «nd daher jede eine 
artige Welt für aich bilde, die eine ein« iltierarlige) die andere 
feuerartige u. s« w. 0- Neben den gleiohfteiligen find^ siel 
eine Mehrheit aufeinanderfolgender W<dlen und Wetennltade *); 
und ist auch nicht ganz klar, wie sich Plutarch das Veiliittnias 
derselben näher gedacht hat ')» so liegt deeh in dieser Annahme 



nsfuxÖTo^ X^ysiv itpo^tiu Ihm nun Mi es WAhnioh«ioUoh«r (was vpftlef «la 
ganz answeifelfaaft behandek wird), daaa es nur Eine aei« a^oi ^ u/^ SkXm 

1) Def. orao. 22—37, besondera c. 82—^84. 87. De Ei 11. Ffir die Mehr- 
heit der Wehen wird unter anderem auch geltend gemacht (Det or. 24), daaa 
Qott die geselligen Tugenden, wie namentlieh die der GereehÜgheit und 
Freundschaft^ nicht ausüben könnte, wenn es sieht nooh andern WeUoD and 
Götter gftbe, dass der xöo|to( nicht a^iXo; und orfs^TCdv sein könna. 

2) An. psocr. 28, S. 1026 Tgl. c. 6, 6, wo im Ansohluss an Pulto Polit. 
272, D ff, angenommen wird, dass im Laufe der Welt ab weohslungs weise 
bald der göttliche nnd vernünftige Bestandtheil der Weltseele Über den xm- 
vemünftigen das Ueborgewieht habe, bald umgekehrt De fato 5, 9. 609 a. 
folg. Anm. 

3) De fato a. a. O. führt Plut. mit Besag auf Tim. 89, D (a. Bd. U, a, Sil) 
ans, dass, wenn die sämmtliohen Sphären in ihre ursprüngliche Stellong ma- 
rfickkehren, TC&vta, Saa te xax' oCpavdv S x* M djv y^v [1. lijc yijc] ti enkptf^ 
avcoOsv aovCTcarac, jp&Xiv (Uv sU '^^ ft^'^o xataTnJveTai, n&Xtv 8* 1^ ^PX^^ \P^] 
xcn^ T3t aOt3i waaiSubi^ a)co8o0f(arrai. Im folgenden heisst es nun nach unaarem 
Texte: Sno) 8k xpbc xb aa^^ to>v 7np\ 4)(jiSc vlW 8vtuv, Stc eA ou|i^fftt ebcb ttfv 
oOpav(ci)v <i>c n^Tcüv a^xCcov ovxuv xa\ xb i[tk Yp&^eiv vuv\ xdiBt xa\ loSl xc^ ol «pA:^ 
xtiv Snep xod 8:;(i>s xuy)^^«^ icp^xxbiv' icdtXiv xoivuv ^}cec8av 4} aitjj «^6u|Taf oM«, 
x3i aOxa xa\ (ogaüxco^, ot aOxo\ ys^^voi, xp^ofisv. oSxci> 81 xal x&yn« mA^tmoi 
xa\ x& Y8 l^( xaxa x^v i^( oZxiov -)f£V7|o8X0{t xa\ 3cpax0>{o«xat xot x&vO* 8Xtt [koI] 
xaxa pifav x9jv 8Xy)v ]cep{o8ov xa"^ xaO' Ixooxi^v xoSv oXwv «!>9adTtt>( cico8odi{«Etm. 
Plut. würde denmaoh die Ansicht aussprechen, dass in Jeder Waltpariode alle 
einzelnen Menschen, Handlungen und Vorgftnge der frühere« UTarladait 
wiederkehren. Allein so folgerichtig diese Annahme auf dem Btandpnokt dea 
stoischen Determinismus war (Tgl. 1. Abth. 140 C), ao wenig paaat« aia für 
einen so ausgesprochenen Gegner dieses Determimanma, wie Plat«Qh| and 
er sagt Ja auch ausdrücklich: oö(TU{4,pa(vtta«8. w. Wir müaaen daliai^ 
(wann nioht eine Teztesändernng Torauaiehen sein sollte) die eAtaa: itAXiv 



Mehrheit der Welten. Anthropologie. '4fiB 

■UDevUn «ine beadrteMwertiie AiiMChenuif ha die «toisobe Lehre 
v« der WeUmenUnBg mid.Wellenieiierniig, so leUiaft er diese 
tenel tmch , nail «ndem sM^ohen Lehraiteeii , bestreitet 0- 

Wichtiger, «kl die kesnologiscbe«, sind aber fär unseren 
PküoeoflNai, wie fär die gwaze damalige Philosophie, die aothro- 
pekgiseheii fragen. Doch aeigt er %9cb hier keine selbständige 
Bg«tfifiialiehkeit» Der stoischen Psychologie g^enüber besieht er 
satseUeden darauf, dass in der Seele des Menschen mit Plato, 
flbenae, wie in dar Weltseeie, ein Ternünft^er und ein yernunft- 
lasar Beetendtbeil nnterschieden , die Sinnlichkeit ni^d der Affekt 
aiekt der Veraanft selbst beigelc^ werden 0; oder dass, wie er 
diess auch ausdrückt, von der Seele C4^p3 der Geist CvoOO nnter- 
scUedeii werde^ welcher nicht, wie die Sinnlichkeit, aus ihr selbst, 
senileni ?on dem ihr inwohnenden höheren Princip herstamme 0* 
Die Ternanfllose Seelenkraft tbeilt er sodann weiter mit Plato in 
danVutli und die Begierde f}; mit dieser platonischen Dreitbeilung 
te Seele verknöpft er dann aber, nicht sehr glucklich, die ari*- 



to^vuv IL s. w. and o&tu) h\ xa\ n. b, w. mit einfachem Komma an d^ ror- 
hergeheade anknüpfen, und sogleich ein Anakoluth annehmen, so dass sie, 
iwar nicht grammatisoh, aber dem Sinne nach, Ton dem od ou|Apa(v6i mit ah- 
hl igent ,08 folgt naoht, dass anoh loh diesas sehreiho, dass wi; daher in 
emer folgenden Periode das gleiche thnn werden, nnd so auch alle Menschen 
QBd Dinge sich wiederholen werden." In dem lotsten Satae möchte ich Ühri- 
gsna Torsohlagen : xa^ ic4vO' ,Soa xorcdt fiCov icgpfodov u. s. w. nUnd dass alles, 
was in* Biner Periode geschieht, in Jeder Ton allen anf die gleiche Art sich 
wiederholen wird." Eine noch leichtere Aendernng wäre es, nur das 8Xa in 
Softin^erwaiidaln nad mjesen: xa\ kM* Soa xa\ xat& (i{av t))v SXtjV 7c«p{o8ov 
n* s. w« DAim mflsste das Soa als nähere Bestimmung in n^t« gefasst wer- 
den, wie in ^(foiZooi (Lnoian. Alex. 1), na« xt« n. dgl., so dass erklärt wtbrde: 
«wd aUea wird sowohl in Einer Periode als in Jeder Yon allen anf gleiche 
Weise geschehen.*' Ich siehe Jedoch die erste Emendation vor, da mir der 
Beisata: tj^v SXi|v hinter xaxk f«.{av jedenfalls anstössig erscheint. 

1) 8to. rep. 88 i, S. 1053. comm. not. 81, 5. S. 1075. Def. orac. 12, 
& 416. Ehd. S9. g. £. 

t) De rät. mor. 8, 8. 441. Ebd. c. 7 ß, an. proor. 26, 1 — 8. 27, 5 ff. 
De adnlat. et am. 80, 8. 61. 

8) De fao. lanae 28, 8. 948. Vgl. an. proer. 7, 4 (s. o. 8. 156, 1); 
sH 27, .8: tb Y^ ic«Oi)XQ(bv aya8C8coaiv ^ iauxv|( ^ ^xh^ "^^^ ^^ ^^^ }uxiar;Kvt 
M 1% xpdtiovo( ^^ iYYivo{i^ou. Gen. Soor. 22, s. o. 159, 1. 

4) VSrt. mor. a. a. 0. 

11* 



L 



iOl Plntaroii. 

stolelisciie O9 und erhSlt so, alles zusiinnnengenoiiiineii , ftaf 
Theile der Seele: den ernährenden, den empfindenden, den ko- 
^ehrenden, den Math nnd die Vernunft 0« D^uw er ferner waX 
seinen Vorgangern die Willensfreiheit voraussetzt nnd sie gegen 
den stoischen Determinismns vertheidigt, ist bereits bemerkt wor- 
den. Genauere Untersnehnngen über diesen Gegenstand finden 
sich aber bei ihm nicht. Nicht anders verhilt es sich anob nit 
seinem Unsterblichkeitsglanben. Von der Wahrheit dieses Glaubens 
ist er vollkommen überzeugt: er erklärt, dass er mit dem Vor- 
sehungsglauben stehe und falle '); aber doch scheint er ihn mehr 
ein praktisches Postulat, als das Ergebniss einer wissenschaftlichen 
Untersuchung zu sein; er beruft sich für ihn auf dieGottverwandV- 
schaft des menschlichen Geistes ^ , auf die Nbthwendigkeit einer 
künftigen Vergeltung und eines Ersatzes für die Uebel des Lebeiis^), 
auf das tröstliche des Gedankens an eine Fortdauer und ein Wie- 
dersehen nach dem Tode ^); eine genauere Erörterung der Sache 
hat er nirgends versucht. Vom Jenseits verspricht er sich mit Pinto 
eine reinere Gotteserkenntniss und eine volle, durch keine sinn- 
lichen Aflekte mehr getrübte Gemeinschaft mit der Gottheit 0; doch 
gilt diess natürlich nur für die Seelen, welche sich durch Tugend 
und Frömmigkeit geläutert haben: solche werden aus Menschen 
zu Heroen nnd aus Heroen zu Dämonen , ja einzehie erheben siob 



1) Aristoteles soll das eici6u(&T)Tuebv and Ou{A06(Sh «1« o^tc, als das xoOi^ 
tix^v nnd oXo^ov (x^po^ ^^i^fi^ casammenfassen , welches aber von dorn aloOirn- 
xby noch Yorschieden sei; virt. mor. 8. 

2) Oe Ei 13 g. E., S. 890. Def. orao. 86, S. 429. Dort helssen die fUnf 
Seelentheile Opsntixbv, a?907]T(xby y IfftOujjiiiTtxdv , OufioetSkc , >>oyi9TixVv , hier fv- 
Tixbv, a?aO>)Tixbv n. s. w. 

8} De serä nnm. yind. 18, S. 660: sIs o2v ^9tiv, ISpvjv, X^yo^ h to3 OtoQ'rijv 
jcpovoiav S(jia xa\ t^v 8ia{jLov^v t^( avOpcoicCvY]; '^^X^^i ßeßoctSSv, xa\ ^tepov odx €mv 
anoXcTc^v oevaipotSvTa O^pov. Wenn Plut. in der Trostsohrlft an Apollonhu 
12 ff. S.107 f. nach dem Vorgang der platonischen Apologie nur hjrpothetiieh 
▼on der Fortdauer nach dem Tode redet, so beweist diess nichts gegen di« 
Entschiedenheit seiner eigenen üeberzengnng ; Jene Schrift geh5rt aber Aber- 
diess seinen frAheren Jahren an. 

4) De s. nnm. Tind. 17. 

6) Ebd. 18 Tgl. c. 22. n. p. snar. r. 28, 8 f. S. llOS. ebd. o. 28 f. 

6) N. p. saay. ▼. o. 27 — 80. 

7) De Is. 78, 8. 882 f. 



Anthropologie. Ethik. |9A 

fy wie-HeraUes und Dionysos 0; andere kehrea 
Mkar oder spater in menschlidie Leiber znrftck, wogegen von, 
eteem Uebergang menschlicher Seelen in Thierleiber sich bei 
Plalsrch niclits £ndet ^), 

Aach in seiner. Ethik hftlt sich Plutarch zunächst an Plato uiid. 
Aiiiloteles. Mit Aristoteles unterscheidet er die ethische Tagend 
fon der theoretischen, und daher auch die Einsicht C^p^vTiaiO von 
der Weisheit (jao^ioO 0« Mit ihm verlangt er zu ihrer Entstehung. 
neben der natürlichen Anlage und dem Unterricht vor allem die- 
rittliche Uebung *> Nach aristotelischem Vorgang sieht er die 
ntarseheidende EigenthümUchkeit der ethischen Tugend in einer 
bestimmlen Beziehung der Vernunft zu den Affekten, darin . nii»-. 
üeh, dass die Affekte, als der vernunftlöse Theit der Seele, von 
der Vernunft bestimmt werden, ihre Bewegung auf das richtige 
Hiiss, die Httte zwischen dem Zuviel und Zuwenig zorftckgefährt 



1) De Is. 37« Def. orao. 10» 8. 415. ohd. c. 88 b. o. 8. 167, 8. Vgl ttaeh 

Aam. 

%) NMh der Danvtellong De üfi. lunae 28, 6 ff. 8. 948 halten sioh die 
Sesien unmittelbar nach dem Tode xwisehen Erde und Mond aaf; die nnge- 
raehten werden hier bestraft, die jgerechten erheben sieh znm Monde, um in 
Betraohtang der Welt ein seliges Leben sa fflhren, noch andere sinken wie- 
der aar Brde herab. Damit' stimmt der Mythus gen. Soor. 92 (wo namentlich 
& 891, b IL an TeiFgleiohen ist) flberein. Die tureinen Seelen werden* aueh 
Ufth diseer DacateUujig a«f dem Monde nioht zag^aasen, spodorn an einer, 
seaen Geburt weggeffihrt Nach Def. orao. 10, Sohl, trete^ diejenigen Dft-. 
nenea wieder in irdische Leiber ein, welche sich von der Neigung zum Sinn- 
liehen nicht frei halten. ' In gewissen langen Perioden müssen aber (De fao. 
huae 87, 6. 28, 1 ff.) alle Seelen in einen Leib zurfickkebren, wie Ja schon 
Flato angenommen hatte; und De geo* Soor. 16 ist eine so reine Seele, wie 
die des Lyaia, schon in. der nächsten Zeit nach ihrem Tode an einer oäXif 
t^nmi übergegangen. Das einzelne dieser Darstellungen würde nun Plutarch 
wohl so wenig, wie Plato die Einzelheit«! seiner Eschatologie, ernstlich Ter- 
tntsn haben ; die Seelen Wanderung selbst Jedoch hängt mit seiner Lehre über 
die Dämonen zu eng zusammen, um nicht dogmatische Bedeutuog für ihn zu 
bsben. Die Dämonen sind Ja (Def. orac 88) nur Seelen in Luftleibem, die 
Üeascben eben solche in Menschenleibern. 

8) De Tirt mor. t, & 440. ebd. o* 5 f., wo Plutarch der aristoteliaohen 
Bthik Sehritt für Schritt folgt. 

4) De edncat. puer. 4. 6. 2 wozu m. Tgl. waa Bd. II, b, 485, 8. 488, 7 
■OS Aristotolea angeführt Ist, coh. ira 11, S. 469. De garralit 16, S. 610. De 
eoriosii 11, 8.520. 



iM Plntarob. 

wird; weshalb er den Affekt OcAAoO l^eA Stoff iieiiat, die Ter^ 
nutift O^yoO ihre Form ^). Mit der akftdettiiftcheii oiid pMiptleti« 
sehen Sehule widersetzt e^ sich der stoischen Apediie, indett er 
zei^, dass die Affekte in der menschlichen Natur begrftndet mIm, 
und dass sie, richtig gelenkt und beschränkt, der Tugeiftd selbst 
zur UnterslAtzung gereichen; dass man sie daher nicht ansrotleii, 
sondern nur lenken und missigen dirfe ^. Bbensowanig Mllfgt 
er, wie hieraus Ton selbst folgt, die stoische Ansicht von den 
Gutem und Uebeln. Der epjkureisdien Lusttehre freilieh wMtRt^ 
spricht er aufs entschiedenste 0$ nnd die sinnliche Lust ris Miehe 
findet er so TerderbHch, dass er die erlaubten GenAsse gar nicht 
LtwtCi^KovoeO) sondern Erholung C^pa7c«l<xO genannt wisie» wiBO* 
Aber dass alle leiblichen umd ftusseren Gitter^ und ebenso die enW 
sprechenden Uebel, etwas gleichgültiges seien, kann erdenStoHcem 
nicht sugeben, und er wird nicht mflde, ihnen die Widonprtete 
vorzurücken , in die sie gerathen : dass das naturgemisse Leben 
das höchste Ziel und Gut sein solle, die Dinge dagc^gen, welche 
sie selbst als naturgemäss und wünschenswerth anerkennen^ keine 
Güter, die entgegengesetzten keine Uebel, die Auswahl des NiAur- 
gemftssen das wichtigste, dieses selbst gleichgültig u. s. w. ^; da- 
bei erhebt er neben anderem auch die theologischen Bedenken, 
dass die Stoiker der Vorsehung zu nahe treten, wenn sie ihre 
Gaben für keine Güter halten, und dass sie die Gottheit beleidigen, 
wenn sie behaupten, der Weise stehe an Glückseligkeit hfaiter ihr 
nicht zurück 0. 

Von diesen Gesichtspunkten aus ein System der Moral zu 



1) Vtrt. mor. 1, 6. Plat. erttrtert hier änoh, o. 6 f., wieder gtM 
AriftotaleSi die Begriffe der fpepaiita, ^«o(a, dbcoXooU. 

3) A. a. O. c. 12. Goasol. ad ApoU. 8 f. S. lOS «gl. oonsol. ed. ux. S. 4, 
S. 608 t In etwas anderem Sinn wird das 9caOo< gebraucht, weMi Plut. De 
euperatit 8, 8. 166 sagt: abxp^ 1^ ^4 noN-m xa ^^ vooii|LaTa xa\ le^: hier 
bedeutet es den krankhaften Affekt. 

8) Bo namentliob in der Schrift: non posse snay. riTi sec. Bpicnra^ 
ady. Col. 80, 4 n. 5. 

4) In den Braehstfioken der Schrift xav« lij« ifiw^^ Sxoa. FlotlL 6, 
42 - 46. 

5) Comm. aoüt 5^7. S. 1060 f. Bbd. o. 11. 89. 26. 27, g ff. Bio. 
rep. 80, & 1047. 

6) Comm. not. 82 £. Sto. rep. 81. 



Sthlk. 

«Mnta, Int PkHaireh wkM uniam&ameais Er becpdoM eiBz«hi^ 
flkbtaüf Fbbler und Ld^ensverliiltiitese im Tone des ftednen^ 
«mM jü der streagereA Sprache der Scknle; wie es ja der Moral- 
pUkNwphif acbon seit längerer Zeit weit mebr um die fmchttare 
AwendoBg, als um die wiaiaaschaiUiche Untersnchiiag der sitt«- 
SdHNi Begriffe au thm war. Die Reinheit seiner Grandsatae^ die 
edle nnd feiosinftige Auffasaiiag sittlicher Verhftltnisse, wie das 
FaaibsDlebeB O '■nd die Freundschaft % die sdiöne und menseheo-i- 
fimadUehe Gfwwmmig, wckhe sich in Jbnein ausqnriokt, hat diesen 
AhhsadlongNi ven jeher yiele Freunde erworben ^; aber neue 
vad eigentbnmliche43edattkan sind kanm darin au f ndea. PluUurch*s 
Ubensansicht ist im wesentlichen, wie gesagt, die pktoniscb*. 
irittalelische; damit liess sich aber, wie arir diese .schon bei An«» 
tifchas nnd Cicero gfefaoden haben ^ auch ein gemilderter Stoicis^ 
MS lejdit MrhnApfeli, «nd so jehlt es bei ihm nicht an Aenssemn« 
gen, die ebensogut bei einem Epiktet oder Mark Aurel stehen 
köaaten. Er erinnert uns, dass das Glück und die Zufriedenheit 
TOB innen kommen mflsse, nicht von aussen, dass wir 2swar die 
aosseren Umstände nicht in unserer Gewalt haben, wohl aber den 
Gebranch, den wir von ihnen machen, dass die Uebel des Lebens 
gro§sentheils nur auf unserer Meinung bemken, dass der Weise 
aad Togendhaße in der Hauptsadie unabhingig vom Aeussern sei. 



1) Coi^agalia praecepU (Yot^iixa napccf>[C<\i.a'V9) 8. 138 £f. oonsolatip ad 

uorem 8. 608 ff. De fratemo amore 8. 478 ff. 

3) De diflcernendo adolatore et amico 8. 48 ff. nep\ TcoXu^iXfa^ 8. 
H f. , 

8) Selir richtig bemerkt GrSabd (Morale de Plat. 216)^ der Oberhaupt 
Pbtareh's persOnlioben and BchrifUtelleriscben Charakter gut aufgefaset, 
oad oboe tieferes Eingeheo in Beine philosophischen Ansichten, seine mora- 
ÜM^en Abhandlangen in ansprechender Weise analysirt und erläutert hat, 
UQleb«t aus Anläse der Trostsohrift an Apollonins: C est eeUe ämoHon re- 
*^^ et eette ineontettahle juiteue de bon wna inginieux, qui cUmnent ä tauten 
^ft^ Treui^B de morale $ocUUe de PkutarguB wie ei aimdble autoriU, Oheer- 
"''Mr exaet^ judicieust, pinäronty des moeurs et des jxusums dda petite viüe, 
*^ *^rt(e du sage de Chironie est de bien dicrire oe qu^ ü observe ei cP opposer 
^^ ^nwers et aux viees, dornt ü eonnait le principe^ des retiMes dont Ü saii le$ 
^* Que, dans les nyets S iccie^ la tradition V erUroine h la suüe de ses 
^'"sneiers, Ü/aut bien le reeonnaUii%; jnais, giniralementj ü iehappe ä laba- 
"^ (fii Jim eommun, soit par le caractire personnd de ses observaiionSf soit 
V» r eppüeotion g%C ü en fait h la sodäi qui V entoure. 



■2- 



l3l^H^l{|Ansicht von den 

||:&|lSfte frelUek ««1er- 

UlS'CSW^e Lid da lolcbL- 

^&W^Vi^j^^'^'^ gar «ici ' 




.Ha^atnifant wtowawill 

BiSiS.^M JSl eboBO die ent- 
'BllSj/HfiaVta* erdnStoikeri' 

' '^' j>uiShrgeiiiis>e Ltsbri. 



■ V^A OA L^ *^* *^* *^* «£• «^* *^* 



.«»T^^'^TrSnT äCI äCI äCI r«! 




y 







mar 

Tend. 

nriflHi 



fi 



ner Zeil' 



N. p. iUT. 



o 



irund« toll« man 
itisoh« ThAilfktU 
fUUaiif , ftul^eb^B. 
cm^iimfitBlg« Wir- 



1. S. 805. 818 f.| w^ 
.itisohra Abhftnfl|ktli 

tov). 
-«(Siuxov). 



Iflg Pltttaroh. 

dsM er die wesenUichen Bediagungen des OMdu in «ich selbM 
trage, dass er sich in der Welt fahle, wie in einem Tempel, and 
jeder Tag für ihn ein Festtag sei 0- Er ermahnt uns zur Ergekof 
in die Fügungen des Geschicks und der Vorsehung 0; Ar des 
Nothfall gestattet aber auch er, mit den Stoikern, als letzte Aus- 
kunft den Selbstmord 0* Im Sinn des stoischen KosmopoliMsrnna 
hebt er nicht blos überhaupt die gesellige Natur des Menschen und 
den Werth der menschlichen Gemeinschaft nachdrücklich hervor ^3, 
sondern er dringt auch darauf, dass der Gegensatz* der HeUenen 
und Barbaren jener Gemeinschaft keine Schranke setze, dasi es 
keinen andern wesentlichen Unterschied unter den Menschen gebe, 
als den der Tugend und Schlechtigkeit ^> Ifit Plato; AnstoMes 
und den Stoikern legt endlich Plutarcfa, wie sich bei ihm von «elbs t 
yersteht, dem Staatsleben die höchste Bedeutwi^ bei, und die Yer- 
kennung derselben ist einer seiner stehenden Yorwirfe gegen die 



1) De Tirt et yit. 1, S. 100. tranqu. an. 3, S. 466. Ebd. c. 5. 17. 19 £. 
Ebendahin gehört das Brachstüok 8. 498 f. tl a6Tapxi]c ^ xocxfa Kf!^ xflcxoto- 
(Aov^, welches nicht bloe dieee Frage bejaht, aondem anoh beifflgt, ftuatore 
Sohicksale allein machen den Menschen nie onglflokllch. 

2) ConsoL ad ApoU. 18. 31. S. 111. 117 a. ö. 

3) Tranqa.. an. 17, Schi. vgl. Aemil. P. 84. Kleom. 81. 

4) Z. B. De am. prolis 3^ S. 495. 

6) De exil. 6, S. 600: Das Vaterland des Menschen ist nicht ein einael- 
nes Land, sondern die Welt; alle stehen unter demselben Geseti and dem- 
selben Herrs<dier. Ebd. 7. De Alex, fortit. 6, S. 829, (Tgl. 1. Abth. 281, 1): 
es sei etwas grosses Ton Alezander, dass er die Hellenen and Barbaren Ter- 
schmolzen, and dem Bathe des Aristoteles, die einen ^yejjiovixoSc, die andern 
SeoicoTtxbH Ba behandeln, kein Gehör geschenkt habe, indem er icocrp^ ^ 
T^v otxoufA^v ffpo^^o^sv fi^Üo^oLi TcavTa^ . . . ouYYev^c tl xou; ayaOob;, oXXo^iSXouc 
8k Tolc icovf)potS(' To 8i 'EXXy]vixbv xa\ ßapßapixbv [jl^ ^Xa[x\$8i a. s« w. 8iop(Cc<v, 
iXX3c tb }kti *EXX7)vixbv apeifl, xb bk ßapßapixbv xaxCa TsxpLoCpevOai. M. TgL hie- 
mit die stoischen Grands&tze über diesen Gegenstand , wie sie 1. Abth. 265 f. 
277 ff. besprochen sind. Plut selbst Terweist aaeh ansdrflcklich aaf diesel- 
ben, and es scheinen ihm bei seiner AusführaDg sogar gans bestimmte Aeos- 
serangen eines Stoikers Torgeschwebt ea haben, nämlich die ans dnrch Btkabo 
1, 4, 9. 8. 66 bekannten des Erat osthe nes (über dessen Stoicismns 1. Abth. 
8. 88), welcher gleichfalls mit Beziehang aaf Jenen Rath des Aristoteles die 
Unterscheidang der Menschen in Hellenen and Barbaren tadelt, and Alexan- 
der lobt, dass er denselben nicht befolgt habe, weil es besser sei, die Men- 
schen nnr nach der diprdj nnd xaxia za theilen. 



Bthiiohe and polllUeke Ansichten. 

Bpikareer 0; auch den Stoikern wird aber «i -bedenken giegeten^ 
im flire Grandsitte dem Weisen eigenliich jede Befheilignm ait 
der SiMtsyerwaltmig yerbielen wnrden '). Dun «efiiel gül diei 
Stottang des Staalamanns als die schönste Gelegf^nkeit xn eder iifld 
gweinnttsiger Thiligkeit *}, und die Th^ilnahme an = der Jtaats- 
rerwaltung moht als eine Arbeit für anderweitige Zwecke^ sondern 
mnittelbar an sieh selbst als ein ünerldsslicher fiestandthefl e^nea 
■easohenwArdigcn Lebens ^> Aber wie Uein^nnd besehrinkt die 
psttÜBdie Wirksaiak^t war, welchen die damaligen Zastinde sei- 
Mf ToIks äberiiaapt noch verstatleten, kann sickanch Pintarek 
BiGiit verbergen ^> Anch seine politische Schriflstellerd moas sidi 
üoKtk TerhiltBissen bequemen:. er giebl Regeln ffir die Bdhand^ 
hmg des YMu und der dÜNrtliehen Angelegenheiten in -den da-« 
naKgen^ ihrer staatlichen Selbstittdigkeit lin^t beranbCen, Grla« 
dMnstidtra ^; er verlangt, dass man för's Gemeinweses* arbefte; 
10 lange die Kräfte nur ausreichen 0; er spricht über die Pflichten 
der Fürsten und der hohen Beamten 0; und was er sagt, ist immer 
verständig und wohlwollend, nicht selten recht schön und treffend. 
Aber die Fragen des Slaatslebens im grösseren Styl zu behandeln^ 
irt licht seine Sache, und der praktische Zweck seiner Sohriften 
bietet daiu keine unmittelbare Veranlassung. Die Staalsverlhssun* 
gen betreffend nimmt er die monarchischen Zustände seiner Zeü 



1) AdT. Colot 81 ff, B. 1126 f. vgl. De latenter rivendo. N. p. enav. 
▼m 17 t ö. 1098 £ 

3) Sto. rep. 3, 8. 1038. 

3) An seni 9. ger. resp. 5, 8 ff, 8. 786. 

4) Ebd. 14^ S: Xecroupf^ Y^ ^^^ ^^^^^ h icoXixsk t^v -^lan iy(W9a )c^«(, 
*^ pio^ f^i^pou xctk xo>i'nxoil xo^ xocvüivtxoC ((^u xai nsfuxÖTO« Svov xp4 yu^^/^tw 
^ntw( iie\ f (XoxaX(i>$ xa\ fiXay6pc&9cca( (tJv. Aoe dieeem Grande eolle man 
(VM je das Hauptthema dieser gansen Schrift iat) die politiiohe Thitigkeit 
«uh im Alter eo wenig, ala irgend eine andere PflichterfüUong, aufgeben. 
^ KoXtinko6ai rechnet er aber freilich (85, 4 f.) jede» gemoinnfttiige Wir- 
^«1 1. B. das des 8okratea. 

5) VgL praec. ger. reip, 10, 9. 17, 4 S. c 18. 19, 1. 8. 805. 818 £.^ wo. 
^^U den Staatsmann nachdrücklich warnt ^ der politischen Abhängigkeit 
MiiiM Volkes nie an rergessen. 

6) In den praecepta gerendae reip. (TcoXntxa na^vx^ik^xot) 8. 798 ff. 

7) An seni s. ger. resp. (c2 icpsaß^T^pcp icoXiisux^v). 

^) Ad prindpem in eraditnm (scpb« fj^tiA^va obcoiBtutov). 



bMH iHifai an, <M4«ni «r iit aodh «in Lobredner ^er 
dir Htmcber iit Am rfn MM und ein Diener der fiotOMft O, 
es siM WMifer foliibche flinrichlengeii , als die periialloh— 
BlgensdmAen der Meehfliaker^ vön deoen er das HeB er wsrtei *). 
Ihre cigmtliohe Spilse erreioht Pltttaroh's Bddk mcbt, wie 
die iHgriecUseiie, in derPolMk) sondsni in der 8eli|rien. KidMi 
ist jt für den MeisdieB eo trdsdioh^ eine so on^ersieghere QaeBe 
de^ GevMisrahe vd Aendigkeit 0, niokts ist mck ilr das fitaiS 
so «nenlbekrlieli^ eine se unerlassUcbe Grundlage aller btef eg* 
Hoiieli OrdnoB^r % wie der «taube an die Götter find üare Vw- 
einniHf • Die «Alter md üure Voraehunr lingnen^ Mast die 
MMSChihi tder höchsten Cüer berauben^): der Alheismis ist eHma 
thierisobes, eine VerUngnong der «MnscUichen Ifalnr % Vm^ 
halt aber Arcriüeh nicht jede CeHes ier ohrang den gleiehen Werth. 
Die Vrtnnniglmt äegl in der Mitte xwinriien den Atheisana 



t) Ad (»riDO. inerad. 8, 8 : tou( ap^ovro« öm^prcitv Oc^ xp^c avOpt&icctfV In^ 
liAeiov xa\ vcotv^p^ocv a. s. w. 8, 6: «pX^^ ^ t?xb>v OtotS toS ^«vra xoa|ioCvio( 
«. i. w. 'Oaai Mmlidli luaen Mk die S. 196, 5 mgeflliTten pylluigoreisdlMii 
Ftagawuie. In tan SnokstOok la^ povspx!^ n. s* w. •. 4, d. SSV «ritlart 
P]«|imh (wwi «r wlÜiUoh dwr V«r«MMr dtMibcn ifl) di« MoMuwhia, w 
f^bl^ol^ nAoh ?\ßtQt «lOfdrfloklioh fOr die wlliiaolientw^rüieste VarfaMona* 

5) Wie diese namentlioh «as der Schrift ad princ. ineradiL herror- 
«•kt 

8) M. TgL kierAber besonders die schon 8. 147, 5 berührte AnseinaadAr- 
setsang n. p. susy. Titl 21 — 88, S. 1101 f. s. B. 31, 5: o6te fccp Statpißoi^ tGv 
h lipot( [so. sOf pafvouot {loXXov], oSxs xoupo\ töv ioptao{&a>v, oStc ffp«(tt« out* e^ 
f5f potfvoutftv fttpot (AoXXov Sv ipc&(uv 9) dpupicv otdro^ 9cep\ 6c<5v, ^pYi^ovTC( i) ^.^ 
piiSovTtc 9| 6uo{ou( icapövTtc ^ TiXtroftc. Der eigentliche Qrond dieser Freude sei 
aber ({. 8) die iXsAc ^a9lj xoä Mia toC icapsTvat tov Osbv c^(jlcv9|^ xa\ ^eo6« t« 
Ytv6|ava nKnaLpi^yOtitK» ^. 33, 4: x^« 81 toSv ds&v ... xa\ xotva xa xdv ^{Xtt¥ xoä 
f{Xoi Totc 6tc(tc of aYdOo(* xe^ "^v 6fo^tXf| fi«! Tt el{ np^rmtv, 9) [(i^ ItofcXSI s^eu 
TOV tf^pov« xtt\ 8(xa(ov &8üva-rtfv iaxvi, 28, 1 : xaXk (üv o8y ehcb« il^at xoft t« ytvd- 
(itva seopa töv 0twv* tb 8k fCveoOat 8ta Tb>v 9sS>v TaOra «dta, (Arf(0li)v ^8ov4v xocä 
xot 0«p9o< a(Ai{xoivo¥ a. s. w. 

4) Adr. Colot. 81, 8. 8. 1125: In der Gesetsgebnng ffp«)Ttfv irnv ^ icEp\ 
Ot«Sy t6^a %A piyttfTov, sie iM (§. 6) tb ouvcxTucbv kxotar^i xotvtdvfo« xa\ vottettiej^ 
ipcioiM, and eine Stadt könnte ihren Boden ebenso leicht entbehren, als den 
Glanben an QOtter, die Bide, Qelflbde, Weissagungen, Opfer u. s. w. 

ö) VgL 8. 147, 5. 150, 2. 

6) De Is. 71, Sohl 8. 879: ih fltMsu; ixYciTrrouoa xa> 6T]pi(&8itc Xo^toiMd«. 



im AfeerfUnAen 0, «lul dar taMere iH*nü l t lli^ kMh tt'vlwMi 
fwittgereii Wktor«|Niio1i^ «te dnr entere *). H>t üp »h edluMiirfcwil 
dMi leMttfleilett Ferinen sefiie Terimbnliett «Ml t rta e »cri erMfaliea 
Wiikvifn, die mreht, wfl «er er 4ie lieMwhM «rMto^ dw 
Dttvhe, in die er !^ uttavfMrlidi lenetae, ito tln lM M tk e Ü ^ g » 
der er eie venoHieile^; ^ eleht in ikaidieliaieiMnwdh^ vid deir 
Mhitekersteii BeditflnUgviiegnuid dee AOeintii^X j«^ m^M eüeii 
^MeekteR AAeiMne» mArn die Uimteeiihett Ober die'flottlittft 
Mieieeite die gteiehe*^), ud die Fwelrt ter 4m Gittofii iFe»ileei 
ge l w i« en Wtmeelie, dos ee iKeaieChDtter geben itiAelilev uMBttlMr 
tti^; er erUirt Mm eofir fBr «oeii ecklbnie^ «h idi^ifletleBlim^ 
im;, weil der Atheisl dwoli eeiM« imfeein ireeigeHeeeMil i» 
jwe Aefreguig verseüil Ireede, die 4m AlMm^ltaUeehen if^t^ 
Mge '). Aiier Üreili AiMMiier eioli atuleNve twli wieder enUder 
•er tberglittMeehe MeiMii^ % tiieHe firafi ee eieh ebea^ 



1) De rapent. 14, Sobl. 8. 171. De U, 6t, B^hl.: o( h\ fe^yovti« doict^ 

10. Pwihi e. 

S) D« U, II» Mbf^: oMv A«ttov 9(«at^>0i^9|TO<| 2ti9i^t(Mv{«v. ^ 

8) So Dunenüieh in der Sohrilt De taperBtitione (8. 164 tL) von Anfang 
Ut lam Ende. 

4) A. tu'O. lt. De Ii. 71 g. E, 

5) De empenti 1, Anf.: Tfj« ffif\ OfSv a^^la^ jia\ a^voia« cö6i(< !{ ^X4i ^' 

tt, 6oxip iv 6yp<jtc, ttfk ft»A4ä( fi^v Itmte^viow i|»icfiiofa))iiv. V^(Anm« 1« 

6) A. a. O. 11. 

7) A. «. O. 1 f. bf*~1. 10 ff. Dass Plataieb im wüteroo VerUaf emer, 
^ •• teikeint, nnToileadeten Abhaedliuig eber den Aj^arc^bmi «dieie Aena- 
Mraagen, welche er nioht ainem andom in den McuuL legt, fondam in elge- 
iMB Namen mit aller Beatimmibeit vortrlgt, wiedor beaohrtekt habM ii4rde, 
iit mir nieht wabxaobeinliob. ~ 

8} N. p, ansT. t. 81, B. 1101: man mÜMe allexdinga dan Gdlteigkaben 
^w ftbei^iabiaoheik Beatandtheüea rainijB^; tl ^ touxo Mmno^^ ^ wm^- 
i^aeiv ^afik lufXoev -d^v ffionV) ^ oi xXaiatot m^\ 6ta>v fyjv^at» JBa aeian Im 
^inaAt doeh anr wenige^ deren ganaea QafllU der Gottheit .gagoBÜbar di* 
^bt aei, «ad aaoh bei ibiia» Uldä diese ainagewJMa Bateaeke fft^i ihre 
mn Miloeht»glreit{ hai den »aiaton dagageo Mi d«r Ehrteahl tm dar 
^**ttbait Bwar «ina gawiaaa Bangigkeit belgeBaiaditi ißat^Um^ ük |»lK^v Im im& 
"^ oitjl 1^ iCfXxt xod ictpixapk «• B. w. Bbd, 20^ 7 : ea aei beaaar, wenn def 
^*ttBr|kHibe fldt aielger Fnrohl Terbandea sei» ala wann Jean dan Segen dea- 



wir^wiMr demiAbeiflaiifteii m TeMtehen^ nnd we wir dia. GreaM 
twifloliMdeiD.AlMiglavbeii und der FrSmmigk^ zu nelmi habe». 
IndkBerSeiietaBg.MglsidiDnn Platarch wieilnu^^ «b 

nan Mch Miiiea aUgemeiiieii ErUarungen ^w«rtea. machte. Sein 
•igenerCkXteibegriir ist ailMTdings, ao weit es sich um den höcbaleii 
Ciett handcdt, ein sekr reioar; den anwfirdigea VorsieUangeii des 
Volks oad 4ear Dicbter Obejr die Gött^ tritt ^ mit aller Beatim«!- 
heit enigagien 0; er ist uberseugt, dass richtife Ansiehten Ster 
die GdUbait der bcflto Gottesdienst sind 0; und w^nn er mit den 
Stotkarn^ieini» dreüaahe Tbeologie «nterseheidet^ die der Didilmr, 
der GeaelKgiriier und der Pkäoaephen ^, so kann er doch 4ie fintn 
achtidwig iber dieReligionanrahrheit nur der Philosophie anheim- 
geben >)< Aber amne Philosophie Üsst ihm d>en vides als mög- 
Ueh, ijaials»niethwendig erschesfien,. was der unsrigMi widerstrebt 
Bw BedOrfniss^ aasaerordtatticber Hyllfsmittel ist bei ihm nm ao 
starker» je lebhafter er die Schranken unserer geistigen Kraft, den 
WJflerstreit der Vernunft und der Sinnlichkeit, empfindet ^); dass 
sie id)er dem Menschen auch wirklich zutheilwerden, wie könnte 
er diess bei seiner Ansicht von der Vorsehung ^) bezweifeln? wie 
HitSse sich denken, dass die gütigen Götter denen, welchen sie 
hold smd, etwas von ihren Gaben Torenthalten, und ihnen nicht 
vielmehr in Offenbarungen aller Art, von denen Plutarch auch in 
der Geschichte zahlreiche Beispiele zu finden glaubt 0« ihre Ab- 



mllMB gaiM entbehre, o. 25: ei sei immerhio nfltelieb, weam die UogereafateB 
duroh die Faroht vor dem Hadei im Zemne geluUteii werden. 
1) Vgl S. 148 f. 
' t) De !■• 11 g. £. S. 856. 

8) Amator. 10, 10. 49. 768 Tgl. 1. Abth. 886, 1. 584, 6. 
' 4) De le. 68, Anf. fik 878. Ebd. 8 ; e. o. 147, 8. 
5> M. s< hierfiber 8. 168, 8. 8. 

6) Worttber 8. 159 ff. 

7) Sfl iet bekeant, wie hMofig Pluteroh von Vorseiehen, Orakeln, Tor- 
bedeotenden TilUmiea u. b. w. ersfthlt, nnd er thut diese niobt etwa nnr Sa der 
Art, wie man eine Sage anfahrt, der man selbst keinen Werth beilegt^ son> 
dem so, dass er die Vorginge, um die es sich handelt, als -gesehlehUiohe 
Thatsaohea miltheih, nad sich in eigenem Namen über ihre Bedeutnng aes- 
sprioht. Wenn GaSAtD Morale de Plnt. 849 f. daranthnn sacht, daes Ptat 
solchen Ersahlnagea gegenftlmr sieh die Selbetlndigkeit seines Urtheüs ge* 
wählt, mid ihnen keineswegs unbedingt (Manben geschenkt habe, so kenn 
idi dtees nur mit grosser EUnscbrlnkong sageben. Er g^bt attetdiags nicht 



Off6nl»ftriitig«|rlaabe. Mt 

ihkten kradthnn? Wober könnte ud» an Ad» ^^taite tob 
der GelOieil kämmen, wem nieM sie iMbsl diesen ihren' eigeiisleB 
Berili, wie alles Gate , nns mittheiltf ^ Beruht es eler^ anf einer 
Mfttkeanng der Gottheit, so wird es vm so vollkommeiier sein, je 
weniger wir TOn unserem eigenen einmischen: die höhere Onm«- 
banmg ist ein Leiden der Seele, worin sie sum Werksettg«^ 
fiotfteil geworden ist, ein Znstand des^ Bnfhnsiastitas; und wird ^ es 
MiAder Seele, so lange 'sie vom Ldb mngeben ist, nie gefingeii, 
sieh der höhereifEinwirkiingTölHg rein and «BgeMört hinngebM, 
ist insofern jede Offenharnng ab das Produlct cwei^ Bewegnngeii, 
dfter natdrKehen nnd einer göttlich gewirkten, m betrachten^ md 
in j^der die göttliche Wirkung von den menschlichen Zntkaten in 
natencheiden, so ist doch die Aufgabe die, alle eigene ThttigkeK 
mfigKchst znrüekeudrtogen, nnd dem götAichen Geist einemög^ 
liehst migetrübte, jungfräuliche Empftnglichkeit entgegeittltbriB^ 
gen *). Das Eintreten jener höheren Wirkung ist an gewisse ¥er« 
mHUttfigen geknöpft, oder es wird doch durch sie erieichterl; niaeh 



Jadw Wmiler und Jade VoibediBtUDg, aber er glaabt dere» deoh Hsmer wQfh 
wir fielnobr, id» selbst da grioohitolMr GeMhiolitsobfaiW |;|f||iben dürft«; 
vnd ivouD er in einzelnen F&llen tqd ünterichiebang einee Orakels oder 
■ebmeichlerischer Deutung eines Traums ersählt , so beweisen doch manch^ 
▼OQ den Stellen selbst, welche Gbj^rd fQr sich ahführt, dass damit dürehktii 
kein allgemeines Misstranen gegen derlei Brsftliliuigeii ausgesprooliea iMfa 
•oH. So Alex. 18. S6« )Qo. 18^ wo eine Mengt Vorbedentaagen in faiUw 
^Mmk beriehtet werden, Ooriol. 8S, 'wo Plnt. swar ap dem Spr^oben teiner 
BildtiQle Anstoss nimmt, aber ansdrfioklicb sngiebt, dass die Brscheinnng 
•ckvitsender, weinesder oder aohiender Bildslnlen Tom 8ai(AÖviov snm Zweck 
eioer Vorbedentnng bewirkt werden k5nne. Es ist also nicht das Wunder ajU 
«debes, sondern ntir das aUsnabentenerlioke des Wunders, woran e» Anstoss 
■>Bmt Weitere Beispiele seines Weissagnngsaberglaabens finden sich in 
uhUosen Stellen der BCoi, m. rgl. d. Index der Didofsoben Ausg. uat^r Ora- 
eslaimd Prodigia und S. 175, & 1 76, 8. 

1) N. p. snar. yM 82, 7. 8. 1108 (nach Xkkovjl Bymp. 4, 48). 

3) De Is. 1, 8. 861* 

8) De Pyih. orao. 81 — 88. 8. 404 f. Amator. 16, 4 ff. & 768. Dtf. 
«M. 48, 8. 486. Bbd. 40. Ich will ans der ersteren Stelle, der HaupUtellt 
PhtUreh*s tber dieien G«|^8ait«id, nur die folgenden Sitae anfthren: e^&fMt 

ksia Orgsn stellt aber die Thitigkeit desften, yon dem et b^agt wird, gana 
' ^ dsr; oSttt« h xaXoi{(uvo( lv6ou9iao)ib< Ibixs |i.Ktc t)^«i xiv«l9M»y 8u^v, tJ^v }ik>t 
^ «6esv9i t)|( ^^^< fya t^ Zk o>c i^ifvu xtvou{f^c. 



im ftkpktfvM Mle vesA thalte DftmoiiMi 4ie VomilÜM, wddie 
^«frihBüieliaft derfiMter igm Seele 0ibnB«eii ^), ÜieilB dioMB Mieli 
fOftncke- meferielle Dinge, wie die Oftnpfe der piF^Wseiieii HttUe, 
ttnUtf der Iieiliuif der Gettet ud mtt Hdlfe der DipMiieii, sw Br- 
regmg de» B«lhusi«flnttg 'i); auf Seite de^ MeDseiieii üpk die Bn- 
pÜDflMkk^iflirQffeiitaniiifen derch die IMihe der Sede iiad ilire 
AUÜNiiig TOA^iaDliekeii liediegt, und wie dieeelbe deeiludk im 
SdMafe grieser M 0eio pflegt, ele im weeben ZiuUmde, m kwa 
aiMli eitte %vtMSmm^ Liekeiiswwe, wie die des Sefaretee e»d der 
Irifpneeler, fit de« Verkehr mit der Gottlmt vorhereiten *>. Die 
iMere Qffeebirwg «elk^l jedocli ist etwas mo^ieBtuee: der 6e- 
dairifie deeCöttUehfW «riß md erleuchtet die Seele mit Binemlide, 
iri« ein Blils, sie berührt den Dfimon, oder auch das kdrperioee 
ürifieseii selbst, wto mit einem Spränge, und erhfitt in dieser Be- 
rilMng dpe Weihe der Wahrheit «>. Wir sehen in dieeen Sttiea 
einerseila d^ stoische Offenbarangstheorie sich wiederholen ^), 
endereweitB die Lehre der Nenplatoniker von der Ekstase sieb 
▼orbereiten , so wenig sie auch bei Plntarch schon die Bedentuig 
eines Zidlpunkts, dem das ^anze System anstrebt, erhalten haben. 
Anf diesem Standpunkt mnsste nnn ein Hittarch srtr vieies 
glaublich finden, woran eine nüchternere Philosophie Ansto« 
genommen hatte. Dahin gehören vor allem die Weissagungen, 
deren Rechtfertigung ihm natürlich noch viel weniger Schwierigkeit 
maehen konnte, als sie den Stoikern gemaeht halte» Dass freilich 
die Götter selbst durch den Mund der Propheten reden und der 

1) Qen. Soor. 20, 8. 588. o. i4 n. 0. I>ef. «rao. 13. 16 (i. o. les, b). 

SS. 48. 

8) Def. orao. 48 ff. : die Seele des Memeben Ist die OXi), dae «viBpa Iv» 
f outfia9T(xdv und die Ansdanitmig der Brde Ist olov llpy«vev 9) icX^xtpov n. a. w. 
Cbd. 40 f. 8. n. 

S) Qen. Soor. 80.. Tgl. c. 88, 8. fiOSi Bi De la. 6. Def. orao. 40. 

4) De Is. 77: ^ 8k totJ voijroO xa\ slXtxptv^c xoft ^ioi> vöi)«« Soicep dctfip«id|| 
BioXi^At^ava ifj {'^x?! ^^ ^^ OiT^tv xoft fcpo(t8€tv icop^e . . . iqpb« xb xpötov 
Atifvo xa\ a}cXo5v xa"^ otüXev l(d(XXovTat xa\ ^ty^i^tt« «cXöc t^c icip\ oM xaSc^ 
iX7)^e(QK ofov h xuXrcfl tAoc f)^tiv t^ ftXoeoftov vo(iiCeiMru Gen. Soor. SO: Daa 
Wort, wodnrofa aioh Menseheii einander nrfltbeiteii, iat eine Art idaff^ <<li( 

|i:9| Bte|fc^v' ^ 8* iveCdbiecv «dt^ x«XdvTt x«\ ouvttiyovn tdk« ip(>3k( • . . ifa t^^fe tt c 
m^ |Koölcx3^c JSeiNp V^ IvMeo^. 

5) Vgl. 1. Abtb. 5ieff. 



Offenbarq;ft||flk|pVAfii)>e; llantik« SV# 

PyiUi ikre(teM 4iiigfibcn^:kiiiii)Qr fiiolM:9liiiib6ii3/ftoto».¥w- 
tleOng «MDA er cunaMg md kin£i(di, ii*4 w. Wiiicmprttk «il 
rkh^0M Bcgrifito tm dor GoUlioit ^>. AUein er JtedfthT.ilMr 
«BtkiiMiif 4» ja eineslbeils 4i# DimMen, lvi^ «rir m ßb« feUM 
ItfiktB, 9Ue böhere Qfenbarftiig ^Mmittdfat hmI da MdetimNriiti 
<kr toeb, wie er gkttbt, di$ Vennögaif BokiiittcM ?orlmPr 
i m I toB » YOA JNKlnr so gel inwcrim^ wie diifti an vergenfeiuii fliidi 
nerieneta; dieie* VeimögM trü aber ie Wirkaamkeit» mlNlU 
ihrZntaiid dee Laike^ voti iick am, oder deiK^h ftusere KnWtoa^ 
te VMademifM .orfllhrl^ wcMke ea m eetkieden, dieJSeeb 
m BalhiiaiaaaMia kuä der Gageewari hJniregiiiTefaetaee feeigeirt 
•ied 'X Wo Oeelle» oder Dinate e«a der Erde atroneftt «fliahe 
die faephetiadMA SntlwaiaaaMia ecfjegen , da bUdel sieb dea$ftta 
«aea teakela; ^treeu: diaaelbee aas jrgendwelcben QfAiideH .reiv 
nagen, muaa aach das Orakel erlöachen ^. Von der Kraft der 
Onkel bat Platarch'eine sehr hohe Meinung: er yersichert, sie sei 
durch zahlreiche Erfahrungen bestätigt, die Pythia sei nie eines 
Irrtkams uberfulirt worden 0» und er selbst erzahlt hiuQg tqu 
Magatreffenen Weissagungen und wuaiderbareii VorbedettUiBfei^ 
•bne gegen ihre geacUchtiicbe Wabrbeit einen Zweifiil la 
iussem ^>. Der naturlicben BrkMrung und wissenschaftlichen 



1) Def. oiM. a g. £. I>e Fjtk. orao. 7. 30. fik U$7. 404. 

t) IH hiecabfit achoii & 17S gctproahea wanle, will loh anr «o^k dio 
MU JM; orao» sa t «twM nftbieF iMffttech^a. Na«kd«in ^iob )iier Pla(^ I« 
^ iiigta«benw Wdise Aber das WeisMgoBgsvemidgtii getasMft hni^ Akrt 

^BRnai ToO |A^XXovToc, Sxav &9if| luIXiora tqu acofövTQ«. iEioxaiTM tt xpioiu w"^ 
M^i i^ «&|iaro$ cv (AKXC^ßo^ yi^uwov, ^v ^0ovoia9|t2»v jueXo^uv. Dieter 
Svlnd dM KOxpere tsete oft tod 8elb»t ein» et gehe eher aaoh, neban ap- 
^«n ketbamen und MhadllelieD QneUen, ▲uMtrSmoogen das xvtQtiLa (&aypr 
WS velehee bald ia Iioftform ausdüAetei bald Wassern balgemisobt sei. W{a 
^MIH «ittelat des Körpen auf die Saele wiskei eaobi Pbii. dam weiter sa 
«tUlnaiS ex Teiylaielit dieM Wirkung mit der des Weioe. MU dieier Tb^pde 
vte M dann awSh (o. 46— frl). die Uebongan de» delptdeuhe» OcakeU ii^ 9»- 
■Mai« anl die Opfofthiera wd die Pytbia in UebeveinsUmmang an briagaii. 

li) PeC oraa» 49. 44. Clia«a gaaaa Sobr^t niavnt Ja ikren ▲aigapgii^iinkt 
TOB der TbaUaobe, daia lo yiele frfibar« QraM in AkgiWg gsbA^aanen W|un^ 

4) PyUi. orao. 11, 29 ygL Det orao. 46. 

6) 8o beruft er licb Pytb. orao. 11 anf drei delpbieobe Orakeleprfiobe, 



Itoiraeirtiilig der Dinge wiB er dämm allerdiiigs nieU mtngeB ; 
«ker di Uttn deJ^'NuturkiQf doeh schUttsdich nur ein Wertnenf in 
dev'Hinid der Vorsehung ist, so hat es für ihn keine Scfawierigkdt, 
ieiherteili aveh in dem , was er selbst als ein natdrlichea aner- 
kemieii inrns, doeh zngleidi eine hfthere Offenbarong m finden ^> 
tind andererseits selbst das uanogliehste, wenn es nnr bedeatnngs- 
voH ist; sieh gefallen zn lassen^. Sein VerbfHniss zun Volfca* 
flanben ist daher im wesentlichen das gleiche, wie das der 
stoischen Schnle. Er weiss recht wohl, daw dieser Glanbe sehr 
tiel verkehrtes , falsches und der Crottheit miwürdigns enthtlt *); 
«ilw er ist nicht allein yon seiner UnentbehrUchkMt' Ar das 
€teiiieinw«sen au fest l^bersengtOv sondern anch darch 
rigienes religifees BedArfniss zu eng mit ihm verwachsen, als 
et* ihm nicht die beste Seite abzngewinnen Sachen sollte. Die 



1 > 

die freilich wanderb«r genag würeiii ebd. 9 auf die Yielen duroh den Erfolg 
beitatigten aibyllinisohen Weissagaogen , Def. orao. 45 aaf einen Fall, in 
welohem daif Orakel des oilioiicben Mopaas einen Zweifler, der ea anf die 
Ptrobe »tollte, bea^bltmte; Pyüh. orao. 8 auf eine ganie B^lhe wnnderkarcr 
Ysrbi4«nhuigen. Weitere Beiapiele finden aidh Alaib. 89. Timol. IS. Aeinil. 
P» tii'Fjnh. 81 t Pompu 78, Alex. 14. Anton. 60 n« ö. 

1} M« Tgl. in dieaer Beaiehnng, ausser S. 161, 1, namentlich die beaeich- 
nende Aensserong Perikl. 6, wo ans Anlass eines dem Perikles gewordenen 
Wnnderseiohens, welobes Anaxagoraa natfirlioh erklärte, bemexlct wird: 
lx<&Xvc 9* oddkv, plfJLat, xa\ tbv fucrtx^v hcmtyyjknv^ xsft xbv |&&vtcv, to3 |&b tjjy 
«htovj to9 tA xb tiko^ xdtX^ IxXoejjip&vovTO^ * ^jt^cro yk^ x^\ih ht Tfvwv y^fovt 
%A nC»^ ic^^uxi, <ke»f9j««t* xC^ 8^, x^o^ xi fijon xa\ xi «ijtLoCvct, icpeciicdv. Won 
man meine, dareb Nacbweiaong der natOriioben Uraaohen werde die Beden- 
tittig einer Erschwang als Voraeiohen aufgehoben^' so masste man aUe» aaeh 
die kfinsüiehen, Zeichen Iftugnen. 

f) In den BteUen, welche Torl. Anm. angpeflihrt sind, finden tioh FrodS- 
gi#n der unglaublidisten Art, sohwitsende Bildsäulen n. dgl., und qu^aonT. 
Vni, 1, 8 will PL die Sage ron der gSttlieben Abkunft Plato*s nicht Terwer- 
fen; denn wenn auch ein geschlechtlieber Akt dem Begriff der Qottheit wider- 
streite, 0^8^ oTofjiai 8ecvdv, f{ (ijj icXY}9t&Ccov h 8ib< d^i^ ecvOjMMCoc, iXKk ht^m; 
tt9>v ^f «tc 8i' (t^füv xctl 4»aJat«i xpimi xA 6ito]s((ucXii]9t 8stottfp«c ^^^ ^ 8M}ttfv. 
Darf man nun auch nioht alles, was in einem plutarohisohtn Geapriah slsiil^ 
fSr seine eigene dogmatische Ueberseugung halten, so würde er doch dissa- 
Annahme nioht unwidersprochen Tortragen lasaca, wenn sie ihm nUfet an» 
nehmbar, oder wenigstens denkbar erschiene. 

8) & 0. 149, 3. 171. 

4) Vgl. 8. 170, 4. 



Die Volksreligionen. 177 

ninclierlei Tolksgötter sind ihm nur verschiedene Formen , unter 
denen dieselben göttlichen Wesen verehrt werden. ^Es giebt 
nicht verschiedene Götter fSr verschiedene Völker, nicht barba- 
rische und hellenische, südliche und nördliche; sondern wie die 
Sonne nnd der Mond allen leuchten, wie der Himmel und die Erde 
ond das Heer allen Menschen gemein sind, mögen auch ihre Namen 
noch so verschieden sein: so ist es auch Eine Vernunft, die in der 
Welt waltet, Eine Vorsehung, die sie regiert, und dieselben die- 
nenden Kräfte sind allen zugeordnet, nur die Namen und die For- 
men ihrer Anbetung sind verschieden, und die heiligen Symbole, 
welche den Geist zum Göttlichen hinleiten, sind bald dunkler, bald 
deutlicher^ *)- Hiemit war es von selbst gegeben, dass er alle 
Religionen im wesentlichen als berechtigt anerkennen musste. Er 
rinmt wohl ein, dass nicht alle gleich rein, dass manche mit aber- 
gliobischen Bestandtheilen stark versetzt seien ^; er ist den 
fremden Kulten im allgemeinen nicht geneigt *]), und hält den 
stehenden Grundsatz des Alterthums fest, dass jeder die Götter 
nach dem Herkommen seines Volkes verehren solle ^y Aber schon 
seine Schrift über Isis und Osiris beweist , wie bereit er ist, unter 
der Hülle der Mythen , in auswärtigen wie in einheimischen Reli- 



1) De Is. 67, S. 877 f. 

3) A. a. O: 9U(i.ß^>otc y(fi&vxon xaOtepcofji^oi«, of ^ a(iu8p<Ji( of th tpavo- 
^t«, ifh Ta 0^ t9|v VÖ1IJ91V i^ow-n^ oCx dcxtvSüvtoc. ^lot ^^P anoa^oX/vtcc 
^fpn&xouvi il( Set<t2a(|jL0v{acv a>XcaOov. Zn den Religionen, welche Plut. als aber- 
gltnbitoh Teraclitet, gehört namentlich auch die jfldisohe, welche er freilich 
^t der sjrisohen vermengt: er glaubt, der jOdiache Gott sei Bacchus; qu. 
ooirr.iy, 6 vgl. IV, 6, 1. 2, 9 ff. (wo Übrigens doch einige Bekanntschaft mit 
^jüdischen Kultafl, der als noch fortbestehend behandelt wird, zu Tage 
koant). Bto. rep. 88, 2. 8. t051. De snperst 8, Bchl. S. 169. 

8) De snperst. 8, 8. 166, gegen die ?n)Xc&96((, xaTaßoppdp<&aretc (das Be- 
wkmieren mit Mist, wie es in einigen aus dem Orient eingeführten Mysterien 
▼orkam), 9aßßom9(jLo\ u. s. w. und das &T^7cot{ 3v^[Aa(n xa\ jSv)(Aafft ßapßapixdt; 
*«WBo;^rfv«v [t^v yXöttov], xak waf «vojji^ tb 6^ov xa\ «atpiov ÄJiwfxa i^c eZatpilai, 

4) Amator. 18, 8. 756. Pyth. orao. 18. Def. orao. 12, Schi. Vgl. conj. 
pnM. 19, 8b 140: die Frau solle keine anderen Freunde haben, als ihr Mann; 
^"'»tn grOsiteo Freunde seien aber die Götter; die Frau solle sich also mit 
^«1 QSttem des Mannes begnfigen und sich der fremden Kulte und superstf- 
^^u Wiakelgottesdienste enthalten; solche fep& xXe^rcdfjLeva gefallen keiner 
Gottheit Inwiefern sich damit Plutaroh's Osiris- und Tsisyerehrung vertrEgt, 
^^ ipiter lu berflhren sein. 

PWloe. d. Qr. TH. Bd. 8. Abth. 12 



178 Platazoh. 

gionen, philosophische Sätze za suchen. Der Mythus ist, wie er 
sagt, der Widerschein einer Wahrheit, auf die er uns hinweist 0; 
und diese Wahrheit muss so allgemein sein , wie die Götter , über 
die sie uns belehrt*): philosophische Satze bilden den wesentlicIieB 
Inhalt aller Mythen. In der Aufsuchung derselben verfährt Platarek 
mit aller jener Willkfihr , an welche man sich , zunächst durch die 
stoische Allegorie , seit Jahrhunderten gewöhnt hatte; und auf 
diesem Wege gelingt es ihm, nicht allein in den Mythen, selbst den 
scheinbar ungereimtesten, durchaus einen tieferen Sinn zu ent- 
decken^, sondern auch für die Kultusgebrauche und Lebens- 



' 1) De Ib. 20, S. 868 sagt Plut., nachdem er den Osirismjthaa dargeiteDt 
und «ach einiger anstössigen Züge in demielben erwftbnt hat: dieae Dinga im 
Ernst von der Gk>ttheit aassuaagen, wäre freilich ein Frevel; aber sie seien 
dämm doch nicht leere Fabeln, sondern wie der Regenbogen eine Abspiege- 
long (IjA^aeic) der Bonne ist, oßTuif h (itSOoc IviauOa Xö^ou Ttvbc l^^vaüj^ ^orcv 
^oxXcovTOc b^ oXXa tj^y Si^votav. Vgl. o. 9. 11. 

S) De Is. 66 wendet Plttt gegen die Deutung der ägyptischen Qotthaiian 
(Osiris u. s. w.) auf den Nil n. s. f. ein, sie seien sn beschrankt, die CK^ttar 
tfeien xotvo\, nicht AlyviCTfcüv T8101, Isis, Osiris u. s. w. seien allen bekannt, 
und anoh wenn sie ihre ägyptischen Namen erst neuerdings erfahren haben, 
kennen und verehren sie doch ihr Wesen (Süya|xtc) von Jeher. VgL o. 67 
(s. S. 177). 

8) Schon die hellenischen Götter und ihre Geschichte werden von Plut 
nicht selten in ähnlicher Weise gedentet, wie von den Btoikem; und wenn 
er mit dem materialistischen Pantheismus ihrer Mythendeutung nicht ein- 
verstanden ist (vgl. 9. 149), und sich insofern materiell mehr an die Neu- 
pythagoreer anachliesst, so ist doch seine Behandlung der Mythologie ihrem 
allgemeinen Princip nach von der ihrigen nicht verschieden, und anah im 
einaelnen trifft er oft genug mit ihnen lusammen. Apollo bexeiohnet das «n- 
heitliche göttliche Wesen (De Ei 20, s. o. 148, 8; vgl. was S. 107, % von den 
Pythagoreem, 1. Abth. 806, 6 von Ghrysippus angefahrt ist); sein Name wird 
bald (a. a. 0.) von a und 9;oXb(, bald von anoXüicv (Fragm. IX, De Daedal. 
Plat. 5, 8), der Beiname flüOto« (De Ei 2, S. 385) von ^cuvOavseOat hergeleitet. 
De lat viv. 6, 8. S. 1180. De Is. 61 wird er und der angeblich mit ihm iden- 
tische Horos der Aegypter der Sonne oder der sie bewegenden Kraft gleich- 
gesetzt, und De Ei 9 die stoische Deutung des Apollo und Dionysos (1. Abth. 
806, 8. 808, 6. 7) nicht surfickgewiesen ; an anderen Stellen Jedoch (De Ei 21 
vgl. c 17. 20. Pyth. orac. 12 g E. 8. 400. Def. orac. 42, S. 488) wideraprioht 
Plut der Vermischung des Apollo mit Helios, indem er beide nnteraoheidet, 
wie Urbild und Abbild, Wesen und Erscheinung, und somit in Apollo eine 
Beseichnung des höchsten Gottes oder des platonischen oyoOVv sieht, desaen 
Abbild ja gleichfalls- die Sonne ist (Bd. U, a, 448). Artemis ist der Mond (fae* 



Mythendeutang. '179 

vonchriften hellenischer und orientalischer Religionen , wie auf- 



hiBM 25, 7. 8. 988), Leto die Nacht (Fragm. IX, 4 f. vgl. 1. Abth. 807, 8), 
Hwe dia Erde (a. a. O. ebd. c. 7, wo auch Zena, ganz stoisch, tod der OipfA^ 
lad sup^&li)« 8uvc4Mc, der Zwist dea Zeus und der Here von Erdbeben gedeutet 
wird); imd d* nun die Nacht durch den Schatten der Erde entsteht, sind Here 
uad Leto identiaoh (a. a. O. c. 4 f.; auf diese Stelle besieht sich TRaonoasT 
cor. gr. äff. III, 515, C); ebenso sollen Ares and Apollo gleiche Bedeutung 
hahvi (a. a. O. 5). Die Ersühlnng fön der Geburt der Aphrodite aus dem 
Maar deutet auf die Fruchtbarkeit desselben (qu. oonv. V, 10, 8, 6). Hermes 
ist der Xöyo^ (De la. 54); die alten ithyphalliscfaen Hermen ohne Glieder wol- 
IsB aasdrficken, daaa die Greise körperlicher Arbeit enthoben seien, ih tbv 
^fvv IvipY^ . . . xtä -jfövtpov ^oiotv (An seni s. ger. resp. 28, Sohl. S. 797). Noch 
■SDobes derartige findet sich da und dort, auch abgesehen Ton der unftohten 
TitaHomeri, welche c. 98—102. 202. u. ö: riele stoische Allegorieen bringt. 
Ad beseiehnendaten ist aber fQr Platarch*8 Auffassung der Mythen die Schrift 
AWr Isb und Osiria. Osiris, welcher mit Dionysos identisch sein soll (c.85ff.), 
ist ihm die Beieichnung aUes guten und beilbringenden in der Natur und im 
MtueheDgeiste (o. 49. 56. 64); sein sichtbares Abbild ist die Sonne (c 51), 
tt selbtt jedoch ist als der reine Gott Aber alles sinnliche und veränderliche 
kotth erhaben (o. 54. 78; s. o. 149, 4). Isis ist to xfjc ^üoeco^ OiJXu, die CXy}, 
tW nieht als körperliche, die Empfttnglichkeit für das Gute, welches Ton 
Osiris ausgeht (e. 58. 56. 58. 64); Typhon bedeutet alles yerderbliche in der 
Natur, in der Seele, wie in der Körperwelt, und fftllt insofern mit Ahriman 
Qid der bösen Weltseele ausammen (c. 45. 49. 55. 64); Horos- Apollo ist der 
>^B^t^ x6o|ioc als Abbild des voijtö^ (o. 54. 56 — eine beschrftnktere Deutung, 
roB der iskna ai&Covoa toO 9c«pt^ovTO{ Spa, c 88, ist nicht seine eigene); 
"^th (Hermes) ist der X^o( (o. 54 f.) ; Harpokrates tou 7cep\ 6c(5v Iv ivOp(&:coi( 
^fQu vtapoQ %tä &tsXou< xa\ oötapOpctitou ato^povion^C (c. 68). Die Seele des 
Osiris ist unsterblich, sein Leib wird von Typhon serstfickelt, d. h. das Gute 
ud Qeistige iat an sich Aber die Vergänglichkeit erhaben , aber seine Er- 
KheiiMug fUlt ihr anheim (c. 54). Osiris und Isis zeugen schon im Leib ihrer 
Hottsr den Horoa, der aber noch yersttimmelt ist, d. h. der Tollstäudigen 
Weltbildnag gieng eine unrollendete Schöpfung voran (ebd.). Horos wird der 
^■^^ angeklagt^ weil die sichtbare Welt nicht so rein ist, wie ihr Vater, der 
^^PC) aber freigesprochen, weil sie doch immer das Abbild des Geistigen ist 
(«Vi). Er entmannt den Typhon, weil die Weltbildnng der anfänglichen ün- 
ordamig ein Ende macht; und fthnliohes meint die Erafthlung, dass Thoth 
*« den Sehnen Typhon*s Saiten gemacht habe (o. 55). Wei^n Osiris im Tod- 
^^usieli herrscht, so bedeutet diess, dass erst die körperfreie Seele cur wah- 
'«D Qemeinschaft mit Gott komme (c. 78). Dass Osiris anfangs die Beine 
**tmiii«Dgewaohaen waren und erst Isis sie löste, will besagen, der an sich 
"^^ verborgene Gott trete durch die Bewegung in die Erscheinung (o. 62). 
^«eb ma&eherlei physikalische Deutungen der ftg^ptisehen Mythen bringt er 
l«. 32-^44). doch aind ihm diese im allgemeinen su eng (c. 45, s. o. 178, 2). 

12* 



180 Plntarch. 

fallend und abschreckend sie an sich sein mögen, aoBehmbttre 
Gründe zu finden 0* 

Welche Vorstellungen und Erzählungen konnte es auch 
geben, welche Gebrauche Hessen sich denken, in denen nicht eine 
theologische oder physikalische Wahrheit, eine sittliche Vorschrifk 
oder ein Zeichen von Frömmigkeit, ein Zug aus der Geschichte der 



Nooh weniger weis« er sich mit der eaemeristischen Erkiftrung der GGUersageB 
KQ befreandeoi die er c. 22 f. richtig beortheili; dagegen will er die Annafane 
nicht abweisen, das« die Erafthlungen Yon Osiria, lais nnd Tjpbon, und 
ebenso die griechischen Sagen Ober die Titanen und die Giganten , Kronoa 
and Demeter, den Kampf Python's mit Apollo, Dionysos and ähnlioliea, sich 
arsprünglich auf Vorgänge aas der Dftmonenwelt beliehen, and daaa Oairis 
and Isis ans Dftmonen sa Göttern geworden seien (c. 26. 27 vgl. De£ orac. 
21, S. 521 and oben S. 167). 

1) OiJSb Y^p «Xo-^ov o&$^ |iiuO<i>Sc( Q^tk ^nh fieivcSaitiovCot^ ... ^yxaTt9roc)[ct- 
oOto tspoupY^aiC, oXkii za (ikv ifitxa^ ^ovra xaii jj^ufolHtii altimi, 'C« ^ oi^x a|u>cpa 
xo(i<|>öi>]io; loTopix^« 9^ fuoixiSs hxvi (De Is. 8). Dieser Voraassetsong gemiss 
beartheilt nan Plat. die ägyptischen Gebräuche, wie die Vorschriften Aber 
die Tracht (c. 4) nnd Nahrang der Priester, die reinen and anreinen Speisen 
(c. 5—8), den Gebraach' des Sistram (c. 68) and des Räacherwerks (e. 79), 
die Darstellangen des Osiris (c. 61), die Gewänder des Osiris and dar Isis, 
von denen jene darch ihre gleiohmässige lichte Farbe die Einfkohheit des 
Urwesens, diese darch ihre Bantheit die Vielgeetaltigkeit der Eraeheinnngi- 
weit andeaten (c. 77 vgl. 51); so rechtfertigt er nicht blos die Todtenklj^en 
um Osiris u. s. w., indem er sie aaf die Frfichte der Erde besieht, am deren 
Erneuerang die Götter gebeten werden (c 69—71, anders Def. orac. 14 s. n.), 
sondern aach den Thierdienst; denn so verwerflich die Anbetung der Thiere 
als solche, und so angereimt die Mythen, mit denen sie begrdndet werde, 
ihrem Buchstaben nach seien, so sei er doch theils durch den Nutaen mancher 
Thiere, theils durch ihre symbolische Bedeutung begründet Die letstere ist 
Plutarch die Hauptsache, und er ergeht sich aiufllhrlich in der spielendtton 
Deutung von Dingen, die auch an sich selbst theilweise fabelhaft aind: das 
Krokodil sei ein |i.f{JLr|{jLa OcoS, weil es keine Zunge habe, foivSjc yof h Odo« 
XÖYO( anpoc8c7[( irzt j es habe ein Häutchen Aber dem Auge, &9Xt pXisncv {&jj 
ßX€icö(uvov, % t^ ffpb>Tc^ 66$ ou(tß^ßi]xev; der Schnabel des Ibis bilde ausammen 
mit seinen Füssen ein gleichseitiges Dreieck; das Wiesel werde, wie das 
Wort, durch^s Ohr empfangen und durch den Mund geboren u. dgL (De Is. 
71—76). Aehnlioh weiss er (s. B. Fr. IX De Dedal. Plat c. 2 und in den qaae- 
stiones romanae) für griechische und römische Gebräuche mancherlei Gründe 
tu finden ; selbst die Menschenopfer der Vorzeit und andere wilde und rohe 
Kultushandlungen, die mit Wehklagen oder schmutsigen Schersen verbun- 
denen Feste a. dgl. werden Def. orac. 14, 8. 417 durch die Annahme gerecht- 
fertigt, dass sie sur Beschwichtigung böser Dämonen dienen sollen. 



Religiöser SyDkretlsmni. Aioeee. f8f 

DimoBen oder ein Mittel zn ihrer Beschwichtignng^ gesacht 
werben konnte , wenn man es mit ihrer Deutung so leicht nahm, 
wie Plotareb und seine Zeitgenossen ? und warum hatte in dieser 
Besiekung zwischen einheimischem und fremdem ein Unterschied 
fein sollen , wenn doch manche von den ausgezeichnetsten helle- 
nischen Weisen die Schüler der Barbaren gewesen waren O9 und 
wenn andererseits der Ausleger das griechische mit solcher Un- 
befangenheit in die ausländischen Ueberlieferungen hineinlegte, 
dtss er selbst ägyptische Göttemamen aus griechischen Wurzeln 
21 erklären sich erlaubte ? ^ Plutarch huldigt daher in seiner 
AoAissnng der Religion ganz jenem Synkretismus, welcher die 
verschiedenen Religionen durch spekulative Umdeutung mit ein- 
ander und mit der Philosophie zu einem trüben Gemenge ver- 
schmolz , wenn er auch den Kultus allerdings in der Hauptsache 
auf die Gatter seines Volkes beschränkt wissen will *). Zu der 
Aaeese jedoch, welche mit diesem Svnkretismus sonst nicht selten, 
nnd so namentlich bei den Neupythagoreem und den späteren 
Reaplatonikem verbunden ist, zeigt er wenig Neigung. Er dringt 
avf die sittliche Uebung, ohne die seiner Ueberzeugung nach keine 
Tagend möglich ist^; und er empfiehlt aus* diesem Gesichtspunkte 
neben anderem auch Gelübde , durch welche man sich für einige 
Zeit zu gewissen Enthaltungen verpflichtet^}. An sich selbst 



1) 60 Selon, Thaies, Plato, Endoxns, namentlich aber Pythagoraa De 
b. 10. 

3) De li. 3. 60 f« wird der Name der Isis theils ron l^vat theils ron füU^hw. 
Abgeleitet, Oeiria von Seno^ und tepb^, Aifnbis, wie es scheint, von «vcd f^pea- 
0«, indem ansdrficklich yersioliert wird, diese Namen seien hellenischen ür- 
ipnmgs und an den Barbaren erst eingewandert. 

8) Vgl. Bw 177, 8. 4. Plutarch yerletzt nan Areilioh diesen Grnodsats 
agentlich selbst durch seine Schrift über Isis und Osiris, welche auch dem 
Knitns dieser Gottheiten aur Empfehlung dienen musste, wie sie denn (0. 2. 36) 
^«r eifrigen Verehrerin derselben gewidmet ist. Aber er glaubt Ja, diese 
^ttheiten seien nicht blos Ägyptische, sondern allgemeine; s. vor. Anm. und 
8. 178, 2. 

4) 8. 0. 166, 4. 

5) De gen. 80er. 16, 8. 684 f. unterscheidet Plnt. die a9XY]9(c und das 
^T^ icp^f \ \ aaxi}7((, und au der enteren rechnet er es, dass man, wenn 
Uibesflbnngen die Esslust geschftrft haben, eine gute Mahlseit stehen lasse, 
^ lernen Hunger mit einer geringen zn stillen, dass man einem erlaubten 
Gewinn entsage n. dgl. De 00h. ira 16, 8. 464 lobt er als Uebungsmittel ffir 



188 Maximas y. T^rnf. 

jedoch legt er solchen Enthaltungen keinen best^nderen Werfk bei : 
er r&th wohl eine möglichst einfache und leichtverdnoliobe Kost 
an, weil eine solche nicht allein der Gesundheit, sondern auch dar 
geistigen Thätigkeit zuträglicher sei, und er verlangt desshalb auok 
Beschränkung der thierischen Nahrung 0; aber dass man sieh 
derselben gänzlich enthalte, fordert er nicht, wenn er es glekk an 
sich wohl löblicher fände 0« Auch die übrigen Zdige der pythago* 
reischen Ascese sind ihm fremd. 

7. FortsetsuDg: Maximus, Apulejus, Namenias a. fl. w. 

Plutarch*s nächste Nachfolger in der platonischen Schale ited 
uns nur unvollkommen bekannt; dass aber die Denkweise, su 
deren namhaftesten Wortf&hrern er gehört, in derselben lebhaflan 
Anklang fand, sehen wir an einer Reihe von Männern, deren Aaf- 
treten in die nächsten Jahrzehende taach Plutarch's Tode^ iB*s 
zweite Drittheil des zweiten Jahrhunderts, zu setzen ist Dahin 
gehört der philosophirende Rhetor Maximus aus Tyrus, wekker 
unter den Antoninen lebte 0« Dieser Mann steht mit Plutarch auf 



den Willen Gelübde, wie daa, sieh ein Jahr lang der geeohleohtliolien G^ 
nfUee oder des Weins in enthalten oder eine bestimmte Zeit lang keine Un- 
wahrheit la sagen. 

1) De sanit. praeo. 18, 8. 181 f. vgl. De Is. 5. 

S) De solert anim. 7, 5 f. S. ^964 sagt einer der Untorredner, das beste 
w&re, nach pythagoreischer Vorschrift die schädlichen Thiere swar >a Ter- 
tilgen, diejenigen dagegen, welche sich sfthmen lassen, nur au benfitsen, nicht 
Btt tödten, und ebenso der Thierk&mpfe oder der blos aar Unterhaltung die- 
nenden Jagd sich su enthalten. Dass aber Plat. weit entfernt ist, desshalb 
eine gilnzliche Enthaltung yon Fleischspeisen sn verlangen, sieht man aas 
der ebenangefOhrten Stelle der öyuiva na^ctjxikyMxau Weiter geht in dieser 
Beiiehnng die Schrift De esu camium, welche das T5dten der Thiere und 
den Genuss ihres Fleisches schlechtweg als naturwidrig und unrecht behan- 
delt (I, 1. II, 1 — 5), wenn sie auch dieses Verbot nur hypothetisch auf die 
Seelenwanderung stfitit. Aber diese Abhandlung kann nicht fOr icbt gelten. 

3) Was wir von seinen persönlichen Verhältnissen wissen, hat D^vn in 
der Praefatio seiner Ausgabe des Maximus (abgedruckt bei Bsiskb) saaam- 
meagestellt. Es ist dessen aber sehr wenig. Sein Geburtsort ergiebt sich aus 
dem stehenden Beinamen Ttipto«. Euseb im Chronikum lu OL 281, und nach 
ihm HuROR. Ghron. u. Symo. 851, A, setaen den Anfang seines Öffentlichen 
Wirkens (ffViop((tio) unter Antoninus Pius, um 156 n. Chr., Suxn. u. d. W. Usst 
ihn unter Commodns sich in Rom aufhalten; jene drücken sich aber alle drei 



Bklektiolimat. f89 

demtelbett Boden des eklektischeti Platonismtis, der sich \tt&6^ 
detttUeh zum Neuplätonismiis hinüberneigt; nur ist der philoso- 
phische Gehalt seiner gespreizten Deklamationen noch merklich 
geringer, als der der plutarchischen Schriften. Bin begeisterter 
Bewunderer Plato*s bat Maximus doch nur sehr wenig von der 
wissenschaftlichen Schärfe des platonischen Geistes in sich auf- 
genommen. Er preist die Wissenschaft als das höchste; aber der 
Begrilf der Wissenschaft bleibt bei ihm so unbestimmt, dato er mit 
dEesem Namen ganz im allgemeinen die Herrschaft der Vernunft 
im Menschen bezeichnen will, und jede Thätigkeit in der Gesetz- 
gelraiqr oder Staatsverwaltung gleichfalls Wissenschaft nennt *)• 
Bf äussert sich im Sinn der akademischen und peripatetischen 
Sittenlehre fiber die Werthunterschiede unter den Gfltern und die 
Bedentang der äusseren Güter "^^ aber diess hindert ihn nicht, an 
einer anderen Stelle dem cynischen Leben den Preis zuzaer*» 
kennen, und einen Diogenes in dieser Beziehung wegen seiner 
grosseren Unabhängigkeit selbst über Sokrates und Plato zu stellen. 
Andi sonst stimmt er in manchem mit dem Sloicismus, an desseA 
spätere Vertreter wir durch diese Aeusserungen zunächst erintkert 



■o mofl, dasa es fast sobeint, al« ob sie ibn mit dem gleiobnamigen Stoiker, 
dem Lehrer Hark AareFs (1. Abth. 614), verwecbselten. Wiewohl daher beide 
Angaben sich nicht aussohliessen , wird doch ffir gesichert nnr das gelten 
kSnnen, dass seine Lehrthfttigkeit in die zweite Hälfte des iwelten Jabrhnii- 
darts flült. Seine Schriften, von denen wir noch 41 Abhandlungen (StdX^lc) 
beeitseni weisen im sllgemeinen auf eine grieehisohe ZahÖrerschAft (Tgl. 
VII, 6); aber nach der Sitte der damaligen Rhetoren scheint er einen Theil 
seines Lebens auf Reisen sugebracht su haben: er selbst erwähut VIII, 8 
solohea, das er in Arabien and Phrygien gesehen habe, und dass er Rom nicht 
ilbergieng, versteht sich fast von selbst; bezeugt wird es ausser der ange- 
fahrten Angabe des Snidas auch durch die Ueberschrift seiner Abhandlungen 
in den Handsehriften, die aber doch nur auf einen Theil derselben passen 
wM: MofCpou Tup{ou flXatcovixoS ^tXo^ö^ou tfev h 'P(iS(iY) iiaX^ecov -»[^ npc&TV]« 

1) Vgl. Diss. XVn, 1, Sphl. : e{ y^P '^^ ^< "^^ ÜX^tojvo^ fcuv&c ^(A^9«t>v 
h^ttv Sätat X6Ye>v ... o3to{ odd' ov tbv fJXiov T8oi ^vCo^evTa. 

t) Dfss. Xn, 5. 7 in einer Erörterung über ifjimtpfa, cppövi)9i(, EnianjpLi). 

8) XL, 5 f. — Die Vertheidignng der Last Diss. III (Rittkr IV, 25d, wo 
aber ans Versehem Diss. XXXIII steht) gehört nicht hieher, denn Maxintus 
spricht in dieser nar in firemdem Namen; s. Diss. IV. 

4) XXXVI, besonders o. 5 f. 



|g4 Mazimas v. Tyriit. 

werden. So sagt er mit den Stoikern, der Tugendhafte könne aichft 
verletzt werden , dehnt dann aber freilich diesen Satz in unbeson- 
nener' Uebertreibung auch auf den Schlechten aus, indem er in 
diesem Fall, trotz seiner Anerkennung der äusseren Güter, 
behauptet, das einzige Gut sei die Tugend, da man nun diese 
weder dem nehmen könne, der sie hat, noch dem, der sie^nicht 
kat, so könne man den einen so wenig verletzen, als den andern ^>. 
Stoisch ist es, wenn die homerischen Götter theils auf elementa- 
rische, theils auf sittliche Mächte gedeutet werdend; aus d^ 
stoischen Philosophie stammt die Bezeichnung der Welt als einer 
gemeinsamen Wohnung von Göttern und Menschen'), ebendaher 
die Rechtfertigung der Vorsehung durch die Bemerkung, dass das 
Uebel von dem Wechsel der endlichen Dinge nicht zu trenn^i sei, 
dem wohlthätigen und zweckmfissigen in der Natur als unver-- 
meidliche Folge anhänge 0; und wenn Maximus mit Plutarch das 
sittliche Uebel hieven ausnimmt , und im Widerspruch gegen den 
stoischen Fatalismus auch das göttliche Yorherwissen und die 
Mantik nur in bedingter Weise auf die menschlichen Handlungen 
bezogen wissen wiU^), so trifft er dafür mit den au^eklarteren 
unter den Stoikern in dem Satze zusammen, dass es nnnöthig sei, 
die Götter um etwas zu bitten , denn äussere Güter solle man nicht 
von ihnen begehren , geistige müsse jeder sich selbst erwerben, 
das wahre Gebet sei nicht eine Bitte um mangelnde Güter, sondern 
eine Besprechung über die vorhandenen, eine SelbstdarsteUung 
der Tugend 0« Auch die Anschauung des Weltlaufs als einer 
von Gott ausgehenden und durch die Gegensätze des Endlichen 
sich hindurch bewegenden Harmonie ist wesentlich stoisch ; noch 



1) xvm, 8 f. 

2) X, 8, SohL XXXII, 8. 
8) XIX, 6. 

4) XU, 4, wo die Uebel den Funken Tom AmboB and dorn Rom im 
Ofen Tergliohen werden. 

6) A. a. O. 5. XIX, 8 ff. 

6) XI, besonders o. 7. 8. 

7) XIX, 8, Schi.: ^f^u xb nov xouto ap(iov(av xvik ihax ^py^ou {lOuouioO %tti 
zejyirtiy ^ xbv Oeöv x^v 81 opfiovCav auxjjv &p£a(jL^vi]v ;cap* aOxou 8i* a^o« lo9a«v 
Kxk "f^c xou OaXaxxy)c xcä I^c^cüv xa\ ^uxcov £(xneooS<7av {isxot xoOxo %\i icoXX3bc X4& 
^o(io£ou( fiiaui auvxoEXXiiv xbv h aOxat( fföXt(i.ov * a»( xopuf a(a ap{i,ovio^ ^iscooSo« 
tlc noXuf cüy{av X^^^t ^vx^cxxci xbv ^v aOxiJ Oöpußov. M, Tgl. biesa und su o. 4 



Eklektioiimni. tBft 

mftitMkarer erinBeri sie jedoch bei unserem Verfasser an die 
pseado^arisloleliscbe Schrift von der Welt, von der es wirklich 
scheint, dass sie sein nSchstes TorJ>i]d gewesen sei. Peripateli- 
whes weiss Maximus anch sonst, wie andere Platoniker jener Zeit» 
neben dem stoischen mit seinem Platonismns zu verknüpfen. So 
QBterscheidet er in der Seele bald mit Plato drei Theile, baM an 
Aristoteles und die Stoiker anknöpfend zwei, die Vernunft und den 
Aftkt 0- Aus der ersteren Unterscheidung leitet er dann weiter 
dSe drei Lebensweisen ab, von denen schon Aristoteles gesprochen 
hatte, indem er mit ihm der Theorie die erste, dem Handeln die zweite 
Steile anweist, und jene Formen des sittlichen Lebens zugldch, 
halb platonisch, mit den Staatsformen zusammenstellt 0* Auch in 



(Gott da arpaniYb« der Welt) sc. xö<i(&ou 6. 399, s, 12 jff., wo gleiobfalb die 
Welt einem Chor und einem Heere, Gott dem Chorftthrer (xopu^otoc) und 
PeldherrD Terglicfaeii wird. Aehnlich treffen wir XVII, 12 die Vergleiolrang 
der Oettfaeit mit dem Grosakönig, wie ;c. xöa|xou 6. 898, a, 6 ff. 

1) Jenes XXII, 4, dieses XXXIII, 5, wo er aber freiliob die Ansichten 
Moisr Vorginger ungenau wiedergieht, wenn er sagt: nach der fibereinstim- 
oNBden Lehre des PUto nnd Aristoteles nnd schon des Pythagoras, sei d$t 
8Mle nrBprflnglioh in swei Theile getheilt, X^yo« nnd ic&do«; jeder rott di«MB 
werden wenn er schlecht beschaffen sei nnd sich ungeordnet bewege, toads. 
geitnnt Vgl. Bd. II, a, 688 f. U, b, 886 f. 487. 449. HI, a, 207 f. 188, 4. 
Ueberwiegend aristoteÜsoh lautet auch XVII, 8: in der Seele sei das Opeicttiov, 
M^ltuHwy xiviittxby, fcoOijnxbv, voi)tiitöv. 

2) MaximuB behandelt das Werthreriiiltniss des theoretischen und des 
prtktiMben Lebens Dies. XXI f.; und nachdem er Jedes ron beiden seine 
Auprüohe hat entwickeln lassen, giebt er selbst XXII, 4 f. sein Urtheil da* 
kia ab: aus der (platonischen) Dreiheit der Beelentheile ergeben sich dreier- 
Itt Verüusungen der Seele, ron denen die erste und rollkommenste dem 
KiBigUran^ die iweite der Aristokratie, die dritte der Demokratie, oder rioh- 
^ Oehlokxfttie entspreche (vgl. Plato Bep. VIII, 544, D ff.), and daher 
M ßioc der Oced^tcxb«, xpoxTtx^ nnd &icoXau«tcxö( (so Aristoteles Etfa. I, 8 
^SL Bd. II, b^ 417, 8 — Mazimus selbst gebraucht den Ausdruck nicht). Die 
l^^itere Lebeosweiae wird nun sofort als unwürdig beseitigt, Über die Theorie 
udPttxis aber gesagt: diese Tcrdiene den Vorsug, was die XP*^"> J«ne, was 
^e Mol toO Tfvoi&^ov xaXoK betreffe. Welcher Ton beiden jeder sich rorsugs- 
vcke widme, mSsse Ton seiner Begabung, seinem Lebensalter und seinen 
VtrbUftBissen abhängen. Diunit streitet es nicht, dass die Tugend, d. h« die 
'«^tikhit Tugend, nach Dies. XXXIII, 7 f. nicht in einem Wissen, sondern in 
^ Beherrschung der iMt\ durch den Xöyoc besteht (nach Aristoteles; ^. Bd. 
.^ ^ 486 f.). >- Als Vorbereitung ffir die Philosophie empfiehlt Max. mit 



seiner Theologie yertfchmehst sich ihn aristoteliiMhes mit de» 
tOBiechen, wen« er in eine Darstellung der platonischen Lehre toii 
der Gottheit die Bestimmungen des Aristoteles über potentieUes 
und «ktaelles Denken ond über die anunterbrochene' Denklfaitig- 
keit Gottes einflicht 0; der wahre Gottesbegriff selbst aber ist, 
wfe er glaubt, nicht erst durch die Philosophie geftinden, sondern 
atten Mensehen Ton der Natur eingepflanzt, so dass in ihm nlie 
ohne Ausnahme übereinstimmen*)) wie diess ja einer von den 
Liebiingssütsen der Popularphilosophie seit> Antiochus und Cicero 
ist Die Philosophie des Maximus stdit sich daher , so weit wir bis 
jetit sind, nicht allein der eines Plutarch , sondern auch der der 
früheren akademischen Eklektiker 2ur Seite. 

Nur an den erstem erinnert dagegen die dualistische reli- 
giöse Spekulation , durch welche auch Maximus sich mit dem Neu- 
pythagoreismus berührt 0- Gott, als der höchste Geist und das höchste 
Guty ist nur Einer, erhaben über die Zeit und die Natur, unsichtbar, 
unaussprechlich, nur durch die reine Vernunft erkennbar ^ ; er ist 



Plato die •noyklUeheQ WiisenfolialUii , aameatlioh Mofik and Matkimata- 

mm. xxxva 

l) XVU, 8. 

a) XVIi, 6 (naohdem Mut« Ton dem Streit der mensobliebeii U einangeii 
ftlbec ftittUohe und andere Frngen gesprochen hat): iv toooitr^ 5ij noX^juS wtk 
9X&i9ti x(ä tiutftavUf. ha ISot« %v £v iz&at^ yÜ V<^pe>vev vö|iov x«^ ^T^i ^ ^^ 4 
iciMTcM ß«9iXfil»« x«\ iccij^p xA Oio\ xoXXo^, OtoO xaldsf, ew^x^^^^ ^^* ^*S^ ^^ 
h *ElXi)V }Jyu x«\ 6 ßdtpßoifoc X^i, xa'k 6 ^mtpcoti]; xcä h OaXteio^, nA h oof^ 
xa^ i «fVOfoc u. e. w. . . . (koC lUcrca epya, ij ^mjt^ Xtfyei, xa\ t^v tt^vtniv icoOet nA 
xflcn|MCVTtiStxat tili t^vi|c. Selbst die wenigen Atheisten, die als Aasnahme 
▼an der Nalaserdnang aofgetreten seien, mfissen nnwiUkÜhrUoh das Dsseis 
Gottes bekennen {Uom yoif o^x ^"^^^ ^o^ Xtf^fooeiv obtomc)* Zn diesen reebnet 
Maxiinns neben anderen nwnentliofa £piknr, den er anoh X, 4. 8 über die 
Gottheit gar niobt nitseden lassen «iU. 

8) & selbst bemfit sich auch wohl auf Pjthagorss; so ZXXIU, 6 (a. e. 
18^1 1). XVI, 8 f. (die pjthagoreiscbe Seelenwandemng mit dem bekannt«! 
Belflf Aber Pytbiigoras* Identität mit Eapborbas). XI, 6 (Pftbagotas, Sekrs- 
tesr Pl«to beteten). XXY, 8 (Pyth. betrschtete die Sonne ab Qottbeit}. 
XXXI, 8. XXXV, 7 (pythagoreische Sprache, pyth. Mnsik); aber doch erhilt 
man aas diesen rcreiaielten Antthrnngen nicht den. Eindrock, dass er Mit 
der nenpytbagoreiscben Schale in einem mehr sls mittelbaren Zneaasmenbang 
stehe. 

4) IHss. VIII, 10. XVfl, 8, g. E. 9-11. XXXIX, 6. 



Theologie; Di»«a«logie; MaBtlk. 

der BSdner der Welt uid der Hanrioker, dettep Yonmkngvk^ 
Mr rastend «Des vmAisst und erhilt, Ton dem ner gutee keeml, 
ohne den niemand Ingemttaft aeui kenn 0« Als Stoff der Well<- 
MUvDg dient ihm die Meterie, aus der in letster Beaiehanf alle 
Uebel herstammen, die pbysisehen nnmittolhar, die momüschen 
aittdbsr, dadurch, dass dm- freie Wüte die sinnUohen Triebe iiiriil 
beherrscht 0- Die Vermittler zwischen der hddisten Gottheit and 
der Welt sind ausser den unzihligen sichtberen Gdttern") die 
NnoD^nO) Untergötter von unsterblicher, aber leidenaCUdger 
Nttor, die an der Grense der himmlsM^hen und der inSseheA Watt 
wohnen, Diener der Götter und Aufreh^ der Menschen, an YelU 
koBunenheit, Gemüthsart und BeschsCtigfung Tsrsehieden , ^ den 
Goten als persönliche Sohutsgeister bmgegeben *> Maximmi be- 
trachtet diese Mittelwesen als das eigentliehe Band der similifdien 
ud der Abereinnliehen WeltO; von ihrem Dasein ist er so fest 
ttersengt, dass er nicht allein den einfUtigsten Mlrelien Ober 
Munonen^rscbeinungen Glauben schenkt^ sondern sogar selbst Ton 
Bolchen Erscheinungen , die er in wachem Zustend gehabt habe, 
la erzählen weiss 0- Auch die Seele des Menschen ist göttlichen 
Wesens^, aber wihrend des irdischen Lebens in den Leib ein- 
gekerkert, befindet sie sich in einer Art von Xraunusustand , aus 
dem sie nur unvollständig zur Erinnerung an ihr wahres Wesen 
erwacht^; erst von jenem Leben darf sie eine reinere Erkennt- 
nitt der Wahrheit und eine unnuttelbare Anschauung des Gott- 
lieken hoffen ^^ Einen Beweis der göttlichen Fflrsurge für die 
MeDschen sieht Maximus in den mancherlei Formen der Weissa- 
gung "), indem er sie zugleich mit der Willensfreiheit durch die 
Annahme vereinigt, nur das nothwendige werde unbedingt, was 

1) Z, 6. XXI, e. XLI, 2 t XI, 1. 4; XIX, 8. XIV, 7. 

3) XU, 4 f., im AnteUiitt an PtATO Phaeär« S46, A ff. 

8)x?ii,6. n. IS. XIX, e. 

4) XVH, 18, 

6) XI y, 8. XV, gans. 

e) XV, 1 f. 

7) Ebd. 7. 

8) VUI, S. 

9) Xin, 6. XVI, 1. 8 ff. 
10) XVI, 9. XVII, U. 

U) XIV, 7 (ffijjiac, otwvoi, M^xa^ 7«iv«ft, Ou^Cai, d. h. Offdrsehaa). 



ApnlejttB. 

TOD der Freiheit abfaSngi; ist, nur bedingt Yomuigefiagt 0- Ab 
HMfinritlel , deren die meisten Menschen bedürfen , werden die 
sinnlichen Darstellnngen der Gottheit durch Bilder nnd Mythen in 
Sebnts genonunen , nnd aus diesem Grande werden die Dichter als 
die ftltosten Philosophen gepriesen; die besondere Form des 
Bides ist wesenflioh gleichgültig, doch findet Maximns den Icünst» 
ierischen Anthropomorphismns seines Volkes am würdigsten *)• 

Ein Zeit- und Fachgenosse des Maximas ist A pal ejus ans 
Madanra'D) nnd auch in seinem philosophischen Charakter ist er 
ihm nahe verwandt Aach er ist erkifirter Platoniker, aber dabei 
so weitherzig , dass er nicht allein in die Darstellung der platoni* 
sehen Lehre mancherlei spfiteres and fremdartiges einmischt , son^ 
dem auch ganze Schriftwerke anderer Schulen sich aneignet. So 
hat er in der pseudoaristotelischen Schrift von der Welt das Werk 
eines cum Stoicismus hinneigenden Peripatetikers in lateinische 
Bearbeitung für sein eigenes ausgegeben^), und ebenso scheint es 
sich mit dem dritten Buch seiner Darstellung der platonischen 



1) xrx, 8—5. I 

S) VIU, 2. 10. X, 3 ff. XZin, 8 f. XXXII, 3 f. 6. 

8) Ueber Apolcgtls' Leben and seine Sohriften rgl. man Hn:.DBBBJUii} 
ApnL Opp. I, XVII ff. — Seine Öeburt setst dieser «nf Qrond der Aensse- 
ritngea Apol. 85 (Antoninns Pins nooh nicht Diths). 89. 37. 70. 79. Flor. 
17. 18 in die Jftlne 136— 183, wm Jedenfalls annlhemd richtig sein wird. 
Seine Vaterstadt war Madanra» an der Qrenie Namidiens gegen QAtnlien ge- 
legen, eine römische Militärcolonie, in welcher sein Vater, nnd später, wie 
es scheint, auch er selbst, die Würde eines Dnamvirs bekleidete (Apol. 34 
▼gl. Dogm. Plat. in, S. 364 H.); daher sein stehender Beiname Madanrensis. 
Belstt erste Bfldong erhielt er in Karthago (Flor. 18, 6. 65. 89), gieng dann 
aber, wie es scheint noch sehr jung, nach Athen (ebd. Metamorph. I, 1) und 
dann nach Born (Metam. a. a. O. Tgl. XI, 36 ff. Flor. 17, 8. 78), wie er Aber- 
haapt weite Beisen machte (De mnndo 17, 8. 884 vgl. Apol. 55. Flor. 15). 
Nachdem er sein betrftchtliches Vermögen (Apol. 28) theilweise anfgebranoht 
hatte (Apo|. a. a. O. vgl. Metam. XI, 38), Terheirathete er sich mit einer 
wohlhabenden alteren Witwe su Oea, sog sich aber dadurch Ton ihren Ange- 
hörigen die Klage wegen magischer Künste sa, gegen die er sich in seiner 
Apologie (De magia) vertheidigt (Apol. 73 f.). Vielleicht wurde dadurch seine 
Uebersiedelnng nach Karthago veranlasst, wo wir ihn Flor. 16. 18 treffen. 
Hier sowohl als in Oea anjl anderw&rts wurden ihm Bildsftulen und Ehren* 
besengungen sutheil (Flor. 16, 8, 64. 74. 76. Aooustih epist. 1). 

4) 8. 1. Abth. 8. 560 ff. ' 



PhiloBophiioher StAndpankt. tfiH 

PUlMopUe, wenn dietes ficht sein sollte, sn vwhalten, emen Ab* 
ritt der Logik ^ welcher gleichfalk eine Mischonf der gtoiacben 
and peripaletischen Lehre enthfiltO- Im gtnsen genoBMen iit 
aber aeia Standpunkt jener pythagoraiairende Platoniamna , dem 
wir gchon bei Plntarch und Maxamna begegnet sind. Ala ITr- 
grftnde nennt er neben der Gottheit die Materie nnd die Ideen *). 
Die Gottheil, der Toilkommene Geist, ist nnaiMsprechlick mid 
■nernesalieh Cii^^Acrpo^) , nicht blos über alles L^den , sondern 
auch Ober jede Thfitigkeit erhaben 0; die Ideen werden mit einem 
Bierkwördigen MissTerstfinAuss ihres Begriffs als iMtb$9Mü0, 
imfarmet, nulia $peeie nee quiüUatiM tiffmfleafione dUUnciäm be- 
BmhnetO- Neben Gott nnd den Ideen wird auch die Yemnnft 



1) Dieses Buch, welehes aaoh den besonderen Titel xtp^ 'Epfu)vi(otf llihrt, 
uns fibrigene B«r theilwelae erbslten ist, wird tob HiusnsAiB s«.Sk 0^ XUV 
Afiüejos abgesprochen. Psaktl Gesch. d. Log. I, 679 ninunt es In Bchat% 
nnd es selbst will nach S. 264 noTerkennbar fär ein Werk des Apolejos ge- 
balten sein. Seine innere Beschaffenheit wflrde auch kaum entacheidende 
He^male seiner ünichtheit sn die Hand geben , da einerseits Pbahtl*b An- 
nahme , es sei die Uebersetsnng eines griechischen Bchulbnchs, alles fftr sieb 
bat, ebendeeshftlb aber ans seiner Abweichnng von der sonstigen Weise des 
Apolejos nicht so viel gefolgert werden kann ; und da andererseits die Oe- 
tchiobte der Logik in jener Zeit, nnd namentlich die ihrer lateinischen Ter- 
minologie, ons so nnrollstftndig bekannt ist, um mit Bicherheit sn bestim- 
men, ob nicht das, was uns hier als neu auff&llt, auch schon dem sweiten 
Jsbrbundert angeboren konnte. Der Einwurf ohnedem, dass Apulejns das 
notorisch perlpatetische nicht fSr platonisch bitte ausgeben kOnnen, hat 
oiebts aof sich: sein Zeitgenosse Alcinous und andere thun diess ja auch (rgl. 
1. Abth. 6. 72e). Sehr aufTallend ist aber, theils dkss die Schrift in ihrem 
Anfang an dieswei frfiheren Bficher De Dogmate Piatonis nicht ankntlpft, 
theils ond besonders, dass sie in allen besseren Handschriften, und überhaupt 
in allen bis ^uf drei fehlt. Es ist mir daher wahrscheinlich, dass diese Ab- 
handlung, welche Cassiodor suerst anfahrt, erst nsch Apulejus Terfasst, oder 
doch fibersetst wurde. Um so mehr wird es genfigen, in Betreff ihres Inhalts 
anf Peastl's aasffibrlicbe Analyse su rerweisen. — Auch*die Uebersetsnng 
einer bermetisoben Schrift, des Asklepios, die unten noch su berfihren sein 
wird, stammt schwerlich von Apulejus; ebensowenig die Ton Rosa Anecd. 
gr. I, i03 ff. ihm zugewiesene Physiognomik. Vgl. Savppb Qött. Qel. Ans. 
186a, 1. 8. 21 f. 

12) Dogm. Plat. I, 5 vgl. S. 98 f. 109 f. 1. Abth. S. 726. 
8) A. a. 0. De Deo Soor. 8, S. 119. 

4) Dogm. Plat I, 5; richtiger c. 6: sie seien die /ormiM nntfUcu H 
',, unkSrperHcfa nnd die Hasterbilder der Dinge. 



Qmf^ ^ vo«^> ttttd die Seele als eiii Weeen höherer Natur ge- 
paniltO, ohne daas wir deashalb die YerateUang Ton einer 
heateMleii SUifenfolge gAttlicher Kräfte bei Apolejos suchen 
dtrften* Je weniger sich nun hierin philosophisches Yerstindniss 
zeigt, tun so natfirlicher war es , dass sich Apulejus den religiöeen 
VorfteUuDgen des damaligen Platonisnins , dem Götter- und Di- 
ASiieligkaben mit Vorliebe zuwandte, um eine Vermitflnng mit 
iler Gattheil m gewinnen. Zwischen den höchsten Gott und die 
Welt stsUt auch er, wie Maximus, theils die (Bötler, theib die Di- 
Humen ; au den Göttern redinet er nicht Mos die sichtbaren Gott- 
heiten, oder die Gestirne, sondern auch unsichtbare Wesen, wie 
4ie.jwdlfcly«ipischen Götter, die als S|>rösslittge des höchsten 
Gottes , als ewige , reine , über alle Berührung mit der Körperwelt 
erbabencf Geister bexeichnet werden*);' weil aber die Götter in 
keinen unmittelbaren Verkehr mit den Menschen treten, so sind 
als Zwischenglied zwischen beiden die Dämonen nothwendig *), 
deren Natur, Geschäfte und Klassen Apulejus mit grosser Aus- 
führlichkeit zu schildern weiss 0* Der Glaube an Schutzgeister 
findet an ihm, wie natürlich, einen Y ertheidiger ^) ; wie sinnlich er 
sich denselben ausmalt, zeigt unter anderem die Annahme 0, dass 



1) A. a. O. 0. 6: PUto nehnie sweierlei Substanaen an^ die intelligible 
und die sinnliche. JBl primae fuiden nibitantiae vel esserUiae Deum primum 
ei mentsm famuie^ue rtrwm et tmimam. Statt mentetn bat Eine Handsebria 
nuUien and Hildcbkabd liest detsbalb nacb Oudbiidokp^s Vennnthnng mth 
teriaai allein wie konnte diese in den unsinnlichen Substansen gerecbnet 
werden? selbst Tim. 62, A will dafür kaum aasreichen. Fflr gana anmSglich 
kann man es freilich, nach der eben gegebenen Probe Aber die Ideen, nicht 
erklaren. 

3) De. Soor. 3 f. Oogm. Plat. I, 11, SohL Zu diesen GSttern gehOrt die 
Isis, in der Apnlejos, ähnlich wie Platarcb, die Matter Natur verehrt, indem 
er sie angleich mit allen möglieben griechischen and anssergriechischeo Gott- 
heiten identificirt/ Metamorph. XI, 2. 6. 21. 28, Sohl. Tgl. III, 80. 

8) De. Soor. 4 f. 

4) A. a. O. c. 6 — 18. 16. Die Dftmonologte selbst, die hier ▼orgetragsa 
wird, ist die gleiche, welche ans schon öfters rorgekommen ist (rgl. S. 129. 
167 L 187); ihr Thema bildet die yielgebraaohte platonische SteUe Symp. 
202, E. 

6) A. a. O. 16. 

6) A. a. O. 20. Pi.uT. Gen. Soor. 20, S. 688 sagt noch ausdrfiokliob, 
der Dftmon sei von Sokrates nicht gesehen, sondern nur gehört worden, und 



O^tter und Dämonen. ff^ 

Soliratet seixi Dimooiiim nicht Um gohört , «Mdem muA ffinlhMk 
hab^. Auf die Dämonen bezieht Apnlejn« mit andern cti9 OpfG^r^ 
Weihen und gottesdiensUiehen Gebräuche, die Götterbildeir und die 
Tempel ; Yon ihnen leitet er die Weissag^ungen und saattigen Offen«- 
bamagen her, denen er bereitwillig Glauben gcheafct ^). Zum 6e-, 
schlecht der Dämonen wird auch die menschliche Seele gereohnet, 
iowoU während ihre« Erdenleben^, als^ besonders nach ihrer Be- 
freiung YomLeibe; doch sind es nur die Dämonen niedrigerer Ord* 
Rttiigy die in einen Leib eingehen *}. Die Sehnsucht 4^ gefallenen 
Seele nach Wiedervereinigung mit ihrem guten Geiste Coder auch mit 
der GottheiO bildet das Thema, welches in der bekannten Brsähr 
long von Amor und Psyche, die übrigens Apulejus nicht erfunden 
hat, im Novellenstyl ausgeführt ist 0* Tiefece philosophische 6e*- 
danken darf man bei dem afrikanischen Schöngeist weder hier 
noch sonst suchen. 

Weitere Belege für die Verbreitung dieser Denkart in der 
platonischen Schule sind uns schon früher bei T h e dem Smyr- 
naer und Alcinous vorgekommen. Der erstere folgt nicht 
allein in seiner Mathematik, und namentlich in den, was er 
ober die höhere Bedeutung der verschiedenen Zahlen sagt, den 
Pythagoreem ^3 ; sondern auch in Betreff der letzten Gründe 
unterscheidet er mit ihnen das Eins oder die reine Einheit von der 
Monas, der in den Zahlen sich vervielfachenden Einheit ^). Noch 
entschiedener spricht sich der Standpunkt des pythagoraisirenden 
Piatonismus in den Sätzen des Alcinous über die Ideen, die Materie 



•ebeiiit d«8Mlb« tob d«n D&monen ilb«rbiiapt Torftutuiieti«»» wogegMi a«gl» 
Max. Ttb. XV, 7 beiderlei DftnooenenobelaiiQg anniaiiot 

1) A. ft. O. 14. Apol. eelbet war aHea möglichen BeUgieaeübangen eif- 
rig argeben ; er eelbat sagt uns Apol. 65 t das| er sich in Gtieohealand in 
die Terscbiedeasten Mysterien batte einflihren lassen, und ihre HeiUgtkflmer 
sofgfUtig anfbewabrte. Seine Bekanntsobaft mit dem Isiskalt beweist ec 
Metamoipb. XI. 

2) De. Soor. 15 f. ygl. Apol. 94: amrno Tumwm eosiPMiseeiw in koipitkm 

• • • j* 
eofpont •MflRijffuftci. 

S) MeUmorph. IV, 23 — VI, 24. Ueber den Urspning und Sinn dar Fa- 
bel TgL Haj>BBaAHD a. a. O. 6. XXVUI ff. u. A. 

4) M. TgL hierftber 1. Abtb. 724, 2, und was oben, 8. 107, S. 5« 1001 
8—5 ans Tbeo Matb« II, 88 ff. angef&brt ist. 

5) Makb. I, 4. 



i|9li Aloinoas. Gelsnt. 

und die Ck^ttheit, Aber die Weltseele und die Ewigkeit der Welt, 
namentlich aber in jener Dfimonologie aus, welche einen Ton den 
stehendsten Zügen dieser Spekulation bildet 0- Wie nahe Atti- 
kus dem Plutarch stand, sehen wir aus der Annahme einer 
schlechten Weltseele, die er ebenso, wie die einer zeittidien 
Weltschdpfung, mit ihm theilt *). 

Neben den genannten kann hier ferner des bekannten Chri- 
stengegners Celsus erwähnt werden*), sofern seine YerQieidi- 
gung des Polytheismus nicht blos überhaupt auf platonischen An- 
sichten, sondern im besondem auf der gleichen Form des 
Piatonismus beruht, welche wir bei den bisher besprochenen Phi- 
losophen gefunden haben ^). Von dem platonischen Gottesbegriff 
ausgehend ^), stellt Celsus den Sats auf*) 9 Cott habe nichts sterb- 
liches geschaffen , auch am Menschen sei nur die Seele sein Werk, 
deren höhere und unsterbliche Natur unser Philosoph ndl Plato 



1) M. B. hierflber 1. Abth. a 786 ff. 

9) A. a. O. 722, 2. 

8) Zwar hftlt Osiobhbs, dessen Behrift gegen Celsns wir unsere gtase 
Kenntniss Ton diesem Philosophen yerdanken, seinen Gegner für einen Epi- 
knreer, aber diess ist, wie er seihst sagt (c Geis. T, 68. lY, 86), blosse Ver- 
nrathnng; in den sahlreiohen Brnchstflcken bei Origenes erscheint Celsns 
dorofaans als Platoniker. Mit Jener Meinung hingt nnn auch die Angabe (e. 
Oela. 1, 8) sasammen, dass Celsns unter Hadrian und seinen Nachfolgern go* 
Uflht habe; andere Spuren machen wahrscheinlich, dass er erst um 170 ii. 
Chr. oder noch später geschrieben hat ; m. Ygl. meine Theo!. Jahrb. IV, 629. 
Auch Ton der Identität des lucianischen Cebus (über den 1. Abth. Zus. lu 8. 868) 
mit dem Platoniker hat mich der neueste Vertiieidiger dieser Annahme (A. 
pLAVOk'in der Abhandlung: Luoian und das Christenthum Stud. u. Krit 1861, 
4, 882 f.) so wenig fiberieugt, als die Mheren. lieber Celsus und seine Po- 
lemik gegen das Christenthum vgl. m. Jetst Baur Kirchengesch. I, 882 — 409. 

4) Als Platoniker beseichnet sich Celsus ausser allem andern auch da- 
durch, dass er den Ton ihm behaupteten Vorsng der (p^teehischen Lehren Tor 
der christlichen hauptsächlich mit platonischen Annahmen und Aeusserungen 
belegt; VI, 1. 8. 8. 8—10. YII, 42 u. a. St. Vgl. folg. Anm. 

6) M. s. die Bruchstacke b. Oaia. o. Cels. V, 14. VI, 68 f. VII, 42. Vllt, 
21. Die TransoendenaOottes wird namentlich VII, 45, nach Anleitung der 
bekannten Stelle in Plato*s Republik VI, 507, B ff., seine ün^eränderliehkeit 
W^ 14, naoh Sep. 880, D ff. auseinandergesetst. An den Stoicismus erinnert 
es, wenn Gott V, 148 x^cvtiov toSv 2vtii>v Xöfo« heisst. 

6) A. s. O. IV, 52. 



Celsat. Ntunenins. 198 

ymiiMetEtO; alle Vergftnglichkeit und alles Uebel soll aus der 
Ihterie herstammeii 0« Sofern nun das Wesen der Materie nicht 
ni indem ist, so ist die Natur von einer physischen Nothwendig- 
keit beherrscht , von der sich nicht erwarten lässt , dass sie jemals 
anders werde ^ , nnd so schliesst sich hier jener Naturalismus an, 
welchen Celsus zum grossen Anstoss für Origenes dem jüdisch- 
chratlichen Vorsehungsglauben entgegensetzt ^). Kann aber an- 
dererseits auf die Wirksamkeit Gottes in der Welt nicht verzichtet 
werden, so muss doch diese durch Untergötter und Dämonen, als 
Diener und Werkzeuge des höchsten Gottes , vermittelt sein ; wir 
kaben daher allen Grund , nicht allein die Gestirne , sondern auch 
die unsichtbaren Götter und Geister zu verehren , und wir dürfen 
damit den höchsten Gott selbst zu ehren überzeugt sein, nur dass 
sich jedes Volk an den herkömmlichen Kult halte, und zunichst 
den Gottheiten Verehrung zolle, deren Schutz es selbst auTer- 
tpaotist*). 

Wenn die Manner, die wir zuletzt besprochen haben, sich 
selbst zur platonischen Schule rechneten, so wird dagegen 
Namen ins ^3 aus Apamea^ von unsern Berichterstattern durch- 



1) Z. B. Vni, 49, womit, daa Verh&ltniss der Seele zam Körper and inm 
irdifchen Lebeq betreffend, V, 14. VIII, 53 eu rergleichen iet. 

3) IV, 65. VI, ^42 redet Celana neben der nnordentliohen Bewegung der 
UtUrie Tor der Weltbildang Aach von DAmonen, die in ibr walten, und snr 
fitnfe auf die Erde gesehiokt werden. 

8) IV, 65: 6(&o(a )' &3c' ipx^^ ^^ xiko^ i\ xwv Ovif]XQ>v xepfoio«' xa\ xatoc Ta« 
^R>7viv«C flcvoDiuxXiio«« (vgl. die Stoiker und Plato*8 Politikus) Mrfxii ta odt^' 

4) M. r^, aber denaelben daa vierte Buch von o. 66 an, besonders o. 99. 
Duch diesen Naturalismus ntbert siob Celsus der epikureisoben und peripa- 
tiüiebon Sebule; mit der letatem soll er anob die Lebre you der "Ewigkeit 
^ Welt getbeilt baben (1, 19. IV, 79), docb sobeint diese Angabe niobt gans 
Mer. 

5) V, 26. 84. 41. Vn, 68. VIII, 2. 28. 83. 85. 64. 58. 60 vgl. m. o. 68. 66. 
Kbd. e. 45 Aber die Orakel , welebe Celsus natttrliob gleiobfalls in Sobuts 
aimini 

6) Ueber das Leben des Numenius sind wir gani obne Naobriobten, dass 
•r aber in die iweite Hälfte des «weiten Jabrbunderts gebOrt, wird theils 
dorch die Besobaffenbeit seiner Lebren, tbeils durob den Umstand wabrsohein- 
lüh, dass Klemens von Alexandrien der erste Bcbriftsteller ist, der seiner er- 
wUiat, und dass andererseits Harpokration, der seiner Meinung Aber die 

nOoi. 4. Qr. III. Bd. 2. Abtli. 18 



^i 



104 Kumeniui. 

weg ein Pytbagoreer genannt; dt aber in seinen Ansichten das 
piaionische fast noch stärker hervortritt, als das neupythagoreisehe, 
so ziehe ich es vor, seiner erst hier tu erwähnen. Sind anch 
seine philosophischen Leistungen nicht bedeutend, so ist doch die 
Geistearichtung dieses spateren Piatonismus so stark in ihm aus- 
geprägt, dass man allen Grund hatte, ihn als den unmittelbaren 
Vorgänger der Neuplatoniker zu betrachten 0« Mit der gesaflun- 
ten nachplatonischen Philosophie unzufrieden^, will Numenius 
ganz zu Plato und Pythagoras zurückkehren. Diese beiden hält 
er nämlich für durchaus einverstanden, indem der erste derselben 
seine Lehre, wie er glaubt, ganz von dem zweiten enüehnt, and 
nur den Ausdruck aus nothwendigen Klugheitsrucksichten var- 
ändert habe 0- Beide aber sollen nur die alte Weisheit der Brah- 
manen, der Magier, derAegypter und auch der Juden vortragen ^3; 
anch auf die letzteren hielt nämlich Numenius sehr viel, er suchte 
durch allegorische Erklärungen, in deren Bereich er selbst die 
rabbinisdie Tradition und die evangelische Geschichte zog , die 
(Jefoereinstiromung der hebräischen Propheten mit seiner PhOo* 
Sophie nachzuweisen, und er hatte namentlich vor Moses solche 
Hochachtung, dass er Aussprüche von ihm, als einem Propheten, 
anführte^), und von Plato behauptete, er sei nichts anderes, als 



drei höohstea Götter folgte, ein Schuler de« (I. Abth. 718, u. 731 ff. bespro- 
chenen) Attikns war (Pboki.. in Tim. 93, B. Weiteres über Harpokration 8. 800). 
7) ^A7ca(jiEU( nennt ihn Amelius b. Porph. y. Plot. 1 7. 

1) PoBPH. vita Plot. 17: es sei Plotin vorgeworfen worden, xk Nou(ii]viou 
aÖTov 6noß&XXtoO«(, was den Amelius su einer eigenen Schrift über die Lehr- 
unterschiede swischen Plotin und Numenius veranlasst habe. Dieser Vorwotf 
beweist jedenfalls dass beide sich in mancher Beaiehung verwandt waren. 

2) M. vgl. in dieser Besuehung die ausfübrliche und geistlose Kritik der- 
selben b: Ecs. praep. ev. XIV, 5—9. Verhftltnissmftssig am besten kommen 
darin die Epikureer weg, weil sie sich — der Qrond ist fdr den wissensdiaft- 
lichen Standpunkt des Mannes bezeichnend — in gar nichts von der Lelire 
ihres Stifters entfernt haben. S. 1. Abth. 855, 2. 

3) B. Eus. pr. ev. IX, 7. XIV, 5, 2. 7 ff. vgl. Oaio. o. Cels. IV, 61. Von 
Plato sagt Num. b. Eos. XIV, 5, 2, er sei zwar nicht besser, aber viellaioht 
auch nicht schlechter, als der grosse Pythagoras. Vgl. Bus. XI, 17, 7. Ebd. 
XIV, 5, 8 heisst Plato (uaiuetv nuGayöpou xo^ Ziitxp^u« ^ Sokrates soll aber 
gleichfalls Schüler der Pythagoreer sein, a. a. O. 7. 

4) A. a. O. IX, 7. vgl. Orio. c. Geis. I, 15. 

5) PospH. De antro Nymph. 10, wo 1. Mos. 1, 2 von Num« mit den Wor- 



Standpunkt. Der erste und sweite Gott ^9i 

en attiseb redender Moses 0« Mit Pktö unterscheidet er niu 
SBiAdiSt das Unkörperliche als das Seiende von dem Körperlichen 
oder den Werdenden Oi iind wenn er das Körperliche oder die 
MUerie als den Grund alles Schlechten, als das unbegrenzte, unge- 
ardaete, leblose und nichtseiende beschreibt '3» so wird dagegen 
dtas erste Unkörperliche, oder die Gottheit, als das Seiende 
tcUechtweg, als unbewegt, unyeränderlich , zeitlos, als die erste 
Venmnft OtoQO^ das Eine, das Gute oder das Urgute bezeichnet 0- 
hdem nun aber diese Bestimmung ganz schroff gefasst, und der 
Gegensatz beider Principien auf die Spitze getrieben wird, so 
meheint es unserem Philosophen unmöglich, dass der höchste Gott 
•elbst auf die Materie gewirkt haben sollte; wenn daher Plato doch 
Toa dam weltbildenden Gott redet, so glaubt Numenius diese Aus- 
sige auf ein von dem höchsten Gott verschiedenes Wesen beziehen 
sa dftrfen, das er als den zweiten Gott oder den Demiurg bezeich- 
net, ein Wesen, in welchem die vielen Untergötter und Mittel^ 
Wesen der übrigen Platoniker, in erweiterter Bedeutung, zur 
Biakeit susammengefasst werden ^}. Der erste Gott ist einfach, 



ten: xbv npo^i]Ti)v tiprixivou angefahrt wird; Eus. pr. ey. IX, 8, wo in einem 
Bniehttfick des Nnmenias der zwei Ziaaberer Janues und Jambres, die io der 
jüdischen Sage ab' Gegner des Moses eine Rolle spielen, ihres Streites mit 
Mesesy der Qebetskraft des letztem und der von ihm bewirkten Igyptisohen 
Plagen Erwähnung geschieht Ohio. IV, 61: NnmcniuB, der P7thagoreer, 
der aoigeseichnete Erklftrer Plato^s, setze anoh yielfach die Aussprüche des 
Kotes ond der Propheten mit ansprechender Deutung (oCx aTCiO^cof xponoXo- 
T^) Aoseinaiider. (Aehnlioh I, 15: er trage kein Bedenken, yupl^90ia%on xai 
^fw« xp09irnxdt( xoi tpoKoko-ff^aai aCTol^). h hl tä tpftcj) „7tip\ tä^*®^^" ^'*'^ 
^t xA ffEp\ Tou 'l7)aoü fatop{av tiva, to ovopia auTou oZ Xffcuv, xa\ TpoTsoXo-f^ 
ft^. Ebenao die Erzählung Ton Moses, Jannes und Jambres. 

1) Ki.nc. Ausx. Strom. I, 842, C Sylb. sagt diese ganz bestimmt, un- 
bestimmter Eü8. pr. ey. XI, 10, 7. 

2) B. Em. XI, 10, 5 f. XV, 17, 1 ff. Nbiibs. nat. hom. c. 2. 8. 29, wo auch 
^ QrSnde dee Numenius gegen den stoischen Materialismus angegeben sind. 
Dil Ton Easebius hier mitgetheilten Bruchstfloke sind gleichfalls der Schrifi 
^ iByattoO entnommen. 

3) B. Bds. XV, 17, 2 ff. Jambl. b. Stob. Ekl. I, 896. 

4) Eüs. XI, 10, 1 ff. 6 ff. 18, 9 f. 22, 1 ff. 6. XV, 17, 6. 

5) B. Eqb. XT, 18, 1 ff. 9 f. Da eine ähnliche Unterscheidung des höch- 
*^ Gottes yon dem Weltsohöpfer schon yor Knmenlus bei den christlioheit 
^^Doitikem yorkommt, von denen namentlich die Valentinianer auch den Na- 

13* 



196 Namenim« 

unbewegt, das an sich Gute, ohne Berührung mit der Materie, n&d 
desshalb auch unthfitig 0, rein der Betrachtang lebend ; der zweite 
ist nur abgeleiteter Weise Q^TOuaCa toO irpcärou) gut, and 
ebenso reinen und einfachen Wesens, wie der erste; sondern 
wohl er zu den übersinnlichen Urbildern aufschaut, muss er dodi 
seinen Blick zugleich auch auf die Mat^ie richten , um für sie m 
sorgen , und indem er sich durch die Welt rerbreitet, wird er 
selbst von der Materie getheilt und in ihre Bewegung verflocli>- 
ten^. Er ist daher zweiseitiger Natura, dem Uebersinnlicbem 
und dem Sinnlichen zugleich zugewandt^), oder, wie PnoKUis 
dieses Verhaltniss genauer bestimmt^), er gehört mit seineni 
Wesen der übersinnlichen , mit seiner Wirksamkeit der sinnlichen 
Welt an. Er kann insofern auch wohl als identisch mit der WeH 
bezeichnet werden^), deren Seele er istO; doch ist es dem Name- 
nius gelaufiger, die Welt, welche schon Plato den gewordenen 
Gott genannt hatte, von dem zweiten Gott zu unterscheiden, and 
demgemäss drei Götter zu zählen: den Vater, den Schöpfer und 
das Geschaffene ^. In demselben Sinn konnte er auch von einer 



men Deminrg ans Plato aufgenommen haben, so ist es wahrsoheinlioli, dass 
Numenins die Anregung zu seiner Theorie Yon diesen erhalten hat. Aoa««r- 
dem hat ohne Zweifel die philonisohe Logoslehre anf ihn eingewirkt. 

1) Er sei als ßaatXcu; apyb; epfcov Sv(iff&VT(ov Eus. XI, 18, 4. 

2) A. a. O. c. 18. 0. 22, 3 ff. Aaf diese Lehre bezieht sich anch die An- 
gabe dos pROXLus in Tim. 249, A (welche mir Vacbbbot bist. d. 1* ^oole d* 
Alezandrie I, 325 nicht richtig zu fassen scheint), dass nach Namenias and 
Amelins auch im Intelligibeln eine (t^e^tc stattfinde, denn der zweite Qott lat 
nur durch jx^eft^ das, was er ist; auf dieselbe deutet Euseb die Worte des 
Numenius, die er XI, 18, 8 ff. anfährt, sie gehen aber yielleioht eher auf die 
Mittheilung des Wissens an den Menschen. 

8) dtirb« b. Eus. a. a. 0. XI, 22, 4. Pbokl. in Tim. 98, B. 

4) A. a. O. XI, 18, 9: 6 (jl^ oSv npeStoc [Otb«] 7Ctp\ tdc voi]ta, h dl &ütipo( 
iccp\ xdi voijxa xa\ atoOi^Tot. 

5) In Tim. 299, C Tgl. Numen. b. Eus. XI, 18, 12: adrb« (üv Gjckp xvAxt^ 
tdputot . . . T^c 6Xi](, T^v ap(Aov{av 81 ^üvet xofCc i^^at; o?ax^b>v, ßX^TCti xs . • . tlc xdv 
OVO) Oebv npo(aYÖ|A£Vov auxoS xa opLpiaxa, Xa(i.ß&vci xe xb |JLkv xpcxixbv ht^ xSJc Of(i>- 
p{a(, xÄ $k 6p|ii)X(xbv ocTcb x9jc Ifioeoic (dem schon §. 2 erwRhnten Verlangen 
nach der 6Xy)). 

6) B. Eus« XI, 18, 1 : h Ocb( pivxoi h Ssüxcpo« xa\ xp(xoc lo^v tic. 

7} A. a. 0. 18, 7 : 6 (i^v ys ^^^ OTC^pfia iütü9f\% ^^'f^^ a9C6(pct c?c xa (ArraXoY- 
X&vovxa aOxou ^^piaxa ot^pLJCoevxa. 

8} XI, 18, 1. 22, 4. XIV, 5, 6 f. (Sokrates und Plato lehren drei QOtter). 



Theologie. Anthropologie. 197 

dreifac^n Yernanft reden 0* Eine genauere Entwicklung dieser 
BMÜmmungen y die mit Plotin's Lehre von den höchsten Gründen 
mi vergleidien wäre, hat Numenius, wie wir mit Sicherheit anneh- 
Ben können, gar nicht versucht, seine ganze Neuerung hestebt 
darin , dass er den platonischen Demiurg als Untergott, wie der 
philonische Logos, von dem höchsten Gott unterschieden hat. 

Seinem metaphysischen Dualismus jen tsprechend , schrieb Nu-^ 
Benins auch dem Menschen nicht etwa nur eine zweitheilige Seele, 
sondern geradezu zwei Seelen zu , eine vernünftige und eine ver- 
nvnfUoseO; diese beiden sollten fortwährend miteinander im 
Kampf liegen 0; den Sitz der vernunfUosen Seele suchte er ohne 
Zweifel im Körper , auf den er überhaupt alles Schlechte zurück- 
fnhrleO) wogegen er umgekehrt die sinnliche Wahrnehmung für 
eiii Erzengniss der Vernunft hielt ^^, und das körperliche Leben 
Oberhaupt von der belebenden göttlichen Thätigkeit abhängig 



Pboki^ a. a. O. 93, A. Zar Bezeiohnnng dieser drei Q5tter bediente sich Nam. 
der gesQohten Ausdrücke (tpaY(f>8dv, sagt Proklns) niacnoi^ ^ft^"*^) hc&^o- 
voc, was Proklns so erkl&rt: navipa (iikv xoXet ibv 9cp5>Tov, Tconj-rijv bl tov Mxt- 
pov, Tzobr^ de tbv tpfiov, h ykp xö^Of xaT* a^TOV 6 tpfroc iaii Osö^. 

1) Pkokl. a. a. 0. 268, A (S. 655 Schneid.) Tgl. Kumbk. b. Eus. XI, 
18, 10 f. 

3) PoEPHTB h. Stob. Ekl. I, 836. In Beziehung auf das Weltganse hatte 
ja schon Plato in den Gesetzen von einer zwiefachen Seele geredet, und Plut- 
arch diese Annahme wiederholt (s. o. 8. 152); ich möchte yermuthen, dass 
auch Num. sich im Weltganzen ebenso, wie im Menschen, mit dem Stoff eine 
▼emunftlose Seele rerhunden dachte. 

3) Jaubl. ebd. 894. Hierauf scheint sich auch die Angabe des Pboklus 
in Tim. 24, C zu beziehen, dass Num. den Kampf der Athenäer und der At- 
Isntiden im platonischen Kritias auf den Streit der besseren Seelen mit den 
schlechteren gedeutet habe. 

4) Jaxbl. a. a. O. 896. s. o. 195, 3. 

5) So Terstehe ich Tobphtb^s ziemlich undeutliche Worten b. Stob. 
EU. I, 882: Nou{iiJvio( hl i^jv ouYxaTaOcTixyjv 8i)va{jL(v TcapaSexxtx^v Ivepyeioiv 
fijoof tTvot od(iXTci>(jLa aOti!( 9T)<7tv thai to f avraarixbv, od (i9)v Ipifov te xa\ 
s3cotAc9{ia, oXka napäx6ko\i^[ka. Die ou^xaTadsTix^ 8üva{jLi(, oder die Ur- 
tkeilskrafti muss mit der Vernunft zusammenfallen; das sinnliche Vor- 
stellongsTermdgen , das favTaartxbv, soll zwar nicht epyov und aTcoiEXejfjLoc, 
tber 96[LXXfüyuaL und ic«paxoXoüOi){ia derselben sein; d. h. die Thätigkeit der 
Vernunft richtet sich nicht direkt auf seine Erzeugung, aber sie bringt es 
nebeubei herTor. 



198 NnmeniQf. 

maohle, mit deren Znrücksiehnng es sofort erlösche 0« Bei dieser 
Ansicht von der Natur des Körperlichen musste sich ihm die Lehre 
TOD der Priexistenz der Seele, der Unsterhlichkeit und der 
Seelenwanderung nicht Mos überhaupt empfehlen, sondern er 
musste auch geneigt sein, den Gegensatz des körperlichen und des 
körperlosen Lebens möglichst zu spannen; wie et daher das 
Herabstürzen der Seele in den Körper schlechtweg für eine Ver- 
schuldung, einen Abfall von ihrem wahren Wesen erklirte, ohne 
eine beziehungsweise Nothwendigkeit desselben zuzugdien *), ae 
lehrte er andererseits, dass die geliuterte körperfreie Seele aul 
dem Urwesen, aus dem sie entsprungen ist, bis zur Unleraclneds- 
losigkeit eins werdet 9 wogegen er für die unreinen eine Sedes« 
Wanderung annahm, die auch den Uebcrgang in unvernünftige 
Gesdiöpfe nicht ausschliessen sollte 0« Dm Wesen der Seele 



1) B« EüB. a. a. O. XI, 18, 4: ßXfeovToc |Aiv o^ xoii liztaxpa^j^Uivon Kpac 
^(jLdiv fxaoTOv ToS Oeou au(i.ßa{vei XfC* "^^ *^ ßi((>9xeo6ai xöte ta 9u»|MCTa xijSc^vxa 
[ — 0(] Tou 6cou Tolf axpoßoXia(i.di(' {uxavrp^fovTo^ Se c?( ii}v lautoC 3ccpt«dicj|;v to3 
OcoO (vgl. Pi«ATo Polit. 272, £) xauTa \Lh anoaß^vua6ai lov Sk voOv ^f^y ßiou Inflam- 
pö{A6vov ed$a(|iovoc. Die letzten Worte möchte ich nicht mit Bittbb IV, 567 
Auf eine Bflokkehr der göttlichen Vernonft in aich selbst denten, sie schei- 
nen mir yielmehr nnr diess sa bessgen, dass rem Menschen, sobald die Gott- 
heit ihren Blick Ton ihm abwendet, nur die vernfinftige Seele fortlebe» der 
Leib dagegen sofort zu leben aufhöre. Der Leib ist Ja (Nnm. bei Ecs. XV, 
17, 4; s. 0. S. 196) seiner Natur nach leblos, ohne Zusammenhalt, ohne alle . 
Beharrlichkeit des Seins; nur die Seele kann ihn susammenhalten and ihm 
Dauer verleihen. 

2) Jakbl. b. Stob. I, 910, wo das gleiche auch von Kronius und Uarpo- 
kration gesagt ist. Dass diese Männer hiebei zwischen solchen Geistern 
unterschieden haben, die rein, und solchen, die minder rein in Körper ein- 
treten (Bbabdis Gesch. d. Entw. d. gr. Phil. II, 307), sagt Jamblich nicht, 
sondern rielmehr umj^kehrt, sie hätten diesen Unterschied machen sollen. 

8) Jambl. ebd. 1066 (es ist Yon den Vorstellungen Aber den Zustand der 
Seele nach dem Tode die Bede) : ^cooiv o3v xot Tautön^ta aSt&xptrov t^c 4^4i 
Tcpbc Toe^ iauTiJc «PX^C ^cpsaßsüeiv ^atvciai Noupiyjvio;. 

4) Diess scheint mir der Sinn der Worte, welche Cousin im Jounu das 
Saoants 1885, 148 und nach ihm Ritter IV, 567 aus einem ungedruckten 
Commentar zum Phädo anführt: Sri of (xsv ano t^; Xoyix^c {'^X^^ ^^ '^^ ^ 
tjnSxou S^tüic oucaOavatQ^ouaiv &>c Nou|i7[vio(. Dass dieser die platonischen Aeus- 
serungen Aber den Eintritt yon Menschenseelen in Thiere im eigentlichen 
Sinn nahm, sagt auch Abb. Gas. Theophr. S. 16 Barth. Auch Kronius, der 
immer mit Numenius zusammengestellt wird, nahm nach Nbmbs. nat. hom. 



Kronini. tOtf 

Ml«to Numetijm als Pythagoreer in die Zahl 0- Ate ihr höehatatf 
und einaiges Gut bezeichnet er die Einsicht, durch die wir allein 
am Götilidien theilnehmen *) ; die Einsicht selbst ist ein Geschenk 
dar GoUheit , eine Mittheiiung derselben an die menschliche Seele, 
welche durch die Gleichheit ihres beiderseitigen Wesens bedingt 
ist^; um sie zu erlangen, muss man Ton allem Sinnlichen sich 
abwendend allein in völliger Stille mit dem Urguten verkehren ; 
dock wird die Betrachtung der Zahlen als der Weg zur Erkennt- 
■iss des Guten empfohlen ^). 

Neben Numenius wird nicht selten K r o n i u s genannt, wel- 
cher ein Schfiler oder doch ein Zeitgenosse von jenem gewesen 
zu sein scheint^). Dass er der gleichen Richtung zugethan war, 
lässt sich auch aus dem wenigen , was uns von seinen Ansichten 



& 61 einen (Jebei^aiig der yerofinftiges Seele in Thierleiber an. Dnroh diese 
ErUirnDg Jet wohl Rjttbr*s Bedenken a. a. O. gehoben. 

1) PaoKL. in Tim. 187» A, demsofolge Nam. die odoia o(\U^(no^ und {Opi» 
9T^ eoe welcher die Seele nach Plato saaammengeeetBi iet, mit andern von 
der Einheit und der Qnbeetimmten Zweiheit erfclirte ; naoh Dcmselhen ebd. 
326 B Bobeiat Nomenias die Seele nfther als Tetraktjs beatimmt and dafür 
dsB seltsamen, aber bei einem Neapythagoreer gar nicht vnglanblichen Grand 
angegnben an haben, dass das Wort ((tux^ ans yier Baohstaben besteht 

2) B. Eus. pr. CT. ZI, 23, 5. 18, 8. 

S) A. a. Or 18^ 8, wo die Mittheilnng des Wissens an den Menschen mit 
dem Ansanden eines Liohta an einem andern Tergliohen wird; ohtov B4 to^iTou 
. . • Mi^ lotcv ivOpcGxcvov, aXX' Sti Ci< tc xo^ odo£a ^ c^ousa 'rijv ^ffcoTi{(AT)v ^ aOtri 
im xapk x^ dt^xÖTC 6e^ näii xap« t& «{Xi^^^tc e(Mt xoei ao(* Vgl. Jambl. b. Stob. 
EU. I, 866: Namen, gehöre unbestreitbar sa denen, oTtiva« xa\ iv tri W^^ 
4wx!S '^^^ veijTbv x^o[iov xo^ Osouc x«^ do^ovo^ xa\ TayaO^ xok xktxpi xk npfaßtiitpot 
h cta{ hfip^iwtot xA if icacvv foooÖTciK nkrta cTvai «nofoCvovtat, o2xiio>( liMot 
xcd^ T^v a6vÖv oMorv h ix^oic. 

4) Bus. 22, 1 f., wo Nam. sagt, das ayaOby lasse sich ans keinem Oogef- 
benen (7:0^ axeCfiicvov) , auch nicht ans einem S|i.otov aMiixo)f erkennen; man 
flsflase h^üJ^aui x^ obyaO^ {jlöV(|> (iövov, da, wo schlechterdings nichts anderes 
sei, Wla xvi ofato^ xa\ adiiJ'p)to( axs)(y&^ ipi\\iJia Oeeic^o^, und es selbst, 2v 
f2pi(^ if sd|&ev8^ u. s. w. invioii[wnyt tf ^oia. Um daau sa geUngen, sei das 
beale, daaa mm von der fiinnenwelt absehend sich mit der Mathematik be* 
sehlftige^' and aaa disc Betcaohtiing der Zahlen lene, xi im xo fwu -~ Einige 
waitete, wenig erhebliche Sitae des Nomenias finden sich bei Pobpb» aittr. 
nymph. 10. 21. 8S. Pboku in Tim. 14 1» £. 

5} Bei Poap& aair. Nymph. 21 h^sat er sein hcßtpo^ was aber nicht blos 
einsn Fx«uid odor ScbSler, sondern auch einan MeiMmgega—ssen bedeaten 



Harpokration. Hermetisobe Sohrtfteo« 

bekannt ist, abnehmen 0* Deradben Zeit gehört Harpokra* 
tio n, der Schfiler des Attikus an O« von dem wir aber glrichfrilf 
nicht mehr wissen, als dass er der Lehre des Numenins von den 
drei Göttern folgte ') , nnd dass er mit Kronias und Numenins das 
Böse ans dem Leib ableitete, nnd desshalb die Verbindung der 
Seele mit einem Leibe unbedingt für ein Uebel erklärte 0' Noch 
etwas früher müsste die Abfassung einiger hermetischen Schriften 
gesetzt werden, wenn wirklich schon Apulejus eine solche über-> 
setzt hätte. Allein alle diese Schriften tragen viel zu deutliche 
Spuren der neuplatonischen Lehre, als dass wir sie noch in unsem 
Zeitabschnitt verlegen könnten ^). Dagegen muss hier noch des 



1) Seine Ansicht Aber die Seelen Wanderung wnrde schon 8. 198, 3 be- 
rührt Weiter sagt Jjlmbl. h. Stob. Ekl. I, 896. 912, er lasse das Böse mit 
Numeniaf aus der Materie in die Seele kommen, and halte mit demselben 
Jedes Eintreten der Seele in einen Leib fttr ein Uebel. Ans Pobpb. antr. aympb. 
3 t 31 sehen wir, dass er diesem Nenplatoniker in der allegorischen Dentnng 
der homevisohen Stelle Od. XIII, 846 ff. vorangieng, and dabei die swei Ein- 
ginge der Nymphenhöhle, mit Namenius, Ton den swei Wendekreben erklärte. 

3) M. Tgl. aber ihn 1. Abth. S. 718 ant. Seinem 6]cö(iivT)|Aa tic IIXkimv« 
scheinen die Erklftningen platonischer Stellen entnommen sa sein, welehe 
Oltmpiodor in Alcib. S. 48 a. Creoa. and der Verfasser der Schollen ia 
Fi50KH*s Aasgabe Ton Olympiodor's Gommentar aom Ph&do Öfters (m. s. d. 
Register) anfOhrt. Dun mag der Aelian nahe stehen, aas dessen Gommentar 
tarn Timftas PoaPB. in Ptolem. Harm. Sb 316 £ ein Braohstack mittkeUt. 

3) Pbokl. in Tim. 98, B: thaxm yap ['Apxoxp.] t^ xi^ dv8p\ (Nomea.) 
naxk TTjv tel>v Tpu5v Oc«Sv Kop&doatv xa^ xadöaov 8itt^v icotsl tov 8i)(uoupYbv (Tgl. 
S. 196, 8);. in der Beieiohnang dieser drei Götter herrsche aber bei ihm grosse 
Verwirrang : er nenne bald den ersten <Hpavb< and Kpövo«, den sweiten Zeas^ 
den dritten odpavb< and xöapio«, bald aber aaoh den ersten Zeas and ßooüLtbc 
toO voijTou, den zweiten apxo»v (Archen nannte der Gnostiker Baailides tfon 
Weltsohöpfer). 

4) Stob. Ekl. I, 896. 913. 

6) Der Asklepios des Hermes Trismegistas befindet sich allerdings 
in lateinischer Bearbeitang schon anter den Werken des Apalejas; indessen 
IKsst die Sprache derselben gar keinen Zweifel darttber übrig, dass diese Ueber- 
setsang nicht Ton Apalcjas herrfihren kann, wie diess schon Bossoha gana rich- 
tig erkannt hat, den Hildbbbard S. XLIX ff. seiner Prolegomenen mit schwaohea 
Gründen an widerlegen sacht. Ebenso aagenfUlig ist das neapUtoniachs im 
Inhalt der Schrift, and die Beaiehang aaf die Verhältnisse der bTaantinisohen 
Zeit(o. 34—36). biese ganae hermetische latterator ist ein trfiber Nieder- 
schlag aas der sp&terenMischangyersohiedenartiger Elemente, mit dem Ar «Ue 
Geschichte der Philosophie nichts anaafangen ist, and mag es rielleicht anch 



nnrkwflrdi|en Umfftaiidis erwtimt werden, du» ««ch der gpitere 
SMeinitf in eine KckUfDir geratben war , die seinen Uebergang 
m den Neaplaftonismiis weaenttieh erleicMem misate. 

& PUtoniaireade Stoiker. 

Der Stoteiainas war in seiner Weltanaiclit nraprflnglich streng 
moDistiach gewesen , indem er den Gegensatz Ton N atnr und Geist, 
SMT und Form, einerseits durcli seinen Haterialismos, andererseits 
dvrch sdne Lehre von der Ullbestlmmenden götüichen Yernanft; 
sriaen panüieistischen Determinismus, aufhob. Dieselbe anbe- 
diogte Herrschaft der Vernunft über den Stoff auch für's sittliche 
Leben herzustellen, war das Ziel seiner Ethik. Aber die einsei- 
tige Richtung derselben machte es ihm unmöglMi , dieses Ziel 
Inders zu erreichen, als durch die Ausschliessung und Unter- 
drtckung der Individualitflt, und die Folge cKeser Einseitigkeit war 
der ethische Dualismus von Vernunft und Sinnlichkeit m den Em- 
zeken, yon Weisen und Thoren in der Weh. Bbendamit war 
aber zagegeben, dass die Wirklichkeit durchaus nicht so rellstln'^ 
% von der Vernunft bestimmt sei , wie diess aus der stoischen 
Metaphysik eigentlich folgte. Ueber diesen Widerspruch konnte 
der Stoicismus hinwegkommen, so lange er hoffen durfte, ihn 
dvrch sich selbst zu flberwindett, die Herrschaft der Vernunft durch 
pkilosophische Erkenntniss herbeizuf&hren. Je weniger aber im- 
Lauf der Jahrhunderte diesem Ziel erreicht wurde , je frostloser 
8iek trota dler Philosophie die Zustünde der Wirklichkeit gesUil- 
teten, um so mehr musste auch bei den Stoikern der Glaube an die 
l^eicbinilssige Vemtniftigkeit alles Wirklichen wankend werden, 
ne nrassten geneigt werden, die Herrschaft der wahren Philosophie 
QBd Sittlichkeit von dnem Eingreifen der Gottheit in den Welt- 
hinf, Ton einer höheren Offenbarung zu erwarten; und die MAgr 
iichkeit, ja die Nothwendigkeit einer solchen hatten sie ja schon 
lingst durch ihre Vertheidigung des Weissagungsglaubens aner- 
hnnt^). Je ausschliesslicher andererseits das sittliche Heil in 



Kbon früher beimetisphe Büober gegeben haben (Plüt. de le« 61), wir hebea 
MMfaOs nicht« mehr daTou, wenigstens nicht in seiner oieprttngBehen 
Otstalt 

1} Vgl. 1. Abth. 8. 822. 



itr ZorAoli2i6]iug aiu dem Awwevjen und ww der eigenen Sinn- 
Uohkeit geaeeU wurde, um so weniger konnten sie üch dem Zn- 
geständniss entsiehw , dess der Geist anoli «einer Katpr nach tod 
allem Aeossem und Körperlichen verschieden sein müsse, und da» 
das wahre Wesen der Dinge überhaupt nur in diesem ihrem un- 
korperlichen Bestandtbeil zu suchen sei. Der monistiscbe Mate- 
rialismus des stoischen Systems wurde so durch seinen ethischea 
Dualismus auteltet, und aus dem ethischen Idealismus erzeagie 
sich die Hinneigung zu einer spiritualistischen. Metaphysik, welche 
nur weiter verfolgt werden durfte, um die Stoiker aur plaloai- 
»dien, oder doch zu einer platonisirenden Lehre hinauf übren. 
. . Die ersten Anzeichen dieser Veränderung haben wir sckoa 
in der platonisirenden Psychologie des Posidonius erkannt 0- 
Bestimmter treten dieselben bei S e n e c a hervor. Es ist schoa 
frAher gezeigt worden^ wie stark sich dieser Philosoph über die 
sittttche Schwache der menschlichen Natur und die Unvollkommen- 
heilr des mensdiliöhea Lebens aus£|Mrtcht; wie nachdrücklich der 
Gegensatz des Leibei» und der Seele y der vernünftigen und der 
UAvernünft^en Seelenkräftd, und weiterhin der des gegeowärtigea 
und des künftigen l^hens von ihm betont wird; wie er auch in 
aeiuer Theologie zu einer beistimmteren Unterscheidung von Gott 
mid Welt hinneigt 0- Seine Aeusserung^n geben allerdiags 
grösstea^thails noch nicht wirklich über die. Grenzen der stoischen 
Metaphysik hinaus 0» aber riß bezeiohnen docb schon deutlich den 
Punkte an welchem der spätere Stoicismus dieselben zu öhsr- 
scbreiten in Gefahr stand. 

Bei Epiktet und Mari( Aurel finden wir sie wirklieA 
überschritten. Der Anfang der Philosophie ist nach Epiktet das 
GefüU der Schuld und der Hulfsbedurftigkeit «D ; sie soll uns, wie 
Antenin ausfuhrt^), in der Eitelkeit eines Lebens, das uns ^tauscht, 
wie ein Traum, und hinschwindet, wie ein Rauch, einen BaÜ 



I I 11 ■ I 



1) k. m. O. a M6 ff. ' 

2) A. A. O. 288 t 638 f. 187 f. 626 f. 

S) Nor seine Psychologie ist, wie die des Posidonius, mehr pUtoDisch, 
alt stoiseb. 

^ Vgl. 1 Abth. 662. 

5) Ebd. 678, 1. icp. i«ut. X, 31: oGtcis W ^^tx^ ^^^ t« avBptdXivs 
xfticvbv xtä xh p}Mv« 



Saneoa. -Bpiklet sncl If. Avreh 

pkm. Die PUlotopkfe iü «lio fir dieie fpMoren Stoiker aiidit 
mlir, wie für die Alte« 9 die freie Thitigkeit de« bedftrfoiss^ 
losen Geietee, sondern sie ist wesentlich das Mittel anr Befriedi- 
guif eines sittlichen und gemathlichen Bedürfiusses : ihre Beslii»* 
mof ist die, de» hdIfsbedärfUgen Stirkimg, den von der Nieh- 
ti^Mt aller menschlichen Dinge gebeugten Gemüthe Trost zu 
hingen, ihr Motiv ist die Sorge des Menschen om sein Seelenheil, 
im sein sttdiohes Wohl'), der Philosoph ist, wie Epiktet segt^ 
eil Ant für den Kranken. Seine Lehre bat daher von Hanse ans 
onen religideen Charakter, denn das gleiche GemütbsbedArbiss 
ist die nrspriingliohe Qnelle der Religion , und eine Weltansichti 
die dadurch bestinmit wird , ist in letater Beziehung eine religidae 
la nennen. Die Philosophie , belehrt uns Epiktet, ist etwas heMi-- 
ges und geheimnissvoUes , ein Mysterium, das nicht durch leicht« 
nnnige Behandlung genMin gemacht, eine Sache von der tassersten 
Viehtigiieit, die nicht ohne den Beistand der Croltheit unternmi- 
nen werden darf 0; der wahre Weise ist ein Priester und Diener 
der Götter ^3, ein Bote, den Zeus den Menschen gesandt hat, um 
ne zu belehren, dass sie mit ihren Vorstellungen von Gütern und 
Uebeln in der Irre gehen, ein Herrscher, den er selbst mit Scepter 
und Diadem geschmfickt hat, um ihnen zu zeigen, dass der Mensch 
vollkommen glückselig sein kann , auch wenn er gar nichts in der 
Weh sein nennen darfO; nioht dieser Mensch ist es, der zum Guten 
ermahnt, sondern die Gottheit spricht durch seinen Mund, nifd der 
Gottheit widersetzt sich, wer seine Worte gering achtet 0. Es ist 

1) Z. B. Abi0TO¥. Metaph. 1, 2. 

t) VgL Iff. AvtBL. in, 14: 9WX& ß(nf(68t, s? xi 90t |UXet ocauToS, &»« lEt- 
«w. BM. ¥, U Q. a. 

8) Vgl. 1. Abth. 662, 8; mit dam Arat rerglekht «ach 11. Aarel HI, IS 
^ Phfloaophen. 

4) DIm. III, 12, 2: & Sex« lioC tijXtxodti)) npiex\um (dem cyniflohaB Leben) 
^nP«XXtf|uvo< (koxtfXiiitö« iaxu Ebd. 58. Ebd. 21, 11—20. 

5) M. AcRiiL m, 4, m.: i y^ tot ov^p h loioCto^ ... tep«iS{ xk ^9X1 luk 
^*o«PY^ li£W, )rp(i^|Aivoc %A t^ IvBov fSpu(A^ a^toO (der Dämon, d* b. die Ver- 
Buft dm Menaoben). Bpikt. Dies. III, 22, Sf , wo der Cyniker tot» xotveS lean 
^ ^Ki|p^( ToC Ai^ beiaei. 

() EmcT. Diaa. III, 22, 28. tV, 8, 30. 

7) A. a. O. III, 1, 86: amyct^ tM' tautA {loi *Eff(imi)to( eöa iTpypu* nMcv 
T^ ^«f ; &X>a 8gö< t(c «er* fi\Ln^ St' Ixe(vou. «7« o5v T<lk 81 (j^ ietteli6|uv, tv« ^ 
hoxAwtoc d|uv. 



{MM PUtonttireDcle Stoike«. 

daher ganz nattrlieh, ius die silüidie Ennalumg mt 
Standpunkt mit Vorliebe auf rdigiöse Beweggründe gestStet, 
an die goMiche Allwissenheit erinnert, dasa der Menach an- 
gefordert wird, vor der Gottheit, wie Tor sich selbst^ reis ra 
erschemen, dass das sittlieh Gute selbst als Gabe der Gottheit, die 
Unsittlichkeit als Gottlosigkeit dargestellt wird 0- Um ao weniger 
musste ein Epiktet und Mark Aurel geneigt sein , von der in ihri^ 
Schule herkömmlichen Verehrung der Volksreligion abraweichen; 
doch haben wir gefunden, dass sich wenigstens jener in dieaer 
Beziehung von dem Aberglauben des orthodoxen Stoioismus firei 
hielt*}, wogegen Mark Aurel allerdings dem Glauben an göttliche 
Qffeibarungen mehr einräumte, und gottesdiensQichen Uebnngen 
eifriger ergeben war , als diess im ganzen bei den romischen Stoi« 
kern der Fall zu sein pflegt % Derselbe nih^rt sich auch in der 
Art, wie er die philosophische Zurückziehtrag von allem Aeossera 
anllki^st, jener Ansicht über die Ekstase, in weldier der Neuplato- 
nismus sein letztes Ziel findet. Wirst du einmal , fragt er X , I 



1) £f!I9lt. Dill. II, 18, 19. 1% 29. M. AumKL V, 27. IX, 1. JLI, 8. IS. 

2) I. Abth. 666 f. 

^ 8) Vgl. 1. Abth. 8. 680. Weloben Werth er den gottesdieDstliohen Ge- 
brftaoben beilegte, seigte M. Anrel namentlioh in dem grossen MarkmAnnen* 
kriege, ireloher seit 168 n. Ohr. die Sohreoken des «imbrisohen Einfalls in 
Bom oroeuerts. Ihwhu atOem (sagt Cajutous. Ant. philos. Ift) tetror bM 
Mfureonanfäei fitU, tU n/ndi^ue sao$rdot$9 AnUminu$ occtvent, p & ngr imo 9 rä^ 
impieverü, Bomatn omni genere luttraverüy retarcUUuuqtte a beUiea prqfeetionB 
tiL cd^ravit et romano ritu lectistemia per VII die$. Nach Luciah Alex. 48 
soll es sogar vorgekommen sein, dass anf den Batb des Alezander Ton Abo- 
noteiohos ans dem römischen Lager zwei Löwen unter feierlichen Opfern in 
die Denan gejagt wurden, um den Feinden Verderben au bringen, welehe aber 
>on den Barbaren fElr eine Art auslAndisoher Hunde geh alten und mit Knitteln 
todtgeschlagen worden seien. Auoh diess könnte, wenn es wahr ist, kaum 
ohne Vorwissen des Kaisers gesohehen sein, denn Luoian erklftrt es aus- 
drOoklioh ans den Verbindungen, welche Alexander bei Hofe gehabt habe, und 
sagt, es sei gesoheheni Sie Oeb< M^xo( i^ t^ Mapxo{jLdcvo(( x«\ RoumSoh owve- 
K>iMTo. Kann man nun auch sagen, diess seien snniohst Mittel zur Barn- 
higung des Volks gewesen, so muss doch der Kaiser auch für sich seibat 
anf diese Dinge mehr als billig gehalten haben^ wenn er sie mit etnem Eifer 
betrieb, der sogar seinen eigenen Zeitgenossen auffiel. Auch seine Strenge 
gegen die Christen (worflber meine Vortr. und Abhandl. S. 98 C s. ygL)» ist 
ein Beweis seiner Anhftngliohkeit an die bestehende Beligion. • ' 



sme Seele, winidii eiMml gut iwd lauter CiiM} und einig, uad 
■iverlifilU sein , dwchnektiger uls der Körper, der dich wigiebl? 
wvfl du einmal Mtt und bedürfuisslos sein , und Iteiaerlei Genui0 
■ein* terlangen , sondern mit deinem gegenwärtigen Zustand dick 
KUeditbin begndgen? Beunndiige dich nicht, ruft er lY, 26 eich 
selbst so, vereinfache dich Chskiätn^ oeocuröv). Es ist diess aller-- 
dings noch nicht wirklich die ekstatische Zurückaiebung und Ver^ 
eiafachung de» Geizes , wie wir. sie bei den Neuplatonikem inden 
werden, denn des unterscheidende Merkmal der letatem, die be<- 
WQsstlose Versenkung in's göttliche Wesen, fehlt bei Antonin; 
aber doch ist das, was er veriangt, mehr, als nur die sillliche Lau* 
terfceit der Gesinnung 9 oißf die altstoische Apathie ; er fiiMrdert 
mcht Uos , dftss die Seele Ton dem Aeusseren nicht bennruhigl 
werde, sondern dass es gar nicht mehr für sie existire und sie 
lieht heräbre ^ , und indem er nun das Ffirsiehsein der Seele mit 
Vorliebe als ihren Verkehr mit dem Dimon in ihrem Innern be- 
zeichnet 9 00 wivd dadurch die Ansicht vorbereitet, welche als 
Preis der vollendeten Abkehr vom Endlichen eine^ unmittelbare 
Berährung mit der Gottheit verspricht. 

Mit dieser Scharfung der stoischen Abstraktion von der Sinn- 
lichkeit stimmt es nun aufs beste , wenn unsere Stoiker den Geist 
tQch seinem Wesen nach bestimmter vom Leib unterscheiden. 
Schon bei Epiktet lässt sich diess bemerken , wenn er dem Leib 
«Hfl Koth C(i&\uiL ir^tvov), der der äußeren Nothwendigkeit unter- 
worfen ist , den WOlen als das allein freie entgegensetzt 9 wenn 
er die Sehnsucht der an den Körper gebundenen Seele schildert, 
m der Gottheit, der sie entsprungen ist, zurückzukehren % wenfi 
er den Leib und die Vernunft Oö^oO als die zwei Bestandtheile 
des menschlichen Wesens bezeichnet 0) nnd den Menschen eine 
Seele nennt, die einen Leichnam trage ^). Noch entschiedener wird 



1) An welche maik allerdings in anderen SteUen, wie Xl, 16. Z, S9, bei 
^ &xXi6ti)( ranSobet an denken hat. 

*) M. Tg], hierflber anob 1. Abtb. 8. 689. 

9) n, 18. 17. m, 6 m; IS. 16. V, 97 Tgl. 1. Abtb. 897. 

4) IMaa. lY, 1, 100. 

5) Ebd. I, 9, 10—18. 

6) I, 8, 8. 

7) Pr. 176, b. Aaroin IV, 41 Tgl. Diaa. 11, 19, 27: aeigt mir einen 



ak«r diese Uiitorsclieiduiig von Mark Avrel ausgesprochen, wel* 
cbem sie so feststeht, dsss seine Anthropologie der platowschen 
ungleich niher kommt, als der allstoisehen. Indem er erwägt, wm 
wie viel besser die Seele ist, als der Körper, und wie viallach sie 
▼on diesem gestört wird , so erscheint Ihm der Leib nnr als dn 
schlechtes GeRss , als eine drückende Umhttlhing , in welche die 
Seele gebannt ist, und er weiss die gfinzliche Ungleichheil beider 
gar nicht stark genug auszudrücken ; j^ bestfannter er aber 
hiemit das thfitige in uns dem stofflichen entgegensettt*), nn eo 
weniger genügt es ihm, das erslere nur in stoischer Weise als 
Inftartige Substana , als ein smitmeUes 7cvtO(Aot zu beschreiben *X 
er unterscheidet' vielmehr von diesem den Geist, und aihlt deas- 
nach drei Theile des Menschen: die groben Stoffe, oder den Leih, 
die feineren Stoffe oder die Lebensluft, die wohl auch uagennner 
Seele genannt wird, und als drittes das unkörperlidw Wesen, 
welches das eigentliche Settst ausmacht, den Geist oder die Ver^ 
nunft CvoO;, ^i^OMi)^). Das glemhe muss dann aber auch vom 
Weltganien gelten , audi in ihm muss die wiriMkie Kraft von dem 



Mann, Osov i^ «vOpcuicou ^TciOu^touvra y^Mai^ xa\ hf tcü aujjiatCco toütcu xü> vap«^ 
rtp\ T^ic 7cp3c Tbv Ka xo(V(üv{ac ßouXeoöpievov. Oans ähnliche« findet sieh bei 
PhflOBOpheii der nettplatoniiohen Siehtting, s. B. f^HiLO L. aUeg. in, 100 If. 
«nt 7t, D H. De giganl S64 M. S86, A H. u. 0. 

V 1) IQ» B: DAoh dem Tode lushji ^^vidv x<^ ^(ovwv dhttj^öfuvoc xek XotpcWiv 
toaothia x>^povi '^^ ^TT^^H* ••• "^'^ H^^ W ^^^ ^^"^ daipMV^ xb Si Y^ xa\ XiSOpo(. 
Vgl« IX, 8 : TJJv &pav ii f^ xb vl^u^opiöv 9ou tou ^iJTpou (tiCUse) toUtou ixinaüioL 
i) IX, 96 : T0i 1)!^^ tJjv xotötiiT« tou atxCou xa\ i)cb toS 6XtxoS odtb xtprfpflr^ 
Mbtaftt. Dieftelbe Untereoheldiuig de« 6Xmbv aud tituSI^ IV, tl. V, IS. VII» 
10. S9« ZU, a. 10. 18. S9. 

8) IV, 8 nwd. odx IxiiU^p^urai XmU^ f^ Tp«x^ ]uvoM|fc^ 9n«S|i«ti ^ ^kSatotau 
4) II, 2 : 9 Tl ROTS TouT^ d^i aoipxia ioii xot^ xviv(ji^ov xa\ tö ^y'F^^^^^- ' • • 
Ocooai tk xa\ xb nvsupia o^colöv xi loxiv* ovspio« u. b. w. III, 16: au>(&a, <^ux4i ^^ ' 
oi^iaxo^ otoOiicttc, ^»x^C ^PH^^^i ^^^ B^ypiatou (Altstoisch geboren alle Seelen- 
tbatigkelteii dem ^yciiAvtxbv an.) ZU, 8 : xpia tai\v «E & 9uW9ti)x«C| o«i»(mcxiov, 
«vtu|ii^ov, vouc • • • Tb $i xpixov (tövov xup{ciK oöv. £bd. xov stpuistfACvou oot a«>- 
|iax(ou !) ToC oupif tixou nviupiaxfei». Dieselben drei Tbeile werden ZI, 20 •• anf- 
geaihlt: xb 9cvfU|Aaxiov xa\ xb icwpwde^ nov, xb yCMSt^ xak xb ^Ypbv, tb >ra€p6v. 
Daneben allerdings anoh wieder V, 88 der Sats des stoischen Mataiialiamns : 
das <[>ux^(Ov (mit dem hier die ganse Seele gemeint su sein sobeint) sei iv«- 
6u|jLiQtaic ftf ' fld|M(xoc.~ 



leidenden Substrat besdnunter unterschieden werden 0; und wol- 
len wir anch in dieser Beziehung darauf kein Gewicht legen , dass 
Bpiktet bei Gelegenheit sagt, das Wesen Gottes bestehe in der 
Vemnnft und dem Wissen *) , so ist um so mehr die Aensserung 
tfark AurePs zu beachten, dass Gott alle Seelen rein von den kör«> 
periichen Hüllen anschaue, indem sich seine Yernunft mit ihren 
Ausflüssen unmittelbar berAhre 0* Verbinden wir mit dieser Er* 
kürang dte vorhin angefahrten psychologischen Ansichten, so 
ergiebt sich sowohl vom göttlichen, als vom menschlichen Geist 
eine Torstellung, welche von dem altstoischen Materialismus weit 
ibüegt; und kam es auch innerhalb der stoischen Schule nicht 
zum klaren Bruche mit ihren überlieferten Dogmen , so Ifisst sich 
dock die Yeränderung, welche auch mit ihr vorgegangen war, 
nickt verkennen. Die wissenschaftliche Sicherheit, das unbedingte 
Selbstvertrauen des Siteren Stoicismus war nicht mehr zu linden; 
während man früher in der eigenen Willens- und Denkkrafl be- 
friedigt gewesen war, bedurfte man jetzt der Anlehnung an eine 
religiöse Ueberzeugung , das Gemüth wandte sich mit Sehnsucht 
und Hingebung der Gottheit zu , von der es allein die Kraft zu er- 
halten hoffte, um über die menschliche Schwfiche und die Noth des 
Lebens Herr zu werden. Noch weit stärker war aber diese Denk- 
weise in dem gleichzeitigen Piatonismus und Pythagoreismus aus- 
gebildet. Der Uebergang der bisherigen Systeme in die neue 
Tonn, die das dritte Jahrhundert gebracht hat, war von den ver- 
schiedensten Seiten her vorbereitet. Ehe wir jedoch dieses neue 
selbst untersuchen I müssen wir auch noch die eigenthümliche 
Erschemung der jüdisch - griechischen Philosophie in's Auge 
fassen. 



1) Diese Unterscheid ang selbst wsr allerdings aaoh dem Alteren dtoicis- 
not nicht fremd (Tgl. 1. Abth. 119, 5); »her da aoch die Gottheit etwas kör- 
pctKehes, nad ihr Gegeiisati gegen die Stoffe, welche den Leih der Welt 
bUdea, nur ein ahgeleiteter und Torfibergehender sein soll, so hat sie hier 
*i^t die gleiche Bedeutong, wie bei Ajitonin. 

2) Diss. II, 8, 2. 

S) XII, S : 6 9sb{ Twm xa ii^t^jwoLa y^jav« tu>v 6Xui<i>v af T^imv xai f Xoifify 
^ ^u^^ot^ffMvi^ &pf. |Adv(^ T^ iauToO vospc5 (lövoiv obrcsTai xotv H iauiou d; to&sqt 



Jüdif eh-grieofaiiehe Philosophie. 

IL Die jüdisch-griechische Philosophie. 

« 

1. Die alexandrinische Philosophie vor Philo. 

Man könnte zweifelhaft sein, ob in einer Geschichte der 
griechischen Philosophie auch die jüdisch - griechische £u erwftk* 
nen sei. Indessen zeigt uns diese doch ähnlich , wie die romisch- 
griechische , eine eigenthümliche Form der griechischen Wissen- 
schaft aus der Zeit ihrer Ausbreitung im macedonischen und römi- 
schen Weltreich; und bei den damaligen Verhaltnissen des wissen- 
schaftlichen Verkehrs lisst sich eine Rückwirkung dieser halb 
orientalischen Spekulation auf die hellenische fast mit Sichwheit 
voraussetzen, wenn es auch nicht gelingen sollte, sie im einseben 
nachzuweisen. Nur werden wir uns freilich, um die Grenzen 
unserer Aufgabe nicht zu überschreitei^, auf die philosophische 
Seite unseres Gegenstandes beschränke^ müssen, ohne die positire 
Dogmatik eines Philo und seiner Vorgänger einer genaueren Unter- 
suchung zu unterwerfen. Aus demselben Grunde können wir 
auch Cwiei schon Seite 64 b^nerkt wurde) auf eine zweite Fora 
griechisch -orientalischer Spekulation, auf die christliche Gnostf 
der ersten Jahrhunderte, die häretische sowohl, als die orthodoxe, 
hier nicht eingehen. 

Ueber die erste Entstehung der jüdisch - alezandrinischen 
Philosophie fehlt es uns gänzlich an Nachrichten, und nur 
ihre allgemeinen Entstehungi^gründe können wir theils aas ihren 
späteren Charakter, theils aus den Verhältnissen jener Zeit 
ersohliessen. Schon unter Alexander dem Grossen waren neben 
anderen auch Juden nach Alexandrien verpflanzt worden; 
ihre Zahl vermehrte sich unter den ersten Ftolemäern be- 
deutend, manche von ihnen erfreuten sich einer einflnssrei- 
chen Stellung am Hofe und im Heere 9 und von der Gunst der 



I) 80 Jener Joseph, der Schweeteraohn des Hohenprieeten Onias, wel- 
other sich durch Gewandtheit and Bestechung hei Ptolemftus Euergetes (S46— 
281) in hohe Gunst l^ setzen wusste, und 23 Jahre lang die Steuern Ton gast 
Syrien in Pacht hatte (Josbph. Antiqq. XH, 4); so Onias und Dositbemt 
welche in der letzten Zeit des Ptolemlns Philometor (181—146), Chelkias und 
Ananias, welche unter Kleopatra If . u. Ptol. Lathurus (107 f.) die wiehtlgttao 
Befehlshaherstellen hekleideten (Jos. c Ap. U, 6. Anttquitt XIII, 10, 4. 18, 1 f*)- 
Schon Ptol. Lagi soll in mehrere feste Platze Jüdische Besatzungen gelegt lis- 
hio, weil er sich auf diese hesonders Terliess (Jos. c. Ap. II, 4); um die Ifitte dsi 



Ibre^ Bntitehnng. V09 

■Mitten Kdnige geschütjst , fassten sie so festen Fuss in Aeg^ypten, 
dus sie sich bald aber das ganze Land verbreitet hatten, und 
■amenilich von der Bevölkerung seiner Hauptstadt einen namhaften 
Theil ausmachten 0* Der eifersüchtige Hass des heidnischen Pö- 
iiels und die vereinzelten Verfolgungen unter den späteren Ptole- 
■lern bKeben hn ganzen wirkungslos ; erst die Leiden der römischen 
Periode, und namentlich die grausame Verfolgung unter Caligulä, 
sekehten in Verbindung mit denStörmen, welche nicht lange nach- 
ksr über sdne palästinensische Heimath hereinbrachen , die Blüthe 
k» Judenthums in Aegypten für nnmer zerstört zu haben *). Es 
wir natörlich , dass die Juden nicht allzulange unter diesen Ver- 
kiltnswn leben konnten , ohne die Einflüsse der griechischen 6ei- 
itoibildung sn erfahren, und eine Ausgleichung des neuen, was 
se vift dieser Seite her in sich aufnahmen , mit ihrer bisherigen 
KUangflfonn zu versuchen. Nach" besonderen Veranlassungen 
lieser Verftndennig braucht man sich nicht umzusehen , besondere 
Zwecke und Absichten braucht man dabei nicht vorauszusetzen ; 
es genügt für ihre Erklärung an dem thatsächlichen Verhältnisse, 
<isai die Juden von ihrem Vaterland und ihrem ursprünglichen 
Stattsverbande getrennt waren, dass sie als eine geduldete Minder- 
zahl in einem von Hellenen und hellenischer Bildung beherrschten 
Uide lebten , dass ihnen das Debergewicht der letztern bei jeder 



Jakrlraodert« finden wir^die Stellung ron PeluBinni, das Thor Aegyp- 
tcu gegen Nordosten, Ton Jaden bewacht (Jos. Antt. XIV, 6/ S. 8, 1 f.). 

1) Kach Philo in Flaoc. 97 1, C Hirsch, lebte an seiner Zeit in Aegjrpten 
uae Million Juden. Von den ffinf Quartieren Alexandria*s waren swet Tor« 
niS*weiie ron Juden bewohnt, und auch in den übrigen waren deren nicht 
wenige; ebd. 978, A. 

1) Die »Iheren Nach Weisungen fSr das obige bei DIrvb Geschichtliche 

^^Kttellung der Jftdiseh-alezandrinischen Heligionsphilosophie 1, 18 ff., Ewald 

0«eh. d. V. Isra«! III, b, 267 f., Hbbzfbld Qescb. d. V. Jisr. III, 486 ff. Doch 

iftifen wir nicht flberaehen, dass die Aussagen der jüdischen Geschichtschrei- 

^r ftber die Zähl, die Pririlegien und das Ansehen ihrer Volksgenossen nur 

*A groMer Vorsicht aufzunehmen sind, wie denn auch schon zur Zeit de« 

Josephiis manche Gelehrte den auf die persische und maeedonische Zelt be- 

4gliehen Angaben darfiber wegen des Mangels an urkundlichen Beweisen 

i^Ntraüten. Um sie zu widerlegen, will Josephüs (Antt. XIV, 10, 1) alle ihm 

l^lsBiitgewordenen öffentlichen Erlasse zu Gunsten seines Volkes aus der Pe- 

Mi der fSmischen Herrschaft aufielhlen. Es fragt sich aber auch bei diesen, 

«^ lie alle leht sind. 

fMhi. 4. Gr. m. Bd. t. AMh. 14 



I i 



ft%Q JfldiBch-griechische Philosophie. 

Gj^l^nheit fühlbar w^d^a mus«te^ dass für «e seibat jeder 
Unterricht nur bei den Fremden zu Gnden war , dass die Voralal" 
lang, welch^ $ie sich bisher vom Heidentbum gemacht hatleii, 
durch den Augenschein widerlegt wurde, dass selbst die bealigne 
SpiTf^che ihres Volkes nach wenigen Mensphenaltern, wie dieas die 
^lexandrinische Uebersetzung des alten Tiestaments beweial« bei 
den meisten durch die der hifidaischen Eroberer verdrängt wer« 
E9 wfir gar nicht anders mögUch, als dass die Nacbkomüea der 
ju(4iachen Einwanderer unter solchen Yerhältnissen von der eie 
^angebenden Welt die bedeutendsten Einwirkungen erfahren, deas 
sip die Reinheit und Abgeschlossenheit ihres nationalen Charakters 
nicht behaupten konnten, dass ihre jüdische Bildung in eviQ jödifeiH 
beUenistische übergieng. Besondere Gründe, wie die Abwehr heUt- 
fliscMn Spottes, die BemühuJig einzeiaer um Gunst und EiafliAa and 
ahulicbes kam^n natürlich auch mit in's Spiel, aber de« geachidil^ 
lieben Erklarungsgrund für die Erscheinung, mit der wir es xn 
thun haben, können sie nicht abgeben; durchgreifend, wie dieae 
ist, setzt sie auch Ursachen von durchgreifender Bedentang 
voraus; alle jene besonderen Beweggründe und Veranlaasungen 
sind daher nur die Formen, in denen sich eine allgemei^iere Bewe*> 
gung vollzog, die Leitungsdrahte, durch welche sich eine gröaaeae 
geschichtliche Wirkung zu den einzelnen fortpflanzte; weit daa 
meiste müssen aber auch in dieser Beziehung die unbewussten Ein- 
flüsse des täglichen Verkehrs , der Sprache , der bürgerlichen nnd 
geselligen Zustände gethan haben 0* 

Diese Verhältnisse mussten nun auf den geistigen Standpunkt 
der alexandrinischen Juden in doppelter Weise einwirken. Einer- 
seits mussten sie, aus ihrem nationalen Staats- und Volkaleben in 
ein fremdes verpflanzt, die politische Seite ihrer Religion, den Zu- 
sammenhang der religiösen Lehren und Vorschriften mit den 
palästinensischen Verhältnissen , die Beziehung derselben auf das 
jüdische Gemeinwesen, mehr oder weniger aus den Augen verlie- 
ren, es musste wenigstens die Bedeutung dieses Elements für ihr 
eigenes religiöses Leben in hohem Grade abgeschwächt werden; 



1) M. vgl. hierüber, und gegen den kleinlichen PragmaUamna iltoMC 
und neuerer -QoecbiebUforscher, die treffenden fiemerkaageo voa I4 ft y^ ff ^ n r 
in der S. 58 ftugefUbrten Abhandlung 8. H., S. 69 ff. 84--96« 



Ihre BntBtehung. SU 

üdereneili nahmen sie unvermeidlich eine Menge Yorstellnngen 
nd Bestrebungen in sich auf, welche ursprünglich auf hellenischem 
oter hddnisch orientalischem Boden erwachsen 1 dem jüdischen 
Wesen innerlich fremd, ja entgegengesetzt waren. Beide Wirkun- 
gen, in Einem Punkte zusammentreffend , hatten eine Umbildung 
des Jadenthums zur Folge , wodurch jenes aus seiner Abgeschlos- 
Miheit herausgeführt und mit den Ideen der griechischen Welt- 
tischanung befruchtet wurde. Die bedeutendste Rolle musste hie* 
bei natürlich der griechischen Philosophie, als dem Mittelpunkt des 
danaligen griechischen Geisteslebens, zufallen; und mochte sie auch 
zanftchst wohl mehr nur durch Vermittlung der allgemeinen Bil- 
dong auf das Judenthum einwirken, so musste doch auf Seiten des 
letaleren bald audi der Trieb erwachen , die Wi{ senschaft eines 
Volkes, mit welchem man in so enger politischer Verbindung und 
»TieUachem Verkehr stand, von dessen Lebens- und Denkweise 
■an sich schon so vieles angeeignet, dessen Uebergewicht man so 
vieÜMsh erfahren hatte, an der Quelle selbst kennen zu lernen. 
Uad je kräftiger nun das alexandrinische Judenthum vorher schon 
von dem griechischen Geiste berührt war , je bedeutendere An- 
luOpfiingspunkte der jüdische Monotheismus für die Ideen der 
griechischen Philosophen darbot, je mehr die religiöse Reflexion 
ieihst, die im jüdischen Volke langst tbatig war, zu spekulativen 
Fragen hinführte, um so natürlicher war es, dass die Bekanntschaft 
der alexandrinlschen Juden mit der griechischen Wissenschaft in 
eine tiefere Betheiligung übergieng, dass sich eine jüdisch -grie- 
chische Philosophie entwickelte. 

Den wesentlichen Ausgangspunkt dieser Philosophie bildete 
fortwährend, wie diess der jüdischen Eigenthümlichkeit gemfiss 
war , die jüdische Religion ; die Philosophie sollte nur ein Hülfs- 
^ttel für das tiefere Verstandniss dieser Religion sein. In der 
Wirklichkeit musste sich aber freilich ihr Einfluss viel weiter er- 
s^ken. Schon die Beschäftigung mit der griechischen Philo- 
sophie setzt ein Hinausgehen über das reine Judenthum voraus, 



1) Dooh wardeo wir den fiinflaBS des orientalischen Heidenthums nicht 
^^ iasabUgen dfirfen, da der griechische Geist diesem au weit fiherlegen 
WV| und da auch die Juden selbst ron deil übrigen orientalischen fiildungs- 
toMB nicht Tiel lernen konnten. Qanz anders verhielt es sieb in dieser Be- 
lishang mit dem hellenischen Wesen. 

14* 



StJi JÜdisch-grieohisohe Philosophie. 

und Je! umfassender philosophische Bestimmungen von so 
schledenartigem Ursprung und Charakter auf die judische Religion 
angewandt wurden , um so vollständiger musste diese sich Qoige* 
stalten. Nur. darf man sich die Sache nicht so vorstellen, als ob die 
Alexandriner sich dieser Abweichung von dem Glauben ihrer Viter 
bewusst gewesen wären. Unter dieser Voraussetzung wäre ihre 
ganze Philosophie, es wäre namentlich ihre durchgängige, so sieht* 
bar ernstlich gemeinte Anlehnung an's alte Testament, and ihr 
mühseliges Allegorisiren schlechthin räthselhafl 0* Sie wollten 
vielmehr gerade die wahren Juden sein , und den wahren Sian 
ihrer heiligen Bücher an's Licht bringen ; wenn dieser Sinn oait 
den Lehren der Philosophen übereinstimmte, so suchten sie den 
Grund davon nicht in ihrer Auslegung, sondern iii den Schriften, 
welche sie auslegten , da diese vermöge ihres höheren Ursprungs 
alle, auch die philosophische Wahrheit enthalten mussten; und 
diese Ueberzeugung stand ihnen so fest, dass sie die Satze, welche 
sie selbst erst aus der griechischen Philosophie in die Schrift 
hineingetragen hatten , vermöge einer merkwürdigen und doch so 
natürlichen optischen Täuschung, vielmehr umgekehrt aas der 
Schrift in die griechische Philosophie übergegangen sein liessen^ 
Aus demselben Grunde war es ihnen auch nicht möglich , die bib- 
lischen Schriften ihrem ursprünglichen Sinne gemäss aufzufassen ; 
indem sie vielmehr als Juden ihre von den althebraischen so weit 
abweichenden Vorstellungen gerade durch diese Schriften begrün-* 
den wollten , so musste sich ihnen der Sinn derselben anter der 



1) Wie dieses Gboboix a. a. O. 8. H. 8. 91 ff. 4. H. 8. 45 ff. sehr gat 
geseigt bat. 

2) Wir werden den Bebauptnngen Aristobnrs and seiner Nachfolger Aber 
die Bekanntschaft der griecbiscben Weisen mit den alttentamentlioben Sobrif- 
ton noch spftter begegnen. Wiewobl aber diese Behauptungen als solch« 
eine offenbare Erdichtung sind, so setzen doch diese einselnen Crdichtangen 
selbst schon die allgemeine Ueberzeugnng voraus, dass die griechischen Phi- 
losophen zu der jüdischen Offenbarung im Verbältniss der Abh&ngigkeit ste- 
hen; und auf dem Standpunkt des jüdischen Offenbaningsglaubens ergab tich 
auch wirklich diese Ueberaeugung mittelst einer sehr einfachen Folgerung: 
woher konnten denn jene Männer von den Wahrheiten, welche der Mensch- 
heit durch eine Übernatürliche Offenbarung mitgetheilt waren, etwas wissen 
wenn sie es nicht aus dieser Offenbarung erfahren hatten? Vgl. Qaoaoii 
a. a. O. 3, 85 ff. 



i 



Ihr Charakter. f 13 

Bind umkehren, ihre Lehren und Erzählungen mnssten ein an*- 
deres bedeuten ,. als was sie ihrem VV ortlaut nach aussagen, das 
ganze alte Testament musste allegorisch aufgefasst werden; und 
auch hiebei würde man durchaus fehlgehen, wenn man hei den 
Alexandrinern selbst ein Bewusstsein darüber voraussetzte, dass 
sie (iarch diese ihre Erklärung den ursprunglichen Sinn der heili- 
gen Schriften verandern. Dieses Bewusstsein hat sogar den 
Stoikern gefehlt, denen die griechischen Mythen^ doch nur für 
Mythen galten, von welchen ihre eigene philosophische Ansicht an 
sich selbst ganz unabhängig war; den alexandrinischen Juden, 
wekhe in den biblischen Büchern Urkunden einer göttlichen Offen- 
barong sahen ^ und ihre Glaubensvorstellungen nicht blos für 
andere, sondern auch für sich selbst nur an der Erklärung dieser 
Bjleber zu entwickeln wussten, musste es noch weit mehr fehlen.' 
Fdr sie war die allegorische Schrifterklärung die wesentliche Form, 
ür die Bildung ihrer Ueberzeugungen; und wie sehr sie auch dem 
Schriftwort Gewalt anthaten , sie selbst glaubten nur den tieferen 
Schriftsinn aufzuzeigen, indem sie den Buchstaben nach der Weise 
jener Zeit zum Symbol für Ideen machten , die ihm ursprünglich 
freilich fast durchweg ganz fremd waren 0« 

In ihrer Philosophie erscheinen die jüdischen Alexandriner 
»machst als Eklektiker. Der Einheitspunkt ihres Systems liegt 
unverkennbar nicht auf dem rein philosophischen, sondern auf 
dem religiösen Gebiete. Das tiefere Verständniss ihrer väterlichen 
Religion ist das letzte Ziel ihres Strebens, nur ein Mittel dazu ist 
ihnen die Philosophie. Sie bemuhen sich desshalb auch durchaus' 
nicht am strenge wissenschaftliche Consequenz, sondern was sie 
für ihren Zweck brauchbares bei den Philosophen vorfinden , das 
^'^cnrenden sie, unbekümmert darum, welcher Schule es angehört, 
in weichem Gedankenzusammenhang es ursprünglich gestanden 
k«t. Ich werde später die Quellen nachweisen , aus denen Philo 
uul seine Gesinnungsgenossen geschöpft haben. Indessen schliesst 
*e«e Benützung ihrer Vorgänger eine eigenlhümliche Welt- 
anschauung noch nicht aus, und wenn sie diese allerdings wissen- 
MtfUich weniger entwickelt, und darum auch das überlieferte 



1) Auch hierüber bandelt Qeorqii sehr gritndlioh a. a. O. 4. Heft S. 3 



916 Jfidisch-grieohisofae Philosophie. 

Alexandrinern selbst miuste sie nattrlich mit der Theologfe ikrei 
Volkes identisch, und darum nicht minder alt scheinen, als diese; 
aber auch die Neueren haben ihr immer noch ein höheres Alter 
zugeschrieben , als ihr nach dem Zeugniss der Geschichte mrUick 
zukommt. Es hangt hier freilich vieles davon ab , welchen Begriff 
man mit dem Namen der alexandrinischen Religionsphilosopiiie and 
ähnlichen Bezeichnungen verbindet. Begreift man darunter jede 
Verknüpfung griechischer Philosophie mit der j&dischea Theologie, 
so lasst sich eine solche allerdings noch vor der Mitte des zweiten 
vorchristlichen Jahrhunderts nachweisen; halt man dagegen die 
inneren Merkmale fest, durch welche sich die Lehre Philo's und 
seiner Schule von der alteren griechischen Philosophie unterschei- 
det, und mit den gleichzeitigen Erscheinungen des Neupythago- 
reismus und des pythagoraisirenden Platonismns in Eine Reihe 
stellt, die Bestimmungen über das Wesen Gottes und der Materie, 
über die Mittelwesen zwischen Gott und der Erscheinungswelt, 
über die ekstatische Erhebung zur Gottheit — fasst man die judiscb- 
alezandrinische Philosophie in dieser ihrer inneren Bestimmtheit, 
so werden wir ihre Entstehung um ein betrichtliches später setzen 
müssen« Die neueren Bearbeiter dieses Gegenstands') glauben 
ihre Spuren schon in der alexandrinischen Uebersetzung des allen 
Testaments^ der sogenannten Septuaginta, zu finden. Diese Spuren 
sind jedoch so schwach, dass sie nicht einmal für eine unmitteUNire 
Einwirkung der griechischen Philosophie auf jene Uebersetzung, 
keinenfalls aber für die Bekanntschaft der Verfasser mit emer 
Lehre beweisen können , die der philonischen verwandt gewesen 
wire. Die Uebersetzung gebraucht allerdings einigemale Wen- 
dungen , welche darauf hindeuten , dass ein Theil ihrer Verfasser 
an der sinnlichen Erscheinung Jehovah's Anstoss genommen habe O» 
sie beseitigt auch an Einer Stelle die Vorstellung, als ob Gott 
Reue empfunden hattet; aber dazu war inder^hat die philonische 

1) GpsÖbeb, Philo u. d. alezandrin. Tbeosopbie II, 8 ff. Dahvb, ^- 
fohiebtl. DantelluDg der jüdisoh-alexandrin. Religionspbilosophie II, 1 ff. 

8) Ezod. 24, 10 f. Job. 19, 27. Jes. S8, 11 , aaob £z. 15, 3. 19, 8. 21, 6. 
Job. 4, ^4. J^b, 6, 1. Dati aber h&ufig auch die ErBfthluDg ron Theophanieoa 
wörtlich wiedergegeben ist, bemerkt Dabbb selbst, dem ich die obigen Stel- 
len entaebme, a. a. O. B. 89. 

S) Gen. 6, 6 f. Andere die Ueberaetser der übrigen Biloher; •. DIhbb 
«• a. O. 8. 88. 



Mre J0m dbr UnerkeniilNirk«!! «nd Bigiepiaehaflslomgkeit . dei gAlt- 
Kcken Yf^Bena nicht ndthig; da« GoU nicht mit leiblichen Augen 
gfschtnt werden könne, dass menschliche Affekte der Gottesidee 
widersivech^i, das« das göttliche Wesen über jede Reue nnd Ver^ 
iaderang whaben sei , diess hatte schon Plato und Aristoteles, ja 
lehoR der alte Xeaophanes ausgesprocbe.n, alle griechischen Philo- 
isphea, auch die stoischen Orthodoxen, hatten es anerkannt, und 
m galt dem gebildeten Griechen jener Zeit so sehr als Ajuooi, dass 
die jüdischen Uebersetzer des alten Testaments diese Sätze nicht 
einmal unnütteUMur aus der Lehre der Philosophen, sondern ebenso 
gut auch Cwenn wir dabei überhaupt an fremden Binfluss denken 
wollen^ aua den aUgemeinen Voraussetzungen der Zeitbildung 
icböpfen. konnteiL Nidit anders verhält es sich mit den Ankifin- 
gen an die philonische Kosmologie, welche sich bei den LXX finden 
tollen : gesetzt auch, es liesse sich beweisen, das sich der eine oder 
der andere Ton den Uebersetzern die Schöpfung nur unter der 
Form der Weltbildung, als Scheidung und Ordnung einer bereits 
▼orkandenen Materie gedacht bitte , so würde doch diese Verstell 
lang nicht auf die philonische , sondern nur auf die phrtomsehe 
Lehre, und anch auf diese nur so nnbestimmt zurückweisen, dass 
wir eine wirkliche Bekanntschaft der jüdischen Verfasser mit der 
platonischen Philosophie vorauszusetzen noch kein Recht hütten. 
faidessen ist auch jener Beweis nicht sicher zu CfthrenO* Von 



1) Die Hanptboweisatellen sind Qen. 1, 2: j) Sk'^v atfp«TOf xtt\ «itttaoks^ 
«^ QBd Jm. 45, 18: Uh^ h xfliTa^((e(( t^v yfjv no^ icov^a^ oikjjv, aOtb« $M6pi«cv 
■Mv a. f. w. Indessen konnten in der entera Stelle die Aasärfloke otöp^troi' 
oad mwoxitfowto« fllr dM ekräisehe vh'} ^nh ohne alle Nebengedmken 
8*vlhU werden, and in der «weiten etohen auoh im üvtekt Wörter, weldb« 
Dicht Schaffen, sondern Bilden und Feststellen bedeuten (^^^ and |;S3). Toif 
^n Stellen, welche Dabw 11, 13 ff. weiter snflthrt, ist Gen. 2, 6 eine aaf 
&keher Wortverbindang berahende anrichtige Uebersetsang, in die aber erst 
PUlo die Voxstellang faineinerkUlrt bat, dass Tor der sinnlichen eine ideale 
^•it gssehaffen sei; die Meinung der Uebersetser ist nur: Oras und Ktaur 
Mi in seinen Warsein and Keimen schon mit der Erde gesohaffen worden, 
Aber erst später aufgegangen. Qen. 2, 9. 19 muss man die Worte darob -^io 
Brille philonisoher Allegorie ansehen , um über das harmlose in mit DlHsn 
aa. 0. n artheilea: es könne „gar keinem Zweifel unterliegen", dass sich 
^>Mei aaf die frühere SchÖpfting der Ideen besiehe. Ebendieselben flndet* 
D^a 8. 18 t «nah Gen. 2, 11, aber diese Annahme hat ohne Zw4Hel nieht 



tl6 Jttdlioh-grieahlidli« F^biloiophie. 

der Mttirbpologi^ch^n T^flnbiQ(riofie PtiloV imd d^SlMkwkAisiA 
sich hl einigen SteHen 6ine Spur finden ; aber wfe ivenig kAnnen 
wir daraos folgern , wenn wir bedenken , wie leicbt einxelne Ana- 
drücke dieser Art in den allgemeinen Spracbgebraudi Qbeirgehen! 
Anderes, was ßr die Verwandtschaft der griechischen Ueberselzer 
mit der phllonischen Schule beigebracht wird, führt nns statf dessen 
nur auf jildische Vorstellungen, welche freilich auch jener Sdiuk 
nicht fremd , aber durchaus nicht an sie geknäpfl sind *). If ock 
andere von Därne's Belegen sind entweder ganz unerhebUch *), 
oder sie führen sich auf einfache Uebet-setzungsfehler *>, auf Ver- 
derbniss oder Interpolation im Texl d^ LXX ^;) HnA auf Varianten 
im ebrftisehen Texte imrückO; «inigeMale ist es ihm aneh begeg-* 
net, ganz richtige und natttrg^mfisse Uebersetzungen als Beweis 



mehr Grand, als die andere (S. 16), dass Jes. 40, 26 „offenbar** aus der pf- 
tbagoreisoben Zahlenlebre eu erklären ftei, während doch das xor* a^tO(i!^ 
anoh im ebitisohen T^xt fcteht, xvAd dib AbWMohang tbki dieiett, wid^e id 
dea Worten täf x5«(Jlov dolboS lie|ft, niehU w^SteT iat, ala sille li^iitt^ Uober« 
•eteiug oder TiQUetoht anoh eine Textearaiiante«.^ 

1) Job 7, 15. P0. 51, 12, Wo|^egen DilHiiE 11, 5.9 f. Gen. 3, 14. Deau 
SO, 14 ohne Grund herzieht. 

2) t>ahin gehört das Verbot, den Jehorahnamen zvl nennen, und die 
Vermeidung dü^seb Kamens, worüber Dliiifis 6. 86 #^ nelbst def '^rigfOUla«^ 
irariber Derielb« 0« 55 A ^t ff. sa vergleioliBn iat Aitiah hi«» legt OiniB 
den Uebersetaem Beweggrfinde und Vorstellungen unter, die mit nichts in 
beweisen sind. Was rorliegt, fährt nicht über den allgemeinen Standpunkt 
dal Juden tb ums nach dem Sxü hinaus. 

3) Wie Gen. 2, 16 ff. die Plurale f&fcoOe und f^T^t^ und Pa. 40, 7 da« 
e«SfM KotnifMO) |iot, worttber DiUuw 8. 20. 60 f. 

4) 8o Gen. 4, 26 (bei D^BfiiE 6. 23), wo die unrichtige Uebefaeta«ag der 
hXX einfach daher rahrt, dasa sie das ebrftiaohe bn^rs von hw^ etatt tob 
!>^n ableiteten« 

' 6) Eine Te^tverderbniM ist Gkn. 3, 15 (DXhue 21 f») anaunehaian, im- 
dam hier statt v^i^oii und -njpvjcm das ungewöhnliche tti^oct und -^ ttc 
stehen sollte, welohes Däbns selbst aus einer andern U^bersetsmng anfflhrt, 
wogegen das «drbc, durch crnittn/keäa ßd wnmun mf anip^ bcaogea^ gan* 
richtig ist» Eine Inteorpclaaon möchte ich 1 Reg. 8« 53 (DIUkb 44 ff.> an- 
nehmen. 

6). Die»s gilt von den Btelien, welche Däume d. 22. 40. 68 anfahrt, Gen. 
8, 17. I^um. 12, 3. Deut. 32, 8. In der ersten Ton diesen Bullen aeUt die 
griechische Uebersetaung die Lesart «pSa^^ staitt tp9ajrfi Tcmito, in dar 
Bweitan rv$^^ »Utt nijn^J^ , in der dritten bfit a^Ä hfr^^ 



Ar die pldloiridreiide Detikirt der Ucdienetier «itEvflllireii ^)l 
ADes siiiaiiimeiifbnoiiimeii, htii^n wir keinen Gmnd^ bei den Ver^ 
Umem der LXX mehr, Hb eine oberilchliche nnd vereinnelte 
BerUirang mit grieduschen Ideen ToraQflznsetien ; nnd ieh wdrde 
iiurer insofern hier gar nicht zu erwähnen gehabt haken , wenn 
indit die Thntaache, die man ans ihnen l>eweieen wollte, tit die 
Anaiclil toh der Entwicklung der gannen alezimdrinisehen Philo« 
Sophie, und auch für die Geschichte des griechischen Alexandri«» 
nismus so wichtige Folgerungen in sich schlösse , dass ich mich 
ihrer Prüfung nicht entziehen durfte. 

Erst bei dem vielbesprochenen jüdischen Peripatetiker Ari- 
itobulO finden wir eine bestimmte und unzweifelhaft sickere 



1) Gen. 2, 21 (DIbis 17), wo Acatam« in der Bedenttiiig B«wiitotlöÜ(p- 
kiH tot m^pfYi gtas richtig steht, und Bxod. 8, 14 f., wo D. gleiehftll* 
n ehier riäitigen oder wenigstens leicht möglichen Uehenetsting Anitosh 
aimat. 

2) Unt^ Piolemlns Philometor (lun 100 t. Chr.); Tgl. 3 li«eo. I, 10. 

Huboh. in Ens. Chron. Ol. 151. Chron. pasch. 178, D. KLBMStiS Strom. I, 

842, B. Die Nachrichten fiher^ihn hat Valokbuabb in seiner gelehrten Bio- 

tribe dt Aruiobuto Judaeo (wieder ahgedrackt im 4. Band der OAispOfen*sohen 

▲flsgahe Ton EoseVs pmeparaüö evanghRea) TollsUlndig gesammelt Von 

Ksoeren vgL m. OnOttsa Philo II, 71 if. Dlnsn a. a. O. ü, 71 if. Die Aecht«- 

hsit der Fragmente, welche Eusxb. pr»p. ev. VII, 14. VIII, 10. XIII, 12 und 

Kitttts Btrom. I, 842, B. V, 695, D. Vi, 682 A Tgl. T, 585, G. 600, G f. 

€07, G f. Cohort 48, G f. ans Aristohol^s Gommeiitar su den Btlehern Mosers 

aütheilt, hst frflher HoDt, gegen den VALotsvlft« ichrieh, spftter Eicnnoas 

(fSXL d. orientaL Litt V, 258 ff.)^ nenerdihgs Lobnci (Aglaophamns !> 447) 

sad QBoien (Illobx^s Zeitschr. f. histor. Theol. 1880, 8, 86), theil#eise aadh 

Qiln Ctoach. d. Jnden III, 485 in Zweifel gezogen. Mir scheint sie trots 

der theilweiscn Widersprüche in den Angaben der Alten hher AristobüTs 

Zeitalter gesichert Der Umstand, an dem Lobbcx hanptsftchliieh Anstoss 

afaunt, dass der eniehianische Ariitohul ILIII, 12 iwei Verse des oiphischetk 

^ X6yo« (V. 86 f.) anführt, welche Klbmbns Strom. V, 607 G f. nicht citirt, 

dUtfte wenig heweisen; denn da Klbmbbs hier der gleichen Becension diesM 

MÜehts folgt, welche wir hei Aristohnl lesen, da er es mithin bereits in 

•einor Jüdischen Umarbeitung Tor sich hatte, da er anch die nnterschobetien 

Dfehterstenen, mit welchen Aristobnl bei Bus, pr. ct. XIU, 12, 16 f. dl^ Bei- 

li^it^ des siebenten Tagee beweist, Btrom. T, 600, G f. in derselben Ordnun|f 

iiifBhrt, so mnss entweder Riemens die aristobnlische Schrift, oder der Yht- 

ftüer der letstem mtLSite den Clemens Tor sich gehkbt haben. Das IM^tere 

ilt aber schon desshalb nndenkhar, weil die aristobnlischen Fragndiite nur 

v«D «iaem Jnden, aldht Yon eiiiem Gbristen herrilhreh können ; dies aber iftin 



t 

Jfldisoh-gcieehiioho Fliilosophie. 

B^ztefaoflg^ des aiescandriiildcheii Jodenthtims bot griechischen Phi- 
losof)hie ; aber die spätere theoso|Aiscbe Richtung* Usst sich anch 
bei ihm noch nicht erkeibieri. Aristobul ist überzeugt, dassdie 
mosaische Lehre mit den besseren unter d^n griechischen Systemen 
nbepeinstimmie; diese Uebereinstimmüng weiss er sich aber, bd 
der iiSheren Urspranglicfakeit der alttestamentlichen Offenbarung, 
nur atis einer Benutzung dcärselben durch die Griechen zn eridärenf, 
und so behauptet er denn 9 ^ habe lange Tor der (Jäbertragung 



Jude des dritten Jabrhanderts den Kirchenvater benützt, oder dass sieb da- 
malige Jaden Überhaupt noch so eingehend' mit griechischer Litteratnr be- 
Mfbiltfgt und so gut griecbweh gteobriebea bfttten, wie aiwer Aristobul, ist 
nicht glaablioh. Die Braohstdoke des letztem enthalten aber Oberhaupt, wie 
unsere Analyse ibres (nhalts zeigen wird, nichts, was nnch nur anf dw Zeit 
]^hUo^s hinwiese; ein Umstand, welober sich nur ans ihrem hdberen Alter 
ejrkl&rt, denn wer solche Sohriften unterschiebt, der thut es doch in der Begel 
gerade desshalb, um die Vorstellungen seiner Zeit dnrcb ftitere Auktoritftlen 
zu stützen. ; 'Wie passend daher auch die zwei Verse, welche Lobeck bei Rie- 
mens rermisst, für die Zwecke des letztem gewesen wären, so werden wir 
doch annehmen mfissen, dass sie dieser, auch sonst oft ziemlich flOchtig, 
übersehen, oder als entbehrlich übergangen habe, oder dass sie in seinem 
Exemplar des Aristobul fehlten; sonst könnte man sie auch, der flbrigen- 
Aeehtheit der Fragmente unbeschadet, fQr eine spätere Interpolation halten, 
c^och glaube ioh^iess nicht 

.1) B. Eus. pr. ST. XIII, 12, 1 ygl. VIII, 10, 8. Die Worte in der erateren 
atelle (und bei Klvmbhs Strom. I, 942, B), welche Valgkbxabk a. a O. 3. 48 
(384) fär verderbt hält: $ni)p(it{v£UTa( yap npb A72(ii)tp{ou tptS 0aXi)p€(Pc 8t* (t^v 
Tcpb Tijf *AXcSÄv8pou xa\ IXsp^cov ^Tcixpaniocü)^, sind einfach zu erklären : deu 
diese Schriften sind schon Yor der Zeit des Demetrius Phal. (aqf dessen Rath 
di4 Uebersetzung der LXX yeranstaltet sein sollte), ja Tor der maeedoniscben 
lyid der persischen Herrschaft (denn wie konnte sie sonst s* B. Orpheus be- 
nützen?) übersetzt worden. Ich sehe daher keinen Qrund, sie zu beanstanden. 
Ebensowenig hat mich Gbätz a. a. O. überzeugt, dass das ganze Bruchstück 
bei Eus. XIII, 12, oder doch ein beträchtlicher Theil desselben, unächt sei. 
QbItz findet es undenkbar, dass Aristobul dem Ptblemäns Philometor seine 
Uebersetzung des Pentateucb mit der Bemerkung fiberreicht haben sollte, 
diese Uebersetzung habe schon längst existirt. Aber fÜi'fi, erste war das Werk 
Aristobara ohne Zweifiel nicht (^wie Qb. will) eine Uebersetzung, sondern 
eine Erklärung der mosaische^ Bücher; denn als ^Evjy^^c (Chron. pasofa. 
I,'.178, D), ßißXoi £Ei)p)tixo\ (Anatolius bei Eus. b. ecol. VII, 32, 16), expla- 
natianum eommentarii (Hibbon. Chron. z. Ol. 158) wird es bezeichnet; dus 
aber ^pioic bei den Alten nicht die Auslegung einee Textes, sondern eine 
Uebersetzung bezeichne (Obatb S, 482)» dass mithin Hieronymus dieeef Wort 



Aristobnl. WM 

des Alten TesUments durch die Siebzig eine griechische Uefoer- 
ietang der mosaischen Schriften gegeben , ans welcher mit ande- 
ren alten Dichtem und Philosophen anch Plato nnd PythagoriHi 
gesebdpft haben. Um diese Behauptung zu beweisen und jödische 
Sitzungen durch hellenische Auktoritäten zu empfehlen , trug er 
kern Bedenken, einem Orpheus und Linus, Homer und Hesiod 



hhA wiedergegeben habe, wird niemand glauben, der sieh auoh nur afi 
Ü« sahUoaeii E&)pijocc( platonischer nnd aristotelischer Schriften, von Krai^or 
bis anf Alezander den Exegeten nnd die neuplatonischßn Conunentatoren, 
erinnert, Anch der Ansdmck: to 7cpb( nToXspiatov ai^yYP^K'H'^ (Eus. pr. ev. 
VIII, 9, 23), TO 7?pb( Tov <I»tXo(Jii{TOpa (Klbm. Strom. I, 342, B), passt nicht f8r 
öoe blosse Uebersetzung, wfthrend andererseits der Umstand, dass dfes6 
Mrift a» Pfaflometor ans inebreren Mcbeni beetimd'(Klemcriis e. «. O. oitirt 
4ss evite ti..y,>59fiiy D spriobt.er Ton ßi^Xi« \tiusia) uns erbietet,. sie 4i>f Mp 
blone einer Uebersetzni^g Yorangestellte Einleitung und Widmung sn bcaie« 
keii^ Dass sie aber von Euseb anch einmal (pr. ev. VIT, 13, 4) xoSv Iepti>v vÖ{A(ov 
ipf&7|vc{a genannt wird, hat nichts auf sich: £p(X7jv6iJ6iv heisst ja nicht blos* 
«ilbersetaen^, sondern ebensogut „erklären**; t, B. Plato Io 586, A. TheSt. 
209, A. 11. 6, Wenn ferner Asato^tus (Um 270, nidht 170, n. Chr.) a. a. O. 
(siebt blos Kpeebios, wie 6e« annimmt; dieser tbeilt nns ja die Stelle des 
Anatol. wörtlich mit) der Meinung ist, Aristobul habe zu den ^iebaig DoU- 
mettohem gehört, und seinen Commentar den zwei ersten Ptolemftern gewid- 
met, wenn ebenso Klemebs V, 595, D nnd yielleicht auch Kus. pr. ev. VITI, 
M4 statt des Ptolemftus Philomfetor den Philadelphus als seinen Zeitgenossen 
Mittti 80 beweist diese nur fOr die T^iobtfertigkeit dieser Schrütstdler, niobt 
«berlBrüe Bflkanptmig, Ariet sei Uebersetver des Peniatfsuch. QAtte er 
aber anch wirklich dem Ptolemttns eine von ihm verfasste Uebersetsnog des 
Psntatench fiberreicbt, so ist nicht absuseben, warum er ihm nicht zugleich 
bfttte sagea können, awar niebi, dats «sie*, d. h. dieee Uebersetzang, wohl 
AbsT) dass eine andere, tltere, «oben frtther ezistirt habe. Nennt weiter Ob. 
^ obeoasgeAllirten Worte „eine Vorl^ung aus dem Aristeasbueh*, die nur 
M&em Interpolator suautrauen sei, so kann icb gleichfalls niebt belstiautaen: 
«•s sie voraussetzen, ist niobt unser Artsteasbuch, sondern nur die Sage von 
«iser Betbeiligung des Ptolemftus Philaddfpbus und Demetrins PfaalereUs aa 
^•r grieohiseben Bibelübersetzung; warum bfttte aber diese Säge niobt soboa 
IQ AristobnVs Zeit im Umlauf sein können ? Ebensowenig Ittsst sieb bebanp* 
^ Aristobul würde den Vorfabrea des Ptol. Hbilometor ihm gegenüber niobt 
»ntdem ^ironisoben Spitznamen'' Pbiladelpbus bezeiohnet haben (Gn; S. 486). 
Ob dieser Name ursprünglich ein Spottname oder ein SohmeiChelncme war, 
tti bis heute niobt ausgemittelt ^ Jedenfalls aber war es der Käme, duroh den 
*Q« Welt diesen Ptolemftus ron den übrigen untersohied. Waa Ob. sonst noob 
SH» 4ie Aechtbeit unsers Bruobstüoks einwendet, ist tbeils überhaupt uü* 
^•Üioh, tbeik erledigt es sieh durch das am Anfang dieser Anta. geaagte«^ 



Sff . Jflditoh-grie«Xli90)ie Philotopbie. 

Vane z« wit^ncbiebM > «relcbo ibrw jOdiwhw Ui-q^nuig w 
otfiea m der Stirne tragen, dasB man nicht weias, über waa nan 
iiob mehr wundern aoU, ikber die Keckheit deaFilacbera, oder über 
die Leichtgljiiibigkeii der judiachen und cbriatlicben The(ri«(eii, 
welche sich faat zweila«aend Jahre lang diesem Aqgeoacheiii sn 
entxieiien wiiaaten 0* Schon nach diesen Proben müaaen wir er- 
warte , anch in Aristoburs eigenen Ansichten die Sparen seiner 
Beschäftigung mit der griechischen Philosophie xu finden. Die- 
selben beschrinken sich aber, so weit unsere Kenntniss reicht, fast 
ausschliesslich auf das Bestreben, aus den alttestamentlichen Lehren 
und Erzählungen die Anthropomorphismen zu entfernen, an denen 
das gebildete Bewusstsein jener Zeit Anstoss nehmen musste. Die 
Unsichtbarkeit Gottes wird behauptet ') , die „Hand Gottes^^ und 
iimlicbe AusdrAoke werden auf die göttliche Macht, das Sprechen 
Gottes wird auf die thatsAchlichen Erweisungen dieser Macht ge- 
deutet ^') ; wenn die Schrift sagt, Gott ruhe, so soll diess nach Ari- 
stobul die Unveränderlichkeit der göttlichen Werke , den Bestand 
der Weltordnung beseichnen ^); wenn Moses erzählt, dass Gott im 
Feuer auf den Sinai herabgestiegen sei, so wollte er damit nur eine 
wunderbare Offenbarung Gottes schilclern , welche den Israeliten, 
Qhne eine wirkliche körperliche Erscheinung, in der Weise einer 
Vision zu Theil wurde ^}. Hierin liegt noch durchaus nichts, was 
sich nicht aus dem Einfluss der platonischen, peripatetischen niid 
stoischen Philosophie vollstAudig erklfiren Hesse ^) , und mtlk die 



1) B. Bot. a. A. O. XIII, 12 Tgl. KtMmttnu V, 686, C. 607, C £ 600, OL 
Dmi iüriit diaM Uatartohieboagon aioht Uümi ▼oigenomn«o, aoadani iAoti 
¥efg»Aind«ii habe (Ewald Oaaeh. d. V. Iir. lU, b, 898. Haaavau» flatoh. d. 
V. Jiar. m, 666 f.), ist mir aioht glaablloh. 

2) So wird i. B. ia einem asgebliob orpbiacbQii Gedicht tob Abrabaia, 
von lloaaa und den 10 Gaboten geaproohen , Homer mau dau siebonUn Tag 
als keilig beaaiohnen, ^00 der Vollendong der Schdpfting am aiebantea Tag 
radaa n. a. w. 

8) A. a. O. XIII, 12, V. 11. 20 dea angoblioh orphiaobea GedlobU. 
4) A. a. O. Tm, 10, 1. 4 f. Xm, 12, 2. 
6) Sbd. Vni, 10, 6 ff. Xni, 12, 14. 

6) Bbd. Vin, 10, 9. 

7) AlaParipatatikar wird Artet öftere beaaiobnat (Bus. pr. er. VIII, 9, 2t. 
IZ, 6, 2. xm, 12 Uebereobr.) Er eelbat beruft aiab ebd. VII, 14, 1 auf den 
OiptoiROC ala ieiae Bobnla (^b x«{ tcm« tl^am xm in tf|« oip^oiaK J^nK ^ ^ 



: , Arlstobal . fflS 

IMMtimf dar moMisdim Erzäblimgea nud Aisdrflcke, über- 
lunpt die ganze «llegorupche ErkMmiqr ijer aUlestamentlicheii 
ftMftea, hat an der stoisphen Myüiendeutung ihr yollkommen 
gmtfyendes Vorbild 0- Nur kann sich Aristobul freilich zu dem 
hylaxoi9tisclM3n Pantheismiis der Stoiker nicht entschliessen: in 
MBer Ueberarbeitmig des orphischen Gedichts, welches orsprungr 
lisk diese Absicht anssprach, wird durch mehrere beachtenswerthe 
AendenuigeB und Zosiltze ausdrücklich darauf bestanden , daiü 
GetI niclit blas der Herr, senden auch der Schöpfer der "VVelt sei, 
dass voQ ihm selbst nur gutes ausgehe, die sehädlichen Kräfte da- 
gegen aur seinem Gefolge, nicht ihm selbst angehören ^. Indessen 
begraift sieh dieser Zug ohne alles weitete aas dem Standpunkt dop 
jüdiseheti Theismus, und wenn je ein' philosophisches Element hie- 
bet mitwirkte, so brauchen wir nicht über die platonische und peri- 
patelteehe Lehre bimraszugehen : Aristobul stellt sich in dieseif 
Beaehang lA mi ganz ahnliches Yerhältaiss zum stoischen Paar 
fbdsmas^ wie der Verfasser der Schrift von der Welt 0- Ob unser 
Fhflesoph eine priexisUrende Materie als zweites Princip neben 
der Gottheit angenonunen hat , ist nicht ganz sicher ^3 , jedenfalls 
würde diese Annahme gleichfalls nicht über Plato (so wie dieser 
damals ▼»standen wurde) und Aristoteles hinausführen« Auch 
die Aenssanuigen über dyie Weisheit ^) berechtigen uns durchaus 
nicht, an eine Hyposlasirung der Weisheit im Sinne der spiteren 

Hipac^oii) und nach Klbm. Strom. V, 595, D wollte er in seiner Schrift »eigen, 
^ 3Cif ocomjTix^v 91X0009 {av 1% tt tou xata Mcüu'o/a vÖ(iou xa\ tcov aXXcuv ^prfjoeai 

1) AHstohal ielbft erianert an diese, wenn er doa Kftn^, ival^heni aeio 
^nk gewidmet fiit, k JSnt« VIH, 10, 2 Anffordert: fU9<xo>c Xa|jLp«vstv ziu; hi- 
^flX^ ^ "c^y ip|i^QU9vy eVyotav icep\ Of o5 xpocttftv xa\ \k^ ixnlKxgn tU tb (AtiOt^dt; 
^ Mpc&xcvov xdcT^t9Tvi|ta. M. Tgl. hiezn, was 1. Abth. 800 f. Über die phytica 
^«tio der 6toiker. und ihre Polemik gegen die Anthropomorphistnen bemerkt 
wurde. ' 

3) Es ergiebt sieb diess aas V. 8. 13 ff. 38 f. 39 des ftpb( X6'xo^ naob der 
Bttceosion des Aristobnl b. Eüs. pr. er, XIII, 12, wenn wir dieselben mit den 
WtBsffenden Stellen in der alteren Eecension desselben Qediohta b, Justix 
Coh. ad Qr. c 15 yergleicben. 

^3) 1. Abth. 563 ff. 

4) Man schliefst es dfrans, dass er V. 8 des orphisehen Gedichts den 
^hdpfer durch xöofLOto Tuxw'rijv beseichnet. 

5) SL Jkm^ MOt 12, 13 1 



fii}4 ' ^ Jfidisoh-grieeliisohe Philosophie. 

Logoslehre zu denken, da sie gar nichts weiter besagen, als 
die ganze Welt das Werk der göttlichen Weisheit, und diese !i 
fern vor der Welt sei. Wenn Aristobul endlich zur Em^feUin^ 
der jüdischen Sabbathsgesetze in eine pythagoraisireode Ausf&h-» 
rung über die Kraft der Siebenzahl eingeht O9 so war eine solche 
« dem Juden auch schon durch die altpythagoreische Zahlenspdni- 
lartion viel zu nahe gelegt, als dass wir ihm desshalb die unter- 
scheidenden Eigenthfimlichkeiten der neupythagoreischen Denk— 
weise zuschreiben dürften ; und wenn in demselben Zusammei- 
hange der siebente Schöpfungstag zugleich auch auf den ersten, 
an welchem das Licht geschaffen wurde , zurückgeführt, und die 
Vernunft, mit einer Willkührlichen Abweichung von der stoischen 
Zfihlunjg der Seelenkräne, als das siebente SeelenTermögen beseiidi- 
netwirdO, so liegt auch hierin durchaus kein Zeichen von nfiherer 
Verwandtschaft mit dem späteren Alexaridrinismus. Es ist^aher 
nicht richtig, wenn neuere Geschichtsforscher'} bei Aristoinil schon 
die wesentlichen Grundzüge der philonisclien Lehre finden wollten. 
Was er mit Philo theilt , ist nur die Verknüpfung der jüdischen 
Theologie mit eklektisch benützten griechischen Philosopheaen; 
hat aber Aristobul schon diese Richtung, aller Wahrscheinlicldieil 
nach, lange nicht so weit verfolgt, wie Philo, so ist vollends von 
den eigenthümllchen Lehren , welche dem leta^ren seine Bedeu- 
tung für die Geschichte der Philosophie geben, bei jenem noch 
keine sichere Spur zu finden. 

Ueber die Entwicklung der jüdisch-alexandrinischen Wissen* 
Schaft zwischen Aristobul und Philo sind wir nur sehr unvollkom- 
men unterrichlet Dass sie aber in bedeutendem Umfange stattfand, 
und dass eine ganze Reihe von Vorgangern Philo den Weg 
gebahnt hatte, müssten wir theils schon an sich annehmen, wenn 
auch gar keine weiteren Nachrichten darüber vorlagen, theils 
lisst uns auch Philo selbst darüber nicht im Zweifel 0« Dieser 



1) A. a. O. §. 15 f. 

2) A. a. O. §. 13. 15 f., wo es über den Xö^o« mit der bekaftiiten stoi- 
sehen Formel beisst : Iv & p<o9iv ^^.of^^ avOpcunCvcov xa^ 98(o>v icpayiA&twv. 

3) GraöEEK Philo u. 8. w. II, 74 ff. und noch mehr Dlvnc Darat. dar jftd. 
alexandr. Beligionspbil. 11, 96 ff. Tgl. auch HcazFKLD Qesoh. d. V. Jiar. £11, 
479 f. 

4) M. Tgl. sam folgenden Qbosbmanh De Phain$€i»»mo JudiBormm Al$Kan' 



Allegoriker Tor Philo. 8S6 

SekfiftsteHer beruft sich nämlich für seine allegorische Schrift- 
eiiiirung nicht selten auf ältere Ausleger und auf die Regeln 
der Allegorie 9 über welche er demnach schon eine befestigte 
DAerliefemng vorgefunden haben muss , wie er ja auch die alle- 
gorische Schriflerklärung der Therapeuten als eine bei seinem Volk 
ankeiarische bezeichnet 0; und erführt wohl auch Terschiedenerlei 



Mm emnmeDl. pars L (Lps. 1846* p. II 1847. p. III 1850) 8. 3 f., der sein« 
BthgttQÜen nur leider mit mehr Fleiss, $h Aaswahl, gesammelt hat, und 
äuan jedea/alls irrt, dass er die Alexandriner zu Pharisftern macht. Er 
meint, da sie weder Essener noch Sadducäer gewesen seien, so müssen sie 
Pharisäer gewesen sein ; allein dieser Schluss fUlt mit der Voraussetzung, als 
oh Jeder Jude einer Ton diesen drei Partheien hatte angehören müssen, was 
■kht einmal tob dem palästinensischen , nooh weit weniger von dem helleni- 
■tischen Theil des jüdischen Volks gilt. Grossmann hat es aber auch bei der 
Nachweisung über die Verwandtschaft der philonischen Lehre mit der phari- 
•lischen nicht allein mit den einseinen Vergleichungspunkten vielfach, so- 
leaekt genommen, sondern gerade den Punkt, auf welchem die Eigenthüm* 
liehkeil des Alexandrinismus Tor allem beruht, an dem aber freilich auch 
■cm darchgreifender Unterschied Tom Pharisaismus sofort sum Vorsohein 
keuDen muaate, sein Verfalltniss zur griechischen Philosophie, fast ganz 
tesMr Acht gelassen. 

1) Bo De Abr. 364, A (II, 16 M.) für die Deutung des Abraham aof 
des vqS(, der Sara auf die Tugend; ebd. 879, £ (81) für die Beziehung des 
Ahrabam und Loth auf xp6nov 4^x^(> ^® «^^>* ^^^> ^> ^^ ^- (^^^ König von 
Aagypten der voS« als Beherrscher des Leibes, welcher fiXom^Mctoc wird); De 
äniincis. 811, A. 211 M. (Tierfacher Zweck der Beschneidung, unter ande- 
nm amh der, Am»b das Zeugungsglied dadurch dem Herzen, als Sita des gc- 
daakenseugenden Pneuma, in seiner Gestalt ähnlich werde); special, leg. 
8HB. 829 If. (Deut. 25, 11 moralisch allegorisirt) ; plant No« 221, D. 387, 
II. (Eiod. 16, 16 bedeute die xXi}povo(i{a Gottes hach einigen Auslegern das 
Qats); ebd. 224, D. 840 M. (facfl 8^ olg l8o( ^euv^v t^ TOtaOta, und nun folgt 
•UM norslische Deutung Ton Gen. 21, 28); De Septenar. 1190, B. 1191, D* 
W t M. (Deutungen des Passahritns, eine auf die Reinigung der Seele, eine 
«ödere auf die Weltsch6pfung); Deter. pot insid. 159, C. 196 M. (gegen 
^ gewisse, gleichfalls allegorische, Erkl&rung von Gen. 87, 15). Weiteres 

ß.m. 

8) De somn. 676 B (681): xatoc xoh^ diXXi)Yop(ct< xavövac bedeute die Sonne 
Oott Sbd. 680, E (611): X^*fci>(x«v 8k ^{i^, beöpgvoi toU oXkriyoploii vö(iO^, xa 
xp^ovt« m^ Toviwv. De somn. II, 1109, C (660): aXX]]Yop£ac iicöfievoi ;coEfaf- 
TÖftastv. 

S) V« costempl. 898, D (476): ftXodofoSei tj^v n^piov f(Xooo^(av oXXijy^ 
pQ^^ Debet die therapeutische Allegorie tiefer unten. 

nOot. 4, Or. HL Bd. 2. AMh. ^^ 



jf/j^ Jfidi8cb*gr;&obis.chQ i*bilo»op1iie. 

ihpn I kekeAüte aUejarUche Deutungen anO) wie si^ ioek-. mv 
^mm auftreten kannten, wenn diese Art der Audegung bereit» Um* 
ger genbti wurde. Schon dieser Umstand beweist nun, daas au^ 
die Spekulation, welche mitteilet der Allegorie in die jödisclieii 
Religionsurkunden hineingetragen wurde, zu seiner Zeit niislU 
i|i€thr ganz neu w.#r; wir sehen aber'uberdjess aus den», wasuitt, 
Philo über einzelne jener Erklärungen mittheilt, dass schon vor 
ihm nicht allein die platonischen Ideen und der Nus, sondern aud 
der göttliche Logos in den mosaischen Schriften gefunden wurdet 
Es fragt sich nun freilich, wie weit diese Lehren vor Philo enW 
wickelt waren, und ob wir namentlich bei dem Logos, von dem ein- 
zelne seiner Vorganger gesprochen hatten , schon an eine eigene 
Hypostase , und nicht blois an das Wort oder den Verstand Gotlea 
zu denken haben '). Aber so vieV geht doch aus dem angefükrten 



1) Qu. rer. dir. b«r. 520, G (518): Gen. 15, 15 „Du sollst m imam 
Vtttem yerestnnielt werdsc'^i seien die Vftier tiiobt von den entfe<dten Leieli- 
namen der Vorfahren bu veretebon, sondern nach den einen von den Gtosür- 
Den, naoh andern ron den apyijhiKot Ihiai^ nach einer dritten Dentang (die 
anoh qn. in Gton. III, 1 1 als mttUorum sententia erwftbnt wirdX Ton den vier 
Elementen and (wenn diess nicbt seine eigene Znthat ist) dem Aetfaer, demm 
^M97CM|M» die Seele sei. Nom. mut. 1066, C (599): dreierlei Erkllningen 
YOtt Gen. 17, 1 6. Poet. Caini 1, 233 M.: zweierlei Deutungen des Namens Haa^oky 
die ihn aber beide auf den voO« dee Menschen beziehen. Leg. aUeg. 50, £ (65)e 
der Baum des Lebens bedeute die Tugend als Ganses, nach andern Jedoch das 
Hers. Qu. in Gen. I, 10. B. 7, A. über denselben: die einen erkiftres ihn 
Ton der Erde, andere Ton der mittleren unter den sieben himmlisohen Sphir 
ren, oder der Sonne, oder der directio anima (dem l)ytp.ovcxbv), die beatmi Et^ 
kl&rer aber Ton der Frömmigkeit. De Gherab. 111, D ff. (142): die ChembiM 
werden bald auf den Fixstern - und Planetenhiramel, bald auf die beiden Her 
mispb&ren gedeutet, Ton Philo selbst Jedoch anf die göttlichen Gnindkritfla 
der Qflte und Macht. 

2) Vgl. Tor. Anm. und De somn. I, 583, C (638), wo über Gen. S8, 11 
(5irrivTi)a£ x6nta f8u fot^ h ^X(0<) bemerkt ist: Ivtot 8i f[X(OV (&K &JCOTOi e i { osw n c 
ttpfie^at vuv\ ou(ißoXtxüS< «ta&Tjeiv tc xa\ vouv, ik v8vofuo|A^va x«9' j}f&a( auio)i( sTimi 
xpcxYlpta, TÖ7C0V 8^ ibv 6^ov Xöyov, oCtco; ^^eS^avio* aÄifviifjoEv l a^xi^x^ ^^T¥ 
6f(cü, diivavTo^ tqO Ov9)T6o xa\ avOpbifctvou fiyfCfi^. Weniger sicher ist De somn. 
II, IUI, B (691): {loXXov $1, <o( M xi^^ SXov 8i' SXcov ivaxcö^itvov xa^ alpö(j«ve» 
ilc t^^ (so. tbv 6e1ov Xö^ov), wo Manoby cü^ Sv cifnoi tt< TenBathet. 

8) Das Wort Gottes wird Ja auch in der salomonischen Weisheit gafeiarV 
ohne dass wir ihr deeshalb die pbiloniacfae Logoalehre beilegen dAifteo (a, «. 
231, 1); und andererseits konnte der 6^o« X6yo^ im stoiaehen Siiuiy die gdtU 



Aristeas. Xtf7' 

benror, dasd es innerhalb des alexandrinischen Judenthums ftoclif 
sehmi Tor Philo nicht an solchen fehlte, welche mitdergfriechlschen 
PIrilosophie bekannt waren , und sie durch allegorische Auslegung^ 
m den heiligen Büchern ihres Volkes wiederzufinden wussten. 

Auch in den nns erhaltenen Schriften aus diesem Kreise finden 
ffeh davon manche Spuren ; doch sind sie im ganzen zu schwach 
aad vereinzell, um uns nicht den Verlust der Werke bedauern zu 
lassen, welche uns einen genaueren Einblick in den Stand der' 
ilteren kellenistischen Spekulation gewähren wurden. So zeigf- 
der angebliche Bericht des Aristeas über die griechische Ueber- 
seteang des Pentateuchs allerdings nicht blos überhaupt Bekannt- 
9ilk^ mit der griechischen Bildung , deren Werth für den Juden 
«M- auch Ar die jüdische Theologie er ausdrücklich anerkennt ; 
iMem sein Verfasser erweist sich auch noch bestimmter als -einen' 
AajfehMgeii der alexaitdriniisjchen Schule; wenn er einerseits selbst 
den Griechen , bei aller Polemik gegen den Götzendienst und den 
Polytheismus'^, einen Antheil an. der Verel^rungj des wahren ^Gott^s 
zagestehtO) ui^d andererseits die rituellen Gebote des mosaiscbe;i. 
Gesetses durch allegorische Deutung auch dem Nichtjuden au em-u 
pfeUen sucht ^). Aber die Abfassungszeil dieses Schriflstflcks ist so 



Utk« Varnonfi, welofae von der Gottheit »elbBt tdthi verachieden ist, ak d«a, 
WM den nensehliobon Geist er] enohte, bezeichnei werden, weon aaoli dsbsi. 
nidrt an ein Mittelwesen swiscben Gott ond der Welt gedacht wurde. 

1) Worfiber GpfiöcBB II, 61 ff. Dähne II, 205 ff. lob oitiro im folgenden 
nMb den Beitensablen des Abdrnoks im 3ten Band des ^averoamp'sohen 
JsNpbns. 

S) 8. 116 TBraammelt der Hohepriester Eleasar Mftnner, welche nioht: 
bloi mit den jadischen, sondern auch mit den hellenischen Schriftwerkes 
▼«rtrant sind, nnd in Folge^ dessen sowohl fttr die Geschäfte und den gehil- 
^tSD Vericebr, als fQr die Gesetsesanslegnng siob besonders eignen. 

8) Vgl. 8. 116. 

4) B. 105 sagt der angebliche Grieche Aristeas Ton den Jaden s sie Ter- 
•bita Tov «^vTuv ^öxtY)v xa\ xi{oti)v Oebv, &v x«\ 9C^tc(, hv^ ^^ yMktaxe^ ftpo«- 
^'^'^(^ovTi^ h^pfiK Z^va, was dann, nach der bekannten stoischen Etymologie, 
>itt leinem (oioxouZv in Verbindnng gebracht wird. « 

5) 8. 116 f. setat Eleasar aaseinander, dass die ritnellen Vorschriften 
Msdasn dienen, die Jaden von den fibrigen, götsendienerischen, Völkern' 
>v tienaieni theils aber aaoh gewisse allgemeinere Wahrheiten, einen fuambc ' 
^fSfi (TgL hiean 1. Abth. 801)) eine Tropologie enthalten; und er erlfotert» 
^tu in den Bpeisegesetsen: das Fleisch der RaabTÖgel sei ftlr anrein er- 

15* 



HßS Jfldisoh-grieobiBolie Philosophie. 

onnychßr, und ein höheres Alter desselben so unwahrscheinliGh ^X 
dass es für die Frage.über den Ursprung der jädisch-alexandrinisdwa 
Philosophie nicht in Betracht kommt , wenn es auch immerhin flr 
das Dasein derselben im ersten vorchristlichen Jahrhundert Zeug-- 
i^iss ablegt. Aehnlich verhalt es sich mit dem sogenaqnten vier-- 
ten Buch der MakkabäerO- Diese Schrift entvrickelt die 
bekannte Lehre der Stoiker über die Tugend und die Affekte , m 
sodann an den Vorschriften des mosaischen Gesetzes und an Bei* 
spielexk aus der jüdischen Geschichte, namentlich aber an der 
Standhaftigkeit von Märtyrern aus der Makkabäerzeit nachzuweisen, 
dass die jüdische Religion zur Beherrschung der Affekle durch die 
Vernunft anleite, und die Möglichkeit derselben voraussetze« Ihre 
Abfassungszeit lasst sich aber so wenig bestimmen, dass wir niehl 
einmal wissen, ob sie älter ist, als Philo. Einzelne Anklänge an den 
gloicismus enthalten auch die jüdisohen St&oke der Si|)yUinenf)i 



kllrt, Um eiosnschfiifen , dtsa Qewaltthltigkeit nnd Unrecht Teronroiiiig«, 
dM der Wiederkäuer und der Thiere mit gespaltenen Klanen sei erlaubt, weil 
die Spakosg der Klanen dia Ünteraehaidiuig awiaahen Recht nnd Uaiaakl^ 
und die Scheidung Ton der anreinen Sitte anderer Völker hedeotej daa Wie- 
derkauen die Pflicht, eich an Qott su erinnern. Aehnliohee S. 181 fiber die 
Handewasohung vor dem Oebet. 

1) Zwar kennt schon Atistobnl (in der 8. SSO, 1 besprochenen AensM- 
nmg) die Sage von der Betheiligung des Demetrius Phalereus bei der Ueber- 
setsung der LXX, welche Pseudo-Aristeas gleichfalls hat, aber nichts weist 
darauf hin, dass er sie gerade diesem entnommen habe. Erst bei Pbii^ (V. 
Mos. II, 188 M. 657 H folg.) und Josbpbos (Antiqq. XII, 2) llsst sich eiM 
Bekanntschaft mit demselben nachweisen. — Ewald Gesch. d. V. L». m, k, 
282 f. seist die Ablassung des Buchs wohl mit Becht in das leUle rorobrist^ 
liehe Jahrhundert. 

2) Eigentlich mpi adtoxp^poc XoYtq&oO, fHiher dem Josephos log*^ 
schrieben und in den Ausgaben desselben abgedruckt Anaaflge darmns bei 
Oraöasa II, 180 ff. DIbnb II, 190 ff. 

8) lieber dieselben rgL m. Fsibdubb Die sibyllin. Orakel (Lps. 1852) 
S.JLI1 f. XXII ff* LXXI, namentlich aber HiLOBvrau) Jfld. Apokalypük 61 ft, 
welcher die Abfassung des Hauptkdrpers dieser ältesten Sibyllinen (SibylL 
III, 97—463. 411—817, nebst dem hiesn gehörigen Proöminm B. I, 1—88) 
mit überwiegender Wahmcheinlicbkeit um 140, ein späteres Stflck, B. III, 
47 — 90, mit Andern in die Zeit des aweiten TriumTirats setat; tos AlteNB 
Untersuchungen Blbbk Theol. Zeitschrift Ton Schleiermacher u. s. w. H. 1. 2. 
QnöBBB Philo II, 121 ff. Dabmb a. a. O. II, 228 ff., welcher den Jttdisehen 



MTakkabierbdoher, Sibyllinen ii. •• 

dier TOii den eig^entbümlicben Ideen der alexandrinischen PHiloso- 
pUe Inden sich darin go wenig, als in dem zweiten und dritten 
Bttdi der MakkabaerO) dem dritten Buch Esra') «nd bei dem 
Aibehea Phocylides '3 bestimmtere Spuren. Selbst die ^eiftheil des 
Simoiden können wir kaum nnter die Vorläufer der philonischeif 
Philoflaphie reebnen ^> 



Unprnng der meisten toh diesen Stücken bestreitet. Lt^cxe Einl. in di« 
OCeaK Job» 2. A. S. 66 ff. An grieobisobe, und namentliob an stOMcbe Tdeeb 
4^neEt bier dei UniTorsalkomti nut welobem der Verfasser anerkennt, daM 
Gott die Erde allen Menseben sa gememsamem Besitx yerliehen, ui^d ihnep 
allen den Binn für das Gute in die Brust gelegt habe (III, 261), dass er es 
99&J Sotic yXuxü 7weü|jL' ^v hzaai x&tOeto yi^* fjYijx^ipa ßpoxoSv n&vxcav i7co(*ja8v 
(Prooem. 6 f.), noot ßpotdtmv lva>v tb xpitijpiov Iv <fhi xotvco. Deingönl&ss er- 
vmrlst er aneb «ine sefbllesaÜcbe Bekebrnng der Heiden ^nm Qlanbenftn deb 
wabran Qott (Uli 616 f. 715 ff. 766 ff.) nnd einan xoivb« v6(aq( luaik.^dSff» SbcBUr 
oocv (ebd. 766). M. rgL bieza unsere 1. Abtb. 184, 2. 127, 2 ^r* &• 230^ 2 und 
daa Kriterium betreffend 75, 2. 

1) li. s. darüber (ausser Ewald Gesch. d. V. Isr. III, b, 530 ff.) GrEÖKsa 
fl, 5) ff. DIrkb n, 180 ff., von denen schon der letztere einige Beweise des 
asatani tOt den Alezandrinlsmue der beiden Sebriften widerlegt bat. 6eiiaii 
g«Ai»mm«B ist es im Gnmde nur die Unteraobeidnng des im Himmel wobneiv- 
doo Qottea.von seiner Macbtoffenbarnng im Tempel zu Jerusalem (2.Biacc» % 
BS ff.), worin sieb die alezandrinisohe Denkweise des Verfassers von 2 Maco. 
dogmatisob ausspricht, wogegen der Anferstebuhgsglaubo desselben (7,9—14. 
14, 46), den DIhhe rergeblicb zu beseitigen suobt, ftir sieb schon beweisen 
kanii, wie wenig jene nöbwacbe Spur auf die entwickelte alexandtiniselM 
Lebre au scbliessen berechtigt. 

2) Worüber DXhne II, 116 ff., der aber ffir mich wenigstens nicht be- 
wieaeo bat, dass der Verfasser dieser Schrift „in die Mysterien der alezanäri- 
Blieben Juden eingeweiht war.* Wenn das Buch auch alexandrinisöh sein 
mag, so ist es doch in keiner Beziehung als Urkunde für die alexandrin ische 
PbfloBophie zu gebrauchen. ' 

'^ 3) Den jüdischen und höchst wahrscheinlich alexandrinischen Ursprung 
diaiee Qediohta hat Bsbrats (Ueber das Phokylid. Gedicht, Berl. 1856) dar- 
geiUian. Seinen Inhalt bilden moralische Vorschriften, welche dem A. T. ent- 
Bommen sind, aber aus demselben nur das herausheben, was sich auch Hel- 
Imen annehmbar machen Hess. 

4) Wie diese schon DXbmb II, 1 26 ff. theilweise gezeigt hat Gerade die 
8feDe, auf welche man in der Regel das meiste Gewicht legt, die Schilderung 
der Weisheit c 24, gebt über die dichterische Personifikation, welche wir 
MboB in den ProTerbien'S, 22 ff., also noch auf rein ebrftischem Boden tref- 
tay Bvr durob die Bestimmung V. 3 hinaus, dass die Weisheit vor der Welt- 
MMpfnng aus dem Munde Gottes auSgegatigbn, die Erde wie ein Nebel be- 



Jftdiioh'grieohiBohe PhUotophle« 

Dagegen nimml das psendoMlomoikische Buch der Weil» 
heil unter diesen keine nnwichUge Stelle ein. Die 
iohaft dieser Schrift mit Philo lässt sich nicht laugnen. Ist 
in der berühmten Stelle über die Weisheil C7, 22-8, 5 vgL 9,^ 
diese göttliche Eigenschaft noch nicht wirklich, in dogmaliMAem 
Sinn, hypostasirt oder gar personificirt , so befindet sich dook der 
Verfasser unbestreitbar auf dem Wege zu einer solchen Hyposlasi- 
Tung ; er beschreibt die Weisheit als einen Abglanz des göttlidMn 
Lichts, einen Spiegel der göttlichen Wirksamkeit, einen AusfliMS der 
göttlichen Herrlichkeit, als einen feinen, verstindigen, reinen, aü- 
vermögenden, allwissenden Geist, welcher durch die ganze Welt 
verbreitet, aber doch unzertheilt und in sich bleibend, alle Dinge 
künstlerisch bilde , und von Geschlecht zu Geschlecht in gottgefat« 
lige Seelen übergehe. In dieser Schilderung lasst sich einerseits die 
stoische Idee des Weltgeistes, deralldurchdringenden künstlerisdMn 
Weltvernunft, nicht verkennen 0; aufder andern Seite tritt aberza- 
gleich auch das Bestreben hervor, diese in der Welt wirkende Got- 
teskrafk von dem göttlichen Wesen selbst zu unterscheiden, wenn 
der Verfasser c. 10 Cvgl. auch c. 14, 3. 17, 2) alle die Wirkungen der 
götllfehen Vorsehung, welche die alttestamentlichen Schriften nnonl* 
telbar von Gott ausgehen lassen, stattdessen auf die göttliche Weis- 
heit zurückführt*)* Die metaphysische Begründung dieser Ansicht 
durch die Lehre von der absoluten Transcendenz Gottes findet steh 
allerdings hier noch nicht*), und ebensowenig die philonische Fori- 



€l0Okt habe« Auoh dief er Zng erkl&rt sich aber aus der Daheliegeoden Gom- 
binaUon der Weisheit mit dem Geist Gottes Gen. 1, 3. Aaoh was OIbib 
8, 141 f. geltend macht, beweist swar fdr die Einmisobung alexaodrinisebar 
Vorstelliingen in diese (am 120 t. Cbr. in's griechisobo übersetste) SohxiA, 
Bor sind diese Vorstellangen dnrohaas jfidiseh-theologisober, nicht phflote- 
pbisoher Art. 

1) An stoische EinflftMe erinnern auch die yIot Kardinaltagendeiiy welohs 
8, 7 in Cbrysipps* Weise aof die oof £a als ihre Warsei snrQokgefllhrt werden 
(welche daher, genaa genommen, nicht mit Ewald a. a. O. 649 nicht plato* 
pisob and rein aas platonischer Schale geflossen'' genannt werden kOnnen). 
Vgl. 1. Abth. 220 f. Bd. 11, a, 667. Auch bei Philo werden wir die ▼ieramo^ 
tagenden in der chrysippisohen Fassang finden. 

3) So namentlich V. 17, wo statt JehoTah*s die 90f£a es isi^ welohadio 
IsrailiUn in der Wüste mittelst der Wolken- und Feaersiale dea Weg leigi 

8) Denn c* 9, IS £ kann man daf&r natflrlioh nicht anfUhreOt — M. Tgt 



Bnob der Weisheit 'JUA 

UdtfQf der "Weisheit zim Logos 0; ftb«r leichtere Spuren ^r 
Beilkweifie, welche in jener Lehne ihren stärksten Ausdruck f efu»-. 
den hat, lasfiCK sich noch mehrfach nachweison. Dahin gciiöpt der 
SalK ^, dafis der Tod sieht vo« Gott herrAhire^ sondern nur durch 
die eigene That des Menschen und dfe Verführung des Teufels in 
die Welt irekommen sei , denn Gott habe aQe Geschöpfe nur zum 
Laben hestimmt. Dieser Satz geht entschieden weiter, als die Be- 
haoptang, wekhe wir bei Aristobul trafen , dass die verderbUchefh 
Brfolge nicht unmittelbar von Gott bewirkt seien, denn er lasst 
dieselben gar nicht von ihm bewirkt werden ; hier ist wirklich eiae 
Spar Ton jenem Dualismus, in dem wir ein antersckeidendesMerk»- 
■ai des aettpylhagereischm «nd der verwaiKlten Systeme erkanot 
haben : das Gefühl des physischen und moralischen Uebels auf der 
einen, die Bewunderui^ der göttlichen Vellkoaunenheit auf der 
andern Seite ist so stark, dass man jenes nur durch die VorauS'- 
setzung eines zweiten , dem göUlichen entgegengesetzten Princips 
ZB erklären weiss. Auch die anthropologische Wendung dieses 
^Daalismu8 ist unserem Buche * nicht fremd. Der Leib ist nach sei- 
ner Darstellung eine Börde , welche die Seele niederdrückt und au 
höherer Erkenn tniss unfähig macht C9, 14 ff.), der Geist Ist höheren 



Mob S, 28, wornaoh der Mongob anmittelbftr das Abbild Gottes ist^ aioht 
Uoi, wie bei Philo, dei Logos. 

1) la d«i drei J&teUen über dae Wort Gottes 9, 1 1 16, 12. 18,14 ff. b«- 
Miobaet der XÖ70« eben nar dM geBproeheoe Wort; auch die lotste enthalt 
siebt eise dogmatisohe , sondern nar eine poetische Personifikation, worin 
V» 18 dem homeriseben o^avcj) iomipt^c x^pv) xol tff\ x^v\ ßafvet niobt blos Ite- 
M, Msderni WAhrsoheiniiob auoh naobgebildet ist. 

2) i, 13 ff. 2, 28 f. Ygl. 11, 24 ff. Die Worte 2, 24: ^öv(f> 8k dinpaou 
^kttm t^dp^Arv d; xbv x6<7(tov hftU QbIts S. 444 für einea ohristliehen Zteats, 
^^ sie den Zusammenhang stören , and weil die jttditchen Sohilften a^s 
J*Mr Sfieit TOD einer kosmischen Macht des Teufels niohts wissen. Ich Ittim 
^ wste oloht finden, and was das zweite betrifft, so ist es mir sehr anwal»^ 
MbetsUeh, dass der Teafblsglanbe, welcher im Juden tbnm am den Anlang oa^ 
■anrMtmohBnng so ansserordentlich verbreitet and einflassreiefa war, damals 
*bA lieht ra der naheliegeaden Deutung der Paradiesesschlahge auf den 
^'nfel gefthrt haben sollte, gesetst auch, diese Dentnng finde sich anter den 
Mineston der damaligen jüdischen Literat ar snflUlfg nor an unserer Btellai 
^tnr den aenteetamentliofaen Schriften nennt gerade die, w^lohe ronngm- 
*«hs eia Jfidisofaes Gepräge trSgt, die Apokalypse (12, t), den Tenfet Ms 
UtiSehltf^ft 



Jttdlsoh-gri'eohlsche Philosophie. 

Unprongs und tritt ans einer höheren Welt in den LeiH en ^); mr 
ist desshalb seinem Wesen nach unvergänglich , nnd kehrt beim 
Tode, V wenn er sich dessen nicht unwürdig gemacht hat, in ritt 
besseres Leben zurück 0* In diesem Zusammenhang gewinnt andi 
die Annahme einer praexistirenden Materie, aus welcher CrOtt die 
Welt geformt habe Cü, 17), grössere Bedeutung. So wenig sich 
daher schon der philonische Lehrbegriff selbst in dem Bache der 
Weisheit findet , so lasst sich doch nicht laugnen , dass die Geisle»- 
richtung^ welcher Philo ihre wissenschaftliche Vollendung gab, hur 
bereits entschieden angesetzt hat. Es fragt sich aber freilich, ob 
und wie weit die Abfassungszeit dieser Schrift über Philo hinauf- 
reicht 0- Mehrere Spuren scheinen darauf hinzuweisen , daa sie 



1) 8, 19 f. sagt Salomo: neftc ^ ^(iiijv ed^pu^ 4^4c tt IXotxov «T^^SICy |^^ 
Xov Vk drfaOb« &>v ^6ov elc oo^a &(i{avTov. Hierin H^t offenbar die Vorstelliug 
von der Prftexistens. Dagegen ist DIhrb II, 168 entschieden im Irrtkam, 
wenn er in dem Tcocpobrctop.« Tdtov Adams, 10, 1, das Herabsinken der Seele in 
den Leib findet; es ist der Sündenfall der Genesis und das Prftdikat Btov be- 
selohnet das selbstversehnldete im Gegensatz znr göttlicben Wirksamkeit 
Ebenso unriobtig scbliesst Gfbörbb H, 241 aus dem (lövov xTto6tfv«a deoelbeB 
Stelle anf die Lehre Ton der Mannweibliohkeit AAbjob, 

2) 2, 28. 8, 1. 18. 4, 20. 6, 18. 8, 17. 16, 8. 

8) Geimm 8. LXVII seines Commentars scbliesst aus o. 6, 1 ff., dass sie 
nooh sor Zeit der Ptolemfter rerfasst sei, der sie auch Ewald (a. a. O. &54) 
anweist. Allein wenn die Herrscher hier als dwotvroe^ TCipdnwv -f^i beseiofanet 
werden, so deutet diess eher auf die Römerberrsobalt, nnd loh hatte deaabalb 
sobon in der ersten Ausgabe an die Zeit des sweiten TriomTirats gedaebt (sIm 
nloht, wie GbXtb 8. 442 angiebt, die AbfassQngsaeit der Sohrift »noch htth« 
angesetat", als die Zeiten der Ptolemäer, was schon an sich selbst, ToUends 
aber neben der Ton ihm gleichfalls angeführten Vermaihong ihres tberapsv* 
tiaeben Ursprungs, doch gar bq wanderbar gewesen wftre). GbItb a. a. O« 
glaubt, unsere Sebrift sei durch die uns aus Philo (gegen Flaoous; L^gatio 
ad Ci^. 1008 f. H. 682 f. M. De somn, 1126, A H. 676 M. YgU Gbats a. a. O. 
868 ff.) bekannten Vorginge unter Galignla veranlasst, als die alezaiidfiiii- 
■ehen Juden unter schwerer Missbandlung genöthigt werden sollten, Bildar 
des Kaisers in ihren Sjnagogen aufisustellen. Die Lebhaftigkeit, mit der «ie 
gegen die Tyrannei der ungerechten Herrscher und gegen den OOtBendleBet 
eifert, die Art, wie o. 14, 14 ff. dieser aus Jener abgeleitet, und naaieBtlieh 
die sehmeichlerische Verefarung der Bilder abwesender Despoten ger€gt, wie 
e. 6, 8 f. Ton der Verhöhnung der Frommen durch die GotÜoseo g e ept odwn 
wird, wflrde au dieser Hypothese gut passen. Nur scheiat schon etwa lio 
Jahre nach diesem Zeitpunkt Paulus Bekanntschaft mit unserem Buche «u 
Terrathen (was Gbimm 8. LXX bestreitet, Blbbk 8tud. u. Krit. 1858, S, 140 flL 



•Biitth 4ojr Wttliheii. 

am der eMenisch -{herapentiscben Parthei , oder emem ibr nahe 
stehenden Kreise hervorgieng 0- Aber wie es sieb mit dieser Par- 
ttwi verbilt, hfd>eti wir gleicbfails erst zu nntersuebon. 

laä NiTncH Dentaobe Zeitoolir. f. ohristl. Wissensoh. 1850, 871. 387 behaap- 
ten); TgL Rom. 1, 20 f. mit Weish. 18, 5. 8 f., Köm. 1, 24 ff. m. Wsh. 14, 
II C, Um. 9, Sl. m. Wsli. 16, 7, R5m. 9, 23 f. m. Wsh. 12, 20 £., Köm. 11, 
Sin. Wth. 11, 24, 2 Kor. 6, 4 m. Wsh. 9, 16, and mas den angenreiÜBlIen 
BiMbn 1 ThM. 4, 18 m. Wth. 8, 18, Eph. 6, 18—17 m. W$h. 6, 17—20. Et 
in DU allerdings an aioh niobt «im6glioh, daaa ein« eaat vor swei Jahr- 
nhaadea Terfaaate Behrift von Paalaa in dieaer Weise benfttst wurde; ande- 
rtneits siad aber doeh die Hinweiaiingf n anf die Verfolgungen unter GaUgnla 
lieht so dentliob, dass GiäTs'a Yermntbiing fOr geaiobert gelten kttnnte, vnd 
d« gaase Charakter der Bobrift macht ea wabraobeSnUoh, dasa ate ilter ist, 
lU Philo. 

1) Wie dieaa aebon Eioimoaa (BibI. in die i^okryph* Mir« daa A« T. 

S.134f. 150), GfsOebb (U, 265 ff.) and DlniB (II, 170) Teraratbet hahea, 

«ttnad CfamiH (a. a. O. 8. LYI) widerapriobt, oad OalTs (444) es beswetfel*. 

Kaaa hiaflhr aiioh e. 8, 18 f. 4, 1 nieht viel beweiaeni a« aobeint aieb dagegen 

e. 16, 26 iL auf die esseiiiaeb-therapeatiaehe Sitte dea Gebeta Tor Sonnea- 

*>^|«Bg (a. Q.) so beaieben, 18, 24 erinnert an das AUegorisiren der Thera* 

PWtan» lad die Stelle 4, 8 1 {flip^ t^ t{f&iov o6 xb «ceXuxp^viov .. 96oXc^ 8tf teiv 

fP^VK Mpi&jeoi«) [^riebt den Grnndsats deraelhen aoa (b. Ftuvo a. a* <X 481 

IL «ilr. 899, D. £L)c Kpfeßiiti^iK f op o& le^ leoXurc^ xa\ icolawu^ vo|Ai(oo«fv .. 

vlk «BUf Ol Kpiftr^ i)Xix(ie< Ivi^PijeavTdK xa\ ^voccfMceovrac "^ 6iii>piyTUt^ (Uptc ^ 

> ea»y < a i . (Aebnliob onlerscbeidet Philo Leg. aUeg. 98, B^ 121 M: o( ««^ 

«^ •( «pa« aXsi6fcav, a)X o( xpövcfi xoXdoL VgL Dana. De Abr. 887, G. 89 M«) 

^W^gen sobelnt ea mir nicht, daas e« GbItb (a. a. O. 448 t) gelangen ad, 

>^Miehe Interpolationen in nnaerer Sohrift naobsnweiaen. Dasa wir eine 

■Me a. 2, 24 ansonebmen keinen Grand haben, ist schon 8. 281, 2 bemerirt 

^'•'ta« Ehanaowenig braacht 14, 7 (c6Xdyi)t«t ykp ^Xov 8i* oS yivfTtti 8ixma- 

^) efai a«f daa Kmos Chriati besttglichea Binaebiebael aa sein. In den Ztt- 

**aanenhang wenigstens paaat es gans gat: „selbst dem kleiasten Fabneng 

^vtiaaen die Menschen ihr Leben an, wie damala in der Plath die Hoffbnng 

^WeH in ein Fahrseag ihre Zoflacht nahm; denn der Segen raht anf dem 

B*be (nichts „gesegnet aaf daa Hola**), durch welches etwaa gates geschieht, 

v«6eoht ist dagegen daa xypoiwfaitov, daa Hob, ana welchem (nach 18, 11 H.) 

^ Q6lB«ibi]d gemaeht wird" — was ist hier am Zaaammenbang der Gedaa- 

^*a la venniaacD? Daae endHob 8, 18. 4, 1 ein christlicher Leser „daa 

^'•■»•aklester herciBbriage'', ist eine grandiose Behaoptaag, da vielmehr 

w aar dam al^diachen Vemrtheil Ton dem unbedingten Wertb des KinAsr- 

**Vias der Bats «ntgegangesiellt wird, Kinderlosigkeit mit Tugend sei mabr 

^^ ab dar Kiadcnciehtham dar GotÜosen. Wüede aber Aach der Ehe- 

^kflit aia aolahar to$ der Bhe der Tomg gegebeo, ao iat dieaa Ja noch 

ftÜMt masisnh ab chriatUch. - • 



^1U^ Bssener. 



3. Die Easeoer und Therapeuten >). 

Die merkwjbrdige Parfhei der Essener oder Essier ^ begcfsel 
uns snerst um die Mitte des zweiten Jahrhunderts als eine ron den 



l) lieber dieaelben: Bkllsrmaiix über £asfi!er and Therapeatea. Bedfa 
1S3I. GFBdABR Philo 11,280 ff. (18S1). Dahhb Darstellung d. jttdiseh-alezBBdr. 
ReligtonspfaUoaophie (1834) r, 489 ff. und die Ton ihm und Belkxmuni 
mhrta Altere Literatur. Derselbe in Brach und Graber's Eaoykl. Art. 
Seot, I, Bd. 88, 8. 178—193. An diese Vorgftnger sohloss sich meine Daietal- 
long iD der ersten Ausgabe des rorliegeciden Werkes aunftohst an. Der Wi- 
derspniieh, weloheu A. Bitscbi, (Ueber die Essener. Theol. Jahrb. XIV, 18M, 
6. ai4-^866> biegegen erhob, Teraalassto mich <ebd. XV, 401—486: «her 
Zusammenhang des Bssftismus mit dem Griechenthnm) und gleichaeiUg 
«oiA (die IrrMrer der Pastoralbriefe S. 38—- 60) an einer neuen Untemchoiig 
.des Oegenstwides , gegen welche Bitsorl d. Entstehung d. alckstb. Kirehe 
8. A. 499-^300 seine Ansteht aufinBchtbielt. Weitere ErBstenuigan Aber iea 
BseJUsmus bei Bwald Gesch. d. V. Isra«! 111, b, 419--436. £niss BuUrim ds 
ia IMologk ehräimne au niele apatoUfue 1, 132*- 181. Lottsbsbck Die ne«- 
tast. Lehrbegriffe I, STD M. HiLCBiurBLD JOdlsolie Apekalyptik- 34§ -- tt«, 
Ztsohr. f. wissenseh. Theol. III, 868 f. IX, 408; unter den JidisoheB Oelefarten 
bei Fbabul („dis Ifissaer, eine dkxne'' ia seiner Ztsehr. f. reL laleresesB 4m 
Jndenth, III, 441 ff.; «die Bssier nach Ulmudisohen i^uellen« in seiner Me- 
natssebrift II, 80 ff. 61 ffl >* ich habe mir beide rergebHoh sn ▼fieohalfaB 
gasneht); GktiTs Gesch. d. Jaden III, 79 ff. 466 ff., der sich gana an Ftamhel 
sa halten scheuü^ Jos« Qesoh. d. Judenth. I (1857), 207—814; 
Oeseh. d« V. Jismil II, 868 ff. 888 ff. 609 ff. Da die Ajisichlen aber den 
tkoeh weit anseinandei^^en, und da andererseits diese BrsoheiaaBg^ fsrade 
bei BMiner Aoffassnng derselben, nicht blos Ittr die BeligicBSgesobiebte ven 
dar hdohstan Wichtigkeit ist, sondern auch fiber die gleichseilige grieeliisehs 
Philosophie ein weiteres Licht Terbreitet» scheint es mir aogcmeseea, mm- 
Itthrlicher auf sie einsutreten« als durch ihren wissenschaltlioben Werth, 
diesen fVr sicl^ allein genommen, angeseigt wire. 

3) Der Nemo wird rerschieden gesebrisben: Pbii.o sagt ^Eeooües «^oea- 
F«as in der Begel '£<»i)vo> (Antt. XV, 10, 4 und B. J. I» 8, 6 hat nnser Test 
*£eea1oc, an beiden Stellen findet sieb aber anch 'fieei|ybf, B. J. li, M, 4. ill, 
9» 1 dagege» nar *fiee«2ec), Plim. h. nat. V, 17, 78 Jbssn«, Pobpb. De abeftla. 
IVy 11 £, wiewohl er sich im abrigen gana an Josephns kftlt, 'fieeo^ Hif^ 
jPObT». BeAit. h«r. IX, 1« ff. dagegen, bei gleicher Abhängigkeit v«b Jee., 
*6oai)veC Ueber die ebrabche Waraeldes Wories hat man rtel geraiheB; vyL 
Bau^aaMARB a. a. O. 6 ff. Ewald a. a. O. 43& Gnlm 468 f. ÜBBsrabi» §H l 
JBar4u> leitet es tob ^n in der Bedeutung , WaHer, DteMr, Ospoiciiyt^" her, 
GnJiirs Ton aram. aino baden (tf^nOM der Badende, -^(Mpo^einMd^» Bai^ 
LBBifAM, DipBB, llBBirBLD (a. B. O. uud B. 406) tt. A. v«n Miw heilsB: 



Erstes Vorlcoiamon. Quellen. 4W 

im HaBptoeklen der paläslinewschen Joden 0< Wettere rerein- 
jKÜe Sporea derselben finden «ch in der Folge wiedefbeltO; 
etwas genaueres erfahren wir aber erst aus der Zeit, welcher ihna 
Sehilderungea bei Phii.0 O9 und Josbphus entnpmmen sind , aus 
den ersten cbristlichen Jahrhundert. Gleichaßitig mit Josepbus 
j^dptkt der altere Puifius^), bald nachher Dio CmysosTOMv^O 
der Essener; die wenigen sonstigen Schriftsteller dagegen, die 
fOB ihnen berichten, sind nicht als seibändige Zeugen zu 
Mnebtea 0- 



Asrstia, oder nAoh Bell, „der i^easerung sich befletaaende", Hn^asraup 6« 373 
^on n|r^ eohAuen (■p^n » D'^Th die Seher), Jost & 207 too tCÖn =3 tVÜ^ 
«ckneigen (vgl. Jqs. Anit. 111. 7, 5, wo y^Tlt BrasUchild, X<J«9)y odet W- 
o^viK geschrieben wird), andere nooh sadess. Mein Freand und College 
Hnno theilt mir die Vermnthang mit, df r Name stamme Toa MQn ** ^^99 
(to» der Wnnel "»on corf/tt^er«, je« «<i Deum); im Pluml wflrda dieses im 
•Ist» ehsoL YPXl* ^^ *^^ empbat. M*^Q Unten; Ton Jenem harne *£emiv«!^, 
vsn diesem ^Eq9bü^l ChMidim nannte man bekanntlicb die Anhänger, das 
▼Iterlicben Geaetses wahrend der syriaohen Verfolgung. 

1) Joanne Antt. XIII, 5, 9 : xcta Sk t^ xP^vov ToStov Tptfc alp^o^ iwv 

'UtMm ^y die Pharisler, Saddaoäer und iSsaier. Oieae ZeU ist die dap 

Hnweniaga Jonathan (160— US r. Chr.). 

3) Bei Joa. B. J. I, 8, 5 weiaaagt ein Esaenefi Namena Jodaa, ein Pro- 
fhat, der aioh bei aeinen Vorheraagangen niemala get&nsoht habe, Tag ond 
Ort der Ermordung des Uaamonftera Antigonns (106 r. Chr.). Um dieaelbe 
2sit finden eich im Baoh Henooh AnkUtoge an easenische Lehren (rgl. KöaTua 
IWlJshrb. XV, 886). Joa. Antt. XV, 10, 5 yerhOndigt der Baseaer Mensr 
«Iwm, weleher gleiohfalla die Qabe der Weiasagong beaitat, dem Knaben 
Htiodaa seine künftige KÖnigswfirde und den ganaen Verlauf seiner Herr^ 
««M, später demselben als KGnig ihre Dauer. £bd. XVII, 12, 8 deuUt ein 
^littsr Essler, Simon, dem Archelaua den Traum, der seine Absetanng (6 n. 
(%r.) aakflndigte. 

8) Qi. omn« prob. üb. 876, C ff. H. U, 467 ff. M . und in dem Bmoh^ 
^Ask SOS seines Apologie für die Juden (wohl um 40 n. Chr.) bei Bus. pr» er. 
^llli 11. Die erste Ton diesen Behriften ititd awar von ObXti (a, ai O. 8, 484. 
^'(^)Pkilo abgesproehsn; dieses Urtheil ist Jedoob dureh die wenigen, ani 
^t wiegenden Qrftnde, anf die es gestütat wird, nicht t^q ferne geretht* 
hrtiic 

i) Die HaaptsteUe des Josephns Aber die Essier steht B. J. II, 8^ 
■UmI ikf iat die wiohtigate Antiquitt. XVIII, 1, 6. 
6) Hiat nat. V, 17, 78. 

4) Bei Bfvn. Dio i. 89 Pet. 

') Oiees gilt nicht allein von 6o^.iu, o. 88, welcher Plinioa aqssehiaib^ 



ifeM Essener. 

Was nmi an dieser Parthei zunächst in*s Ange ftlU , ist 
OEigenthümlichkeit ihrer Lebensweise and ihrer geseUschafUidien 
Binricbtttngen. Die Essener biMeten einen religiösen Yerm, 
'dessen Mitglieder sich um die Mitte des ersten Jahrhunderts n.Chr. 
auf Jnehr als viertausend beiiefen 0- Sie hatten ihre eigenen Prie- 
ster tttki Beamtet ^ und ihre eigenen Gemeindegerichte ^« Durch 



und Ton Pobphtb De abstiD. IV, 1 1 f., welcher der Sohildenuig 4|bs Joaepbva 
niohts eigenes beifügt, sondern auch Ton Hippolttus Refat. httres. IX, 18 ff., 
dessen Znsfttze zu Josephns, wie wir finden werden, nur willkührliohe und 
ntissverstllndUcbe Erweitemngen sind. Von Epipbas. werden H»r. 10 die 
'Kfsener nor Adehttg, als angebliob samaritanische Sekte, berUbrt; sdne 
^OwTff^ Httr. 19 sind eine jaden obrisUicbe Partbei. In Jtfdisoben Sobriftea 
'findet si«h niehts, was siob mit Sioberbeit attf die Essener beziebeo Uesse. 
fSjät Reibe soleber Yermeintlibber Besiebnngen hat HBBzmLn'a. a. O. 995 f. 
anrtokge wiesen. Br selbst Tömintbet die Esstter (mit Bbllvsmash 146 £ 
xk. A.) in den sog. Baitusim, seine Beweise scheinen mir aber niobt sehr bal- 
dig ; «m so weniger, da er selbst S. 878 t nachweist, dass die Baltiislm nicht 
selten anch mit den Baddncftern znsammengestellt werden. 
' 1) So Philo qn. omn. pr. 876, D (467) nnd Josbphüs übereinstimmend. 
Diese Uebereinstimmnog mit GbItz a. a. O. ans der Abhängigkeit der philo- 
nisohen Schrift von Josephns abzuleiten, wftre man nnr dann bereohtigt, wenn 
diese Abhängigkeit, nnd der sp&tere Ursprung jener Schrift ftberfaavpt, schon 
anderweitig dargetfaan wftre; so lange diese nicht geschehen ist, wird man 
sich dieselbe (wenn man nicht eine Benützung Phi!o*s durch Josephns an- 
nehmen will) einfach daraus zu erklAren haben, dass sich in dieser Beziehung 
in der Zwischenzeit zwischen den beiden Angaben nichts erhebliches geia- 
ilert batte ; keinenfalls aber wird man sie als Beweis für die ünlobtbaH der 
pbiloDischen Shbrift gebrauchen kennen. 

t) Der essftisehen ftp^ (deren Punktionen spftter zu berOhren sein wer- 
den) arwftbnt Jos. B. J. IT, 8, 6. Antt. XVIII, 1, 6; der Verwalter (licc(isXiita&, 
Ix^Tponoc, ansMixai icpoe^Scov, xotfiiai), wnlohe die Okonomiscben Angelegen- 
heileprder Gesellschaft zu besorgen hatten, Psilö b. Evs. ph e^. VlII, 11, 6. 
Jos. Antt a. a. O. B. J. 11, 8, 8. 5. 6; ebd. 4 die xi)$c|Atfvsc {^v.. Die Piieater 
wurden nach diesen Stellen gewählt, also nicht, wie die des bffentliebeii 
ICUltns, 'durch die Abstammung bestimmt; die Verwalter hatten unter ande- 
rem Jedem Mitglied der Qesellschaft seine Tagesarbeif anzuweisen. Da Anfl 
XVni, 1 y 6, wo, wie es scheint, alle Gesellsohaftsb6amte der Essener ange- 
geben werden sollen, nur diese zwei Klassen gensnnt sind, so haben wir wohl 
auch bei den xpatoSvtec oder etpx^xK, denen der Neuaufzunebmende Gehor- 
sam geloben musste (B. J. II, 8, 7), nur an sie zu cTenken. 

8) Jos« B. J. II, 8, 9 : 8cx«Cou9t (uv odx ^&ttou< tC&v ixatdv euviXttdvtic. 
Diebe Ctoriefale müssen nach unserer Stelle selbst die Todesstrafe Teiblagt 



OesellBohftftL.Binfiiehtiiogen. 1|87 

eine ijchroff «nsgeprigfle bwarciiische GUedvning . ilM'er Gesell- 
adiaflO) durch strenge Ordenszacht*)» UBai&nderliche Lehr- 
öberliefening '^ und schaoerlicbe Einweihongseide ^) zusammeo- 
gehalten, gestatteten sie keinem Fremdea einen Einblick, in ihre 
Bui^esgekeininiwe ^X Weitere Bärgschafleo für die Reinhaftung 
der Verbindung lagen in der Prüfung der neueintretendea Mitglie-* 
der durch ein dreijähriges Noviziat, zu dem auch nur Männer 
reifen Alters zugelassen wi^rdenO» und in d^ Ausschliesfung 
aoleher, die sich schwerere Verfehlungen zu Schulden kommen 
liessen ''). Je strenger sie sich aber gegen aussen abschlössen, um 



lialMn; wobei es' siob froilioh fragt, inwieweit diees uater rGnboher fticr* 
■efaaft «asfBkrbiur war. 

1) A. a. O. 10: StiJ^vrai tk xara ^övov ti|< i9K^<7tfa^ th (M{pa( ttfoaop««' 
xA TooouTov o( {i£Ta*fev^aTEpo( (d. b. die später eingetretenen) TciW 9CpOY«vcot/pwv 
iXaxtc&noAf Aerc «2 <|»on{oetav oOtcSv Ixt^vou^ ^oXo(5eeOa( xaS^Tctp ^IXXofUXcfi 

%) MmIi Job. ». •. O. 9 waren sie gewiiaenbaft and nnerbittlieh Ibat in 
ihren Urtheilen ; Unterordnang nnter die npeaßÜTspoi und die icXt(ovc( galt bei 
ilmen ala Grondaats ; in ihrem Einweihnngseid maesten aie (ebd. 7) geloben : 
T^ jctoTov ÜL )cap^(v Tcaai, {v^iora hl x^ xpaTouatv * (womit, wie man aus dem 
folgenden siebt, nieht die Obrigkeiten flberbaapt^ sondern die Ordenaoberen 
gonelnt aind ;) od y^ip dt^« Oceu ictptYlvceOaf ttvi Tb «px^^v« 

8) Jos. a. a. O. : Bei ihrer Aufnahme in den Orden yerspracben die Es- 
sener unter anderem: pii]Sfv\ (aia^otivat toSv So^ifc^trcov ix^p«»«, 9) «oc adxbc {m- 
-cAaPcv. 

4) Joe. a. a. O.: icp\y hk t^( xotv^C St|»ao6a( Tpo^$, Spxou^ «ötoI^ epivue« 
fpuu&dcK o. ik w. Für wie heilig dieser Eid galt, siebt man daraus, dass 
(ebd. 8} selbst ausgeschlossene Mitglieder nieht selten lieber au Grunde gien- . 
gen, ala dass sie ihn durch den Genuas einer durah denselben untersagten 
Hahmng. Terletit hfttten. Nun musa man freilich fragen , wie die Esaener 
fibren liitgHedem solche Eide abnehmen konnten, wenn sie doch (s. u.) den 
Eid flberbaupt für unerlaubt hielten. Wahrscheinlich fanden sie sieh aber 
mit dieaem Verbot in derselben Weise ab, wie diess Ton ihren christlichen 
Naehkommen, den Ebjoniteni in der AiapiapTupfa 'laxwßov Tor den clementini- 
sehen Homilien geschieht, indem die Form des Eides mit der einer blossen 
Zeagenanmfnng rertauacht wurde. 

6) A. a. O. 7: Der neu aufzunehmende musste schwören: |ai{t6 xpj^siy ti 
tol< alprrioT^i^, |i9[Ts IWpott aOtuv ü (jii]vüoecv, x&v (u^pt Oav&Tou tk pi^^iixat,.- 
Insbesondere sollten die Schriften der Parthei und die Namen der Engel ge- 
bdmgehalten werden. 

6) Joa. a. a« O. 7. Philo b. Eus. pr. er. VIII, 11, 2. 

7) Jos. a. a. O. 8. 



go inniger war die T^fbindtttig^ der Ordensbrftd^r unter ehiander: 
es sollte nicht allein keiner voi* dem andern ein Gelieinniisar 
haben '}', sondern es sollte auch keiner ein Prirateigenthiim be- 
sitzen : die Bssener lebten in klösterlichen Vereinen nnt voll- 
slflndiger Ofitergemeinsohaft ; in jedem Verein Boss das Vermdgpeii 
wie der Erwerb der sämmtlichen Hitglieder in eine gemeinsaote 
Hasse, und aus dieser wurden alle Bedürfnisse der Einzelnen und 
der Gesellsolraft bestritten; ebenso wurde für die kranken, die 
a-ltersschwachen und die durchreisenden Vereinsgenossen tob der 
Gemeinde gesorgt ^). Ihre Beschäftigung bestand überwiegend in 
Landbau und Viehzucht; von Gewerben trieben sie nur solche, 
welche weder dem Krieg noch der Ueppigkeit dienten ^>. Sehe» 
hiemit war es gegeben , dass sie vorzugsweise auf dem Lande leb* 
ten; sie liebten aber auch überhaupt die Einsamkeit, und eine 
ihrer bedeutendsten Niederlassungen befand sich in den Palmen- 
wäldern am westlichen Ufer des todten Meeres; indessen halten 
sie Mcfa in manchen Städten ihre Ordensbäuser^). In streng 



1) Vgl. S. 287, 6. 

8) Philo b. Eus. VlII, 11, 3: otxoCtft 8* ^v TaSrß, xottoc Oiavou^ Itaipiftc )ta& 
ovtaoltia ffoioi5(JLfiV0(. ebd. 6: oT S' SfioBfattot xot ^^xoTp^Tti^ot xaO' ix&9Ti]v f^fi^ipav 
(M. qn. omii. pr. 878, A (468): o5^evb( oUia -d^ Ittiv ld(a, ^v oO^) ic&vtwv cTmi 
oufxß^Yjxc, ffpb( Y^P '^"^ ^^"^^ Occtoou; m>voix^v $n%niinaxcu xa\ t^( fWpcudcv IfOb- 
vou(xi90t( T<3v 6(JLoCi{Xiov . . . xb y«P 6(i(Dp6f lov ^ 6(io${atTov 3| SfMTp^cCov oCx sv 
Tt( ct^poi :cap* lt^po(( ipfta ßeßaior^pLcvov. Ueber ihre SyRsitien Jos. B. J. TT, S, 6. 

8) Philo b. Bes. VIII, 11, 8. 5—7. qn. omn. pr. 878, A (458) ff. Jos. B. 
J. II, 8, 8 f. Antt XVin, 1,5. Za dieser Gdtergemeinsohaft gehört pä^ dmu 
•ie k«Sn Geld hatten (Plim. a. a. O. Pbilo qn. omti. pr. 876, E) und unter tbt- 
ander keinen Handel trieben, sondern das, was sie branobten, Ton einander 
entweder eintattsohten oder geschenkt bekamen (Jos. B. J. 11, 8, 4). 

4) Philo b. Eüs. VIII, 11, 4: sie trieben Landbaa, Viebsiioht, Bienen* 
sacht j oXXot 81 8i](AtoupYo\ toSv xata i^vo« thbi. Ders. qa. omn. pr. 876, B f. 
(457) : o! \ih y«wäovöOvts; ot 81 i^va^ (jlsti^vts? S^ai auvcpffrnie« s^IjVY); lauxotfe 
TS %di Tob< 7cXr|9(Ä(ovTtt; (^^sXoCvtv. Es gebe bei ihnen Iceine Waifensehmide 
u. s. w., ebensowenig Kaufleute, Wirthe, Schiffslente, überhaupt auch ron 
den friedlichen Gewerben keine Saa eOöXiaOa c?( xax{av. Jos. Antt. a. a. O.: to 
9r3v ffovifv Irii ftf^yla TstpapL[jL/voi, doch erwähnt anch er B. J. 11, 8, 6 der r^v« 
l< fxaotoi Tdaotv. 

^ 8) Die Angaben unserer Quellen lauten awar hier nicht gans fiberein- 
stimmend. Bei Eus. VIII, 11, 1 sagt Philo: o!xo89i hl noXXac (ikv nOai^ t9|c 
1ow8«{a{, noXXdiC 81 x(/>(jLdc xa\ {acy^ou« xa\ noXuo(vOp<&ffou( ((lOCou; (welche» 
letitere hier, im Unterschied von n6Xi^ und x«&p.Y), die yereinselten Ansiad- 



OeielltohAftl Eiar|ohtiingdii. 9W 

gmiptor Tafeflordniuig war ibr Leben swischen Arbeit, goltes^ 
dietftlicben üebmngen and Werken der Menscbenliebe getheOt ^]L 
b ibren GrondsiUeB und ibrem Verbalten zeicbneten sie §icb 



Insgen dar Essener, die eiosam liegenden Klöater derselben, bezeichnen wird). 
Dagegen sagt Derselbe qu. omn. pr. 876, D (457): xu)jjL7)8bv olxoZoi ti^'jcöXit« 
inpcx^ftfvet 8ia Ta^ Ttov fCoXiteuofx^tov x.£tpoi{d£i{ avo|iiac, und damit stimmt 
Ptfi. a. a. O. flbertrin, wenn er sagt: «5 otfekisnfe 2£eora (des todten Meers) 
A»mfii§imU u§fue qua nocentf gvM §ola et in tvto 9rhe prealer ceier^ mirQf. 
mmwäa/tminaf omni venere abdieata, »inepwunia, ßoeia palmanmf aufdie- 
MÜie Niederlassnng bezieht sich, was SrsEs. Dio B. 89 ans Dio Chrysosfornui 
infllbrt: Iti xa\ tou^ 'Eaoijvou; ^Tcaiv^ tioo, n6Xiy SXtjv si38a{[AOva t^v «apa tö vix- 
f^ 6^ tt tfj (icvoYsfa t9j< naXat(9tfv7)c xet|jL^inf];v noLp* aM Ttou toc £^(Aft. Bef 
Joi. B. J. II, 8, 4 hinwiederum hcisst es : (x(a Bl o6x loTtv aCTwv fföX((, oXX* hf 
b^ xoTOcxolJtfi 9CoXXo£, und in den 8. 235, 1 angeführten Erzählungen treffen 
wir E ssls r in Jerusaleai. Von eineai dortigen Ordenshaus soiielnt das Esse- 
MHhsr (Jos. B. J. y,4,2) seinen Namen bekommen su haben« Indessen haben - 
disN Abweicbvngen doch sohwerlioh mehr auf sich, als die Tor. Anm. enge* 
MirtSB in Betreff ihrer BesohRftignng (wenn Philo hier allgemein sagt: t^ 
«An; &tpc^ö(uvoc , so sagt dort Josephus nicht minder allgemein : tb 9c«f 
^^nty lA ysMpY^ tttp«fifi^ot) ; und wie sich jene dnroh die Annahme ans- 
SMisn, der Laodban sei zwar nicht ihre einzige^ aber ihre Lieblingsbe- 
*^b^gttng gewesen, so werden sieh diese in der oben angedeuteten Weise . 
darsl die Annahme ausgleiehen lassen, dass Bt^ die St&dte zwar nicht glni- 
Kek remiecien, aber im Dorchsehnitt das Landiel>en und die Einsamkeit 
▼M«sgsn. Dagegen widerspricht nicht allein diese Stelle, sondern noob he- 
itimmter die des Josbfbus B. J. IT, 8, 4 (wo man die ixiteri) ftöXic, wenn siob. 
Jti. Mbi ganz annatftrlich und unTerstlndlioh ausgedrflokt haben soll, nur 
^ die paMstinensieben Sittdte tiberbaupt beziehen kann) der Annabme Hil- 
•imf.n's (JAd. Apokaljptik 869), dass die Essener ihre eigenen, nur Ton 
^(^glielsra ihres Ordens bewohnten Städte gehabt haben, wie sich denn aneh 
°-M^ diese Ordens atl die aolbrt wieder in „ Ortschaften*', einsohliessUcb 
^ TOS Pltniiis erwähnten Ntederlassangen in der Einöde, yerwaadeln. Wie 
kittn saeb 4000 nnTorfaeirathete If&nner, von denen Jedenfalls ein beträoht- 
^^^»t wahrseheinlich der grössere Theil, auf dem Land lebte, selbst ÜoTiaen 
^ Adoptivkittder mitgerechnet, Tiele Städte ausfällen können? Das tc^X«« 
^^^^ sbooet bni Philo wird daher, nach bekanntem Bpraobgebrauch, das- 
"^ hsdeuten, wie das tv Ix^otj!) ii6ku xotoMoSai bei Josephus (welches 
HitrsLTT. Esfat. IX, 20 richtig durch (Aiiocx^ot erklärt): es wohnen in 
^i^bs Btädten Eeeener, und wenn Jos. B. J. II, 8, 4 Yon icdXetc toG t&yiuccof 
'^^ 10 werden damit nicht reine Essenerstädte gemeint sein, sondern eine 
**^ v»6 drfiMRo^ konnte Jede genannt werden, in der ein Essenerrerein war. , 

1) M. Tgl« die Besehreibung ihrer Lebensordnung hei Jos. B. J. II, 8, 5» 
^ ^Mft sbd. 6 t täiY inkv oSy rXXiüv odx iuxv* h xt (ij) twv ^}C(|uXi2TcSv xpocT»- 
v**^ ^vfpyeQot* äiSo tk Tauxa nop* abtöte atJ-K^oüata, &cuioi»p(a |ia\ {X«>i u. s. w. 



durch Bedfirfnisdosigköfl, Sftleareinbett , »Irengfe Gereohügki^ 
•chrankeidose WohltMtigkeit aus. Sie beobacktetea nicht Mos 
in Nabrang und Kleidung die höchste Einfachheit 9 sohd^rn a» 
hielten die sinnliche Lust überhaupt für sundhaft, und forderten 
desshalb Enthaltsamkeit und möglichste Beschränkung der Bedürf- 
nisse 0* Selbst ihre Haltung und Geberde trug das Geprige einer 
tegstlichen Sittsamkeit '). Höchst gewissenhaft waren sie femer 
in der Erfüllung ihrer Pflichten gegen andere; ebeneo aber MMh 
streng im Gericht und unerbittliche Feinde altes Unrechts^)* Ate 
eine der heiligsten Pflichten betrachteten sie die der Wahrlinflig- 
keit; gerade desshalb aber verwarfen sie den Eid^); ein weiterer 



1) Jos. B^ J. II, 8, 4. 6. Philo b. Eua. pr. ev. VIII, U, 6: Ihr liaU U- 
stand ans Einem Gevicht, ihre Kleidang (wie aua der Stalle Pbilo*a und das 
antapreeliendeii Sitte der Therapeuten und Ehjoniten herTorgeht) aus 
•tuigen aohUchten Qe wände; Kleider und Sobahe worden bis aufa 
abgetragen. 

2) B. J. II, 8, 2 : oStot xac p^ ifiwooi b»( xax(«v axeotp^ToyTou, xi^t tt if- 
xp^Tüftv x«n tb |i.^ Ttft( ic&Oeotv öiconixtstv &peri)v 6icoXa(iLß^ivoua(. Philo a. a. O*: 
2Xr]fodf{ac i^Tuk^ KokmxiXiton (o( ^v/r^^ xa\ 9ci>(taT0< vöoov ^xTpcicö|4fvou 

8) Jos. a. a. O. 4 : xataaroXJj ^ xa\ aj(Ti\i» aa>(i«roc SfJioioy xots |UTat f^ßo» 
n«i8apiYeo(iivoc< icqkoIv — ein kleiner Zag, aber beieiehnend für eine t«d die- 
sen weltsobeaen Partbeien, welche ja immer die Äussere Evscheimiag derFkem- 
migkeit und die Unifermitat dieser Erscheinung au fiberscb&tsen pflegen. 

4) Jos. a. a« O. 7: Bei der Auftiahae schworen sie onter anderem: ta 
ffpb< avOfx&JCOu« ^(xttca foXa^cv n. s. w. |uoiiottv 8^ iA toIk «ft^ouc xdL owcy«»- 
• vcitdiat teTfc Stxaiou. Bbd. 9 t ictp\ 81 t^ xpiott« ixpiß^stonoi xa\ Ummü, In der 
ersten ron diesen Stellen setst Hippoltt. Beftit. IX, 28, der sie im flbrigea 
sinngetreu wiedergiebt, statt der Worte: jueijoiw xo^ ä86c«iK: uRMw U 
\ jAiIti iSixoOvT« jxifTS Ix^pbv {itaijostv, itpe^ctfx««^«' * ^'^ «4töt«, d. h. er oder 

seine Quelle setst das jfldiscbe in*s christliche, das easenisohe Sn*a ebjeiii- 

tische um. 
I 5) Schon Philo qu. o. pr. 877, E (468) nennt unter den Beweisen ihrer 

Frömmigkeit (toÖ ^tXoe^ou Mf\iJ9xa) x6 ÄvcijiOTov, t^ i^iMo, Bestfanmier Jos. 
B. J. n, 8, 6: xa\ tcSv jikv Tb prfih 6w' «ötöv loxup^tspov ßpxou- t« 9k ^Wsw 
CE^T^C ÄepiCotaTai [wohl : fiepttasavT«, sie Termeideii, ebne «diißg, das in Bioera 
Cod. fehlt] x«P^^ '^ "^5 Iniopxia« 6i«oXafji§&vovtic. ^8ii 7«^? ^^ W i««r»«**» 
f «o^ Tov i7ui(Jtoi5{ACVOv 8(x« Oeo(>* B^^- 7 : Der Anfna\meeid der Essener ent- 
hielt unter anderem das Versprechen, 'djv ^i|6ccav i^mxBt iA *A tob« ifcufte* 
|jivov« ^TX^tv 9cpop&XXEo6ai. Dass die Ebjoniten den Eid verwarfen, ist be- 
kanttt. Inwiefern trotidem bei der Aufnahme in den Bund ein Eid mfiglioh 
war, Ist S. 287, 4 erörtert 



Verfaftlten. S4I 

Qnmi diAr mag darin gelegen haben, dass sie sieb schenten, 
die Gotdieil durch denselben in die weltlichen Angelegenheiten 
kenbnxiehen. Ihre Standbaftigkeit und Todesrerachtnng be- 
wihrten sie in dem jüdischen Kriege, in dem viele yoiI ihnen als 
Mirtyrer ihres Glaubens das fiusserste freudig erduldeten 0- Wenn 
lie endlich mit ihren Ordensbrfidern aufs innigste rerbunden wa- 
nbF), so dehnten sie zugleich ihre Fürsorge und Mildthätigkeit auf 
alle Menschen ohne Unterschied aus *) ; und wenn allerdings schon 
MBche Tor ihnen die Gleichheit und Verwandtschaft aller Men- 
idieB gelehrt hatten , sind sie doch, so viel wir wissen, die ersten, 
welche die Sklaverei nicht allein grundsätzlich verwarfen, sondern 
•«dl diatsichlieh aus ihrem Gemeinwesen ausschlössen. *) 

Mit diesen sittlichen Grundsfitzen finden wir aber bei ihnen 
tvgleich eine Reihe von Enthaltungen und Gebräuchen verbunden, 
nit denen sie unter ihren Volksgenossen ganz einzig dastehen, 
Sie selbst zwar wollten nichts anderes sein , als achte Juden: die 
Riehtschnur ihres Glaubens wie ihres Verhaltens sollte das 
■ionische Gesetz sein, welches sie nach der Sitte ihres Volkes 
Jeden Sabbath in ihren Synagogen vorlasen und erklärten ^); 
gegen den Verkündiger des Gesetzes hegten sie eine solche Ver- 
dtrong, dass eine Schmähung desselben bei ihnen mit dem Tode, 



1) Joi. B. J. II, 8, 10. Frflher hattea sie nach Philo qn. omn. pr. 878, C 
(tfS) «mb TOB den •eUimiiiBten Tyrannen nichts in leiden gehabt Von He- 
Ndat d. Or. Witten wir anch ans Jos. Antiqnitt XV, 10, 4, daei er ihnen 
l^wlgt war. 

S) B. 0. and Joa. B. J. II, 8, 2 f.: 9(X&XXi)Xoc Bl xA tßv jOLXmv [ee. *Iou- 
^dm] xidoN , . . 6at»(A&9iov icetp* adt6ic xb xocveoyifrtxöv. Ebenso wird Antiqnitt. 
XVni, 1, b am der GUtergemeinsohaft willen ihre gana einaige Gereohtfgkelt 
lirthmt 

S) 8. 0. 289, 1. 

4) Joe. Antiqn. a. a. O.: xo^ o5xb ^aa^uxhi ttc&Y^vrai, o6ti 8o<{Xii»v jictti)- 
^■'«Mi xtijeiv, Tb |aW (die Shlarerei) %U aBcx{av f^stv 6icciXi)^dtc<, Tb tA (die 
^) oi&ocia« jv8i8^v«t xobjetv. Pbilo qn. om. pr. 877, A (457) : 8oCXtf< Tt nap* 
"^ M cCc ^env, iXX* AiiSOspot niemg ^OvjcoupfoCvTi« iXXipioc(' xaTaY(v<&»- 
"^ Ti T^ 8f9JC0Tiwv od ^vov fof i8(x(i>v, iot^Ta Xu|iacvo(jLtfvfi0v, oXXdi luä iSk 
*>iPfi>y, lie|Abv f doMH ^aif otWniiv, 4 )C^>< h^koUd^ . . . J)« idtXfob« YVv|o(e«K • • • 

5) Pano qo. omn. pr. 877, C (468). 

VMloi. 4. CIr. m. Bd. f. AMh. 16 



d^.S^i^fe d«r Gottedasterung , bedroht wiurO. Auch imok- 
Str^Qge der Sabbathsfeier zeichneten aie sich ans '} ; und ifpn Na- 
tionalheili^bum in Jerusalem bezeugten aie durch Weibgeaohe»lie' 
ihre Ehrfurcht ')• Bei der Erhebung ihres Volkes gegen dteRöMar 
waren auch die Essener betheiligt, und für das Gesetz ihrer Viler 
wussten auch sie zu sterben ^j. Aber Yon der herrschenden jadi- 
schen Sitte und Denkweise wichen sie nichtedestoweniger weit s^ 
An den Opfern, welche den Hittelpunkt des nationalen Oottesdiea«- 
stes bildeten, nahmen sie nicht theii^; wie Josephvs sagt, weil- 
sie ihren eigenen Weihen höheren Werth beilegten, in Wahrheit 
ohne Zweifel , weil sie es für unerlaubt hielten , Thiere zu todleii 
und zu verzehren 0; und desshalb war ihnen, wenigstens in dor 
späteren Zeit, der Zutritt zum Tempel verwehrt^). Sie entUelteii 



1) Jofl. B, J. Ily 8, 9: 9^0« 81 (liyi^ov xoep* oeötöic |Ut& ibv ikhf vi ha^ 

2) Jo«. ». a, 0«, naolk dem diese Streoge so weit gieag, daae m# mb 8bI»- 
bath nlobt allein keine Arbeit eu besorgen und kein Feiier ansQsilndeOy son- 
dern selbst kein Gerätbe in die Hand sa nebmen, Ja nicbt einmal ibr« Notb- 
dnrft fisn verrieb ten wagten. 

8) Jos. Antiqn. XVIII, I, 6. 

4> & 0. 241, 1 and Joe. B. J. II, SO, 4. Ul, S, 1, wo wä EssSar JohaUMS 
als aasgeseicbneter Feldborr vorkommt Dass Creilicb Hipfolxt. Kefat. U, 
26, trots dem S. 240, 4 angefübrten, die Zeloten und Sicarier sn Eaaenera 
macbi, ist nur ein Beweis seiner NachlSssigkeit. 

5) Philo qa. omn. pr. 876, D (457): sie dienen Qott, oC 1^^ naxtM' 
ovXK, otXX' Uponpc7Cfi( xcc iauxeav Siavo^a^ xaxaaxsuoCstv ^(^loSvxiC. Jos. Aatt. 
XVm, 1, 5: 6uo{ac oux inixcXouot ^la^opöxijxt ayveto^v ^ vo(ai7^occv, act^ 8c* «dts 
E?pY^vo( xoü xoivou X8(uv{opLaxoc £9* a6xc5v xac OvaCa^ ^txsXouai. 

6) Dass diess ilu* eigentlicber Qrund war, mOssen wir scbon desshalb 
annehmen, weil man nicbt siebt, aus welcbem andern sie ibren ebenen got* 
tesdienstliohen Uebungen vor den im Gesets so bestimmt vorgeschricbanaa 
nicbt allein den Vorzng gegeben, sondern diese gani unterlassen haben soUtea. 
Bestimmter erbellt es daraus, dass sie auch bei ihrer eigenen OotlesTeiehfiug 
sich der Tbieropfer enthielten, und überhaupt kein Fleisoh asseo; s. 8.a4StU 

7) Vgl. vorl. Anm. Dieses Verbot scheint indessen erst der splteran 
(aber yielleicbt immerbin scbon der vorchristlichen) Zeit anaQgeh5r«B, und 
so überhaupt das VerhAltniss der Essener su den herrschenden Partheies an- 
fangs weniger gespannt gewesen zu sein: in der 8. 236, 2 berührten Biralli* 
lung des Josephos Aber den EssAer Judas treffen wir diesen mit seinaa Sohfl« 
lern im Tempel. 



Lebemiriiie; Aioese« 1t4M 

ttA ies Fleisches Ol ^d ohne Zweifel auch des Weines 0; ja es 
wirea ihnen ftberhaupt alle Speisen nntersagt, welche von andern, 
ak Ordensgenofisen, und anders, als nach den Ordensregeln berei- 
tet waren ^. Ke verwarfen femer das eheliche Leben und alle 



1) Es folgt diest, wie ich sohoD TheoL Jahrb. XV, 419 f. geseigt hah% 
ntbeo der innereii Consequenz der Bache and dem umstand, daas mit dem 
TiAot der ThMropfer sonst fiberall da« des Fleisohgennsses Hand in Hand 
fdit, ins der später nacbsaweisenden Bitte der Therapeuten, namentlich aber 
t« der der ohristlicben Essener, der Ebjoniten, für welche ich a. a. 0. die 
■ihersn Belege gegeben habe. Anch Porpbtr a. a. O. kann den Bericht des 
Jonphns aber die Essener kanm ans einem anderen Omnde in seine Schrift 
Ih t MnmuU aufgenommen haben , als weil er bei ihnen wirklich die von 
ibi forderte Enthaltung rem Fleisch fand, nnd er selbst deutet diess an, 
woiB er am Bcbluss c. 18 sagt: totolho (ilv xb twv *E99a£ci>v icopdi tot; *lou8a{o((' 
^ki\fM. %Sd i(t |A^|V dbci)Y6pcuto ulb^ MUw u. s. w. Gewisse Arten Ton Fleisch 
iM aUen, den Essleni ist das Fleisch Oberhaupt rerboten. 

8) Wie wir gleichfalls aus dem Vorgang der Therapeuten und Ebjoiiitett 
(on der Orphiker und Pythagoreer hier noch nicht su erwtthnen) sehlienen 
vinen. Von Jenen wird diess später nachgewiesen werden; diese betreffend 
vgl m. PAU1.US ROm. 14, 31. Hsobsipp. b. Eus. K. Gesch. ü, 38, 6. Clement. 
Hbafl. XIV, 1. XV, 7. Epipbax. H»r. 80, 16. Schwbolsb Montanitmus 119 f. 
Bivi Paulus 9. A. I, 882. 

B) Joe. B. J. n, 8, 8 : Wer aus dem Esseneryerein ausgeschlossen wird, 

gshft oft elend stt Grunde. td!t yj^ 5pxot( xa"^ Tdt( Klsacv hiMz^o^ Ml Tf|^ 

np& Tdtc oXXotc tpo^llc 8tW«Tat (lETaXajißovstv, ffOTj^aYcov 9k xa\ XtfUj^ to 9«S(Aa 

tipc6(iivo( 8ta^6t{f>Ra(. Hieraus erhellt un widersprechlieh, dass bei den Esse- 

Mn Jede Ton andern, als Ordensgenossen, bereitete Nahrung aufs strengste 

tKptot war. Den Grund dieses Verbots suchte Ritscrl Theol. Jahrb. XIV, 

iM t darin, dase dieselben nur Gott dargebrachte, d. h. Opferspeisen haben 

fnissssB wollen, und er berief sieh fttr diese Ansicht auf Jos. Antt XVUI, 

If hl bpilt ti [xeipotev6Qvi] 8t3t irofvjetv ahw tt xtt\ pptü(&itTuv, indem er 4co<9}ot( 

■H .Opferung* fibersetste. Wiewohl aber Hilossfbld Jfid. Apokal. 370 

ttaurBridipung beigetreten ist, muss ich doch gegen /a|e wiederholen, was 

lA sehen Th. Jabrbb. XV, 414 bemerkt habe, und was Ritschl selbst in* 

iwiicheB anerkannt hat (Entst d. altkath. K. 2. A. 181): dass icoitftv swar ab- 

wltt gBeetstmter Umstanden so Tiel bedeuten kann, als 6uo{av icottftv, dass 

* ^^rV«B diese Bedeutung taiemals hat, wenn ein ObJektsaccusaüT, wie 

*^i dabei stahl^ und dass das Substantir icodjeic flberhaupt nie, am wenig- 

>(«D aber mit einoB Genitir des Objekts, wie 9(tou, rerbunden, „Opferung** 

^w ti sL EbettiO muss loh aber auch dabei beharren, dass 'nach B, J. 11, 8, 8 

Mt ils niehtgeöpferten Speisen, sondern die unreinen Speisen dem Esse* 

^ionb ieiaen Eid verboten waren, denn die wildwachsenden Nehrungs- 

■tttd, mit denen die aoigestoisenen ihr Leben fristeten, waren anoh keine 



^ 



944 Essener. 

m 

Gesohleohtslnst überhaupt, und duldeten keine Frauen in ilmn 
Vereinen, wenn sie auch fremde Kinder annahmen und aufEOgen Ot 
nur eine Minderheit kann es gewesen sein, welche die Ehe als un- 
entbehrlich für die Erhaltung der menschlichen Gattung beibehieU *); 
auch diese suchten ihr aber ihren sinnlichen Charakter möglichst 
zu nehmen, indem sie sie streng auf den Zweck der Fortpflanzung 
beschränkten' '3; die Frauen nahmen bei ihnen an der essenisch^ 
Lebensweise gleichfalls theil ^). Sorgsame Wahrung der SchnoK 
haftigkeit -war vorgeschrieben ^). Das Salböl war verpönt, weil^ 



Opferspeisen. Für unrein galt aber den Essenern , bei denen selbst die Be- 
rflbrang der Ordeosgenossen eines niedrigeren Grades reranreinigte (•• o. 
287, 1), Jeder, der nicht sn ihrem Orden gehörte, in ähnlicher Weise, wie 
den Jaden Überhanpt alle Niohtjaden für unrein galten ; so wenig daher der 
Jude mit dem Heiden su Tische sass, oder bei ihm etwas genoss, so wenig 
durfte diess der Essener bei dem Nicbtessener thun. Dass die Priester svr 
xoli^aic o(tou nSthig yaren, während es doch eigene Bitoker und Ktebe gab 
(Jos. n. J. II, 8, 6J*, macht keine Schwierigkeit: das Kochen und Baokan war 
freilich nioht ihr Gesch&ft, aber es durfte nicht ohne gewisse Gebete und Cft- 
rimonien geschehen, die nur Ton ihnen rerrichtet werden konnten. 

1) Philo b. Eüs. VIII, 11, 8 c 'Eoeotfcov yap oOdiU kyst« pvatxa. Jos« Bl 
J. n, 8, i. Autt. XVIII, 1, 6. Plxh. s. o. 288, 5. 

2) Jos. B. J. II, 8, 18. Dass diese rerbeiratbeten Bssier nur eine klei- 
nere Absweigung der Parthei bildeten, und dass die Duldung der Bhe Im 
ihnen nur ein -dem praktischen Bedürfnis s gemachtes Zugestladniss laü^ aiebi 
man deutlich aus der Art, wie Josephus Ton ihnen spricht, und aus dem Um* 
stand, dass ihrer nur an unserer Stelle erwfthnt, sonst aber die Eheloeigkeil 
den Essenern gans allgemein beigelegt wird. Es ist daher schief, weut 
BiTscHL (Entst* d. altk. Kirche 186) die principielle Bedeutung der EMeMlf» 
keit für die Essener dessbalb besweifelt, weil doch ein Theil denelben is der 
Ehe gelebt habe; und es ist eine starke Uebertreibuag, wenn er da« letstet« 
Ton der „Hilfte der Sekte*' behauptet 

8) Nur solche durften geheiratbet werden, Ton denen man aioh übef^ 
seugt hielt, dass sie Kinder gebftren können; Schwangere durften nleht mehr 
berührt werden. 

4) Sie hatten Tor der Verheirathung eine dreyitbrige Probeaeit an be- 
stehen; da femer Jos. a. a. 0. der essenisohen Bider auch bei ibaeii «aa- 
drücklicb erwähnt, ist au rermuthen, dass sie überhaupt unter der glaiobea 
Begel standen, wie die männlichen Mitglieder des Bundest 

6) Bei ihren heiligen Bftdem hatten die Mtnner eine leiaena Sohftne^ 
welohe an diesem Behufe gleich den NoTisen gereicht wurde» dia Pk«tten dar 
Terbeiratbeten Essener ein gaases Gewand ansulegen; Jos. B. J. II, % 6. 
7. 18. 



Lebeasweise; Asoei e^ Reinigangen. 1^45 

0idi fcin Gebranch mit der Einfachheit des essenischen Lebens 
mcht CO vertragen schien 0* Alles unreife wurde mit peinlicher 
Aengstlichkeit verborgen , und sofern seine Berührung nicht zu 
Yermeiden war, machte sie eine religiöse Reinigung nöthig ^. Ein 
Zeichen ihrer inneren Reinheit sollte ohne Zweifel die weisse Klei-^ 
dang der Essener sein ; bei den gottesdiienstlichen Yerrichtungen 
durfte, wie es scheint , keine Wolle, sondern nur Leinwand getra- 
gen werden ^. Von der höchsten Wichtigkeit waren endlich den 



1) Jof« a. a. O. 8: xy^XIS« (B«fl«oknng) dl önoXotfiß^ouai xt) IXatov, xSv 
DUfH TK «xwv, 9|jLi[x8T«t tb 9^^* tb yop ad^F^v 2v xaX(j^ -ri^evtai Xeux»piov^ 
« Scoxavt^. DaM diese Abneignng gegen das Balböi den angegebenen Qiund 
bit, deotot Job. sebr bestimmt an, wenn er sie mit ihrer Vorliebe fttr das 
sd^yUfv moürirt Das Salben gehörte bei Juden (vgl. Ps. 28, 6. 45, 8. Kobel. 
f, 8. Dan. 10, 3. Am. 6, 6. Lac. 7, 46) und Qriecben (Aristoph. Wölk. 828 f. 
tri u. a. Bt.) zum WobUeben, ebenso, wie die warmen Bftder, bei denen man 
fldl eben mft Salben einsnreiben pflegte. (Hermanm Grieeh. AntiqnitKten Ilt, 
|.28, 26 IT. Vgl. auch Abistoph. a. a. O. 828 f. 985. 1089 f. Plato 6yxnp. 
1T4, A). Die Essener entbleiten sich ohne Zweifel auch der letzteren. Jo- 
lepbos selbst giebt diess zu rerstehen, wenn er i(. a. 0. §. 5 ausdrücklich her- 
Torliobt, dass die esseniscben Bäder in kaltem Wasser Yorgenommen wurden 
(IxoXwjovtat to 9co(JLa «{'^XF^^ 68fleot), und an unserer Stelle die Abneigung ge*- 
gea das Oel auf das ocöx(ii^v znrflokfflbrt, denn das aO^ftitv wird Torzug8Weis6 
tom unterlassen der warmen Btder hergeleitet (Hermavh a. a. 0.); sicher- 
{Biteilt wird es aber durch die Sitte der christlichen Essener, der Ebjoniten, 
dsrai grosser' Heiliger, Jakobus, (nach Hsqesipp. b. Eos. K. G. Ü, 28, 5) 
IXstov odx ^Xe{4*«to xoä PffXsvc{cj> oOx ^xpl^^o* Umgekehrt schliesst die Alusie 
^er Pythagoreer (s. o. 65, 8. 66, 1) die Enthaltung ron Salben in sich. 

2) P0r Ihre körperlichen Ausleerungen zogen sich die Essener nicht au- 
«ia an m5glichst abgelegene Orte zurfick, sondern sie hatten dieselben auch 
Tor dem Anblick der Sonne sorgfttltlg zu rerbergen, und mittelst einer klei^ 
aea Hacke, die jeder beim Eintritt In den Verein erhielt, zu rerscharren, 
llberdiess aber nachher sich als {a|jL(a{jL(jL^O( (levitisch unrein) einer Waschung 
in QBterziehen (Jos. 6. J. II, 8, 9 Tgl. ebd. 7). Ohne Zweifel wurde aber auch 
Boeh maaehes andere, wie die bei den Orphikern und Pytbagoreern verpönten 
Dings (s. 0. 8. 77 und Bd. II, a, 26, 7), als rerunfeinigend angesehen. Darauf 
weilt auch das Verbot (Jos. a. a. 0.), 'in Gesellschaft in die Mitte des Kreises 
oder nacb der rechten Seite hin auszuspucken: die rechte, als die bessere 
Me, sollte nicht entweiht, und die Unreinigkeit dem Anblick anderer ent- 
legen werden. 

8) Die letztere Bestimmung ist allerdings nicht ganz sieher, während die 
mtere auf der bestimmten Aussage des Josbphcs B. J. II, 8, 8 (Xtu^cii^Lov^v ti 
^BDwnö«), ebd. 7 (Jeder Neueintretende habe ein weisses Gewand erhalten) 
bwuht. Deofa spricht mehreres dafClr. Fttr*s erste seben wir nämlich aus 



940 Bsfener.- 

BMenern die B^der and die heiligen Mahle , welche den 
liehen Mittelpunkt ihres Kultus bildeten. Die enteren waren mdil 
blos einzelnen für den Fall einer Verunreinigung vorgeschrieben % 
wie iad mosaischen Gesetz, sondern alle Essäer hatten sich dens^ 
ben Tag für Tag gemeinschaftlich zu unterziehen 0; n&ch dem 
Bade fand das Fruhmahl statt, welches ebenso, wie die AbendmnU- 
zeit, als eine gt)ttesdienstliche Handlung begangen wurde*). In 
dies6n Mahlen haben wir ohne Zweifel *) auch die Opfer zu snehea, 
welche die Essener nach Josbphus ^) ausserhalb des Tempels Ar 



Joe. «• «• O. 5, d«M die Esiener bei ihren heiligen Mahlen eigene Feierkleidar 
trogen, welehe naoh denselben a>c Upa\ «rieder ai»gelegt worden ; hat sidi bub 
Joe. ebd. 8 genau anigedrftckt, waren mithin alle Kleider der £aaeiier (auch 
die Ton Philo b. Eüs. pr. er. VIII, U, 6 rgl. t. contempl. 896, B. H. 477 11. 
erwähnten grob wollenen Winterkleider) Ton weiater Farbe» ao kttnaea liok 
die Feierkleider nor doroh ihren Stoff anageaeiohnet haben. Sodaiin hebt Je& 
B. J. li, 8y Ö (Ciii9d{(uvo( tt axi3c^9|i«9t Xivolc) aoadrfioklieh herror» dasa die 
Badegewftnder der Eaeener von Leinwand waren, was ala allgemeine Voxaehxift 
eich nar ana der Vorauifletsnng erklärt, bei dieaer heiligenden nnd reinigen- 
den Handlang dürfen sie nur mit dem reinsten Stoffe bekleidet sein; ana den 
gleiohen Gmnde war dann aber die leinene Tracht anoh für die BnndeanaUe 
gefordert. Um endlioh der neapjthagoreisohen Sitte hier noch keinen B«weis 
an entnehmen, so galt anoh den Elijoniten die Lieinwand fOr raiaeiE^ ala die 
Wolle; TgL Hbobsipp. b. Bus. K. Q. II, 3S, 6: To^tip (Jakobna dem Geneh- 
ten) |jb6v«|p ^v «Ic x& Syia clci^ar oO$k y^ ipioOv ^fö^ düLXa ecvMvotc. 

1) Vgl. Torl. Anm. ond S. 287, 1. 

8) Jos. B. J. IT, 8, 5 : nachdem sie Ton Sonnenaofgang an fünf Standen 
gearbeitet hatten, Tersammelten sie sich wieder sum gemeinsanen Bade» bei 
dem Jeder mit seiner leinenen Schflrae amgftrtet war. Wegen dieaer Bitte 
glanbt QalTs a. a. O. 468 mit Fsahusl (Monatssehr. II, 67), die EaaAer seien 
Ton den l^(upoßaim9Tfl^, welche in patristisohen, den n'**^mi **baiD (Moigen^ 
tlofer), welche in rabbinischen Sehriften erwfthnt werden, nicht rerschiedea. 
VgL Jedoch Hbrsfxld a. a. O. S. 397 o. Anoh Hbobsippus b. Eua« K. Q. IV, 
S9, 7 unterscheidet die Bssaer und Hemerobaptisten. 

8) Jos. a. a. O.: nach dem Bade gehen aie in das Speiseaimmer» au de» 
kein Fremder (hspödo^o«) Zutritt hat, xaOamp tk orpöv Tt t^vo(. Dna Mahl, 
aus Brod und Einem Gericht bestehend, wird in der heiligen Tracht mit der 
gr8üten Ordnung und Stille begangen, und mit Qebet begonnen und ge^ 
aehlossen; Tor dem Gebet darf keiner etwas geniessen. Des Abends BcocvsOecv 
iftoCeic, eirpcei8cCo|A^«iiv tSv (^mav, cd Ti^xectv «ÖTtfCc icop^VTi«, wobei wir aber 
nur an Gaste aus dem Orden au denken haben werden. 

4) Wie BiTscHL Th. Jahrb. XIV. 824 richtig bemerkt 

5) Antt. XVIU, 1, 6: Die Essener, wegen ihrer Unterlasaaog der Opte 



Blder and MäbU. Dogmatik. "ftflt 

«M tM$ogen , tmd nv darfib^r kann man zwteifelhafl tfefn ; <^b 
jede Mahlzeit oder nar gewisse besonders feierliche Mahle diefe 
Meatang hatten ^}. 

Mit theoretischer Spekulation gaben sich die Essier nach 
PiiLo*) nicht «b) um so grftndlicher trieben sie dagegen die Ethik; 
aad ist aach diese Aussage schwerlich ganz buchstAblich za neh- 
mm*)^ so ist docK.so yiel ohne Zweifel richtig, dass der Essdismus 
loalchst nidit von einem spekulativen, sondern ron einem prakti«- 
schea Interesse avsgieng, dass es ihm in letzter Beziehung weniger 
am Wissen, als um Frömmigkeit, um eine besthnmte Gestaltung 
des reDgiösen Lebens und Verhaltens zu thon war. Aber dab 
religiöse Leben setzt ja immer auch eine religiöse Weltansiokft 
toraus: wenn die Essener jenes in einer eigentbimlichen Richtung 
ausbildeten , werden sie auch in dieser ihr eigenthümliches gehabt 
kibeii. Und wirklich sagt uns nicht allein Philo a. a. 0. , dass 
ihnen theologische Erörterungen nicht fremd waren ^); sondern es 



Toa T«mpel A«tgaiobloM«o, if* aiWttv t«c Ova{0( IntTcXotSov Dass diese Opfer 
ia der Daibriagasg und Welhang tod SpeUeD bestsndea, wifd tbeiU durch 
die •piter im beepreobende Analogie dea therapeutlsobsii «nd ebJoniticchMi 
Qebtiaeha, tbeila dadaroh wahnoheinlich, dacs aioh sonst nichts im esssni^ 
•sksB Knlliia aeigt, was sich «Is Opfer betrachten Hesse. 

1) Weder bei den Tberapeaten noclii bei den El^niten gelten slle MaU- 
«itea als Opfermahle, sondern nur der Gennps des geweihten Brodes und 
iUisf. 

ft) Qn« ensn. pr. 877, B (468): fcXeoopioc (4 t<» (tb Xo^mov, %i>q od» kmf- 
vkif tic «liiorv oft-ciic, XoyoOilpe^, x6 Sk fuocxov, «^ (aIICov f^ xaxk d(vOpe»i(Vf)V 
f^t psxsMpolsoxat4 dbceXtnövxi^, 7cXJ}v Seev «iholf nsf\ 6fcAf(iciK 8teO xa\ tQ< 
vk awiH. fiv^miec f iXooo^tai, ts ifiaun i2 |jJcXa ^itmevoSotv , ÄXibirai« xp«>^ 
Vvw t^ iEnp(oi( vö{Mi( n. s. w. 

S) Eineelbeils nftmlich llsst sieb in derselben, so wie sie hier lantet, die 
triBiisning an den bekannten Ansspraob Aristo*s (t. Abth. 60, 6) nicht vor* 
htODM, der flberbaapt ein Losnngswort der einseitigen Etbiker in jener 2eit 
liweiea sn sein scheint» «ndereraeita hingt sie damit aoeammeni dass Phile 
dift Gssisr als Muster des praloischen, die Therapeuten als Muster dse theo* 
misehsn Lebens behandelt; v. contempl. Auf. 

i)^UeB sich aber diese auf das Daeein Octtes und die Weltechdpftmg 
^■iihflabi beben« so liess sich schon ni^ter diese swei Kapitel sehr vieiee 
vMnM^^; was bat nicht s. B, die spätere jadiecheMjstik und schon PUlo 
•Uss ia der mosaischen fieh6pftingsgeschiobte su finden gewnsetl ladessen 
«ttdea wif n&den, dass es mit dieser Besdbrinknng jedenfalls nieht streng 
•"aNanea WB^ Werden wir doch nach bei Philo selbel Aensserangen be- 



werden uns auch von den Esaeaeni nichl giBC wenige 
Bettinunnngen Aberliefert , welche mil ihrer praktischen Richtavf 
onverkennbar zusammenhängen and zur wesentlichen VerroUili»- 
digang des Bildes dienen, das wir uns von ihnen jsu madien haben. 
Ihre allgemeine Voraussetzung war nun die jüdische Theologie; 
ihre Ueberzeugungen und Grundsitze sollten aus den heUigea 
Schriften ihres Volkes geschöpft werden 0- Aber daas sie nicht 
ausschliesslich aus dieser Quelle geflossen waren, wird schon durch 
das Dasein essenischer Geheimlehren und Geheimsciniflen , uai 
weiter durch die Nachricht wahrscheinlich , in den Schriflen , dis 
beim essenischen Gottesdienst Terlesen wurden , sei die Wahrheit 
meist in Symbolen niedergelegt gewesen, welche einer tieferen Er- 
kUbrung bedurften 0« Da mit diesen Schriften nur die altleslamenl- 



g^gnen, die seiner Spekulation, streng 'genommen, ebenso enge Oremen 
stecken würden. 

1) Vgl. 8. 241. 

S) Nach Jos. B. J. II, 8, 7 mossten die Neueintretenden schwOren, pi|M 
(iswdeOvott Twv doY(AÄTMv it^bK ^ ^ uM^ nap^aßcv ... m& ewvti|pi|oecv ... «k 
T^ a!p6tciK «diwv ßipXItt. Vgl. S. 237, 6. Aehnlioh wird in den ClemeBtiai- 
sehen Homilien (Ac«|M(>t.) die strengste Qebeimhaltang dieser Partheisakrift 
angelobt. 

8) Philo qu. o. pr. 877, (468): Die Easener treibeB die fithik naek 
▲nlaitang der n^iptoi v^i, od« a|jii|xavov iv9p«Mcivi)v ixnvljjtm ^wxV ^^ "** 
taxeix^ Mdeu. 6ie lesen diese jedeneiti gana beaonders aber an den Sak- 
batken; an diesen rersammeln sie sick in den Synagogen, ild* & |Akv t«c [MpXasc 
dtMtYCM&oxci X«ßü»v, Itf po« U Tt( TfiW ^(Mceif oTdbwv 8aa |ji9| ^vd^ifA« X8fiX8^ cva- 
SiMexii (einer der kundigsten tritt auf und erklärt, was darin dunkel ist). 
xk fhp xkßmm ttk av^Xm oi^awi^t^ C^X«&ost xop* vifvdk fiXoeofätCL In 
dieser Stelle wollte Bitsobl Tb. Jahrb. XIV, 389 die Worte So« ^ y^A^t^ 
«a^Oayv susammennehmen und ttbersetsen: ^iAdem er das unTentlndlieke 
flbergekt* ; und er sobloss demgemlUs ans denselben, dass die Ssaeaer sieh 
nieht mit allegoriseher SohrifterkllLrung abgegeben haben können. In FalfS 
meiner Gegenbemerkungen Tk. J. XV, 426 bat Ritsohl spiter (Entst. 4. altk. 
K. 2. A. 197) diese Erklärung aurftckgeaogen, wogegen Huananui Jdi 
Apokal. 268. Ztsekr. f. w. TheoL lU, 860. X, 108 sie wiedarholt in Sehnte 
nakm; auch Mamq^ld Irrl. d. Pastoralbr. 41 f. Usst sie sink gefiüton* Mr 
sekeint sie sehen grammatisoh unhaltbar; denn stott des Prttefitama lecfiSU 
0«l^v würde sie das Prisens «apcpx^vo« fordern, und bei dem k^MUmm^ 
welohea seinen ObJektsaoeusatiT nur an ß{ßXoiK kabea könnte, ariteste man 
ein odt^ erwarten; ß^ßXov &va8i8&9xtiv wire aber anok an sink eine karte 
Yarbiadung. Sodann wire es dooh die seltsamste Art von SehrillaiklliQBg, 
welohe gerada das, was def JSrUtaiterang bedarf» ftbergieng«, und weashalk 



▲llegori«. Tbeologifobe AniiAhmea. 

ikhsB femeini täM Uanen^), 00 fo)gl «10 jener Angabe, dtm die 
biener in dem hbali der «Ittestemenlliclien Bftcto oder wenig r 
ileas in einem groesen Theil desselben Symbole böherer Wtbiw 
betten laben, welche sieb dann, nacb der Natar der Sache und der 
Autbgingigen Sitte jener Zeit, nur durch allegorische ErkUlrmig 
Men lieeeen« Die Essener mAssen nüthin ebenso,- wie die 
Therapenlen O- n*3 > die Allegorie mit Vorliebe getrieben haben. 
Wo tber die allegorische Brklftrong der heiligen Schriften und 
Deberlieferangen BedOrfhiss wird, da bahn man aut Sicherheil 
•uidmien, dass sich der BrhUrer in seinen eigenen Ansiebten von 
km nisprtaglichen Sinn des Oberlieferten merklieh entüsra^t haL 
Worin freilich diese Abweichvng bestand, whrd nns nnr 
tbeihreiae berichtet Die Essener waren nach Jostmes dem 
SeUeksalsglaoben ergeben O9 d. h. sie führten alle Erfolge anf 
dm Willen nnd die Vorberbestimmong Gottes svrtekO; wie 
ima anch ihre CgpUer zu besprechende) Wemsagung den Glauben 
m die Unfehlbarkeit der göttlichen Rathschlösse Yoraussetxt. 
Aadererseils hören wir aber anch, sie haben swar alles gute, 



nu itam eiiMB d«r i^famf&anm nOtkig f ebabt bitto, llMi f ioli »lobt Abeeben 
i«e 4ifiiBi«Bg wild fcfner dueb den SSttMunmeiibuif aof geeoblose«». aDev 
UMnr Sbargebt dw poTentladUobei ddBB dM »eUla wiid bei ibiiea nar 
^ynbottMb aan«dd«teis'' wo wate d* ein ZoMUDmtBbMigf gersd« Ittr das, 
«M Uoe ejaüboliMb iiiig«de«tet war, war j« eine ErklSnuig «m nötbigston« 
Du Bioi moBt Tiobnebr der ■ein: »Et erläutert eioer der AsweieadeB das, 
w« dfli Srkianuig bedarf; def een giebt es nlnüieb bei ibaeii, wegen ibrer 
•ynbeliseben Lehrweiae, alebt wenig.*' Waa aoblieaaUob den Spraebgebraneb 
kMfti den Hiii«uiBiJ> anob für aiob geltend maebt| so könnte ea genSgen, 
nf ihknui d. koam. Byatem Plato'a 8. 187 f. an rerweiaen, welober bei ibi* 
Ucr Veraalaaawng fflr den oben angenonunenen Gebraacb dea «opiXMW eine 
tiihe der edilagondaten Belege beibringt; snm Ueberinas lagt aber Pbilo 
NiWt T. eonteoipl. 894, A (476), unaerer Stelle genan entapreebead, Ober die 
Ibtnfenlett! aie yeraammeln aieb am Sabbatb, x«pcXO«l»v ^ 4 icptep^xec 
M^tOv doY|dmv i|iicf(^ÖTatec 8ialtfftt«t n« e. w. 

1) Denn nnr dieae, nleht etwa eigene Sebrlften der Partbei, kOnnen als 
^Hflibte Bebriften am Sabbatb in den Synagogen rorgeleaen nnd erklSit 
vMm eein, nnr aie anob ron Pbllo als solebe beaeiobnet werden» 

t) Antt. Xni, 6| 9t t^ tt tifiiv 'Eoei|vAv y^ nkntw tjjp^ if|A«p(Arfvi)v xepdE« 

t) Sbd. Z?ni, 1, 6s 'Eeei)v^ ^l hii \iki 6t$ »otaXiicitv fiXA xit «Are« S 



<tM Bsiener. 

über ttichto MMe0 Ton der gAtUicheii UrMchllohk«! ktrgialetM *X 
Hit dem eMatechen Vorsehnngfliplanbeii liess sich ilieM duroh die 
Anntfioie TereinigeO) i^ss die göltliohe Yorherbeilinniviig das ei»- 
inal verhmdene Böse miiberückMehtige, wenn Bimlich-dieMr Gitvbe 
rieh wirklich auf alles Geechehen and nicht bloa a«f die 
ren Schiekaale bezog, welche die Essener als etwas tob Gott 
den Mensöhen Terhftngtes, mit seiner sittlichen BesohaffnÜMit in 
.keinem onnrittelbaren Znsainnienhang stehendes belrackMenO; 
an sich selbst aber weist es auf die Vorstellnng hin , weldie 
auch sonst in ihnlichem Zusammenhang begegnet ^ , daas 
der Gottheit noch eine zweite, widei^öttliche Kraft- in der Wdl 
wirke, und dass ebendesshalb der Oegensati des Guten und 
Schlechten sich durch alles Imdurchziehe. Und es finden sich 
iWirklioh alch noch weitere Spuren^ «dieses Dualismos, fOwoU bei 
den Essenern selbst^), als bei ihren chriiTtlichen Nuchlbigem, den 
Bbjoniton ^ Am stärksten kommt er in ihrer Anthropologie und 



•-*« 



1) Fufco 9«. o. pr. S77y B (4&ax W9 auidHloliHcli als eMoansakM OnmA- 
Mti herTorgehoben wird, ic^tcov (ih «Yadwv olnov, »axoO dt |u|ScvoC| vofiiCiw 
tlv«t 10 6it6v. 

t) do HBiarBLD in Minor beaiAtoPtwortlMa Aiwi« Miduiwotmna CNMk. 
iL y. Jkr. Uly 369, 1, wotUMk di» hoknontai Angahm don JMopbns Über dlo 
Uüwlobton dir dsei JttdiMban Soktan Ton dar rf|nyprf»n lioh woooirtttah anf ftn 
.Baantwortnag dar altilttdiaaben Btraitftago naah dam Varhilariaa daa inasafsa 
Oiaeka odar UoglAaka aar paraOnliohon WiirdigkaH (m. a. W. a^ «Oaraah- 
ligkoil*) daa Einialaan beaialiaB« 

3) Z. B. bei Plataroh; •. o. S« löi vgL m. 8. 148, 8. 

4) Naob PubO b. Biw. pr. ot. VUI, U, 14 gaban dia £aa&ar IBr ihra ftha- 
Ipaigkoit don Grund an: diött fiXmivoy ^ y^^ ^ Cvi^öfiMov ad fattpinc *9k dw^ 
4M^bfi 4ei) «ffXu)o«i n* a. if. Aahaliah aagl Joi. B. J. II»«» 2, aia aatbalnaa 
«iab dar fiba^ nicbt weil aie dioaa an aiob Ittr anraobt jhallan, aoadem tac ti^ 
^(wmmwt atnkx^i»^ f uX««iaö|itvat xosk pjifißiiim» ti|ptfv xiaaca|AAm ti!» «pai Iva ai- 
«Tfv« Oao Waibliaba gaU ibnon Oao übarbaiipt (lUa dan AUomtan; a» Mg. 
Anw») Ittr d^ aoblecbtara Prinaip. Daaaalban Qaganaala aabaiaan aia aadi 
alt dan doa Reobten und Linkon, doa liobta «ad dar FinatareiaSi gaCiast ap 
iiabanj auf janan woiai dia Vonebrift bei Joa« B« J« U» e» 9, nicbt nach raobu 
naaanapaakan, auf diaaan ibra aogiaiab an barakrande», anoh van dan Tbai«r 
pantan gat b ail t a n VoratoUnngan von dar Halligkait daa Sannanliobta» tot da« 
allaa oaraino Tarborgan wardaa mflaaa« Dana aaab die fraiiritUga Anaalb dar 
baidan Saktan auf dia glaiaba Dankwaiaa biadanlat» wM ipitar naah «asaigt 

6} M. tgl. CLaMsaTiM. Homil. II, 16: i 6ibc . . . d« &v vMi ^4» ^ 



Tlieologi^ iWatbropoIogie. 

ilmr nUk Mm ▼ondkeiii« Die Seele stMttil, wie -m tttnehmeii, 
I» dem Himmel : dureii eine» uowideniieUiciieli Drmig wird iie 
eef die Brde «iid in den Leib berabgeiogeii ; ab^ tie f&hll sich 
ia dttMolbea wie in einem Ke? ker , und wenn sie dnroh den Ted 
ans ihm befreit ist , erhebt sie sieh freud% in die Höhe 0* Die 
Buener setzten daher an die Stelle der Auferstehung, welehe das 
h err sch es rf e jüdische Dogma jener Zeit war, die Unsterblichkeit 
der k(taperfreien Seele 0; eine Abweiohung Ten dem Volksglaiiben, 
welche um so grtasere Beachtung yerdient , je tiefer sie in die 
gtaie DenlLweise der Bssener eingriff >>. Nach dem Todto sollte 



f6c wä. idBp, ihm ttk ofXifvi|v, C«ij^v tuä. (UcvateV| iberkaapt die B jsrS*^^ ^ 
daom («. 16) «d neh du« b«M«re doai foU«obt«reo, io ilTtr MnetflhwigitiivMnhtn 
jedoch umgekehrt das sahleohUre dem bettertn Torangeht. £bd« 83 : (Uäuk 
xÄ ivoEviiu« KkfxoL J^om ipu>(uv: saerst die N»eht, d«iiii der Tag p. •• w. 
lllt 'S: Adam war der wahre Prophet; jcX^v toiStcp 9t$Cuy^( ouvixTfoOi) diJXiia 
fh% abX^ JbceMeuaa «6tei{, <«( oMa |ittoo«{fff , «^ ^X(ou o«Xif[yi), &i fciit^ tb 
1^. Osker die naieiae^ weibliehe Propheüe, über welohe sieh des fl:>\g«tide, 
uaeatUeh a. $7, weiter Terhreitet Vgl. aaeh II, 98w XV, $. finraEAa. Msfif. 
30, 16, WSe dieeer hekanaten Lehre eiaer BohriA gegenüber, welche allem 
Meh daa hedeatendite Erseagaiss des ElgonitUmoa war, Ritiobl (Altkath. 
1. 1 A. 0. 19S} gegen meine Dantellnng einwenden kann, der Charakter der 
UJoniten rerbiete die Untentellang einee metaphyaiaeheu bnaliamoa bei dm 
ffwMMfai Isl mit aaTentSindlioh. 

1) Joe. B. J. n, 8, II: wA y^ ifftattm aap* «Atdte 9fi% §^ M(a, ySnpti (ab 
Amk xk e^tioi« xflft dj^ 6Xi|v ed («dvi|Mfv «kc^ t3^ tt fux^ MawAmiK ^ 6iifii> 
aa* Utk eunaXAMe6ai |Uv, la to6 Xt a T o r A i w» fora6ea< atO^ipo^ Aemp tlfsaidfic xdk 
9i^/mn* hj^ tm fueiKj( imwamt^dmi, inMn tk knUAm tftv xatk e^ipHa6fe|ifiiVf 
•b 6^ fMxp«( Mkdon lai)XInY|i^a( t^ X^'P*'^ '^ (utn&poi»« ftfpce6«t. 

5) HivpoLTV. Befat IX, 27 legt ihnen awar gerade den Aafentehaaga«^ 
SlMhai bei, hidem er naaere Stelle so Tesladert: Jj^Tot 6k aap' a6nl( adt 
1 1^ dvantocec Xö^H' 4|MXoYo6ei y^ x«& d^ aApxa •iMB9tt[eM6at n. •• w* Ea 
vt aber mit Hl&dea an greiflsn, daas dieia eine gaaa willkebrliehe Aand«^ 
nng iit, welehe nur daan dienen soll, die esaäiache Lehre mit der abriet- 
M« Ortkodeode ia üebereiaaÜmamDg an bringen. Joeephna nntewoheidet 
wek Aatt ZVm, t, 8 ft die drei J4diechen Sekten ee, data er dea PhaüiSani 
^€Uanbea aa die AnlnntohaBg (f^nA^ toO dvaßteOv), den Saddaeiem die 
U«|nang km Peitdaaer aask dem Tode, dea Bieeaeia daa iAtcmtOi^m #i 
4«X^« raaehreibt. 

6) Wie dieaa Joe« aokoa dareb eeia iffwwi aa twalehen glebt Aaeh 
aa 8eUua naaerer Stelle heiaat ea : t^c \ih eSv *£aoiivo\ aip^ ^y(Hi StolereS« 
*>i ■ft a is i 6Ai^p vik fast 7W0«|Uv«h t^ 9of(a< «Mlv hfUMMrmi. 



Ar die Fromneii wie fir die 6ottlo0en ein Zustead der Vergeltaif 
eintreten, Aber dessen Daner niehls mitgetheflt wird 0* bl dier 
der Leib nur ein Gefilngniss nnd eine Fessel der Seele, so 
selbslrerstindlicii alles, was den Geist an ihn bindet, 
werden; nnd so erg^ sich der Grnndsats der Ascese, 
als Sflttde zu fliehen , von selbst. 

Wie ferner anf heidnischem Boden mit der Ansbildmg 
dualistischen Weltamricbt die des DAmonenglanbens Hand in Hmd 
geht, so hatte fflr die Essener dar Glaabe an Engel, der allerdlagt 
in der jtdischen Theologie lingst eingebärgert war , eine eigen- 
thumliche Bedeutung : die Namen der Engel gehörten n den Ge- 
heimnissen des Ordens 0; pio müssen daher diesen Namen eine 
besondere HeiliglLeit beigelegt und von dem Gd>rauch derselben 
besondere Wildungen erwartet haben. Da wir wissen, dasa sie 
sich mit der Behandlung leiblicher und geistiger Uebel beschiftig- 
ten, die Heilkräfte der Wurzeln und Steine erforschten, nnd alte 

hierauf bezOgliche Schriften sammelten 9 so liegt die Vermutluang 
nahe, sie haben sich hiebet, wie diess in der damaligen Zeit so oft 
vorkommt, nicht auf die naturlichen Mittel bescbrinkt*}, unter 
jenen Schriften haben sich vielmehr auch Zauberbflcher befunden, 
wie sie damals unter alten Namen vielfach im Umlauf waren ^ 



1) Jof. B. J. ft. a. 0. Tgl. Antt a. a. O. In der tonierea Stall« aagi Jaa.t 
dia Baaa&er haben, ahnlieh, wie dia Oriechen, daa Baeleo der FrooiiiieB p«ra- 
dioeisohe Wohnaitaa jeaseiit daa Ooeans, denieD der Oottlosao aiae aaateia 
winterliche Klnlt ?oU Qualen angawiesan. Man hat dieeer Abgabe nickt 
saltatt nii«atrant| indem man glaubte, Joe. habe die eeaeniaeha Lehre aeinaa 
Leeem soliebe der heUenitchen näher gerückt Allein dia gleiche Yoratenong 
ündei sieh im Bnch Henoch 88, 1 ff., nnd swar in dnem Abachnitt, welcher 
aar Orondaohrift desaelben (um 100 r. Chr.) gehSrt« Wir mtteaen daher aa^ 
nehmen, dasi die Eeaener aalbi t die Jüdische Voretellong Tom Pamdiea und 
der Qeenna nach griechiBchem Moater umbildeten* 

3) 8, 0. S40, 8. 

1) Joe. B. J. II, 8, 7 : Der Aafnahmeeid enthielt die Varpaichtaag^ mn- 
Ti)fN[{0icy ^oCkX ta TS T^Sc «Ip^eittH «drßv ßißXfa ig«\ ta tSW h^^fO^fi ^^fURo. 

4) A. a. O. 6; oxovd^evoi 51 IxTÖntH «(A di toSv icaXacäb «urfYp«|i{i4tta, 
Ift^iera ta icpb« (h»f Ojtav «l^v^iS« Ka\ tf(&(uito< ixX^i^evtic. Mm «dr^c jc^ a«pa- 
leitcv xa6£v ^«t tt aXf(tn[pto( x«\ XfOuv {Siöti)ti( ^ipcuvMVtat. 

6) Auf magiechen Gebrauch, aa Amnletteo n. d|^, weisen namentlich 
die 2tldTl)T^ XCOo^v. 

6) 8o ki^ant a. B. Jce. Antt VI|I, 8, 6 Balcm<uiifc|ie Zaaberteaela, die 



Enget; NMnrTerebrnng. 

rmi dm holierBedMiliing der. BiigdiMneii benibe neben mderüi 
üA diranf, das« man mittelst deä^selben flbeitittfirlidie Wirfaingfea 
kerfomhringen Temidite. Neben diesen höberen GeiBtern ver-« 
ehrten sie aber «neb in gewissen siehtbaren Dingen (MTenbaningett 
der CMtbeiiJ Ver Sonnenan^ng wandten sie sich an die Sonne 
Bit einer Anrnfmig, welche allerdings von einer eigentlichen An«» 
betnng wohl bu unterscheiden ist, welche aber doch immer vor- 
aaisetit) dnns sie in derselben »ehr, als einen blossen Natnrkdrp«r, 
düs sie ein lebendiges, mit besonderer Kraft nnd Heiligkeit 
begabtes Wesen in ihr sahen 0; und damit stimmt es vollkommen 
ftberein, wenn sie alle Unreinigkeit ihrem Anblick entzöge^, ,^nm 
Hiebt die Strahlen der Gottheit zu beleidigen^ j wenn ihnen 



nr Heilmg Ton Kriaken und snr Austreibimg tob D&monen gebraaefat 

1) Jos. B. J. n» 8, 5: lep^ Y' ftjjy xh Ukf* IKu« t^ß^* ic(>\v Y«p ^evoo^^v 
xbv ipuov oddiv'f My^ovreic töv ptßiJXiiiv, 96«tp(ooc ^ ttvac tk «dr^v ti^^ &oiup 
(m^ovTK ^«ttftXai. Dftgt damit nieht Mos, wie mra wobl gegUnbt bat, das 
miebe Jfid!8Cbe Morgengebet, oder eine besondere Form desselben, gemeint 
■ebi kann, (das le&Tpeoc daber bier nnr das in der Essenersekte berkSmmliebe 
bsieotel), Regt am Tage. Jenes Morgengebet bStte Josepbns gar nicht als' 
«twis beionderet und den Essenern eigentbümliobes berrorheben, er bitte es 
nodi weniger als i^ac tk x\rt ([Xiov beseicbnen, nnd als seinen Inbalt die Bitte, 
n ersoheinen, angeben können. Dass er aber sagt: Aaictp Utt., darf nns 
aieht stören : die Bonne worde freilieb nicbt angefleht, wie eine Gottbeit, aber 
ioob angerolbn. 

S) Jos. a. a. 0. Ü, 8, 9 (s. o. 245, 2) : Die Bssener verbergen ibre Ans-' 
kcningen sorgfältig mit ibrem Gewand, &( {&^ t3(< oi^ki 6Pp{|focsv toü ^soC. 
BiTBCBL*s Anskonft (altkatb. fi. 196, 1): dieses Motiv werde den Essenern 
«tt Ton Josepbns gelfeben, ist mebr als willkfibrlieb, nnd wftrde diesen nn- 
Mten Hanptteogen über die Essener gerädesn unbranobbar maeben« Was' 
bitte denn den Jos. sn dieser Ilnterscbiebang reranlassen, was bitte ibn ab- 
bilttB sollen, in der Verordnung 5 Mos. 28, 12, die er ja doeb wobl ancb' 
kannte, den eigentlichen Gmnd der essenisehen Sitte anfznseigen, wenn sie 
b der Wirklichkeit damit, nnd nicbt mit dem Ton ihm angegebenen, motiTirt- 
vsrdet Waa aVer B. einwendet, „die Essener können die Sonne unmöglich flir 
te Gott, d.h. Apollon, gehalten haben," rerrfttb ein seltsames HissrerstEndniss. 
Qknbtde&n woblR., Jos. habe den Essenern, deren Frömmigkeit er gerade anr 
Adais ihrer Frflbgebete so sehr rühmt, eine Anbetung Apollo*s sobuldgeben 
wollfB? Der 9cb< ist Ja augenscbeinlieb der jfldische Gott, nnd die Sonnen« 
Mhlen sind a^liyA toö OtoS als dn Ausfluss des Lichtes, in dem die Natur 
^(•ttes bastaht. — Auch eine Aeusserung der ebjonitisehen Clementinen bo- 
*<itfgt ifio Angabe de« Joscpbus. Hier wird n&mlich Homil XY, 7, Schi., wo 



SM B«8eii<r; 

dtnnMil dag SoimemUchl ebi «ohOorer AiirfhM det gdttteiai 
Liohtoi war. Ebenso dachten nie «eh ohne Zweifel mit dfWaiaar 
Mliare Kräfte verknüpft, «nd eben deashalb legten rie ihran Bidem 
dieae reinigende und entiilinende Wirkung bei 0* Dirfea wir Md* 
liek von ihren chriadiehen Nachfolgern anf aie aelhst wAUMum^ 

m 

90 wurden von ihnen bei feia*licher Bethenennig die Theile dea 
WeltgdMndea in eiiier Weiae zu Zeugen angerufen, welche iaa 
jfldiaehen Reliponsgebiei sonat ohne Beiipiel , um ao lebhafter an 
die bei den Hellenen flbliehen SchwurSormeln erinnert ^ 



ttuter den tttientbehrlichen LebeusbedtirfnisHen ein TcepißöXaiov K (nur Ein Q«- 
waüd^ wie bot den Essen era; Tgl. 8. 240, 1) aufgezählt ist, beigefügt: ifO|cfiiv 
Y^ ioT&v« o&x i^\Mxa,\ fvixfv Tov fiwn^i [n^a] 6pü>vto( odpovoG, «• wird •!•• 
hier der Himmel, wie dort die Sonne» als ein heilige«, daroh k«iB« Uaae- 
stlndigkeit zn entweihendes Wesen behandelt. 

1) lieber diese Beinigungsbader, welche unter den rom ihnea den Opfern 
im Tempel vorgesogenen Qebrauchen (s. o. S4S, 6) jedenfalls eine der ocatwi 
Stellen einnehmen, TgL m, S. 246, 2» Ueber die dogmatischen MotiT« der» 
selben sprechen unsere Quellen sich nicht aus, und die reinigende Krall d«e 
Wassers spielt Ja selbstTerstandlich in allen alten Religionen eine groMC 
Rolle; aber wenn wir an sieh schon schliessen masseo, dasa die Vontollwig 
TOA der«elben bei den Essenern in ähnlicher Weise gesteigert gewaara mi, 
wie der Werth, den sie jenen Reinigungen beilegten, so sagen Abecdieaa die 
christlichen Essener, die Ebjouiten, (CLVMBar. Hohiu XI, 24 TgL Reoogn. 
VI, 8) ausdrücklich, 8t( t« ic^vt« xd C&op notft, to tk 6$iap 6x0 xv«S{&aTe( (was 
hier, wie be! den Stoikern, und wie das ebräische p^l, tugleich den G^at 
und die Luft beieiohnet) xivi^oecdc tj^v y^sviv Xapiß^t, re dk icvslipLa hza xoi xSm 
Vkm 6tov TJjv opx^v ^tt Bei Epifhax. S. 68. Ind. II, 10 wird garadan ge- 
sagt, die Ebjouiten haben das Wasser fBr einen Qott gehalten. 

2) In der ^uc(AapTup(a, welche den Clementiniscben Homilieen Torange- 
•teilt ist, welche aber ohne Zweifel einer älteren, noch strenger judaisfaendea 
Grundfchrift derselben angehört (Tgl. HikOBMFBLD Clement. Beoogn.- n. Hom. 
28 ffOi wird dem, welchem diese Schrill mitgetheUt werden soll, ein Oeiabde 
der GeUmhaltung und des Gehorsams auferlegt, und dalttr aweimal (c 2. ^ 
gleichlautend die Formel Torgeschriehen ; (jt^Tupo« 4c^^ (oder: 8ui|wpTi^ 
l&ei) eipov^v, Yijv, C8e>p, h Jk ik xovra »pc^stat, xpb« xoJTS^ U S*«qiv w^l x^ 
8(a x^vTwv 8a(xovT« «Upa, o5 «vcv o^x ivoxv^». Aus der Schrift dea agefalichen 
Sbui, dem ReHgionsbuch der judenchristlichen Elkesaiten, (bald nach dem 
Anlang des 2ten Jahrb.) berichtet Epifbut. H»r. 19, 8. 40, B» ea weide dcit 
geschworen bei dem Sali, 'dem Wasser, der Erde, dem Brod, dem Himnel, 
dem Aeiher und dem Winde, oder nach anderer Formel, bei dem Himmel^ 
dem W«eser, den Winden, den Engeln, dem Oel, dem Sals, der Bidtti Sr 
bat gewiss alle Wahrscheinlichkeit» dasa diese Eide im Styl der alten 



KftturTerelirvaf; WMBSftgong. Mft 

Scblienlich ist hier noch der Weissa^ngsgabe zu enrihnen, 
welche manchen Essenern nicht allein in der Meinung des Volkes 
ngesclnieben wurde, sondern von der auch sie selbst überzeugt 
waren, dass sie Iheils durch das Studium der alten Propheten, 
tbefls durch datf heilige Leben des Asceten sich gewinnen lasse 0* 
JssEPBus kennt mehrere Fälle dieser wunderbaren Voraussicht, 
welche die essenischen Propheten , wie er versichert, fast niemals 
im Stiche liessO« und in dem christlichen Ess&ismus der clemen- 
tinich^n Homilien bildet der allwissende Prophet der ,, Wahrheit^ 
dis Ideal aller religiösen Vollkommenheit *). 

Mit den Essenern sind die Therapeuten nahe verwandt, 
welche uns aber nur aus Prilo's panegyrischer Schilderung 
bduomt sind ^3. Schon der Name dieser Parthei ist vielleicht aus 



•Am g^tlton tlsd; tob d«r piendootaineiitjiiiseben Diamartjrie, welche e. 5 
£• Prw liy t w ia Jentfalein Tor Aogat erblMsen maoht, ist sogftr tn vennn* 
tbia, diM sie des Spxoi fpcxi&^tc der Eeeener (Joe. B. J. II, 8, 7} getre« naeli- 
leMdet wer, in denen ja eooh, wie dort, Gehorsam gegen die Oberen und 
itiisge Qebeimhaltang der Ordenssebrilten gelobt wurde. (Mehr eigenes 
btbsn die elkesaitieehen Formeln : beim Oel würde wenigstens kein Essener 
gwehweren haben.) Derartige Anrnfongen ron Himmel, Brd« nnd Elementen 
iielit Bsn nnn aber in den alljfldischen Schriften rergebens; um so hinfiger 
*»d eie dagegen bei Ghriecben. So heisst es schon bei Bona IL in, 97«: 
ZiSsinp ... 'Edh6q 6*, U xk^ ^fop^ t^^ nM* tjcoxoikic, xtä Uvea^ nA FflOa, 
ebd. XV, 36 (Od. V, 184): lava vfiv x6ht yät» xtt\ odpovbc tip^i thopScv, und der 
Formel der dui{i4iptttp£a nobh ähnlicher in einer angeblichen Schrift des Py- 
^W^ras h. Dioa. VIII, 6: oC (ui ibv Ü^gL, tov £v«icv^, od (a^ t^ SBwp, xo nbna, 
oi «tiofow ^yov ICB^ tou Xdyou toOdt. 

1) Jos. B* J. n, 8, 12: i29\ tt Iv «Cxdic, o*l xci\ ts |UXXovt« n^vnknmM 

'"^piPoiSiiivor cäc^cov tt il «on iv täte icpo«yopti$eteiv iaxvn^^WQW. 

*) S. Tor. Anm. und S. 286, 2. 

B) U. TgL darflber namentUeb HomiL III, 11—16. Die rechte Geein- 
^^H» kciast es hier, erhalte man nnr-Yon dem ttpo^ti)« aXi)Ot(a<. icpofi^c 8b 
*^4c ^env h sdhn« xovtott Mi»ij tri 8b »tä xh^ n^twv lwola(, «vaifL^Tsito« 
^* *• V. icpof4^< T^ ^^ oitTocato^ innipip ^»X^c ^f 8aX(^ x^ia x«T03rciikt>v 
^'^fm Xftv6&v«i¥ [woftbr Tielleioht besser: Iscurc. t« XevO^evra, oder: Xay8^ 
^ oluis kC9T.]. Er bedfirfb keiner Süsseren Hükbmittel, und weissage nicht 
^Im in einaelnen Momenten, wenn der Qeist eben über ihn komme, sondern 

^) In der Schrift Aber das beschaaliche Leben. Die Aeehtheit dieser 
^^^ ist aü ne r d ing» von 0alTi Qesoh. d. Jndenth. m, 468 ff. lebhaft an- 
M^iiai wecden: el* aoU Ton einen Christen TCiiaast sein, welcher dae 



Sfttf Therapenteii. 



MOnohdeben darin empfehlen, and d«s Alter desselben dnroh die Aoktoritlt 
Philo*e beweieen wollte. Was Jedoch (Mts snr BegrUndiiDg dieser Annabve 
beibringt, reicht biefBr keineswegs ans. Er nimmt annftebst schon daraa 
Aastoas, dass Josephns der Tbdrapenten nicht erwfthne; allein wenn diwa 
ein auf Aegypten besohrftnkter Nebencweig des Essftismns waren, ao bat dieaa 
nichts anffallendes: wir erfahren ja überhaupt Aber die spftteren Zust&nde der 
Jaden in Aegypten Ton Josephns ungemein wenig, so s. B. über die Verfol- 
gnng nnter Calig^la kein Wort. Ob. ibdet femer unglaubHcb, was Ober 
welbliefae Tberapenten (s. u.) berichtet wird, weil die Essener sich Tor JeicM 
Umgang mit dem weiblichen Geschlecht gescheut haben; aber wanun hlttan 
nicht Jene in dieser Betiehang andere Einrichtungen haben ki^nnen, als dieae^ 
wenn doch ihre Grandsfttze über den Werth der Ehelosigkeit, wie wir finden 
werden, dadurch nicht berührt wurden ? es ist diess noch lange kein so gros- 
ser Unterschied, als der der unTerheiratheteif und Terbeiratheten Easener. 
Gans schlagend soll sodann die Unftchtheit der pbilonischen Schrill ans ihrem 
Eingang herTorgehe», welcher die Schrift qvni omnts probm übet flüachlieh 
als eine Abhandlung über die Essener beseichne. Allein es heissf hier nur: 
*E9a«(MV fci^i dcoXtx^'^Cf ffVAohdem ich über die EssAer gesprochen habe;* 
diess hat aber Philo in der Schrift qtl. omn. prob, nnbeatreitbar, und awar 
anafllhrlich genug (876, C — 879, A HOsch.), gethan. GrIts* Hanptbeweia- 
gmnd liegt jedoch in der Behauptung, dass die Therapeuten unserer ScbrHI 
das christliche Wesen ^ans unsweideutig darstellen. Auch dieser Behaoptimg 
muss ich aber entschieden entgegentreten. Gr. führt an, daas es nach vaaerer 
Schrift (892, D H.) auf der ganzen Erde, nicht blos bei Alexandrla, Thera- 
peuten gebe, und er fragt, wer noch einen Angenblick aweifeln könne, dass 
hier nur Toa Christen überhaupt die Rede sei? Allein auf „Christen über- 
baupt" konnte die Schilderung unserer Schrift keinenfalls geben, sondern 
höchstens auf christliche Asceten; dass es aber christliche Asceten, wdche 
dieser Schilderung auch nur annfthemd entapracben, im sweiten oder dritten 
Jahrhundert «eoXXax^C tf|« olxov(i^( gegeben habe, wird schwer an beweisen 
sein. Das richtige ist Tielmehr ohne Zweifel, dass die Worte: icoXXoxelJ |ib 
eHv T^c ob(ou|A^< 29t\ To fi*o^ In allgemeinerem Sinn genommen werden müs- 
sen : sie wollen nicht besagen, die 7*herapeuten, als dieae beatimmte Partbd, 
seien über Tiele L&nder rerbreitet, sondern es gebe in Tiden Leute Ton ihrer 
Denk- und Lebensweise; ähnlich wie Philo qo. omn. pr. 876, B f. (466) die 
Ifagier, Gymnosophisten und Essler als solche susammenatellt, welche sidi 
der Tugend und Weisheit widmen, und t. Mos. 681, E 0^^) ^^l« GottesTer» 
ehrer to Stpansuttxbv uZfxKi f^vof nennt Weiter macht Ga. darauf auftnerksam, 
dass die heiligen Zellen der Tberapenten nach S. 898, B. E (467 f.) fMv«ati(pca 
genannt werden , wie die Mönchssellen. Aber dieser Name kann recht wohl 
ebenso, wie die Sache, bei der Entstehung des christlichen Mönchswesens in 
AegTpten Ton ilteren Vorg&ngem entlehnt worden sein. Derselbe beseicbnet 
übrigens in unserer Schrift nicht, wie im christlichen Sprachgebraoeh, die 
ganse Wohnung einec Einsiedlers oder MöncbsTerelni, sondem mir eliieB be- 



QnelUn. f57 



•timmteii Ranm in derselben. Weiter sollen die Mahle der Tberapeaten nach 
den Vorbild des cbristHoben Abendmahls geschildert sein ; diese ist Jedoeb, 
wie später geaeigt werden wird, ebenso nnriohtig als die Behauptung, daaa 
die Aeltesten der Therapeuten aaf die ohristlichen Presbyter oder Episkopaa 
hinweisen; £&r die letztere ^besteht ^er einsige Beweis bei Gbati in dea 
8. 238, 1 besprochenen Grandsats, Ton dem schon a. a. O. vgl. 287, 1 geaeigt 
ist, dass er theils im Booh der Weisheit theils bei den Essenern seine Tollkom- 
fliene Parallele findet, während die christliche Analogie weit ferner liegt: denn 
wenn man näher ansieht, sind die therapentisohen icptoß^Jtipot nicht die Vor- 
steher und Beamten des Vereins, sondern die höhere Ordensklasse. Auch in 
dem Fasten und den Vigilien der Therapeuten will Gbats natürlich christliche 
Fasten und Vigilien sehen ; das Fasten ist ja aber gerade aus dem Judenthum 
in's Christenthnm gekommen, und nächtliche Gottesdienste sind auch in der 
Torchristliohen Zeit häufig. Doch findet hier zwischen der obristlioben Sitte 
und deijenigen der Therapeuten wenigstens eine Gleichartigkeit statt; da- 
gegen werden swei ganz ungleichartige Dinge ausammengestellt, wenn GalTa 
10 den Frauen und Jungfrauen, die an den heiligen Mahlen der Therapeuten 
tbeilnahmen, die sog. gtibintroductae christlicher Asceten sehen will; als ob 
aus der Tbeilnahme derselben am gemeinsamen Gottesdienst ein Zusammen- 
wohnen einselner mit einaelnen folgte. Dass endlich Hjmnen und allego- 
risehe Schrifterklärung nicht blos bei den Christen Torkommen, und daher 
ihr Gebrauch bei den Therapeuten nichts beweist, braucht kaum bemerkt i« 
«erden. — Gbats hat aber nicht blos den christlichen Ursprung der philoni- 
lehen Bebrüt nicht bewiesen, sondern er hat auch die entscheidenden Beweise 
des G^^theils fibersehen. Denn unsere Schrift selbst bezeichnet ihre Thera* 
peuten ansdrficklich als M(oo/io( YV(£»pi(&oi, als solche, die sich der Forschung n 
xsta xa/i xou Tcpo^ijTou MtMifo^ Upurc^ac J^'f^<nli gewidmet haben (899, A f. 
H. 481 M.); sie sagt, in ihren osp^a finde sich nichts, als die v^oi luk X6rfm 
ItexcoSrvra tik fcpo^tcov u. s. w. (898, B H. 475 M.); sie eraählt Ton ihrer: 
Bahbathsfeier (s. u.), ihrer Verehrung gegen den Tempel in Jerusalem und 
äss israälitisohe Priesterthum (902, A H. 484 M.); sie begrflndet ihre allego- 
rische Erklärung mit dem Satze, dass das ganze Gesetz (Sbcaoa ^ vo(AoOse(») 
ihrer Ansicht nach einem lebenden Wesen gleiche, dessen Seele der rerbor- 
gfoe Sohriftsinn sei (901, G. H. 488 M.); sie nennt ihre Wechselgesäage ein 
|&(|U||aa der Ton Moses und Mirjam geleiteten Chöre (902, C f. H. 486 M.) — 
sie sobildert die Therapeuten mit Einem Wort so bestimmt, wie nur möglidv* 
ils Juden. Wie hätte nun ein Christ darauf kommen sollen, sur Empfeh- 
ling des christlichen Mönchslebens Philo eine Schilderung jüdischer Bin- 
■iedler au unterschieben, in welcher des Christenthums, seines Stifters und- 
dsr ihm eigenthfimlichen Lehren mit keinem Worte gedacht wird ? Wo findet 
sich in der ganzen christlichen Literatur hiefür eine Analogie? Und was kann. 
SS dem klaren Augenschein gegenüber beweisen, dass Euseb die Therapeuten 
Ptiilo*s für Christen gebalten, und der falsche Dionysius diesen ihm sehr ge- 
Isgenen Irrthum nachgesprochen hat? 

Pkitos. A. Or. m. Bd. 9. Abtb. 17 



dem der Essfier entstanden ; und sachlich stehen sie ihnen m 
nahe, dass ein nnroUtelbarer geschichtlicher Zusammenhang beider 
nicht zu bezweifeln ist. Die Heimath der Therapeuten war Aegyp- 
ten, wo sie nach Philo's Versicherung, in allen Bezirken verbreitet 
waren ; ihr Hauptsitz befand sich an dem roareotischen See in der 
NShe von Alexandria 0- Ini Unterschied von den Essenern lebten 
sie nicht in klösterlichen Vereinen zusammen , sondern als Ein- 
siedler; doch war gewöhnlich eine grossere Anzahl solcher Ein- 
siedeleien zu einer grössere^ dorfartigen Niederlassung ver- 
einigt 0- Während ferner die Essener Landbau und Gewerbe 
trieben, widmeten sich die Therapeuten nach Philo ausschliesslich 
dem beschaulichen Leben: ihr Tagewerk bestand im Lesen und 
Erklaren der heiligen Schriften, in Gebeten, Absingnng und Ver- 
fertigung von Liedern u. s. w. ^) Eine dritte Abweichung von der 
essenischen Sitte bestand darin, dass die Therapeuten auch Franen 
in ihren Verein aufnahmen , und dieselben an ihren Gottesdiensten 
und Bundesmahlen theilnehmen liessen^}. Sonst aber sind sich 
die beiden Partheien ausserordentlich ahnlich. Die Therapeuten 
lebten, wie die Essener, in freiwilliger Armuth ®): ob auch in einer 

1) Wenn DftmUcfa der letstere, ob mit Beobt oder Unrecbti tob der tttp*» 
isiia, sei es im Siim der Heilang oder der OottetrcArebrang, erklärt wurde; 
m* 8. bierüber 8. 284, S. Zwuehen beiden Bedeatangeii von 6gpasttutj^€ will 
UM Philo 889 D f. (471) die Wahl latsen; andererseits oennt er aber (qn. 
oma. pr. 876, D H. 457 M.) die fissfter, deren Namen er fi^eiltcb, nacb dama- 
liger Weise des Etymologisirens (vgl. 8. 181, S), mit Saio« ausammenbringt, 
h Tdic (MtXiTca OtpaffEUToi 6eoG. 

2) PeiLo 892, D (474); von Therapeuten ausserhalb Aegyptens iat 
niabts bekannt; auch ans der B. 266 besprochenen Stelle folgt nicht, daas 
ea- iolohe gaK 

8) A. a. O. 892, B. 89S, A (474 f.). 

4) Ä. a. ,0. B93, B— £ (476 f.) Jeder Therapeut hatte nach dieser Stalle 
eine eigene Zelle in seiner Wohnung, welche aqsschliessli^h fflr jene religM- 
aan Uebnngen bestimmt war, und Philo rersiobert, sie hfttten sich denselben 
so ei6rig ergeben, dass sie die Woche über nicht aus dem Hause gekommen 
seien. Wie sie sich bei dieser Lebensweise ernährten, sagt er nicht; wahr- 
soheinlich trieben sie doch eini^n Land- oder Gartenbau. 

5) A. a. O. 804, B f. 899, D f. 902, B (476. 482. 484). NftbcMa so- 
gleich. 

6) A. a. O. 891, C (478): sie Oberlassen ihr Vermögen Angch<)rig«n oder 
Freunden; Rti yop '^oi»c tov ßX^ovta tcX^^v i^ fro{|AOu Xaß^vTO« t^v tofXbf 
icopox^^cat« tote ETI toc diavoia« TufXcortouctv. 



Lebensweise und Grunds&tse. M9 

gewissen Götergemeinschaft , geht aus Philo's ungenauem Bericht 
nicht hervor 0- Mit den Essenern theilten sie nicht Jblos über- 
häiipt den Grundsatz der höchsten Einfachheit in Wohnung, iQei- 
dnng und Nahrung 0? sondern sie trugen auch bei ihren festlichen 
Zosammenkünflen nur weisses Gewandt 9 und ihre Kost bestand 
ans Gemiise , Brod und Wassw, mit Ausschluss des Fleisches utid 
des Weins O- Ja si« hielten das Essen und Trinken , als Befrie- 
digung eines körperlichen Bedürfnisses, überhaupt für etwas 
unreines , was das Licht zu fliehen habe ; und aus diesem Grunde 
wagte keiner von ihnen, wie Philo versichert, vor Sonnenunteigang 
etwas zu geniessen ; manche trieben die Enthaltsamkeit so weit^ 
dass sie nur alle drei Tage , einzelne sogar nur alle sechs Tage, 
Nahrung zu sich nahmen^). Auch in der Schätzung der Ehe- 
losigkeit stimmten sie ohne Zweifel mit den Essenern überein : die 
Frauen, welche in ihren Verein aufgenommen wurden, sind nicht 
ikffe Ehefrauen , sondern Jungfrauen , welche auf die Ehe versich- 
teten, um sich dem therapeutischen Leben zu ergeben'). Ebenso 



1) Doch scheioen die gemeiDsaxnen Mable der Therapeuten ein gemein- 
lames Cigenlham ToraaBKUsetzen, wahrend allerdings an einer so rollstän- 
digen Gütergemeinschaft, wie die der Essener, bei ihrer einsiedlerisoheii 
Lebensweise keine Veranlassung war. 

2) Philo 894, £ f. (477) vgl. 894, C : Ifxp^siov tl ^oncp tiv3( 0|(aAiov 

8) A. a. 0. 899, B (481). Diese Feierkleider waren wohl, wie die esse- 
Biichen, Ton Leinwand; vgl. S. 246, 8. Dagegen trugen sie sonst ebenso, wie 
die Essener, auch wollene Stoffe; rgl. Philo a. a. 895, B (477): xa\ M^j« 9k 
S|u>ui)( t^tcXeoT&'n) • • • X^^^^^ \^^ ^'^ (^) ^^^^^ Sop«; nccjuCta xei(JL(ovo{, ^«»|A( 8k 
^)ouc ^ 36ÖVT2, und ähnlich über die EssKer b. Eus. pr. ev. VIII, It, 6: icpö- 
xnvTot Y^tp xcifUuvi (ilv oTpuf va\ x^A^vot, 6ipti 8' 2(cü(jl{8€( tOteX^. 

4) A. a. 0. 894, E (477): aiiouvrai 8k (bei ihren Sabbathmablen) TCoXuieXkc 
0^, oXXii apTov 6&tcXt) xa\ ot|;ov aX£<, o&c oi aßpoSfaiToi ^capapTuouaiv 6a9cu]cip, 
xotIv t>8(i>p va{iattaiov odTtfit iorty. 900, D (488) : ol^o( lxe(vai( xoftc ^(iipou( (bei 
Olren Bandesmahlen) oOx 62cxo|jLi^sTai , aXXa Bta»fiaz9,xo>t 6$(üp ... xa\ xp^cC« 
M0ap3[ xuv ^vaCpKüv, I9* ^( apToi («iv tpo^i}, )cpo(ö(|nf)pLa 8k SXc<, oT; Icmv 8t€ xa\ 
^eouxof ffiMa\UL icotpaptUetat . . . vij^&Xta yap , «o^ t^( UpeOai Odsiv ^ xa\ toütok 
ßtouv S ^p6b< Xö^o^ ^^YjyiiTat. Vgl. auch S. 243. Ist hier auch nur von den 
Fettmahlen der Therapeuten die Bede, so mussten ihnen doch die hier ange- 
S<il>e&en Gründe auch sonst das Fleisch und den Wein yerbieten. 

5} A. a. 0. 894, f. (476), mit der Begründung: iiui^ xb fikv ^ tXooo^^v 
"^ ^b>tb( xp£vouatv eTvat, ox6tou( 8k xotq 9Ci>{i.cmxa( &v^xa^. 

6) Die Hauptstelle über diesen Gegenstand findet sich S. 899, D (482) : 

17* 



]{60 Tber&penteB. 

verwarfen sie mit den Essenern die Sklaverei als natorwidriff ^> 
Wie Jene hatten sie eine Rangordnung, welche sich nach der Zeh' 
richtete, seit der .jeder dem Verein angehörte ^. Lassen sich fer- 
ner auch di e Reinigungsbader und Waschi/ngen der Essener bei den 



ouvtoTiwviai & (bei ihren Festmahleu) xa\ ^uvoauc, wv al rüMaxca, yi^pouf^ 
O^oi 'djv ^yvefav ..^. 8iavcv^p.v]T«i $^ ^ xaT&xX(ai(| X^9^^ \^ avdpoacv IjiTc SiEu^ 
)(^u>p\c S^ yuvai^v ^7c* eCcovu{i.a. Weiter vgl. m. 894, B (476): in den gotte*- 
dienstlichen Rftamen der Therapeuten seien (wie hente noch in den Syiift|^o- 
gen) Bwei getrennte Abtheilongen, die eine fßr die Mftnner, die andere fBr 
die Frauen ; xoi^ yap xa\ Y^vatxsc i^ Bo\j^ 9uvaxpo£5vTOU, xbv oötbv C^Xov xaä tV 
«dtjjv icpoa{f saiv «x^uoau 902, B (484) : naoh dem Bundesmahl (heilen aie üA 
in einen M&nner- und einen Fraaenchori um Wecheelgeslnge aufkufÜhnsa« 
In der ersten von diese« Stellen könnte nun freilich das RspO^ot u. s. w. niobt 
blos auf fuvatxec, sondern auch auf TcXdarai, als Apposition besogen werdea; 
nur in dem ersteren Fall würde die Jungfrftulichkeit Ton den tberapentiaebai 
Flauen fiberhaupt, in dem andern würde sie blos von der Mebnahl denalbeo 
anigeaagt. Aber unsere ganse Sohildemng macht es, audb abgeaeben tob d«M 
Vorgang der Essener, wahrscheinlich, dasa nur nuTerbeiratbete Frauen ia 
den Verein aufgenommen wurden, also entweder blos Jnngfraaen, oder Tiol- 
leicht neben ihnen auch noch Witwen« Denn es ist nicht allein nirgends tob 
Ehefrauen und Kindern der Therapeuten die Rede, sondern es liest sich unk 
nicht absehen, wie sich solche mit ihrem besitzlosen und müstigen Einsiedler- 
leben vertragen hätten. Wenn ferner S. 899, D gesagt wird : die therapeati- 
sehen Jungfrauen entsagen aus Liebe zur Philosophie den körperlichen Lfi- 
sten, indem es ihnen nicht um sterbliche, sondern um unsterbliche Nacbkoa- 
men lu thun sei, so musste dieser Grund die Therapeuten überhaupt tob der 
Ehe abhalten. Waren endlich, dem obenangefQhrten gemäss, die meisten der 
therapeutischen Frauen schon betagt, so begreift sich diese gleichfalls nur 
unter der Voraussetzung, dass die Therapeuten unverheirathet waren, und ia 
der Regel nur solche Frauen, welche unter Bewahrung ihrer Viiginität scboa 
ein gewisses Alter erreicht hatten, in ihre Qesellschaft aufgenommen wardea. 
1) A. a. O. 900, A (482). 
' 3) 8. 899, C (481) : nach dem Tischgebet lagern sich die icpsgßitxEpoi naoh 
der Ordnung ihres Eintritts in die Gesellschaft; für npecrßJtipoi halten sie 
nämlich nicht die, welche an Jahren die ältesten sind, sondern die, welche 
▼on Klein auf sich der Philosophie (d. h. der therapeutischen Lebensweise) 
ergeben haben. Vgl. S. 288, 1. 287, 1. 257. Neben dieser Rangordnung kom- 
men auch Gesellsohaftsbeamte und Gesellschattsdiener Tor: ein TcpdcSpo^ bei 
den Vereinsmahlen, Vorsänger bei den Wechselgesängen, Festordner (^fi^iu- 
ptvTa\) und Diener bei den Mahlzeiten; vgl. S. 901, D. 902, B. 899, C. 900, B 
(481 ff.) Da aber die Therapeuten nicht in klösterlichen Vereinen, aondeia 
als Einsiedler lebten, hatten sie wahrscheinlich keine so ausgebildete Ordens- 
Terfassung und keine so strenge Ordenszucht, wie die Essener. 



EinriohtangoD; Kaltns. 801 

Therapeuten nicht nachweisen, ebensowenig aber freilich ihnen 
absprechen 9 so haben dagegen ihre Bundesmahie mit den esse- 
nischen die grösste Aehnlichkeit. Am Sabbath, von dessen Heilig- 
keit sie einen ebenso hohen Begriff hatten, wie die Essener, hielten 
sie ein Festmahl ^; an jedem siebenten Sabbath versammelten sfe 
sich in grösserer Anzahl in weissen Feierkleidern zu gemeinsamen 
llahlzeiten ^. Auf Gebete, Vorträge über biblische Texte und 
Gesänge folgte ein Mahl , welghes aus gesäuertem Brod , Salz mit 
Tsop und Wasser bestand^); die Nacht bis zum Morgen wurde 



1) Denn PhUo, der für die Therapeuten nosere eiosige Quelle ist, tbut 
ihrer aooh in seinen Bohilderungen der Essfter keine Erwfthnnng» es lässt 
sieh also ans seinem Stillschweigen nichts schliessen. Mir ist das wahr- 
seheinliehste, dass aneh die Therapeuten diese Sitte getheilt hahen. 

t) Philo 894, E (477) mit der Einleitung: djv tk iß8ö|jiY}V itovCepöv ttva %ek 
«wdbptov vo(A(Covnc sW. 

8) Worflber Philo 8, 899, A — 908, B (481 ff.). 

4) Eine gans irrige Vorstellung Ton diesen Mahlen giebt QbjLts 6. 465 : 
'^0ie Therapeuten hielten nicht blos gemeinschaftliche Mahle, sondern nah- 
men nach dem Mahle eine Art Abendmahl (noNocficxazo^ attiov) ein, bestehend 
«oe ungesäuertem Brode, woran Jedoch nicht alle theilnabmen, sondern nur 
die Beesem, die solches als besonderes PrIrogatiT genossen haben. Ist das 
niebt obiiaUiob?^ F(U*s erste nftmlich fand Jenes sog. Abendmahl nicht nach 
dem gemeinsohafÜichen Mahl statt, sondern es selbst war dieses gemein- 
schaftliche Mahl, wie dioss aus der Vergleiohung Yon S. 900, D (483 o.) mit 
902, A (484 u.) unwidersprechlich herrorgeht, und durch den gansen Zusam- 
menhang der Stelle bestätigt wird. Sodann bestand dieses Mahl' nicht in 
«igeaAuertem Brod, sondern Tielmehr, nach Philo*s ausdrficklicber Angabe, 
sum Unterschied Ton dem ungesäuerten Brod (den sog. Schaubroden) im 
Tempel, in opTO^ ICufAco^^voc Pjbensowenig war der Genuss desselben, 
'drittens, „ein PrUrogatir der Besseren**': die Worte, worin Gratz diess findet 
ifffL iy^foat 9rpovo{i{ocv o( xpsiTtovef), gehen Ja auf die Jüdischen Priester, denen 
die Therapeuten vor sich selbst das Vorrecht einrüumen wollten, ungesAuertes 
Brod und Sala ohne Zuthat zu geniessen. Wenn endlich GbItz mit der Frage 
sehliesst: „Ist das nicht christlich ?<* so wäre* darauf unbedenklich mit Nein 
zu antworten ; denn wenn auch- eine Abendmahlsfeier mit Brod und Salz, eben 
in Nachahmung des essenisch - therapeutischen Brauches, bei ebjonitischen 
Partheien Torkommt (m. vgl. die Stellen, welche S. 243, 2 angeführt sind), s6 
ist doch dayon, dass die Theilnahme am Abendmahl im zweiten oder dritten 
Jahrhundert das Prärogativ der „Besseren** (wer ist darunter zu verstehen ?) 
in der ehristliohen Gemeinde gewesen wftre, mir wenigstens nichts bekannt; 
dass nSmlioh Ungetaufte und Excommunicirte von demselben ausgeschlossen 
waren, wird man doch wohl nicht hieher ziehen wollen. 



Tfaerapentea. 

unter Absingung von Liedern zugebracht, mit deren AbfaMUOg 
sieh die Therapeuten viel beschäftigten , und von denen sie einen 
grossen Vorrath in den verschiedensten metrischen und musikali- 
schen Formen befsassen 0- Zu ihren gottesdienstlichen Debungen 
gehörten auch die taglichen Morgen- und Abendgebete , welche 
ohne Zweifel an die gleiche Vorstellung von der Heiligkeit d^ 
Sonnenlichts anknüpften, wie die der Essener, da ausdrucklich be- 
merkt wird, dass sie mit dem Auf- und Untergang der Sonne ver- 
richtet wurden, und auf diese Naturerscheinung Bezug nahmen')- 
Wenn wir endlich schon den Essenern eine allegorische Auslegung 
der alttestamentlichen Bücher zuschreiben mussten, so wird von 
den Therapeuten noch bestimmter bezeugt, sie haben den 
Wortsinn derselben für ein blosses Symbol eines tieferen Sinnen 
gehalten, der mittelst allegorischer Erklärung an 's Licht gebracht 
werden müsse '). Die zahlreichen Schriften, in denen diese Erklä- 
rungen niedergelegt waren , sind leider verloren f und auch iber 
den Inhalt derselben wird uns nichts mitgetheilt ; da sie sich aber 
gerade durch ihre Vorliebe für das beschauliche Leben von den 
Essenern unterschieden, die Theorie für den göttlichsten Theil de)r 
Philosophie gehalten haben sollen ^3 , und da auch eine so dorck- 
geführte allegorische Erklärung, wie die ihrige, immer eigenthteh- 
liche Lehrsitse voraussetzt, so können wir mit Sicherheit annehmen. 



1) Vgl. Auoh S. 898, £ (476). 

3) Philo 898, C (476) rgl. 908, A (485), naoh dem sie bei SonneoMf- 
g«ng flehten: ^cdto« oöpovfou x^v Si^oiav aOtcov l(ucXi)o0^va(. 

8) A. ft. 0. 898, D (475): IvTUYX^ovicf y^P '^^^ Up<üx^iC ^p&^L^i»9i fda- 
eof o9ai tjjv ff^tptov f (Xo90f (ov aXXi)Yopo8vTt(, iiaih^ onijißoXa la t^{ ^^^ ^H^ 
Wo« vo|A(!^ou9t f <icr«b>( dt9cox8xpu|A(UvilC Iv ÖTEovoiai^ $i]Xou(i^C ' f9ti tk ocOtolc tA 
ouyypVc^^* icoXflu&v «vdp&v, o1 v/^i «fp^aecof ap^yhai yivÖ|mvo( itoXkk ^vi)|a4s 
tS)c iv Ttftc fllXXi}'fopou(iivotc {$^0« ötcAitcov, otc xaOa;cip tiv^v opxexuxot« XP*'^'^*^ 
|ii(MiivTai T^c icpooip/oiciK tbv Tpöicov. Ebd. 901, C (483): at 81 c&iYijattc tdv 
Up«&v Yp«|i^tiüv Y^vovtou $r 63COVOUOV ht iXkrifoplca^, Socoe« yop ^ vofjioÖevta 8oxi1 
TOi( &v8pa9i Toüxoif ^oix^vai (i^cp * xa\ acopka ^ l)^eiv t^( ^ijtoc $iaxa^stc, «^u^V ^ 
xov ^vaicoM((uvov TaT( X^ioiv jxdpaxov vo5v. Die 6n6voia beseiohnet den unter 
eindB Bilde verborgenen Binn; Tgl. Philo Qq. det pot. insid. 186, D (S8SU.) 
und 1. Abth. 801, 2. 

4) A. a. O. 889, B (471): *£99a{cüv ni^i dioXfxOil«, ol xbv npwvx^ «C>PIm- 
a«v %A 8uxövi)aav ßfov . . . oMxUol xol iccp\ xo>v 6ccop{av iaKwt^m ... xk npo^ 
»ovx« X^(u. 899, D (481 t): fOr Rpcvßüxspoi halten sie xoü« ... lvcac|i^oivxac xf 



All9gori«» ipukaUtiTe Richtung. 

die Spek«l«lion sei bei ihnen weiter entwickelt gewesen, ita bm 
den Ewenera, and sie seien in dieser BezieliuDg die nichsten Vod- 
liBfer PUIo's auf jüdischem Religionsgebiete gewesen. Auch> die 
Biohtaqg dieser Spekulation war ohne Zweifel im allgemeinen von 
dfirjenigen der späteren alexandrinischen Beligionsphiiosopbie 
aiclit verschieden, und jener anthropologische und metaphysische 
Dnalismos , dessen Sparen wir schon bei den Essenern fanden^ bei 
ihaeQ noch bestimmter zum Dogma ausgebildet ; da uns aber unser 
oiiiziger Zeuge alle nfthere Auskunft hierüb^ versagt hat, können 
wir Aber diese allgemeine Vermuthung nicht hinausgehen. 

Uüi nun die geschichtliche Bedeutung dieser Partheiea richlig 
n beartheilen^ muss vor allem festgestellt werden , wie es sich mit 
ftrem Ursprünge verhalt. Sind die Essener und Therapeuten im 
wesentlichen aus der inneren Entwicklung des Judenthums herven- 
legangen , so dass sie nur etwa Einzelheiten von untergeordneiar 
Bedeatung anderswoher entlehnten , oder haben wir uns ihre EnA- 
3tskang von Anfang an aus der Einwirkung fremder Elemenle 
•Bf das Jndenthum zu erklären? und wenn das letztere i&r Fall 
fein sollte, welches- waren diese Elem^te, welchen Beitrag haben 
fie rar BiMong der beiden Partheien' geliefert, und wie isft ihr 
Verbiltaisg zu der jüdisch •* nationalen Grundlage derselben n 
bssüBmien? 

Für die Beantwortung dieser Fragen lässt sich, wie überall, 
wo es uns an glaubwürdigen Nachrichten fehlt, nur der Weg dar 
wimeiischafUichm Vermuthung einschlagen. Wir müssen unter- 
mehen , von welcher Voraussetzung aus sich die uns bekannten 
Sigenthumlichkeiten der Essener und Therapeuten am besten und 
zuständigsten erklären lassen ; je mehr eine Ansicht dieser Auf- 
gabe entspricht , um so grossere Wahrscheinlichkeit wird sie für 
lidihabm. 

Hören wir nun zunächst diejenigen, welche einen rein«- 
jödischen Ursprung jener Partheien behaupten, so wird derEssäis- 
BQs von ihnen bald nur überhaupt als eine besondere Form der 
jidjschen Frömmigkeit behandelt, bald bestimmter an die natioi- 
Asleninstitute des Priesterthums und der Prophetie angeknüpft. 
Jenes geschieht von Ewald und von der Hehrzahl der neueren 
jUischen Gelehrten; dieses von Ritschl und Hilgenfeld. Aber 
keine von diesen Erklärungen gewährt eine befriedigende Vor- 



(64 Essener and Therapeuten. 

ftellimg Ton der Entstehung ond dem Charakter des Bssiismifl. 
Die erste derselben halt die Bssaer für Abkömmlinge derjenigCB 
Parthei unter den palästinensischen Juden , welche während der 
Seleucidenherrschafl im Kampf gegen den eindringenden Hellenis- 
mns auf die Reinhaltung der nationalen Glaubens- und Lebens- 
weise, di6 strenge Beobachtung des mosaischen Gesetzes und der 
späteren auf seine Auktorität gestützten Ueberlieferungen hin- 
arbeitete ) der gleichen, aus welcher in der Folge der Pharisäis- 
mus henrorgieng. Nach Ewald ^ sollen solche Mitglieder dieser 
Parthei , welchen die Aeusserlichkeit und Herrschsucht des Phari- 
säismus widerstrebte, sich aus der Gesellschaft, als einer unfron- 
men und Terdorbenen, zurückgezogen haben, um sich in kleineren 
Vereinen einem heiligen Leben zu widmen, und diess wären die 
Essener. Andere lassen den Essäismus umgekehrt aus einer 
Ueberspannung der pharisäischen Grundsätze über leTitische Rein- 
keit entspringen 0. Darin stimmen jedoch beide Theüe Abereia, 
dass derselbe in allen wesentlichen Beziehungen auf dem Boden 
des strengen, gesetzeseifrigen Judenthums stehe, und aus am 
allein, ohne die Annahme fremder Einflüsse , zu erklären sei ; und 
so bringen auch beide denselben mit der älteren jüdischen Ascesa, 
dem Nasiräat, in Verbindung. Nun steht es freilich ausser Zweifd, 
dass die Essener und Therapeuten selbst ihre Lehre ganz aus den 
heiligen Schriften ihres Volkes schöpfen, dass sie überhaupt nichts 
anderes sein wollten, als ächte Juden ^). Aber den gleichen An- 
spruch macht auch Philo und die ganze jüdisch -alexandriniseke 
Schule , so handgreiflich auch ihre Abhängigkeit von der griechi» 
sehen Wissenschaft ist; wie diess ja auch die christlichen Sekten 
in ihrer Art ebenso zu machen pfl^en. Ebenso ist unläugbar, 
dass der Essäismus in dieser seiner Eigenthümlichkeit nur auf 
jüdischem Boden entstehen konnte , und dass seine Entstehung»- 
gründe in der geschichtlichen Entwicklung des Judenthums 



1) IL 8. fiber diese Parthei, die sog. Chasidim: Ewald Gkech. d. T. 
Uu nit 828. GbXts Gesoh. d. Jaden m, 6 ff. Jost Qesch. d. Judenth. 1, 198. 
Hbbivkld Qesob. d. V. Jisr. II, 857. 

8) A. tu O. 419 f. Oegen ihn Bitschl Theol. Jahrb. XIY, 819 f. ^ 

8) OalTs und Jost in den 8. 884, 1 namhaft gemachten Sohriften, naoh 
Fbavkbl. 

4) Vgl. S. 841 & 857 tut. . 



Kein reisjüdlaeher Uripcang. 

garackt werden^ musseii ; aber die Frage igt eben die , ob sie in 
setner inneren Entwicklung für sich allein liegen , oder ob der 
foaismos Tielmehr, wie so manche ähnliche Erscheinung, aus der 
Berttrang des jüdischen Wesens mit dem fremden und aus dem 
Bedfirfiuss benrorgieng, jenes mit diesem zu vermitteln und zu 
eiginzen. Hiefür genügt es nun nicht, eine theilweise Ver- 
wandtschaft des essdischen mit dem reinjüdischen aufzuzeigen , die 
Afcese der Essäer mit dem Nasiräat, ihre SchriflerklSru^g mit der 
gleichzeitigen rabbinischen, ihre sittlichen Grundsätze mit alttesta- 
Deatlichen Aussprüchen zusammenzustellen; denn damit wären 
inner nur jüdische Elemente im Essäismus , nicht sein reinjüdi- 
fcher Ursprung bewiesen. Sondern es müsste wahrscheinlich 
genaeht werden, dass neben dem gemeinsam jüdischen, was er in 
fidi hat, auch seine unterscheidenden Eigenthümlichkeiten aus 
dem Judenthum herstammen. Dieses lässt sich aber nicht darthun. 
Der Eifer ffir jüdische Gesetzesfrömmigkeit konnte für sich allein 
nienals dazu fuhren, in den Thieropfern einen von den wesent- 
licksten Beatandtheilen des nationalen Kultus und eine Masse der 
ftvsdrücklichsten Gesetzesbestimmungen zu verwerfen; der 'jüdi- 
schen Ueberlieferung können die Essener nicht gefolgt sein , wenn 
M das Oely mit welchem Priester und Könige gesalbt wurden, für 
ene Befleckung erklärten, oder wenn üe in schroffem Gegensatz 
I« der alHestamentlichen Anschauungsweise die Ehe verschmähten 
and auf die Jungfräulichkeit den höchaten Werth legten ; im jüdi- 
when Gesetz und der jüdischen Sitte ist weder das Verbot der 
Sklaverei, noch das des Eides begründet ; der jüdische Monotheis- 
■as konnte nicht zu jenen Vorstellungen über die Sonne und die 
Benente hinführen, welche so auffallend an die Anschauungen der 
Nitorreligion erinnern ; die jüdische Dogmatik kennt weder die 
Inseln der Seligen, noch den Glauben an eine Präexistenz und ein 
körperfreies Leben der S^ele nach dem Tode , an welchem den 
Bisenern so viel lag, noch ihren sonstigen metaphysischen Dualis- 
nns^; und wenn die allegorische Schrifterklärung allerdings auch 



1) VgL 6. 254y 3. 187| 6. Dem Gebet an die aufgehende Sonne begegnen 
^ Mhon bei Plato Symp. 820, D in der bekannten Enihlnng aber den 
VotfiU Tor PotidSa. 

S) Worflber 8. 250 f. 



EifOBor and Tb^rapeui^B« 

der palistinensiflohen Theologie nicht fremd blieb, so begefiiel 
doch eine so durchgeführte Anwendung derselben , wie sie nicht 
blos von den Therapeuten, sondern auch von den Essenern bese«gt 
wird 9 sonst in jener Zeit nur da, wo ausserjüdische Ele»enie, 
und naher die Ideen der hellenischen Philosophie, in den j ndisclM» 
Vorstellungskreis einzudringen begonnen haben. Schon diese 
Zuge machen es höchst unwahrscheinlich , dass der Essalsmos au 
dem Judenthum ohne allen wesentlichen Antheil anderweitiger 
Einflüsse sich entwickelt hat 

-Diese Bedenken werden auch durch Ritschl's und Uiloui- 
FEU)*s Annahmen nicht gehoben; so richtig im übrigen beide 
erkannt haben , dass die jüdische' Frömmigkeit jedenfalls nur nnter 
dem Einfluss eigenthumlicher Motive, und unter thdiweiser Aen- 
derung ihres ursprünglichen Charakters , sich zum Besaismns ent- 
wickeln konnte. 

RiTSCHL ghiubt den Schlüssel zum Verstandniss des 
mus in der Annahme gefunden zu haben , dass die Essener 
Priestei^esellschaft darstellen wollten, deren Mitgliedern der {nria- 
sterKche Charakter unabhängig von ihrer Abstammung zakonme; 
der Essaismus soll der Versuch sein, die Idee des nilgemeinen 
Priesterthums CExod. 19, 6) zu verwirklichen. Aber dass gerade 
dieses der Grundgedanke desselben gewesen sei , Usst mA nickt 
erweisen , und viele von den bezeichnendsten Eigenthümlichkeitan 
der Parthei lassen sich aus dieser Voraussetzung nicht erklären. 
Die Essener behandelten allerdings ihre heiligen Mahle als Opfar- 
mahle; aber mit Unrecht schliesst daraus Ritschi, sie heben um 
ihres priesterlichen Charakters willen nur Opferspeise geniesMn 
wollen ') ; davon nicht zu reden , dass es gar nicht zum Ghnrakter 
des jüdischen Priesters gehörte, sich auf Opferspeise au besohrin- 
ken. Sie trugen in ihren gottesdienstlichen Versammlungen leinene 
Kleider, wie sie auch den jüdischen Priestern fOr gewisse Amts- 
verrichtungen vorgeschrieben waren; aber dass sie sich dadnreh 
als Priester bezeichnen wollten, folgt um so weniger, da die Lein- 
wand bei den verschiedensten Völkern für einen reineren Stoff 



1) Vgl. S. 248, 8. 

2) Thool. Jahrb. XIV, 822 ff. Entot d. altkath. Kictsb« 179 f. 
8) Vgl. 8. 248, 8. Theol. Jahrb. XV, 418 L 



Keia reiBjfldtnoher Urjipcang. . 907 

gehsHen, und nicht Mos für die Priestergewänder , sondern anch 
fir die Todtenkleider und die Tracht der Asceten Torgezogen 
wurde 0- Ebensowenig liegt in den essäischen Reinignngbidern 
eine Hindeutung auf einen priesterlichen Charakter. Vielmehr 
beweist alles, was wir von den Essenern wissen, dass nicht die 
Heiligkeit des Priesters, sondern die des Asceten, der Ge- 
sichtspunkt war , von dem ihre eigenthümliche Lebensweise aus- 
f ieng ; d. h. es handelte sich bei derselben für sie nicht darum, 
aaderen gegenüber die Stellung von Priestern, von Vermittlem 
ihres Terhiltnisses sur Gottheit zu gewiünen , sondern in letzter 
Benehung nur darum, für sich selbst in das rechte Verhftltniss zur 
Gottheit zu kommen*). Hätten die Essener eine Priestergesell- 
schaft sein wollen, so hätten sie vor allem darauf ausgehen müssen, 
och eine Gemeinde zu verschaffen , von der sie als ihre Priester 
anerkannt wurden, sie hatten sich um Einfluss im Volke bewerben, 
die Leitung seiner religiösen Angelegenheiten in die Hand nehmen 
müssen, statt sich in die Einsamkeit und Abgeschiedenheit zurück- 
zuziehen; und wäre das jüdische Priesterthum das Vorbild ge- 
wesen, das ihnen bei ihren Ordenseinrichtungen vorschwebte, so 
würden sie weder in den Thieropfern einen Grundpfeiler des natio- 
nalen Gottesdienstes, noch in der Ehe die Grundbedingung des 
israelitischen, an die aaronitische Abstammung geknüpften Priester- 
thoms verworfen, noch auch das Salböl als eine Befleckung 
geniedeB habend; Qm die übrigen Beweise für den ausserjüdi- 



1) Th. Jahrb. XV, 416 und oben 8. 130, 3. UO, 1 und Bd. I, 237, 5. 

3) Auf diesen UnterBobied babe iob sobon Tbeol. Jabrb. ZV, 415 auf- 
awksam gemaohk BiTSCHLAltkathol. K. 179. 188 yer wirft meine Beitimmung: 
litr Begriff dt» PriesterB Bei im A* Test. arBprünglich niobt der dee Mittler«, 
■oadeni der des Heiligen, Ton Qott Erwäblten. Andere werden rielleicbt an- 
derer lieinong Bein; indeasen ist diees bier gleichgültig; die Frage ist ja niobt 
4i^ wu daa Wort ^ns (Prieeter) ursprüngliob besseicbnete, Bondem wae im 
■^ätereo, naehezilijicben Judentbnm die Stellung und.Bedeatang der PrieBter- 
Mhaft war; wenn die fiaeener Priester sein woUten, konnten sie docb nar daa 
Mia wollen, waa nun aa ibrer Zeit anter einem Priester verstand. 

3) VgL TbeoL Jabrb. XY, 417 f. Was Ritscbl Altkatb. K. 185 ff. Tgl. 
Tk. Jahrb. XIY, 338 ff. aar Beseitigong dieses Einwurfs bemerkt, bewaiat 
nx für die Verlegenheit, in die er durch denselben gesetit wird. Die 
IiMier, sagt er, haben sich des unter dem leTitisohen Priestartbum sta- 
^im Tampelkuitoa enthalten, weil m ihren eigenen priesterliohep Kultur 



S68 Essener und Theiapeateo. 

sehen Ursprung ihrer auffallendsten Eigenthümlichkeiten hier nidil 
zu wiederholen oder vor wegzunehmen. Aber sie waren von dem 



für genügend and für besser hielten, und da sie nun nur Opferspeise geni 
wollten, Thieropfer aber nur im Tempel dargebracht werden durften, 
sie folgerichtig auf den FleiAchgennss überhaupt Terxichtet. Allein, daee 
Opferspeisen geniesen durften und wollten, ist nicht richtig, wie schon 8. 24S,$ 
nachgewiesen wurde; hätten sie aber wirklich diesen Grundsatz gehabt, nndaioh 
dabei so streng, wie Ritschi annimmt, an*s mosaische Gesetz binden wollen, 
80 bitten sie sich aller andern Nahrung ebensogut, wie des Pleischee, etitkal- 
ten müssen, denn unblutige Opfer durften so wenig, als Thieropfor, anMerdnn 
Tempel dargebracht werden ; lieaen sie andererseits die übrigen Spedsea flir 
Opferspeisen gelten, sobald sie durch*s Gebet geweiht waren, so sieht 
nicht ein, warum diess nicht auch bei den Fleischspeisen hätte der Fall 
sollen. Auch das aber lässt sich nicht annnehmen, dass die Essler desnhnlb 
keine Opfer im Tempel darbringen wollten, weil sie nur sich selbst, nieht die 
leritisohen Priester, als wahre Priester anerkannten, denn diesen Anspnek 
machten sie, wie sogleich geseigt werden wird, nicht Qass endlich Jos. Antt 
XVm, 1, 5 sagt: Oueia; oOx itciTeXoiiat ^ta^opönjn ayviiuv, &( vo(i.iCouVy beweist 
nichts; die Frage ist eben, warum sie ihren eigenen gottesdienstlichen UeboB- 
gen vor deiS öffentlichen Opfern den Vorzug gaben. Das Verbot der Thieropftr 
und der Fleischkost lässt sich aus Ritsphrs Hypothese schlechterdings nkdit 
erklären. — In Betreff des Salböls ▼ermnthet Ritscbl, die Easäer hnben das- 
selbe gemieden, um sich dadurch dem leyitischen Priesterthum, welches dvrek 
Salbung übertragen wurde, entgegenzusetzen. Aber er selbst kann das Ge- 
ständniss nicht unterdrücken, dass diese Annahme ihre Schwierigkeit habe; 
und diese Schwierigkeit ist wirklich so gross, dass dieselbe ganz nnznlissig 
wird. Denn die £8säer unterliesen nicht etwa nur die Salbung ihrer Priestisr 
als etwas, das ihnen nicht zukomme oder dessen sie nicht bedürfen, aonden 
sie Terabsoheuten das Oel als einen Stoff, dessen Berührung Terunreinige 
(vgl. S. 245, 1). Wie wäre diess möglich gewesen, wenn ihre Idee der Rein- 
heit Ton dem jüdischen Priesterthum abstrabirt war, für welches die Salbnng 
als Zeichen der Weihe und der göttlichen Begabung die höchste Bedentug 
hatte? — Was schliesslich die b^helosigkeit anbelangt, so weiss sich RitseU 
(Über den auch S. 244, 2 s. vgl.) nur durch die Vermuthnng zu heÜeo, dss 
Gesetz Levit. 15, 18 sei wohl schon frühe dahin missverstanden worden, 
dass es die eheliche Beiwohnuug überhaupt für yernnreinigend erkläre, and ia 
Folge dieses Missverstttndnisses haben die Essener in der Ehe überbanpt ein 
Hindemiss ihrer priesterlichen Reinheit erkannt. Er hat dabei nur Tergesseo, 
dass es nach seiner eigenen Voraussetzung das jüdische, auf die Abstammung, 
and mithin auf die Ehe, gegründete Priesterthum gewesen sein soll, dem die 
Essener ihre Einrichtungen nachbildeten, und dass es ein in der Gesohiehte 
beispiellos dastehender Fall wäre, wenn sich eine leligiöse Parthei ohne tiefer- 
gehende innere Gründe, einer einzigen, mehr als zweifelhaften fioliriftstslls 
Bolieb) SU einem so eingreifenden Widersprach, nicht allein gegen die be- 



Kein reinjfldisolier Ursprung. MH 

Gedanken eines allgemeinen, jedem Mitglied ibrea Ordens als 
iolchenii zaalebenden Priesterthnms so weit entfernt , dass sie viel- 
Bekr ihre eigenen gewählten Priester hatten, weil die heiligen 
Speisen nicht ohne priesterliches Gebet bereitet und genossen 
werden durften 0; und die Absiebt, ihren Orden an die Stelle des 
lenfischenPriesterthums zu setzen, lag ihnen so ferne, dass wenig- 
stens von den Therapeuten ausdrücklich bezeugt wird, sie haben 
den Prieatem in jerusalemitischen Tempel den Vorrang vor sich 
selbst zugestanden *}• D^f nachweisbare Charakter der Essener 



■ämmtasten anderweitigen Anssprtlcfae der Schrift, sondern auch gegen die 
game Bitte, Denkweise and Beligionsyerfassung ihres Volkes entsohlossen 
Idtte. Wird Ritsehl nicht lieber anoh den CöUbat der katholischen Priester 
ans dem MissTerstlndniss irgend einer Bibelstelle herleiten? 

1) Jos. Antt. XVnl, 1, 6. B. J. II, 8, 6 Tgl. 8. 286, 2. 248, 2. 

i. Philo t. contempl. 902, A (484): Die Therapeuten gebrauchen bei 

ihren Mahlen ^eaftuertea Brod und Salz, das mit Tsop gemischt ist, ^c* a28£> 

1% iv«xiiiifvi|« Iv x& arfito izpov&ta Tpaff^Y)<. Auf diesem n&mlioh stehe nngesln* 

cttas Brod nnd ungemischtes Salz , die Therapeuten dagegen haben beides 

weniger rein. Dpoi^xov yap ^v ra [ih anXot^ftta )ca\ eDCixpiv^araxa i}} xpatCot]!) 

twv kpfiv (1. (ep^twv) anovs|jiY)Oi{va( \uplBi^ XciToupY^af SOXov tob{ Sk aXXou« xa (ilv 8|jioia 

C^oQv, dbc^iaOac tk twv «ptcov (1. aCroSv), Tva zx*ti9i 7;povo(Afav ol xpeftrovE«. Von 

dea Essenern wird ahnliches nicht ansdrficklioh berichtet; wir können aber 

ua so weniger bezweifeln, dass sie in ihrem Urtheil über das jüdische Prie- 

itHtknm mit den Therapeuten abereinstimmten, da sie im ganzen der bei den 

PiUstinensem herrschenden Denkweise noch naher standen, als jene. Ihre 

Verehrung Ittr den Tempel legten sie durch Weihgeschenke an den Tag 

(Jos. Antt. X VIII, 1, 5) ; wurde aber die Heiligkeit des Tempels von ihnen 

ttierkaant, so können sie auch der ffir diesen Tempel rerordneten Priester- 

Mhaft ihre göttliche Sendung nicht bestritten haben. Dagegen ist es eine 

tbereilte Folgerung, die Ritsohl a. a. O. 187 zieht: wenn die Unterlassung 

▼Ol Thieropfem und Fleisobgenuss bei den Kssenem in der Ueberzeugung 

▼OB Üer Unreinheit des thierischen Lebens begründet wftre, mflssten sie den 

jemsalemisohen Tempel als Hauptstatte aller Unreinigkeit yerabscheut haben. 

b ift ja auch möglich, dass sie zwar den Tempel als heiligen Ort und gött- 

Kebe Stiftung yerehrten, aber in den Thieropfem einen später aufgekommenen 

ICMbrauch sahen, sei es weil sie die Thiere um des Zeugungsaktea willen für 

vifftin, sei es weil sie Schonung alles Lebens ffir Pflicht hielten. Genau diese 

Stellmig geben sich die christlichen Essener, die Ebjoniten, zum Tempel: 

^ Opferwesen erklären sie fdr die Hauptsfinde des Volks, seine Abschaf- 

^gflr die Hauptaufgabe Christi, alle Sohriftstellen, die Opfer yorsehreiben, 

Ar gefUsoht, die thierische Nahrung für gottlos und naturwidrig (Epitb. 

Baer.SO, S. Clbioht. Homil. III, 46. 52. VIII, 15. 19 ygl. Beoogn. I, 86 ff. 



970 Esseaer nnd Therapoateii. 

dient daher Ritschrs Hypothese nicht Mos nicht zar BmpfeM«ttf, 
sondern er ist mit derselben ganz nnyereinbar ; mag auch die Idee 
der priesterlichen Heiligkeit aur die Ausbildung der esseniscbea 
Sitte einigen Einfluss gehabt haben 0« so Ifisst sich doch &m 
Bssfiismus als Ganzes nicht aus der Nachbildung eines Institnü 
Jierleiten, mit dem er in seinen Grundzugen so vielfitcb in Wider* 
Spruch steht. 

Auch Hiloenpeld's Ansicht hat vieles gegen sich. Nach seiner 
Darstellung*) wäre der Essiismus eine Form der jüdischen Apofca- 
lyptik: sein letztes Ziel war die prophetische Erleuchtung; das 
Mittel, wodurch man sich auf diese vorbereiten und sie eriangen 
wollte, war die Ascese ; die Eigenthumlichkeit der ascetischen Le- 
bensweise und der enge Verband der apokalyptischen Schule fahrte 
zu den abgesonderten Ansiedlungen und dem Vereinsleben der 
Essener, um so mehr, je verderbter ihnen die Gegenwart im Ver- 
gleich mit der Zukunft erschien , der sich ihr prophetischer Blick 
zuwandte. Dieser Auffassung stellt sich jedoch zunächst schon der 
Umstand in den Weg , dass sich von der messianischen Brwartmig 
bei den Essenern keine sichere Spur findet, währende doch then 
diese Erwartung den wesentlichen, ja strenggenommen den einzi- 
gen Inhalt aller apokalyptischen Prophetie bildet. Keiner von 
unsern Berichten erwähnt ihrer, nichts in den Sitten, den Einrich» 
tungen, den Kultusgebräuchen der Essener weist daraufhin, oder 
wird mit der Rücksicht auf die künftige messianische Zeit begrün- 
det; auch die essenischen Weissagungen, von denen erzählt wird^ 



64), aber der Tempel bleibt ibnen der heilige Ort (Clbmeiit. Homil. 11, 17. 
2S), and derselbe Jakobus, welcher sieb aller thierischen Nahrang (asd somit 
aoch der Tbieropfer) entbftlt, betet tAglicb darin (Rbobs. b. Eos. K. O. TI, 
28, 6 f.). 

1) Eine derartige Spur könnte man (mit Ritschi, Altkatb. K. 184) in der 
Entbaitang Tom Wein finden, welche aach Paii.o. (s. o. 259, 4) mit derjenigen 
der Priester wftbrend ihrer gottesdienstlichen Verriebtangen sasammenstelh. 
Doch iKge hier, wenn man einen jüdischen Vorgang sacht, der des Nasirftata 
nfthor. Noch wahrscheinlicher Ist aber anob fFir diesen Zug der des Neapytha- 
goreismas, da in diesem auch die weiteren mit ihm zasammenhtngenden Eigen- 
tbfimliobkeiten der Essener ihre Parallele finden. 

2) Jfid. Apokalyptik 245 ff. Ihm folgt Ubb^rwbg Orundr. d. Geseb. 
d. Phil. I, 202. 

8) 8. o. 285, 2. 



'Kala reSaJUdiieber üripr«iig. 97t 

iMiWImi ficb avf ganz andere IMnge ^3 ; von den Tberapenfen 
i rimw wir nicht einmal, ob sie überhaupt anf Brkenntnias der Zo- 
kinfl ans^engen, and in der ausführlichen Schilderung ihrea 
Qottesdienates bei Philo kommt kein Zug vor, welcher den^lben 
alt eine Vorbereitung auf das Kommen der measianiscben Zeit er- 
leheinen lieaae. Wie wdre diess möglich, wenn der ganze Essiia- 
mn gar nichta anderes, als eine solche Vorbereitung, wenn alles 
ia ihm auf apokalyptische , d. h. messianische Prophetie angelegt 
nire? Aber wollte man auch hiefür nur die Lückenhaftigkeit 
aaserer Berichte yerantwortlich machen, und eine essenische Apo- 
kaiyptik angeben'), für welche man sich vielleicht auf das Budk 
Heaock berufen könnte 0, so wird doch die Weissagungsgabe immer 
aar einzelnen Essenern als eine ausserordentliche Eigenschaft 
ngeschriebenO; davon, dass die ganze Parthei eine Propheten- 
s^le sein wollte, dass ihre ganze Lebensweise nur den Zweck 
iuitte, ihre Mitglieder zum Empfang höherer Offenbarungen zu 
be&Ugen, können wenigstens unsere Berichterstatter nichts ge- 
wfliil haben. Die Eigenthümlichkeit der Parthei lässt sich aber 
iich aas diesem Gesichtspunkte nicht begreifen. Die Enthaltung 
TOn sinnlichen Genüssen mag immerhin als eine Vorbereitung auf 
prophetische Erleuchtung betrachtet worden sein ^) , wie sie über- 



1) Hir^BXPBLD S. 256 bemerkt zwar, die EreigniBse» die tod Essenern 
|tw«iissgt worden sein sollen, sieben docb in einer sebr naben Besiebang sn 
te Sebieksal des Jadentbnnfs, sofern sie nftmlicb die jfldischen Fürsten und 
ihre Familien betreffen. Aber dadurch werden sie nocb nicbt an Bestand« 
tV«n«D der apokaljptiseben Propbetie. Diess wären sie erst, wenn sie mit 
d«i Bndsiel der Jfldisohen Qesobicbte, dem messianisoben Beiobe, Sn irgend 
•iasQ ZnsasBssenhang geseilt wiren. 

2) Was aber doch immer nur besagen würde, dass die Essener die mes- 
■^iiohen Brwartongen ibree Volkes getbeilt, nnd einaelne derselben sie in 
^P^ktljpiisoher Form ansgesprocben baben, nicht dass der ganse Esstismos 
Apokalyptik sei. 

B) Vgl 8. Anm. 6. 

4) VgL 8. 265, 1. 

&) HtL«vm.i> B. 95S rerweist btefflr auf Dan. 1, 7 f. 10, 2 f. Doeb ist 
^«be dieier Stellen beweisend: in der ersten entbalten sieb Daniel nnd seine 
^**^ds der Speisen und des Weins von der königlioben Tafel, um sich niobt 
^veb Tiicbgenossenscbaft mit den Heiden au Terunreinigen, in der awetien 
^■^ Daniel ans Traner fiber das Sohiokaal seines Volks, und er enthalt sich 
^ nicht blos des Fleisches nnd Weines, sondern auch des Brodes. Weiter 



S7S Essener und Therapenten. 

haupt bei anhaltender Beschäftigung mit religiösen Uebangen ha^ 
kdmmlich war und sich leicht erklärt; aber von da ist es noA 
weit zu jener unbedingten und grundsätzlichen Verwerfung der 
Fleischkost, des Weintrinkens und der Ehe, wie wir sie bei den 
Essenern getroffen haben. Schon ihre Lossagung vom gesetzlichen 
Opferdienst zeigt, wie wenig sich ihre Denkweise aus der jüdiadiea 
Ansicht von der Prophetie und überhaupt aus dem jüdischeD 
Wesen als solchem erklaren lasst. Was ferner ihre gesellschaft- 
lichen' Einrichtungen betrifft, so lassen sich diese unmöglich ab 
eine so ausserwesentliche Zuthat zu ihren ursprunglichen Bestre- 
bungen behandeln, wie diess von Hilgenfeld folgerichtig geschieh!; 
sondern es liegt am Tage, dass sie in ihrer ganzen Geistesrichtung be- 
gründet sind, dass sich durch sie das gleiche sittliche Ideal in eiaem 
Gemeinleben zu verwirklichen sucht, nach welchem die Ascese 
der Essener und Therapeuten das Einzelleben derselben gestaltet. 



beruft sich H. auf das Buch Henooh, wo der FleischgeDuss alt eine Folge 
von dem Abfall der Engel därgestellti und von dem Propheten aeitweiee 
haltung vom ehlichen Umgang verlangt werde (jenes 7, 4 f. 98, 11, dii 
88, 2. 85,8), undanflV. EsraS, 24. 26. 12, 51, wo sich der Prophet gleichfalls 
durch Fasten vorbereite. Allein die letzteren Stellen können nicht mehr be- 
weisen, als die entsprechenden des Daniel; was aber Henocfa betrifft, so er- 
sfthlt zwar dieser von einer Off'enbarung, die er noch vor seiner Yerheiratfaung 
gehabt habe ; dass jedoch damit die Virginitftt als ein Erforderniss der Pro- 
phetie bezeichnet werden solle, ist mit nichts angedeutet, und schon dessbalb 
nnwahrsoheinlioh, weil seine übrigen Gesichte dem Henooh als FamilienTater 
(und zwar nach c. 81, 6 vor seiner definitiven Entrüokung in den Himmel) 
zutheilwerden. Sicherer ist die Folgerang aus c. 7, 4 f., dass der Yerfmer 
des Henochbaches die thierische Ni^hrang missbilligt habe, deren EUnAhniig 
auch in den Glementinen Homil. VIII, 15 von den Giganten hei^eleitei wird. 
Wird man aber auch hierin, sowie in der Aeassemng 89, 78, wo die Opfer 
des nachexilisohen Tempels für unrein erklärt werden, ^inen Kiaflosa easli- 
seber Ideen zu sehen geneigt sein, so folgt doch daraus nicht, dass dorPseado- 
Henoch selbst dem Essenerverein angehörte, und noch viel weniger, daas er 
die Enthaltung vom Fleischgenuss gerade dessbalb verlangte, weil er sie für 
eine Bedingung der Prophetie hielt. Philo^s Aussagen über die Erfördeniate 
des Propheteu (Hilgenf. a. a. O.), können für die Adsiohtea des Toresaeal- 
sehen Juden thnms Über dieselben kein Zengniss ablegen. 

1) Das Beten und Fasten wird ja auch im N. Testament regelmKaaig ver- 
bunden; vgl. Matth. 6, 5. 16. 17, 21. 4, 2. Luk. 2, 87. Apg. 10, 80. 14, 28. 
Ebenso erwähnt Paulas 1 Kor. 7, 5 der Enthaltung vom ehliob«n Umgaog 
bei längerer Gebetsfibnng. 



Kein reinJfidiBoher Ursprung. ^873 

Aber mit der Absicht, prophetische Offenbarungen zu gewinnen, 
stehen dieselben allerdings nur im entferntesten und unsichersten 
Zusammenhang, und für diesen Zweck würde sich die beschauUche 
Ifirsse der Therapeute nunstreitig weit besser geeignet haben, als 
,ik Arbeitsamkeit der Essener, denen doch Hilgenfelo die apoka- 
lyptische Prophetie zunächst beilegt. Wie endlich die Verwerfung 
des Eides und der Sklaverei , wie die Anrufung der Sonnie und die 
eigenthttmlichen Vorstellungen über die Bedeutung des Vl^aasers 
mid der Elemente, wie die essenischen Lehrep fiber den Ursprung 
der Seele und das körperlose Leben nach dem Tode aus der judi- 
flchen Apokalyptik hervorgehen konnten, lasst. sich schwer 
ttgen 0; und wenn der Glaube an Engel für die letztere allerdings 
eiae rigentbilmliche Bedeutung hatte ^ wird man doch von den 
NflcMbrscbungen der Essener nach den Heilkräften der Wurzeln 
und Steine *) nicht das gleiche behaupten können. Auch dieser 
Versuch daher , den' Essaismus aus rein jüdischen Quellen abzulei- 
ten, wird uns in der Ueberzeugung nur bestärken können, dass er 
Sich auf diesem Wege überhaupt nicht erklären lässt, weil er 
gerade in seinen eigenthümlichsten und bezeichnendsten Zügen 
▼OD der ursprünglichen Sitte und Denkweise der Juden abweicht, 
uid in erheblichen^ Punkten mit derselben in Widerspruch tritt 
Muss aber dieser Sachverhalt einmal anerkannt werden, so 
(eoägt es nicht, den Essäismus auf eine allgemeine geistige Rieh- 
ting, wie etwa die innerlichere und individuellere Auffassung 
der Frömmigkeit, welche in einer Zeit der Noth und Unter- 
drflckung sjch erzeugte'), zurückzuführen; es entsteht viehnehr 

i) Iktuk wenn H. 976 di« letzteren in einer Schale sehr begreiflich fin- 
^ »deren Streben dahin gieng, die Seelen aus dem «weltlichen und irdiach^n 
"^t^Sim m dem Verkehr mit der flberAibnliehen Welt %a. erheben, alle Hindert- 
BM der Sianliohkeit m5gli<diat an übervind^'', so enthält diese Beachrei- 
^S atwaa gana anderea, ala den Begriff einer »af^okaljptiaohen*' Schale; 
ttad wem aieh in, einer apokalyptischen Schrift, wie daa Buch Henoch, ein» 
>dae Anklänge ao easeniachea finden, so fragt es sich eben, ob sie gerade aas 
^ i^kalfptiaohen Inhalt ond Charakter dieser Schrift, oder aua derselben 
gemeinen Denkweiae, deren atftrkster Aoadmok der Esaäismas ist, oder 
^^*tlaieht aook- uia dem letateren seibat gefloaiten sind. 

2) Bw o. 262, 4. 

I) Unter dieaen aeaichtapimkt stellt Rsoss Bist. d. Th^ol.obr^t.1, 122 ff» 
^JUslismos«. Piitfeh/dle.N&th, die Verfolgungen und. 4aH Vt^rderban der 

nOBfc «. Qr. in. Bd. 2. Atoth. IB 



y74 Essener Qnd Therapeuten. 

die Angabe, in den fMchichÜicben VerhtkniMen die 
genauer nachzuweisen, welche eine Parthei, wie die der 



•*^ 



•eleneidisohen Zeit, gUabt er, seien nunohe Ton der Aoisenwelt io flir 
res geführt worden, sie haben anf dem Wege der Weltentsagung, der Ver- 
scbmihnng aUer ftaueren Oflter, den Frieden mit Gott gesacht, sie balMS 
ifoh In dieste Blnn einer eigenthümliehen Asoese ergeben, gegen den MbaA- 
Hohes Kultus dagegen sieh immer glei«hgfiltiger ▼«rhaileo, ond Mk sliCt 
dessen In engere Vereine sarflchgeaogen. Dieier i,Pietismlis de» Aimsa^, 
welcher Ton Ajifang an mit dem sonstigen Charakter der jfidischea Frtanig- 
keit im Widersprach st^hd, sei mit der Zeit, yielleioht erst gegen daa Ende 
der Tcrchristliohen Periode, sc ansschliessend and separatistisch gewordeo, er 
liabe das GefKhl der religiösen and nationalen ZosammengehÖrfgkeit so rer- 
loren, dass sieh seine Mitglieder vom Nationalheillgtham ginalioh ftmUeltsn 
.{nach Jösephiifl worden sie rielmehr Ton demseibeB aosgeaefalofsesi; ^i^ 
S. 34S, 6), sich ak Essener aar 8ekte constitairten. Und wann «aa an «inar 
Tollstandigeren geschichtlichen Erklimng des Bsslismas die Mittel Mlften, 
möchte man sich immer mit dieser begnfigen. Doch wfirde man sich schwer- 
lieh Terbergen können, .dass es nicht ganz wenige and nicht anwesentliche 
Zttge in s^em Bilde sind, Aber die sie ans keinen Anfsohlnss gielit BaÜ- 
gioasstveitigkeiten and Verfolgnngen eraeogen altedings ni^t aeUen 
Uebardmss an den Aeosserlichkeiten des Koltna and dea Eirehanweaeni, 
Zarfickaiehang in das Innere des frommen GafBhls, and im Znsammwihang 
damit überhaapt ' eine WeltTerachtang, welche anter Umstinden ancli box 
ftasseren Absonderang Ton der Welt führt; and so könnten immerhin aas den 
Kämpfen der Makkablerselt che Essener in ftfanHcher Weise hervorge ga ngen 
seiB, wie die ersten okristlichen Mönche aas' der decianlschen VerMg^ngwid 
die Qolker aas den Wirren der englischen BerolaÜcn; wiewohl aiob doah 
nicht rerkennen llsst, dass daa Jadenthom seiner ganaen Anlage naoh «iaec 
solchen Entwioklang and Vertiefong der religiösen Sabjektiritlt lange nioht 
so günstig war, wie das Christentham. Aber die nihere Bestimmtheit der 
essenisbhen Frömmigkeit liest sich anf diesem Wege nicht erklären. Wober 
dieser Abaohen gegen die blutigen Opfer, einer rcn den Q t n n da tl g eii des 
Eeslismas, in einem Volke, dessen ganser Knltos an ihnen seinen Mittelpairict 
hatte? Woher die Yersdhmihang der Ehe, weldhe der tle^^wamelten Werfh- 
sohataang dea Familienlebens and des Kindeiaegena, den uralten üerbarifo^ 
ferangen seit der Patriarchenaeit , so aofRillend widenrtreHsftf Woker der 
strenge Ordeasgeist and die herbe Ordensaaobt, woher die tigtteiiea 
Wasehangen, woher daa System tberspannter, schon dareh die Berthrug 
mit dea eigenea Ordensgenossen geringeren Ranges ▼e ri e iat et letltisdier 
Reinheit, wenn ea den Esseneta nar am innerliehe Vt^mmi^tü la than 
war? Woher Jene Speknlatlonen über das Wesen «ad die PMteialeBa der 
Seele, ftber die Engel, überhaapt Jene ganse DogmatHc, aof wdelie ans 
tileds fie allegorische Sohrifkerkllrang, theila daa sorgsam geMtote fltbal- 
gAebaalis der Parthel scUiesieB llsit? Wohar daa Verbot des BMai^ wete 



Kein persifloher ürNprnng. ^JV75 

V$ Leben rafen konnten. Im Joden thnm ffir sich aRefai sind 
• min diese Klemente, wie sich nns gezeigt l^at, nieht zu finden. 
Ausser demselben kön nten sie entweder im orientalisclien oder im 
griechisobeH Mldmgsf d>iet gesucht werden. Allein in dem erste- 
rm lelgen sich nirgends die Vorgänger, welche den EssSismus zu 
erkllren geeignet wären , und von denen sich zugleich eine Ein- 
wirkung auf das Judenthum der zwei letzten vorchristlichen Jahr- 
hinderte wahrscheinlich machen liesse. Man hat in dieser Bezie- 
hrnig an den Parsismus, und insbesondere an diemedisch-persische 
Prieslerkaste , die Magier , gedacht 0« Aber so ffihlbar auch der 
EinOuss des Parsismus auf das Judenthum früher gewesen war, 
10 nusste derselbe doch nothwendig auf ein kleinstes beschränkt 
lem , sttl das Perserreich zertrümmert , das ganze vordere Asien 
der macedonisohen Herrschaft unterworfen und in den Bereich der 
hellenischen Bildung gezogen war , und auch die Entstehung des 
parthischen Reiches im Osten Cum 250 vor Chr.) und seine all- 
mädiche Ausbreitung bis zum Euphrat führte eine bedeutende 
Aenderung hierin wohl um so weniger herbei, da auch in diesem 
derEinfluss griechischer Sitte, Kunst und Wissenschaft sich er^ 
hielt. Treten daher während dieser Zeit im Judenthum Erschei- 
nungen hervor, welche sich nur aus der Einwirkung ausserjüdischer 
Elemente erklären lassen, so müsste denselben das Gepräge eines 
persischen Ursprungs sehr bestimmt aufgedrückt sein, wenn ein sol- 
dier die Wahrscheinlichkeit für sich haben sollte. Diess ist aber in 
Betreff des Essäismus nicht der Fall. Es finden sich allerdings 
zwischen ihm und dem Parsismus gewisse Berührungspunkte, wenn 
auch nicht so viele, als Hilgenfeld glaubt ; für eine persische Ab- 
koaft des Essäismus kann jedoch dieser Umstand schon desshalb 
udits beweisMi , weil unter dieisen Zügen keiner ist, welcher nicht 

ToUeads die merkwardigen Vontellttngen ttber die g&ttl!cben Kräfte der 
Soiöe und der Blemente? K&onte man aacfa TieHeicht einzelne von diesen 
Zlgen tarn der angegebenen allgemeinen Riobtnng des Eesaismns erklftreta, 
I* ist dieas doch nieht mehr anlässig, wenn sich ftlr das Qanee seiner Ersohei- 
**BK ein akeres, fast in aUen Punkten genau entsprechendes Vorbild nach- 
«aiieniltet. 

1) So aalK»a OasDBin und theilweise auoh Canniin (vgl. 8. 279, S), neuer^ 
^Nss filLMBVBLB (Ztaehr. f. w. Tbeol. III, 858 ST. IX, 408. X, 99 ff.)i welcher 
^ttch dieae Annahme seine «mprfingliehe Auffassnng des Bssftismns in stei- 
liaaaae modifleirt hat. 

18* 



)|Sf6 Biaener und TherApeatcn« 

auch bei den Pytbagoreern vorkäme ; weil sie mithin theib über- 
haupt nicht charakteristisch genug sind, um einen geschichtlichen 
Zusammenhang des Essfiismus mit dem Orient darsuthun, theils 
auch aus einer durch den Pythagoreismus vermittelten Ueberliefie- 
rung orientalischer Lehren sich erklären würden 0- Anderes 



1) Wm HxLasKFBLD in dieser Besiehung («n voUsUiidlgeteB Ztsolir. L 
w. Tb. X, 99 ff.) beibringt, lat folgendes : 1) Die Magier waren ebeaso» «k 
die Eaaäer, Wahrsager. Aber die Pytbagoreer und viele andere waren ea 
aacb. 2) Wie die Easäer serfielen aucb die Magier in drei Klasaen. Aber die 
erateren theilten aich (a. o. 237, 1) nicht in drei, aondem in vier Klasaen, and 
anch die drei , welche H. darana macht, decken aioh nicht mit den Ton i 
angeffihrten drei Klaaaen der Magier. 8) Wie Ton den Magiern eine 
manüa erwähnt werde (Pl». h. n. XXXVI, 19, 142. XXX, 2, U), so sei aueh 
die Axt der Esafter san&ohat ein Handwerkaaeng der Magie; ebenao sei ihr 
9np(C(D(ta nnyerkennbar der heilige Qürtel der Ormadadiener. Allein daa 
erate iat eine Vermnthang, der nichts thats&ohllchea snr Seite ateht; daa fct- 
p{(<i)(ta aber iat kein Gftrtel, aondem eine Schflrse, wie aoa Joa. B. J. II, S, 
6. 7 unbeatreitbar herTorgeht. Riehtiger iat 4), daaa nach Dioo. prooem. 7 & 
Magier, wie die Eaaener, weiaae Kleider tragen; nar iat dieaa auch pTtbago- 
reisch. Dagegen lassen sich die l&o{ii$cc der Essener (s. o. 259, 3) nicht aas Per- 
sien herleiten (m. s. über die iS(i>(t\(, das gewöhnliche Kleid der niederen Klaasea 
in Griechenland, HaaiiAKH griech. Antiquit. III, §. 21, 16.). 5) Bei den heiligen 
B&dern derselben wftre diess an sich möglich; Indessen ist diese Art der Bei- 
nigang nicht blos al^fldisch, sondern fiberhaapt sehr verbreitet and onter 
anderem aaoh pythagoreisch. 6) Dass femer das Gebot der Wahrhaftigkeit 
bei den Pytbagoreern in der gleichen Verbindang mit dem Verbot daa Eidaa 
Yorkommt, wie bei den Eaaenem, wird demnächat gezeigt werden; wenn sieh 
daher aaoh bei den Peraem ^Uinlichea findet, kann man daraaa nicht Tiel 
achlieaaen. 7) Wenn die Magier nach Dioa. a. a. 0. keinen Schmach trogen, so 
atellt dieaa H. mit der Gfitergemeinaohaft der Eaaener sosammen; aber dieae 
Vergleiohang tat yiel sa weit hergeholt, am etwas aa beweiaen. Ebenaowealg 
hat ea aaf aioh, daaa die Magier, wie die Eaaener (aber aaoh die jfldlacbeii 
LoTiten a. a.) eigene Niederlaaaangen hatten, daaa ^e peraiachen Mablaetten 
mit einem Tiaohgebet eröffnet and achweigend (die eaaeniaohen in rahifaaii 
Geaprftch) ToUendet worden, and waa sonat noch &hnliobea angelBhrt wird. 
Viel beachtenawerther iat 8) die von der oberaten Klasae der Magier beaengta 
Enthaltung von Fleisch and Wein and die Verwerfung der Thieropfer« I>iese 
Zfige weiaen allerdinga auf den orientaliaohen Uraprung dieaer Asoeae^ ADein 
daraaa folgt nicht, daaa aie fiberall, wo aie aich findet, direkt ans deaii 
Orient gekommen sein maas; wenn aie aich Tielmehr aofaon im IQnftea, and 
wahrscheinlich schon im aechaten und aiebenten Jabrhondert in Qrieohaalaiid 
eingebfirgert hatte, so kann sie siob ebensogat von dort aus, als «na ihrer 
arsprfiaglichen Heimath, la den Juden Torbreitet haben« Aebnifieh vetiiftlt 



Kein persisober Ursprung. S7T 

ohnedeni, was fBr die Essäer die grdsste Wichtigkeit batte, ist dem 
Parsismns theils fremd , theils' steht es mit seiner Lehre and Sitte 
geradezu im Widerspruch. Wenn die essaische Ehelosigkeit nicht 
ins dem Judenthum herstammen kann, so lässt sie sich noch weni- 
ger von den Persern herleiten, fQr welche die Gründung einer 
Familie eine der heiligsten Religionspflichten war 0* Ebensowenig 
wird man bei diesen das Vorbild für die allegorische Schrifterklä- 
ning der Essener und Therapeuten zu suchen haben ^, statt sich 
Ar dieselbe an die Griechen zu halten, bei denen diese Erklänings- 
weise längst allgemein üblich war ; dann wird man aber auch die 
Lehren, welche mittelst derselben in die alttestamentlichen Schrif- 
len hineingetragen wurden, nicht aus Persien ableiten dürfen. 
Dnd die Essener setzen sich ja auch wirklich gerade durch die 
Lehre, welche für sie die höchste Wichtigkeit halte, durch die An« 
oahme eines geistigen Fprtlebens nach dem Tode, mit dem 
persischen so gut, wie mit dem jüdischen Dogma, so entschieden in 
Widerspruch, sie yerrathen in dieser Annahme und in ihrer ganzen 
damit zusammenhängenden Anthropologie und Eschatologie ihre 
griechischen Quellen so deutlich, dass wir statt deren andere. 



Qi lioh 9) mit der essenisohoA Engelverebrung ; die jfidiiohen Engel Biud frei- 
li«li Oboe Zweifel persiioben Unprangs ; aber die eigentbamlicbe Bedeatang, 
welohe lie fQr die Essftür erbielten, kann desshalb doob dnreb die Dämono- 
logie der Pjtbagoreer Yeranlaast sein. 10) Der eesAiscbe ßonnenkoltas ferner 
luoii fflr sieb genommen (wie sogleicb gezeigt werden wird) so gnt ans Qrie- 
ohola&d, als «na dem Orient, bergeleitet werden; was das ricbtige ist, wird 
M Dir ans dem ganaen Znsammenbang, in dem er Torkommt, entsobeiden 
linea. Ebenso rerbAlt es sieb ll)rmit der Magie der Essier. Zauberei, Zan- 
Monndn und Zauberliüeber waren in Jonen Jabrbunderten allentbalben so 
▼«breitet, dass man ans der Vorliebe der Essener fQr diese Dinge durobans 
Ktio bestimmtes Anseioben Aber ihre Herkunft entnehmen kann. Wird end- 
Heb \i) der Glaube der Essener an eine göttliche Vorherbestimmung aus der 
ptnisehea Lehre Ton einem regelmAssigen Wechsel der Weltseiten hergeleitet, 
w sobefat mir diess bei der Ungleichartigkeit dieser beiden Vorstellungen gana 
uisuUbstg: die Frage flber die göttliche Vorberbestimmnng ist eine Frage der 
jUisehea Theologie, welche mit dem Streit des Ormusd und Ahriman nicht 
^•1 geringste an tbun hat Vgl. S. 849, f. 

1) „lllelits Terabacbeuten die Perser mehr, als freiwillige Ehelosigkeit** ; 
A«SB Sats fBbrt H. selbst Ztschr. f. w. Th. IX, 404 sustimmend an. 

S) Dass sioh nftmliob diese den Essenern nicht absprechen Iftast, ist 
f^OB 8. 848 f. geaeigt worden. 



978 Essener and Therapentam 

weit ferner liegende und unzureichendere zu snchen, kein Recht 
haben 0« 

Aehnliche Gründe stehen auch der Annahme bnddhistiflcker 
Elemente entgegen, welehe sich nach Hilaenfeld im Bssdismus mit 
den parsischen zur Umgestaltung der jüdischen Frömmigkeit yer- 
bunden haben sollen. So auffallend auch die Aehnlichkeit mancher 
essäischen Einrichtungen und Anschauungen mit buddhistiscliea 
sein mag, sowenig lässt sich doch daraus mit Sicherheit schliessen, 
dass die einen von den anderen abstammen. Wir finden im 
Buddhismus Klöster und Einsiedler, Gütergemeinschaft und Besitz- 
losigkeit, mönchische Ehelosigkeit, Verbot des Fleisch- und Wein- 
genusses, der Thieropfer, des Schmuckes und Salböls , wie bei den 
Essenern« Aber was kann man daraus schliessen , wenn doch daa 
gleiche oder ganz ahnliches bei griechischen Orphikern und Pylht^ 
goreern schon in einer Zeit vorkommt, in welcher an eineVerbrri- 
tung des Buddhismus in die Mittehneerländer auch nicht von ferne 
gedacht werden kann ? Wir wissen, dass dch der Buddhismus durch 



1) ' üiLOBiiFBLD a. a* 0. X; 102 aaoht swar seine Hjpotbeae alioh hiei 
dnrohsafflhren ; ich kann mioh Jedooh nicht flbenengen, dass ihm diesa irgend 
gelangen iat. Zunftohat eoll Josephue die Unsterbliohkeitslehre der Eeaier 
heUeniairen; Indeaaen wurde sohon 8. 352, 1 geaeigt, dasa wir an dieaen 
Verdacht keinen Grand haben. Weiter sagt H«: Die Ansicht, daaa die 
Seele ans dem feinsten Aether stamme, in den Leib, wie in ein GeflUigniM 
herabgeaogen sei, dass die gute Beele durch den Tod wie aus einer langen 
Knechtschaft erlOst werde, sei durch und durch persisch. Ich weiss nunaieh^ 
auf welche Zeugnisse über die persische Lehre sich diese Versicherung stütat; 
so lange aber über diesen Punkt keine Nachweise gegeben werden, glaube ioh 
dabei bleiben au müssen, dass jene Bestimmungen nicht persisch, sonden 
platonisch und pythagoreisch seien: bei Plato und den Neupythagorcem liad 
sie uns ja schon 2ng für Zug rorgekommen ; ygl. Bd. I, 804, 2. 827 und oben 
B. 76 f. Bd. II, a, 526 £ 667. Auch das Paradies jenseits des Oeeana weist 
gar nicht nach Persien; (wie sollten denn die Binnenlftnder in flodutaien ssf 
diese Vorstellung gekommen sein?) um so mehr aber auf die Inseln der Mtgeo, 
an die auch Jos. B. J. II, 8, 11 bei dieser Gelegenheit ausdrücklicli erinnert. 
Wenn endlich H. glaubt, man könne kaum aweifeln, dass die Eas&er auch die 
Auferstehungslehre der Ormaadreligion angenommen haben, so ist ifess swsr 
eine richtige Consequena seiner Hypothese, denn es wftre allerdings gans oa> 
begreiflich, wenn gerade die ,Jfldischen Magier^ jenes in den Glauben ibrei 
Volkes bereits aufgenommene Dogma wieder aulj^egeben hätten; aber sm 
dem, was S. 261 angefahrt ist, geht unweigerlich herror, daas dia EmMM 
es aufgaben, dass sie mithin eben keine jfidischen Magier waren. 



Kein Efnfluff dei Bnddhiimnf, 9tV 



wmA ErtenBM, dvph deiehstellsiig aller MeinohM in 
«Im* Weise ao0ieiohaete, wie der EMiismns. Al>er die gleichen ZAfe 
mMi a«ch in der spileren grieoliischen Ptulosophie, und namentlicli 
in der eyniscben nnd sloisehen Schnle in Hanse; ^e praktisobe 
Folgemng aber, welche dem EMümna allerdings eigentbAmlieb 
ist, tie Verwerfnng der Sklaverei, fehlt dem Bnddhismns. Bin 
nndtores wäre es , wenn sieh von den eigenthämlieben Unterscheid 
dnagddüvtt des letstem bei den Essenern nnd Therapenten eine 
sichere ^nr fUnde. Aber diess ist nicht der Fall: alle nns 
beirnnnten Abweiehnngen der Essener von der herrschenden JAdi-* 
Degmatik itihren nns nnr anf griechische Qaellen. Erwigen 

scblieaslich die Unwahrscheinliclikeit , dass der Bnddhismos 
schon nn die Mitte des sweiten Jahrhunderts nach PaliBtina und 
Anfypien vorgedrungen war 0» ^ werden wir nns von der Un** 
knllhnrkell dieser Ansicht nnr nm so mehr Abenengen. 

Der wirklich maassgebende Anstoss fftr die Entstehung des 
Bseiismns ist nicht von Orient, sondern von der griechischen Reli- 
gion und Philos<q>hie ausgegangen. 

Unter allen Erscheinungen jener Zeit hat nämlich keine mit 
dem Bsstismus eine so durchgreifende Aehnlichkeit, wie der Neu- 
pythagoreismus 0- Beide stinunen zunftchst schon in ihrem allge- 



1) HiLsmorBLD 0. 106 wUl die ABgabs (bei KOppbv die BeL d. Buddha 
I, leSX ^^i"^ ^ JaluriiQiidert aaek dem dritten baddhietitehen Oonoil, d. h. 
um lee T* Clir., der Bnddhiamas in Aiaeanda (Alezandria) „der Haapteiadt 
des J«Tana*Landee* geliUlit habe, anf dae Igyptieehe Alexandria beliehen; 
KSrvas aeigt Jedech, data aüt dieeem Lande dae wee^ehe Orenigebiet In- 
dieaa nad nrit Aiaeanda wahneheinlich Akttandria ad OrnuaBrnm gemeint ist 

8} flohoB JesBPKue Antt. XV, 10, 4 sagt, die Essener befolgen die Le- ' 
heaswvias, welehe bei den Hellenen Ton Pythagoras eingeführt worden seL Tn 
Bsnerar Zeit maehte CanoaBa (Symbolik, 1. Ansg. ▼. J. 1819, IV, 48B IT.; 
kSner in der 8. Ansg. IV, 869 fL) anf ihre Verwandtsehaft mit dem PTfhago«- 
rsen anfinsffcaaBi, aber er erklärte sieh dieselbe darans, dass Jene wie diese 
obaregiBtfsoh% Bameotlieh persisohe Lehren sich angeeignet haben. Bestimm-- 
tsr bebnaptete Bavb Apollon. ▼. Tyana 894 ff. rgl. Gnosis 46 f. eine Abbin- ' 
gigkeü des Css&ismos rom Py thagoreismiis , die er des niheren nachwies; 
wegegea BBf.LaaaiABB Bss. and Therap. 167 ff. nur ihre Aehnlichkeit herror- 
hebt» ohne die Frage Aber ihren geschichtlichen Zosammeahang entscheiden 
sa wollen, «ad Cbbmbb (fiber EssAer nnd Bbjoniten in Winer^s Ztsobr. wis- 
seasch. Theol« I, 818 ff.) bei den Essenern awar anazagorische und andere^ 
gxiecliisehe Philosophie, auch persische Dogmen, aber keine Bpnren pytha- 



Hß/If . Kssener und Tberapenten. 

meinen^ Cliyurakter aufTaUend überein. Der Gnmdsag des 
BMifl und die inaerste Wurzel seiner ganzen Bigenttidmliehkeit liegt 
in jener dnaltfUschen Lebens^ und Wellansicbt, weIciMr die 
Sinnlichkeit für etwas unreines, die.Ablödtnng der Begierden ür 
die. erste sittliche Anforderung gilt 0- Diese Lebensansiclil ludel 
ihren unmittelbfirsten Aasdruck in der essenisch -theFapealiscliea 
Ascese, in jenem ganzen System von Enthaltungen nnd 
gen, welche dazu dienen sollen, den Geist vonder SinRimwelt 
zumachen und jeder Befleckung durch dieselbe zu begegnen. Ikre 
theoretische Begründung erhält sie durch die antkropologtnGheft 
und metaphysischen Lehren, welche für die Rarthei eines no hehea 
Werth hatten; ihre praktische Folge ist. die Absondenuig der 
Essener von der Welt, die mönchische- Abgeschlossenheit Un«e 
Lebens« Dieselbe Geistesricbtung tritt uns aiia der neupytiiafer 
reischen Lehre über das Verhältniss der Gottheit und der Malerie, 
der Seele und des Leibes, und noch unmittelbarer ans. jener Asceae 
entg}Sgen , welche von der spateren pythagoreischen Ethik yete' 
dort , von pythagoreischen Hysten schon im vierten Jahrbnndeit 



goreiBchen Ursprungs finden wollte. Mit Badb in der Hauptsache einrer- 
standen, Ittsst Gfrörsb (Philo IT, 852 f.) die Therapeuten, von welcbeo 
er die Essfter herleitet (ebd. 280. 848 f.), in Nachahmung des pjthagoreiaehen 
Qrdena entstehen, während DlBsn (alexaoaris. BeUgionsphü. I, 489 £ 469 ff. 
Ersoh und Grnber's EacykL Beet. I, 88, 189) sieh begnfigt, beide aU Ab* 
kftmmlinge der alezandrinischen Religionsphilosophie su begeichnen, welebe 
•ich durch ihre Richtung aufs theoretische oder praktische Leben 
den haben. Ihren Zaeammenhang mit dem Neapytbagoreiamus habe u 
der i. Ausgabe und der S. 284, 1 angeführten Abhandlung weiter ra b^grfindeB 
▼ersucht; gleichceitig erklärte sich Lottesbbck. (oeutest. Lehrbegr. I, 876 L 
391 f.) sehr entschieden dahin, dass der Essttismns aus einer VerbiofUing dse 
Judenthums.mit dem Pythagoreismus entsprungen sei, welche siobt ^>* es 
annimmt, luerst in Aegjrpten voUsogen, und ihrerseits auf die Entstebvng 
der neupTthagorelschen Philosophie maassgebend eingewirkt habe. Aebnlicb 
glaubt H^BavBU) Gesch. d. V. Jlsr. II, 86S, der Essenerrerein «ei um SM t. 
Chr« (warum. so frühe?) tou einem nach Alexandria gewanderten Jndier naeh 
dem Vorbild des pythagoreischen Bundes, im Anschloss an ulträpharistisehe 
Anschauungen und an Gebräuche der ägyptischen Priester, geatÜUt worden« 
Dagegen widersprechen Ewald, Ritschi, Hilgenfeld, Frankel, Qrät% Jost ia 
den 8. 284 genannten Schriften der Annahme eines über untergeordnete Sin* 
■elheiten hinausgehenden pythagoreischen Einflusses. 
1) VgL 8. 240, 2. 969, 2. 6. 



Terwandtsehaft mit den Ne/iiprylhagoreern« SB& 

g«AUy and in höelMler VollendiiBf in einem Pythagoras «nd ApM«' 
lomis dargeetellt wurde. Es ist aber nicbl bloe ihre greistife 
Gcsammtriohtang, in welcher diese Verwundtsrhafl der beiden 
Sehnten snm Vorschein kemnit , senden sie sieht sieh ditfeh ihre 
Hwue Erscheinung bis suPs einzelnste hinaus in einem solchen 
Uaeüuig dnrch, dass wir unmöglich an einblos znfalligesZusammen-i 
treffen denken können. Die Essener, wie die Pythagoreer, wollen. 
dntsh ascetisches Leben eine höhere Heiligkeit gewinnen , und die 
Enthaltungen, welche sie sich hielBr snr Pflicht machen, sind hei 
beiden di^ gleichen: sie yerwerfen den Fleisohgenuss und die bin*- 
tigen Opfer , sie meiden den Wein , die warmen Bider und daS' 
Salböl, sie legen dem ehelosen Leben einen hohen Werth bei; 
oder soTmh sie die Hie gestatten, yerlangen sie doeb, dass dieselbe 
streng anf den Zweck der KindeREOUgong beschrinkt werde 0» 
B^e tagen nur weisse Gewinder und halten £e Leinwand llir 
reiner, ab die Wolle 0- Beiderseits werden Waschungen und 
Reinigni^en Yoigeschrieben^, wenn sie auch für die IBssener 
noch höhere gottesdienstliche Bedeutung haben. Beide verbieten 
den Eid^ und zwar mit der gleichen Begründung O* Beide finden 
ihr gesellschafiliohes Ideal in den Einrichtungen , zn deren Ver«' 
wirklichung allerdings nur die Essener Hand anlegten : in einem 
Zusammenleben mit vollkommener Gütergemeinschaft , scharf ge- 
schiedenen Rangklassen, unbedingtm' Unterordnung aller MitgUe^r 



1) Um sich diesM VerwandtsohAftsrerhilttifss klar bq macben, Tergleiohe 
fliit 6. S48 f. 259, was 8. 65 ff. 189, 6. 7., Bd. I, 227 aber du» netipy- 

thaforeischeii und aneb der altpytbagoreleeben 9cbti1e angeeobriebenen Eni-' 
ha H ttBg y i , Bd. II, a, 26. 24, 8 über das orpbisehe Leben beSgebracbt Igt. 
DiM die Venrerfling der warmen BSder bei den Eeeenem, die des 8alb5ls bei 
den Pytbagoteem, awar nicbt dfrekt beaengt, aber doch so gnt wi« gewiae 
ift, wurd« 8. 245, 1 geseigi. 

2) Tgl. 8. 245, 8. 259, 8 mit 8. 77. iSO, 8. 140, 1. Bd. X ^7> ^* &• iSt hier 
p a eh ge w i eaen, daaa die Eaaener, nnd «rbne Zweifel aach die fherapenten, 
darobaac weiaae, and bei den gotteadienatllehen Veraammlnngen nnr leinene' 
Kleider trugen; den Pytbagoreem wird bald nur weiaae, bald aaeb leinene^ 
Kleidang 1>e]gelegt; der Apollonina dea Philoatratoa bedient aieh nnr der 
leCateren, der Pytbagoreer Alexander*a rerlangt daa Xwjf(m^MVlh beim Gottea- 
dlmat. 

S) & 8. 946. Droe. VIII, 88 (ana Alezander): tijv 8' ie^ilw d^at itk xa- 
tfap|ftß« xA Xov^poW xa\ iMpt^^'Ciipteyv n. a. w. 
4) a 940, 5. 129, 5. 



Satea«r und TherApoottn. 

iittter' ihre Torgetetsten, in einem nach aveeen scnrgfiltig all« 
g«8clilo8senen Verein, in den neue lUtglieder nur nach nehijAri- 
ger strenger IVüfang anfgenommen, aus den unwürdige nnttrintdi«! 
amgeseUossen werden 0* Beide verlangen strenges Sclralgehaini- 
niss, beide wollen eine gegebeneliehräberlieferung nnverbrueiiUeh 
feftlialten, beide cellen den M&nnem, von denen dieselbe her- 
gdeitet wurde, als Werkzeugen der Gottheit, die Uehste Ter* 
ehrung 0; beide lieben aber auch die bildliche BinUeiduBg 
ihrer Lehren , und betrachten die alten Ueberliefemngen als Sym- 
bole tieferer Wahrheiten, die aus ihnen auf dem Wege der allego- 
rischen Brfclftrung herausgehobm werden sollen *); um die spätere 
Ldirform als ursprünglich su bewühren, wurden neuTerGuile 
SehriAen hier wie dort unbedenklich berühmten Namen der Tendt 
unteridiobeQ 0« Beide Partheien yerehren in den Elementen gött- 
liche Krifte , beide rufen die ansehende Sonne an , beide suchen 
alles unreine iinrem Anblick zu entziehen, und geben in cBeser Be- 
ziehung eigenthflmliehe Vorschriften, in dmen sie sowohl unter- 
einander, als mit älterem griediischem Aberglauben, aufbemerkens- 
werihe Weise zusammentreffen ^}. Für beide hat der Glaube sa 

zwischen Gott und der Welt um so hdhere Bedea- 



1) 8. 2Sd f. Bd. I, 836 t Die beiderseitige Aehnliohkeit wird^nm lo eis- 
leuilitattdery Je genaner man die hier «agefthrtan Zeagen Teigleiohi. 

2) 8. 2S7, 5 -* 842, 1. 262, 8 rgL m. Bd. I, 282, 1. 2. 228 f. 
8) 8. 248 1 262, 8 Tgl. m. 8. 97. Bd. I, 288, 8* 

4) Ib welobem Umfang diesa in der pjrthagoreiaohen Sohnle geaohali, ht 
Mher geaeigt worden. Von efaenlaoh-tberapentiaolier 8eite iat die WeiiM 
8alenia*a daa eiaaige naohweiabare Beispiel;- aber wir kOnnen nicht beawei* 
fein, dasa aieb anter den geheimgehaltenen Bflohein der Esaener (Joa. B. J» 
U, Sy 7) und den Sohriften alter Mftnner, welehe Btifter der Therareaftenaabalft 
gewesen sein sollten (s. o. 262, 8), Tiele psendonyme befandea4 

5) Vgl. A. $^9 t 262, 2. 266, 1. Was den inletat bertthrten Pvakt 
betrifft, so findet sieb für die 8. 268, 2 besproohene essenisohe Begal «ins 
Parallele aohea bei HnaiOD 'E, x. 'ii(&. 726: p^d' hn' ^(ou tccp«|«(A^ JpOk 
3|uxdv, and ebenao «nter den pythagoreischen 8praohen bei Dioci. Vm, 17: 
ff^ liXiov tfTp«^ifiivov (jbj^ i|iixc(v« Knüpft auch die essenisohe Voiaohrift s0 
die der jadisoben Lagerordnnng 6 Mos. 28, 12 an, so weist dooh ihre albsfs 
Begründang daroh den Sats, dass man das Sonnenlicht nicht beleidigen dMr 
in den gleiohen Vorst«Jlaagsfc>eis, wie die eben angeführte hesiodiaoh-pyths* 
goreische; im Deateronomiam heiasjt es atati dassen, man dfii£s Jebovi^ 
wenn er dnroh's Lager wandle, nichts anreines aeigen.. 



Verwandtcebftfl mit den Nenpytb^goreern. 

tnifO« j^ reiner ihr eigener QMioAegriB islO; beide sdMiMii 
die Magfie nicht verschmäht zn haben 0; als die haohf te FracM 
der Weisheit md Fröttvigkeit betrachteii aber beide die Gabe 
der WeissagHflg , die sie sich rfihroen in ihre» aoiigeieichBeteien 
Mitgliedern selbst zu besitzen^). Beide stimmen aaidlich^ neben 
den oben besprochenen dnalistisohen Charakter ihrer ganzen 
Wdtanschairang , insbesondere in ihren Vorstellungen Oher den 
Dnpmng der Seele, über ihr Verhfiltniss zum Korper und über das 
Leben nach dem Tode zusammen^), und dass sich von der Seelen«» 
wioderung bei den Essenern keine ^ur findet, that dieser Ueber^ 
einstimmang kaum Eintrag, da diese mythische Vmvtellnag aach 
ia der aeapythagoreischen Schale von vielen stillsehweigend auf«- 
gegeben war *')» Ebensowenig kuui es gegen den Zusamaienkang 
beider Schulen beweisen, dass die pythagoreische Zahlealehre in 
UBsem Berichten über die Essener nicht berührt wird ; wer den 
Bmusmus aus dem Neupythagoreismus hervoiigeheB Usst, farauehi 
ja darum noch nicht anzunehmen, dass er sieh die neupytfaage« 
nisehe Spekulation ihrem ganzen UmfiEing nadi angeeignet habe 0« 



1) 8. 262. 122; aaoh die Dftmonologie PlaUroh*s Qod anderer PUtoni- 
k«r iat la Tergleiofaen. ^ 

V) Vgl. & 250, 1. 100, 8, aaoh 148 f. u. m. Bt 

8) U Betreff der Etseoer wurde dieee S. 952 wahfselleiiilWh g afliadw i 
VH die Fythagoreer betrilR, eo wird ee genligien, an IRgidfaie Figulae «nd 
die a&gebliohen Wunder dee Pythagoraa und ApoUoniae lu er^nem. 

4) B. 255. 128, 2. 140; Aber die. Weissagungen des Pyihagoras Bd. I, 
^^ 1. Maeh Bus. pr. er. X, S, 4 hatte sehon Androa und aus iliia Theopomp 
▼on de^ Weissagungen des Pythagoras «rsShlt 

6) Was in dieser Besiehung 8. 251 aageftthrt wwrde, erinnert besonders 
•• d» Pomt der pythagoreisohen Lehre, welohe an di^ stoisoban BesttamuH 
S« ftber die Itberisehe Natur der Seele ankafipft. IL §• darflbar Bd. I, S#4, t : 
vid oben & 76. 

«) Tgl. B. 121. 

7) Die Bahlanlefare hatte Sberhaupt nicht fttr die ganne nauprihagorei^ 
nhe 8ekule die gleiehe Bedeutung. Apollonius a. B. will bei Pbilostratns ' 
''te von ihr hdren (s. e« ISO, 1), unter uneem Fragaienten wird sie to« den 
"airtea, namentUch den elhiaehen und poUtisohen, gans ignorhrt, sogar Oael* 
l«i lit dsMen Koemologie man sie nnentbelirUoh gkniben sollte, berfthrt sio 
^ keiaeB Weit, In den Aussagen Alexander^s kommt sie <Dioa. ViU,a6) 
*^bifa weg, und im goldenen Qadioht ist der pythagose lp Ao ßohwur V.49 • 
dai «insige^ was an sie erinnert Um so leichter konnte sie Ton einer Bafairiv 



"IBsceiier and Therapeat«n. 

indeMen wiaien wir nicbt einmal, ob ihm die ZahlenspeknlatioB 
irirklieb fremd blieb, und ob sie nicht in einzelne TheBe der 
ewiischen Lehre, wie namentlich die Bngellehre, die intliche and 
magische Kunst, eingriff; bei den Therapedten scheint sie Eingang 
geftinden su haben 0> 

Auch abgesehen daTon finden sich nnn allerdings bei dea 
Bssenem manche Abweichungen von dem hellenischen Nenpytha* 
goreismns. Aber diese Abweichungen sind nnr solche, wie sie 
steh onTermeidlich ergeben mussten, wenn die neupythagoreischea 
Anschauungen in den jüdischen Boden Terpflanzt und in einer 
bestfanmten, weniger durch das wissenschaftliche, als durdidas 
religidse Interesse bedingten Richtung water entwickelt wurden. 
Die firiecbengötter konnten natürlich Ton jüdischen Pythagoreem 
nicht anerkannt werden , an die Stelle der Dämonen mussten hei 
ihnen die Bngel treten, statt die Sonne beim Au%ang anzubeten, 
durftensiesich nur ,,gleichsam flehend^ an sie wenden. Auf anderen 
Punkten finden wir pythagoreische Ideen bei den Essenern wirfclidi 
forlgebildet Die Ordensrerbindung und die Gütergemeinschait, 
welche der Neupythagoreismus nur mythisch in seine Urzeit yer- 
legte, ist hier wirklich in's Leben eingefährt; die Ehelosigkeit, 
welche allerdings zum Ideal der Neupythagoreer gehört , die aber 
bei ihnen mehr pur als eine ausserordentliche Leistung Einzelner 
erscheint, wird von den Therapeuten und der Mehrheit der Essener 
aum allgemdnen Gesetz für ihre Parthei erhoben ; die Reinigung»- 



sai Mte gelsMen werden, der es tod Haaie aus gar niebt tun wiaaeosoliaft- 
liohe Forsch ang, sondern nm Heiligkeit des Lebens sn thnn war. 

1) PaiLO T. eontempl. 89t, B (481) sagt Ton ihnen: oStoc xb (Ab xpßrov 
iOpoQ^emH dt* imdi i^BofA^B^tsv, od (ndvov tj|v iticX8|v ip^o/^Matj ^ÜÜL« wA xift Wv»> 
|ACv (die Polens derselben) ttOi)icdTi(* «yW^ T^ ^ ^ic^cpOsvov «dt)|v lesoiv- Sri 
il icpocöpTio« (UY^OTi)« iopiSJc, ^v 9csvTY]xovt3i< ^^^) «yK&TflcTo« Uta tfnvwliwton 
ipi6|UBV, U. t9J( to3 3p6oYipv{oü TptYc&vou duva(Ub>^ (aus den Potenaen der Zsblea 
dea pythagoreischen DreieckSi d. h. deijenigett, dessen Seiten sich ▼erhalten, 
wies» 4, 5{ denn 8» -f 4< + 6« sc 60; Tgl. Bd. I, S98, 5), Siuf M^ opx^ t% 
xm 8X««v Y*^'^'*^ ^ ouetAoicüc (rgl. Plato Tim. 68, C f,, wo aber freiliob 
awar das rechtwinklige Dreieok, aber nicht diese bestimmte Art desaeibee, eis 
Chnwdform der kftrperlichen Elemente dargestellt wird). Philo redet nm hier 
Bwar annäobst in eigenem Namen, aber doch legt er anch den Tberapenten 
eine mit der pythagoretscben abereinstimmende Spekolation aber die Bieben- 



Varwandtsobftft mit des Neapythagoreem. 

hMer erhalten bei ihnen, im AnschlnM an jüdische Ansefaänngen 
und Gebrinche , eine noch grössere Bedeutung , als sie bei den 
Pythagoreem gehabt zu haben scheinen ; aus den Gedanken der 
antorlichen Gleichheit aller Maischen , welchen die griechischen 
Philosophen, und die Stoiker Tor allem, zur Geltung gebracht 
ballen, haben die Essener, so Tiel wir wissen, zuerst die Verwert- 
licbkeit der Sklayerei abgeleitet , und diesen Grundsatz innerhalb 
ihres Vereins auch in's Leben eingeführt So gewiss aber diese 
und andere Züge beweisen, dass derEssAismus eine eigeathümliche 
Bildung, und kein blosser Abklatsch einer dlleren Schule ist, $o 
wenig kann man daraus schliessen, er habe auch das, worin er mit 
einer soldien übereinstimmt, nur sich selbst und nicht fremdem 
Rinflnss zu verdanken; man musste denn auch bei Philo oder bei 
den Scholastikern den Einfluss der griechischen Philosophie 
dewhalb lingnen wollen , weil sie aus ihr allein nicht zu begrei- 
fen siiidO- 

Der SachTorhalt ist demnach dieser. Zwischen den Essenern 

ond Therapeuten auf der einen, den Neupythagoreern auf der 
andern Seite findet sich eine durchgreifende Verwandtschaft , und 
diese Verwandtschaft betrifft nicht btos ausserwesentliche Einzel- 
heilen, sondem'gerade solches, worin ihre unterscheidende Eigen- 
thünilichkeit besteht : gerade diejenigen Lehren, Einrichtungen und 
Gebrauche , wodurch sich die Essener und Therapeuten von dem 
üUeren und dem gleichzeitigen Judenthum unU»rscheiden, haben 
bil durchaus bei den Neupythagoreern ihr Gegenbild'). Auch 
die Abweichungen der Essener v6n den Pythagoreern thun ihrer 
Gleichartigkeit keinen Abbruch, weil sie theils nur eine Fortbil- 
dung und Anwendung der neupythagoreischen Grundsatze dar- 
stellen , iheils durch die Uebertragung derselben in's Judenthum 
unnutlelbar gefordert waren. Beide Erscheinungen gehören endr- 



1) DieM gegen Hilguifblo Jfid. Apokal. 252, welcher gl««)it, wenn 
dem EMftiumis auch nur so viel eigenes ingestebe, wie lob» werde miai 
aoUiw«n4ig so der Anaalune seiner roin jildleolien Entttebung hingetrieben. 

Z) Ea let daber, wie sobon die obige Uej^rsiebt geaeigt baben wird» 
aiebt ciohtig, wenn Hilqbmfeld a. a. O. 252 sagt» es bandle sieb im Grande 
aar tun die Entbaltmig Ton Wein, Fleisch und Ton der Ehe» welche der Es- 
■4ii«»ff allenfalls ans der orphiscb-pTtbagoreisc^eii Lebensat^iebt angenom.- 
Bien baben könnte« 



Bsfloner uad TherApeaten. 

iioh wdkl allein der gleichen Zeit, sondern aneh dem gleichen 
.geficilMlillicken Kreise^ dem hellenistifichen Bildungqgebtet an. Bat 
ea nnn unter aoiahen Umstinden irgend eine Wabraclieinlidikeit 
fAr aidi^ daaa diese zweiSclnilen in ihrer Entstehung von dnnnder 
unalMngig gewesen sein sollten ? Schon wenn wir ihre vienrnndt- 
sohaMicAien Bexiehungen eineein in*s Auge fassen , kann die Ant^ 
wort hanm Bweifelhaft sein; noch viel weniger aber, wenn wir das 
nerkwthUgeZQsannnentreffe» derselben beachten. Wozweigleirt- 
aeiliga Bracheimuigen nicht blos in einzrinen Zfigen , sondern in 
ihrem gansen Charakter, und nidit blos in ihrer allgemeinen Rich- 
tung) sondern auch in einer Menge Eufalliger Einzelheiten «ch 
gleichen, die sich bei beiden in. derselben Weise zusunmenfindan, 
wo überdiess aneh die iusseren Verhaltnisse die Annahme fhreß 
geschiehdicben Zusammenhangs in hohem Grade begünstigen« da 
ist der Ben^eis für Aese Annahme so vollständig geführt, als dieas 
überhaupt in Ermangelung ausdrücklicher Zeugnisse mdgUch ifll 
Wir haben mtfhin nur die Wahl, entweder den Essaismns vom 
Pythagoreismus abhftiifig zu machen, oder diesen von jenem, oder 
beide unabhSngig von einander aus einer gemeinschaftlichen Qnelle 
fibzuleiten. Aber das letztem kdnnen wir nicht, da uns weder ans 
jener Zelt selbst noch aus der Vorzeit eine Erscheinung bekannt 
ist, in welcher von den gemeinsamen Elgenthümlichkeiten des 
EssÜsmns uhd Nenpythagoreismus -^ nicht etwa nur die eine oder 
die andere vorkäme, sondern sie alle in der gleidien Weise, wie 
bei jenen, verknüpft würen« Eine Abhfingtgkeit des Nen- 
pythagoreismus vom Bssüismus wird durch den Umstand aus- 
geschlossen, dass nicht wenige, und gerade die eingreifendsten voa 
den Zügen , welche beiden gemein sind, sidi bei den Pythagorecrn 
weit über die Zeit hinauf vorfeigen lassen, in welche die BnV- 
st^hung des BssSismus möglidierweise verlegt werden kann^), 



1) Dfesi gieht Bitsobl Jetit %n (altkath. K. 179); niobtsdeatoweniger 
bleibt «r b«i «einer Afieiobt, einmal wegen „der methodisehen Pordenngi 
dase wenigstens der Keim im bebraisoben Religionsbewnsstsein nabbgewiesen 
werden müsse, saf weloben das Beispiel des asoetisohen Lebens beftuebtend 
hatte wirken k((nnen*, and sodann weil die hebräische Idee des Prieaterthnmi 
stob als den Seblttssel der essenisoben Sitte erweise. Wie es jedoch mit die- 
sem latsteren Grande bestellt ist, babe ieb bereits dargetban; was aber den 
andern betriflt, so weiss iob nicht, was er gegen miob beweisen iolL Dass 



Nevpjthftgoifetfoher Uraprnng« 

nd andere, bei denen rnia die» nicht ebmao beiftimmt nAgikk 
wü der illeron griechiscben PUlosophie and Beli^on cu eng 
Mnnenliingen, mn statt dessen ans dem Judenthani hergeleitet au 
werden ; daaa endlich im Nenpythagoreiamua sich nicht» findet, 
was anf jidiscben Ursprung hinwiese 0^ im Essiismas dagegen, 
wie gezeigt wnrde , sehr vieles , was ans der jüdischen DenlEweise 
md Sitte sich nicht erhiären Ifisst Es bleibt mithin n«r ihrig, 
in den Essenern nnd Therapeuten Partheien in erhennen, bei deren 
Bntslehang der Vorgang dar späteren Pythagoreer von maassgeben- 
dem Binfloss gewesen igt 

In welcher Weise, anter welchen Umstinden nnd in wekhem 
Zeitpnnht diese Verbindung des Nenpythagoreismos mit dem Jnden^ 
tfiam sich nerst voUzegen hat, ist ans nicht (Iberiiefsrt ; wir smd 
ddror hier ganz and gar anf Schlflsse ans den ans bekannten Ver- 
UilBinen beschränkt, welche der Natar der Sache nach nie aof 
mehr , als anf eine grössere oder geringere Wahrscheinliohheit, 
Angproch machen können. Da die Bssier Prilstina , die Thei«^ 
peoten Aegypten angehören , beide aber nnr als zwei Aeste Eines 



ebentognt, wie die ftlexasdriiiliohe ReligioiiBphilosopbie) nach 
aiii«r Seite im Jadenthnm wunelei babe ieb nie besweilbh, wenn ich aneb 
darauf renicbten muM , fiber die VerbUtnine, welobe jadif cberseita seine 
btatehnng begfinitigten oder Teranlaesien , mebr all Vermatbnngen anfto- 
•tellen; aber ist denn dadorob die Annahme ansgesoblossen, dass diese Er- 
•dieimingen niebt rein jadiseber Abkunft, sondern durch die befrachtende 
nerflhnuig des Orieohenthnms mit dem Jndentham eraengt seien? 

1) Aaoh die Lehre ron der Einheit des höchsten Gottes war ja in der 
griechischen Philosophie lingst eingebflrgert , auch der Offenbanings - imd 
Weisaagingsglanbe der Pythagoreer dnrch die stoisohe Yertfaeidignag der 
Matlk Tollstlndig Torbereitet Bemerkt aber ünmtwxc (Orandr. d. Qesch. 
d. PUL I, 202) gegen mich', das Verbot des Eides, der blutigen Opfer, des 
Genasses ron Fleisch nnd Wein, die BoYonagnng der Ehelosigkeit, die Da- 
monealehre, die Magie nnd Prophetie der Neapythagoreer stammen nnrev- 
kenabat ans nnprflnglicb orientalischen Anschannngen her, so ist an erwio- 
dem, dass diese Dinge, wie es sich anch mit ihrem ttsten Ünprang Terhnlten 
mag, jedettlalls lange ror der Zeit der Essener sich in Griechenland bei den 
FfÜMgoristea des rierten und den Orphikem des fünften Jahxbanderts, bei 
Empcdokles nnd sonst nachweisen lassen; dass Hsmer iwisohen „oricntall- 
seher* und JAfiseber Abstammmig ein unterschied ist, nnd dass selbst sol- 
dics, was frfther ans dem Orient nach Griechenland eingewandert sein möchte, 
dD^ recht wohl erst durch Vermittlong der Griechen an den Joden gekcn- 
■Ma sda kann. 



Btsener und Therapeaten. 

SfaiiMies m betnicbten sind , so miiss iB dem einen von jenen bei- 
den Lindern ihre gemeinsame Heimath gesucht werden. Pir 
Aegfpten spricht nun die Erwägung , dass es dieses Land ist , in 
welchem das Judenthum überhaupt zuerst und mit dem nachhaltig- 
sten Erfolge die griechische Bildung , und insbesondere die grie- 
ehische Philosophie sich angeeignet hat; und so suid die 
von denen , welche den Ess&ismus von griechischem Biniuss 
leiten, der Meinung , er stamme ans Aegypten 0; sei es, dass man 
die Essenerparthei als solche hier entstehen Hess, oder dass man 
annahm , es seien zuerst in Aegypten , und näher in oder bei Ale- 
xen Aria, die Therapeuten aus der Verschmelzung von jüdischem 
und griecMsehem Wesen hervorgegangen , und erst in der Folge 
habe sich ihre Lehre nach Palästina verbreitet, und hier nr Bii- 
dnng des Essenervereins den Anstoss gegeben^ Indessen 
»achen es doch mehrere Umstände wahrscheinlich, dass der Essäis- 
inus ursprilnglich in Palästina zu Hause sei. Denn Yur's erste wird 
uns das Dasein der Essener in Palastina aus einer weit firuheren 
Zeit bezeugt, als das der Therapeuten in Aegypten 0. Würde diess 



1) Vgl, 8. 279, S. 8» auch Holtsmank in seiner nnd Wrbbr'b loeb« 
enobien6B«r Gesch. cL V. Ur. II, 79 ff. 

2) Dieser Annahme war ich seihst in der ersten Auflage dieses Werks 
gefolgt, kam aher schon in der mehrerwähnten Abhandlong der Tbepl. Jakr- 
bttcher XV, 405. 482 f. von derselben surOck. 

8) Der Verdacht aber, dass die Essener selbst den Umpmng ihrer Sekts 
BQ weit hinaafgerilckt haben, und ihnen Joseph us hierin gefolgt sei, wMe 
doch wohl, sofern er gegen, die S. 284 f. angefahrten Data gekehrt würde, sa 
weit gehen. Die Essener und Therapeuten scheinen sich allerdiags f&r risl 
alter gehalten au haben, als sie in Wirklichkeit waren. Wollen wir aaeh auf 
dia rnüHa iobouloruaH, die ihnen Plihius U. n. V, 17, 78 giebt, kein Qewicbt 
l^eii, so haben wir doch bei den „alten Mttnnern und Stiftern ihrer Schule*, 
deren Schfiften die Therapeuten besassen (s. o. 262, 8), ohne Zweifel sanlcLat 
an berühmte Namen der Vorscit, wie namentlich Balomo, bu denken, deai 
daa Buch der Weiaheit sich beilegt ; ebenso mag es sich mit vielen von dsa 
csieiiisoheii Schriften (Tgl. S. 248, 2. 262, 8. 4) Ycrhalten hahen. Was Eci. 
pr, ct; Vni, 10, 10 f. mit aosdrilcklicher Besiehnng auf die Essener be- 
hauptet, dasa Mosca die Masse der Juden snr buchstäblichen BefolguQg dei 
Gosetaes yerpflichtet, einen andern Theil davon entbunden und auf eise 6«»' 
tiJMt f iXo9o^{a, auf die 6ecof {« xcuv ^v Tdtc v6{jloic xax« t^jV (iovomcv vt^jfomi^imt 
a^ewieaon habe, beruht aller Wahrscheinlichkeit nach auf der Traditioa der 
Partliei; Pbilo wenigstens sagt b. Eus. a. a. O. 11, 1 von den Essenen, t. 
contempl. 899, A (481) von den Therapeuten, sie folgen in ihrer Lel^iwdio 



Ort nnä SSeit ihrer Entttebang. S8V 

aber aacb IBr sich allein die Möglichkeit nicht ausschliessen , dasa 
diese schon froher vorhanden waren, so kommt weiter in Betracht, 
dass es sich leichter erklaren lässt, wie aus den Essenern 
die Therapeuten , als wie jene ans diesen hervorgehen konnten. 
Das festgeschlossene Vereinswesen und der strenge Ordensgeist 
der Essener beurkundet ein so kräftiges praktisches Interesse und 
ein so lebhaftes Bedärftiiss gemeinsamen Wirkens , wie es sich aus 
dem beschaulichen Leben der Therapeuten selbst auf paldstinensi- 
Khem Boden nicht so leicht erzeugen konnte ; ihre ganze Erscheinung 
macht im Vergleich mit den Therapeuten den Eindruck grösserer 
Bgeiuurtigkeit und Ursprünglichkeit. Denken wir uns, in dem 
Zdtpunkt, in welchem überhaupt die religiösen Partheien des späte- 
ren paUslinensichen Judenthums sich schärfer zu scheiden began- 
nen, haben auch die Freunde des ascetischen Lebens sich zur 
Ptrthei zusamm^ngefasst ; von Palästina aus habe sich dieselbe 
auch nach Aegypten verbreitet, oder sie habe wenigstens auf 
solche, die vorher schon einer verwandten Denkweise huldigten, 
so fiel Binfluss gewonnen , dass sich jene Gleichartigkeit der Le- 
bensweise und der Grundsätze zwischen beiden bildete, welche 
tliatsächlich vorliegt; aber den palästinensischen Verhältnissen 
and Streitigkeiten femer stehend und von der alexandrinischen 
Spekulation stärker berührt , seien diese ägyptischen Asceten aus 
einer fest organisirten , rührigen, in's Volksleben eingreifenden 
Parthei zu einem Verein von Einsiedlern geworden, welche sich 
in beschaulichem Leben auf sich selbst zurückzogen , und nur 
durch ihren gemeinsamen Gottesdienst mit einander zusammen- 
biengen — denken wir uns die Sache so , so erhalten wir ohne 



^ Voraohriften des Moses. Aach Josbphus scheint den drei jüdischen Sek- 

^ ein höheres Alter snzusoh reiben, wenn er Antt. XVIII, 1, 2 sogt, sie ha- 

oea h, toO ffitvu «p^atou bestanden. Aber zwischen dieser Ableitung des Es- 

■tiiDioa ans der granen Vorzeit nnd der bestimmten Angabe, dass die drei 

^*^n tnr Zeit des MakkabAers Jonathan vorhanden gewesen seien, ist ein 

pouer Unterschied. Die letstere lässt sich um so weniger in Ansprach neh- 

1^1 ds sie anch dnrch die weiteren a. a. O. yerseiohneten Data bestAtigt wird. 

i) Dass die Essener diess, trotz ihrer Znrückgezogenheit , ebensogut 

vtten, wie etwa in neuerer Zeit die QuAker und Hermhather, sieht man schon 

*^ den 8. 285, 3 angefahrten ErsAhlangen, namentlich aber daraus, dass sie 

*^ Jos. B. J. Ily 8, 2 fremde Kinder in den GrundsAtsen ihres Ordens auf- 

*^8^i nnd somit für die Erhaltung und Ausbreitung derselben tbtttig waren. 

Phflot. 4. Qr. m. Bd. 9. Abth. 19 



890 Essener und Therapeuteo. 

Zweifel einen naturgemasseren Hergfang , als wenn wir annehmen, 
das ascetische Einsiedlerleben der Therapeuten sei das erste gewe- 
sen , und erst in der Folge habe sich aus demselben in Palästina 
der Bssenerverein mit seinen eigenthümliehen Einrichlangeii ent- 
wickelt. Erscheint daher auch die letztere Annahme nicht scMedrt- 
hin unzulässig, so ist es mir doch immerhin wahrscheinlicher, dam 
der Essaismus in Palästina entstand, als dass er a«s Aegypten dorU 
hin verpflanzt wurde. 

Wie sollen wir uns aber eine solche Einwirkung des Pytha- 
goreismus auf das palästinensische Judenthum erklären? Man 
könnte vermuthen , sie sei schliesslich doch wieder durch die ale» 
xandrinische Schule vermittelt, und wenn auch die Therapeuten 
als solche erst von den Essenern abstammen, seien doch diese selbst 
durch den Einfluss der Denkweise in*s Leben gerufen worden, 
welche von Aegypten her in Palästina eindrang 0-* Indessen haben 
wir diesen Umweg kaum nöthig. Da Josephus der drei jvdiscbea 
Sekten zuerst um die Mitte des zweiten Jahrhunderts als einer die- 
ser Zeit eigenthümliehen Erscheinung erwähnt 9 dürfen wir wohl 
annehmen, sie seien nicht früher als bestimmt unterschiedene Par- 
theien hervorgetreten. Zu jener Zeit stand aber Palästina bereits 
seit mehr als anderthalbhundert Jahren unter der Herrschaft der 
ägyptischen, dann der syrischen Griechen; an allen seinen Gren- 
zen war es von griechisch - macedonischen Pflanzstädten umgeben, 
im Norden bereits auch mit solchen besetzt*}; di^ politischen Yer- 
hältnisse hatten zu einem lebhaften Verkehr, namentlich mit dem 
ägyptischen Hofe geführt 9 welcher ebenso, wie die zahlreicheii 
persönlichen und Handelsverbindungen, die Bekanntschaft mit dem 
Hellenismus und dem von seinem Einfluss berührten Judenthum 
begünstigte. Jedes Jahr führte Tausende von Juden aus den 
Griechenländern nach Jerusalem ; aber auch unter den einheimi- 
schen Gelehrten begegnen wir schon vor der Mitte des dritten 
Jahrhunderts einem griechischen Namen ^> In der letzten Zeit 
vor dem Aufstand der Makkabäer hatte die Vorliebe fSr griechische 



1) So Hbrsfbld; s. S. 379, 2 g. B. 

5) Vgl. S. 286, 1. 

8) EwALB Gesob. d. V. Isr. III, b, 266 f. 
4} Vgl. ebd. 808 f. 

6) Antigoniu r. Bokbo, über den Ewald 8. 818. 



Ort und S&eit ihrer Enttiehüng. 891 

Sitte and Denkweise selbst in Jerusalem solche Fortschritte ge- 
nncht, dass ein entarteter Hoberpriester es vagen konnte, im An- 
gesiekt des Tempels ein griechisches Gymnasium zu errichten, dass 
mne Untergebenen Tempeldienst und Opfer Tersdumten, um sich 
in der PalMra zu unterhalten , und nicht wenige die Spuren der 
Bescbneidvng durch eine künstliche Vorhaut beseitigten 0* Es 
Kegt am Tage , dass diess nicht geschehen konnte, wenn sich nicht 
selbst im Hauptsitz des jüdischen Volkslebens eine starke Parthei 
▼on Griechenfreunden gebildet hatte '). Können wir uns wundern, 
wenn bei einer solchen Zeitströmung eine in jenen Jahrhunderten 
so verbreitete Erscheinung, wie das orphisch-pythagoreische Leben, 
in Judäa Beachtung fand, und wenn es hier neben den Leichtferti- 
gen, welche den Glauben ihrer Vater mit ausländischem Wesen zu 
▼ertauschen bereit waren , und neben den Fanatikern , die alles 
fremde yerabscheuten, auch solche gab, die an dem Glauben und 
Qesets ihres Volkes zwar mit aller Entschiedenheit festhielten, die 
aber auch ausser demselben wirkliche Weisheit und Frömmigkeit an- 
erkaanten, das gute und ihrer eigenen Denkweise verwandte, wo sie 
es auch finden mochten, nicht zurückweisen wollten ? Solche moch- 
ten dann mit der pythagoreischen Ascese, mit den religiösen 
■nd gesellschaftlichen Idealen der Pyth^gorassage und mit der 
Lehre von der himmlischen Abkunft der Seele und ihrem Fortleben 
nach dem Tode sich befreunden , welche auch nach dem Zeugniss 
des JosKPses ^ eine so grosse Anziehungskraft auf seine Lands- 
leute ausübte. Aber zur Sekte entwickelte sich diese Schattirung 
des Judenthums ohne Zweifel erst in Folge der makkabäischen Er- 
hebung. Die Strenge , mit welcher nach der Abschüttelung der 
Fremdherrschaft der nationale Kultus und die gesetzliche Lebens- 
weise wieder hergestellt, der übertriebene Werth, welcher von 
der herrschenden Parthei auf alle Aeusserlichkeiten desselben ge- 



1) M. 8. aber diese ^x(ji^ 'EXXY]vto(iLotJ xa^ Tcpö^ßaat^ [npöp.] aX^o^uXtotAoG, 
4i«c &icd9T«mc cbcb 5ca6ijx>)( ayto«, diese VertaiiBohiiiig der «ocrp^j^at tcfiaX mit 
d4D "EUiiVoca $6^0«, 1 Makk. 1, U— 16. 2 Hakk. 4, 7—20. 

2) 1 Uakk. 1,11 heisst es «ach aasdrflckiich : iv^Tcetaav tcoXXouc und 
2 Makk. wird erwähnt, dass die xp&viaxoi tuv l^ilßcov an der Palftstra theil- 
n a hm e n . Anoh wfthrend der Makkahfterkftmpfe war die griechische Parthei 

Tgl. Ewald S. 840, 8. 
8) VgL 8. 251, 8. 

19* 



)t9S Essener und Therapeuten. 

legi wurde, der Eifer, mit dem sie sich gegen das Eindringen 
der griechischen Denkweise verschanzte, war ganz geeignet, 
Minner, welche von dieser berührt und einer innerlicheren Fröm- 
migkeit zugethan waren , in die Einsamkeit und in das Geheimaiss 
eines weltscheuen, gegen aussen fest abgeschlossenen Vereini 
zurückzutreiben, und ihren Widerspruch gegen solche Bestand- 
theile jenes Kultus, denen sie ihrem ganzen Standpunkt nack 
abgeneigt waren, zu versch&rfen. Als endlich die Pythagoreer 
sich wieder lebhafter an den philosophischen Bewegungen der Zeit 
zu betheiligen begannen, und das pythagoreische Leben in der 
neupythagoreischen Philosophie aufs neue mit wissenschaftlicher 
Spekulation verbunden und durch sie begründet wurde, werdea 
auch die Essener von derselben nicht unberührt geblieben sein, and 
vielleicht hat jetzt erst der Essäismus die Gestalt und Auabildang 
erhalten, in welcher er uns au3 den Berichten des Philo und Jose- 
phus entgegentritt; namentlich mag aber jetzt durch das stärkere 
Eindringen alexandrinischer Spekulation in den Essaismus die 
ägyptische Abzweigung der Essener, die Therapeutensekle ent- 
standen sein. 

Es sbid diess Muthmassungen , wie sie allein übrig bleiben, 
wenn die Geschichtsforschung ihren Weg durch ein Dunkel za 
suchen hat , welches nur von so wenigen und unsicheren Streif- 
lichtern erhellt wird. Wie richtig oder unrichtig jedoch diese Ver- 
muthungen im einzelnen sein mögen : dass es der spatere 
Pythagoreismus war, welcher im Essäismus eine eigenthümlich« 
Verbindung mit dem Judenthum eingieng, wird durch ihre beider« 
seitige durchgreifende Verwandtschaft zu einem so hohen Grade der 
Wahrscheinlichkeit erhoben, als unter den gegebenen Umstanden 
irgend verlangt werden kann. Hatte aber derEinfluss griechischer 
Lehren auf die jüdische Theologie selbst in Palästina schon so frühe 
begonnen , und sich anderthalb hundert Jahre lang fortgesetzt, so 
begreift es sich um so leichter, dass ihre Verschmelzung in der 
alexandrinischen Schule um den Anfang der christlichen Zeitredi- 
nung eine so innige werden , und eine so entwickelte Theorie von 
der nachhaltigsten geschichtlichen Bedeutung hervorrufen konnte, 
wie sie uns in Philo's Schriften vorliegt. 



Philo, t98 

8. Philo «). 

Was diesen merkwürdigen und einflussreichen Mann *) von 



1) QnössB Philo and die alexandr. Religionsphil. I. 1881. DIhnb Ge- 
•ehiehtL Darat. d. jüd«-al6xandr. BeligionBpbilosophie I. 1884. Ders. in Ersoh 
Q. Grober*« Enoykl. 8. Seot. XXQI, 435 ff. Rittbb Gesch. der Phil. IV, 444 ff. 
PiBLLKB Hist. phil. gr. rom. §. 600 ff. Brahdib Gesch. d. Entw. d. griech. 
Phn. n, S82 ff. Ubbbbwxo Gnindr. d. Gesch. d. Phil. 2. A. I, 208 f. Vacbbkot 
tcoU d' Alezandrie I, 142 — 167. Ewald Gesch. d. V. Isr. VI, 231 --286. 
Baüb Aaseige der Bchrift tod Dahne, Jahrb. f. w. Krit. 1885, 8. 746 ff. 
Der8.f die Lehre ▼. d. Dreieinigk. I, 50—78. Dormbr Entwicklungsgesch. 
d. Lehre t. d. Person Christi I, a, 21—57. Luttebbeck neutest. Lehrbegr. I, 
418—446. Gbeüibb Zur Kritik d. Schriften d. Jaden Philo. Theol. Stad. a. 
Krit I, (1832), 1 ff. Gbossmanh QasBstionam Philonearam pari. I. II. Lpa. 
1829. Vgl. Dens. De ascetis Ind. yet. ex Philone Altenb.1888. De pbilosophi» 
8ulduc«onim (nach Philo) part. I— IV. Lps. 1886 ff. De Philon. Ind. opernm 
eentin. serie a. s. w. part. I. 1841. p. II. 1842. De Pharisffiismo Jad«oram 
Alezandrino p. I. 1846. p. II. 1847. p. III. 1850. Aneod. grnc. Philon. Leips. 
1856. Stbibhabt in Pault*s Bealenoykl. V, 1499 ff. KsFassTBiB Philo*s Lehre 
▼.d.gfttt]. liittelwesen Lps. 1846. Bcchbb Philon. Stadien Tfib. 1848. WoLnr 
die philon. Philosophie in ihren Hauptmomenten daigestellt. 2. Aufl. Gothenb. 
1858. Gbobau in der S. 58 angeführten Abhandlnng. Erschöpft ist übrigens 
selbst die neaere Literatur Über Philo, auf die ich mich hier beschränke, anch 
Hieait lange nicht. 

S) lieber Philo*s Leben wissen wir wenig, und fast nur, was er selbst 
gelegentlich raittheih. Sein Wohnort war Alexandria (Legat, ad Caj. 1018, 
E. 567 M.: tj^v ^(uxipav *AXt(&v8piiav); dass es auch sein Geburtsort war, sagt 
HiBBOB. CataL Script ecdes. 1 1, and es ist dioss am so wahrscheinlicher, da 
•eine Familie sn den ersten in der alexandrinisohen Jadenschaft gehörte: sein 
BradersBohn Alexander war Alabarch (d. h. erster Vorsteher, was aaofa die 
Herkunft dieses Titels sein mag) derselben und wird als y^cc tc xa\ kXo^tc^ 
«pvtaloa« x»v hcÜ beseiohnet (Jos. Antt XVIII, 8, 1. XX, 5, 2. XIX, 5, 1. 
Joe. nennt Philo den Bruder Alexander*s; indessen bemerkt £wAi«p S. 285, 
^er hier Überhaupt sn Terglelchen ist, mit Recht, aus Philo selbst. De rat. 
vuQi. 1, 72. 8. 128 f. 161 Auch. rgl. De proTid. II, 1. 8. 44 A., gehe her- 
vor, dsss er seines Vaters Bruder war). Nach Hibbom. a. a. O. Phoy. Cod. 
105 vire er priesterlicher Abkunft gewesen. Seine Geburt scheint swischen 
30 und 20 T. Chr. (nicht „um 1^, wie Gbatz Gesch. d. Juden III, 265 sagt) 
n &UeQ , da er bei der Sendung nach Rom im J. 89 oder 40 n. Chr. schon 
ui ▼orgerflokten Jahren stand (Legat, ad Caj. 1018, C. 572, M.), und im Ein- 
Seag der ebengenannten, wahrscheinlich bald nachher verfassten Schrift 
(^i, A. 545, M.) sich einen y^cov nennt Ueber seine Bildnngsgeschichte 
*!««& wir fast nichts, so klar auch aus seinen Schriften (auch abgesehen 
^en seinem eigenen Zeugniss De congr. qu. erud. gr. 435, A. 530, M. De 
'pec leg. 776, C. 800, M.) hervorgeht, dass er in jüdischer and grieohisoher 



994 Philo. 

seinen Yorgftngern unterscheidet, ist die Vollständigkeit nnd Folge- 
richtigkeit , mit der er ihren Standpunkt zum System ausgeführt 
hat. Die Verbindung der jüdischen Theologie mit griechischer 
Philosophie hatte sich allerdings schon längst vollzogen ; unter d^ 
griechischen Schulen hatte das alexandrinische Judenthum die 
neuauftretende platonisch - pythagoreische zur Führerin gewählt; 
als das Werkzeug zur Verschmelzung des jüdischen Offenbarungs- 
glaubens und der philosophischen Sätze hatte sich die allegorische 
Schrifterklärung seit mehreren Menschenaltern eingebürgert; voa 
den leitenden Ideen der späteren alexandrinischen SpekulatioD 
waren schon manche, mehr oder weniger ausgebildet, im Umlauf '> 
Aber wenn wir auch nicht genau wissen , wie weit diese Entwick- 
lung vor Philo fortgeschritten war, so werden wir doch achwerlich 
fehlgehen, wenn wir annehmen ^ erst er sei es gewesen , welcher 
die verschiedenen Elemente des jüdischen Alexandrinumns mit 



Wissensohaft aorgnUCig untemohtet worden wat, und dieaen Unterrioht 
begierig aufgenommen hatte; ans seinem späteren Leben ist die einsige ThMür 
saohe, die wir kennen , seine Tlieilnahme an der Gesandtschaft an GtU* 
gnla, welche den alexandrinischen Jaden Befreiung ron den Über sie var- 
hftngten Verfolgungen erwirken sollte, welche aber nichts aoariobtetSy vni 
ohne die Ermordung des Tyrannen tat die Gesandten, an deren Spitee Philo 
stand (Jos. A. XVIII, 8, l\ leicht sehr gef&hrlich hatte werden können. (Das 
nähere darüber in der Legatio ad Ci^um; TgL auch S. 282» 8). Aach soott 
wurde er aber, nach den Klagen De spec. leg. 776 f. (299 f.) su aohliessaii, 
rielfach von praktischen Qesch&ffcen in Ansprach genommen. Philo*s Todes- 
jahr ist onbekanut; es £3lllt aber wahrscheinlich in die Begierong des Clan- 
dius (41—64 n. Chr.). Die Angaben christlicher Schriftsteller (Eua. K. 0. ü* 
17. Phot. Cod. 105) über sein Verh&ltniss snm Christenthum sind handgteif- 
liehe Fabeln. Auf die Untersuchung über seine Schriften, die ursprüngliobs 
Gestalt und die Reihenfolge derselben (worüber GntöRER I, 7 ff. DXhib 
Enoykl. a. a. O. 8. 489 ff. Stbirhabt a. a. O. 1500 f. Grosshavh in dsa 
Tor. Anm. genannten Abhandlungen. Ewald S. 268 ff.) kann ich hier niokt 
eintreten, und noch weniger die Aechtheit der einzelnen Schriften uiitsr- 
suchen. Dass unsere Sammlung von nnftchten Stücken nicht fkei ist, be* 
weisen schon die Bücher De mundo und De mundi meorrvptibüitale! über 
letsteres s. m. Bbrhats in den Monatsberichten der Berliner Akademie lS6^ 
8. 84 ff. Bei meinen Anführungen besieht sich die erste Seiteniahl auf dt« 
H5sohersche| die sweite, mit M. beieichnete, auf die Mange7*ache Ausgabe; 
die auB dem Armenischen übersetaten Werke citire ich nach den Seitensabloi 
der Aosgabe von Auohbb. 
1) VgL S. 224 ff. 



Stellung aad Bedeutang. 905 

vusengchaftlichem Bewussfciein nach einem festen Princip ver- 
knüpfte^ die eigenthümliche Weltanschauung seiner Schule meta* 
physich begründete^ und sie nach allen Seiten hin ausführte. 
Was uns von der alexandrinischen Spekulation vor Philo über- 
liefert ist| zeigt uns mehr nur einen unbewussten und vereinzelten 
Einfluss griechischer Philosopheme; bei Philo zuerst begegnet uns 
die klar au^esprochene Ueberzeugung , dass die wahre Theologie 
dorch ein umfassendes gelehrtes und philosophisches Wissen be- 
diogt sei, hier zuerst der Versuch, mit diesen UüUsmitteln den ganzen 
bhalt des religiösen Glaubens denkend zu durchdringen , und ihn 
oater Ergänzung der hiefür nöthigen Mittelglieder mit gewissen 
philosophischen and theologischen Grundanschauungen innerlich 
sn Terknüpfen. Der Werth und die Geltung des jüdischen Reli- 
gioQfiglaubens soll dadurch allerdings nach Philo's Absicht nicht im 
geringsten geschmälert werden : das jüdische und das hellenische 
Elenent gelten ihm nicht für gleichberechtigt, sondern das letztere 
soll sich dem ersteren unterordnen; sein System ist eine solche 
Uabildung der jüdischen Dogmatik , bei der ihr wesentlicher In- 
iudi festgehalten, und nur die Form der griechischen Wissenschaft 
beoütst werden soll ; und kann auch diese jüdische Scholastik den 
mteriellen Einfluss der fremden Philosophie so wenig ausschliessen, 
als die christliche , so gewinnt dieser doch niemals die Starke, sich 
in bewussten Widerspruch mit der positiven Religion geltend zu 
Wichen, und das theologische Princip der Tradition durch das 
philosophische der freien Forschung zu verdrangen. 

Philo selbst hat diese seine Stellung zwischen der jüdischen 
Offenbarung und der hellenischen Wissenschaft sehr bestimmt aus* 
gesprochen. Die heiligen Schriften seines Volkes sind ihm der 
labegriff alles Wissens 0; sie sind durch eine göttliche Ein- 
gebang entstanden, welche jeden Irrthum und jede Unvollkommen- 
keit toggohliesst'); es ist daher kein Wort in ihnen, das nicht voll 



1) De mandi opif. 2, B: Mcdotjc h\ xa\ t^ikoQOfioi^ in' «urjjv fd^«c «xpö- 

Ingn. 888, E. 419 M. 

3) V. Mos. 681, D. 168 M. De spec. legg. trib. 348 M. De moiiAroh. 
^%0. %2t BL Qu. rer. div. h. 618, A. 511 M. Die In«piraUon ist nach die- 
^ Stellen «in Brgriffensein vom göttlichen Qeiete, duroh welohea jede 
"»«aiQhliohe Selhatthatigkeit aufgehoben, und der Prophet sam reinen Werk- 



Absicht und Bedeutung wareO; jeder Spott über sie zielil die 
schwersten Strafen nach sich'), und ihre Inspiration erstreckt 
sich selbst auf ihre griechische Uebersetzung'). Philo sucht dem* 
wegen, wie er versichert, keine andere Quelle der Weisheit: die 
Auslegung der heiligen Bücher gilt ihm für die eigenthüHiiiclie 
Philosophie seines Volkes 9 und er selbst entwickelt seme Ge- 
danken fast ausschliesslich an der Erklärung der mosaischen 
Schriften ; denn diese sind ihm weit die wichtigste Offenbamngs- « 
Urkunde, ihr Verfasser erscheint ihm als der grösste von allen 
Propheten, ja als der grösste von allen Menschen 9 und so unbe- 
dingt ist seine Verehrung gegen sie, dass er, wie ein aditer Bali- 
bineOi &us jedem ihrer Worte, ja aus jeder Wortform der 
alexandrinischen Uebersetzung (wie wir diess auch spiter noch 
finden werden) die tiefsten Lehren ableitet Fasst man den Stand- 
punkt Philo's lilos nach dieser Seite in's Auge , so kann man Ihn 
nur als den eines extremen Supranaturalismus, einer unbedingt- 
ten Unterwerfung unter die positive Auktoritat, bezeichnen. 

Dieser Auktoritatsglaube erhält jedoch seine wesentlidw 
Beschränkung durch die Bedeutung, welche der griechischen Philo- 
sophie eingeröumt wird. Mag sich Philo auch noch so sehr als 
Jude fühlen , sein Judenthum ist nicht ausschliessend genug , «n 
nicht auch ausserhalb seines Volkes und seiner Beligion wahre 
Weisheit anzuerkennen. Er beruft sich auf die griechischen Philo- 
sophen, auf die Magier, auf die Gymnosophisten so gut, wie auf die 



seog der gOttlicheD Offenbarung gemaoht wird; die Unterschiede in der Mift- 
theilang dieser Offenbarung, welche in der ersten derselben berührt werden, 
sind für die Hauptfrage ohne Brheblichkeit. 

1) De agrio. 187, G. 800 M. De Cherub. 117, D. 149 M. De piot 468, 
a 664 M. 

8) Vgl. mut. nom. 1053, B. 687 M., wo Philo mit siohüichcr Befriedi- 
gung berichtet, wie ein Mann, welcher sich über die Namensanderang Abra- 
bam*s und Sarahs lustig gemacht hatte, sur wohlTerdienten Strafe sich bald 
darauf erh&ngt habe. 

8) V. Mos. 667, fi ff. 188 M, die bekannte Legende ron der Antateboag 
der LXX. 

4) Die x^Ecpco« fcXooof(a t. oontempl. 893, D. 476 M. 

6) Die Naohweisungen b. QpRÖRaa I, 60 ff. Kbfbbstbui a. a. O*. 188 L 

6) Nach dem bekannten rabbinischen Grundsata: an Jedem UMokohea 
der Schrift httngen Berge Ton Lehren. 



Jüdenthnm and Grieohentkam. S9T 

Ettener and Therapeuten, um das Dasein des Weisen dar* 
KQtbanO; er bewundert die bekannte That eines Kaianus 0; er 
nennt einen Plato den g^rossen, selbst den heiligen 0; er redet von 
der heiligen Gemeinde der Pythagoreer, von dem heiligen Verein 
der göttlichen Männer, eines Parmenides, Bmpedokles, Zeno, 
Kleanthes u. s. w.^; er gesteht Hellas zu, dass es sich als Wiege 
der Wissenschaft und einer wahrhaft menschlichen Bildung vor 
allen Landern der Welt auszeichne^); er beweist seine Verehrung 
der griechischen Philosophie noch weit starker, als diess in einzel- 
nen Aeusserungen geschehen kann , durch den ausgedehnten Ge- 
brauch, den er von pythagoreischen, platonischen, peripatetischen 
nid stoischen Lehren gemacht , durch den Einfluss , den er diesen 
Lehren auf seine eigene Ansicht gestattet hat. Der Mittelpunkt 
liier Weisheit ist ihm allerdings die Theologie, in der er sich natfirlich 
nnAchst an die jüdische Dogmatik hftlt ; aber die Philosophie und 
lelbst die encyklischen Wissenschaften sind seiner Meinung nach 
ein unentbehrliches Hulfsmittel dieser Theologie 0; <liese Wissen- 
schaften waren aber nur bei den Griechen zu finden, und so musste 
ach ihm von selbst eine ungleich günstigere Ansicht von dem 
Werth der griechischen Bildung ergeben, als der Mehrzahl seiner 
jttdiichen Volksgenossen. Mag er daher auch den Gesetzgeber 
leines Volkes hoch über die griechischen Philosophen erheben 0, 



t) Qn. omn. pr. lib. 876, B. 881, B. 466. 462 M. Tgl. De piovid. II, 12 f. 

2) Qu. omn. pr. Üb. 879, A f. (469). 

S) De proTid. II, 42. 8. 77 A. Qu. omn. prob. lib. 867, A. 447 M. (wenn 
mia Bimlioh hier fipcätotTov, nicht Xi^up^frc. liest) rgh De prof. 469, B (666). 
Aebalioh Qu. rer. dsT. h. 610, C (608) : tbv (i^ov xa^ flb(8i|&ov . . . 'fip^bOsiTov. 

4) Qu. omn. pr. lib. Ant De provid. II, 48. 8. 79 A. 

5) De proTid. II, 109, S. 117 A., grieohisoh. b. Eue« pr. er. Vm, 14, 62. 
^) Ich werde epftter noch anf diesen Ponkt sorflckkommen, weeehalb ich 

üu hier nur knrs berühre. Ebenso werden die Belege für den Einfluss der 
S°*olüiohett Lehren auf die philonische durch unsere ganse DarsteUung ge- 
S«beo werden. 

7) Diese Voraassetatmg Uegt schon in der sogleich an besprechenden 
Herleitoag der griechischen Weisheit ans dem A. Testament Weiter TgL m. 
**• 8. 296 f. angeführt ist, and Stellen, wie r. Hos. 666, A (186), wo aosgo- 
^ wird, dass Moses anter allen Qesetsgebem weit die erste Stelle ein- 
'^'^1 and seine Gksetae ewig and anTcränderlich, wie Natargesetie, sich 
«l^tea. Dagegen heisst es Fragm. 664 M. (VI, 210 Rieht, aas Jo-Damasc. 



Philo. 

und die Bundefimahle der griechischen Therapeuten den Gastmik- 
lern Xenophons und Plato*^ lobpreisend gegenüberstellen 9 der 
Gesichtspunkt, unter dem er das Verhaltniss der griechischen Phi- 
losopliie zur jüdischen Religion auffasst, ist doch immer die wesent- 
liche Gleichheit ihres Inhalts: das jüdische Gesetz enthalt die 
reinste und vollkommenste Weisheit , aber die Philosophie enthilt 
dieselbe Weisheit, nur weniger rein und vollständig. Seihst die 
griechischen Dichter werden trotz ihrer polytheistischen Mythologie 
in dieses Urtheil miteingeschlossen 0; Philo lasst ihnen dieselbe 
Entschuldigung zu gute kommen, welche schon die Stoiker auf die 
heidnischen, er selbst auf die jüdischen Mythen angewandt hatte: wir 
dürfen nur den wahren Sinn ihrer Fabeln durch allegorische Deu- 
tung ausmitteln, um Wahrheit darin zu entdecken 0, und Philo selbst 
trigt insofern kein Bedenken, sich bisweilen auf griechische Mythen 
zn berofenO- Ja er ist weitherzig genug, um sogar der heidni- 
schen Religion eine gewisse Wahrheit zuzugestehen. Während der 
jüdische Volksglaube jener Zeit in den Göttern der Heiden nur 
böse Dämonen zu sehen wusste^D, so hält Philo für den eigent- 



ParaU. 8. 8. 748) ftber alle heUeniBohen and barbarisohen Philosophieen , ätM 
•ie Ci)toOaott xk f towc odSk xb ßpo^i^Ta-rov ^dwifOvimtv t^iXotuy«!« I^f . 

1) Vit. oontampL 897, B t 480 M« 

8) Zorn folgenden Tgl. m. Geobgii Zeitoohr. f. hiat. TbeoL IX (M9), 
4, 74 f. 

8) De proFid. II, 40 f. B. 76 A.: man solle die Mythen über Hepbsft 
aof i Fener, die über Here anf die Lofk, die aber Hennes anf die raä« (X^T^) 
deuten, und man werde finden, daaa eie gesiemend nnd würdig über die Gott* 
beit geaproohen haben. £a aind diese die stoiaohen Dentongen. Stoisoh iit 
aneh der GmndsatB (ebd.): was der Gottheit an würdig an sein seheine, ent- 
halte nicht wirklich eine Blasphemie, sondern Tielmehr ein indieium inekm 
phlfMogim. 

4) Z. B. De Abrah. 867, G. 9 M. r. M. 666, B. 186 M. mondi opiC BO, C. 
81 M. Qu. omn. prob. lib. 886, D. 467 M. 

6) Die erste Spar dieser Vorstellong findet sich in den LZX Ps. 96, &• 
106, 87. Deat 88, 17. Jes. 66, 11, dann Bar. 4, 7. DXhhb II, 69 t »^ 
GnoBOii a. a. O, 66 f. glauben swar, 6at(ji^viov beseichne in diesen Stella 
gute Dlmonen, und nach der Ansicht der Uebersetaer liege der Fehler de» 
Heidenthuffls nur darin, dasa es untergeordnete Wesen an der Stelle Oottee 
▼erehrte. Allein dass nicht bloss M^ta^ , sondern auch 6ac(i^vtov von des 
Hellenisten mit Ananahme Philo*s für gute Wesen gebraucht werde, dftrfte 
schwernch an beweiaen sein: in den LXX steht es Jea. 18, 21. 84, 14. ?•• 



Jodontham and Gtieohentham. 

Kehen, unter der mriliolegtoclien Pöm varsteoktondegotfUnd dbs 
heiduschen Kultus theib in stoischer Weise die Gestirne und Ele- 
nenle O9 theils in stoisch-euenieristischer die grossen Minner der 
Toneit^. Bedenitt man nun, dass Philo mit der MehvEahl der 
griechischen Philosophen die Gestirne für lebendige Wesen , mid 
ftre Seelen für reine Geister der höheren Ordnung erklärt 'D 9 ja 
dass er sie geradezu mit Plato als die sichtbaren Götter be» 
leicknet^); erinnert man sich femer der Behauptung, welche uns 
steh später noch begegnen wird, dass die Masse der Menschen die 
Gottheit nur in den Mittelwesen anzuschauen un Stande sei, durch 
welche sie sich oflbnbart : so begreift man es, wenn Philo die pdy- 
tketotischen Religionen zwar im Vergleich mit der monotheistischen 
Ar irrig hält, und namentlich die roheren Formen derselben, wie 
den igyptiechen Thierdienst, als einen sehr schweren und verderb- 
lichen Irrthum betrachtet^); wenn er aber nichtsdestoweniger von 
dem jüdischen Nationalhass gegen das Heidenthum so weit entfernt 
iil , dass er eine Verfluchung der heidnischen Götter untersagt % 



91,6 offenbar fttr awoioe Q«i«ter; in d«m jüditohen ProcBmiom der Bib/lU- 
nw (worfiber 8. 238, 8) werden die HeidengöUer V. 22 »ludrüoklioh 8a((iiov<( 
ol h d8ou genannt. Ans dem Jüdisohen Volksglauben kam diese VortteUnng 
ia't N. Testament (1 Kor. 10, 20) und sn den KirchenTatem. Philo nennt 
■war die BaalssAole Nom. 22, 41 eine orvpLi) 8ai|jiov£ou Ttvb« (▼. M. 644, E. 124 
V.), diese beweist aber nicht mehr, als dass er siob dem Spraohgebraaoh sei- 
Btr Lindsleote anschloss, welche eine heidnische Oottheit 8sei sn nennen 
Bsdeaken trugen. 

1) B.O. 298, 8. Decal. 752, A. 768, D (189. 191 M.). V. oontempl. 890, A. 

2) 80 wird Herakles als historische Persönlichkeit anerkannt Qn. omn.pr. 
lib.888, G (464). Legat, ad. Ci^. 1008, D (667); ebenso in der letatem Btelle, 
wsDQ Philo hier nioht blos ex hf^paihui redet, Dionysos and die DieskartB. 

3) Die Belege hiefOr tiefer unten. 

4) De mundi opif. 6, B. 88, B (6. 84); De monaroh. 818, A. 214 M. 
Pnigm« 648 M. (b. Bos. pr. er. Vni, 14, 40), wo der armenisch-lateinisehe 
Text (De proT. 11, 101, 8. 110 A.) die merkwürdigen Worte hm^ f Joiety (^X(eu 
«i a^vi}c) flbergeht. 

5) De Decal. 761, E f. 768, E. 754, E ff. (189. 191. 198). De moaafch. 
813, B. D. 818, G (214. 219). yit. contempl. 890, A ff. 478 M. De Josephe 662, 
^* 76 11. Das Heidenthum wird hier durchaus auf ocyvoia und iskicn^ curflok- 
geflUirt, seine gröberen Auswflohse auch wohl als ao^ßcia beseichnet, aber 
eiiiflB dimonisohen Ursprung wirft ihm Philo nioht Tor. 

6) y. Mos. 688, fi. 166 M. Als Gmnd wird angegebeni dais man sieh 



Philo. 

und die BestraAing des Tempelraulw in Delphi als dnen Beweis 
der göttlichen Vorsehung anf&hrtO« Man sieht, so wenig er 
heidnischen Religionen als solche billigen kann, so werden 
doch wenigstens als Religionen, als eine wirkliche Gottesver^ning, 
von ihm anerkannt 

Je grosser aber hiernach die Anerkennung war, welche Philo 
dem Griechenthum zoUte, und der Einfluss, den er seinerseits 
von ihm erfuhr, um so begieriger musste er auch die HUGnuttd 
ergreifen , mit denen griechisch gebildete Juden den inneren Wi- 
derspruch ihres Standpunkts sich selbst zu verbeigen schon iingst 
gelernt hatten. Diese Hülfsmittel waren : einerseits die Voraus- 
setzung, dass die griechische Weisheit selbst aus der jfldischen 
Offenbarung geflossen sei, andererseits die allegorische Umdeutung 
der biblischen Aussprüche. Beides hat sich Philo in ausgedehntem 
Maass angeeignet. Jene Voraussetzung steht ihm so fest , dass er 
gar nicht daran zweifelt, Heraklit habe seine Lehre von den 
Gegensfitzen alles Seins aus der Genesis j dem Zeno diene die 
Geschichte des Jakob und Esau zum Vorbild ^ , die griechischea 
Gesetzgeber haben die Bestimmungen des Pentateuchs benfttst^) 
u- ^8^1 i^ ®r ^^ ff&nz allgemein ^;), die jüdischen Gesetze seien 
zu Barbaren und Hellenen, in alle Weltgegenden und zu allen Völ- 
kern, von einem Ende der Erde zum andern gedrungen. Welchen 
schrankenlosen Gebrauch er von der allegorischen Auslegno; 
macht, ist bekannt. Die allegorische Erklärung gilt ihm für die 
wesentliche Form eines tieferen Schriflverstftndnisses, die Schrift 
ihrem ^nzen Inhalt nach für Ein Gewebe von AUegorieen O ; denn 



nioht gewöhnen dürfe, den Namen der Gottheit sa Teraohten. £ine ändert 
Begrflndimg des gleichen Verbote De monarch. SIS, G. 819 M. 

1) De proT. 11, 28. 8. 68 A (Fr. 8. 640 M. «ns Eus. a. a. O. t7 t). 

S) Qo. rer. dir. hnr. 510, C. 608 M. Aehnlich wird die Lehre Henod*f 
und Plmto*s Aber die Weltschöpfong aai der Qeneeit hergeleitet inoorropt 
mondi 941, C f. 490 M. 

8) Qu. omn. pr. üb. 878, D. 464 M. vgL mntat nom. 1071, A (608), wo 
die Lehre Ton der Apathie auf Moeea inrClokgeführt wird. 

4) De jad. 719, D. 346 M. 

5) Vit Mos. 667, A f. 187 M., aus Anlas« der Sabbaths- und Fasten- 
Oesetse. 

6) Vit. oontempl. 898, D; s. o. 862, 8. De Joseph. 580 D (46): a&ov 
|i^toi |MT^ T^ ^^v ^iifYiiloiv xtä xk iv ^Kwciatt^ )cpo«aico8o0vfltt. 9^^ yep xs 



Allegorifohe Schrifterkl&rnng. S9t 

da alles in ihr zu unserer Belehrung dienen müsse, so mfisse ducli 
in dem scheinbar onbedeutendsten ein tieferer Sinn geflieht 
werden 0) die bnchstfibliche Bedeutung der Schriftworte stelle nur 
ihren Leib dar , die geistige , d. h. allegorische , ihre Seele 0. Ob 
dabei derbuchstiblicheSinn neben dem allegorischen stehen bleibt^ 
oder nicht, ist wesentlich gleichgültig: in der Regel stellt Philo 
beide neben einander'), aber in einzelnen Fällen bemerkt er auch, 
die wörtliche Auffassung einer Erzählung oder Vorschrift würde 
nur Ungereimiheit, ja zur Gottlosigkeit führen O* Dsss sich nichts-» 

«ivtt f^ xk xkßaitt tSj« vo(io0ia(fltc iOJaf(o^9u De speo. leg. 804, £ (889): ffiä 
^ Ma (des GeaeUee Deal. 25, 11 ff.) 4 icof« ffoXXot< cTuOt XfftoBot* htfpocv V 
^o«9a &io3cso{wv av8pa>v t3i icX^ora Ttov Iv Ttfi( vö|io({ 6icoXa{ißavövT(tfv iTvat a^' 
poXa ^ovtpji oLfWi&y x«ä ^i}t3i &^twv q. ö. Wenn in den zwei letztem Stellen 
fie Allegorie im A. T. aof den gröisten Theil seiner AussprQohe beeohrftnkt 
wird, 80 dfirfen wir diese, nAch Philo*« eigenem Verfahren an nrtheilen, nioht 
tu wörtlich nehmen: aaoht er anoh nicht in allem einen tieferen Sinn, so giebt 
es doch Bohleohterdinga nichts, worin er ihn nicht finden könnte, wenn er wollte, 

1) De congr. qn. ernd. gr. 430, B. 626 M. De somn. 678, B (628): Die 
fo&hlung hat nicht den Zweck, Tva &^ icofa w^^affita^ loropixou (iav0^fi>(av ... 
S)iV Mp To6 |A^Oi)|ia ß(ei9«X^9TaTov xA vocp^ . . . p.^ a(AEXi}OiJvott. De riet. 888, C 
(241) : tsOtv \»h i) ^Ti| icp^tTo&c Kipifytv tJi«)viSrrai 8k xa\ voOc Inpo^ a!ycY|iatc&8i) 
Xi^ l^eiv tbv 8(3i euptßöXwv* (TÜfißoXa 8^ ivn xk XixO^vta fovepi &8i^a>v %ak 

2) Migr. Ahr. 402, D. 460 M. Diese Vergleichang warde dann Ton den 
ohristliclien Alezaudrinem weiter rerfolgt. 

B) 80 De Jos. 680, D (46); Migr. Ahr. a. a. 0., wo diejenigen ansdrSck- 
lieh getadelt werden, welolie sich der hnclistfthlichen Befolgung der Gesetie 
wogen ihrer geistigen Bedentang entsiehen wollen. De Yict a. a. O. Qa. in 
Qeii. IV, 94 nnd nna&hligemale. 

4) De oonf. lingn. 330^ C. 426 M: Die Meinung, als ob Gott (nach Qen. 
U, 5) Yom Himmel herabgestiegen sei, 6ietp(i>xt&vto( xa\ [Utaxöaf&toc, (^ Ixo« 
diUh^ c<rAv ao^ia. Leg. alleg. 41, A (44): thfia n&vu xb oltoOai, U h}^^!^ ^ 
xflO^Xou XP^v<p xöoiAov ft-foy^vat. Ebd. 11, 1091, A (70) aas Anlass der Erschaf- 
ftug Eta's: xh ^tbv iiii totSrou (iuO(58^< lonv. De plantat N. 218, E. 884 M. 
(ftber die Erzfthlang Tom Paradiese) : sn meinen, dass Gott wirkliche Pracht- 
bftnae gepflanzt habe, wftre xoXX^ xa\ 8ucOsp^iuToc t^Otc«. M. opif. 86, D 
(B7): xwjxa ^i {tot 8oxit oufißoXucoS^ {ioXXov ?| xupCttK oiXoaofstoBoi. Bacrif. Abel. 
146, C f. (182): Gott könne Ja in Wirklichkeit nicht schwören, sondern es sei 
tien nnr eine von den Menschenfthnlichkeiten, welche ihm mit Rücksicht «nf 
die menschliche Bchwftche beigelegt werden. Qu. det. pöt. ins. 167, D (194) 
IQ Gen. 87, 18: toöto K&q av tt( toSv (3 ^povoiSvtcov napaB^atto; Post Oaini 
235 M.: (u(icoT* o9v, IxuBJj xaSra t$|c Khfiilot/i a^edÖti, ßA^ttov 2kXXi)YopoOrra( U- 
1» u. s. w. Ebd. 226. Qu. De s. immnt. 808, A. 282 M. De ebriet. 249, B. 



Pbito. 

destoweniger solche ODangeinesseiie and selbst aBwahre Darstel- 
Ittvgen im der Schrift finden , haben wir uns nach Philo , welcher 
hierin Plato folgt ^>, aus einer Anbequemung der Gottheit an die 
Sohwiche der Menschen zu erkUren : die Masse derselben , sin- 
lich , wie sie ist , Temag das göttliche in seiner Reinheit nicht n 
filssen ; um ihnen nun doch wenigstens die göttlichen Gebote bei- 
xubringen, hat Gott die an sich unwahre C^tu^i^ anthropomor* 
phistische Form gew&hlt 0* Vm so dringender ist für alle geistjf 
gereiften die Aufgabe , den höheren Gehalt frei yon der sinnlk^ea 
Umhüllung sich zum Bewusstsein zu bringen. Philo's SchrifterUi- 
rung bildet daher eine fortlaufende Kette der ausschweifendsten 
allegorischen Deutungen'}; von allen den Hälfiimitteln , welche 



866 IL Vgl. ftuch De oongr. qn. erad. gr. 480, B. 626 If. De somn. 678, B. 
688 M. Aaob bei OesetsesTorBchiiften wird eioigem«le AnegefUirt, due ei«! 
wörtlich genommen, ungereimt wären; so De aonm« 679, C. 684 M. De epee. 
leg. 804, £ (829). VgL Anm. 8 g. E. 

1) Vgl. Bd. II, a, 606. 

2) M. Tgl. auMer der HaupteteUe Qn. De b. immat. 801, A — 808, 
(280 — 288) (wo eine doppelte Lehrweiee in der Schrift unterschieden wird, 
die anthropomorphiatiache and die nichtanthropomorphistische, die, welekt 
dareh Furcht, und die, welche durch Liebe wirkt): fiacrif. AbeL 146, C (•. c* 
801, 4). Conf. lingu. a. a. O. De somn. 699, £. 666 M. (wo auch deutlich aaf 
Plato Bep. II, 881 vgl. 376, E ff. Bficksicht genommen ist). 

8) Hier einige Beispiele. Der erstgeachaffene Menacb ist der Geist 
(voSc), und wenn ea von demaelben beiaat, Gott habe ihn nach seinem Bilde 
gemacht, ao iat damit der reine, hinunliacbe Geiat gemeint Dieaer wird ioV 
Paradies, d. h. in die Fülle der göttlichen Tugenden geaetst, um aie su pfle- 
gen. Wenn aber deraelbe auch Adam genannt und aeine Bildung aua Bi^< 
berichtet wird, ao geht dieaa auf den voSc yvIcVoc (Leg. alleg. 66, D f. 61 M.)- 
Daa Paradiea bedeutet daa ^fH'^ovixbv der Seele, der Baum dea Lebens die 
Gottesfurcht, ala die gr6aate aller Tugenden, der der Erkenntnisa die fpövi)SK 
(M. opif. 86, D. Leg. all. 60, C t 87. 66. M.), die yier 8tr6me dea Paradiese! 
die Tier Bjurdinaltugenden (Poat Caini 260 M. leg. alleg, 61 E £ 66 £ If.)- 
Die Erslhlung Ton der Schöpfung dea Weibea atellt die Entatehung der 
aWrpi; in mjrthiacher Form dar (Leg. all. II, 1091, A ff. De Cherub. 117, & 
118, C. 70 f. 149 f. Bl). Die Geburt Kain*a bedeutet, daaa aua der Verbin- 
dung der Binnlichkeit mit dem Geiste der Wahn entspringt, als ob die Welt 
unser Eigenthum sei, denn KA^ beiaat: Beaits (De Cher. a. a. O.). Abel ift. 
die Frömmigkeit, welcher ea an wiaaenachaftliohet Bildung fehlt, Kain der 
gewandte Egoismus, die Sophistik, Seth die beständige Tugend (Qu. det pot 
las, 161, A f. De Sacrif. Ab. 180, A. 197. 168 M. post. Caini 249 M.), Bsoi 
die Hoiftiung (Q«. dat. pot. 180, C De prssm. et poen. 912 B t 217. 410 li)i 



Allegorische dolirifterklilrQng. MS 

schon die Stofker and andere Philosophen auf dem griechischen, 
die froheren Alexandriner auf dem jüdischen Religionsgebiei an- 
gewendet, von allen den Freiheiten, welche sie sich erlaubt hatten, 
macht er den umfassendsten Gebrauch: er tragt kein Bedenken, 
derselben Stelle und demselben Ausdruck eine mehrfiiche allego- 



Ltmech die Tocneiv6ti]c oder 6:co|jkov^ (poBt. Ca. 284 M. Qu. det. 164, E. 201 M.), 
Henooh die Biuse (De Abr. 852, A. 4 M. prcem. et p. a. a. 0.). Die swei Män- 
ner, welche Lamech erschlagen hat, sind der Xöyoc M^laq xmd die lo^^C ^ 
inalett t&v xakSyt (Qu. det. pot. a. a. O.). Noah hedentet die Gerechtigkeit 
(Leg. all. 75, A. Qn. det. 177, C. prnm. et p. 918, D. 102. 214. 412 M.); seine 
Arohe ist ein Bild des Leibes, nnd desshalb sind in ihr Thiere aller Art, wah- 
rend im Paradies, d. h. im Reiche der Tagend, die wilden keinen Zutritt fan- 
den (plant. No6 220, B. 836 M.). Abraham, Isaak und Jakob sind die Reprä- 
lentanten der erlernten, der angeborenen nnd der durch üebung erworbenen 
Tugend (De Abr. 357, B ff. De somn. 590, B f. pr»m. et p. 918 E f. 8. 9 f. 
646 f. 512 f. M. Qu. in Gen. IH, 38. 8. 207 A.). Hagar bedeutet (wie splter 
geieigt werden wird) die encyklischen Wissenschaften, Sara die Yollkommene 
Tagend und Weisheit; wenn Abraham Gen. 18, 9 sagt, Sara sei im Zelte, so 
keilst diese: die Tugend habe ihren Sita in der Seele (qu. det. pot. ins. 166, B. 
202 t U.). Rebekka ist die Ausdauer (a. a. O. 163, D. plant. N. 288, B. mfgr. 
Abr. 420, D. 8. 200. 354. 469 M.), Lea die Tugend des Yemflnftigen, Babel 
des smnlichen Seelentheils ; die MKgde der letzteren Bilha und Silpha be- 
deuten die Ernährung und die Sprache (congr. qu. erud. gr. 428, A ff. 528 M.). 
Jaia ist der i(o(xoXopiTucb< rpöicoc (Nom. mut. 1065, D. 598 f. M.), und eben- 
deiahalb wird der Edelstein, auf dem sein Name stand, Ex. 28, 18 nur ovOpof 
iklcht XfOoc ^Op^ivof genannt, denn der XCOo^ bedeutet den Leib, jener tpöicoc 
dagegen ist oUXoc xtä di(jc&(iaToc (L. all. 55, C. 60 M.). Joseph ist Tjrpus des 
Politikers (auch davon wird aus Anlass der philonischen Ethik noch su spre- 
ttiken sein); die VielgeschAftigkeit eines solchen und die Verschiedenartigkeit 
der Elemente seines Charakters deutet sein bunter Rock an (qu. det. pot. 156, 
C- 192 M. Tgl. De somn. 1110, A f. 660 M.}. Aegypten ist der Leib, Pharao 
der widergöttliche Sinn (qu. det. pot 162, B. conf. lingu. 832, D, 8. 198. 418 
^g)< De sonu. II, 1148, A. 692 M., wo der FIuss Aegyptens Tom Leib, der 
Enphrat von der Seele, ebd. 1122 D. 672 M., wo die Frau Potiphar's, des 
^Q^tiers, Yon der ffiw^ erklllrt wird). In dem Gesets Deut. 21, 15 bedeutet 
die eine Frau (die gehasste) die Tugend, die andere (die geliebte) die Lust 
(Sacrif. Abel 183, C. 167 M.); Deut. 25, 11 f. geht der Mann auf die gotter- 
S«l>ene Seele, das Weib auf die, welche am Vergänglichen httngt, die 8(8u|&o( 
*ind ein Bild der f^t^t^, oder auch, wie die Dyas überhaupt, der Materie 
(ipeo. leg. 805, A. 829 M.). Das einzige Kleid, welcbes man nicht über Nacht 
^ Pfand behalten darf (Ex. 22, 26), bezeichnet das Wort (De somn. 580, E. 
^^^U.). Koch zahllose Belege Hessen sich geben; die angeführten werden 
aber iq^ Genüge zeigen, wie sich Philo alles in AHegorle verwandelt, und 



SM Pbllo. 

risohe Bedeniung vntenidegen O9 ebriiflche Wörter nach griechi- 
scher Etymologie zu erklären 9 kleine Aenderungen im Text 
vorzunehmen O9 mag dieser dadurch auch dem Wortlaut nach nodi 
so sinnloswerden, ausUebersetzungsfehlem derLXX tiefe Weisheil 
abzuleiten u. dgL Dass er hiebei altere Vorgänger Yor rieh 
hatte, sagt er selbst^); doch findet er sich durch die Ueberlieferong 
nicht gebunden : das tiefere Schriftverständniss ist seiner Meinung 
nach nicht ohne göttlichen Beistand möglich O1 warum sollte dieser 
nicht auch ihm neues aufschliessen ? ^) Wenn er sich daher einer- 



wie YolUt&ndig sein Verfahren mit dem der etoisoben Allegoriker flbereiB- 
atimmti von denen 1. Abth. 800 ff. gesprochen wurde. 

1) So soll 9(1)^^ ffinferlei bedeuten : den vouc, die wissensohaftliche Bil- 
dang, die sohleohte Beschaffenheit, die gnte Beschaffenheit, die Gottheit (De 
prof. 476, B ff. 572 M.); so die Sonne 1) den voOc, 2) die aladiiatc, 8) den (Moc 
Xd^o«, 4) Gott selbst (De somn. 577, Äff. 682 M.); Tgl. aach folg. Anm. Hoch 
riel häufiger ist es, dass umgekehrt yerschiedene Typen auf den gleiche« 
Begriff gedeutet werden. 

2) Wie Leg. alleg. 52, D. 58, B (56. 58), wo der Name des Flusses Phi- 
son Ton f tCdiaOoi, der des Euphrat yon s&f potvecv, der des Landes Euilath tob 
f9 und tXiiiK hergeleitet, dann aber freilich auch noch eine iweite EtTmologie, 
aus dem Hebr&ischen, beigefttgt wird. Qu. in Gen. III, 8. 8. 171, A., oongr. 
qu. erud. gr. 427, A. 428 B (528), wo Jakob's Frau Acta nach der Ableitung 
▼on XÜoi gedeutet ist. 

8) Qu. det pot. 164, A (200): man solle Gen. 4, 8 nicht lesen Msnmv 
aCxbv, sondern qoc^t. cAxw^ denn die Seele, deren Typus Kain ist, tftdte bi 
Wahrheit sich selbst. 

4) Z. B. Leg. alleg. 95, E. 124 M. De somn. 675, B. 680 M. (wo statt 
^Ofv richtiger wAre: {jci, er gieng dem Orte su). 

5) Vgl. S. 225 f. 

6) Dieser Sats lAsst sich awar aus der Stelle Qu. omn. pr. Hb. 877, C 
(458) nicht beweisen; denn wenn es hier heisst: ttf(c 9catp£ot( v6(jloi(, o&< i^ 
X,avov avOpciMc{vi)v ijcivo^iaai <|ruxV avsu xoroxiox.^« tvOtfou, so bedeutet ixvtoAt 
schwerlich „yersteben'^, sondern „ersinnen **, die Worte beliehen sieh mithin 
nicht auf die Erklärung, sondern auf die Entstehung der heiligen SohrifUo« 
Aber aus den sogleich ansufQbrenden Aeusserungen ergiebt-sicb allerdiog«, 
dass Philo das tiefere SchriftTerstEndniss Ton höherer Eingebung herleitete. 

7) Philo beseugt wiederholt, dass ihm selbst im Zustand des Entbnsisf- 
mus göttliche Offenbarungen sutheilwerden, und da sich ihm seine Ansichten 
Oberhaupt durchaus an der Schrifterklärung entwickeln, so beliehen eich 
diese Offenbarungen immer auf den verborgenen Schriftsinn. So De Cherab. 
112, D (148). Nachdem er hier swei Erklärungen der Cherubim und des 
flammenden Schwertes angeführt hat, fährt er fort: ^xoue« U scott xo& oitov- 



Allegorische Schrifterkllrung. 30ö 

seits allerdings an die jüdische Religion und ihre Urkunden 
anlehnt, so nimmt er doch zugleich ihnen gegenüber mit Hülfe der 
allegorischen Auslegung eine so freie Stellung^ dass ihn ihr Buch- 
stabe keinen Augenblick hindern konnte, alles in ihnen zu lesen, 
was seiner Denkart zusagte. 

Die Ansichten , welche sich dem Philo von hier aus über den 
Werth rnid die Bestimmung der Wissenschaft, über die Bedeutung 
ihrer einzelnen Theil^, über das Verhältniss der Philosophie zum 
religiösen Glauben ergaben, können erst spater nachgewiesen 
werden , denn diese Ansichten sind weit weniger der Grund, als 
die Folge seiner metaphysischen und theologischen Lehren ; Philo 
ist nicht von der Untersuchung über die Bedingungen und Grenzen 
des Wissens zu seinem theosophischen System, sondern umgekehrt 
TOD seiner Theorie über das Wesen Gottes und der Welt zu seiner 
Ansicht Von der Wissenschaft gekommen ; diese kann daher nur 
Yon dem in ihrer ursprünglichen Bedeutung verstanden werden, 
wekhem jene Theorie schon bekannt ist. Hier am Anfang unserer 
Darstellung liess sich die Stellung unseres Philosophen zu den 
Bildntigselementen , unter deren Einfluss er stand, erst im allge- 



ofös {jLovTcüeaOai * and nun folgt, als Inhalt dieses Xö^o^, seine eigene Erklft- 
ning. Aehnlich De somn. II, 1142, D (692) : ^iZTiyijCi hi \loi noXtv tb dxaboi a^a- 
^ f^ofxtXilv icveS|ia iöpatov xat ^fjmv ' womit Übrigens in diesem Fall eine 
scUmC f0r den Allegoristen tiemKcfa unerhebliche Bemerkung eingeleitet wird. 
Dieie AenMerangen sind fflz Phile beseiebnend. Jeder Gedanke, der ihm 
viiTermatliet aufgeht, eraoheint ihm als Eingebung, wie diese bei einem 
solchen erklärlich ist, der einerseits jeden Frommen für einen Propheten und 
Inspirirteo h&lt (Qu. rer. div. hser. 517, C. 510 M.: xa\ 7cavi\ tk ^yOpcunco amltf 
i \b^ Xdyo« 7Cpof7]T6£av fiatpup^. Äpo^TJtrj? Y*P "^'^^ \^^ oudlv aÄo^O^yyeTai, oX- 
X6xpis {^^^ta dinixoSvtoic It^ou), und der andererseits seine eigene Geistes- 
tbftt^keit mit klarem Bewuwtsein su begleiten unteriäast, und statt nftohter* 
ner methodischer tfutersuohnjig aieh nur zu gerne' dureh augeubliekliche 
Erregung;en und Combinationen leiten Iftsst. Dieser Ursprung der philoni- 
seheu Inapiration erhellt besonders deutlich aus der Stelle De migr. Abr. 898, 
C (4417, wo Philo erzahlt: nicht selten begegne es ihm,^wenn er etwas nie- 
deraehMiben wolle, und über den Inhalt mit sich im reinen sei, daas er den- 
noch mit aller Mfihe nichts zustandebringe ; ein andermal wieder xevbc £XOü»v 
xX^( ^^9V^C ^yEvö(i9)V l?civt90p.6Vü)v xa\ ojcsipopi^vcov avcoOsv a^ava>$ T(ov lv6up.Y)- 
^jhuftj «^ (ffb xaT0X^< Oc(ou xopußovttav xat n&vxoi^ ^voelv xbv törov, tou^ itap- 
6vxa(, IpAUTOv, t^ XcY^^&tvtt, xk Ypa^ö^uvou 

mi««. d. Or. UI. Bd. S. Abth. 20 



306 Philo. 

meinen bezeichnen, die bestimmtere Einsicht in dieselbe kann 
nur der Abris{s seines Systems selbst gewahren. 

Das erste muss in dieser Beziehung die Lehre von Gott aeiB. 
Philo's System trägt nicht blos überhaupt einen religiöseii Charak- 
ter — der vollendete Weise betrachtet, wie er sagt, die Gottheil 
als den einzigen Gegenstand seines Wissens — ; sondeiai es ruht 
bestimmter auf demselben dualistischen Gegensatz Gottes nnd der 
Welt, des Unendlichen und des Bndlichen, in welchem wir früher 
die metaphysische Grundlage des Neupythagoreismus erkanst 
haben. Gott allein ist das gute , vollkommene , ursprünglich wirk- 
liche, das Endliche als solches ist das unvollkommene und unwirk- 
liche, die Materie, als der allgemeine Grund der Endlichkeil, iai 
das nichtSeiende und böse. Von diesem Standpunkt aus muisle 
Philo vor allem darauf bedacht sein , in der Betrachtung des gött- 
lichen Wesens einen festen Grund für seine Weltansicht zu 
gewinnen. Hiebei stellte sich nun freilich sogleich eine Schwie- 
rigkeit heraus, von der auch wirklich Philo's ganze Theologie 
gedrückt wird. Durch seinen Begriff der göttlichen Unendlichkeit 
ist ihm jede Uebertragung endlicher Bestimmungen auf Gott ver- 
boten. In Wahrheit sind es aber eben nur solche endliche Bestim- 
mungen , aus welchen uns die Gottesidee überhaupt entsteht, denn 
jede Yorstellung über die Gottheit beruht in letzter Beziehung auf 
einem Rückschluss von dem gegebenen auf den absoluten Grund 
desselben, und jede nähere Bestimmung dieses Absoluten kann nur 
unserem Welt- und Selbstbewusstsein entnommen sein. Will daher 
Philo alle endlichen Prädikate von Gott abwehren, so kann er 
überhaupt nichts positives über ihn aussagen, seine Theologie muss 
sich in lauter Verneinungen bewegen. Dieses widerspricht jedoch 
der Voraussetzung , dass Gott , und Gott allein , das schlecht- 
hin wirkliche sei, und sein System gewahrt unserem Philosophen 
lediglich kein Mittel zur Beseitigung dieses Widerspruchs. Er 
schwankt daher in seinen Aussagen über die Gottheit fortwährend 
zwischen der negativen Beschreibung derselben, wonach ihr alle 
Prädikate abgesprochen , und der positiven , wonach ihr alle Voll- 
kommenheit beigelegt werden muss. Diesen Widersprach m lösen. 



1) De pUnt N. 228, B (339): x& y^ip Svtc S -aXdi^ 3UM^)|UMc 



Die Gottheit: negative Bettimmangen. 3D7 

(Ulfen wir nicht hoffen, es genügt, dass wir ihn erkennen und 
seine Grdnde aufoeigen. 

Was dem Philo nach seinem ganzen Standpunkt zunächst lag, 
das sind die yerneinenden Aussagen über Gott, welche ihn als den 
bestimmungslosen erscheinen lassen ; denn der Gegensatz Gottes 
aad der Welt ist der Punkt, von dem er ausgeht. Der ungewor- 
dene ist mit nichts gewordenem zu vergleichen, er ist darQber 
erbabeii wie das ewige dber das veränderliche , das wirkende ober 
das leidende, das umfassende über das umfasste, der Geist über den 
Stoff, der Schoprer über das GeschöpfO* I'hilo erklärt sich daher 
nicht Mos gegen jede pantheisttsche Vermischung Gottes mit der 
Welt*), er widerspricht nicht blos der Vorstellung, als ob Gott im 
Raojne^ und in der Zeit sei^), als ob ihm menschliche Gestalt und 
menschliche Affekte zukämen^), als ob ein Uehel oder ein Böses 
TOB ihm herrührte*), sondern er verwahrt sich überhaupt gegen 
jede Aehnlichkeit zwischen Gott und den Geschöpfen, indem er der 
Endlichkeit der letztern die Ewigkeit Gottes Or ihrer Wandelbar- 
keit seine Unveränderlichkeit ^) , ihrer zusammengesetzten Natur 
seine Einfachheit 0) ihr^r Abhängigkeit seine unbedingte Frei- 



1) De eomn. 576, R. 592, E (683. 648.). mtiDd. opif. 2, B. 9 M. migr. 
Abr. 418, B. 466 M. Qa. in Gen. II, 54. 

2) De Decal. 751, B. 189 M. migr. Abr. a. a. O., ebd. 416, B (464): 
Gott Bei weder die Welt noch die Weltseole (wie namentlich die Stoiker 
wollten). 

3) Z. a o«nf. lingQ. 839, D. 840, A. 425 M.' De 8omn. 592, D. 648 M. 
hk 4er ersten tob ^mAi Btellen wird namentlieh auch die Bewegung im 
Banne Qott abgeeproehen ; Tgl. S. 801, 4. 

4) llniidi opIf. a. a. O. Ui 5. 

6) De poBt. Cai&i 236 f. M. Qu. De. e. immat. 801, B (280) u. 0. 

6) Qa. ^et. pot 177, D. 214 M. mundi opif. 16, B f. 17 M. Ich komme 
•pMer noch adf dieeen Punkt EUrftök. 

7) II. opif. 2, B f. De earit. 699, D (866) n. a. 

3) De Cbertib. 111, B. 142 M. Leg. alleg. 49, C. 58 M. Weitere Belöge 
^ dicM Ton Philo eehr naohdrfloklieh hervorgehobene Beetimmung finden 
^^ in der ftobrift Quod Deug sit immutalnlis und b. DIhmb I, 1 18. 

9) Die absolute Einfachheit des göttlichen Wesens, eine unmittelbare 
^^ leieer UnYeraaderliohkeit (wie diese incorrupt. mundi 948, A. 498 M. 
^^t iit), gilt dem Philo ebenso, wie diese, ftlr eines der weBentliehsten 
^^ dee Merkmalen, duroh welche sich Gott Ton dem Endlichen unierscbei- 
^ (mat. nom. 1078, C. 606 M. qu. De. e. immut. 805, C. 286 M.): Ooti ist 

20* 



308 Philo. 

heit^) und Selbstgenügsamkeit entgegensetzt. Philo geht aber 
noch weiter. Nicht genug, dass die Unvollkommenheit der endlichen 
Dinge von Gott ferngehalten wird , auch über ihre Vollkommen- 
heiten ist er schlechthin hinaus : er ist besser als die Tugend und 
als das* Wissen, ja besser als das Gute und das Schöne, reiner als 
das Eins, ursprünglicher als die Monas, seliger als die Seligkeit 0- 
Bei einer so über^chwanglichen Vorstellung von der Gottheit 
musste allerdings jedes Prädikat, welches ihr beigelegt werdai 
konnte , zu geriog scheinen , und so kann ps uns nach der obigen 
Beschreibung nicht mehr überraschen, wenn Philo auch wohl ge- 
radezu sagtO, Gott sei ohne alle Eigenschaften C&jcaioO' Und da 
nun jeder Name irgend eine Eigenschaft ausdruckt, so wird folge- 
richtig gelehrt, kein Name könne Gott im eigentlichen Sinn ba- 
gelegt werden, jeder sei nur uneigentlich zu verstehen ^3. WiS 
aber mit keinem Namen bezeichnet, durch keine Bigensehaft 
beschrieben werden kann , das kann auch nicht begriffen werden. 
Wenn daher Philo sehr nachdrücklich behauptet , die Gottheit sei 



ein schlechthin einfaches Wesen , die reine Einheit, denn was man ihm bei- 
gemischt denken mag, immer konnte es nor ein schlechteres sein» als « 
selbst ist L. alleg. II, Anü 8. 1087 (66). 

1) De Bomn. 1142, E. i692 M. 

8) Aach diese Eigenschaft, dass Gott Ä9cpoc$c^c, XP^^ oCdcvbc ist, wird 
Ton Philo sehr oft hervorgehoben ; m. Tgl. L. alleg. 1087, B (66). mnt, som. 
1048, D (682). De fortit. 787, C. 877 M. Weiteres b. D£bns I, 121. 

8) M. opif. 2, C : xh [ih dpaotifpiov [sc ahiov] 6 Tä>v SXwv vou( lottv t Dlnp»- 
v^ortttToc neti Äxpatf v^oronoc , xptfrtwv xt f^ &p>TJj, xa\ xptintov ^ ^iEi0Ti||i9) »<^ 
xptJTTwv )^ aOxb TaYftObv xtä o^tb xh xoXöv. V. coatampl. 890, A (472): xb 9», S 
xa\ TOYaOou xp^TTÖv iaxi xaV ivb{ tlXtxptv^aiipov, xtä |aov«8o( «px^Y^vcuiipov. Legat 
ad CaJ. 992, D. 546 M. De prsom. et p. 916, B (414). Qa. in Gen. II, 64. 
8. 184 A. Fragm. 8. 626 M (b. Eüs. pr. er. VU, 18, 2.) 

4) L. alleg. 47, A. 49, C (50. 58). Qu. De. s. immot 801, D. 881 ü. 
unter einer tcocöti)« yersteht Philo allerdings nar eine endliche Qualität (TgL 
de Cbemb. 1 16, E. 148 M.: t^cocv yop xat fOopov lv8fxotA^Mav fihu t«&v xoiwv, 
wie MA.V0BT auf Grand der Handschriften mit Recht statt 6vi)t«Sv liest), aber 
andere sollen wir nicht su erkennen yermttgen (vgl. De somn. 598, Af. 648 IL 
n. a. 8t) 

5) De somn. 599, C. 655 M. V. Mos. 614, A. 92 M. Legat ad Ci^ 998, A 
(546). mat nom. 1045, E f. 580 M. Vgl. L. alleg. 99 € f. 128 M. Mit de« 
jfidisohen Vorartheil von der Unaassprechliohkeit des JehoTabnameoa steht 
diese Lehre jedenfalls nor in einem entfernten Zasammenbang. 



Die Gottheit: poiitlye Bestimmaogen, 909 

ihrem Wesen nach unfassbarO^ so ist dies« ganz in der Ordnung. 
Nor da SS Gott ist, können wir wissen, aber was er ist, das ist 
ans durchaus Terborgen 0- Das Sein ist daher auch das einzige 
Prädikat, welches wir ihm im eigentlichen Sinn beilegen können, 
der Name des Seienden Cder Jehovahname) ist der einzige, welcher 
das Wesen Gottes, und nicht Mos eine seiner Wirkungen oder 
Krifke bezeichnet^. 

In dieser Bezeichnung Gottes hat die verneinende Richtung 
der philonischen Gotteslehre ihre Spitze erreicht; alle positiven 
Bestimmungen der Gottesidee sind beseitigt, und es ist nur das 
übrig gelassen, was nicht entfernt werden konnte, ohne das Dasein 
Gottes selbst zu laugnen, das Sein Gottes und der Name des Seien- 
den. Indessen konnte Philo unmöglich bei dieser reinen Vernei- 
nong stehen bleiben. Seine negative Theologie selbst ist ihm nur 
daraus entstanden, dass er alle Prädikate für die Idee Gottes zu 
beschränkt, der göttlichen-Vollkommenheit nicht gemäss fand ; seine 
Verneinungen haben also eine Bejahung, eine Vorstellung von der 
göttlichen Vollkommenheit, wenn auch vielleicht nur eine allge- 
neine und unbestimmte, zur Voraussetzung. In der näheren 
Attsfähmifg dieser Vorstellung musste Philo in der Hauptsache 
schon desshalb der Analogie mit dem menschlichen Geiste folgen, 
weil die Grundvoraussetzung aller Anthropomorphismen, die Per- 
sönlichkeit Gottes, seinem ' jüdischen Monotheismus unbedingt 
feststand; zugleich mussten aber, in Folge seiner spekulativen 
Richtung, neben den schon besprochenen negativen Prädikaten 
alle diejenigen Eigenschaften Gottes einen besonderen Werth für 
ika haben, welche den allgemeinen Gedanken ausdrücken, dass alle 



1) De poet. Ca. 229 M. eoDf. lingn. 340, A. 426 M. monarch. 816, B. 
^16, 0, 817, A. 216 ff. M. De mat. nom. a. a. O. De somn. 676, G. 680 M. 
Leg- «11. «. a. O. 

2) Qu. De. s. immat 302, D (282): 6 S* «pa oOBI T(J> v(5 xaTaXv)9CTbc Zzi (x^ 
XTa To thtat (jlövov. Cnap^ic yip iTCtv B xaTaXafjLß&vojjisv aöxoO xo ZI x^p'^^ 6ftap- 
^fMi (Mi*. Aehnlich De monaroh. a. a. O. De pr»m. et poen. 916, B (414). 

3) Qu. D. 8. immat 301, D. 809, A (281. 289). Qu. det. pot ins. 171, £. 
^H C (208. 222). De Abrah. 867, Bf. 18 M. De somn. 699, C (666). V. Mos. 
^14,4. 678 (92. 166); woza, das Austtprechen des Jehovabnamens betreffend, 
«bd. 670, D. 688 D f. (162. 166) sa vergleichen ist. Philo selbst bedient sich 
w Beseiohnang Odttes, wenn er wissensohaftlioh reden will, regelmftssig 
dir Aosdrfidke & &v oder xb ov. 



310 Philo. 

VoIIkommaaheit in Gott vereinigt sei und von Gott hergtamme. Er 
beschreibt daher die Gottheit nicht bios als dasjenige Weseo, 
welches über alles erhaben ist, sondern auch als das, welches aUe 
Realität in sich schliesst: als das Urbild der Schönheit, ab den 
absolut seligen und vollkommenen 9 als die Vernunft des Welfc- 
ganzen'); er sagt nicht blos, dass sie nirgends, sondern auch, 
dass sie ftberall sei, dass sie alles erfülle und umfasse'), nicht 
blos, dass sie nicht geschaut werden könne, sondern auch, dass sie 
alles durchschaue 0; ja er sagt, Gott sei alles Wirkliche, denn ihn 
allein komme ein Sein im wahren Sinn zu^). Sofern aber dieae 
Aussagen über das Wesen Gottes mit der Transcend^nz seiner 
Gottesidee zu sehr im Widerspruch standen, liebt er es noch mehr, 
die absolute Wirksamkeit Gottes zu schildern. Wie Gott allein 
walu*baftes Sein zukommt, so kommt auch ihm allein ursprüngliche 
Thfitigkeit zu. Das Wirken ist ihm so naturlich , wie dem Feuer 
das Brennen Ot die wesentliche Eigenschaft Gottes ist das Wirken, 
die des Geschaffenen das Leiden 0; Gott wirkt daher unaufhörlich, 
und ist für alles andere der Grund seinem Wirkens , alle Volikoni- 
menheit in dem Geschaffenen stammt einzig von ihm herO; Q>^ 
wird auch zwischen solchem unterschieden, was mittelbar, und 
solchem, was unmittelbar von Gott hervorgebracht ist^), so führt 
doch in letzter Beziehung alles auf Gott als die alleinige Ursache 



1) De Chemb. 122, E. 164 M. De Abr. 377, D. 29, M. Qu. D. e. immat 
297, G. 276 M. Legat, ad Gi^- ^^^i ^' ^^^ ^• 

2) Migr. Abr. 418, A (466): tbv T(ov SXüiv voOv tov Oe^v. 

8) Leg. alleg. 48, B. 61, G. 70, G (52. 88. 97). conf. lingn. 889, E. 425 U. 
De tomii. 576, A. 680 M. migr. Abr. a. a. O. a: 5. e. 0»5kbb I, 128 ff. Dlna 
I, 282 ff. 

4) Z. B. QiL De. s. immat 295, A. 297, D. (274. 276). Genf, linga. 840, B 
(426). 

6) L. alleg. 48, B* 62 M. : Stt eU xoit xb nov adroc (ov. Qu. det. pot innd. 
lB4f/j. (222): h Otbf (jlövo« ^v t(;> cT\/at ^^^imjxev . .. co; t<ov (ut' aOTOv eOx ovtm 
xotot xb tTvdu 8ö^ tk (lövov ö^coiavai vo(AtCo(jiyu>v. 

6) L. alleg. 41, D. 44 M. 

7) De Gherab. 121, B. 158 M. vgl. mnnd. opif. 2, G. 

8) L. alleg. a. a. O. Tgl. saorif. Abel. 140, B. 175 M. Dahhb I, 217 f. 
Vgl. die spttter daraastellende Lehre Philo'e, dass alles gnte im MensoheD ein 
Oesohenk der gOttliohen Gnade sei. 

9) L. aUeg. 47, D (61): die besten Dinge, wie die.Veraonft, sind 6xb 
und dia bmA^ die geringeren' nor 8ia 6toC. 



Die Oottbeit: Gfite und Macht. 311 

zurück '>• Man wird in (fieser Gleichstellung der GoMieit mit der 
wirkenden Kraft und in der Zurückführung aller Krfc/Ige auf die 
gSitnche UrsüchKchkeit den Einfluss der stoischeft Lehre nielit Ver- 
kennen*); man wird aber ebensowenig den Zusammenhang d!eser 
BestinrnitiDgen mit Philo^s eigenthümlichem Stondpunkl tlersehen : 
wurde die Gottheit als das absolut vollkommene Wesert Aber Jt)de 
YerglekAftirtg mit dem Endlichen u^d aber den ganzeti Belreicl^ des 
menschlicfien Denkens hinausgerückt, so blieb nut* übrig, diese 
Yoflkomnrenheft i|i ihren Wirkungen zu erkennen, tind so War es 
ganz natQriich , dass Philo , um iti positiver WeSlse von Gott 
zu reden, die^re Seite zunächst hervorkehrte; Gott Ist ihm der jen- 
seitige Gmnd alles Wirklichen, er kann nur in seinen Wirkungen 
eikaimt, nur als die allwirkende Kraft definirt werden. 

Unter den EigenschaftsbegrilFen , durch welche die gottliche 
UrsicMiübkeit näher beschrieben wird, treten die zwei der tfacht 
und def Güte als die Gmndbestimmungen hervor'). Ton fiesen 
selbst aber wird die Güte für die höhere und ursprünglichere er- 
kttft, fBr sie vorzugsweise der Name Oed< gebraucht, Gott der Gute 
und da» vollendetste Gut genannt^); die Weltl^chöpfung und Welt- 
regiernng wird in platonischer Weise von der neidlosen Güte 
Gottes Tiergeleitet ^); es wird der Grundsatz aufgestelTt, dass nur 
gutes, aber nichts schlechtes von Gott herrühre^), und es Werden 
desshalb die wohltbätigen Wirkungen unmittelbar , die strafenden ^ 
imd verderblichen nur mittelbar auf ihn zurückgeführt^); die 



1) L. «Heg. 62, A (88): h {ikv Oebv xa\ Y^veatv... d^Y^yotv fi{( xonitb cü( flufiia, 
bb( ovTOf ahioM tou SpüSvTO«. 

3) Sofaon die AosdrackiweUe ist stoisch;- so in der Untersoheidung des 
^^tmfpiov «Txwy on^ des 7ta0v)T^, and der GleiohsfeTlQDg des erstören mit dem 
1^ T^ nim an. eplf. t, C vgl. 1. AbCb. 119, 6. 131, U 

8) Pbilo'e eigen« firkUrangen bierübte tiefer anten. 

4) Auch hiefUr werden die Belege später gegeben werden; hier verwBiso 
iob nar auf die Stelle coof. lingn. 846, C. 482 M. 

5) üe ihtit Qom. 1061 C. 585 M. V. Mos. 678, B (l'55). migr. Abr. 416, 
0(464). Cb^iMb. 19% (f62). TD. opff. 4, D (5) n. a. 8t. 

6) Con£ lingn. s. a. 0. De Abr. 870, C (22). Vgl. oben S. 260, 1. 

7) De pröf. 460, A. 656 M. mnt. nom. 1049, A (583). De Abr. a. a. O. 
i>»preTld. 0, 102. Doeb wM anderwärts (Conf. lingn. 845, B. 481 M. Legat. 
4 Ca}. 999» A. 646 M) anwkannt, dlos anob die strafenden Wirkungen In 
Wahriieit unter di^ w>bltMffg«fl tti fedbfMn ieteti. 



319 Pbilo. 

göttliche Gnade wird gerühmt, die auch den Sündern nnanfhörlick 
die rettende Hand reiche ]^, Der Einflass der platonischen Lehre 
vom Guten und von der göttlichen Güte lasst sich in diesen Zä^n 
nicht verkennen'); doch sind sie auch überhaupt durch Pfailo^s 
ganzen Standpunkt gefordert. Da es die Sehnsucht nach göttlicher 
Hülfe und Offenbarung ist, welche die Wurzel seines Systems 
bildet, so müssen diejenigen Eigenschaften Gottes, vermöge deren 
er sich des Menschen annimmt und sich ihm mittheilt, f&r ihn den 
grössten Werth haben. Auf denselben Grund dürfen wir aber 
auch die Lehre von der göttlichen Allmacht, ja die ganze philo- 
nische Theologie zurückführen. Hat sich der Mensch des Ver- 
trauens auf seine eigene Willens- und Denkkraft begeben, um alle 
Sittlichkeit' und Erkenntniss aus göttlicher Mittheilung zu empfan- 
gen, so ist es nur folgerichtig, wenn überhaupt alle Kraft und 
Realität in das göttliche Wesen verlegt wird , .und dem Endlichen 
nichts als die unbedingte Abhängigkeit übrig bleibt Wie ver- 
möchte dann aber der endliche Verstand das unendliche Wesen zo 
fassen, und welche anderen, als verneinende Bestimmungen, 
könnte er über dasselbe aufstellen ? Nur dass freilich diesen Ne- 
gationen immer wieder die positive Ueberzeugung von der absolu- 
ten Vollkommenkeit des göttlichen Wesens und Wirkens als ihre 
Voraussetzung zu Grunde liegt, und dass andererseits aus der An- 
erkennung des Dunkels, welches die Gottheit vor uns verbiigt, 
unmittelbar das Streben hervorgeht, dieses Dunkel durch die 
Leuchte einer höheren Offenbarung zu zerstreuen , und denselben 
Gegenstand, dessen absolute Unbegreiflichkeit kaum erst behauptet 
war, in jener gewaltsamen Weise, die wir spfiter noch kennen 
lernen werden, zu ergreifen. 

Je schroffer aber das göttliche Wesen von der Welt getrennt, and 
je unbedingter doch zugleich alles endliche Sein von der götUichen 
Ursächlichkeit abhangig gemacht wird, um so stärker musste sich 
Philo die Forderung aufdringen, die Vermittlungen nachzuweisen, 
durch die eine Wirkung der ausserweltlichen Gottheit auf die Welt 
möglich gemacht würde. Gott selbst kann mit seinem Wesen nicht 



1) Qn. D. t, immat. 804, B f. (283 f.) mit dem Beiuito: od |Uvov iniuH 
ikgUf oXX* üwiami du^n. icpcoßtitipoe fop dCxi}« & iXgoi leog* oaixt^ tatcv n. •• v* 
8) Philo Mlb«t Torwaüt m. opit 4, D aof Tim. 89, O. 



Die göttUobeii Krftfte. ^318 

ia die Welt emgelien, im? mil Beiner Wit\ung ist er in ibr gegen- 
wirtigO) ^r kasa aber auch nicht unmittelbar auf die Welt ein- 
wirken , denn der Vollkommeae darf sich nicht durch die Beruh- 
mag mit der Materie beflecken ^; wir müssen daher Mittelwesen 
swischen Gott und der sichtbaren Welt annehmen , an welche die 
BiowirkuDg Gottes auf die Welt geknüpft ist. Für die genauere 
Beschreibung dieser Mitteiwesen Uessen sich besonders vier 
Vorstellungen yerwenden: aus dem philosophischen Gebiete die 
platonische Lehre von den Ideen und die stoische ton den wir- 
kenden Ursachen, mit welchen sich auch die platonische Weltseele 
leicht verknüpfen Hess; aus dem Gebiete des religiösen Glaubens 
die jüdisch - persischen Vorstellnngen über die Engel, nnd di^ 
griechischen über die Dämonen« Wir werden auch finden, dass 
Pbilo alle diese Elemente benutzt und verknüpft hat, doch 
nassie ihn die stoische Lehre von den Kriftea am meisten an«^ 
ziehen. Die Engel und Dämonen des Volksglaubens hatten eine 
za aasgeprägte Persönlichkeit, um sich unmittelbar au Trigem 
der göttlichen Causalitat zu eiguen; sie gehörten ursprünglich 
einem Standpunkt an, welcher an der unmittelbaren Einwirkung 
Gottes auf die Welt noch keinen Anstoss nahm, und mussten 
erst philosophisch umgedeutet werden, um dem vorliegenden Zweck 
in entsprechen. Die platonischen Ideen waren au abstrakter Natur, 
das wirksame Princip trat in ihnen zu wenig hervor, sie steUtea 
nor die Urbilder des Sinnlichen dar, nicht die bewegenden Kräfte ; 
ior Philo dagegen war eben das die Hauptaufgabe , die Wirkung 
Gottes in der Welt möglich zu machen. Diess leistete nun die 
stoische Lehre von der durch die ganze Welt verbreiteten Vernunft 
Gottes, vom ^öyo« oxsfpLaTixd^, von den Kräften, welche vom Ur- 
Wesen ausgehen , um das Weltall belebend und bildend zu durch- 



1) De post. CaiD. 229 M. unt. oonf. liDgn. 339, D. 429 M. migr. Abr. 
*W» B (464). 

2) De Tict offer. 867, E (261): ^ Ixtivij« yip [-dj« tJXij«] flrivt' ^rfmjaev S 

jv ftfiova xai (lox^töv. Vgl. Genf, linga. 845 D ff. (481 f.), wo aasgefElhrt 
*^i iu$ Gott bei der WeltsohöpAing snr HerTorbrlngung deijenigen Dinge, 
welche selbst la eoh«ffen ihm oiobt gesiemt hatte, sich der Bovi^fut; 6icv)peToC- 
^Mient habe. 



S14 Pbllo. 

drjvgen *) ; irad wenn Ffail<^ •Herdings Ton seinem tttandpnnkl 
Iheito an dem PantbeisniM, tfaeils an dem IMerialisraus dtaa 
Lehre in ihrer stoischen Fassmg Anstoss nehmen nresste , so liess 
sich doch diesen Mtageln leicht abhelfen: die wirkenden KrtRe 
dnrften nur den ansserweltlichen Ideen Plato's gleidigestelll , md 
anf die Gottheit als ansserwelMiches Wesen zurnckgefiilirt werden, 
und man hatte statt der Peaer- und Lnflströmttngen, in welche sich 
das kunstleriscbe Urfener zertheih, geistige Substanzen , die ron 
Gm in die Welt ansslrömen, ohne dass doch dieser ans derBitiheit 
seines Wesens herausträte , oder sich mit demselben an die end- 
lichen Dinge mittheiite. Wir haben früher gesehen /dass eine 
Umbikhing der stoischen Lehre in dieser Richtung schon durch die 
blosse Verknflpfiing des stoischen Pantheismus mit dem artetoteli- 
sehen Theismns möglich warO; uni wieviel niher mussle sie 
einem Philo liegen , bei welchem zu diesen Elementen der Binlns 
der Ideenlehre, des Engel- und Dämonetiglaübens, der Siteren jftfi- 
sehen Spekulationen über die Weisheil, und' als entscheidender 
Grund die Transcendenz seiner Gottesidee hinzukam. So ergd» 
sich ihm denn folgende Theorie. 

Als Gott die Welt schaffen wollte , erzfihlt unser Philosoph 
mit Plato ^, no erkannte er, dass Jedes Werk ein geistiges UrbiM 
▼oraussetzt, and demgemSss bildete er zuerst die OberainnUche 
Welt der Ideen 0- Oi^ Ideen sind aber nicht Mos die Muster- 
bilder^), sondern zugleich auch die wiilcenden Ursachen, die 
KriOe, welche die angeordneten Stoffe in Ordnung bringen, und 
jedem Ding seine Eigenschaften einprägen f). Es kann insofern 
auch gesagt werden, die nrbildliche Weit bestehe aus den unsicht- 
baren Kräften, welche die Gottheit wie ein Gefolge nrngebeu^. , 



i**«^—«**» 



t) Worflber 1. Abth. 8. 146 f. 124, 8. 137 t 
2) A. a. O. 8. 568 ff. 
8) Tim. 38, A ff. 

4) De miindi opif. 8, E f. 6, C. 7, B t 39, C (4. 5. 7. 80). Leg. «lieg. 44^ 
A (47). Migr. Abr. 404, B (462) a. a. St 

5) Ale solobe werden sie gerne einem Sigel oder Modell TeigliekM 
De m« opif. 6, C. 7, B; wettere« in dem Abechoitt vom Logoe. 

6) De monarob. 817, C t (318 f.) Vict. offer. 857, fi f. 361 IL t^ 
Cherub. 116, E. 148 M. 

7) Coof. linga. 845, B. 481 M: ctc Siv & Osb( ff(iu6i{tou« ns(A a&t^v i^u knih 
|ui« ... 8i* aZ toJtiov Tfi>v Suv^ftiv h ioc&i&ocToc xa\ voiit^c Mcp^ xöo|mc tb toS 



Die gOUllo<h#n KrSfte. BIS 

« 

Mue gekügen Kr&fte sind m , durch welche floU •» 4^ Wielt 
Ihilig jsi, und dasjenige in ibr benrirkt, was er wiegen seiüMr Er» 
bbettheit nicht unmittelbar hervorbringen kann^>; lie sind die 
Dieaer und Statthalter des ebersten Gottes , die Gesandten , durch 
vdche er den Menschen seine« Willen mittbetlt ^ die VermitHer 
swiscben GoU und den •endlichen Ding^ *% die Theilluraße der alt* 
geneioen Vernunft, welche bildend und iurdnend in der Welt 
irtlten'3y die unzerreisabaren BAnder, welche Gott dareh's Weltall 
gespannt, die Säulen, welche er ihm unterstellt batO* Sie können 
<laKer auch als dienstbare Geisler und Werkaenge des göiilicbeh 
Wyiens beschrieben werden; sie sind jene reinen Seelen, die von 
äea Griechen Dämonen, von Moses Engel genannt werden ^X ^^ 
sie Verden in diesem Sinn von den Menseben angerulan ^). fia 
itfAsstreitbar aber hiernach die Persönliehkeit «dieser Kräfte zu sein 
»keiat, so schwankend wird sie doch wieder, wenn wir aMhm 
Aeouemngen in Betracht ziehen. Schon der Name der Kräfte 
lisst ans zunächst nur an Eigenschaften des göttlichen Wesens 
selbst denken; noch deutlicher liegt diese Vorstellung in anderen 



f«.vo|i6ou to58e op^^icov fö^aif aop&xoic au9iaOE{(. Wenn e« hier acheinen 
könnte, ala ob die $uv&|X2(c von den Ideen noch unterschieden würden, so 
ragen doch die eben angeführten Stellen, dass diess nicht Philo^s Meipnng 
ut. Die Vergleichong der 6uv&[jisi( mit einem Gefolge (Sopuf opoGaou duvj^ui^ 
DOBitoh. a. a, O. dopuf opoiSfUvo^ 6)cb duetv tcov av<0T^b) doydcjACMV De MoriC» 
Abel 139, A. 173 M., ebenso De Abr. 367, B. 19 Bl) ist bei Phüo baofig, 

1) M. s. ausser 8. 318, 2: De m. opif. 15, ti ff. (16 t), besonders aber De 
AW. 870, B. 22 M. DecaL 768, E. 209 M. De prof. 460, A. 556 M. 

3) Da Abr. 866, B (17 f.) De somn. 586, D. 642 M. 

8) Aöyoi De somn. 575, E. 585, A. 586» B (681. 640. 642.). Leg. alle«. 
d3|D (122). Wenn Dähnb Xö^oi nicht selten mit „Plftne Qottes" Qb«rsoUt, so 
xt diess Terfehlt, der Ausdruck ist durchweg nach der Analogie der stois^en 
iöpi Bxip|iaTao\ SU erklären. 

^) Migr. Abr. 416, B. 464 M. Cent lingQ. 889, 6. 844, G (425. 480), 
^H^ & 655 M. (aus Job. Damaso. paralL a. 749, £.). Vgl. 8, 818, 9. Daher 
IteuM&Bie plant. N. 226, D. 842 M. 8uv(^ieic SvcoiixaL 

&) &omn. 585, A (640): ((uxa\ Bi %lmt aOoyaxoi olXöxei oStoc. ebd, 586 D. 
^7,D (die Engel X^yoi ^oTtou, Xöfoi OTioi). Leg. alleg. 98, D: to^ a^YAoi^ 
^Uy»i^ oÄToö. De somn. 583, A (638): (i6«v4xot« XdyoK, oö« xoXetv iöo< orf-^d- 
^ Conf. lingn. 324, D (409): tc5v OeCeov cpY«»v xa\ Xöycdv .. oO( xaX^v lOo« 
■nAoö«. Ebd. 845, C f. (431). De Abr. 366, ß. 17 M. 

0) Qu. D. s. Unmut. 810, A. 290 M. Weiteres in der Lehre Tom Logos. 



af6 Philo. 

Beseicliiiuiigen 0. Die Erifte werden ferner nicbl Mos 
einander gestellt, wie Personen, sondern sie erscheinen aadi ■ 
einander, wie die Gattungs- und Artbegriffe, so dass diehdhereKraft 
die niedere in sich befasst^); sie werden mit den Ideen identifi- 
cirt (s. 0.}, welche doch, schenit es, unmöglich als Personen 
gedacht sein können, und am wenigsten von einem solchen, der die 
Ide<^n nicht als Objekte der göttlichen Anschauung Gott gegenüber- 
stellt, sondern als Gedanken Gottes in ihn selbst verlegt; genk 
Philo sagt aber ausdrücklich, sie seien nirgends, als im gdttlichea 
Denken '). Wenn endlich die Kräfte für ungeworden O vnd Ar 
ebenso unendlich erklärt werden, wie Gott selbst 9 wenn gesagt 
wird, Gott sei durch sdne Krftfte in den Dingen Cs. 0O9 so seist 
diess unstreitig voraus, dass die Kräfte als ein unzertrennlicher 
Theil des göttlichen Wesens eu betrachten sind. Wir dörfea 
daraus allerdings nicht schliessen , dass sich Philo dieselben nicbt 



1) *ApcTa{ E«.B. De prof. 458, A (553) u. o.; x^^'^C L^* ^leg- 1101, E. 
81 M; jJYcpLOvCa nnd edepY^o^ ftlr SiSvofiic ßaaiXixJj und i^pY'mxij De 8omD. 5S9, 
G. 645 M. 

2) M. vgl. de Chernb. 118, A (144), wo von der atWo^o« and xpam; 4« 
beiden Grandkrftfte (Macht and Gfite) gesprochen, die ftXo^ poa;Svi| und tSXi- 
ßeia Gottes als ihre Abkömmlinge beseiohnet werden; Qa. in Bz. II, 6& 
8. 516 A., wo es heisst, die virhu creaHva sei die Quelle der benefioa, die 
virtui regia die Wnrsel der legislativa et percussiva ; L. alleg. U, 1108, B (s. a. 
319, I). Weitere Belege giebt die Lehre vom Logos, dev ja sagleich eine 
Kraft and die Einheit aller Krilfte (Xö^oi) ist 

8) De m. opif. 4, C. 5, B : Wie die ideelle Sudt (7cöX^ voiii^), deren FUa 
ein Baumeister in seinem Geist entwirft, vor der AasfQhrung desselben nir- 
gends ist, als in der Seele des Banmeisters: xhv a^tbv xpöicov oO$* o tx w» 

tdecüv xÖ9[i.o< aXXov ov ^oi TÖnov 9) tbv Ostqv Xö^ov tbv xauxa $taxoo(jLi{9ecvTa 

e{ ^ Tif lOeXYJaetc p(i,voWpoi( xpiiaaaOai Tot; 2vö(xa9tv, oO$K ocv fcspofv elim ttv 
voijtbv e^ou x69(iov, 9) 6toTS X^yov ijdi} xoo^jLOJCotoCvroc. 

4) Q. D. 8. immatab. 304, E (284) : t^ $6 aysviltou« apa Suv&fisif Ixtcwc, 
at mp\ «dxbv oSaat Xa[i7cp6TaTov f&^ inoLTzphnoMvv^. 

6) De sacrif. AbeL 189, A. 178 M. (mit Besiehang aaf die drei Engel, 
welche Abraham erschienen, welche aber von Philo aaf Gott and die swei 
obersten RrAfte gedeatet werden): aTCEpi^pafoc y&p & Oeb{ ampf^pafot td d 
8uv^iC aOtoli Tgl. m. opif. 5, A: osmpl^pafoi yhip aixal yt [af X^^^ '^ ^^] 
xa\ £tfiXeü-cf)TOi, and rorher (4, D): der Logos allein sei der Ort der Ideen; 
denn t£c i&v sb) tb>v 8uv^<i>v aihoS x6noi ftspöf, ^ y^oiT* Sv Ixavb«, oC X^ 
jcoaoc, oXX« \iiwt «xpcrcov I^VTtvoiW 8d^aaOa{ ts xa\ •^ta^ai ; 



Die gftttUohen Kräfte. SIT^. 

ab Hypostasen yorfestelltliatO; ^ daiu lauten nicht tlleiii scäne 
Ansdricke viel zu bei^immt'), sondern auch die ganze Bedeutung" 
der Kräfte für sein System Terbietet diese Annahme^);. — aber um 
{•gewisser, dnss er den Begriff der persönlichen Subsislenz hin-> 
fichtlich jener Wesen nicht klargefasst und nicht folgerichtig fest- 
gehalten hat, wie diess im Alterthum überhaupt nicht selten war, 
aad weit schärferen Denkern, als Philo, begegnet ist^>. Iii seiner. 
Lehre tou den Kräften kreuzen sich zwei Vorstellungen., die reÜ*^ 
gidse von persönlichen, und die philosophische von unpersönlichen 
littelwesen; er verknöpft beide Bestimmungen, ohne ihren Wider- 
q»nich zu bemerken, ja er kann ihn gar nicht bemerken, weil sonst 
»fort die Vermittlersrolle der göttlichen Kräfte, die Doppelnatur der- 
leiben verloren gienge, vermöge deren sie einerseits mit Gott iden««- 
tiich sein müssen, damit dem Endlichen dttrch sie eine Theilnthme 



1) WoLfF die pfailon. Philosophie 8. 20. 28. 

2) Wenn %, B. De Abr. 870, B (82) ansgefUhrt wird, von den drei MAn- 

B«s, welche A.bmhem ersohienen, heben sieh bei der Zerst&raog Sodom*« 

&w swei geneigt y weil ee eiohgeuemt habe, dass QotX die Bestrafung der 

BolUosea nioht aelbst ToUaog, sondern seinen Buv^t« überliess, so setsl 

(te doeh wohl voraus, dass die ktateren ihrem Daaeln naeh von Qoit ver- 

•cUste sind, und au ihm nioht etwa nur in dem Verhiitniss stehen, in wel- 

eken die Hand, sondern mindestens in dem, in welchem das Werfcaeug som 

Manchen steht. Das gleiche liegt darin, dass die Krftfte von Gott als a{ {ast* 

<^ ^u^ucc aatenchieden werden (De somn. 576, A. 681 M. vu &). Philo 

•^t aber die Krallte auch aasdrflcklich mit den menschlichen Seelen in £ine 

Oittaog: von den Seelen, sagt er, steigen die minder reinen ia irdische Lei- 

W berab, die reineren bleiben ansser dem Leibe, and die höchsten anter 

^«•en seien die, welche die Schrift Engel nenne (De somn. 686, B f. 641 M. 

i^giguiU 285, D. 268 M. plant. N. 216, B. 881 M. Conf. linqo. 845, C. 481 

M); eben diese heissen aber (s. o. 815, 5) anch Xd^oi, and die X^^^^ Seelen 

lind Eagel, juid De somn. 585, A wird der 6(to{ Xö^oc im höchsten Shbn outer 

^CMfteden gerechnet; so dass man deutlich sieht, wie die Krftfte und die 

K>ge] Tollständig in einander fliesseo. 

3) Die euv^i« sollen ja, wie Philo bestimmt sagt (s. S. 318, 2. 815, 1), 
gcnde dss wirken, waa Gott wegen 'seiner Erhabenheit nioht selbst wirken 
^*™i wie wftre diess möglich, wenn sie nichts anderes wllren, als eben Gott, 
*^tm er auf eine bestimmte Art wirkt? 

^) Um nur einige Beispiele anzuführen: es wird schwer su sagen sein, 
Ol) lieh Piato die Welt sammt ihrer Seele, die Stoiker die Gottheit, Plato, 
^(iitoteleB und die Stoiker die Gestirne oder die Sph&rengeister als Personen 
»•^i»ht haben. . . 



9W Philo. 

a« der CMihdit «dglkh weide , endeitmeils Ten Am rerecldeieii, 
damil die GoUhmt Iroti dieser TheHnthme ausser aller Berikrviif 
imt* der Welt bleibe 0- Es ist hter, wie anderwirls, einfaeb eis 
Widersprach, dea der Geschicbtschreiber zwar erklären, aber 
Hiebt eatfemen kaaii. 

Attcb die Frafe^ Aber die BRtstefaang der Krfifle wird rmt 
Philo nvr imgenau bervhrt. Er redet Ton einer Erweitermif des 
göttlichen Wesens, einer Ausbreitung der Kräfte durch die Welt*), 



1) £• Ut daher eioe aoffallonde Verkennang der philoDUcben Deak* 
weise, wenn Kbfersteiii (Pliilo'a Lehre ▼. d. göttl. Mittelw. 201. 17. 116^ 
glauht, Philo hahe aweierlei Mittelweson angenommen, persönliche und im- 
persftnHohe, jene die Engel, diese die Rr&fte im engeren Sinn. Diese Ans* 
knnft flbenrieht nleht allein die GrOnde, welche Philo bestimmen musatea, 
Jena.lliiMelweseD.ffiigleioh als peraönliob and als oopersfinlieh sp detÜBOB» 
sondern sie nimmt es auch mit'seinen nnhestreithareu Aussagen Tiel an leicht 
Denn weit entfernt, diesen Unterschied persönlicher and anpersönlicher RrIfU 
irgendwo ansadeaten, behandelt Philo Tielmehr die gleichen Weaen ideht 
sdiaa in einer and derselben Stelle bald wie persöoliobe, bald wie nnper- 
BÖnliofae. Nachdem er a. B. De eonf. liagn. 846, B^(481) tob den KrafkcB 
gesproobeii hat, aus denen der vorfrbc NÖOfiei bestehe, tb tou fotvo^Uvc« taulc 
^tfvujtav, IStfatf obpärtSK ootftoiisVc, setct «e gleich darauf an die Stelle 4<r 
selben die Seeleu i« Hinraicl und in der Lalt, welche Engel genannt werdsa; 
die g4elchen heissen aber auch SwofAfic. Aehnfioh in anderen yob den oben 
angefabirtM» mdlen. K. hilft sich in solehen FlUen mit der Annahme, 
Philo die beiden Klassen Yhn Mittel wesen im Verlauf seiner Darstellong 
wechsle (a. a. O. 195' f, 954 f.). Philo, sagt er, unterscheide die KrAfte tou 
den Engeln im allgemeinen genau, nur halte er diesen Unterschied in gege- 
benen Falle nicht Immer ^t. In der Wirklichkeit steht es aber Tielmebr so, 
dass PhiTo swar die Identität der Ideen und Krftfte mit den Engeln in mehr 
als Einer Stelle unverkennbar Toraussetst, ihren unterschied dagegen nir- 
gends andeutet; erst sein Bearbeiter ist es, welcher denselben aas der UuTer- 
einbarkeit der Pr&dikate ersehliesst, welche den Krllften in den rerschiedeoes 
Beaiehungen, in denen sie Torkommen, gegeben werden. Allein dieeer Sehbiis 
wAre natürlich nur dann anlAssig, wenn sich erweisen Hesse, dass Philo selbst 
•ich dieser Unvereinbarkeit bewusst gewesen sei. Da dieser Beweit nicht la 
fQhren ist, müssen wir vielmehr umgekehrt schliessen : wenn Philo die KiAfte 
in dem gleichen Znsammenhang bald als petsönliche Wesen, bald als Ideen 
oder göttliche KrAfte und Eigenschaften behandelt, so kann er sieb die Ua- 
TCreinbarkeit dieser beiden Darstellungs weisen noch nicht klar gemacht ha- 
ben; und KaFBasfaiR würde hiegegen um so weniger einwenden können, da 
In Betreff des Logos doch anch er sng^ebt, dass dem gleichen Subjekt von 
Philo bald persönliche bald unpersönHche PrAdlkate gegeben werden. 

8) Leg. alleg. 47, A (51): itfvovto« tou SeoC t^v if^ iauioQ $tfvttpuy ttk to8 



Dia göttliehen KrAfCei fhre Entstehung. 



«: beieickMi die eSMeleen Krifte nU Ihiiih 4mr 
0^ der GeMnunlhait ^X er vei^lei^ht ihre ltittik«ilulig an riie 
Vdl eiller Aunströvnuig 0- IXes$ wur4e» bucheliUioh yeMnmeii^ 
dferdiogs 9af eine emaeaUsÜMhe VoR^toUnng über die EntotehuBg 
derKiifle hinweisen; iumI in demselben Sinn konnte die Betrach* 
tag Q(Meg ale dm Urliishta^ weiche Pkilo sehr gelfiuig ist'), 
Mätot werden. Aber doch bediwt er selbst sieh dieser Idee nir-* 
piMb, um die EfUstehnng der IMAe in erküren: er redet wohl 
von der EinstFaUang der Goitheii in die menschUehe Seele 0, er 
liirt die Kräfte , welche Gott omgeben , das hellste LichA ansstrah- 
Uk^y, aber er sagt nicht, dass gerade in der Lichtnatnr Gottes der 
GmaA für da» Ansfliesaen der Krifte liege , er sdieint sich über-* 
hapt. die/fothwendigMeit einer niberen BesUnimung iber die Art 



^0 xvsiS(jL«To^ flt^t xou 67;oxccfi^ou. Pott Caiu. 229 M.: Qott erfQllt alles 
Bic 9ova{U(>>c «XP^ Rcp&Tcuv Tcfva«. Mut. nom. 1048, E. 582 M: luv t\ Suv^cüv 
k fdwev tk r^vemv. Conf. linga. 889, B (426) : -c^ 8i«va|jittc a£itoO 8i& y% ^^ 
ttrac «älpo« 'cc xfljl oO^ovoD xatioi |a^c o&^ >P>}(a«v iucoXAocm toß %io^»» o» ai^ 
^ ^SU ^ ^i^tn po(- iiM« 172| A. 209 Id^ wo es Ton der memafhUchen SmI« 
(^ ji aber di« Engel oder Kr&fte glelohmrUg Biud)^ beUst, »ie sei ein oxög- 
tw|u oG 8iaip£Tov der Qottbeit ; x^pnai ^ap o5Skv xoC Osbu xax* ducapxijvtv, oXXa 
P^ ixtiivrcai. Mit xk(vciv bezeicbnet Pbilo aucb die Ausstrablnng dea Liobta 
(Qt. De. ■. irnmut. 805, A. 284 M.), nnd d2e göttliebe Selbstoffenbttrang (tsc 
"f^ «6vA Ti(y«iv ^pcnxBoiflEC De Bomii. 678, A. 581 M.)« 

1) UaUeg» lies, B(82)r4 ooff« to«» ^t»..,, fv oxpim um ftp(Dt(o«i|y ib« 
pn ^0 xfiv Uuxou 8w^4U(üv. Oe aaoiiCK Al>ei 168, C. 189 M (awei t|uj|M(xa 
der 8<ivo;|ji(( vo{io6£TtxiS). 

2) De prof. 479, B (676)i Gott sei die icpfoßuxÄxii iwipl' xbv ^^ 5Up.Ä«vxa 
i«9vrr «öoiMfv »(tPfi)«!. Bbenao L. alleg. 1089, C. 688 M. Dagegen geb5reii 
^ MMNMlJonef adfMnlMM qn-ln Oen. II, 44 ao ««nig bielrai^ ala d\» gleich« 
Dintelbmg De prof. 477» £. 674 M., denn aie besleben aifib «Kf die BUf^iiM 
^ Weisheit, welche in die Menachenaeele ttberflieaaeu. 

t) De eomn. 676, E. 632 M.: i öeb« ^ä« I<jxi, ... xa\ oO iiövov ^a>« aXXa 
m4 iwvib5 h^ü f a>xb< opx^xuTCOv, piaXXov 8t apx«ü«Oü «pcaß Jxepov xa\ avwxepov. 
^* «briet 246, C (864): wenn dfts unkörperHcbe Lieht des gttttßciien M'eaena 
^riMe tttgegeBetrahlt, vonaag uo> getakodet, naohta anAarea aa aolNuiaB. 
AebaUob Qu. D. a. immut. 804, £. 284 M. De prsm. et poen. 916, A. 414 M. 
I^>e«riL 714, B. 408 M., wo Gott der voi)xb« f^kio^ genannt wird. Daas er in 
^«Stelle Qn. D. a. immut. 800, A. 279, M. ^ xou fcüib« oüaci heiaae (DIkhb 
V)74) itt nicht riohtig» dieae Worte geben nicht auf Gott 

4) De lomn. 682, E, 687 M. and oft 

^) <iit D. a. immat 804, E. 284 M. 



Pkiio. ' 

EnMeüu«^ n^ch ^niöbt klar gedwcbt su haben. BbenaowMif 
dieat die Annaliine einer Emanation der UnvoUkomroeDhelt des 
abgeleiteten Seins zurBrkUmng*; es wird zwar Toninsgeselzl, dass 
das abgeleitete unvollkoniniener sei, und dass diese UnvoUkommeii- 
heit mit der Entfernung ven Urgrund gleichen Sehritt halte'); 
aber diese Voraussetzung ist gar kein unterscheidendes Merkml 
der Emanationslehre , denn sie wird auch von solchen Systemen 
getbeilt, die einen ganz entgegengesetzten Charakler haben, wie 
z. B. das aristotelische, was dagegen aHein die Emanationslefare 
charakterisirt , die Begründung jener Voraussetzung durch iHe 
natärliche Abschwfichung der Ausflösse, das tritt bei Philo gar 
nicht bestimmt hervor. Wir sind daher nicht berechtigt, die Ema- 
nation der Kräfte aus der Gottheit Philo als seine bestnnmie 
dogmatische Ansicht beizulegen; was vielmehr bei ihm auf diese 
Annahme hinfuhren würde, ist am Ende doch nur die bildliche 
Bezeichnung eines Vorgangs, über den er selbst sich keine ge- 
nauere Vorstellung gebildet hat Noch weniger- dürfen wir seine 
ganze Lehre über die Kräfte von orientalischen Emanationssysteawa 
ableiten , von denen man bis jetzt mehr nur vorausgesetzt als 1| 
bewiesen hat, dass sie in jener Zeit nicht blos überhaupt vorhanden, 
sondern auch in dem alexandrinischen Bildungskreise bekannt 
waren. Die Vergleichung der Gottheit mit dem Lichte ist allen 
orientalischen Völkern und auch schon dem alten Testament 
gelaufig ; derselben Vergleichung bedient sidi Plato in der be- 
rühmten Stelle der Bepublik über das Gute, aufweiche Philo in 
mehreren seiner hergehörigen Aeusserungen offenbar Rücksicht 
nimmt ; eben die^r schildert im Timäus die Ausbreitung der Welt- 
seele durch's Universum in ganz Ahnlichen Ausdrücken , wie Philo 
die der göttlichen Krfifte; noch unmittelbarer -erinnert aber der 
letztere an die stoische Vorstellung von der Verzweigung der pneu- 
matischen Grundkraft in ihre Theilkräfte, die sich ganz wie bei 
Philo als geistige Strömungen, alle Dinge tragend, ordnend und 
zusammenhaltend, durch 's Weltganze verbreiten. Selbst der Name 



1) Wie diesfl aus dem Gänsen der folgenden Darstellung erbellen wird. 

2) Noch weiter war sie schon Tor Philo, !n der jüdischen Vor«teUnog 
▼on der Bohecfainah oder der Liohtwolke entwickelt, in welcher JehoYah un- 
nahbar thronen soUte. 



Die gftttliohen Erftfte. 

ier E^nation («9p6p^ta) ist unter den grieebischen PkUoiopben 
swisl Ton den Stoikern gdiraacht worden, namentlich um das 
Verlialtiiias der menschlichen Seelen zum göttlichen Geist zu 
beieiehnenO; und wenn Philo allerdings jene materialistische 
Vorstellui^ von der Gottheit und ihren Kräften , welche den Stoi- 
kern eigen war, nicht tbeilt, so lasst sich doch der Begriff der Ema- 
mtiott selbst strenggenommen ohne dieseA Materialismus nicht voU- 
«dien , und dafs sich auch Philo von demselben nicht ganz frei 
Uelt, werden wir bei Gelegenhdt seiner Ansichten über das We- 
sen der Seele noch finden« Jedenfalls ist durch jene Abweichung 
TOn der stoischen Lehre eine durchgreifende Benützung ihrer 
anderweitigen Bestimmungen nicht ausgeschlossen. Ich glaube 
daker nicht, dass eine Veranlassung vorliegt, für die philoniscbe 
Lehre von der Entstehung der göttlichen Kräfte ausser den sonst 
bekaniiten Quellen deines Systems noch andere, geschichtlich 
amrweisbare, aufzusuchen ']). 

Jener Kräfte sind es nun an sich unendlich viele, und ein 
bestimmtes Maass fürihre.Zahlung lasst sich nicht aufstellen, da sich 
bei dem eigenthümlich schwankenden Verhaltniss der Kräfte zu 
ainaiider jede göttliche Wirkung ebensogut auf eine besondere 
Kraft zurückführen liess, wie es andererseits möglich war, viele 
Wirkungen von einer und derselben Kraft abzuleiten, und viele 
Krifle zu Einer höheren Kraft zusammmenzufassen. Man darf 
daher den Aufzahlungen der Hauptkrafte, welche sich bei Philo da 
und dort finden '), kein grosses Gewicht beilegen. Nur Eine Ein- 
theiinng derselben wiederholt er zu beharrlich , irls dass wir ihre 
Bedeutung für sein System bestreiten könnten. Dem Einen wahr- 
haft wirklichen Gott, sagt erO) wohnen zwei oberste Kräfte bei, 



1) Aefanlich affdanaa|ia, das Philo gleicbfalls für das Verh&ltoiss der 
menschliohoD Seele zur Gottheit gebraucht (s. o. 818, 2; weiteres später). 

2) Nooh weniger Beweiskraft kann ich, schon nach unserer früheren 
Br9rt«ning, dem Umstand beilegen, dass sich die Emanationslehre auch im 
Baeli der Weisheit finde (Gvböbbb I, 164), denn die Stelle , worin dieses die 
Weisbeit als Ansflass der Oottheit bMchreibt (7, 22 ff.), trftgt fast noch deut- 
licher, als die philonischen, das Qeprftge der stoischen Vorstellungsweise. 

S) Die Hanptstelle ist De profug. 464, B. 560 M., wo mit ßinschlnss des 
Logos sechs Kräfte geaählt werden; weiter vgl. m. Leg. ad CaJ. 993, A. 546 M. 
Qu. in Eac II, 66. 

' 4) De Chernb. 112,D. 144 M. Qu. in Qen. I, 67. IV, 2. in Ezod. 11,62.68. 

PUm. d. Or. nr. Bd. 2. Abth. 21 



Philo. 

die Gute aad ilie Macht. Durdi Mine Güte bal er alles 
durch seine Macht beherrscht er alles. Das dritte aber, was 
yereinigt und vermittelt, ist der Logos, denn durch seiaea Logßt 
ist Gott sowohl Herrscher, als gut Die Gute wird mit den NaMp 
Os^c, die Macht mit xopioc beaeichBet, jene heisst auch dte sehöyfe- 
rische, die wohltbitige, die gnadenreiche, die eriNurmende, diese die 
königliehe, die gesetzgebende, die strafende Kraft. Ueber das Yer- 
hältniss beider zum Logos äussert sich Phile nicht gleichmiamg 
Nach der gewöhnlicheren Darstellung st^t Goit seihst mmiittel» 
bar zwischen den zwei Grundkräften in der Mitte, se daai der 
Logos nur als das gemeinsame Produkt von diesen beiden in be- 
trachten wäre*}; dagegen heisst es anderwirts auch wieder, der 
Logos sei im Vergleich mit den zwei Kräften das höhere , und wer 
den Logos nicht zu erfassen vermöge, der solle sich an die 
schöpferische , oder wenigstens an die königliche Kraft halten 0- 
Man sieht auch aus diesem Schwanken , dass sich Philo noch keine 
feste Theorie über die Abfolge der göttlichen Kräfte gebildet hat; 
in einem System, wie das plotinisdie, wäre diese UnsidMrheit 
nicht möglich. 

Wie es sich nun aber hieniit verhalten mag, ob man denLagoi 
als die Wurzel oder als das Brzeugniss der beiden .Grundkrifle 
betrachte: fär uns ist jedenfalls dieser weit die wichtigste vta 
allen Kräften, denn in ihm fassen sich alle Wirkungen Gottes sor 
Einheit zusammen , er ist der allgemeinste Vermittler zwischea 
Gott und der WeltO- Unter dem Logos versteht Philo die Kraft 
Gottes oder die wirksame göttliche Vernunft Oberhaupt; erbeieieh- 



De prof. a. a. 0. De Äbr. 867, B. 19 M. Saerif: Abel. 189, A (17S). HuM. 
N. 226, B, f. (842). V. Mob. 668, E f. 160 M. Ug. alleg. 68, B. 74, B (68.101). 
Qu. D. s. immot. 809, B (289). Mut. Dom. 1046, E (681). Do somn. 689, C 
(646). De Tiet offer. 864, C (268) n. «. Ygl. 8. 811. 

1) Z. B. Qq. in Gen. IV, 2. De Abr. «. a. O. De Baoril. Abel. a. a. 0. 

2) Wie diese De Chernb. a. a. O. offenbar getohieht, wenn der Leget te 
(ji^aoc 9vvayft>Ybi der Gfite nnd Macht genannt wird, and in der Btelle GeB.8t 
24 die Chernbim anf die Gflte nnd Maobt gedeutet werden, daa ftanf^ 
Sclrwerdt auf den X6yo^. 

8) Qn. in Exod. II, 68. De proAaig. a. a. O. Tgl. Qu. rer. d. luv. 608, B 
(496) , wo der Logos als xo\uh^ die beiden Krftfte sebeidet. 

4) Zam folgenden ist ansser den 8. 298, 1 angeführten debriftea «uk 
LücBB Commentar fib. d. Evang. d. Job. 8. A. 8. 278 iL an rergleioben. 



Der Logo«. 999 

iietihn ab die Idee, welche alle andern Ideen, die Kraft, wdche 
alle andern Kräfte in sich begreift, als das Ganze der übersinn- 
lichen Welt oder ^er göttlichen Kräfte 0- Auf den Logos werden 
dther alle die Bestimmnngen, welche von diesen Krfiften überhaupt 
fritea, im höchsten Maass übertragen. Er ist in allen Beziehun- 
gen der Vermittler zwischen Gott und der Welt, der an der Grenze 
beider stehend, sie zugleich scheidet und yerbindet, weder unge- 
wkafen, wie Gott, noch geschaffen nach, Art der endlichen 
Dinge *); er ist der Stellvertreter und Gesandte Gottes, welcher 
dessen Befehle der Welt überbringt^}, der Dolmetscher, welcher 
ihr seinen Willen auslegt^, der Statthalter, welcher ihn vollzieht^); 
er ist der Engel, oder richtiger der Erzengel, welcher an uns Men- 
fchen-die Offenbarungen und Wirkungen Gottes übermittelt, deren 
Falle wir nicht fassen und tragen könnten, wenn sie uns unmittel- 
bar zukämen®}, das Werkzeug, durch welches Gott die ganze Welt 

1) Mand. opif. 5, Bf. (7), wo der X6^o^ QcoS tJSt) xoa{i(»coiouvto( für identisch 
Bttt dem voi)Tb( xö<t(iloc, dem ap^^iunov napa^w^^a^ der l^a {Sewv erklärt wird; 
L. tlleg. 43, G. 47 M.: der Logos ist das Buch Gottes, in welches die 'Weaw- 
beiten (Ideen) aller Dinge verseichnet sind; De profag^ 464, B (560): der L. 
ist die Metropolis , deren Pflanzet Adte die fibrigen Kr&fte sind, das Subjekt, 
hm sie zukommen. Daher L. alleg. 98, B (121 f.) vgl. ebd* llOd, B (82). 
Qa. det pot. 176, E (214): der L. ist YsvixcüxaToc xow Saa fs^ovc, (und dess- 
bilb wird das Manna auf ihn gedeutet, weil es nftmlich vom Manna Ex. 16, 15 
hältst: t{ iaxt toCto, das 'ii aber nach Cbrysippus das YEVixc&xaxov ist, vgl. 
1. AVtb. 83, 4);^ Ton ihm werden seine Theile anterschieden, bei denen wir an 
niohts anders denken können, als an die nachher genannten Xöyot ond «yT^^* 

2) Qu. rer. div. her. 509, B f. (501 f.), wo unter aitderem: fva |uOöp(0{ 
oia( ib yeyöiMVov dioxplvi) tou 3Cft}Conf}XÖTO< .... ovt€ ayi^^nito^ co( 6 0£Ö{ 2^y, oSxs 
Tovqipc cof %>{Ci ^^^ yJ^o^ Tcov axp<uv, apif ox^poi^ 6(A3}pe(io>v u. s. w. Qu. in 
Ex. n, 68 Anf. n. 5. Als der Mittler heisst der L. auch $ta6i(xi2 somn. 1188, D. 
1140, D (688. 690). 

3) npcaßeutj^ t^ %S{iL6vo{ npo^ xo dmixciov Qu. rer. dir. h. a. a. O. 

4) *Ep(i3)veb( L. alleg. 99, D. 128 M. (für den Logos als das Wort sehr 
n»he gelegt); in demselben Sinn heisst der L. ^nofi^xr^^ Oeou Mut. nom. 1047, 
B(581), ovo(xa OcoS (Conf. lingu. 841, B. 427 M. L. alleg. a. a. O.), sZxoiv OeoS 
(s. 8. 825, 1). 

5) *rxaf>x^ ^* agrioult 195, B. 808 M. ^S£px«>v Conf. lingo. 828, E 

6) L. alleg. 98, D. 122 M. Conf. lingu. 841, B. 427 M. De somn. 600, D. 
666 M. Qu« rer- div> l>* •• ^ ^- Q^* ^n ^^od. II, 18. In dieser Eigenschaft ist 
Ikt Logos namentlioh auoh das Sul^ekt^der vermeintlichen Theophanieen ; 
^ /IfVon. a. », 0. 

21* 



384 Pbiio. 

geschaffen hatO; ebenso ist er aber auch der Vertreter der Welt 
in ihrem Verhaltniss zur Gottheit, der Hohepriester*), welcher Für- 
bitte fär sie einlegt ^) , welcher in seinem heiligen Gewände das 
Sinnliche mit dem Uebersinnlichen, die buntfarbige Bedeckung der 
unteren Theile mit dem goldenen Hauptschmuck, der Idee der Ideen, 
dem unsinnlichen Urbild der Welt vereinigt^. 

In dem Verhaltniss des Logos zur Gottheit wiederholt sich die 
Zweideutigkeit, von welcher der Begriff der göttlichen Kräfte Ober- 
haupt gedrückt wird. Der Logos erscheint auf der einen Seite ab 
eine Eigenschaft Gottes, als identisch mit der göttlichen Weisheit*); 



1) L. alleg. 79, A. 106 M. De Cherub. 129, C. 162 M. migr. Abr. S89, C 
(487), wo der Logos dem Steuer des Weltalls yerglichen wird. De monsrclL 
828, B. 225 M. 

2) De gigant 291, A. 269 M. migr. Abr. 404, A. 453 H. De profiig. 
466, B (562). 

8) Daher Uhr^ Qu. rer. dir. h. a. a. 0. 9cap&xXi2TO( V. Mos. 678, C. 155 H. 
In der letztem Stelle unter dem Tollkommenen Sohn Gk>ttes, welcher dar 
ffapdcxX. ist, die Welt su yerstehen (Kbfürstbin Philo*s Lehre t. d. g5tü. 
Mittel w. 104) ist unzulässig; dagegen wird allerdings Migr. Abr. 406, E. 455 IL 
der hiivr\i Xöyo^ zwar nicht mit Kbfbbstbin a. a. O. 108 als ümschreiboog des 
einfachen Ix^c, wohl aber in der Bedeutung „das an Gott geridttete Woit 
des Flehens*' zu fassen sein. 

4) Migr. Abr. 404» A (452); vgl. S. 828, 5. 

5) Leg. alleg. 52, B. 56 M : Ix t^c *ES^(i. toS OeoC co^to«. ^ hi iaxw h Icoü 16- 
yo^. Die gleiche Stellung hat der Logos in der S. 316, 8 besprochenen Stelle De 
m. opif., und ebenso tritt De ebnet. 244 G (861) u. 5. (L. alleg. 1096, B. 751C. 
Qu. det. pot insid. 165, B. 201 M.) die Weisheit an die Stelle des Logos, in- 
dem sie als die Mutter dargestellt wird, mit welcher Sott die Welt ab sehieo 
sichtbaren Sohn gezeugt habe. So wird sie auch (mit Beziehung auf ProT. 
8, 22) hier und sonst (s. o. 319, 1) als das älteste Geschöpf Gottes bezeichnet, 
was sie eben nur dann sein kann, wenn sie Ton dem Logos, welcher gcnsa 
dasselbe Prädikat erhält, nicht yerschieden ist; statt der Ot(a 009&1, welche 
Philo (Qu. rer. div. h. 498, D. 490, M) in der Turteltaube Gen. 15, 9 ange- 
deutet findet, steht nachher (518, B. 506 M.) der 0^o( X6fO(; wie der Logos, 
so heisst auch die Weisheit das Haus Gottes (s. u. 825, 8); in der Deutong 
des Manna (ygl. 828, 1) steht De prof. 470, A. 566 M. zuerst 0^o< X6yo«, dann 
aZO^to« w^la'^ wie es vom Logos als Tojjieuc heisst, dass er das entgegesge- 
setzte in der Welt scheide (s. u. 828, 9), so nennt Philo De pro£ 479, A (675) 
die vwfloL die xpfot^ tcov SXci>v, f) nSam hta^xi6xrixt^ Sia^sJyvuvrat, und wenn Leg. 
all. 52, A (56) die «ro^Ca BcotS als die Quelle der vier Haupttugenden beseidmet 
wird, steht post Ca. 250 M. De somn. 1141, B (690) statt derselbcB der Md( 
XÖY<K. (Vgl Gfböbbe T, 218 ff.). Diese Stellen, sowie die B. 822 anftflUixt« 



Per Logoi: sein Verliältniis so Gott 8S5 

andererseits wird er aber auch wieder als ein besonderes Wesen 
neben Gott beschrieben, er heissl das BildO) der Schatten*), die 
Wohnslätte^} Gottes, er wird im Unterschied von dem schlechthin 
nnerfassbaren Gott als erkennbar dargestellt^), im Unterschied von 
dem angewordenen unter das Gewordene gerechnet^), und auch 
von der göttlichen Weisheit, als seiner Mutter unterschieden^); 



Ühtt du Yerhlkoia« des Lo(^ cur Güte und Macht Gottes, scheint mir Bauk 
(die Lehre von der Dreieiuigkßit I, 69 f., Ähnlich Stbihhabt in Paaly*s Real- 
encyklop. V, 1Ö06, welcher der Weinheit noch den vou^ beifügt), 2a wenig 
beachtet zu haben, wenn er die Weisheit von dem Logos so unterschieden 
wiggen wiU, dass jene der Gotthdit immanent die beiden Grondkrftfte der Güte 
Qod Macht anter sich habe, dieser auf der zweiten Stafe dieselbe Einheit der 
g5ttUolien Krftfte in ihrer Wirkung auf die Welt darstelle. Eine solche Com- 
bination würde sich an sich sehr empfehlen, aber wenn Philo selbst sie vorge- 
nommen bitte, könnte er den Logos und die Weisheit nicht so unmittelbar 
gleich setsen. 

1) Qu. rer. div. h. 512, D. 505, M. De monarch. 828, B (225). Conf. lingu. 
341, C. 427 M. u. 0. 

'i) L. alleg. 79, A. E (106 f.) 

3) Migr. Abr. 389, B (487): Wie der Gedanke des Menschen im Worte 
wohnt, so sagt Moses xbv tcav SX<ov voSv xbv Osdv oTxov l)^e(v xbv SauxoS Xöyov. 
CoBgr. qu. cmd. gr. 441, A (586): die Weisheit sei das ßaa^eiov, der otxo( 
voi|ib( Gottes. 

4) De somn. 575, B (680): Gen. 22, 8 f. {%tä ^6ev in\ xdv xönov ... xa\ 
sM[PXi(|»eec • • • cl^E xbv tötcov (Jiaxp^6sv) könne mit dem ersten xötcoc nicht das 
gleiche gemeint sein , wie mit dem »weiten ; jenes sei der Logos, dieses 6 np6 
(vie mit mehreren Handschriften statt 3Cfip\ zu lesen ist) xou Xö-jfou Qebc, und 
der Zögling der Weisheit (Abraham) komme nur zu dem Oeto^ Xö^o«, Jv ci> ftvö- 
F'oc 06 f 9devet TCpbc xbv xflcxa xb elvai Oeov IXO^v, iXK* aCxbv 6pS {laxpdOgv, (loX- 
^ U v^ TC^^^Ocv a^ioy Ixslvov 6€<i>p^v (xavö( ^cxiv u. b. w. Noch besser aber 
«rklAce man : ^6«v clc xbv xönov xa\ . . . e^cv aCxbv xbv xötcov, 82( dv ^Oev (d. h. 
dea Logos), (loxpov ovxa xo^ «xaxovopiaTxou xa\ a^^xou xa\ xaxa ic^occf ?8^ac &x*- 

5) L. alleg. 98, B (121): nptoßüxaxo« xo& Ycvix(i^xaxo{ xü>v Soa y^ove. Ebd. 
^^1 1> (124) : Moses gebietet, beim Namen Gottes , nicht bei Gott selbst, zu 
*^wörai; fnovdv yop x$ y^^'^^ icioxoCaOflu xa\ (tapxup^Oai \6yi^ Oe^). Migr. 
Abt. 889, C (487) : b X6yo^ 6 3cpccß;{x8po< xöSv f ^sctv elX^if öxtov. Auch in der 
^2)8, 2-aDgefUhrteh. Stelle der Schrift qti. rer. div. h. wird nicht geUagnet, 
^ der Logos geseba£fen, sondern nur, dass er ^ewt^xd^ m« ^(x^( sei; wo- 
P^ es aUerdinga strenggenommen mit seinem Gesohaffensein streitet, dass 
ttConf. lingu. 341,0 die oJBtoc etxcby Gottes heisst 

^) De proftag. 466, B. 562, M. Aehnlich De sonm. 1141, B (690), wo 
dar 'Logos aus der tfo^Ca als seiner Quelle entspringt 



8S6 Philo. 

weil er aber das erste und höchste von allen Werken Gottes isl, M 
wird er hinsichtlich seiner Entstehung allen andern Geschöpfen ent- 
gegengesetzt 0., und ohne dass genauer angegeben wäre, wie wir 
sie uns zu denken haben , wird er vor jenen als der erstgeborene 
Sohn Gottes ausgezeichnet^; ja selbst der Gottesname wird ihn 
beigelegt 0, zugleich aber auch seine Unterordnung unter den 
höchsten Gott dadurch gewahrt, dass er Gott im uneigentticiies 
Sinn, oder der zweite Gott genannt wird^). Wir haben kein Recht, 
den Widerspruch dieser Aeusserungen durch die Annahme eines 
doppelten Logos, oder einer zwiefachen Existenzform des Logos in 
beseitigen, derjenigen, worin er dem göttlichen Wesen als Kraft 
oder Eigenschaft inwohnte, und derjenigen, in welche er bei seinem 
selbständigen Hervortreten aus dem göttlichen Wesen eingieng, 
des Xöyo^ iv$idl68T(K und Trpof optxo;. Philo selbst bedient sich dieser 



1) Vgl. B. 82S, 2. 

2) Conf. lingu. 841, B (427): tov Tcpcotdpvov «öxoO ^öyo» tbv «YTtXof 
[•^cüv?] TcpioßdTOTov. AehDÜcb De agrioult. 196, B, 808 M. vgl. V. Mos. 678, C 
155 M. (xeXttOT&Tc^ ut<&). „Sohn QottoB** allein wflrde diese Ausseiohiiiuig noek 
niebt entbslteni da Qott der Vater von allem ist, und alle Mensohen Söhne 
Gottes sein sollen; s. Conf. lingu. 841, A u. a. St. Philo nennt dossbalb dsn 
L. den älteren, die Welt den j fingeren Sohn Qottes Qu. D. s. immat. 298, 
A. 277 M. Tgl. De prof. 466, C: h ;cp89ßdTato{ toO Svto« Xdyo^. 

8) L. alleg. 99, D (128): oStoc yap ^(jmSv töv dttiXSv ^ A| 0<6«. 

4) De somn. 599, B (655), wo su Gen. 81, 13 {i-^^ e{|it b 6c^ h ^fOnC ooi 
ht tÖ3ccf> 6io5) bemerkt wird : 6 (xiv d^Xi]Oeia Oeo« eü; lonv, ot 8* fv xcmtxP'Sott -ftv^- 
(Mvot scXt{ou< . 8ib xa\ 6 lspb( Xöf oc 'ht xü^ icapövTi tov (&kv ^IXs^Ocfa 8t« xou opOpoo 
(U(Ai|vuxiv, . . . TOV hl ht xaTa/piJoet X^P'^t apOpou . . . xoiXeI Sk Oebv Tbv icpco^toiov 
adTOÖ vuv\ Xöyov, oG SsiaidaipLOvojv 7csp\ t^v 6^(r(v toSv 3vo{iicTii>v, diXX* Iv xikoq icpo- 
Ts6ii(Uvo(, icpaYiMiToXoiffjaat, denn ein xtSptov 2vo(xa komme dem &v ttberhsnpt 
nicht SU , Jeder Name, der ihm beigelegt wird, sei ein uneigentlioher. Bkt 
ist nun freilich die Lesart streitig ; ein Theil der Handschriften liest : xaXä tt 
6cbv, ein anderer: xoXst Hk Tbv Oebv. Der Zusammenhang entscheidet jedoch 
fttr die erste Lesart, denn nur sie passt su der Behauptung, dass m der bisr 
besprochenen Stelle (ev t^ JcopövTi) der Gott im uneigentlichen Shm dnreh dss 
Fehlen des Artikels ron Gott im eigentlichen Sinn unterschieden werde. Hoch 
bestimmter erkl&rt sich Fragm. S. 627, bei Eos. pr. ev. VII, 18, 1 : Ai« tl »K 
na^ ttdpöv fi|9\ (Gen. 1, 27) t6* h eIx^vc OeoO lico(i}aft [-es] Tbv av8p«iiccV| ükk* 
o^\ tfl io»ToO; Weil, ist die Antwort, Ov^rbv oi38b dbcstxovtc69|voa icpo« xev h»- 
xicw xot\ reocT^pa t«Sv 8Xci>v ^8tSvaTo, aXX& jcpb^ xdv 8<(>Tipov Otbv, 8$ Ivtcv tubK» 
X6^0i ... T^ 8^ Mp xbv Xdfov Jv xfj PiXt^ctv) xoi Tcvt ^aiplPc^ xttOsrcdTt H^ o^ 
6dj[jiiC ^v Y>vvi]Tbv ii^^MwMüüu 



Der Logos: sein Verhlltnisa sn Gott. 897 

üfttetieheMiiiig nieinali. So geläufige ei ihm auek iit, das Verhält- * 
niw der neaschlichen Rede siiib Gedanken mit jenen stoUchen 
Anadräcken zu hexeichnen 9 so sagt er doch nirgends , es s^ in 
Gott od«r UD gottlicbea Logos dieses beides zu unterscbeidea ; er 
bemerkt awar einmal beiläufig, wie im Menschen ein doppelter 
Logoa aei^ der i^iAlbt^o^ und der ^fofop»cä<, so sei im Universum 
f^efehfaUa ein doppelter Logos ^ deijenige, welcher sich in der 
abersiBnlicken) und der, welcher sich in der Brscheinungswelt dar- 
stelU^; aber diese. Unterscheidung hat nnt der Torhin berAhrten *) 
gar nichts au ' schafTen , denn auch die Darstellung des Logos in 
der übersinnlichen Welt würde bereits dem aus Goit hervorgetre- 
tenen Logoa« dem sp&ter so genannten X^yo; vrpofopixdf angeboren ; 
die angeführte Stelle spricht mithin übwhaupt nicht wirklich von 
einem do|»petten Logos , sondern nur von . einer doppelten Offen- 
barung idea Logos. Ebensowenig darf man das Verhältniss der 
Weisheit zum Logos mit dem des Xöyoc iv$(dl6&T0( und 9cpof opuc^ 
» denn gerade sofern der Logos im menschlichen Geiste 
ist, wird er für dasselbe erklärt, wie die Weisheit 0» in 
dieser seiner Wirksamkeit ist er aber der ^öyoc irpof optxög. Noth- 
wendig hatte auch Philo, wenn er wirklich eine doppelte Existenz- 
weise de^ Logos annahm, den Uebergang von dem einen Zustand 
in den andern irgendwie berühren müssen, aber auch diess 
geschieht nirgends. Es bleibt daher nur übrig, den obenberührten 
Widerspruch als thatsächlich vorhanden anzuerkennen; binsicht- 
Kch sehier BrkUrung mag auf unsere früheren Bemerkangen über 
die göttlichen Kräfte verwiesen werden. 

Zu der Welt verhält sich der Logos theils wie das Urbild zum 
Abbild, tfieils wie die Kraft zur Erscheinung. Wie Gott sein UrbiU 



1) & & De jad. 780, fi. 347 M. Qa. det pot. insid. 172, B. 176, G (209. 
916). De Gigftnt. 891, B. 270 M. De Abr. 861, E. 18 M. Conf. liogu. 82S, A. 
(412), Dam die Uotencbeidang des X. ^v$icc6. and icpof . anprüngUch dem 
MmImii Spraeligebnmoli «agehört, habe ich 1. Abth. 61, 1 naohge wiesen. 
^nSaati^ lieinnog (i, 178), diese Untencheidnng sei erst yom götUiehen 
I^goi auf den mensohliehen fibergetragen, erledigt sieh hiernaoh roDB^bet» 

2) y. Aloe. 692, a 164 IL Der ivdiA6tco< ufo^ 6eoS Mut. nom. 1065, A 
(M6) gaht aieht auf den Logos. 

S) Der sie^ noch Kbfbbstbim a. a. O. 86 gleichstellen will. 
4) Ib dar a 324, 6 berllfarteo BtaUe U alleg* 62, B. 



SX8 Philo. 

ist , so ist er selbst das Muster und das Maass fttr alle anderei 
Dinge 9 die Idee^ nach der sie gebildet sind, das Sigel, deaaea 
Abdruck alle Formen in der Welt sind • und mit dem menscb- 
liehen Geist insbesondere steht er als Urbild desselben^ in 
einer so nahen Verwandtschaft, dass er auch geradesu der Ur- 
mensch genannt wird O- - Dieses Urbild der Welt haben whr uns 
aber zugleich als ihre Seele , als die sie von innen bewegende 
Kraft zudenken: der Logos zieht die Welt an, wie ein Gewand^), er 
ist das Band, welches ihre Theile verknüpft^), das ewige Gesetz Gol- 
tes, welches von einem Ende der Welt zum andern ausgespannt ist, 
welches sie tragt, bewegt und zusammenhält^), die kunstteriscb 
bildende und lebendig besamende Vernunft^), das scharfe Werk- 
zeug^), mit dem Gott nicht allein die körperlichen Dinge bis ia 
ihre Urbestandtheile scheidet, sondern auch auf geistigem Griaele 
vernünftiges und vernunftloses , wahres und falsches, begreifliche§ 
und unbegreifliches unterscheidet. Der Logos vereinigt auch m 
dieser Beziehung alle die Eigenschaften, welche Philo den gött- 
lichen Kräften überhaupt beilegt. 



1) L. alleg. 79, A. 106. M. Qu. ia Gen. I, 4. o. ö. 

2) De prof. 452, B. 648 M. vgl. Migr. Abr. 404, A f. (452). MaU nom. 
1065, G (598). De Bomn. 1114, B (665) ygl. S. 828, 1. 

8) L. alleg. a. a. O. Mund. opif. 81 E (88) Tgl. 15, A (16). Do speo. kg. 
80», G (883) XL 5. 

4) '0 xat' ttxöva avOptüno^ d. h. dec arsprfinglioh naoh dem Bild Qott» 
goftohaffene Mensch, Gonf. lingu. 341, B (427); oyOpconoc Osou ebd. 336, B 

(411). 

5) De prof. 466, G. 562, M., wo die Bedeatang des Logos, die allge- 
meine oder Weltseele zu sein , anoh daraus herrorgeht, dass ihm ^ IsA p-^P^ 
i|n>x4 entgegengestellt wird; Tgl. migr. Abr. a. a. O. 

6) De prof. 466, D. Qu. rer. diy. hnr. 507, A (499). 

7) De planUt. N. 215, G f. 881 M. Ist anoh der Logos In dieMr Steil« 
nicht aosdracklieh genannt, so erhftlt doeh das Qesets Gottes in derselben 
die gleichen PrAdikate, wie sonst der Logos, es wird, wie dieser, als der 
8ohn Gottes, das Band des Weltganäen, der Vermittler iwieohen Gott «nd 
Welt beschrieben. Den Otb« v6|jlo{ hatten ja schon die Stoiker, and ror ihnes 
Heraklity der Weltvemanft oder dem Logos gleichgesetat« 

8) Qu. rer. dir. h. 497, G. 489 M.: i SioiYvu« |tt{tp«v inknm^ des Ve^ 
Standes, der Rede, der Sinne, des Leibes, i^ptno^ %A oictpfMRUcb« luä vjf}^ 
nA Ottöc iaxt Xöfoc. 

9) To|ui>« Ä. a. O. 499, A (491) tgl Qu. rer. diT. h. 518, B (506). 



Dor Logos: Verb, ms Wolt; Persönlichkeit 

Ob dem Logos eine besondefe, yen t|er fMttidten YCVMbie* 
dene Persöiüiehkeil Mkomme, ist eine Frage, ireleke sioh Philo 
allen Anseichen gar nicht vorgelegt hat, welche wir dabar weder 
einfach su bejahen*, noch einfach zu verneinen ein Reohl haben^ 
Was im aUgemeihen ober die Persönfichkeü' der göUliohen Kräfte 
bemerkt wurde, findet auch hier seine Anwendung. lUe BeativH 
mnagen , welsche nach den Voraussetaungen «naerea Denkens die 
Persönlichkeit des Logos fordern würden^ kieuaen aick bei Phttq 
mit solchen, die sie unmöglich machen, und das oigenthfimMohe 
seiner Vorslellungsweise besieht gerade darin, dass er den Widev^ 
sprach beider nicht bemerkt, dass der Begriff des Logos* zwischen 
persönlichem und unpersönlichem Sein unklar in der Mitte 
sehwebt. Diese BigenthAmliehfceit wird gkieh sekr.Teifkannt, Wenn 
man den philonischen Logos schlechtweg für eine Person ausser 
Golt liäll^ und wenn nnm upgekehrt annimnql, dass er- »or Gott 
unter einer bestimmten Relation , nach der Seite seiner Lebendig- 
keit, bezeichne 0* Nach Fhilo's Meinung ist er beides, ebendess- 
halb aber keines von beiden ausschliesslich; und dass es unmög- 
lich sei, diese Bestimmungen zu Einem Begriff zu verknüpfen, sieht 
er nicht. Es ist freilich ein Widerspruch, wenn ein von Gott ver- 
sehiedenes Wesen zugleich eine Eigenschaft Gottes^ mu perste-* 
liches Wesen zugleich eine in allen Thdlen der Welt wirkende 
Kraft sein soll. Aber die Frage ist ja nicht die , was an sich und 
nach uBsem Begriffen denkbar ist , sondern was Philo auf seinem 
Standpunkt denkbar schien, und wie er sich die Sache gedacht 
hat*); und darüber lasster uns nicht im Zweifel. Er beschreibt den 
Logos allerdings,* wie die übrigen Kräfte, als eine Eigenschaft Got- 
tes, er sagt mit aller Bestimmtheit, dass er nichts anders sei, als 



1) Das erste ist die gewOhnliehe Ansieht; die zweite Aniiabme Terthei- 
digt DoKsjBB fintwickluDgsgesohiobte der Lehre von der Person Christi 2. Aufl. 
1. Abth. 8. 21 ff. NiBDSBB De sabsist tc{> 6e{(|i Xö^cp ap. Philon. Jud. et Joaon. 
ipost tribnU (in Illgen's Ztschr. f. histor. Theol. XIX, 887 ff.) Wolff Die 
philon. Philosophie 20 f. Steihhabt in Paoly's BealenoykL T, 1507. 

2) Dieses beides yerweehselt Dobbbb, wenn er meint (8. 88), falls dem 
Logos eine besondere Persönliohkeit snkttme, mttsste sie aaoh mit allen sei- 
Den BedtfQtongen vereinbar sein. Und doch hat er selbst schon 8. 26 bemerkt, 
die Frage nach der Persönlichkeit des Logos liege gans ausser Philo^s'O^ 
•iehtskreis; wenn aber dieses» so kann er auch nicht darflber reflektirt ha-, 
ben, ob' sie mit seinen sonstigen Bestimmongen yereinbar ist» 



die gMlicIie WebrinitO; «r sagt moiit tiiMkr bütlnml, dias er 
tls' SttMimneiihatlende ^ bildende und beiekende Kraft der Weit 
inwobne ^> Aber ebeneo hiufif and entscUedeo scbilderl er il» 
Mob alft eine eigene Pereönliebkeit; und könnte man nach einea 
Theii dieeer Sehiidernngen ab voribeifehende PereonifikalioB aaf« 
fanen, «o gilt dieaa dook aicbt tob allen* Wenn er den Logoa 4ea 
ersten der Engel aeant^ eo sagt er aettst «ns, daas er aaiter Bip a h i 
persinlicha Weaaii verstehe Ö; wenn er ihn ab Oberpriealar ür 
die Welt Mttea Uast^ ao konafte diees von einer Bigenachaft oder 
Wirkangafbrai Gottes selbst bildlick kamn gesagt werden ; wemi er 
ihm den Oottesnamen aar im uneigentUohea Sinn augeetehea wfll, 
ihh dea mreiten oder Unteqfott nennt ^>^ so bt diese ein augea«* 
sobekilicbarJeweb «eiaer Versebiedeaheil von dem hdchstenGott; 
and Phüa^teMt ihn awch diesem aasdr^Bklieh* entgegen-, wie das 
gewiordene dem ungawordenen^ dasfOTingare dem boheraa^X *^ 



1) Q. o. 824, 6. 

2) Vgl. 8. 828. 

i) Vgl. B. 817, 3, auch «aodll Abel. 18, 1, A. 164 M. De sbitan. 588, D 
(614) wM imcli Gott »611» t ipx^TT^^ (*^^^V^^ irff^kb»f) gonannt; aber 
B fl i h i t iiB diwam unigentllcten ainn kdanta dieser Harne einer AnipetsOalftalMB 
Kfiift aiokt beilegt werden. Indeaaen iat ea nicht bloa der Name, *qa dam 
aiob Philo^s Ansicht abnehmen lAsst, sondern De somn. 584, E f. (640) sagt er 
ansdrüoklich : h 6€ioc x6noi xa\ ^ Upk X<tt>pa 9tXY|p7)( a9co[jL^ci)v iaxi. ^v^cii 8^ sW 
olt'i&v'dtoi of \6yoi öSt6i* toUTCdi) 84j tS>v Xd^cov Ivft XaßcoV [«c. 8 «öxii-c^c], optetfv- 
hfi 9k{hi^6^jf9^^ TÖv «vM'dbb) . . . i^lfo{eV Bpdttftt diccvoCat tift ImitoO. Aneh M 
beahste Löget, te Xöyoi 6A)c.(irie er naohber genannt wird), irt deoinaA 
eine ^li^ 

4) M. 8, die Stellen, welche 8. 826, 4 angefahrt sind. Doehkb 6. 81 1 
suobt auch diese Stellen t^r seine Ansicht sn benfitseu : ^a nach denselben 
überhaupt nnr katachrestisch Ton einer gfittlicben IiSweiheit oder Mehrheit 
gesprochen werden könne, so könne der Logos nicht als hypostatisches Wesen 
Gott coordinirt sein. Aber dass er ihm bei Philo coordinirt sei, behanptet 
auch niemand, sondern dass er ihm subordinirt sei, und eben darauf be- 
liebt sich das uneigentliche der Bezeichnung Oso^ fflr den Logos: Philo sagt 
nicht, die persönliche Subsistens, sondern die Qottheit werde ihm nur un- 
eigentlich beigelegt, und eben darauf, auf der Subordination, nicht auf der 
UnpersÖhlichkeit des Logos, beruht fSr ihn die Möglichkeit, seine Logos- 
lehre mit dem jfldischen Monotheismus bu rereinigen. 

5) Ausser dem, was 8. 826 angefahrt ist, ygl. m. hierflber auch L. alleg. 
1108, B. (82): t6 ttk ytvixa>TotTdv iaxv/'h fkb^ xa\ 8ci$icpo< h 6eoö X6f^ 



Der Logos: ielbo Piirsönliohkeit. 

iaft geridmi, es liei ciHBcbeii insMkn Wn w«iliir Absli«i^)i 

Pkilo kann aber Meh cfiesb Betliinftioiig gär nieht eiHkehrea. Oei^ 

lifügos isl ja fiir ihn, wte alle gndtdiciien Kräfte, nar deistialb nblln* 

wendig , weii der hÖdiBte GeU jsellMt in keine mmittelbare Berfib^ 

nang mit dem Endlteben treten kann, er aell eiriscIieR beiden 

stehen^ und ihre gegenseitige Beoriehung TermitkeinO; wie kdnnle 

er dieea , wenn er niehl yon beiden yerscUeden, wenn et nir eiMP 

beattraBile gAttticIie Bigenaehaft wtre ? In dieae» Kali hüten wir 

jm wieder die nmaitlelftare Wirkung Gottes anf die endlichen Diligey 

mlcbe PhHo für nnznliaaig erklArt^> Andereraeitg nuäs <for 

Logos nun freilich auch wieder mit den Gliedern des OegensntsoSy 

de« &r Tennittobi mU, idfenttsdi^ er moss ebenso bina Bigänichaft 

fiotiea^ wie eine in der Weit wlt^ende Kraft tfain. BiBides wider-« 

^nmcbalos au vereinigen^ konnte Philo nicht gelfaigen. Aber «odi* 

wMiiger konnte er^ bei seinem irailseendeBlen 6o(telAegnff und; 

seiner Scheu ter jeder Vemlsehttng Gattes und der WäU^ sMr 

entscbliessen , in den Natutkrdften unmittelbar BigönsdNiften «Isi 

Wirkungen der Gottheit zu sehen. So blieb ihm denn |far kein 

anderer Ausweg, ab jene Widersprftche auf sick hu hehfi&en^ ulvi 

er konnte diess um so lefehter, da er selbst sie aHeA Anbchein 

nuek nieht bemerkte^ Auch darfiber kdnnen wir ünS' jedook ^bei 

aeiner Geistesali Mcbt «hradisra. Wenn jemand so*, wfe fliiluy 

gewohnt Ist, selbst gesbhichtUciie Pensoben und VorgQhgu iki Mfpt* 

nmine Begriffe su rerwandetn, so Wird ihm diess bei sebMn do^ma*^ 

lisaken Persouifikutionen nochj Tiel leiohtur möglich sein ; und 



I) 8. S. 825, 4.S. 3t6,4. Eben dahin gehört es, wenU Philo Leg. All. ^3,b 
(IM) Ober GFen. 18, 16 «ngt: xpof^ia t«v Osbv, oh-^ Xtf^ov, ^j^tf^tdR* t^ tk 2*]fft^ 
Xo«, Sc Itfxi Xöyoi, doxfp tatpbv taocßv, ä^hn dte xpetifO^iicya ir(Mi gehe fkd» 
^ cdTDfcp«oi&Kwii ^ie tcÜTBp« dagegen geben teiae Xö^oi Und «yy^Xm. A^ha-* 
lioh Conf. linga.941, B (427): wenn da noeh niobt wilrdjg biati uToi Qeou 9^09- 
appfikoOou, 9Ko6taZt xoo^utaOou xata xdv npciKcÖYOvov aStou Xö^ov, lov vf>[ekw 
«pfaßtfxaTov Q. 8. w. Ebd. 38^, X (41d). Üe sottin. fcOO, D {^66): %e, welcbe 
OoU selbst noch nicht zn sohanen vermögen, TJjv toS OcoS slxöva, rbv oyY'^ov 
«Ms X^Y«^, ^ «dtbv xat«voo59tv. Um die Probe lu maehen, setae man in 
solchen P&llen statt Xö^oc irgend einen entschieden oilpersönliohen Aasdtfaok, 
wie etwa ^das Denken*, oder ^dM Sprechen", and msfei #Srd fitidtay daas 
die betreffenden BAtae anmdglich werden. 

8) VfL e. 88S t 

3) 8. o. 818, 2. 815, U 2. 828, 6. 



wena er bei jenen in der Regel sUäk durch ihre UmdekitaBg in dem 
Glauben an ihre geaehiohtlicke Wiridiehkeit nichl stören liasl, 80 
wird er auch bei diesen des Widerspruchs nicht inne werd^i^ dasi 
er Eigenschaften und Kräfte zugleich als Einzelwesen behandelt ^). 
Es ist daher ganz begreiflich, dass der philonische Logosbegrif 
zwischen persönlicher und unpersönlicher Fassung unklar Un- 
und herschwankt : es liegt eben hier ein unlösbares Problem tot, 
das Philo Ton Seinen Voraussetzungen aus nicht anders beantwor- 
ten konnte, als mit den widerspruchsroUen Bestimmungen, welche 
sich durch seine ganze L^hre von den göttlichen Kriften hin* 
dun^iehen. 

lieber die Quellen, aus denen Philo seine Satze über dn 
Logos schöpfte, haben. wir von ihm selbst keinen Aubchluss za 
erwarten. Da er seine Theorie in allen ihren Theilen aus den hei* 
Ifgen Schriften seines Volkes, herauszulesen weiss, gilt sie ihsi 
niAürlich für einen urspränglichen Bestatidtheil der in ihnen eat- 
kalAenen.Ofiinibamng. Aber doch feUt es an jeder sieh^^i Spar 
davon^ dass sie auch andere vor ihm in diesen Schriften entdecki 
hatten. Wfar finden wohl bei dem angeblidhenSalomo eineSdiiUe- 
rung der Weisheit, die auf dem Wege zur Logoalehre liegt; aber 
gerade die Verbindung der <rof(« mit dem X^^ hat sich hier noch 
nicht YoHzogen , die Personifikation derselben ist daher auch nock 
eine viel leiditere als bei Philo : sie beginnt zwar als eine eigene, 
die Wirkungen Gottes in der Welt vertretende Kraft sich voa 
göttlichen Wes|n id)zulDsen , aber sie hat noch nicht die Selih 
ständigkeit gewonnen, welche der mannliche Logosname av^ 
dröckt*). Bei einigen andern von Philo's Vorgangem treflen wir 
allerdings auch den Oslo; X6rft^; aber wir erfahren nichts dacuber, 
wie sie sich diesen näher gedacht hatten ^> P&ilo selbst will die 
Deutung einer Stelle, welche er von seinen Voi^ängem abwei- 
chend auf die zwei göttlichen Grundkräfte und den Logos bezieht, 
einer höheren Offenbarung verdanken 0; woraus man aber Treflick 



1) Bine Analogie, «nf die Bugrbe Philoo. Bivtd. 17. 87 mit Becht Ua- 
weiat. 

S) Vgl. fl. 2S0 £. 

8) 8. o. 8S6, S. 

4) Vgl S. 804, 7 und den Inhalt der philonischen Dentimg betreffend 
& 881 f. 



Entstelmng derXogotlebre. 

iD Betreff der Logo^tehre gelbst nibhl viel gchBetMB lenni Dm 
wahrscbeinlichBte ist indessen doch immer , dess er sie in der fM« 
heran jfldisehen Spekolalion noch niobt vorfand» Da sie nun der 
griechfscfaen Philosophie ohnediess fremd ist, so werden wir sie 
anbedenklieh in der Form , die sie bei Philo hat, als sein eigrenes 
Werk betrachten ddrfen ; wenn wir auch nidit genau bestimmen 
kdnaen, inwieweit sie vor ihm schon durch verwandte Philosopheme 
vorbereitet war. Ihr allgemeines Motiv liegt , wie schon früher 
gezeigt wurde, in dem Bedürfniss einer Yermittiung swfschen Gott 
and der Welt , welches sich einem Philo um so stärker aufdringen 
Bosste, je schroffer der Gegensatz beider und die JensdtigkeiC 
Gottes von ibm gefasst war. Ans diesem Bedürfiiiss war auf jfldi- 
Kkem Boden der Engel^ube , auf griecbisehem der DfimoM»«- 
ghabe hervorgegangen , welchem die PytlMgoreer und Plaloniker 
jener Zeit so grossen Werth beilegten. Indem Philo beide theils 
mit den platonischen Ideen , theils ndt dem stoischen X&f^ ver*- 
knftpfle, erhielt er seine Lehre von den gSttlichen' KrARen^). 
Ab^ so lange man nur eine Vielheit sokher Krifte annahm , ebne 
rie unter eine hdhere Einheit zusammenzufassen^ blieb* entweder 
die Forderung einer einheitlichen Wehanschaoung, der sich ein 
Deri^er, wie Philo, unmögUefa entziehen konnte ^ uhbefriedift, und 
der Zusammenhang des Weltganaen «nerklirt , oder man muiste 
zu seiner Erklärung doch wieder auf die Gottheit zurückgehen, 
die Einheit der Welt und die Zweckmissigkeit derWelteinrtchtupg 
auf ihre Einwirkung zurückfiihren , ebendamit aber jenes fortwäh- 
rende Eingreifen der Gottheit in den Weltlauf annehmen, welches 
Piülo mit ihrer Erhabenheit über, das Endliche so unvereinbar 
Mkien. Gerade auf semem Standpunkt musste sich daher die An- 
n>hine empfehlen , dass alle göttlichen Krifte an Einer von ihnen 
ikren Mittelpunkt haben, dass es ein Wesen gebe, welches von der 
Gottheit im absoluten Sinn noch verschieden , alle ihre Wirkungen 
wf die Welt vermittle. Bereits war aber dieser Annahme auch von 
inderer Seite her vorgearbeitet. In der jüdischen Theologie fand 
Philo die Vorstellungen über das Wort Gottes, den Geist Gattes 
intd die göttliche Weisheit vor ; in der griechischen Philosophie 
i'ie platonische Lehre über die Ideen und die Weltseele, und die 



1) Vgl. 8. 818 f. 



Pfcilo, 

Mfscto il^ 4iefliotthM ab die Wcftvernntilt U«ler den enicm 
JMtfteQ die Vor«4elhuge« über die Weidieit den meirtea Binflui 
tut die. Logeslebre. Zu einer HypoatafliniBg des Worts Gottes war 
von Jüdisober Seite ror Pbiio , so vid uns bekannt ist , noch koi 
arbobiicber Anlauf genommen worden ; und wenn der Vonlei* 
Inng toboi Geist Gottes allerdings nraprängbcb die AnscbanoBf 
einer von Gotl ausgebenden Inft- oder feuerarligen Snbstaai 
so Gb'niide Hegt, so wird docb diese Substanz nur als der 
flancb Gottes gedaebt, welcber in die Welt einströmt, und sie wie- 
der verUsst, als die Trigerin momentaner göttlieb^ Wirkoages, 
atoht als eine in ihrer eigenttriunliohen Form beharrende Erail 
Wirklieh hat Moh Philo den Begriff des göttUchea Geistes Ar 
•seine Lqgoalehre gar nicht unmittelbar benütatO» ^vie deai 
üheahavpl dieser Begriff Ar ihn nur eine untergeordnete Bedear 
tling hat'); aber auch die VorstelUing des Worts Gottes eradmak 
Skr ihn, so weit sie sieh bis dahin entwickelt hatte, weit nicht M 
Wichtige wie die der Weisheit , da m dieser die göttliche Knft, 
wckhe in der Weil wirkt, als bleibende Bigenschafl angeschaut wiri 
Dass jedoch diese Bigenschafl Gottes als ein besonderes Wesen tsi 
Gott uttterschieden und andererseits mit der in der Welt waltendea 
Vemoaft identifieirt wurde , — was beides luerst in d«* pseuds- 
ariomoniashen Weisheit, vt^enn auch lange nicht so entschiedleii, wie 



,♦■■■ m u m 



l)'Ygl. ^ fftt, I. l>ie Ltbr« toh a^r Wemr», veMe in d«ii öhiUlS- 
se|((Mi yebpiffp^aiig^ d^ A. TfiUmenU eine ftlmliohe Bedentavg bit, vv 
der Lk>|^08 Philo*» (m. j^. dftfOber Gfbökbb Jahrb. d. H. I, 807 ff.), iit wab^ 
foheinlioh erat unter dem EinflaBS des letstern so weit fortgebildet wordeo, 
wenn «neb der Ansdmok ^^^^ Gottes* als Umsobreibiiiig des JeboTib- 
naneae (tri« er Offsnb. Job. le, IS Tgl. m. 8, IS steht — BSheres dsrite 
neol. Jabfh. I, 8|9 f.) Mte sein m^g. 

2) Mittelbar allcurdiogSt «oten der lohalt desselben in den JkgnS i» 
Weisheit aufgenommen war, we)che daher Sap. Sal. 1, 22 selbst als eio xvii^ 
beschrieben, and welcher alles das beigelegt wird, was die Altere Anscbio- 
nngswelse rem ,|Geist JehorahV herleitete, so dass man sagen ksoo, die 
oof (a sei das aar Balie gekotamene, in eine stetig wirkende Kieft tstvib- 
4iilts KmQuA. 

8) Philo redet nioht selten rom Geist Gottes, ab^ er t)iat diess nniv 
kennbar mehr nor um der alttestamentUchen Stellen willen» ohne diese Lehie 
in eigenthfimlioher Weise aossabilden; es wird daher hier genügen, in MxtM 
der heigehOrigen Aeosserongen anf Kbfbrstein Philo*s Lehre t. d. gOtd. 
Mittel w. 158 ff. Dlnn I, 800 f. an rerweisen. 



Entstehang der fiOgoilehre. 

W Pbäa, gdflchjehl — ^imm Mqma mt uns anr »wi.4eii/BhtftliP 
pi0eliJ66ber Lehren erkUraB. Wmn die fotlliclißn Krtf^ von 
Phiia mit des pkitoiiigchett Ideen combiuiirl wurden , «o waren die 
letBteren 8clM>n ven ihiwiQ ersten Urheber sn diiev IdeenußU 
luwHMiengefassi , nnd EkieF heohsien Idee, der dee Guien, aateir«- 
feonteel worden ; dereelbe hatte aber aueh alle die Wirkuagem 
dareh welche die Ideen in der Welt verwirkljeht werden, aaf 
Eine aUfpeaieine Naturkraft, die Wellaeele anrflckgefilhrt , weMhe 
Temfige ihrer Lebendigkeit Ur^aehe idler Rewciguiig wd yermogf 
ibrer Vemüaftiglieit Umaobe aller Yernnafl in der Welt aaiv 
sollte. Nahm man beides zusammen , und verlegte paii di# ^^^ 
in die Weltseele seihet, statt sie übt %]$ Mnalerbilder fiberaiMirdnen, 
io erhielt man ein Princip, welchea als die allgeaneine Weltrefniuift 
aglekb das Urbild and die Urform aller Dinge uad die allg^maia^ 
tewegende Kraft war. Khen diese Verkniipfung kalte bJ^t d^r 
ftokismua in seiner WeJse soban vorgenommen, weaaer die Getfr 
beit als die Vernunft, die Seebi und das Geseta der Welt, a)a dc^ 
lirf% Koivöc, den X^yoc mappcTiK6(, als die kAastteriach bttd^nde 
Katar, abs die aUverhreitete wirk«aiae Kraft beachrieb, zieren 4|H«r 
Hasse alle einselnen Natmrkrifte, ^mA tot allam die Secjkn d^r 
Terauaftigen Wesen sein soUten« Man durfte aur dieser stoisohw 
Legoslehre durch die Unterscheidung des Lagos Ton der Gottheit 
pantbdstiaches, dur^h seine Untersebeidung von dem gebildeten 
materialistiaches Geprigp absiraifen, aad der phito^isobe 
Ugos war fertig. Dieses beidcMi war ann allerdioga nicht im SU^ir 
eamos, sondern nur in der Traa^eendenp! der alexan^riniachea 
Gattesidee, weiterhm theils in platonischen und ne^ppjk^gqj^ 
schea, theili in judischen ßnflJMspp kegn^ndet. D|u9fi ab^ir nipbfifr 
tetoweniger die sitaisGhe Logoslehre dia nipl^t^ Quella üfif 
phibnisoban gewaaaa ist , diess erbellt nicht bla^ ptus .^ JB(w^ 
des Logos, welcher in dieser Bedeutung bis dahin nur bei den 
Stoikern vorkommt , sondern aus dem ganzen Begriff desselben : 
die Idee der allgemeinen Weltvernunft ist wesentlich stoisch, die 
Beschreibung, welche Philo von ihr giebt, entspricht Zug fnr Zug 
deo stoischen Schilderungen, die idenlitit dieser kiaerweltticbeB 
Temanft mit der göttlichen ist gleichfiills in der ^nzen nach- 
^kratiseben Philosophie nur von deri Stoikern in dieser Allgemein- 
heit ausgteprochen worden ; selbst ihre ipaterialMtische Fassung 



fadreti Wir heil Philo in einselnen Aensserangen noch darchkün- 
genOf QikI die emtnatigtisdbe Vorstellung über die Ansbreitnf 
des liOgos in seine Theilkröfte , die unmtttelbare Folge jenes Mate* 
riaüsnius, bat er sich in ihrem vollen Umfang angeeignet, wihreail 
die gleiche Vorstellnngsweise auf den Herrorgang des Logos ans 
der Gottheit , für welchen der stoische Vorgang fehlte , auch bd 
Philo nur in nnsicheren Andeutungen angewendet wird. Wem 
man. daher die Logoslefare nicht selten neben der jddischen Theo- 
logie nur ans den Plalonismus ableitet, so ist diess nicht richtig, 
der Stoieismus hat ra derselben einen ebenso starken oder noch 
stärkeren Beilrag geliefert. 

Dnroh die Lehre von den göttlichen Kräften und namentlich 
durch die Logoslehre bat sich nun die Jens^gkeit des göttlkbea 
Wesens so weit afii||fehoben , dass in allem die Wirkung der GoU- 
heit, das Nachbild der ewigen, aus dem gdttlichen Denken her- 
Torgegangenen Fonnen erblickt wird. Wie weit aber Philo ia 
dieser 'Richtung auch gehen mag, das Endliche volbtindig aus der 
gdttlichen Ürsichlichkeil abzuleiten verbietet ihm der Dualismus, 
welcher die Gründlage' seiner ganzen Weltanschauung ausoAcht 
Von Gott kann nur gutes und vollkommenes, nur Leben und Ord- 
nung herstammen, die Unvollkommenheit des Bndlichen, der Streit 
und Gegensatz unter den Dingen, die Natnrnothwendigkeil, die 
Leblosigkeit der materiellen Stoffe, das Bdse in der Welt, Itat 
sich nur auf einen von der gdttlichen Whrksamkeil verschiedeneB 
Grund zurückflUiren *). Wie man sich diesen zu denken habe, 
musste sich schon hieraus ergeben. Wenn alle Wirkungen vi» 
Gott herzüteitsen sind, so bleibt dem zweiten Princip nur die 
reine Passivität; wenn alle Realität, alles Leben, alle Form und 
Ordnung ^^on Gott stammt, so wird jenes nur das durchaus todte, 
angeordnete, formlose, nichtseiende seht können. Eben dieses 

1) AiMser der bllafigen Vergleiohnng des Logos mit dem Lichte, die fUr 
sich weniger beweisen wflrde, gebort bieber namentlicb die Deutung das 
feurigen Scbwerdts auf den Logos! ^&3C(vi)TÖTttTOV y^tp xa\ 6cp|t^ X6^.., t^ 
MBt>(AOv xtä 9n>pi6$»} X^'De Ohemb. ilS^ E. 118 B. 144 If. Die DarsteUng 
4es Weltg«lttat anter dar Form des Feners ist wesentliob stoisob. 

S) Dieser Oedankeasnsammenbang erbellt^niobt blos a:as einsefaien Stol- 
len (s. B. De prof. 479, B. 676 M. De somn. 1 142, E. 692 M. Sacrif. Abel 
188, D. 178 H. Qu. det pot ins. 177, D. 214 M.), sondern ans allen Bestim- 
mungen Pbilo^s Über die Materie. 



Die Materie. S87 

md aber die Merkmale, welche den Begriff der Materie aus- 
auichen, so wie diesen theils das platonische, tbeils das stmsphe 
Systeni, die zwei Hauptfuhrer Philo*s, gefasst hatten. Natürlich, 
dmss er sich diesen Begriff in seiner vollen Ausdehnung aneignet. 
Moses, erzahlt er uns, indem er dem Moses die Lehre Zeno's 
unterschiebt, hat erkannt, dass es eine doppelte Ursache geben 
iDüsse, die wirkende und die leidende, die unendliche Vernunft 
und die unbeseelte Materie 0« Die letztere bezeichnet er dann 
weiter mit Plato und den Stoikern als eigenschafls- und gestalt- 
los ^, und mit dem ersteren als leblos, unbewegt, ungeordnet, 
ungleich, mit sich selbst im Kampfe O9 als die Substanz die an 
sich ohne alle Vollkommenheit, und dar^um alles zu werden fähig 
war ^3, als das nichtseiende 0) &uch wohl als das leere und be- 
dürftige O9 oder das dunkle^). Dass jedoch Philo den platonischen 
Begriff der Materie nicht rein festhält, zeigt schon der Ausdruck 
oikrfa, mit dem er sie nicht selten bezeichnet, denn diese Bezeich- 
nung steht mit dem Materialismus der stoischen Schule, welcher 
.sie ursprünglich angehört, mit der Behauptung, dass Substantialitit 



1) De m. opif. 2, B: Mcü9^( hl.., ffvco 8^ 8ti avayxaiÖTaröv Evxtv, ht xtft^ 
dioiv TO |A^ cltfai d^0T)ip(0V aTxiov to hl TcaOvjKxöv ' xa\ 8t( to [xkv 8paaTi[p(ov 6 tcov 
SXoiy vo5( ioTcv ... xb Se 7ca6Y)Tixbv atj^u^ov xa\ axiv7)Tov ii lautou, xiVY)6ky hl xai 
ox7UUcTio6^ xat ^u)(^(i>6kv Onb tou vou u. s. w. De prof. a. a. O.: ^ {jikv f^p ^M 
mxp^v, h Sk Ocb^ ffX^ov tt 9) ^(i»(. Statt CXi) sagt i^b. auch stoisoL ouata; so in 
mehreren der sogleicb anzufahrenden Stellen. M. vgl. hiemit die stoische 
Lebre 1. Abtfa. 119, 5. 121, 1. 125, 8. Anderwärts (De Chernb. 129, B. 162 
M.) nennt Philo auch die yier aristotelischen Ursachen, die ja aber gleich- 
Cüla aaf Jene zwei cnrüokkommen. 

2) "Ascoio^ m. opif. 4, E. 5 M. De prof. 451, E (547). De creat. princ. 
728, B. a67 M. Qu. rer. div. h. 500, C (492). De somn. 1114, B (665) q. o. 

8) ''Ai&opfo« Qn. rer. dir. h. a« a. 0. De yiot. offer. 857, £ (261). De prof. 
451, D (647) tf wo Oott als das xivomv aTxiov der aicoio^ xa\ av«tSeo( xa\ d?/?)- 
|iinrRK ^MoL entgegengestellt wird. Weiteres b. Dähkb I, 185. Als die wir- 
kende Ursache wird Gott oft beseiohnet (vgl. yorl. Anm. L. alleg. 6^ A. 88 M. 
n. a. St.), und ans dieser Natur des ^t^ost 8p«aTi(ptov aliiov (De Cherub. 123, A. 
156 M.) seine fortgehende Wirksamkeit hergeleitet. 

4) M. opif. a. d. a. 0. De creat. princ. a. a. O. Plant. N. 214, B. 329 M. 
De proYid. I, 8. De riet, offer. 857, E. 

6) M. opif. 4, £. 

6) M. opit 18, D. 19 M. Leg. alleg. 62, D (89). De oreat. princ a. a, O. 

7) L. aUeg. 48, B. 62 M.' 

8) Creat. princ. a. a. O. 

FkfIfM. d. Gr. m. Bd. 2. AMh, 22 



Philo. 

Hiid Körperlichkeit dasselbe seien, im eiigsleiiZsSBinmenhaiif ; 
wirklich finden sich auch manche Stellen bei PUlo, ia denen der 
platonische Begriff der Materie «nverkennbar mit der gewöhnliches 
Vorstellnng eines stofflichen Substrats vertauscht i«t O9 «nd eben- 
dahin führte der Sats '), dass sich Gott an die Dinge nur nadi 
dem Maass ihrer Empfinglichkeit und desshalb nur in versdiiedeneB 
Graden mittheilen könne. Es ist ihm unverkennbar weit weniger 
um einen philosophisch genauen Begriff der Materie su thun, als 
nur überhaupt um eine solche Ansicht von derselben, bei wekher 
die Mängel des Endlichen auf sie zurfidigefuhrt und von der gött- 
lichen Wirksamkeit femgehalten worden. 

Schon hiemit war es gegeben , dass Philo nicht eine Welt- 
schöpfung im strengen Sinn annehmen konnte, sondern nur eine 
Weltbildung, eine Scheidung und geordnete Verknüpfung der 
Stoffe, die vorher in chaotischer Mischung durcheinanderlagea 0« 
Im übrigen hat seine Lehre vonderSi^höpfung nicht viel eigenthäm- 
liebes. Er bestreitet nach Anleitung des platonischen Timius die 
Annahme, dass die Welt anfangslos seiO) wiewohl er mit seineB 
Lehrer ihre Unvergänglichkeit voraussetzt ^); zugleich verwahrt 

1) Z. a Cherab. 129, B. 169 M. Plantet. N. 814, B (829). De prorU. 
I, 8. II, 48>-60. 

2) M. opif. 6, A ygl. poat. GAini. 264 M. o. 

8) Bl i. hierflber: Qo. rer. diy. h. 499, A ff. 491 M. ff., wo betoadan 
die Qleicbbeit in der Vertheilung der Stoffe und Gattongen betont wird ; D« 
viot. offer. 857, E (261). De pror. D, 48—60. 65. De Deo 6, & 616 Aneh. 
Ansdrftcke, welobe die Scbdpfang ans niobta ▼oraueinseteen eobeinen (m. a. 
d. Stollen b. Qfröbbr I, 380) sind nur nach Maassgabe der pblloDiecliea Labre 
Ton der Materie za Terstehen ; und ee gilt diess auch von der Aenaaernng De 
Bomn. 677, A (682): h Ofib< xct Khxa ysvvijaa^ oO (xövov tU ToOfi^ov^ ^TFI^i 
diXXdi xa\ & icpötEfov odx ^v l9Co(i)Osv, o5 8))tJLioupY^< (aövov, aXkk xdk xtitfn}c «dibf 
o>v. Aach diese Bcblleeet nicht ans, dase der Stoff der Dinge, welehe selUt 
alle^dinga nicht waren, präexietirte. Ebensowenig beweiaen die eben aage- 
fdhrten Stollen der armenisch erhaltenen Schriften, richtig Terstaadea, fAr, 
sondern eher gegen die Ersohaffnng der Matorie. 

4) M. opif. 2, B. De prof. 452, B (647). De proT. I, 8 ff. TgL inoomplib. 
m. 941, A. 490 II. 

6) Diess wird nicht allein in der Schrift über die UnTerglnglichkelt der 
Welt, sondern auch an anderen Orten ausgesprochen; a. B. Ifigr, Abr. 416, B 
(464) Tgl. m. Plato Tim. 41, A. Qu. rer. dir. h. 502, A (494): Mkxrjl^ ^ 
%(ä h xöefio« Sbco« xpaOslc . . . ouv^arv) ib xo& ouotoiOAc eis Sx» dcoiA^L Plant N. 
215 C f. (880 f.). 



WeltentstehnDg. 339 

er sich aber auch, mit demselben, nicht blos gegen die Vorstelluiig, 
als ob die göttliche SchöpferthStigkeit, sondern auch gegen die 
andere, als ob der Scböpfnngsalct selbst in die Zeit falle; jene 
widerlegte sich unmittelbar durch die Lehre von der Ewigkeit 
Gottes, dieser hfilt er den platonischen Grund entgegen, dass die 
Zeit, als das Erzeugniss tier kosmischen Bewegungen, nicht älter 
sein könne , als die Welt 0- Phüo kann daher auch die wörtliche 
AufTasaung der mosaischen Schöpfungstage nicht zugeben '): die 
Aufeinanderfolge der einzelnen Schöpfungsakte soll nicht als eine 
Zeitfolge gefasst werden, sondern nur die Ordnung des geschaffe- 
nen^ das begriüliche Rangverhaltniss der einzelnen Gebiete aus- 
drücken ^. Freilich fallt aber Philo selbst, wie diess gar nicht zu 
▼ermeiden war, unmittelbar wieder in die Zeitvorstellung zurück, 
wenn er uns erzahlt, vor der Schöpfung der sinnlichen Welt habe 
Gott die übersinnliche, den intelligibeln Himmel , die intelligibeln 
Elemente u. s. w., vor der Schöpfung der Einzelwesen die allge- 
meinen Gattungen hervorgebracht O. Dass der Logos als das Organ 
der Weltbildung gedacht wird, ist schon bemerkt worden. 

Auch was über das Verhaltniss Gottes zu der geschaffenen 
Welt, über Philo's Ansicht von der Welterhaltung mitzutheilen 
wäre, ist der Sache nach schon in der Lehre vom Logos und dkn 
göttlichen Kräften enthalten. Die Welt und ihre Theile bestehen 
nur durch die fortwährende Wirkung der Gottheit, diese ihrerseits 
hört nie auf zu wirken ^'); wie Gott als der Schöpfer gerne (mit 
nato) der Vater der Welt genannt wird •), so sorgt er auch fort- 



1) M. opif. 5, D (6). Jjeg. alleg. 41, A. 44 M. Qa. De 8. immut. 298, A. 
«77 M. 

3) L. alleg. a. a. O. (vgl. S. 801, 4); ebd. 48, E (47). 

8) M. opif. a. a. O. : xa\ yap et nicvta a(ia 6 TcotciSv inoUt^ t^tv o^SIv ^rrov 
^s tSk xal(i>< 'fw6\u9üL t&^c 8k &xoXoudfa xa\ Etp(JLÖ4 Itci ffpoijYO^H'^^v xtvßv xa\ 
hn^jhwtj et xo£^ {i^ tote iicoteX^aiJLavtv, akki. ys to^ tcov texxacv.opievcov hzwoian^, 

4) M. opif. a. a. O. L. alleg. 44, C. 47 M. In demselben Sinn ist ancb 
5ften von einem doppelten ersten Menseben die Rede, dem 7;o(7)0e\( nnd dem 
i:XaaOe\c, dem idealen nnd dem irdiscben, s. B. L. all. 49, D. 57, A (53. 62). 
M. opif. 80, E. 82 M. Plant. N. 220, C. 836 M. Der ideale Menscb soll mit 
dem No8<, aber ancb (s. 6. 828, 4) dem Logos snsammenfallen. 

5) L. alleg. 48, D. 47 M. Chemb. 122, fi f. (155). post. Cain. 254 M. o. 
Qq. rer. diT. b. 489, C. 481 M. 

6) L. alleg. a. a. O. M. opif. 16, B (17). De monarch. 816, D. 218 M. 

22 * 



S40 Philo. 

während für sie, wie ein Vater 0- Die Welterhaltung ist insofers 
nur eine Fortsetzung der schöpferischen Thatigkeit Aus dtescM 
Gesichtspunkt ist es aufzufassen, wenn Philo statt der göttlicbei 
Wirksamkeit oder der Vorsehung auch wohl in stoischer Weise die 
Natur setzt 0; beide sind seiner Ansicht nach allerdings dasselbe, 
nicht als ob Gott nichts anderes wäre, als die Naturkraft, sondern 
weil diese nichts anderes ist, als die Gesammtheit der regelmässigeB 
göttlichen Wirkungen. Selbst an den stoischen Fatalismus werden 
wir durch Philo erinnert, wenn er trotz seiner sonstigen entgegen- 
stehenden Behauptungen sogar das Böse bei Gelegenheit doch 
wieder prädestinatianisch auf den göttlichen Rathschluss zurück- 
führt ^. Um so dringender musste ihm die^ Aufgabe erscheinen, 
die Beschaffenheit der Welt mit der Vollkommenheit ihres Urhebers 
zu vereinigen; so ausführlich er sich aber auch hiemit, besonden 
in der Schrift von der Vorsehung , beschäftigt hat, so finden wir 
doch kaum irgend einen Gedanken über diesen Gegenstand bei 
ihm, den er nicht von seinen vielbenützten Vorgangem, den 
Stoikern, entlehnt hätte, und nur seine abweichende Ansicht in 
Betreff der Willensfreiheit (s. u.) musste seiner Theodicee, der 
ihre. Aufgabe durch , dieselbe wesentlich erleichtert wurde, eine 
th«tlweise veränderte Richtung geben 0- Hiemit hängt zusammen, 
dass Philo, wie die Stoiker, den physikotheologischen Bewds ab 
den natürlichsten Weg betrachtet, um die Ueberzeugung vom Da- 
sein Gottes zu gewinnen ^). Auch das ist stoisch, wenn unser 
Philosoph in dieser Beziehung hauptsächlich den Zusammenhang 
des Himmlischen mit dem Irdischen, die Sympathie zwischen den 



(5 xÖ9[jL0( xa> coc utbc divaBiB^a« |a itgpi tot! natpbc xa\ tt>( ep^ov xtp\ toS nx«^ 
tou) n« 0. 

1) L. ftlleg. a. a. O. M. opif. 89, £ (41). De Bpeo. leg. 807, A. 381 M; 
▼gl. De prfldm. et p. 916, E (416): npövoiov avayxatov elvou' v6pL0( yap ffiotui 
lict(uXet9dat To 9C87COty)xb< ^rfOYÖTO«. 

2) Z. B. De Vict offer. 849, A. 252 M. Saorif. Abel. 147, A (182) rgl. 
De speo. leg. 798, D (822). 

8) So Leg. all. 74, D. 102 M vgl. ebd. 77, C. 80, B (106. 108). 

4) M. Ygl. über Philo*8 Theodioee aus der Schrift De Providentia nament« 
Hob I, 47. 62. U, 12 ff. (Grieohisob b. Eus. pr. cy. VllI, 14.) 99 ff. Lfig. allef. 
74, B. 101 M. Einiges weitere b. Dahhr I, 384 ff. 

6) Z. B. De pmm. et poen. 916, C. 414 f. M. De monarch. 815, C (216) L 
Tgl. DimiB I, 168. 



Vorsehaxigi Theodioee« Zahlenlehre. B41 

üieflen der Wdt, hervorhebt 0; dagegen tritt das pythagoreische 
Blement der philonischen Lettre darin hervor, dass dieser Zusam- 
menhang namentlich in den Zahlenverhaltnissen erkannt werden 
9^1, nach denen alles geordnet ist 0; Philo selbst macht von der 
Ztthlensymbolik einen so ausschweifenden Gebrauch, dass er darin 
liinter keinem Neupythagoreer zurücksteht ^). Neben diesem theo- 



1) Us opif. 27, B. 28 M. Migr. Abr. 416, A. 464 M. 

2) M. opif. *. a. O: Ygl. De monaroh. 824, A (226): Das Xo^^v des 
Hoheopriesters bedeute den Himmel, ineiS^ Ta Iv oupav<j) K&^xa, Xö^oi^ xa\ avop- 
Xc^iaui 8€$rj(juoUpp}TaC 

3) Hier einige Beispiele, die sich ohne Mühe vermehren Hessen: Die 

Zahl der angeblichen Schöpfangstage betrftgt sechs, weil Sechs als das Pro- 

dmkt der ersten mftnnlioben Zahl in die erste weibliche , und als die erste 

Zahl» welche der Sunune ihrer Theiler (1, 2, 8) gleich ist,' fi^occiK vö(ioic yev- 

vtlxocfuTa-co^ ist (M. opif. 3, B). Die Gestirne sind am vierten Tage gescha£fen, 

weil m der Vier die vollkommene Zahl, die Dekas, potentiell enthalten ist 

(M. opif. 9, £. 10 M. vgl. Plant. N. 230,- D ff. 347 M. v. Mos. 670, D. 152 M. 

Qu. in Gen. Hl, 12); die Thiere am fünften Tag, weil es der a?aOi(o«{c fünf 

SHidt die oMr^aii aber das nntersoheidende Merkmal der lebenden Wesen ist 

(M. opif. 18, B. 14 M.). Der siebente Tag war der Ruhetag Gottes, wegen 

der wunderbaren nnd über alle Lobpreisung erhabenen Eigenschaften der 

diebensahl, über die Philo a. a. O. 20, C (21) ff. Leg. alleg. 41, E (45) ff. Qu. 

D. 8. immut. 295, B (274). Deoal. 684, G. 759, B (166. 198). De Septenario 

1178, A. 1177 C (277. 281) u. 5. handelt. Die sehen Gebote geben selbstver- 

'stindlich so einer gründlichen Anseinandersetsung über die Zehnzabl und die 

maDoherlßi in ihr enthaltenen Zahlen Verhältnisse Anlass (De Deoal. 746, D. 

183 M ff.). Wenn Gon. 6, S die Lebensdauer der Menschen seit der ßündfluth 

anf 120 Jahre bestimmt wird, so hat diess viele Gründe: denn 1) ist diese 

Zahl die Summe der 15 ersten Zahlen, 15 aber die Zahl des Lichts, da am 

fünfisehnten Tag nach dem Neumond der Vollmond eintritt; 2) ist 120 die 

15te Triangalarsahl; 8) besteht es aus 64 und 56, 64 aber ist die Summe aller 

imgeraden Zahlen von 1 bis 1